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Full text of "Kaiser Maximilian I: Auf urkundlicher Grundlage dargestellt"

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fiaifrr Hlnjimilinn I. 



3luf urfunbUdjer ©runblage bargeftellt 



bon 



Dr. <&etttri<$ ^tfmatttt, 

?rofeffot bei Oefaiitye an bei Untoetfitfit ju ©telflttatD. 



{Srßer £äcmö. 



.e* bebatf e6enfoie)t ber Sefonnenfteit oU 
bei Rityn&elt be» ©eifle», ba biefer etaeifeitt bal 
Gtnjelne mit bei gtdfjten Cotgfalt etfotföen unb 
alle dtttyUmet gemtfjen}aft toetmeibenfoH, anbetet* 
feit* ober fl$ nid)t buraj bic TOannidjfaltiaMi bei 
$ittge jerfiteuen laffen batf, fonbern baB lefctc 
3 fei mit unvettütftem Su&e ttetfolgen mufe." 
(Kante, 6. 28. XXIV, JW6.) 




Stuttgart 
Stelag bcr 3. ©. ßotta'fd&en Sud^anblung. 

1884. 



Alle »cnji*, 

Infonbertjtit in titfitlnntg auf t(eb*rfeijtmgen, flnb oon irr 

titrlagsljanMnng »orbrtjalten. 



0***£. 



'/o* Divrvp..- 



'tv ^ 



| ' 9 00T. iq V | 
\ 0* QXhuiiD 



Xrud t)on Öfbtübet ftröner in Stuttgart. 



1P o t x e b e . 



Sie ältere, burgunbifd&e ^Seriobe SKajtmtfianS bor 
feiner ÄonigStoal)! iji aus guten ©rünben bon ber 2luf= 
gäbe biefeS 2BerfS ebenfo auSgefcfylojfen geblieben toie fein 
fpecielleS SBirfen als SanbeS^jerr, SefjtereS toirb bem 
fcortoärtS fd^reitenben Sefer l)ie unb ba, too eS erforber= 
lidfj fcfyien, im S)urd^blid bor bie Singen gebraut toerben: 
auf erftere burfte nur ein flüchtiger SRüdEblitf gemattet 
»erben. S)er ©egenftanb beS93ud()S ift bie SteidOSs 
gefd^id^te unter SWajtmilian, 3)afj eine foldfje ein 
tmffenfcIjaftKdfjeS SBebürfnift ift, barüber fann, glaube idj), 
fein 3toeifel befielen. 3cfy ^abe berfud^t eine einbrtngenbe 
©rforfdfjung ber $ufiänbe unb gönnen beS politifdfjen 
SebenS jener 3 e ^ 8 U bereinigen mit bem SBeftreben baS 
3$un unb Saffen beS §errfdf>erS genauer als bisher feft- 



IV 

aufteilen unb ben Snljalt feines JpanbelnS ju meffen an 
ben ju übertoinbenben §inberniffen, Sin §au^tgen)id;t 
ift baljer jum $m& tieferen 93erjlänbnif[eS ber ^ßolitif 
3Kayimilian§ gelegt auf ba3 93erf>alten ber beutfdfjen 
©tänbe ifym gegenüber, in förbernber ober ^emmenber 
S3ejie^ung, einsein ober in i^rer ©efammt^eit, 9JMt 9tütf= 
ftd^t auf biefen ©efidOtspunft ift oorneljmlidfj bie 2lustoaf)l 
ber ju befudjenben 2lrd^itoe getroffen toorben, ba hierfür 
fafi ausfdfjlie&lidfj burdfj neues Material Sidfjt ju hoffen 
toar. gür bie auswärtige ^Jolitif lag für bie %cfyxt, 
welche biefer 33anb umfyannt, ein im ©anjen ausreichen* 
beS 3Raterial gebrutft bor, toeldjeS jebod^ in nidfjt toenigen 
gäHen burclj ardfjtoalifdOe gunbe bereichert toerben fonnte. 
3dfj toürbe eS für 23erfe^rtfjeit galten gerabe 3Rayimilian 
jum 3KitteIpunft einer S)arftetlung ber gefamntten euro* 
^äifd^cn ^ßolitif jener ßfyodje ju machen. fttoax # er 
raftloS unterne^menb faft überaß babei, too ettoaS los ift, 
ettoa toie in ber Sanjfigur beS moulinet ein Seber feinen 
2lrm in ben toirbelnben ÄreiS Ijineinftrecft, unt bie §anb 
ber @d)önften ju ertyafd&en: aber nur feiten bei ben 
großen politifcfyen SBertoicflungen ift er einer ber §aupt= 
acteure ober bilbet er gar bie leitenbe ©teile, ©otoeit 
cS fiel) um geftfteKung feines SIntljeilS tyanbelt, ^abe idjj 
über ein fetyr fdjöneS SKaterial berfügt. SOBeitcr ju geben 
toar nidjt mein ©treben, ba icfy es burd)auS mit ben 
Sßorten tyalte, toeldOe griebridfj ber ©rofce im avant- 
propos feiner Histoire de la guerre de sept ans auS= 



gefprodjen fyat: „des intrigues politiques, si elles ne 
m&nent a rien, ne m£ritent pas plus de consid^ra- 
tion que des tracasseries de soci&£." Snbem idfj jum 
SBerjiänbnifj ber läfftgen 2lu$füljrung ber toon 9Kay ge= 
fa|ten päne auf bie 9?ebenabfid()ten unb btylmnatifdjen 
ftinejfen eingegangen bin, bie er jum ©d^aben feiner 
^Solittf gleichzeitig ju betreiben liebte, meine idj fcfyon 
bis an bie ©renje gegangen ju fein* 

9tod) ein SBBort über bie in ben folgenben Sölättern 
niebergelegte äfaffaffung ber im innem ©taatsleben ringen* 
ben Ärdfte. @3 ift neuerbingS mit ©efd&tdf toerfudfjt 
toorben 9Rarimiüan3 ©treben nadfj grö&erer Unbefdjjränft= 
&eit, unter 93erurtI)eUung ber flänbtfdjjen 9teformbeftre= 
bungen in§befonbere SBert^olbg bon 3Raing, als burefc 
au§ berechtigt barjujieflen. 3$ toeifc nid&t, ob mxä) 
mein ©efü^l taufet, Xoenn iü) in folgen unb ana* 
logen Sluffaffungen jettgenöffifdfjer $iftorifer eine jidOerHdf) 
unbetoujjte aber jebenfatts bertoirrenbe Stütfüberttagung 
toon (Smpfinbungen erfenne, toeld&e erfcfyütternbe unb be- 
beutfame ©nttaricflungen unferer 3 e ** au f *> en benfenben 
Seobadfjter mad&en fönnen, SBeil tyeute ©tärhmg ber 
monardfjifdjjen ©etoalt nationale Sßoütif ift, toar fte es 
bodf) mit -Rieten ju allen fttitm unferer toertoorrenen 
©efdfjid&te. Sei richtiger ©d&ä|ung ber gu 9Jtojinuttan3 
Sebjeiten in ber Station bortyanbenen unb unter ifyre 
natürlichen $äu£ter toert^eilten ©taatsfräfte toirb man 
öielmetyr, bünft midjj, ju ber Ueberjeugung gelangen, 



VI 

I 

baft e<S bamafä toa^rljaft nationale Steafyolittf toar bie 
bor^anbenen ftdnbifd^en Snflttuttonen ju allgemeiner, jeben 
©onbertoiQen binbenber äBirffamfeit au§jugefialten, 2Kap 
ift fcpepdfr gerabe ftarf genug getoefen bie Drganifation 
einer befd&luftfräftigen unb t>aubhmg3fätyigen Regierung, 
in bie er ftd& mit ben ©täuben Ijätte teilen muffen, ju 
hintertreiben: aber er ^at feineStoegS toermod&t bie ber* 
rofteten Sßrärogatiben be3 mittelalterlichen Äöntgt&umS jur 
betoegenben Äraft toieberum ju ergeben* 3)iefe behäng* 
nifcboße Balance l)at e3, toie befannt, nadj) feinem £ob 
unbermeiblid} gemalt einen 2lu3länber ton ©effi^I unb 
3)enfungSart auf ben Äaifertljron in entfcfyetbenb toid^tiger 
©tunbe ju ergeben unb ^at toeiter^in betarirft, bafe aud^ 
uadjj beffen 2lbfd&eiben ba§ SRetd^ auf ein S^^unbert 
in 2lb^ängigleit geriet^ bon ©efid&tepunften unb Snter* 
effen ber fyanifdjen ^errfcfyer, SBBdre bem nid&t, bei aller 
äfoerfennung ber ©d&attenfeiten einer Oligarchie, ber )po* 
Utifd&e ©ebanfe beS mainjer Äurfürjien borjujietyen ge* 
toefen? @3 ifi fein ©runb gegen biefen ©ebanfengang, 
fonbem ein SebenSjeid^en ber unerforfd&lid(>en Seitung 
menfd&lid&er 2)inge, bafe baö 3Kif}tingen jener ftänbifd&en 
föeidjjgreform, infofern baS ©ebred^en auefy bie 2lbtoe- 
fenben ober 3)iffentirenben binbenber 33ef<$lüffe auf ben 
9tei<$Stagen nid&t abgefteüt tourbe, ein Moment getoorben 
ifl für baß erleichterte 3)urd&bringen ber firdjjlid&en De- 
formation in unferm SSaterlank S)ie SBeifettefd&iebung 
beS toormfer (SbictS unb gar ber ^ßrotefl ju ©peier, 



VII 



toie biel (d^toicriger toären fie getoefen, n>enn bie Drb* 
nungen bon 1495 unb 1500 SBefianb gebabt t>ätien! 

@S toar mir bergönnt ein fe^r reiches, nodf) unbe= 
nufcteS STOaterial gu ergeben aus bem §au&, §ofc unb 
©taat&Slrd&ib gu SBBien unb bem ©tattljaltereuSlrdjito gu 
SmtSbrucf, bem ©el>. 6taatS*2lrd()ib gu SBerKn unb ben 
6taats*2lrdf>toen gu 2)üffeiborf, §annober, SWarburg, bem 
^au^t=@taats^rd^ib gu SDreSben, bem (Srneftinifd&en ®e* 
fammfc^rd&ib gu 2Beimar, bem 9leid^8'3lrd^ib fotoie bem 
©e&. @taat§'2lrd^ib gu Wxnfyen unb hem ÄreiS=2lrdf>ito gu 
2Bürgburg. ©ingelne Urfunben u. bergl. fteuerten bei bie 
2lrdjtoe gu gfcmffurt am SRain, Sugem unb ©d&tt% 
6ine toefentlid&e (Meid&terung erfuhr idfj burdj) bie feitenS 
ber 3)irection ber preufjifcfyen @taats*3lrd&ibe fotoie beS 
baierifd&en SWeid^§'3lrd^ib§ gehörte SSergünftigung eingelne 
Slctenbefiänbe aus ben Strdjitoen in SBerlin, $annotoer, 
SRarburg unb 2Bürgburg an meinem SBotynort benujjen 
gu bfirfen. 3Rit lebhaftem S)anf fycibt iä) es femer an* 
guerfennen, bafc eine Slnga^I bereinjt burdf) (SrbmannS* 
bßrfer für bie Sammlung beutfd&er SteidfjStagSacten aus 
bem ftorentinifcljen ©taats*3lrcijito gemadfjter ©ycer^te mir 
foir<# übereinftimmenbe Sonnibeng beS ©ammlers ber 
Rapiere unb beS Herausgebers ber 9iei<$StagSacten gur 
Verfügung gefteflt toorben jinb. ©onjftge literarifd^e 
©efättigleiten @ingelner fmb i^reS Drts gebütyrenb ^erbor* 
gehoben. 

SBon ben gebrucften Chießen benfe xä) nidjjts SBBefent^ 



VIII 

lidfjeS aufeer 2W)t gelaffeu gu fyaben. S^rer Jritifcfyett 
2Bürbigung ijt bic grofjte Sorgfalt jugetoenbet toorben. 
3)aS augenfättigfie SRefultat biefcr ^Benutzungen ifi ba3 
faft bßßigc 33erfd)tarinben mannet fünft in ©Triften über 
2Rajimilian faft Seite für Seite citirter Stamen. SDie 
foftbare $anbfd)rift bon $ugger§ öflcrretc^ifd^em (S^rentoerf 
burfte id^ burdfc bie ©üte ber 2)irection ber breSbener 
Jpofbibliotljef längere 3ett an meinem SBo&nort benujjen. 
gugger (§f.) erfd&eint in biefem 93ud& afö felbftänbiger 
3euge nur, too feine ©rgä^Iung fi<$tlidfj auf ard^ibalifd^em 
HRaterial beruht, toie Urfunben, h>eld^e 2lug§burg betreffen, 
SBerid^ten augSburgifd^er §auptleute u. bergt. (3n ber 
©efd&td&te be§ pfaljbaterifcfyen @rbfoIgefrieg<S ftimmt feine 
2)arftellung ganj mit bem bei 2Bürbinger häufig citirten 
Cod. germ. 900 ber münd&ener §ofbibliot^ef.) 9todfj 
toeniger burfte bon SßontuS Reuter uS ©ebraucfy ge- 
malt toerben, ber, toie idfj fdfjon früher auSgetyrod&en, 
für biefe ^ßeriobe ein Ueberfefcer be§ 3 e ^9 en °ff e ^ SRoKnet 
ijt. 9htr jutoeilen biente er jur §erftelhmg ber in ber 
einigen miferablen SluSgabe be3 lefcteren grünblidf) ent* 
jMten tarnen. 2tud^ ber fonft bielgenannte ©erwarb 
be 91 oo mufete eS ftdj gefallen lajfen burdfj feine Duellen 
erfefct ju toerben. 3w Mgemeinen erliefen jtdj) bie ge* 
brucft toorüegenben urfunblid&en 3Raterialien unb bie SBe= 
rid&te bon 3 e ^9 en °ff en bod) als ergiebiger afä idj bon 
bornt>erein anjune^men geneigt loar. lieber (Smjetyeiten 
brauche idjj midi) Ijier nidfjt auSjulaffen : nur fei ertoätynt. 



IX 

ba$ gerabe nod^ bor S^orfdfjlufc ein )paax fünfte in 
meiner 2luffajfung burdj) bie in bem eben erfdfjienenen 
SBerf SRagentaS über bie SSiScouti unb Sforja enthaltenen 
Slctenflüdc ertoünfd&te SBefräftigung fanben. 

@S ifi audj mein eifriges, langjähriges SBeftreben 
getoefen midfj ber mefjr toeitfd&id&ttgen als fruchtbaren 
Siteratur über bie $ett 9ÄajimiIian§ ju bemädfjtigen. 
3)o<§ fyabe \$ eine nadf) allen Stiftungen l>m erfd^öpfenbe 
Serütfftd&tigung aller mit meinem ©egenfianb in oft nur 
entfernter SBejie^ung fle^enben Schriften nidfjt erreichen 
fonnen, toaS feinen Äenner Heiner UniberfuätSbibliottyefen 
in ©rftaunen fej&en tarirb. 3)aS meifte ^at eigene Sln= 
Raffung ober bie aßejeit bereite SluS^üIfe auswärtiger 
Sibltottycfen, bon benen befonberS ber gßttinger Unis 
berfitätsbtbliotfjef fyier S)anf gejoHt fei, tijuu muffen. 

S)ie ftortfefcung beS SBerfS, für toeldfje bie genannten 
Slrd&ibe in ber STOe^rja^l fdfjon ausgebeutet finb, boffe idjj 
in nid&t gu langer grift liefern ju fonnen, felbft toenn, 
toie toaljrfd&einlidfj, nod) loeitere gunbfiätten für bie fol* 
genbe Sßeriobe aufgefud^t toerben muffen. 3)ie SBor* 
arbeiten finb audEj fonft borgef dritten, um fo met>r als 
mi<$ ber toeitere Verlauf balb auf ein längfl bertrauteS 
©ebict führen hrirb, S)er jioeite SBanb foll aufcer ber 
S)arftettung ber politifdfjen (Sreignijfe bie Stellung Wla& 
müianS im dleiä) ber SBiffenfdfjaft unb Äunft unb beS 
geiftigen unb religißfen SebenS überhaupt umfdfjreiben. 
3l\ä)t S toünfd&te idj> tyeifcer, als bafc es mir moglidj) toürbe 



ba§ ju ©cbot fte&enbe Material fo ju toerboKftänbigen, 
um bamit eine StorjteUung be£ materiellen unb jittlid)= 
religiöfen 3 u P an ^ e§ *> eg beutfdjen 33oIf3 ju jener fteit 
überhaupt berbinben ju fßnnen. Äeine ijiftorifdje 2Iuf= 
gäbe fdjeint mir toom ©tanbpunft toatyrtyeitsftebenber @e= 
f<$id(jt3forfd(jung ^eutjutage bringlidjer. 

©reifstoalb, ben 10- Suni 1883. 

3>et Qetfaffet. 



m* 



3n)att 



cSinfeifiittg (6. 1-187). 
ttwt ber tttaljl ?ur «IjroitbeMS^Sj i486— 1493. 

WasimÜian nadj bem Xob feiner ©ema$lin Waria 1. Bertjalten ge* 
genttber ber ©innafyne Cefterrei$8 burc$ bic Ungarn 3. ftaijcr 3riebrid|>9 
Sage unb @eftdjt8jmnfte 4. S)ie #5nig8ttal)l unb i$re gfolgen 7. Wa$i* 
milian toieber in ben ÜRieberlanben 9. Erneute geinbjeltgteiten toiber Sranf* 
reu$ 10. ftnfnütfung mit gfranj II. k>on Bretagne 18. Was unb Die 
Riebertänber 15 ff. Serlauf ber ftämtfe mit grantrei^ 16 (f. 12). Urfa$en 
be8 Wifet*ergnügen6 in ben ftieberlanben 17. Wai gefangen in Brügge 19. 
Haltung ber nieberlönbiföen Sßrotrinjen 20, beS ÄeidjS 21. ßurfürftentag 
in a&ürjburg 23. Stritte Grrterjog $&iliM>8 unb beS ÄaiferS 24; ob ein 
gemeines Kufgebot 25 (f. 325). $aS faiferli$e $eer im gelb 26. WasimilianS 
Sage toäljrenb feiner defangenf^aft 27. Union ber nieberlfinbiföen $ro* 
»injen 29. Sie Bebingungen ber greifaffung 80. Äaifer unb flönig oer* 
eint in 2ö»en u. f. to. 82. Dilemma WasimiHanB 33; er ma($t ben Ärteg 
all R e i ö) 8f ü r ft mit 34. Sfijje ber Operationen 35. flbjug be8 flaiferS 39. 
Was fe$t für feine Hbtoefen^eit SHbrety t>on Sachen ale @eneralftatt$alter 
ein 40. <S$ararteri|tif beffelben 40. Unterwerfung ber Hieberlanbe 1-489 bis 
1492 6. 43-46. Was toieber im «eidfr im Wärg 1489 6. 46. Dppo» 
fition ber 9Bütel8bac$er. ©eorg toon 2anb8$ut 47. ?Hbrea)t t>on 
Hundert 47 ff. Abensberg unb ÄegenBburg 48. Bermöfyfong mit fluni* 
gunbe 50. £e8 ÄaiferS gefiörte $Iane 52. S)ie tiroler Erbfolge 54 
(oergl. 60—63). $er fötoöbifd&e Bunb 55. Sein Swift mit ©eorg ton 
Batern unb beffen Beilegung burdfr Was 58—60. Was auf bem 9Beg jum 
ftei$8tag in gfrantfurt 64. Sfona oon Bretagne unb ifcre greunbe unb 
Gegner 65. Was Derbfinbet mit Gngtanb 1489 ©. 67. Befälüffe bed franf- 
furter Keic$8tag8 68. ft. geraubt unb ber franlfurter gfriebe mit Äarl VIII. 
69 ff. golgen für glanbern 72. Was unb Unna toon Bretagne (oergl. 
18 unb 65) 73 ff. Sie gabSburger unb Watt$taS Don Ungarn: 



XII 



toenetianifdje Vermittlung 75. 5)ifferenj jtoifdjen Sriebriä} unb 9Waj 77. 
£agfat)rt ju Sin) 78. ©eifere Negotiationen 79—82. Leiter SBaffcnflifl- 
ftanb 82. HRagintüianS $oflma<$t gur SBermäfjhmg mit ber (Srbin toon SBre- 
tagne 84. gortbauer ber £anbet mit Ungarn nad) ^matt^iaS* Xob 85. 2)ie 
Konten ber Habsburger auf bie 6tet>$an3frone 86 ff. SNar, unb Seatrij 
ton Ungarn 88. Söerbungen unb Lüftungen ber Parteien 89 ff. Steber* 
eroberung Defterreie$5 91 ff. Hebung SBienS 92. SRag in Sieiermart 
unb SBien 92—95. 28iabi§Ian> in Ungarn gefrönt 96. 9Har,imilian§ un- 
gariföer gelbjug 97 ff. Erfolge unb Styoieri gleiten 99—101. (Srftfirtnung 
non 6tu$lmei&enburg 102 ff. Meuteret ber SanbSfnedbte 105. 2)ie fonftige 
Sage 106 f. Nüdjug 107. Unierljanblungen in Ungarifä)» Alienburg unb 
Anzettelung mit $olen 108 f. Serlufte §absburg8 in Ungarn unb ben 
Grblanben 109. £ülfe beS Nei<$8 HO. Serljanblungen in Nürnberg unb 
$refjburg 111. griebe ju $refjburg Dom 7. Nooember 1491 S. 113. — 9Jtog 
unb granfrciäV, ulmer öer&anblung bom Nfcoi 1490 €. 115. griebenSber» 
mittlung in ber ^Bretagne 116. HtagimitianS Vermählung per procuram 
mit Anna bon Bretagne 118 ((Snbe 1490). TOar/ SBünbnifc mit dnglanb 120. 
Stellung ber 2Rfl<$te unb befonberß granfreiä)§ aur Vermählung 121 ff. 
Verformung ber ^arteten in granfreiä); 3ean VAlbret liefert Nantes aus 
128 f. Haltung beS $atfte8 Snnocenj 124 f. $er Reichstag ju Nürnberg 
bon 1491 unb aRarjmilian 125 ff. greittnflige #ülfe 128. Angebltyc Ra- 
tification ber ®&e mit Anna 129 (f. (SjcurS). griebriä} III. timberi SHas 
am Aufbruch naä) SQBeften 129—133; Anna burä) granfretdj in bie Gnge 
getrieben 183; i$re Kapitulation unb Vermählung mitflarl VIII. 134—187; 
Sage ber Sßrinjeffin 9Margaret$e 138. ST et j>äj>ftli(J)e £>iS|>enS für Äarl unb 
Anna 139 ff. Stimmung in $eutfölanb 141. — Auftreten ffarlS bon ©ei- 
bern in feinem Srblanb 142. Nütfttrirfung feiner Erfolge auf bie Nieber- 
Ianbe 144. Warjmilian unb fein Vater 145 f. Albredjt öon Vaiern unb 
ber ffaifer 147 (bergl. 47). Seine ÄriegSfteuer 148. Unjufriebenfccit beS 
Abels unb ber Sötolerbunb 149. Neffen Verbinbung mit bem fdfitoäbif^en 
©unb unb anbern (Segnern Albred&iS 150. Vergebliche AuSgleidjSberfuäV 
unb bie Neie$8a($t gegen NcgenSburg 150. 5Waj als Sermittler; er berfötmt 
feinen Sater burä} Goncefponcn 151. $>ro!jenber Jfrieg im grttr)iar)r 1492 
S. 152. $er Vergieß im SRai 1492 6. 154. — Neuer öülf8reie$8tag 
au8gef$rie!en 155. SWarjmilianS eigene Bemühungen um $ülfe 156. QaU 
tung ber Jtorfürften, befonber« Don $fal) unb Nlainj 156—158. £er Neid&S- 
tag na# Jlobleng berlegt 159. Ver^anblungcn beffelben 160. (Sinnalmu 
bon ArraS 163. 3)er Äönig öon fötglanb fa)lie&t Sri eben 163. Spanien 
folgt na<$ 164. 9War/ gelbsug 164—171. griebe bon SenliS 178. NKarU 
milianS Stellung 177 ff. £ob griebri*8 III. 180. 

(gjcurS: $ie angebliche Ratification ber Gtje mit Anna bon Bre- 
tagne gu Nürnberg 180—187. 



r 



XIII 



cSrfes gapifcf (S. 188-291). 

JJlone mtb Änhnöpfmtgen ber erpten laljre, 1493—1495. 

G&araHerifK! WostmilianS 188 ff. Grioartungen 203. ©er Surfern 
flieg Grunbgebante feiner ^olitif 204 ff.; warum eS ni($t boju fam 
207 ff. SJerfanblungen mit Ungarn 209; Was unb bie Surfen 1493 unb 
1494 6. 212 ff.; (Hlärung feines ©erhalten« in ben erftcn 3a$ren au§ 
feiner Bbfla)t beS SürfenfriegB fcerauS 217; »ermä$tung mit Bianca ©for$a 
218; gur e$ara!terifttt ber Königin unb if)rer Qfte 221 ff.; SBetefytung ßobo« 
bico Woro« mit Waüanb 225. Was in Kempten im 8rü&jat>r 1494 6. 227; 
Stoifx jtmfaen Waina unb $falj 228; Verlängerung beS je1)njä$rigen ganb- 
friebenS um brei 3ai« 230. $Ian einer 8ufammenhmft mit Karl Vili. 
ton granfrddj 232 (f. 267). Stampf unb ©tiflftanb mit Leibern 234 ff. 
«mancibation be8 «rtferjog« W^PP 239; bie jpanijdje £op*>eIf)eira^ 241 ff. 
Wo; trab bie Nieberlanbe 244 (f. 247). ttbtunft mit ^fllbrec^t bon Saufen 246. 
Was unb Groningen in Betreff SBeflfrieSlanbS 250—260; $rötenfionen 
9llbre4iS bon Saufen 253 (bergt. %n(ang sunt 4. Gatyitel). Was unb ber 
angebtttfc $ot! Berlins darbet! 261. $er$anblungen (f. 233) anrifdjen 
Hag unb Karl VIII. $inftd&tlia) Statten« im 3a*r 1494 6. 269. Was 
ljofft M 0" Senebig ffi)ablo8 ju (alten 271; Stauer be8 (SinberneimenS 
tofifrenb ber dgpebition Karl VIII. 272. <£nifte$ung einer gegnerifgen 
Koalition 273 ff. Was unb Senebtg feit 1493 6. 276. Hbfid&i eine« 6e* 
baratbertragS 277. @ntftet)ung ber Sign oon Senebig 279. 3fjr 3n$att 284. 
bat ftc geheime Vrtifel enthalten? 285—289. Wasimilian gegenüber ber 
$ebrängung SobobicoS bon Waitanb burä) ben $ergog bon Orleans 289. 



Swtitts &apittt (6. 292-408). 

ÄarintUttm unb bte Retdjgrefomt, 1486 bt« Anfang 1496. 

Wag unb «rgbifdM »ertfalb bon Wainj 292; gur GfarafterifHt 
gertftolbe 294 ff.; 3ufhmb ber »ei<46berfaffung 300; bie grage ber „Ginung" 
gegen fTfmbe Sungen 801; ®erbinbli<feit ber »eiä}8tag8bcf($luffe 802; beren 
©e*eim4altnng 903; bie ttei«8fianbf4aft ber etfibte 804—807; Wagi- 
raiUanß Knt^eil an ben Iteformbeftrebungen feit feiner SBatjl 
308 ff.; am fianbfrieben unb feiner Ssecution 308; an ber Sieform beS 
Äanraergerid&i* im allgemeinen 811 ff. unb foectefl im 3a$r 1489 6. 814; 
an ber fteitySeinung unb anberen IBefd&Iüffen beS 9tei$8tag8 bon 1491 €. 815. 
$ie grage ber ^fllfe in Wannfdfeaft ober ©elb feitenS ber ©tönbe 320, ober 
beS 9nf$lag6 auf alle SReid&8ange$örigen 823. S)a8 „gemeine Aufgebot" 825 
(f. 25). $>er gemeine Pfennig gemeffen an ber Analogie anberer Staaten 328; 
€tanb ber Weinungen bei War/ ^Regierungsantritt 882. 6$nuerigfeiten einer 



XIV 



ßöfung auft ber $erfönltc$feit beS ffönigß 333. SfeidjStag ju SBormS 
1495 6. 337—390. 5£)ic ^arteten gegenüber ber föntglid&en ^ropofition 339. 
(grfte SBerfWnbtgung Über eine Reform 346; #auj>tin$alt ber projeetirten 
Steid&Sorbnung 349. «erhalten ber Stäube 352; be§ flönigS 354; bie grage 
ber eilenben §ülfe unb tfjrer Erlegung 356. SDlajimtlianS (Segenenttourf 
ber ÄeicfcSorbnung 362; bie „Orbnung" fällt 3ß4 f. @c$nrierigfeiten uno 
SBerfanblungen 365. 2>ie entfäetbenben Entwürfe com 26. Suli ©. 870. 
9Rag' MbänberungStoorfdjlöge $inftä)tli<$ feineß $orange$en§ bei (Srfjebung beS 
^fenniaS 370 unb beS Termins 371. gehalten ber Stfinbe 872; War; 
Verlangen einer ftnttcipation auf bie neue ©teuer 373. Gompromifs Dom 
7. Huguft 374. $)er ßanbfriebe 375; ßammergeridbt 876; feine (linjetmng 
in Sranffurt a. ÜR. 378; bie jä^rlidje töeicfc&toerfammlung unb tt)rc (Jörn« 
fcetenj 879; ber gemeine Pfennig 379; bie grage ber flcceffton ber 9b* 
mefenben 382 ; fonßige ©er^anblungen (©olbtoöfcrung) 383 f. 2Kas' Gonflict 
mit Htbredbt toon Saufen unb beffen STuSgleidjung 384 (toergl. 246); ©d&lufe 
beS Steid&8tag8 889. $ic nfi^ften 6<$icffale beS gemeinen Pfennigs 390 ff. 
SBorbebingungen 891 ; SRarjmilianS Haltung unb fein (Einfall ben Pfennig 
*u feinen Jpänben ergeben su Iaffen 392 f.; bie 2öittel8bac$er 393; bie 
ftttterföaft 394 ff. Attas' fötoanfenbeS Spalten 896; «efcfclufe ben nfld&flen 
ffleiflötag im Februar 1496 niflt su befugen 897; feine (Sleidjgüttigfeit 
gegenüber ben SBefd&IUffen überhaupt 398. £er 9tei($§tag fommt nia)t gu 
etonbe 898. ©erfuä) mit bem „guten SBiflen" 400. «Wi&tingen feiner 
6<$adjjüge 402. 



Priftes QapiUt (6. 404-521). 
Die IJeerfatjrt nadf Staltat hn 3aljr 1496. 

Stalten im Sommer 1495 8. 404. Separatfrieben Sttaüanbß mit 
grantreidb 405; wirb Äart VIII. nod&malß einbrechen? 407; SRar,' SBünbnife 
mit Neapel 409; Erweiterung ber Siga bur<$ Beitritt ©nglanbS, berjögert 
burdj Wag $$eilna$me für ben Sßrätenbenten 409; SRailanb unb SBenebig 
rufen Wa% 414. GngtanbS Bnfd&lttft an bie ßiga am 18. Suli 1496 6. 415; 
SBemü&ungen 8frantrei<$S unb ber £i giften um bie §ülfe ber ©(fctteijer 416 ; 
^njajlufe ber lederen an erftereS 417; bipTomatiföe (Segenftrirfungen 418; 
2>ro&ung mit bem Sann 420. föbgcndffiföe ffnea^te bei Wat 421; beffen 
2Bunf$ in Stalten einjufdjreiten unb Anzettelungen in Burgunb 422 f. 
ßobobico 9Jioro unb Mfti 424; Sa^toanten in JBenebig 425; 9Äoj (Jonbottiere 
beiber 425; 9Raj im 2Rat 1496 mit feinem 8o!jn in Ulm 429; Sturj 
SBuSletjbcnS 432; 9Raj entrinnt feiner Umgebung na$ Xirol im 3uni 435 ; 
bie ©elbfrage 436 ff.; Sufammenfunft mit ßobouieo Sfloro §u 9Ral5 440; 
neue Ginfflffe 444; 2Rar; erfter Kitt naä) »ormio 446; jurücf nad) 3mft 447; 
Was unb «enebig 448 ff.; Sfofbruä) na« Italien 452; Stade unb Be- 
gleitung 452; StenebigS Enthüllung 458; Haltung Sabo^enS 455 r SRont- 



XV 



ftrratg 456, gerraraS 458, QenuaB 469; gtotenj' unb SßtfaS 461 (bergl. 
407. üflajimilianö Bedungen au beiben 462; «Ibarabo nad) $ija ge- 
fanbt 468; 9Raj Dertneibet SRaüanb 465; Sufammenfunft in SReba 466. 
3n BtgeDano 466. SRajimiHanS $Ian unb feine Bunbe8genoffen 467. 
Benebig mö^tc feine Umfefr 472 (tergl. 453). TOobiftcirter $tan 478; 
Ibftdjt einer ftaagia auf bie au§ Neapel fceimlefcrcnben Qranjofcn 476; ljat 
Was Stritte getyan ber ffaiferfrönung falber? 480. Sa^lufe ber Ve- 
rätzungen in BigeDano 482; 8Raj in (Senua 485; SRüflung jur Unterftütjung 
$ifa« 487; Ginfd&iffung 489; in 9lapaflo 490; in ^ija 491. ©tanb be* 
Kampfes mit Qflorenj 492. ÄriegSraty 496 ; fflecognoScirung Don SiDorno 496 ; 
beffen Sage 498 ; Belagerung Don SiDorno 500. $urd&bre$ung ber Blocfabe 
bur<$ fran)5ftfä)e ©<$iffe 501; gortfefcung ber Belagerung 504; beabfidjtigie 
drflftnnung beffcafenS 506; Gntfommen ber fransöflfd&en ©cfciffe 507; «uf« 
Hebung ber Belagerung 508; töüeljug 9Jlajtmilian8 509; Witterung beS2Rar- 
fae« auf baft Sittorale oon Genua, bann erfi nadj bem $o 511; Verbleiben 
in Stauen ober ftürfte^r na* $>euifä)lanb ? 512; nidjit ber ffampf gegen bie 
rei4Sftfinbifä)en 3been 30g i$n über bie Hfyen jurfidf 514; bie toirflio)en 
(Brünbe feine« Reibens 515 (Dergl. 518); Berfored&en fetner aOBteberfe^r 
unb einzeilige Htafregeln 518. «üdjug naä) Sirol 518. Urteil über 
ba$ 3Ra6 ber 6$ulb am Wringen 519. Stauen narf) feinem 6$eiben 520. 



Viertes $ajrii«f (6. 622- 632). 

3mtere nnb äußer* Politik vom ©nie btz Saljrt« 1496 bis 

Anfang b*s Saljra* 1490, 

ÄeiäjStag ju ßinbau 522. 9flarjmiUan8 flrgtoofcn 524; Ijat 
Bertyolb oon Eßainj bei ber gforberung ber $luSfü$rung ber toormfer Be» 
fa)lüffe bie Stellung ber (ab3burgifä)en Grblanbe befonberS berfidfia)tigt? 525; 
UriVil über TOasimilianß ffleigtyoiitit 528; SRögliajfeit Don Reformen 3. B. 
auf fiTä^liä^em bebtet 529; Berfcanblungen in ßinbau 531—552. 
Der SBertJ ber monarä)ifä)en unb ftfinbif$en Befhrebungen 552; Gr^ebung 
beS gemeinen Pfennigs 658. SReia)Btag }u SBormS im 3<*$r 1497 
6. 557; Eroberung Don Bojtyarb bur$ ben <frjbifa>f Don Xrier 559; 
Was' Behalten gegen ben Scetdjötag 660. $ie flu§fi<$ten bei gemeinen 
Pfennige auf bem iReiä)Stag ju 2BormS 561 (DergT. 558). Sonftige Be- 
ratyungen be8 JReid&Stagö über bie ttnfoTberungen beS ffönig« 668 ff.; {fern- 
bleiben be§ lederen 571 ; bie türtifd&e ©efanbtf<$aft in StambS unb beren 
BorgefaVdjte 572 ff.; 2Baffenru$e mil ber Pforte 575; griebenSberJanblungen 
mit grantreiä) tofi^renb be§ 3a^rS 1497 B. 576; gelbrif$er Ärieg im 3a$r 

1497 @. 578; StyronnwSfe! in Sranfreiä) 588; Wag toünfd&t bei biefer Ge- 
legenheit baS #erjogt$um Burgunb ju erlangen 584. (Sr^ebition im 3uli 

1498 6. 586. ©fi^fifaV Vermittlung 687 (DergT. 577) ; Behalten beS 



XVI 



«rtferjogS W^P 588; 9Ha$ fliegt einen furjen äöaffenftitlftanb 590. 
9tei$*taß gu Sreiburg 591. £>ic Stänbe in bem Gonflici atoift$en 
SJtoj unb ßubtoig XII. 592 ff. (öergl. 600). S)er gemeine Pfennig in ben 
Grblanben unb im Beia) 596 (öergl. 553 unb 561); Sfortföritt ber Reform 
599; Stellung ber Stänbe 3U ber neuen $roj>ofttion granfreid&S 600. 2>«r 
Stirfenfrtcg ftefct tpieber am #orijont 603. granjöftfd&er griebenSbruc$ 604. 
5Der Ärieg in Burgunb 605 ; 2Rar/ übfärnenfen nad) «Dtefe 606 ; ffitftfifö- 
lott)ringenfd&e SRebiation 607; neuer 2Baffcnfiiflftanb 603. $e8 AönigS 
Xenbenj unb griebrid)§ toon 6a$fen Weggang oom §of 609. Sertjanb- 
lungen in unb ouS ben 9HeberIanben 611 (bergl. 609). Subroig XII. föliefct 
befinitiD mit SJtajimüianS Segnern ab 613. ©elbrijc^er ßrieg im 3a$r 1498 
©. 614; 3Ka£ perfönli* in Seibern 619. 99eabfi*tigter 9leit$§tag au Üöln 
623 unb ftumpfrei^Stag ju 2Borm8 unb fföln Anfang 1499 6. 623—626. 
3tytlipp öon SBurgunb, franjöfifdier Safatt, erhält öon 2Rar, bie greigraf» 
fd&aft reirocebirt 626; ber fortbauernbe gclbrijdje Ärieg burc$ franaöftfd&e 
(Smmiföung erftirft 628; ^qj' Gmjtfrung über 3ttltd& unb äleöe 629; 
äöityelm oon 3üli$ in granfreidj) unb berföfcnt mit ßarl oon Seibern 630. 

«nfcang (©. 632—648). 
Das QBnbe ber frteftfrtjen iFreitjett 

6ädjftjd)e Jpaujitleute in SöeftfrieSlanb 684; SRajimilian unb 9Ubreä)t 
oon Saufen 638; ©erleil)ung ber frießfdjen Spoteftatentotirbe an ben Unteren 
641; 2lu§einanberfetmng mit SBurciunb 641; öollftftnbige Unterwerfung 642; 
Wlbredtjt empfängt bie §ulbigung 644; Hebung ber Unterjochten, Behalten 
Don Äönig unb töeit$ im 3al)T 1600 6. 645. Sieg über bie griefen, Be- 
lagerung SroningenS, M> 9llbred)t& oon ©aa)fen 647. 



Stoffes Öapitef (©. 649-803). 

Die ffjomtfjuug ber S>djro*ij onm töeuty. 

allgemeines 650; Gnttoicflung unb WnjiefcungSfraft ber ©c&meij 651. 
S)ie fogenannte ntebere Bereinigung 658. SBebeutung ber Sdjmetj für bie 
allgemeine $oliti! 654. SBejiefcungen gu ©igmunb Oon Xirol 655; ju 9Äaj 
im allgemeinen unb tyeciell feit 1487 6. 656. 2>er ©unb oon 1487 ofme 
Stauer 656; ©erfcanblungen feit Uebernatjme ber Regierung in Xirol big 1493 
8. 660—663. Gibgenoffenfd&aft unb fötoäbifdjer »unb 664. War, unb bie 
Styoeia 1495 unb 1496 ©. 668 (oergl. oben 416). Sie äöirfung ber 
9teta)Sreform 670. Barnbüler unb 8d)toenbiner 671 ; etanb ber ©ad&e im 
3af)T 1496 ©. 674. $ie Gibgenoffen unb bie töei<$Spnbe im 3air 1497 
@. 676. £ro(enber flrieg im gleiten Sa^r 676; föniglirfjer Vermittlung*. 
oerfu(| 679; «efultat unb ^Infrfjlufe ber dibgenoffen an granfrei<$ 683; Er- 
bitterung ber SßoltSftimmung auf beiben Seiten 685; Unterjochung» furcht in 



XVII 



ber e^weta 688; UeBermutfj beS beutfc$en %Lbel3 688 f. $tc Sdjwetg unb 
ftonftanj 691; teueres in ben fämäbifdjen 93unb 692. — Gntaürftung in 
©TauBünben 693; Eingriffe ber ^abSBurger bon Xirol aus 694; 9lnf<$lu& 
bct ©Tcm&tinbner an bie Sdjtoeia 696; $ifdj}of §einrid& bon Gljur unb feine 
Hedjtung 697; Sd&utb ber Regierung in 3nn9Bru<f am 9lu§Brud& beS Kriegs 
698; Sdjulb SidfrtenfteinS unb ©offemBrotS"? 699; $ifloriogTapf)ifä)e 
ttotia 701; leljte 5BertnitthmgSberfuä)e anrifc$en $irol unb ©rauBünben 702; 
Stiflftanb ju Selbfir* 705 ; v 45ruä) beffelben 706 ; lefcter Eergleiä) au ©IurnS 
709; SRofle beö 5Bifa>fS bon GImr 711; Vorbereitungen jum 2o§* 
plagen in ber Sa^toeia 713, im töeta) 715 ff.; Redereien ber tfriegSIeute 
bei ©uttenberg u. f. tt. 720; Anfang ber gembfeligfeiten am SBorberrljein 
721; kämpfe Bei St. Sucienfteig unb Briefen 722; erfte Unterwerfung be§ 
SSaflgÖu burd) bie Sdjweiaer 723; Sieg ber lederen Bei Jpaarb 724; erfter 
^lünberunßSjug inS §egau 727. SMe Sage in $orberöfierrei<$ 730; fcafel 
unb bie niebere Sereinigung 731; pfätjifd&e Vermittlung 732; treffen Beim 
©ruberljolj 734; Verätzung beS f^ioä^djen SBunbS, ßriecSratl) 735 ; treffen 
Beim S$»aberlo($ 738; 3»eiter Einfall inS §egau 742; Redereien atoifa^en 
XiroTern unb ©raubiUrtnern 743 ; ^Befreiung beS Söaflgflu 743 ; Sd&ladbt Bei 
graftanj 744; SRarjmilianS i>oIitifcfcc Stellung 746; Grflärung beS ?Reia^>* 
frieg§ 749; ©elbnoty 750; 3Rar. unb 9Railanb 751. ©raf $eum$ bon 
gürjlenberg, 99efcljt§ljaBer in ben borberen fianben 754; Sttar. auf bem 93un* 
beStag in UeBerlingen 755; als SReidjfcfelb^err 756; ^Ifine unb 2Biberfbrüd;e 
757; Erfolg beS britten fdjroeiaerifd)en 3ugS in baS #egau 758; Mar. finnt 
auf Eroberungen in ©raubünben 760. Ulridj bon £aB6Berg, tiroler Selb« 
Hauptmann 761; E($laa)t an bet Galben 763. 2Kaj auf bem berlaffeneu 
€o)lad&tfelb 766; Sanbtag in SWeran 767; ^irffcimer naä) ^robiant aufc* 
gefanbt 767; ©ertoüftungSaug inS Ob er eng ab in 768; ftuftöfung beS §eer§ 
770; abermaliges eingreifen ber ©c$ti>cijer toiber Xirol 770. Mar, am 
Sorberr^ein 771. «ei$S* unb »unbeStag *u UeBerlingen 771 ; 2Raj bafelbft 
772; SJorfäjlag ber Aufnahme MailanbS in ben fd)tt>äbif($en ©unb 778; 
Mar, in ffonflana unb am Sdjtoabcrlodj 774; ßriegSpIan 775; Weberlaße 
bei $orned 778. golgen im Sunbgau 782; beS flönigS Haltung 782; er 
pnbet feinen ©ejorjam me$r 783. — JBerljanblungen ju Mainau mit ber 
franjöfif^en SJotfdjaft 784; angeblicher Vorfd&lag aur Teilung Italiens 785; 
franjäftföe unb mailänbifdje Mebiation 787; Ver^anblungen gu Sä)afföaufen 
788; Maj bentt an gortfetwng beS ShiegS no$ Bis jum 3ufammenbruc$ ber 
§erri<$aft Sobobico MoroS 790. Erneute griebenSberfcanblung ju SBafel 791 ; 
SBiberfianb in ber e^tteig felBfi 793; ft$limme Sage 6Ubbeutf$lanbS unb 
€ifer beS mai(änbif$en SRebiatorS 794; Sugeftänbnig Maximilians unb 
Stiebe au »afel 795; flonftang unb baS ßanbgerio^t 796 (bergl. 798); S5e- 
beutung beS gfriebenS 797 f. War BeaBfla^tigt bie ^Refutation SobobicoS in 
Qtaitanb 799. SobobicoS übereilte m&tyx 801. Sein SooS bur$ bie 
6ä)toeiaer entföieben 802. 



XVIII 



StfottS ^flpifff (6. 804-870). 

ßlttb cmf üÄasimUianß töäifye, foroxz auf bk inntvi Öemml- 

tung unb ba* 4)eem)e(jm. 

^Q£ unb feine «ötlje im allgemeinen 804 f. (bergt. 809); Gitelfrt^ 
tum Sollern 807; 3Ratt$äu8 Sang, fBtfc^of tun (Surf unb <£rjbifäof bon 
«Salzburg 810; Sernietn 815; $aul oon 2i($tenflem 816. Regler unb 
Kenner 817; Unger8bü<$ 817; ©offembrot 818; SKlItnger 819; (SafluS $ac* 
queno$ 821; 9Rürjmüianß fcofratfc bor unb na$ 1495 ©. 828. $te 
§ofratl)§- unb #offammer*C)rbnung bon 1498 6. 825; fönfölafen bieder 
Reform 827. Oefierreidjifäe ftegimenfSorbmmg oon 1501 6. 828; fernere 
$erfu$e 829; berfutfcter Äei($S$ofrat$ oon 1512 6. 881; #ofrat$8orbnung 
bon 1518 6. 882. SBefen beS §ofrat&§ unter 9ttaj unb feinen 9la$foigern 
885. — ginanjtDCJen 886 ff. Sttar,' JjerfönltdbeS Stellten in biefer 
©rand&e 886. Ueberfölag ber @inna$men aus ben (Srblanben £38; ou§ bem 
SReidfr unb SBurgunb 842; $erpfänbung ber flammergüter 843; Sdjulben 845; 
$au§f4aä 845. — 9Baj al* 8felb$err 846 ; als Crganijaior beS fceenoefenS SA 7 ; 
bie beutfdje Steueret 847. $eutfä)e5 Sufjbolf bor 9Kaj 851. 6d&öl>fung 
ber ßonb 8 fned&te 852; demente biejeS flrtegSboltS 854; Warne unb 8rt 
856; Orgomfation 857 ff.; Xafttf 859; ttrtegSorbnung 861; i$re Unguber* 
Iäfftgfett 863; Solb 864; $iSctylin 865. Artillerie 866. 3eug$äufer 
unb gelbbefefttgungen 869. 



Einfettung. 

Ojoh hzt Woijl pur ffitjronbjeftBtgrutg, 1486 — 1493. 



2lm 26. SRärj 1482 toerfd&teb ju SSrügge in glanbern, cirf* 
Opfer tyrer Sfagblnfl, bie jugenbltd^ fdjjöne ^erjogin SKarie toon 
SBurgunb, ©ema&Iin be$ ©r$ergog8 SMajhniftan toon Dejierret<$. 
Stein härterer 6<$lag formte, menfd^Ii^ ttrie polttifcty, ben jungen 
gürften treffen, beffen $etfee$ ®ef)nen naä) bem geraubten ©Kid 
naäf fautpf* unb arbeitätooHen Satyrjefytten auSHang in \enem 
tounberfamen Sßoem be$ Styeuerbanf. $>ie Stomanttf in be$ 
gürflen Seben bra$ jä$ ab mit biefem £obe$falI. 39t$$er 
Ratten peinliche ©efd&äfte unb fcarte Äämpfe tyren 2o$n ge* 
funben in ber Slnerf ennung be$ geliebten SBetbeä : jefct &tefe e8 
um ba$ ©afein fämpfen. geinbe ringsum! 3n ber S^at 
fd&ien mit bem Xob 3Raria8 ber gute @eniu8 nidjt nur au$ 
bem $aufe be$ ©atten enttoid&en ju fein. £>a$ ©efd&Ied&t, bem 
er entfpr offen, ba$ $ab$burgif$e, fo rei<$ an Unfällen hrie an 
©rfolgen, toar nie nä&er baran getoefen, alles einjubfifjen, toa$ 
e3 befafe. 3Bä$renb bie £ufe tiirfif<$er Stoffe faft ja&rau« 
jahrein bie gluren 3mterßflerrei$8 jertraten, bra<$ erneut ge* 
rabe 1482 ber toerberblid^e Ärieg Io$, ber na<$ breii&^rigen 
Äämpfen jtirifd&en 9Rayimüian$ SBater unb bem Sordinen 
3Ratt$ia$ toon Ungarn ben ledern jum %bieter 2Bten$ unb 

Ulmann, Äaifer Wajtmtllon. I. \ 



Defterreid&S madjjte. SBfi&renb bem tociltc notygebrungen SKayü 
miltan im fernen SBeflen, um gegen ben garten Äopf flamän* 
bifd^er SBürger fein gute* 9te$t §u toertyeibigen* @3 ift ^unberfc 
mal erjfiblt toorben unb mu& in feinen folgen aufy uns fpäter 
bef d&fifttgen, tt)ie nadj ber gfirflüt £ob bie glamänber ben trauern« 
ben aOBitttoer ni<$t über fid& bulben tooHten. 6ie fanben bie 
ttnterftiifcung SubttrigS XI. toon granlretdjj, bem fte Maximilians 
Softer 3Kargaret^e, o^ne i&n ju fragen, als S3raut beS $)aup$in 
auslieferten, toä^renb fte bem SSater jugleicty bie 33ormunbf$aft 
über ben ©o&n entriffcn, ber in i&ret ©etoalt fu$ befanb. SRte 
ift unter 3Renf$en einem S3ater ärger mitgefpielt toorben. Sin 
3eitgenoffe öerglei^t ben toeteinfamten gürfien mit bem ^eiligen 
(SuftafiuS, bem ein Sßßolf ben ©o$n, ein Sötoe bie Softer ge* 
raubt &atte. * 3Kay blieb, obtoofcl ganj o&ne #ülfe toon irgenb* 
toem auf fi$ allem gefleUt, Sieger in biefem Äampf. Qtoax bie 
abgerungene Verlobung feiner no$ in Äinberfctyu&en fie&enben 
einigen Softer mit bem 6o£ne beS 9RanneS, Der fein untoer* 
fß$nli$fier fteinb getoefen, mufcte er fi<$, fammt ber Slbtrennung 
blfi&enber Sanbfd&aften als 33rautf<£afc, gefallen laffen. ätöer am 
7. 3uli 1485 burfte er ben feit brei Qa&ren tym entzogenen 
©otyn in bie 3lrme fdjjliefcen. 6nbli<$, friegSmübe unb ertneic^t 
bur<$ bie Serttüftung beS SaubeS unb baS 2)armeberltegen beS 
£anbelS, beugten bie glaraäuber fü^ bem ©<$tt)erte. ©ie ber« 
flattben jt<$ jur ßatjlung einer ÄriegSloflenextffd&äbigung unb 
edannten äRayimüian als SBormunb feines ©ofcneS an, ben er 
jebodj ni$t o&ne 3uftimmung ber ©tönbe beS £erjogtl?um$ 
aafcer SanbeS füllte führen bürfen. — 6s erf^eint als eine 
eigent$ämfi<$e gügung, bafe in berfelben ^it, faft an bemfelben 
Sag, an bem SJtay unb feüt einziger ©o$n unb @rbe in baS 
gebemiityigte ®ent einrüdften, beiber 2l$nl?err, ber alte Äatfer 
griebrid) fammt feiner Xod)iex jtunigunbe feine ßflerreid&tfd&ett 
©rblanbe toerlaffen mufete bor bem ©$toert beS uugarifd&en 

1 Olivier de la Marche. Petitot, collection i, 437. 



StegeTä. 3Bie lange unb tote bange Ratten bie aMiefe treuer 
Defterreid&er auSgefd&aut na<$ bem Äaiferfobne, bejfen retteubeg 
einföretten man toon £ag ju Sag hoffte, ja ftdjjer erwartete! 
9n ifcm richteten ft$ bie $erjen ber SBebrängten auf, bie längfl 
verlernt auf ben entfd&Iufelofen, etoig jögernben Äaifer eine 
Hoffnung ju fe|en. Qe^t fingen au$ fte an ju toergtueifeln. 
„SBie lange ttnttft bu Jägern, ^ergog toon Deflerrei<$? 6<$äme 
bicfc, f<$fime bi<$ unb erbarme bi<$ beiner armen Untertanen." 1 
$>er SSortourf ifl untoerbtent. SRan fonnte toerfud&t »erben, 
eä gu tabeln, bafj griebrid&8 III. länber^ungriger @^rgei; eine 
£eiratb feinet einjigen ©obneä befßrbert unb herbeigeführt 
blatte, bie benfelben bauemb ber ^eimat unb feinem ange* 
erbten Sejifc entjie&en mufete, unb erjiereS gerabe in einem 
Sfagenbüdt, mo juerft ber geinb ft$ melbete, beffen nmd&tiger 
Heberma^t man jeftt erlegen mar. SKajimilian bagegen tonnte, 
tote bie 2)inge einmal lagen, f<$Ie<$terbing8 nicfet anberS ^anbeln, 
als er tfcat @& toäre polittfd&er ©elbftmorb getoefen, bie lieber* 
Ianbe ju toerlaffen, in freieren franjßfif<$e ^iilfätruppen im 
Sunb mit bem empörten ©ürgert^um feine Autorität nic^t 
bef^ränfen, fonbern öemtdjten- »outen, um mit einer #anb t>ott 
©etreuer — benn tt>el<$e ^filfe fonnte er au$ bem in fieb ge* 
ft>altenen SRieberlanb jie^en? — ben romantifdjjen 9Utt burdjj bag 
9tei# na<$ Defterrei<£ ju toagen, tt>o fein ritterlid&eS (Eingreifen 
bad 9$erbängui& bod& nid&t aufhalten fonnte. Snbem er fern 
blieb, be&abrte er ft<$ für eine fettere gufunft, SBeffer n>äre 
ed für feinen 3tubm, toenn er ftet« unbeirrt, ttrie in btefent 
gafle, bem SRotbtoenbigen fo au£f$Ke§Ii$ unb mit aller Äraft 
gelebt bdtte, flott gleidfoeitig bloS 2Bünfd&en3toertbem nadfou* 
jagen! SRod&ten fi$ mDejlerreid& bittere ©efüble regen: im 3tei$ 
fanb e£ bei prafttfd&en Sßoüttfern laute Stoerfennung, bafc er }U 
fiegen öerftanben, unter Umftänben, bie e8 fdjjon Ratten ebrentoott 

i 60 treibt bei wiener Hrjt Xid&tel in feinem $aßebu<$. Fontes 
reram aastr. Scriptores 1, 87. 



etf feinen laffen, feinen Sßlaj} behauptet ju fcaben. * 9io<$ im 
3a$r barauf tt>oHtc Äurfürft 8llbre<$t fcou 83ranbenburg nur 
in bem $aH Don be3 @r$erjog8 au<$ nur oorüberge^enber 
S^eifaatyme an bem geplanten 3 U 9 8 e 9 cn Ungarn ettoaä toiffen, 
toenn eine totertDöd&entßdjje Slbtoef en&eit SDtayimtlianfc o^ne SBtffen 
feiner ©egncr unb o&ne ©efafcr für feine Sanbe jiatti&aben 
lönnte. Unb bod) toar leiner me$r afö biefer gürft toon ber 
Ueberjeugung burd&brungen, bafe bie SRittoirhmg 3Rajtmiüan$ 
für bie Befreiung Defterret<$$ förberli<$er toäre afö toiertaufenb 
8Ranu, wegen feiner ©rbgered&tigfett unb Sanb$mannf$aft unb 
toegen ber „gurctyt", toel<$e er „jefct" burdfc feine ritterlichen 
Saaten ertoorben $ätte. 2 

©o ftanb ber greife Äaifer allein bem erbitterten geinb 
gegenüber* 2)a3 Neid) flaute müßig ju, obtoo&I fd[}toerli<$ bie 
toieber^olte 33erft$erung beä ÄöntgS toon Ungarn ©Iauben 
fanb, baß er nur ba3 §awpt be$ ^aufed $ab$burg, nt<$t aber 
Äaifer unb 9tei<$ befriege. SDie auf einem Sag ju Nürnberg 1481 
oeranfd&Iagte §ül\e toar fettenä ber ©tänbe fo gut rote gar 
nityt geleiftet toorben. (Siner ober ber anbere aus tyrer 9Ritte 
$atte too^l, ben Sitten unb broljenben Aufgeboten be3 ffteiäß* 
Oberhauptes toittfa^renb, bemfelben bur$ einen „©efeflenbienft" 
feine gute SDbfid^t gezeigt, ©amit jerfplitterte man nidjjt nur 
fru$tlo3 alle jträfte; bie ©a$e $atte no$ eine anbere, unb 
irre i<$ nid^t, no<£ bebenflid^ere ©eite. ©ur$ fold&e regellofe 
Äufforberungen mürben gerabe biejenigen ©täube nrieber^olt ju 
8tüfhmg unb ßujug fceranlafjt, bie am meiften £erj für Äaifer 
unb 8tei<$ betoa&rt Ratten: anbere, ber ©traflofigfeit ftd^er^ 
jäteten fi<$ n>o£I toor Opfern für allgemeine $\oedt. Sßenn 
biefe taflenbe SSerlegen^ettäpoIitif ji$ junt ©Aftern fortenttoidfelte, 
fo toar bie not^ioenbtge golge ©<$mä<$ung ber reid&ätreuen 
eiemente ju ©unften felbftfüd&tiger ©efellen, bie i$r Sßutoer für 



l A. Crantzii Saxonia 914 (Colon. 1574. 8). 
3 SRinutoK, baS Äaijcrlt<$e ®u<$ 189. 



fr<$ felber aufhoben. ^ebenfalls tonnten fol<$e balb freiwillige 
Seifhingen einzelner fcom Äaifer gewonnener gürflen bem fcon 
SRatt&iaS Gortrinu« mit überlegener 3Ra$t unb Äunjl geführten 
Ärieg feine anbere Sffienbung geben. SSefie auf SSefie, ©tabt 
auf ©tabt fculbigten bem ©ieger. Umfonjt braute 3ftebri<$ 
jefct Opfer, bie man toon feinem fi>rid&tt>örtli(^en ©eij ni<$t 
erwartete. 3Rit bem gall ÄornneuburgS (l. ©ecember 1484) 
toar bie ®efa£r für bie bereite längfi belagerte Sanbeäbaupt* 
jlabt SBien auf« £8<$fle geftiegen. Slber hergeben* fud^te er jefet 
UnterfMi|ung na<$ bei einjelnen 9tet<$$fürflen. Qn feltener 
UebereinfHmmung erhielten feine Unterhäuser überall biefelbe 
Antwort: ni<$t ber einjelne, nur ein allgemeiner Sag toermßd&te 
na^^altig ju Reifen, griebri^ gefianb biefen ju: im 3<muar 1485 
fottte et in granffurt ftattfinben. aber ber Äaifer tonnte ft<$ 
nic^t entfd&ltefcen, feine ©rblanbe ju toerlaffen, bie dürften er* 
föienen fpfit ober gar nid&t ; ber Sag fcatte fein SRefultat. S)er 
Sommer fa$ benn in bem gefallenen SBien bie prunfenbe Stefibenj 
be3 Ungarn, ben Äaifer aber im 6Ienb, ate glüc^tling im 
3teu$ Don Ort ju Ort jie^enb. ©eine bamalige Sage toerjle&t 
ft$ am beflen, wenn man fte toerglei<$t mit ber beS einigen 
ÄaiferS, Welker na<$ i^m au« nid&t^absburgtfd^lot&ringifcljem 
©eblüt erhoben würbe. 93ei grtebri$ III. wie Äarl VII. Rubelte 
e$ ft<$ ni$t barum, bur<$ etwaige ©onceffionen ober Abtretungen 
ben Steft tyrer Siedete ju behaupten. 2Bie SRarta S^erefta ba3 
baterifd&e (Srblanb ÄarlS VII., wollte 51Ratt$ia3 fcon Ungarn ba3 
gefammte &ab$burgif$e #au8gut bauernb behalten. @r richtete 
ju$ DöDig &öu$Ii$ in Defterretdjj ein. -Kur ber @tnfprud& 
Senebtgä fctelt tyn ab, au$ bie abriatifd&en Sßrofcinjen ft<$ bienfi* 
bar ju mad&en. i Sängft $atte 9Ratt$ia$ gelernt baran ju Der* 
jweifeln, mit bem „wunberltd&en Äopf", wie er ben Äaifer 



1 MoDomenta Hnngariae historica. Magyar Diplomacziai eml6kek. 
Matyas Kiraly 1456 — 1490. Szerkesztek J. Nagy 6s A. Nyary, 
HI, 47 ff. 



nannte, ft<$ ju berjlänbigen. 1 griebrt<$, in feinen alten Sagen 
ebenfo unbeugfam wie mifetrautfö, war fo feft burd&brungen 
bon feinem Stecht in ben ^änbeln mit Ungarn, bafj bie un* 
bequeme 3$atfa$e ber gegen i$n aufgefallenen ©ntfd&eibung ber 
SBaffen feinerlei. Stenberung betoirfte in feinem @ntf$lu& nt$t 
nachgeben. @o jog er in bie gerne, ein lanbeäffüd&tiger 
gürft: nur in ber fatf erlitten SBürbe bot ft<$ tym ein ^alt für 
fein Setoufjtfein tote für feine 6teDung in ber SBelt Sin biefe 
Ärone, ber er bisher fo wenig (Styre jugebrad^t, wie fie i$m 
©ewinn, Hämmerte er fidj mit aller 3ä$tgfett etgenrid&tigen 
gittert m$t$ in ber 2Belt lag tym fo fern als biefetbe, bie 
er mit jxdjj ins ©rab }u nehmen badete, abjutreten, ober fte 
aucfy nur mit einem anbern, unb fei e3 ber eigene ©o$n, ju 
teilen. 68 ift eine in bie ®ef$i$te fälfc$It$ hineingetragene 
9lnf$auung, wenn man e$ als einen ganj befonberen SCriump^ 
grtebri<$8 anfeuert ju muffen geglaubt $at, baf? tym gelungen, 
roaS feit $unbert Sauren nid^t borgefommen: bie 2ßal)[ feinet 
©obneä tum rßmifd&en Äönig bei feinen Sebjetten, 2 Slttem 
9lnf$ein na$ fcat er, au<$ als bie rettenbe #ülfe be8 3teid&8 
abhängig fd^ien fcon feiner 9ßac$giebigfeit in biefer grage, erft 
bann feine ßuftimmung fi^ abgewinnen laffen, als er nafy per» 
fönlid&em ßufammentreffen mit feinem 6o$n bie ©ewifftett 
erlangt, bafj berfelbe (jufrieben bie Sw^wft geftd&ert ju fcaben) 
feinerlei ©ingrtffe in bie faiferlid^e Stegterung t^un würbe. 
®<$on beäwegen fann nid^t batoon bie Siebe fein, baf? fi$ bie 
$äupter ber SRef ormpartei unter ben Äurfürften 3 bef onberä für 
SWay intereffirt Ratten, bem feinem SSater gegenüber bie #änbe 
fo weit gebunben waren, baf? SSorftettungen unb gütliche Hebet' 



i HBmutoH a. a. C. 8. 93. 

2 SBergi. meinen Huffofc : $)te 2öaf)t SRarjmUianS I. in „Sforföungen 
3tit beutföen Äefötyte" 22, 188. 

3 8. meinen Huffafc 6. 187. ©eitbem flnb 3. 8. Klärest «d&itt* 
©ebanfen offenbar gemorben burdj feinen ©rief 00m 22. VI. 1485 in ber 
3ettf$rift für jtteu&iföe ®eföi*te 19. 3af>rg. (1882) 8. 85. 



rebung feine einjige äBaffe blieben gegen ben ©tarrfinu be3 Sitten. 
äRayimttian ifi benn au<$ fetter fein befier SBerber getoorben. 
SBenn fonfl jemanb bei biefer 3Ba$l ju feinen ®unfien fidjj 
bert>orget$an tytt, fo ifl e3 bet Äurfürft ^ermann bon ÄCln 
geroefen, ben ua$barli<$e Qntereffen mit bem #erjog bon 89ur* 
gunb »erbanben, unb ber bem $aufe £ab$burg ju ©auf ber= 
pfCid^tet mar. 6r 1>at fi$ trofcbem, ebenfo toie anbete Äur* 
fürften, feine SufKmmung bon 2»ayimilian auf Äoften tyeil* 
SurgunbS tyeit8 be8 Steid^S treuer genug bejahen laffen. %&t 
ba£ Serftänbnife ber Sage ift e8 d^arafter jflif d^ / bafc nidjjt ber 
flaifer, fonbern ber Sanbibat f eiber alle ettt>a notfctoenbigen 
Opfer ju bringen gelungen ift« SBie jeigt fi$ bad f#le<$te 
©enriffen ber Äurfurflen barin, bafc jie, nadjj SfaätoeiS be8 2Ba£l* 
protofoHS, aud bem (gib, melden fte bor ber Äur auf ©runb 
ber golbenen 83uHe ju leifien Ratten, bie Stelle toegliefeen, bie 
t^nen bie annähme bon 33erfpre<$ungen unb ©aben unbebingt 
unterfagte. i 9tatürli$ finb foldjje Sutoenbungen nur accejforif<$e 
Momente. 3)ie ©rünbe ber SBa^l lagen ti>efentlid& in bem 
2Bunf<$, bie Saften be$ 9tei$£frieg8 gegen Ungarn u. f. to v 
beffen Unbermeiblidjjleit man begriff, auty auf ben burgunbif<$en 
8eftfc ber Habsburger mitabjutoäljen unb }um beffer^n ©elingen 
ber Unternehmung an ber S)onau, berfelben }ugtetd£ an ©teile 
be* !riegerif<$ unfähigen unb politif<$ unbered^enbaren ÄaiferS, 
ben afö <£rb$erm ber Sanbe gegebenen, unb burdjj frifd&e Saaten 
bewährten gü^rer ;u ftdjjern. Sie gegenwärtige 5Roty, nidjt 
jutunftige SluSjtdjjtett, befKmmte bie Äurffirften, aU jte, nadjj« 
bem feit ber erften gebruartood&e ju granlfurt einge^enbe 8e* 
fpred&ungen fiattgefunben, aia 16. gebruar i486 ben ©rjtyerjog 
Stap jum römif$en Äßntg erforen unb bom 6$or ber SBar» 
tbolomäuSfirdjje fcerab proclamiren Hegen. £en gufd&auern 
auf bem Settner toarb 2 e8 „faft taumli<#" bei bem Älang ber 

i $Agl. für btcfe ganje Partie meinen ctiirten Sfoffafc 6. 152. 
* SBie ber Wiener beS ©tabtf<$reiber§ üeraeidjnet $at, bei Dlenfölager 
6. 254 unb Sanften, granffurtS Äeid&Scorrefoonbens II, 487. 



8 



trompeten unb pfeifen, bie in grellen Sttffonanjen baS totd^tige 
Sreignifc in bie flare äßinterluft binauS ber aufcerbalb lauften* 
ben SRenge berfünbeten. ©ann öffneten fi<$ bie Sßforten ber 
Äir<$e unb $inau3 fd^ritt, jung unb boffnung$rei<$, tote ber ^eEe 
SRorgen, ber neue Äönig* 

SJtan fyatte, too^l um ben Äaifer bei ber enbü$ gegebenen 
©intoilligung f eft ju^al ten , ben gürflentag ju granffurt jum 
äBabltag »erben laffen, o^ne ft<§ biel an bie formen ber gol* 
benen Suffe ju lehren. <Der Umfianb, bafe bie SBabl bei Sek 
jeiten beS ÄaiferS ftatt^atte unb bur$ fein ©iSpenfationSredjjt 
gebedtt toar, toar bie SRutter ber 3Beümng geworben, bie Sülle 
fei für biefen gaff nid&t beftimmt. 5Bur#au$ ttid^t entfpradjj 
baS ber Stafd&auung be3 ni<$t gelabenen Äurfürfien bon Söhnten, 
beS Äönig« SBlabiSlab, nnb feiner ÜRannen. SKid&t nnr machte 
SBöbmeu, f$tt>er beriefet toie e$ toar, alle feine ©onberredjjte 
gegen bie beteiligten Äurf ürfien geltenb, fonbern toarf fi<§ au<$ 
in bie Sfatne beS feinblid&en Ungarn. <£$ toerftärlte fo bie euro- 
päifd&e öppofitton gegen bie ©r&ebung beS jungen Habsburgers, 
bie, geführt bon ben in engem SSerflänbnifc ^anbelnben Äronen 
bon Ungarn unb §ranfrei<$, auä) ben Sßapjt ^mtocenj jeittoeife 
in ibren Sbeenfreis ju jiebeu berfianb. ©ine SSirfung $atte 
biefelbe, ba fte banf ber f$lie§li$ raffen Snttoidtlung erft ber« 
f>ältmfmtä§tg fyät @egenmineu ju legen berfud&t $atte, nidjjt 
gehabt unb I)atte fte and) naä) ber SBabl nur infofern, als 
ber ni<$t eingeteilte Sßapfl 3a^r unb £ag mit ber Sfaerlennung 
beS neuen ÄönigtbumS fcerjog. S)a$ tyinberte nidjjt, bafe am 
9. Styril 1 1486 }U Slawen unter bem I)erfömmlt<$en ©epränge 
SDfcayimilian bur<$ bie ßanb beS GrjbifcfcofS bon Äöln gefalbt 
unb bur<§ benfelben, gemeinfam mit feinen ßoffegeu bon 3Raiu§ 

unb £rier, gefrönt tourbe. 

äBenige 2Bo<$en no<$, großenteils unter fefllidjjen Sanletten 

i Clenfd&lagcr : 9teue Gfrleuterung ber golbenen 53uÜc. Urhwbenbudj 
6. 267. mm ex, ftei<$StagBtyeater unier 9Ras I, 34. ©fcenbaf. 6. 36 ber 
in bie meinen Verkeilungen übergegangene XrudEfe^ler 5. Styril. 



unb luftigen SHummereien in Äöln toerbradjtf, unb ber eben« 
getoä^lte Äönig berf<$toinbet toieber auf Qa^re aus beut im* 
mittelbaren @eft$t3frei* be$ beutfd&en SolfeS. 2Rögli<$, bajj 
gerabe biefeS rätselhafte gerobleiben beS erlernten SRetterS 
attmä$H<$ bie irrige Meinung auflontmen liefe, als ob nidjjt 
eigener SBunfdj, foubern bäterli<$er 2BiHe bie 3Ba$l ermöglicht 
fcätte. 3Ran launte eben SRayimilian no<$ ni<$t in feiner un* 
fkten ?ßlanma<$erei, nod) nt<$t bie ifcm eingelaufene ©leides 
gültigleit beS Säfl^S, ber feine £ufl gebüßt, gegenüber ber 
erlegten Seute! 3Way toar bon Äöln in bie SKieberlanbe 
geeilt. #ier toa *b i$m im ©ommer b. 3. baS flolje ©efü^l, 
feinem alten SBater ben ©nfel tum erfreu SRal in bie SKrme 
fügten }u bürfen. 2lber auä) nadjj be$ ÄaiferS SBegjug fegte 
3Ray feinen Aufenthalt in ben nieberen Sanben fort, f<$ier un* 
begreif Kdjjertoeife, toenn man fi<$ ber SDlottoe erinnert, toeld&e 
foeben erfi für feine 6rr)ebung ma&gebenb getoefen toaren. 
3a er bradjj fogar eine au$brüäli<$e Sufage, bur<$ bie er, toie 
fein SSater i&m in ©rinnerung braute, 1 bor ben Äurfürfien 
}u granffurt gelobt fcatte, ben Ärieg gegen SRatt&iaS bon Un* 
garn auf feine ©djjultern §u nehmen unb perfönli$ ju führen. 
60 eröärt eS fi<$ jur ©enüge, baß bie Unluft ber dürften 
hinter bem 2Bortbru<$ beS ÄönigS ein bequemes SSerfled fu<$te, 
S)ie Sage, toeldje toegen ber 3tei<$$$ülfe toiber SWatt^ia« 1486 
unb 1487 gehalten ttntrben, »erliefen ju be$ ÄaiferS Äummer 
otyne redjjteS SRefultat. 3mmer bringenber $etf<$t er baS Äom= 
men feines ©ofrteä, o^ne beffen Slntoefen^eit er bei ben ©täuben 
ni$t$ au3ri<$ten fönne. 5Die f^Itefelic^ bo$ bewilligte Unter- 
flüfcung toar fo fnapp gehalten unb ging fo mangelhaft ein, 
ba& ber §um 9tei<$3felb$errn erhobene £erjog 2übre<#t bon 
Saufen fe$r toiber feine SRatur unb Steigung ft$ auf Unter* 

1 %m 5. Sanitär 1487. t>. ffrauS: SflasimilianS $Brieftoe<$fet mit 
$rftföent 6. 58; toergl. @. 57. 9loc$ am 27. W&n 1486 $atte 9Rar, 
bat (Betreuen in Stteberöjhrrcid) fein drjdjeinen an ber Spige eines 9tei<$S* 
$eerS t>erforo<$cn. 6$mel, töegeften ft. Sriebrtd&S 9lr. 7831. 



10 



fcanblungen mit bem geinb legen mufete. 1 2)ie SSorgänge bei 
Eroberung Defterrei<$8 bur<$ bie Ungarn liegen e$ nityt aU 
ganj fern Kegenbe 3RögIi$!eit erfreuten, bafe bie feit 3a$r« 
tyunberten $ab3burgif<$en Sanbe bo<$ an bie #errf#aft ber ©or* 
»inen jt<$ gewönnen fönnten. ©3 ifi nidjjt anjunefynen, baß 
SRaj, ber außer burdjj feinen Sater gehrife audjj bur# anbete 
auf biefe @efa$r aufmerffam gemalt ttmrbe, gleichgültig bagegen 
getoefen fei. 2Ba$ aber toar e$ benn, toaS i$n in fo gefpannter 
Sage fern bleiben liefe? 

9htr toibertoillig £atte er befannttidfr im SRfirj 1483 bem 
toon ben ©tänben glanbernS mit granfrei<$ im£)ecember 1482 
gefd&loffenen ^rieben ju SIrraS ftdjj gefügt 2Ba8 feitbem feiten« 
f$ranfrei<$8 gefdjje^en, toar nic$t geeignet bie gebrauten Opfer 
leidster ju mad&en. 2>a$ Äönigrei<$ $atte fidjj, geftüfct auf bie 
alte ©outoeränetät über glanbern, in ben Streit biefer ©raf* 
f<$aft mit SRaj: gemifdjjt. $ur$ fftati) unb 2$at Ratten 
feit 1484 bie glanbrer ^ülfe bon granlreid^ erfahren. S)a 
trofc be$ „enblid&en ^rieben*, Union unb Sffltanj", beS £ractat& 
üon SIrraS, berfelbe ben §aH eine« ÄriegS §toif<$en granlrei<$ 
unb öurgunb bei gortbauer jenes ^rieben* als mögli<$ bor* 
auSfefcte, 2 lag barin bieDeidjjt lein offener 33ertrag3bru<$. 
aber eS toar um fo me$r eine tüdfif<$e Sßolitil, als Äönig 
Äari VIII. na$ Siedet unb Sßjfid&t ber 6d&toiegerfo$n SJtofi* 
milianS toar. £ro$ biefer fträfltd^en ßonntoenj §ranfrei<$S 

1 2>ie tljeiltoeiS auf ungebrudiem Material berufcenbe Arbeit €>$oberft: 
2)ie Eroberung ftteberöfterreiäjS bur# 9Ratt$ia8 GorötnuS, SBien 1879, fommt 
l)ter rote an anbern Stellen $u irrigen ©d&lüffen, burdj ben su fe$r fceröor« 
tretenben 2Bunf$ griebria) au rechtfertigen. $em Serfaffer ifi für HIbrc($t8 
SeurtyeÜung auger anbern Duetten aud) fein entfa^eibenber ©rief an WlaxU 
graf griebri($ öon SBranbenburg öom 25. gebruar 1488 (bei Sölinutott: 
8?riebri$ L, Äurfürft t>on ©ranbmburg, 2. Hbjdjmtt 6. 23) entgangen. 
(Segen 6$. richtet ft<$ : fcerjog 9Ubred&t b. SB. t)on @a$fen als töei<$5felb. 
$err gegen bie Ungarn 1487, bon ft. ©toewer. ©reifSto. 2)ifl. 1882. 

2 Hrtüet 18 (Du Mont, Corps dipl. III, 2, 102). Ueber Wajimiliana 
€>$n>anten $infU$tlicfj ber Annahme beS {JfriebenS f. Gachard, Lettres in- 
fklites I, 130. 



11 



toar SHajimilian, mie tirir ttrijfen, im ©ommer 1485 #err ge* 
towrben. ©ein ©o$n jß^üiw, mit bejfen SRamen bic ©täube 
glanbernS i$re feparatiftifd^e Hinneigung ju granfreidjj bef<$önigt 
Ratten, war in feiner ©etoatt; er felbfi enblidjj in allen Steilen 
ber üiieberlanbe als SSormunb anerfannt. 2Bie anberS burfte 
er fi$ füllen, benn no$ ein 3a$r bor^er, als er nun im 
SRai i486, gefd&müdft mit ber ÄßnigSfrone, feinen Sinritt tyiett in 
bie SRieberlanbe. ©r fc$mei<$elte ft<$ too&l — unb ber gtänjenbe 
(Empfang, ben er fotootyl als bann fein faiferlid&er S3ater fanb, 
tonnte iijn nur barin beftärfen — bafc bie immerhin f<#toanfens 
ben SSefugniffe beS SJormuubeS bur<§ feine ÄöuigStofirbe eine 
feftere ©runblage erhalten unb eine ausgiebigere ©enüfcung 
julaffen mürben. 3ft lefcterer S9ejie$ung galt es ber Slbred^nung 
mit ffraufreidjj unb tooran mit Slnna Don Seaujeu, toeldje bie 
©eele ber Slegterung tyreS 33ruberS, beS minber jährigen Äarl VIII., 
fomie inSbefoubere ber gegen 3Way geridjjteten ^politil »ar. 2>er 
3Bunf$ mar begreifli<$, aber freiließ na<$ allem, toaS ber junge 
Äönig eben in S)eutf<$lanb fcatte fe&en unb lernen muffen, 
fo unpoKtif<# toie möglich Äaifer griebri<$ $at bie ©d&adfc 
jüge, bie fein ©ofyi jur @rrei<$ung jenes Sieles wagte, mit 
bem SfoSbrudf „lieberlid&er fcenbel, bie feinen grunb no<$ be* 
ftenb auf in tragen" mit richtiger SC^nung gebranbmarft * 6r 
tytte vergebens gesamt unb gebrofyt: ber ©o£n mar längft 
entf$Ioffen. SBenn Slnna bon Seaujeu i&m in glanbern ent* 
gegentrat, ma$te er i£r in Bretagne eine ©igreffion. ©em 
SSunföe granftreid&S, bief eS $er jogtyum naä) bem £obe gratij IL 
jur Som&ne ehtjujietyen, trat SRay bur<$ ein bereits am 
15. 3R4rj 1486 gef$IoffeneS SBfinbnifc mit bem $ergog totm 
SSretagne in ben SBeg, bur$ meld&eS er feinerfeitS ben Sßdjjtem 
beS franjöftfdjjen ©rojftafallen bie SRad&folge garantirte unb fidjj 
mit tym gegen $ranfrei<# berbanb. 2 S5a8 toar, bebor er fammt 



* ftrauS o. a. £>. 6. 59. 

a Cherrier, Histoire de Charles VIII, 2« Edition, I, 145. 



12 



bem Äaifer SBerabrebung jum gegenteiligen ©<$u$ fär ben gaU 
beS 3tei<$3friege3 mit 3Ratt$ia$ Don Ungarn traf (20. äßärj). 
SS erhellt, toie ernfi e8 i$m mit lefcterem getoefen fein fann! 
S5eutli<$er tritt in biefem 3ufammen$ang ber ©rnnb tyer&or, 
ber §ranfrei<$ in fo fcerbtjfene D^ofition gegen 3Rajimtlian$ 
©r&ebung jum Äönigt&um trieb. 3m Vertrauen barauf, e8 jefct 
nur mit einem S^eil ber franjöjtfd&en ©treitfräfte ju t&un ju 
§aben, ging 3Ray feinerfeitS ju birecten geinbfeligfeiten über. 
2)ur<$ ©riefe beleibigenbfien 3n$altS an ben jungen Äönig, fomie 
ba3 Parlament, bie Untoerfttät, ben ©tabtraty toon ?ßari« 
geißelte er bie ungefefcli<$e SJUfftertoaltung 8tnna3 be SBeaujeu unb 
brang jur Hebung ade« ^aberS auf bie Entfernung biefer un- 
^eitooüen Statygeberin. S)ie Sfattoort, toie borauSjufe^en eine 
fdjjarf ablefytenbe, blieb bem römif<$en Äönig nidjjtä fd&ulbig. * 
Slber fdjon Dotier fear man burgunbifd&erfeits ju S^ätUd&feiten 
gefd&ritten, bur<§ bie Ueberrumpelung toon S^erouenne. Unb 
als 3Ray bann, bem 3Bunf<$ einer Partei nad&Iommenb, fi<$ 
entf<$Iofj feine ©etoalt au<$ über bie ©tabt ©t. Dmer aus* 
jube^nen, brad& er ungefd&eut ben ^rieben toon SJrraS, weiter 
biefelbe jur SDtitgift 3Jtargaret^e8 regnete unb bis jur SSott* 
jiefcung ber @&e i&re ©elbftänbtgleit unb Neutralität feft- 
fe$te« 2lm 13. ©ecember 1486 berbanb jt<$ ber römifd&e Äönig 
mit bem #erjog bon Orleans unb ben übrigen ©rofcen granfc 
rei<$3, ju benen granj toon Bretagne unb ftean b'älbret, 5£itular* 
fönig ton üRafcarra, fi<$ gefeilten. Dfienfibel richtete fi<$ bie 
9Serf<$toörung nur gegen bie Sftegentin Stoma be SBeaujeu, in 
äBirflid&feit aber gegen ba3 Stefultat ber [Regierung SubtoigS XL, 
bie ©taatöeinfceit. 2 3n golge ber hierbei eingegangenen 33er« 



1 Äranfc, Saxonia 916. 93crgl. Cherrier I, 147 ff. 

2 Cherrier 154. S$n>er öerftönblidj bleibt, nrie 2Jkr,tmüian utu> 
mittelbar barauf, Anfang Januar 1487, mit bem (Sebanfen einer „enbliaVn 
töid&tung" mit granfreia) fic$ tragen tann (JcrauS S. 59). Sollte bie 
Stellung 3(nna§ be Jöeaujeu bo<$ einen ttugenbltd gemantt $aben, angeftä^tS 
be8 faft allgemeinen Abfalls? 



13 



pflid&tungen fanbtc 3Jla? 1500 ÜRann jum ©$u$ ber 93re* 
tagne, roofelbjl bic granjofeu 1487 eingriffen, na$bem fie 
bie meuterifdjjen SJafaHen im ©üben bemeiftert Ratten. 2>ie 
Sityfern tyaben bort tyre $Pflid&t getrau: i&re ©ebeine bieteten 
neben benen ber toerbünbeteu JBretonen unb dmglänber auf bem 
gelbe Don ©t. Slubin 27» Qult 1488, n>o man no<$ neuerbingS 
ein fyaax golbene ©poren mit ber Qnfdjjrift ,,SBergijjmeinni<$t" 
aufgegraben §at. * Slber e$ lofyit ju fragen, ob biefe Seute 
benn ni<$t beffer in Defierreic§ am Sßlafc getreten toären, too 
eä SUbredjjt Don Saufen nie au<§ nur auf bie 6000 URann 
bringen lonnte, bie ber 9tei<$Sabf<$ieb bon SRürnberg auSge* 
toorfen fyxtte! 2Raj aber backte nid&t an Oefterrei<$, nid&t 
an ba$ 9tei$: bie SMgreffion in ^Bretagne §ur ©rleid&te* 
rung glanbernS toar iljm bereits $auptaction getoorben, feit 
tym fein SSerbünbeter, ber £erjog t>on Bretagne, bie 3lu$jid&t 
»orgeftnegelt, burdj> bie #anb feiner älteren £o<$ter Slnna fein 
©rbe unb 9ta$foIger ju toerben. 2)ur<§ 3a$re bleibt biefe 
8to3fu$t ber rotye gaben in feinem politifd&en ©efpinnfi. S)er 
$lan $at Mannüiä) mit fernerer Sinbufee an gutem Sftuf ein un* 
ertDünf$te£ @nbe genommen. Slber e3 ift Sßflid&t ^ittjujufügen: 
ein &erbiente3. greilid^ toaren bie auf 6 — 800000 r^ein. 
©ulben iä^rlid^ üeranfd&Iagten ^erjoglid^en ©inlünfte, bie maru 
time (Sntoicflung unb Jriegerifd^e SeifhmgSfä&igleit be$ 2anbe$ 
ebenfotnel Sodtungen. 2 Slber fonnte e3 ertoünfät fein für ben 
römife^en Äönig toie für glanbem fünftig auty für ^Bretagne 
Se^enSmann be3 franjöftfd&en §errf<$er$ §u fein? Sludjj mar 
bo<$ bie Rechtsfrage, ob baä ^erjogt^um auf SBeiber vererbe, 
minbeftenS fe^r jtoeifetyaft Sbgefetyen batoon, bot bie Gr* 
toerbung bei ber Entlegenheit feinen fi<$tli$en SSortyeil, fd&lofc 

1 De la Pilorgerie: Campagne et bulletins 34. 

2 Heber bie aBic$tiafett bcr Bretagne für Sterftärfuitö fJranlrei^S bergt. 
GotriarimS Delation öon 1492 (Alberi: Le relazioni degli ambaeciatori 
Veneti. Ser. I vol. 4 p. 16 f.) unb bie ftebe beS engliföen OraiorS auf 
bem $et$§tag ju ÄoMenj (Freher-Struve, Script, rer. Germ. III, 44). 



14 



bagegen nntoermeibli<$ bie SSeretoigung beS ©egenfafceS ju granfc 
rei<$ in fi<§; benn lefctereS formte fi<$ unmöglich bie tym nad& 
SRatur unb 9%ed^t jufte^enbe Slcquifttion entgegen laffen. 6s 
toar baS eine SebenSfrage für ben franjöftf<$en #anbel unb 
bie ©ntttridflung einer SWarine. @o ijt benn ber @ntf$lufc be$ 
&ur SBiebererobermtg feiner öerlorenen ©tammlanbe, jur SBe* 
grünbnng toon ^rieben nnb Sfted&t im 9lei<$, langfi nnb immer 
tirieber befHirmten Surften, ft# in jenes fd&ted&t erfnnbene bre* 
tonifd&e 5K6enteur einjulajfen, ju feltfam, felbfi bei feiner ®e* 
mfit$$ri<$tnng, als bafc man nity eine frembe £anb hinter 
ber ©ac&e fcermutben feilte. SSieBeid&t bringt un8 bie gorfd&ung 
no$ einmal ben 33etoei$, bafe #einrt$ VII. ton (Snglanb, ber 
baS aflerleb^aftefie S^tereffe baran fcatte, bie Bretagne naä) 
bem Stöbe be$ $erjog8 granj nid&t in granfrei<$8 ©etoalt ge* 
geraten ju laffen, nnb toegen ber babur$ bebroljteu ^anbete* 
tortbeile feinet Steid&S ntd&t minber toie bur$ Sßfttd&ten per* 
fönli<$er 2)anf batfeit an ba$ ber$ogIi$e £<xu$ gefeffelt mar, 
bur<$ biefe SBenbnng bie £afl ber Slbme^r auf anbere ©d&nltern 
getoäljt frxt. SDiayimtlian felbfi fanb fi$ too$l leidster in bie 
©ad&e, fteil ba3 ©lüdf feinet SebenS bur$ einen analogen 
$lan, bie @r$eirat$ung eines SanbeS bur<$ Vermittlung mit 
ber @rbto<$ter, ja begrünbet toorben toar. Unb baju $at er fo 
toenig n>ie mand&e anbere $ab3bnrger fi<$ auSgejeid&net burd& 
gemeffene 3urüdf$altung gegen 93erfu#nngen, ti>el$e ifcm bie 
Steige biefer 3Belt als lodfenben ©etoinn t>or bie Singen ßettten. 
SDafc jemals je^t ober nad^er, ber ©ebanfe in i$m aufgetaudjjt 
toäre, ber Stetter ju toerben für bie &on SSerratfc rnnqebene $rin* 
jeffin, bajs er alfo biefe Aufgabe in einem äl>ultd?en ©rab 
piflenblidfcritterlid&en ©<$ttmnge$ erfaßt $ätte, toie einfl feine 
Srautfa^rt nad& Surgunb, ift entf Rieben in Slbrebe §n fieHen. 
@3 ifl nid&t anberS: bie nadfte Sänberfud^t bejiimmt feine @e* 
banfenrid&tung. S)er »ortourf feine« greifen S3ater8, ba§ er 
„lieberlidjjen £änbeln" nadföage, ifl fidler berechtigt, toenn er fi$, 
toie i$ nid&t jtoeifle, hierauf bejie^t. 9datürlid& begannen nun 



15 



aud) bie SBeftrebungen ber franjöfif<$en Sßolitif aitfs neue bie 
Stellung be$ ©egnerS in ben SRieberlanben felbfl ju unter« 
graben unb }u fd&toäd&en. 

9Ray ift unter biefem 3SoIf nie beliebt getoefen, unb 
tonnte e3 bei fetner gang auf umfaffenbe Kombinationen ge* 
nuteten 6inne$art ni^t fein« S)er SJfcieberlänber, fiolj auf 
feine Privilegien unb bie Stellung, bie er aüejeit feinem dürften 
gegenüber eingenommen, fyafte ni<$t3 me$r, als mit feinem @ui 
unb ©tut als äBerljeug ju bleuen für fol$e bem SanbeÄüttereffe 
glei^gfiltige ober gar f$abli$e bpnajlif$e äfojettelungen. 9lid&t 
fo Ietd&tbin barf tynen bedbalb ber SBortourf främer^after @ng* 
berjigteit gemalt toerben. 5Ri<$tS nrittfurlidjjeS , fonbern ettoafi 
bur$au£ ber Gigenart be£ 5Bölfd&en3 unb ber SBettflellnng, 
toeld&e feine geograpbifäe Sage unb mercantile (Sntnndttung 
fyn getoä$rte, entfpred&enbeS lag in ber gorbetung, bafc ü?t 
8e$errfd(>er fid& aU i$r &mbe*fiirft , als ßanbeäfinb fielen 
muffe. SBoIIte man ba8 nid&t jugeben, fo toäre man ebeufo* 
toenig bered&tigt, in ben SSortourf gegen Äarl V. emjufiimmen, 
ba§ betnfelbeu, in untt>ieberbringli$em SlugenbUdE 3)eutf d^>= 
lanbS SebenSinterejfen gleid&gültig, ja untoerjtäubli<$ blieben, toeil 
feine melturnfpannenbe Stellung t$m ein anbereS Silb ber ©e* 
fdtmntlage gab, ate man e$ bei un£ erfefcnte unb hoffte. 
Sber man barf anbererfeitd ber grage ni<$t auStoeid&en, ob 
benn in ber Zfyat baS gemeinfame Sntereffe ber ^lieber* 
lanbe greifbar unb praftifd? bor^anben toar ? @£ lofrtt fi<$ ju 
erinnern, ba§ feit ettoa einem aWenfd&enalter eine bebeutfame 
äBaubfcmg fiattgefcabt in ben alten SScr^dttniffcn ber flanbrifd^en 
Stäbte unb Äaufleuie ju Snglanb. SBie oft Ratten bie §fla* 
ntfinber i$re Sanbesberren jum Sufammenbalten mit (Snglanb 
genßtyigt, fo lange baS 3nfelreidf> fi<$ begnügte, bem blä* 
mi^en SBeber feine SBoQe #u liefern unb fi<$ mit blänrifd&em 
%ü$ §u berforgen. 3Bie gefd&imnb änberte ft<$ ba3, als ber 
Brüte fi<$ erMtynte, au<$ feinerfett« £u<$fabri!ate an ber gegen* 
Überliegenben Äüfte abfefcen ju toollen. Seitbem toar bur<$ ben 



16 



englif$en £anbel, ber fo ofttoärtS rfidtte, »rabant unb ins* 
befonbere ätatoerpen gebieten. 1 SluS politifd&en ©rauben 
$atte gleich • feinen SSorgängern 2Äay an ber SBerbinbung 
mit (Suglanb feftge^alten, 3m 2lnfang ber Stegierung £ein* 
ri<$8 VIL toar ber alte . £anbel8toertrag erneuert toorben: un* 
jtoeifetyaft jum SSeften SrabantS nid&t minber als ber beutfd&en 
SRteberlaube ; aber ebenfo uujtoeifetyaft jur geringen Sefrie* 
bigung ber glanbrer, bie babur<$ mit einer getoiffen 3fa>tfc 
toenbigfeit fi<$ auf bie Pflege tyrer franjöfifd&en 83ejie$ungen 
fcingettnefen fasern Sllfo in glanbern toie SSrabant entfd&ieb 
ganj im ©egenfafc tum efynograpfcifdjjen Clement rein baS 
$anbel3politif<$e bie Haltung beiber ©ebiete. SMe SurfidffteHuug 
jener Dermeintlidjj *>lftmif<$en Qntereffen burdj> ben SanbeS&erm 
ma<$te bie glanbrer me$r als bie anberen Sftieberlänber arg* 
vofyntfti), zerlegbar unb ungebulbig gegen aRafcna^men unb 
etoaige Uebergriffe aWaytmilianS. Sin folgen £at es nun frei* 
lidjj nid&t gefehlt. Saut erfd&oll bie Älage über frembe SSeamte, 
bie fi<$ auf Äoften ber Sanbe bereid&erten ; laut gab fidjj ber 
Untoitte Junb, bie WbQaben ju Smedfen toertoanbt ju fe$en, bie 
ben SRieberlanben fremb toaren. ^tt festerer SBejie&ung »aren 
freiließ bie SRifegeftimmten fidler einer Irämer^aften Unter* 
fdjjäfcuug weiterer ©efi<£t$punfte anjuflagen. 9ln muffelig 
^erauSbebattirte unb Knapp bemeffene Summen fnüpfte ber raifon* 
nirenbe Äaufmann übertriebene (Srtoartungen über ben SSerlauf 
beS Kampfes gegen granfreid). 3Ran moSte eS gar nidjjt 
begreifen, bafc 3Raj nidjjt, ftatt fi<$ in Strtoid ^erumju* 
f dalagen, toenigftenS fd^on in ^Jariö flanb. 2 6tatt beffen er* 
rang im Sluguft 1487 ber franjöftf<$e 2Rarf$aH bu GuerbeS 
bei SBetyune einen triftigen ©ieg, burc§ ben ber Stefl ber @r* 
folge Don 1486 ttrieber Verloren ging. Sieben anberen ^ertoor* 
ragenben $erfönli<$feiten fiel bamal* ber junge Äarl toon 

i Sdjana, (Sngltfdfte fcanbelspolitif gegen @nbe be§ Mittelalters I, 7 
unb 441 ff. 

2 Mol inet, Chroniques III, 132. 



17 



ßgmont, ber bisher in SJtayimttiana Umgebung aufgetoadjjfen, 1 
in geinbeS $anb. 2Benn e$ bem dtefy na$ ging, toar er 
unb fein anberer $err ton (Selbem, baS Äarl ber Äityne feinem 
Stynen bur$ Sifl unb (Setoalt entriffen $atte. 2)ie nur aHju* 
balb gerechtfertigte 83effir<$tung lag na$e, bafe gembeSlift ft<$ 
feiner ate tauglichen ^nfhitmentd jur Erregung innerer Unruhen, 
als Sßrätenbenten auf ©eibern bebienen toflrbe. 2 „©eitbem tagten 
bie glanbrer auf 8 neue bie Körner in bie JQ&fye ju reden." 
S)ad toon 3Raj in$ Sanb geführte unb jefct überall fteglofe 
beutf$e unb f$toeijerif<$e ÄriegStooß $atte ft<$ gritnbli^ 
»er&afjt gemalt 63 toaren jufammengetrommelte Sanben, 
bie bamate einfien* felbfl an Auslieferung i$re£ Ärieg8§errn 
unb ÄönigS an ben franjö|tf<$en 3Rarf<$aII gebaut fydbtn 
fotten: 3 toel^e ©<$onung burfte ba$ Sanb ertoarten, beffen 
Sertyeibtgung i^nen oblag? ©erabe aSerlopalfte Seugen ber« 
fiebern na<$brü<Hufy, bafc bie im ^ennegau unb fonfl bur<# 
jene }ud)tIofen Raufen angerichteten, too^IfianbS&ernid&tenben 
Sernrnftungen bie Sanbe gegen ERay aufgebraßt Ratten. 4 
Stof aQe gälte fonnten fi$ bie unruhigen ©täbte, tnie ®mt, 
gar leinen befferen SSortoanb' ju Lüftung unb ®egenroe$r, unter 
f$einbar betoafcrter fiopalität, erbeuten, aU bie aufgäbe , bem 



1 Sfof bem 2Ba$Itag gu granffurt mar er 1486 in 9ttar,imüian8 be- 
folge eingeritten. 3<mffen, fifranff. töei<$8corr. II, 418. 

2 3n biefetn 6inne forid&t fiä) SÄasimilian felbfl aus in einer 3n* 
ffruetion für grfinger oon ©einSljetm an ben §erjog Don 3üliä). SBegleit» 
ja)reiben Dom 17. Huguft 1487. 6taatSar<$. 3. S)tiffelb. tfflag toar übrigens 
tofi^renb ber Sd)tad)t ftebertran! gewefen. 

3 60 ber gleichseitige Script in ber ttoljl bon einem unbefannten 
Offtdanten be8 $ofS berfa&ten Hietoire des pais-bas en forme de Journal, 
De Smet, Corp. chron. Flandr. III, 715 unb 9Minet 123. Ueber bie 
SBidjtigfeit gerabe biefer ©ölbner für bie (gntttricflung be& £anbgfne$t8« 
»efeiiS oergl. 6. Äajritel. 

* Grand nombre du peuple s'61eva contre le roy, disant qu'il 
avoit plus fouU6 ses pays que seß ennemis (SKolinet 181). 2)aBfelbe 
»rifc ber in ber bongen Ernnerfung citirtc Sonrnalifi @. 717. 
Ulmaitn, ftaifer StafhnUian I. <J 



18 



teuften treiben biefcr Wutigen ®cfctten ein @nbe gu ma$en. i 
Sfabere Älagen Aber JBru$ ber Sßrtoilegien bur<$ ben immer ate 
grembttng betrachteten Habsburger, über SRangel an Sted&nungS* 
legung 2 n- a. m. traten baju. aber felbfi einem gelaffeneren 
Sinn, ate bem 3RaytmiUan$, mußte es $art anfommen unb 
j[ebe Neigung jur 9ta$giebig(eit toerfd&eud&en, ba& ate 21 unb O 
ber gorberungen ba8 Verlangen ungefiörten 3Serfe$r$ mit graut 
rei<$ erhoben tourbe. S)er griebe toon 5KrraS beflimme feine 
eigene gortbauer audjj über eine etwaige Verlegung $inau$, 
mit 2to8fd&Iufc ber griebenSbred&er. ©ie, bie toon @ent, hätten 
ben Vertrag aber nid^t beriefet 3 darauf fonnte unb tooDte 
SRajimilian ni<$t eingeben. 2lHe Unter^anblungen, jebe 33er* 
mittlung jtoifdjjen tym, ben ton @ent unb bem gleid)gejtnnten 
Sriigge — benn felbfi toom SXbel abgefe^en, gehörten burd&auä 
nid&t einmal alle blämif<$en ©täbte ju ben enragirteu — 
mußten hieran fd&eitern. Särmenb mißbilligte man be£ ÄönigS 
antifranjöfifd&e Haltung unb fear fe$r unjufrieben mit ber 
ttnterftüfcung, bie er gegen bad grofee 3tta<$barlanb bem £erjog 
ton ^Bretagne $atte angebei^en laffen. ©o fianb man benn, 
toffl&renb ein Parle« franjöfifdjje* £eer unter S)eSquerbe8 %ty* 
rouanne, ©t. Omer unb anbere ©renjpläfce ^altenb jum (Sin? 
marfdjj bereit toar, Sfafang 1488 fonber S»eifel am SSorabenb 
neuer Äämpfe jtoifd&en £anbe3$m unb SSott. (Sine $od&Der* 
rät$erif<$e ©emaltt^at %at biefen SBirren toon toornfcereiu ben 
bleibenben ©fcaraf ter fcertie^en : jie ifi befiimmenb getoefen für 
bie SebenS^altung SRayimilianS in me&r ate einer Sejie^ung, 
für ba£ politifd^e ©efd&idf ber SRteberlanbe unb enblidfc au<$ in 
befd&ränfterem ©inne für bie Sahnen be$ ^anbete. 

3n biefer ©inleitung, too nur ein Ueberblidt gegeben 

1 ©ent an 9Ron8 10. fllobember 1487 bei Gachard, Lettres in&lites 
de Maxim. I, 71. 

2 gjiolinet III, 199. *u5fü$rli<$er über baS Serlangen ber »ed&cn- 
fd&aft§ablegung für bie feit 12 3a$ren erhobenen Steuern fjugger (§f.). 

3 6. baS oben angef. ©d&r. b. 10. Bobember 1487. 



19 



toerben foU, tarnt nur im SSorüberge^eu t>on jenen ßreigniffen 
geferod&en »erben, ju beren einbringenbfter ©rfaffung ei ruhiger 
Betrachtung nid^t an SWaterial fehlen toürbe. 

Seit bem 1. gebruar 1488 mar 3Jiay ber Oefangene 
feiner Untertanen in ber Stabt SJrügge, toetye tyn oft 
unb julefct nod& unter ber 3ufi$erung in i$re SDiauern ge* 
laben Ratten, im gatt feines ÄommenS auf tyre Äoflen bie 
©renjen gegen granfreid^ befteHen ju toollen. 1 SRay, bem 
e* fonfi, toie eS Reifet, in Srabant too^Ier toär, 2 toar ge* 
lommen, um bie im Obigen enttoidtelten SDUffrerjiänbniffe unb 
Sntriguen bur$ feine perfönlid&e SCnmefen^eit einer gebei$U$en 
2öfung jujufü&ren. ©iefer Uffl>orfi<$tigleit, fotoie ber »eiteren, 
bafe er am 31. 3anuar no$ feinen ©taümeifter §ani S)ef$i| 
mit bem größten SC^eil feines bewaffneten OefolgeS jur SBieber* 
einnähme bei tum ben ©entern überrumpelten 6$loffe3 t>on 
Sourtrag t>on fi<£ gefanbt, berbanfte er eine überaus peinfcoüe 
3eit t>on mehreren SRonaten, toä&renb bereu er feine Sfo&änger 
fcingefd&lad&tet, ft$ felbft unb bie ©etreuen um fid& jeben äugen* 
bltcf bebroft ober minbeftenS gefränft fa$. Äein SBunber, bafe 
er blafc unb abgemagert toar, 3 ba feine ungeberbigen ®e* 
Meter 311 allem fä&ig fdjienen unb ba bie in bie ©tabt ein- 
gelaffenen ©enter offenfunbig im 3ntereffe granlreid>$ Bau- 
beiten, ftarl VIII. tofinfd&te nid&t* me$r, ali SRay in 
feine $anb ju belommen unb für $$ilipp mit 3 u f^ rnun 9 
ber flanbrifd&en ©täbte ben SSormunb ju ftnelen. <Sr fcatte 
feinen töfen SffiiHen babur<$ funbgegeben, bafc er f$on toor 

1 Gra$. WÜPP unb f. töätyc an flaifer griebria), SKed&eln 9. 2Rärj 
U88. (ftleiefoeit. löln. Gotfaibua) im büffelborfer Br<$ib.) $em »rief 
liegt berfelbe 99eria)i auS Brügge ju ©runbe, nrie ber alten $)rutff<$rift, 
bie biegend: Correspondance des magietrate dTpres, deputes & Gand 
et Bruges etc. am Sc$lufj 1—15 $at abbruefen lafien. tiefer „$anbet 
unb furname" ijt offenbar bie Duelle UnreftS ebenfo getoefen, wie für ben 
Röteren X$eil feiner $eriä)te bie §ofmär bei ßi$nott>8fü VIII, »eil. 5. 

2 Sugger (£f.). 

3 Gachard, Lettre« I, 80. 



20 



bem ©njuge in Srügge, am 27. Sanitär, i$m bie @raff<$aft 
gtanbem abgebrochen fritte. 1 Um bcm Verlangen na<$ 2fa$s 
lieferung me^r 9ta<$bru<I ju geben, befann man ft<$ bann in 
SßariS auf ben Äniff, ben Äönig, ben man bo$ fdfron beS Segens 
für öerlufiig erflärt, öor ba3 parifer Parlament afe Dberle$n$$of 
ju citiren. 3n b*t S^at ftefe e$ attgemein, bafc bie glanbrer 
b. $• bie ©täbte ©ent, ©rfigge, (Sourtra^ nnb toentge Heinere 
— bon ben fog. „brei ©liebem" glanbernä fcielt fjpern ft<$ 
toorft<$tig bermittelnb jurihf — bes SEBiUend toären, STOay 
an Äönig Äarl au8juanttoorten. 2)er §o$e ©efangene felbjl 
forstete fogar ©ift unter feinen ©peifen freuen ju muffen. 2 
ttn$ intereffiren toeniger bie ©etaite feiner #aft, noä) bie 
feine« 3toifie8 mit feinen nieberlänbif<$en Untertanen. 3n 
legtet Sejie^ung mag &erborge$oben toerben, bafc bie Sßro* 
binjen, fotoenig fte baS SSerfabren ber Sfofrityrer billigten, bo<$ 
bie ganje ©a<$e naä) unfern Segriffen jiemlü$ faltblüttg nahmen. 
3n SHec^eln maren auf bie Sabung be3 jungen Sß^iliW) atö 
Sanbe^errn bie ©tänbe ber einjelnen Sßroöinjen jufammens 
getreten. 33on ba au$ unterhandelte man in aller fjorm mit 
ben 9iebeDen, empfing ibre ©efanbtföaften, ja liefe e£ §u, ba& 
eine jur (Srlebigung ber ©ifferenjen beflimmte Sufammenfunft 
|iftnbif<$er S>eputirter mit ben tolämif^en (Smpörern gerabe 
nadjj ©ent berlegt tmtrbe, alles unter guflimmung be$ jungen 
Sß&üipp. ®rft als bie beutf$e ^filfe bi$ auf wenige Sage* 
märfd&e ^erangerfidft iji, toagt e$ legerer, »eitere SBer^anb* 
lungen ju verbieten. 3 9Ran be^anbelte in ben SRteberlanben 
eine ©a$e, bie fo unerhört erf^ien, bafc ein 3)eutf$er fte mit 
ber Untbat ber Quben an tyrem £eilanb bergluty, 4 gang in 



1 StdjnotoStto VIII, töeg. 1074. $ie $Befürd)tuna. ber Auslieferung 
an granheid) forid&t am 8. 9R8rj ber Äatfer felber aus. Molinet 271. 

2 @. ben Setiel au8 bem ©efftnanifc an ben <£rgbi|ä)of bon ftöln Bei 
ÄrauS, $Tfifäenf 63. 

3 Gachard, Lettres inedites I, 87—91. 93etgL 80 ff. 

^ ©eföiä)ien unb 2^aten SBiltooItS D. ©d&aum&urg. 6. 78. 



21 



ben hergebrachten gefd&äftSmäfcigen formen o&ne fonberlid&e 
Emotion. 

3n ©eutfölaub braute bie 3fta<$ri$t fcon ber fd&mctylidjjen 
0efangenfd&aft beS ÄöuigS jtoar bie SBirfung $ert>or, »rieber ein* 
mal bie Äräfte gemeinfdjjaftlid&er St^at auf bie Dberflädje ju $eben. 
über man mürbe irren, tüoHte man, etto>a im ©egenfafc juni 
SKeberlanb, in S)eutf<$lanb alle« erfüllt fe^en Don 9ta<$* 
begier, Äamtflujl unb SJegeijlerung. Sn>ei 3a$re Ratten bie 
Äreife, toel#e auf ben Jungen Äöuig große Hoffnung gefefct 
fyttten, flarf abgefüllt 3Ba3 toax benn bejfer gemorben? 
Sie f)attt ber Äönig benn bie 3ufage gehalten, bie er bei 
ferner SBa&l get&au? Sfloc^ faß 9Watt&ia3 Don Ungarn in 
Sien, SReußabt toar i$m injtirifdjjen nod& jugefaQen. SDer 
Äaifer toar unjugänglidjjer afe je unb völlig au« einanber mit 
bem baterif$en £au$, ba3 ©etoaltftreidjj auf ©etoaltftretcfc ge* 
fefit. 2Bar bod& 2ttbre$t *>on 2Kün$en toiber be* Äaifer« SBiHen 
eben fein ©ibarn geworben ! 35te Saiern angelten bagu nac$ bem 
6rbe beS linberlofen ©igmunb Don £irol unb Ratten in biefen ' 
6trebungen bereit« bie fd^toerften Ältypen umfd&iff t. 9Som Äaifer 

■ 

toar 6r$erjog ©igmunb freiließ genötigt toorben, bie ©djen* 
hing }u tiriberrufen, aber trofcbem blieb bie baierif$e Partei 
mä^tig an feinem §of. äu$ bie 33ejie$ungen 3Hayimiltan$ 
fax 6<$toeij toufcten bie 2Btttel$bad&er ju Dertoirren. £)ie erfi 
1487 gefd&lojfene Bereinigung mit Reben Orten ift fdjjon 1488 
ans einanber. ©td&er £atte baju bie franjöfifd&e Partei mit* 
geunrlt: aber audjj 3llbre<$t fcon SJHin<$en fu$te in ben Stlpen 
eine 6tfi|e gegen bie !aiferli$e 3Ra<$t |)ier foU 9llbre$t$ 
©ema^lin Äunigunbe, be$ Äaifer« Softer, eine Sufl 11 ^ pnben 
bor bem 3orn beS SSaterS. Sie ©ibgenoffen foHen für i$r 
Stinten im gaU be$ ÄriegS mit Deflerret<$ ein ©tüdt (Selb 
erhalten; für bie ttnterflfifcung ber Slnfprüd&e älbredj>t$, 
begrimbet auf bie $erf on ÄunigunbeS , meldte ebenf otoo&l erb* 
&ere$tigt fei als 2Ray, toerben benfelben bie ©täbte SK^em* 



22 



felben, ©ädingen, Sauffenburg, SBalbS^ut toer^eifjen. l Sllfo, 
fonfiiger $änbel im 9tei<$ ganj ju gefd^tx>eigen / ©egeuffij&e be* 
ben!Ii<$fier Slrt gcrabc innerhalb bcr Qntcreffenf^ärc bcr $ab«s 
burger! Unb baju ber junge Äöntg, ber allem ben ©türm 
no$ bef<$tt?ören fonnte, in ber #aft! S)afc unter folgen Um* 
fiänben ber Äaifer rühriger ate fonjl auftritt, baft er iuSbe* 
fonbere mit allem geuer bie ^Befreiung be8 ©o^neS betreibt, 
ijl natürli<$. 2lu<$ toar bie ©timmung bei ben ben Sföeber* 
lanben nahegelegenen gfirfieu, toel<$e bie SBtrfung beS böfen 
Seifptetö furzten motten, eine gute. Qn Äöln empfingen ber 
gut &abäburgif<$ geftnnte @rjbif<$of ^ermann, bie ^erjöge 
bort 3üli<$ unb Älefce, ber Sanbgraf t>on Reffen bur<§ bie 
SSoten be$ @r$erjog$ $&ilipp bie ©<$reden$funbe. Sereit ju 
Opfern an ©ut unb SBIut, &etf<$ten fie jutoörberfi 2lbbru<$ feg* 
Iid^en #anbel$t>er!e$r$ mit ben greblern unb tyren geifern. 
Stntretbenb toanbten fie fi<$ an ben Äaifer. 2 SKnberStoo mar 
man weniger eifrig. — @rfi ba$ Jplilfebege^ren 3 6r#erjog 
Sß&tlippS beranlafjte ben ©rjbiföof toon SRainj jur Berufung 
eine« ÄurfürfientagS na<$ SBürjburg. ©<$on toor bem S Us 
fammentreten beSfelben toaren in Äoblenj bie Äurfürjleu fcon 
3Rainj, Xrier unb Sßfalj nur bur$ bie ßinrebe be$ burgun- 



i ?eter granfljufer u. a. an. Sunfer §an§ Sana (ö. ßiebenfelS) 1488, 
8itt8tag nä($ft öor bem Oefäin (fol). SBien. 9Rar,. 1477—94, f. 3Äger: 
3>er Uebergang Xirotö u. f. ». (Erd&iö f. öflctT. ®ef<$. 51, 873) unb au$ 
#rau§, 3Jloj' I. Weiterungen ju ©igmunb öon fcirol ©. 13. SBergl. X. $robft: 
£ie Schiebungen ber fd&toeij. (£ibgenoffenf$aft gum beutfc&en fRetc^ (Mrd&iö 
für fämetjer. ©efö. XV), Separatabbr. 21 ff. unb hinten Äajritet 5. 

* ©. bag oben cttirie fölner Sojnalbu^ in ©Uffelborf. 

3 @rof &bolf öon Staffau Ijatte eS perfönüd& anbringen fotlen. $ber 
öon Äöln nadj (Selbem jurütf berufen , beöoümädjtigte er anbere bamit 
($onnerftag nac$ Estomihi, gebr. 21). Im 3. SRftrj (flftontag na$ Remin.) 
antworten 3Raina unb $fala au§ 2Borm8, bafc fie empört unb befien SBittenS 
ftnb, bafe fie M mit @ra$erjog $t>ilt^^ ins (Sinöerneljmen gefegt $aben unb 
itjre Soflegen ju einem Sag laben wollen. Sefcterer wirb öon SRainj Srettag 
nad) Remin. (SRdrj 7) in ber £$at auSgefa^rieben. SRainj. Sngroffatur- 
burf) 9lr. 45 im toürgb. Ird^iö. 



23 



bilden ©enbboten abgehalten toorben, t>ie &on Srügge ju be* 
föiden, um t>on i^nen bie Utfadje ber ©efangentyattung be$ 
Äonig* ju erlernen. 216er fie Ratten fi$ ni$t bertymberu 
laffen, f$rifttt$ in biefem ©inne an bie brei ©täube tum 
glanbera ft<$ ju toenben. 3118 fte barauf eine nt#t$fagenbe 
Sfoitoort erhielten, trugen fie bei ©ent, örügge unb $pern an, 
ob jte gütliche $anblung geftatten toottteu. Dbtoo&I ber Sote 
in ©ent an$ ber ©tabt getoiefen toarb, t?atte au<$ baS bie 
(jo&en Ferren ni$t jurüdge&alten , nochmals „gar gütlich 
unb gnebigli#" an bie brei ©tabte ju f ^reiben mit SBitte, ben 
Äönig ni<$t ju beleibigen unb m$t auSjuttefern. SXuf biefe 
lefcte (Srfläruug, ber jum tteberflufc nodjmalS ba$ anerbieten 
ber Unterfcanblung angehängt toar, toar no$ leine äfatroort 
eingelaufen, aU am 14. Styril bie Sonferenj Eurfürfllic^er 
Stätte in ber frönen SRainftabt eröffnet tourbe. 1 SRan toar 
bafelbji toon ber faiferlid&en 3luf f orberung , mit $eere*getoalt 
bei Äötn fi$ gu toerfammeln, too griebri$ bereite einge- 
troffen mar, toenig erbaut. Sa gütliche ßanblung borge* 
nommen toerben foDe, bie bei ber Entfernung SSrüggeS too$t 
ein falbes %af)x beanfpru^en toerbe, fei e£ unerträglt<$ fo 
lange gerüftet ju Äöln ju liegen. 3Rit ©etoalt märe ein? 
gejogener ©rfunbigung na<$ nic^t beijulommen. 3Rit bem 
8ef$Iu&, baS ©e&örte ju weiterer ßrtofigung an tyre gn&bigen 
Ferren ju bringen, fd^lofs biefer £ag, ber in $arafterifhf$er 
Seife jeigt, nrie nur gu fe^r man in biefen Äreifen faltjinmg 
geneigt toar, bie tfceuerfien anliegen nationaler @$re — benn 
es toar bo$ feine Äleinigfeit, bafj ber Äönig nunmehr 2V 2 3Ro- 
nate hinter ©#Io& unb Sliegel faß — in bie Vba^nen eine« 
^roceffeS über STOein unb S)ein gu leiten, 2lu<$ fonfl tarnen 
erftaunltd&e Stfnge t>or. 2118 bie 9tei$£contingente ft<$ enbli<$ 
in 3Rarf$ festen, pafftrte e$ toieber^olt, bafe bie für biefelben 
bejltmmten Sßrotriantlieferungen im #erjogt$um 3üli<$ ^«« 3°ß 

1 SRüller, «ei^StagSt^cater unter 2Raj I, 78 ff. 



24 



unterworfen würben. * 3n *>en ©täbten fd^eint baS @effi$l für 
bie (S$re beS Steigs überwogen ju $aben. Stus Äöln, wo am 
16. Slprtt neben betn Äaifer no<$ {ein Sfteid&Sfftrji eingetroffen 
»ar, melbet ein franlfurter SBerid&terflatter: iebermaun fage, 
bief e Steife mufe üor fi<$ ge^en. 2 gur @ntf $ulbigung f ann eS 
allenfalls bienen, baß man nur mit 3Rü$e unb al!mä&K<$ 
brausen ein Urteil gewonnen $atte über bie Sage beS ÄöuigS. 
5Die (gr^ebung ber ©ewerfe SrüggeS gegen bie bem SanbeS* 
tyerrn geneigten 6tabtbe$ßrben war ein in ben atonalen glan* 
bemS ju häufiger Vorgang, als bafe er fcätte auffallen föunen. 
@rfl als bie mit $ranfrei<$ eintoerfianbenen, jum Sleufcerfien 
entf$Iof[enen ©enter na<$ intern ©njug in SJrflgge mit ben 
£anbwerfern gemeinfame @a$e matten, warb ber %aU ge* 
fä&rli<$. Son biefer (Sntwtdttung $atte man bei ben fhengen 
SSorfe^rungen ber Stebellen brausen lange lein re<$teS 98er* 
fiänbni&. 3Bo$en mufc es gebauert fyaben, bis man in ber 
Umgebung beS (Srj^erjogS Sp&ility) in Wiegeln bie ©retgs 
niffe ju begreifen begann. 8 3lm 20. gebruar enblt<$ braute 
ein in ber SJerfletbung eines Kaufmannes aus SBrfigge ent* 
tommener Wiener beS ©efangenen bie ©$recienSbotf$aft na<$ 
Äöln, wo erji toier Sage foäter bie Oefanbten beS ©rj^erjogS 
$&tltyp mit tyrem £ülfegefu$ eintrafen. 4 2Bann bie erfte 
ftunbe bem f<$on fo f<$wer bebrängten Äaifer jufam, befien 
öäterli<$eS #erj bur<$ bie unberlennbare ©efatyr ni$t minber 
getroffen Würbe, als fein ©tolj bur<$ ben laum erträgüd&en 



i Äaifer 8?riebrl<$ III. an fcerjog Söifljelm öon 3üttc$ 8. 9Rai 1488, 
©raf 3o$ann tum SRaffau an benf. (11. üttai 88). ©üfielb. Er<Jto. SSergL 
Sanften, 9frt$3cort. II, 9lr. 644, toonad) im 9tyril noä) niemanb auf biejc 
inoentiöfe 3bee gefommen nrnr. 

2 3anffen «Ar. 644. 

3 <£rfl Dom 14. gebruar batiren bie erftcn 9tta6rea.eln. Gachard, 
Lettres I, 74. 

* „§anbel unb fumemen" (bei ©iegerid €>. 10). ©onnerjtog nad& 
Hf^ermittttoä) unb fjierauS bei Unreft 6. 760. lieber 5ßl)tliw>§ (Sejanbten 
f. oben. 



25 



6<$raq>f, läfct ftd& ni$t fefifieBcn. ©eine erfien ©dritte ba* 
tirert vom 6« 9ßärj. 1 ©ie galten bem jungen p&tlipp ober 
too&I me$r feinen Stätten unb ben ©täuben beS ^ennegau, 
benen ber Äatfer bie ©efa^r beS S3erlufle§ ber Unab^ängigfeit 
ab golge jeber ©<$toä<$e gegen bie tum ^xantxeiä) gegängelten 
ÄebeHen einbringtt<$ t>or Sdtgen jlellte. S)ie furd&tbare @r* 
regung beS $o$betagten, fonfi fo un&ett>eglt<$en ÜRanneS fitylt 
ft$ beutlidj bur<$ in ber (grllärung, bafe er, fo lange er lebe, 
itidjt ru^en tu erbe, bis folgern Sierra t$ bie gebfi&renbe ©träfe 
getoorben. SuS bem ©^reiben erfährt man au$, ba& Stritte 
(ei ben 3tei$Sffirfien bamals am 6. unb 8* 3Rärj erji in ber 
9bfi$t beS ÄaiferS lagen. 2 Sin bie Berufung eines 3teid&S* 
tageS toar bei bem ©rang ber Umfiänbe ni$t ju beulen, 
aber es fehlte btefeS SRal ntdjt an Mitteln aufeertyalb ber 
flaatSre<$tltd&en formen toon ben ©tauben baS ju erlangen, 
toaÄ bie SWotbtoenbiglett er&eif<$te. — 9U$tS freili<^ iji irriger, 
ate baS neuerbingS aufgehellte ©Aftern, 3 voonaä) in einer @e* 
fa$r beS Steigs alle 8tei<$Sftänbe au<$ o$ne i^re SufHmmung 
unb allem fraft ber bem Äaifertbum innetoo^nenben monar* 
<$if$en Autorität jur #filfe verpflichtet getoefen mären. @ine 
fold>e Prärogative jum „gemeinen ßug" anzubieten tyat baS 
Rei$SjiaatSre$t nie gelaunt ber ©efammt&eit ber ©tänbe 
gegenüber. f5freilt$ übte auf bie gteid&Sjiäbte ber Äatfer eine 
Autorität aus, ber jt<§ biefelben am toenigflen bann entjte^en 
lonnten, toenn tirir!lt$ baS 3tet<$ in @efa$r toar. Die gärflen 
bagegen waren fd&on gar nt$t in ber Sage, ein fold&eS äluf* 
gebot als biubeub anjuerfennen, i^rer Sanbfiänbe falber. SRic 
ift einer folgen gorberung als einer gefefcli<$ juläfftgen ge* 
fcorfamt »oibeu. SBie eS in ben 3tei$Sbingen fiets ju ge* 
f$e$en pflegte, fcaben gegebeneu gallS erft SBer&anblungen mit 

1 «Rolinet III, 271. 

2 SRoImet 270 ferai exciter unb 273 seront . . . excit£s. 

3 $Bon (&. (Sotyeut: $oliiif$e unb re% 93ott§betoeflungen üor bei De- 
formation 6. 58 ff. 



26 



ben einjelnen, ferner bie 9Serfyre<$ung, bie geforberte ßeiftung 
auf anbere fpäter reu$8orbnung3mäf$ig ju er^ebenbe angu* 
rennen u. bgt., bie ffirftlic^en Ferren ttriDfctyrig gemalt, 
©omeit ft<$ na$?ommen läßt, bat ber Äatfer nur ben ©täbten 
gegenüber in folgen 3lnf<$reiben mit Sefe&l unb ©trafan* 
bro^ung opertrt, mä&renb er e£ ^infid^ttic^ ber gürften bei 
bringenber Sitte betoenben liefe. Qm ©runbe untertreiben 
fi<$ lefctere £ülf$forberuugen nic^t bon benen jur ßeiftung 
eines „©efeDenbienfieS", tote jie t>on ausgewählten ©injelnen 
griebric^ bie 3a$re $er f o unermübli<$ eingemahnt $atte. 5DieS* 
mal beburfte e£ nt<$t ju {tarier SDlitteL 2Barb es bo<$ man<$e$* 
ortS ju ben SebenSfäffen geregnet/ bei toel$en ber Safatt 
o£ne tbeitereS jur $ülfe verpflichtet mar, menn e8 galt, ben 
$errn ober beffeu ©o$n aus ber ©efangenfd&aft ju befreien. 
S)aS ®efu$ @r$erjog ^tyilipps toar im allgemeinen von 
toornberein auf günfügen ©oben gefallen, ©tanb bo<$ ni$t 
nur bie @$re beS Steigs in ber Sßerfou feines fänftigen 
ÄaiferS, fonbern ebeufo bie Stellung aller gürften unb 
Dbrigfeiten tyren Untertanen gegenüber in grage. Seber, 
unb gumetfi bie SKa&egefeffenen, Ratten ©runb / baS üble 
Seifinel ju für^ten. ©o fanb benn ber fatferli^e Stuf §u 
ben SBaffen bereitwillig SBibertyaH in unferem gefpaltenen 
SSaterlanb. 

9hir annäbemb freiließ marb bem SJlitte Sßärj 1 ergan- 
genen faif erlitten Slufruf, am 23. SCpril bei Äöln mit allen 
ftreitbaren ßräften fid^ emjufieHen, entforod&en, aber eS mar 
bod) eine jiattlu$e #eerf$aar, bie ber greife §riebri<$ t>on ber 
alten Styeinfiabt aus in Sßerfon jur Befreiung feines ©ebnes 



i Im 16. Sflärj an TOredjt öon Sadjfem t>. Sanamn, TOre$t b. SBe* 
$ergte @. 189. $ermutijlt$ bamals an alle ©tänbe. Sßfalj antwortet am 
1. Vprif, ber branbenburg. SHarfgraf am 4. (2td)noȧty VIII, {Reg. 1110 
unb 1111). £>a8 Hu8fc$reiben an Gelingen t)om 11. ^Ipril (Mütter $ei<&3» 
tag$t$. <5. 73) fetjt einen früheren ©ebotSbrief borauS. SBergl. bie ^Reibung 
in: §anfereceffe »on 1477—1530, II, 271. 



27 



heranführen tonnte. SRit ber Slbtbetlung unter Etyriftop^i bon 
Satern, bie fd&on bor^er in gfaubem eingebrungeu toar, um 
Särügge ju blodEiren unb bur<$ bie Vertoüfiung be8 SanbeS in 
ben StebeEen bie §ur<$t &or Vergeltung ju toedfen, f$lug man 
bie beutf<$en Kruppen auf über 20,000 3Rann an. Seit 
langem fyitte baS 9%ei$ lein fo gut btSriplintrte* unb too$l 
auSgeriifieteS $eer auf bie ©eine gebraut, ©treitlräfte ber 
treugebliebenen nieberläubtfd&en Sßrobinjen flanben jum 2Itu 
fd&tufc bereit. 9tet<$S$auptmann toar SRarlgraf griebri<^ toon 
Vranbenburg: ntd&t gering toar bie ga^I ber gfirfien, toeid&e 
neben ,bem Äaifer felber mit tnS gelb gejogen toaren. 3m 
Vertrauen auf bie geregte ©a<$e, für treibe au<$ ber Sßapfi 
ftcb au3gefpro<$en, ate er ©ent, Sritgge unb bereu Slntyänger 
ju un&erjfigU<$er gretgebung t$reS ©efaugenen unter Slnbro^uug 
ftrengjler (Senfuren aufgeforbert tyatte, toar ba8 §m big Sötoen 
bereite borgebrungen; aufcer ber Befreiung be$ ÄönigS, 33e* 
fteafung unb Sönbigung ber ÜRiffet^äter fianb als toettere$ 
Äampfjiel bie Abrechnung mit bem ^interlifiigen unb getoalt« 
tätigen SSerbänbeten ber olämifd^en ©täbte, mit granfrei<$, 
toor äugen. S)a auf einmal trat ein Umfianb ein, ber, inbem 
er ben SRotiben ber anfangs gögemben beutf$en Äurfürften 
Stecht }u geben f$ien, bem ganzen Unternehmen ben SBoben 
unter ben gfifcen toegjog. SKay toar frei, in Sötoen toarf er 
ftd^ in bie 2lrme be$ $o<$beglfi<ften VaterS am 24. 3Rai, mit 
bemfelben 30g er jtoei £age barauf in 3Re$eln ein. SBBic toar 
ba§ jugegangen? 

6$ ifi erinnerlt<$, tote bie in 3Re<$eIn berfammelten S)epu* 
tirtcn ber Stäube ber treugebliebenen Sßrobtnjen, mit SBetoit 
Iigung ber £anbe*^errf$aft, i&rerfeits einen 2tu3f$ufe na<$ 
©ent jur SBer&anblung mit ben glamänbern entfanbt Ratten. 
©3 iß \)iex utd&t ber Ort ju f$ilbem, toie toä^renb be$ SRonatS 
april bie SSertyanblungen berliefen, toie fte balb geförbert, balb 
toieber gehemmt tourben bur<$ bie gemaltfamen gudhmgen unb 
ben blutigen ?ßarteiterrori$mu$, bem ©ent tote 33rügge im Qnuem 



1 



28 



auSgefefct toaren, 3tuc£ bte Störungen be$ t>om Sßapft beauf* 
fragten 6rjbifd&of$ t>on Äßln, bie ßanbe ju eycommuniciren, 
»erfingen m$t. ©leruä unb SCbet bon glanbern toaren aller* 
bmgS für Stufred&t&altung be$ Vertrags mit granfrei$ bon 
1482, tpoüten fid^ jebo<$ f$le$terbing* nic^t hineingießen laffen 
in üRitfd&uIb für bie ©etention be$ ÄönigS. aber bie Vertreter 
@ent$ nriefen entfd&ieben bie üermitteluben 93orfc^Iäge inSbe* 
fonbere ber äbgeorbneten SBrabantS jurüdf unb proclamirten 
offen ba$ 9te<$t ber Snfurrection. 1 6nbli$ fegte man eine 
Snjölfercommiffion jur Prüfung ber SSorfd&Iäge nieber. 

2)er $o$e ©efangene voax br;efli# mit ben ©täuben in 
Serbinbung getreten, um bie Verlegung ber 3ufammenfunft, 
tyintoeg öon bem (gerabe für bie ü?m ergebenen S)eputirten be$ 
2lbel3 ju Reiften) SBoben ©entö, na<$ SBrügge ju betoirfen. Qm 
allgemeinen würbe er in fitenger 3lbgef<$Ioffen&ett gehalten, 
bie fi<$, ttrie belannt, im Saufe ber Seit fogar öerfd&firfte. Ob 
bie Äunbe ber fiarfen Bewegung ju feinen Ouufien im 5Äeid^ 
ttrie in einem 2#eil ber SMteberlanbe felbfi ju feinen Dfcren ge» 
brungen mar, iß gtoeifel&aft. §atte bo<$ nidjt einmal ber %b* 
gefanbte ber in 2Re<$eht tagenben Stfinbe bem Äönig fagen 
bürfen, bafc fie vereint wären, um tym ju Reifen, fonbern ftatt 
bejfen mit ber iffm aufgebrungenen SBenbung borlieb nehmen 
muffen: ber Äönig fotte ji$ felbft Reifen, bann mürbe tfyn geholfen 
werben. 2 SMefe ärt bon Selbftyülfe, meldte in ui<$t8 anberem 
beflanb, als in ber SRad^giebigfeit gegen bie Slnforberungen feiner 
Äerlermeifier, fcatte üRay Anfang SRärg nod& weit bon fi$ getoiefen. 
äJtittlerweüe mar er mürbe geworben, @3 war tym fi$er fein 
®e$eimmf? geblieben, ba§ gr anf rei<$ bie SftebeHen uuterfiüfcte. 
$atte er früher, wenn bie Xrabttion rtd&tig tfi, bie Slnf daläge 
jur §hu$t, bie mit freiließ geringer 3lu3fi$t auf Erfolg fein ge* 

1 UeBetauS retdjeS SRaterial flnbet ftdj hierüber in ben bei $)iegeri(f 
gebrueften SBerid&ten ber @e$anbten ^pernS. 

2 Gftchard, Lettres ioed. I, 80. 



29 



treuer Äonrab bon 9tof en unermübli<$ geplant $atte, 1 abgettriefen, 
fo befeelte tyn jefct nur ber 9Bunf$ : heraus aus biefen nteber* 
Ictabifd&en SHngen, $erau& um jeben Sßreia. SlnberS als au8 
biefem, mit feinem tyäteren 35er$alten fiimmenben, Oebanfen* 
gang heraus, unb o$ne bie f<$on ernannte 33orau3fe|ung feiner 
ttntenntnif? toon ben Stritten feiner greunbe, lä&t ft$ fein 
Senefrnen ni$t toerfie^en. ®er 6<$impf, ber feine Seele meber* 
brütfte, bie fafi toollftänbige gfolirung toon ber gewohnten Um* 
gebung, bie 8fa$brä$e ro^er ätoltenmty unb bie Sluturtyeile 
ber SSolföiufttj bor feinen Slugen, bie ui<$t unbegrünbete 8e* 
forgnife t>or no$ fölunmerer SBenbung feinet SoofeS brauen 
feine SBiberfianbSfraft 3Bo er allein ttodj $ätte eine ©tfifce 
finben Ifinnen, in einer entf$Ioffenen Dppofttion ber ©tänbe« 
beputirten örabantÄ, $ennegau3 u. f. to, gegen bie tolämifdje 
Sergetoaltigung, folgte man na$ einigem SBiberfireben ber 
überlegenen (Energie ber StebolutionSpartei unb unterlag ber 
$erfn$ung vereint bie ©etoalt an fi<$ ju reiben. 3)ie S)epu* 
tirten ber Sßrotoinjen in ®ent, ber pays de par-de$a tme 
fte genannt toerben, f$loffen am 1. 3Rai 1488 unter fi<$ (bon 
ben größeren toar nur $ollanb untoertreten) einen fejien 33unb, 
in bem fte ft<$ ju regelmäßig toieberfe&renben SJerfammlungen 
be^ufö SluSfibung ber $ö$ßen ©etoalt, natürlich fd&embar im 
Stauten beS unmünbigen $(Uity>, berpfli$teten unb jt$ unter ben 
&<£u$ §ranfrei$$ (teilten. SDie Urlunbe Hingt unverfänglicher 
als fte toerbient, weil bie Sanbe außer glanbero an SRagi* 
mtlianS 3Sormunbf<$aft f^embar m$t rütteln: aber ber einfache 

1 Sugger ($f.). lieber SRofenS $er$ftltmfs 3U 3Raj f. aufjer obiger 
Cuefle no<J Gfrnel, Oefierr. <8efdjt<$t§forj<$er I, 106. Em 21. Januar 1505 
empfiehlt (Sr$erjog $$iltj)l> an ©erntein ben äonrab uon ber Kojen »egen 
fetner getreuen Stfenfte bei iljm unb {einem Sater ju einer $enfion bon 
200 Qolbgulben. SBien. Wr^io. fluger feiner Xapferfeit unb Streue emj>fe$Ien 
\%n Sprachtalent, ein gutes ©ebfid&tnifs unb „runbeS §irn, baS er alle $ing 
ouff nriberftimige toet§ toerfteen" unb in gutem ©d&toanf herausbringen tonnte, 
feinem $errn. 3m Xriumj)f)jug r)atte ifjm 9Rar, gleichfalls feinen $ta$ ju» 
gebaut. S. 3a$rbu$ ber funftyiflor. Sammlungen beS ÄatferfcaufeS 1, 160. 



L- 



30 



SSerfajfer einer @ef$ü$te jener Sage $at ganj 3te$t mit ber 
Sfoffaffung, bafc bie ©tänbe fidj bur<$ tiefen Slct äffe Autorität 
angemaßt, bie na<§ ©eti>o&n$ett bem gürften über bie Unter» 
tränen jufie&e. * SDie fo Baubeiten, toaren toon allen Sßerfßte 
umleiten, mit melden 3Ray in jener Seit toerfe^ren tonnte, 
bie, toel$e tym am toemgften feinblic^ gejhtnt fdjtenen. S)a 
jte bie Mittler matten, mußte not&toenbtg ber fönigli^e ©e= 
fangene f<$toere Opfer fxc^ auferlegen. £)enno$ überragt eS, 
tote berfelbe fi$ fibertoriuben tonnte, einen SSertrag anjune&men, 
U>ie ben, ber t>on tym am 16. 2Wai 1488 ju SBrugge öffentlich 
mit ojlenftbler geterli<$feit bef^tooren timrbe. 3n bem ©taat& 
toefen, in bem bie fhraffe SftegierungSgetoalt Statte beS Äii&nen 
fi<$ geltenb gemalt, bricht no$ einmal ba8 SDlittcIaltcr mit 
feinen 3htfi$ten über ba3 33er$ältntf} t>on $errf$er unb 83e* 
$errf$ten herein. SWe in ben borangegangenen 3a$r$unberten 
ifi ba3 Siecht beS 2Btberfianbe3 nadter au$gefpro<$en nnb be= 
ftimmter mit bem 9Umbu3 re^tmäfeiger ©etoalt umfleibet 
toorben. Um ben SßreiS feiner gretyeit toriDtgt SDlayimilian 
in eine t>otIe gegenfeitige Vergebung aller mit feiner Oefangen* 
f$aft in 8ufammmf)axi$ fie&enben Saaten. 2 2lu$brttdfti<$ er= 
lennt er ba$ ÜRakSBünbniß ber ^Jrobmjen nnb bie ©tet 
limg beSfelben unter granlrei<$$ 5ßrotectorat an. @r t>er# 
fpri$t bie ©raff^aft glanbern binnen trier Sagen bur<$ feine 
Gruppen räumen ju [äffen unb binnen toeiteren toter Sagen 
lefetere überhaupt au8 ben SRieberlanbeu )u jiefcen. $ur ®r* 
Iei$terung biefer Operation berf$mä$t er e* nid^t, fi$ in 
aRonatöfrifi toon ben meberlänbif^en ©tänben 55,000 $funb 
@rof$en au8ja$len ju laffen. 2luf,bie 33ormunbf$aft feine« 
©o$ne3 in glanbern toerjid&tet ber ftönig feierU<$, unb toittigt 

1 Hist. de pais-bas en forme de Journal 723. <£r jagt, bie 
©ejmtirten fjßtien baburdfc gegen bie tynen erteilten Aufträge i&ret Gorpora* 
tionen gefrmbelt, bte fld) e$ren$aft gegen ü)ren Ferren gehalten Ratten. 

2 Du Mont, Corps dipl. III, 2, 201 ff. Sie Union Dom 1. 9Kai 
ebenbaf. 199. 



31 



borein , bafe toä&renb $$ilift>* 3Kinberjä^rigJeit bie Regierung 
ber ©raff$aft geführt »erben fott bur$ einen bon ben ©eig* 
neuro bon ©eblüt eingefe|ten 3tat$, unter ßtntotrfung unb 
gufiimmung ber brei ©tänbe beS SanbeS. ©enfelben ©eig* 
neuro fott bie Sßerfon beS Sßrtnjen anvertraut »erben, toel<$er 
toe$felnb in ben betriebenen Sßrobmjen ju reftbiren &at. SDer 
römif^e Äönig erhält für bieten SWidtritt bon ber Seitung 
glanbern« bon ben ©tänben biefeS Sanbe* jctyrlicfc 1000 $funb 
®rof$en gejault- fälajc berji^tete unter Slbleifiung feter* 
liefen ßibeS au£briicfü$ auf lebe Sinrebe gegen ben fo ge* 
fdjllojf enen SSertrag , unb unterwarf ft<$ im $all beS 83ruc$e$ 
ftr$K$en ©enfuren, bor benen tyn au<$ feine Privilegien als 
tfmifd&er Äönig nityt f<$üfcen bfirfen. @3 tji m$t toa$r, bafe 
et alle 33erpfft$tungen nur eingegangen fei borbe$altIi$ feiner 
$fti$ten gegen ba$ 9tei<$. @r machte ftc^ vielmehr &erbinbli<$, 
%a$% Statfex unb Äurffirfien feinerfeitö um SefiätigungSbriefe 
anjuge^en. %üx ben gaU be$ 6tbbru<$$ erflärte er bte Ferren 
bon ©eblüt für ipso facto gelSfl bon bem tym gefrorenen 
Sibe unb verpflichtete fte tote alle uieberlänbifd&en Sßrobinjen 
jur Unterftüfcung ber glanbrer. Unmöglich in biefem ©etoebe 
eine Sude ju entbeefen, mrgenbS ein 3fa$toeg! Unb bod) ge* 
nagte biefe ©id&er&eü ben bon ettoaigen. 9ta<$egelüfien be$ 
Äönig« jumeifl bebro^ten blämif^en ©täbten no$ ni$t. 3n 
»rügge mufcte ber Äöntg als Bürgen für bie pünttlity @r* 
füHung aller SSertragäarttfel Seit bon SBolfenftein unb ben 
gürjien Sftubolf bon anmalt 1 jurüdfaffen, na<$bem #erjog 
S$rijto$> bon Saiern unb ber 2Rarfgraf bon Stoben {eine Sujl 
gejagt, ft# bergeifeln ju lajfen. 3n ©ent ftettte ji<$ afe 33ürge 
beS Äönigä W^P bon Älebe, ©otyn Sbolfs bon 3tabenfiein. 
SHefer Mann, beffen ©&rgeij biellei^t gregern Slntyeil &at an 

i Dr. gu<$Smagen an ©tgmunb bon SCiroI (2tc$noto>§fy VIII, SBetl. 4). 
Qrtttal enteilt Bei SRolinet 311. SBeibe würben au§ !)icr nic$t ju er- 
örternben Örfinben fe^r balb loSgegeben. (Sbenbaf. 356. SSergl. 93edmann, 
fciftorie beS Sttrjien^ottfcS 9fo$alt IV, 534. 



32 



ben bettagenSfoertyen 9Birren fetner £eimat, ate ft$ befKmmt 
geigen lägt/ berpflid&tete fi$ eiblid^, im §aü be* ©ertrag«* 
bru<$3 fi<$ mit ben glamänbero gegen bie (&bbrfl$tgen mit 
£eib nnb ©ut bis pm £ob berbinben. 1 

©o getoann ber römif^e Äöntg feine gretyett an* ben 
^änben feiner Untertanen, in bereu ©etoalt er fid) uubefon* 
nenertoeife gegeben $atte. SBem fättt ni<$t jener ©raf UIri$ bon 
SEBürtemberg ein, ber, ber Xrabition jufolge, na<$ ber bei Stents 
lingen bon ben bereiteten ©täbtern erlittenen SRteberlage auf 
©<$Ioft 3l$alm feinem geftrengen SSater, betn ©reiner 6ber$arb, 
borg äntttfc treten mußte? Äaifer griebrt<§ entyfanb bie §exab* 
tofirbigung tief, bie feinem 33Iut toiberfa^ren n>ar, toenn er an$ 
nid&t ber 3Rann toar ju fo fd&roffer £firte, ttrie fie jenem fd&toä? 
bifd^en Sater jugef($rieben ttrirb, 3m ©egentfcett feierte er ate* 
balb bie Rettung be$ 6o&ne$ bur# ©lodfengeläut nnb feierliches 
$o$amt. aber ein raf$er ßntfd&lufc mar nfltftg. SRan mödjte in 
SDtayumüanS ©eele blidten, nm fidler ju erfahren, toeld^er £rieb in 
bief em Slugenbttdf in t&m mäd&ttger toar, ob ber emftyafte 3Bunf<$, 
bor allem feine f eierlidj berpfänbete (Styre gu retten au3 biefem 6$tfi* 
&ru$ feiner Hoffnungen, ober ob me$r ober weniger berufet ber 
2Bunf<$ bortoog, auf gute Art, mit leibUd&em ©<$eitt jener er* 
jtoungenen 93erpfU$tungen lebig ju toerben. greunb unb geiub 
jttmmen in unf eren 83eri$ten barin iibereiu, 2 bafe er ritterli<§ ent* 
fd&loffen getoefen fei, ben Vertrag }u galten. aber er $atte me$r 
berfprod&eu, ate in feiner 3Ra$t jianb. SDte fürfütd^en gityrer ber in 
glanbern eingerädften S)eutf$eu erflarten, ofyte auSbrfidEK$en 
»efefcl tyre* £errn, be* ÄatferS, tyren Soften nid&t öerlaffen 



i ÜRoIinet 348. 2)et oon 3Rag befämorene Vertrag erfannte biefe 
$fü$t {tiefte! au8brttcflt($ an unb löfte für biefen Sali feinen freuet*. 

2 Histoire . . . en forme de Journal (Corp. chron. Flandr. III, 
724). ®ef($t$ten unb Saaten SBtfooltS t>. Naumburg., tjerauSa.. ö. Äeflet 
(50. $ubl. be8 liier. Vereins 3U Stuttgart) 6. 79. ßbenfo no<$ am 24. 9Rat 
bie ©efanbten ^emö in <8ent, bie t$re !Raä)rid)ten Don ben au8 SBrügge 
eben aurücfßcfc^rten ©tanbebejmttrten belogen (ftiegerid 233). 



33 



ju bürfett SKaj tyatte barauf, unmittelbar na<$ feiner grei* 
gebung , bie Srügger aufmerlfam gemalt. @r tyatte i^nen 
na&e gelegt, bie Sertoenbung btefer gürfien beim Äatfer ft<$ 
babur<$ ju gelohnten, bat fle bie beiben beulten (Seifein 
loSgäben. 3*(}t brang er — an ber £$atfa$e ifl {einerlei 
Stoeifel* — in ben SSater, ju 6{>ren feines Siegels unter jenem 
SSertragSinjtrument, jur ßöfung feiner etbltd&en 33erpflt<$tung 
Äe^rt ju machen mit bem Sfteid^^^eer , toel<$eS ju feiner Ret- 
tung herbeigeeilt toar. hierbei ftiefe er auf entf$iebenen Sßiber* 
fianb. SBBir toiffen nid&t, ttrie weit fein Oeift i^n trieb, benfelben 
}u belampfen. SuS ber 8$atfa<$e, bafe er perfßnli$ an ben 
©eiteren kämpfen fid& beteiligte, möchte ju f fließen fein, bafe 
er ni$t aHjufefcr ber Unmöglid>feit, feiner 3ufage getreu ju 
bleiben, gram getoefen ift Sie ©rünbe, bie man ii)m ent* 
gegenbielt, roaren, bafj bie oou Srügge fi$ ni<$t bloS an 
feiner Sßerfon, fonbern eben babur$ an ftaifer unb 9tei<$ 
Vergangen unb ni$t minber gegen i&ren ftexxn ©r^erjog 
$#liM> gefrebelt Ratten. 2 S)ie (Sibe, bie er gefroren, feien 
ungültig, als errungen unb toeil im 2Biberfpru$ mit älteren 
Siben bei feiner SBatyl jum rßmifd&en Äönig. 3 Qu ber Xfyat 
tonnte ja ÜRay über Sftetd&Sflanbent toenigfienS ofyne @in* 
nrittigung ton Äaifer unb Neid) gar ni<$t in ber äBeife ber- 
fügen, ttrie eS gef<$e$en fear bur$ Sfaerlennung ber franjöfifd^en 
©oujeränetäk $er Äaifer erklärte eS für feine $fli$t, bie beS 
crimen laesae majestatis f$ulbigen glamänber ju jüd^tigen. 
CS ift lein Stoeifel, bafe bie gürfien beSfelben ©tnneS toaren, 
toenn eS au$ batyngejiellt bleiben mag, ob, na$ bem 83eric$t 
eines Späteren, in ben gotmen eines orbentüdjjen gürftenge- 



i dS ift begreiflich ba& ber $ofmann SRolinet über biefe fceitte grage 
Mtoeigenb (intoegföltfyft. $)ie St^atfad&c ift bejeugt bind) bie in toriger 
litmerfang citirten Oueflen. 

2 Histoire . . „ en forme de Journal 725. 

3 Sie* förieb Wa% felbfl an bie ©tanbebeimtirten na$ bem »erity 
be§ ©efanbten ^emS Dom SO. 9flai (fciegerief 239). 

H Im an n, Staifer 9RajimiIian. I. 3 



.* i 



34 



ridjta unter 3 u ä ie ^ un fl &<>» 3te<$t$gele$rten biefer ©pru$ ge* 
funben unb SJtaytmiüan* gib in golge batoon für unftrirtfam 
unb unöerbinbli($ erflärt toorben tfi. 1 £>er Äei<$$frieg fo&te 
alfo erft re#t beginnen. 3Ray fcätte nun no$ bie SRög* 
Ud^teit gehabt, jur SJleibung e&rautajienben StortourfS fi$ ganj 
jurüdjujie&en unb in S>eutf<$lanb ben Serlauf ber ©a$e ab« 
jutoarten. 2 Stöer e* betätigte jt$ ber alte ®a$, bafj nur ber 
erfie ©d&rttt ferner ifi- S)er rfitnif$e Äönig gewann mit feinet 
neuen Umgebung atebalö au<$ anbere €inbrudte xvaJb ®e* 
ft$t$puulte. 6r ma$te ben Ärieg als Steid^fürft mit, ge> 
jtoungen , toie er f$rieb, 3 fcom ftaifer auf Orunb feine« Ärö* 

i Sriebriä) Ijatte fä)on am 19. 2Rai aus Hatten, unmittelbar naäjbem 
er 9Ras' greilaffung erfahren, an SBertyolb bon 3Rainj getrieben, er be- 
jorge, bafc beS JtönigS (grlebigung notygebrungen unier ftadföeilen unb 9e- 
föteerungen beS 9teia)8 gef<$e$en fei, bie o$ne enrige €>$anbe unannehmbar 
u>&ren. <£r ertlärte fld) entfdjloffen, jur SBeftrafung ber Uebelfl&äter fofort in 
glanbern einjurttefen. SRainjer 3ngroffaturbuä) 9fr. 45 im toürgb. ftr.- 
3fa$it>. 3um Xest oergl. Sugger (§!•)• 9foS ifjm etoaS geftirjt (g. $. 
mit SBeglaffung beS j>ä>plic§en ©annS unter ben SKotioen) bei ©irden, 
(Sljreufoiegel 6. 1000. ttttetn aus biefem unb nia)t, tote man oermutyen 
lönnie, auS ard&ioalifd)er Duette bei Butler, töeia)ßtagSt$. I, 85. fteine 
glei^seittge Duelle ertoä^ni ein foldjeS <^ertcr)t. $)ie SRotioirung beS Urteils 
entölt übrigens m<$tB, mag nid&t bei folger Gelegenheit geltenb gemalt 
fein tBnnte. 9lad& «Dtor; ©rief an ©igmunb oon SirM (Signotoßto VIII, 
93eiL 3) be($loften ftaifer unb Surften, bog 3Kar, nneberum mit nad& glanbern 
ge^en fofle. 9(u4 ber Gängiger £. Söeinreiä) toeife nur, ba& Wag fein ©e» 
l&bnifc nic$t $tett. Script, ren Prussic. IV, 769. SBarunt nennt biefer 
Qeitgenoffe bie in SBrügge Jjingetigteten 9tn$finger äRagumfonS lefereter 
(Seberefier?) 6. 768? 

2 9ta$ ©erwarb be ffloo fbnnte man biefe Hbfid&t oermufl&en. S)enn 
biejer l&gt BRaj 6. 374 unter ben Qrünbeit, bie gegen fjfortföung bell 
ÄriegS foreapen, anführen, bafc fein ©o$n $}UiW granfreia^ Ingtiff f^M 
preisgegeben fein mürbe, ttäljrenb er (Was) in $eutf$lanb befä^öftigt 
ttfire. (SS ift baS aber offenbar nur 91uSfä)mflcfung beffen, ttaS ber festere 
9utor bei feiner Duette ber hietoire . . . en forme de joarnal Oor* 
gefunben ^at 

3 et non pas pour nostre querelle, am 16. 3uni an bie ©tänbe 
beS ^ennegau (@a$arb I, 100). 3n bemfelben @inn in bem Antwort* 
^reiben an ¥>WPP bon ftleoe (Wolinet HI, 878). @. fein Schreiben an 
Sigmunb bon %\xo\ (2\d)r\oMlX) VIU, »eil. 3, *ergt. »eiL 4). 



35 



nuugSeibeS bemfelben $ülfe ju leijlen in bejfen ßänbeln mit 
@eitt SDaS ift toeit Weniger tounberbar als bie Statoetät, mit 
ber er in bemfelben SBrief ben auf ba$ ^ennegau entfattenben 
2$eil ber Summe etnforbert, meiere i$m als SßreiS unb Unter- 
ftufcung für bie SGBegfü^rung feiner Xruppen in bem bon $m 
gefrorenen SSertrag jugefagt mar. 

(83 feürbe fter ju toeit führen, ben ©etoiffenSbebrängnijfen, 
aber au<£ ben ©pifcfinbtgteiten nadfouge^en, toelctye bie golge 
fein mußten biefer Haltung be8 rßmifäen ÄönigS. 9htr burefc 
{tätiger SBormanb ift e8, trenn beibe Parteien baS ^ntereffe 
be* unmünbigen 6r$erjog8 Sß&iliWp, als re^tmäfjtgen fianbeS* 
fcerrn, allein toertreteu ju tootten behaupten. 2lm energiföflen 
§eigte fu$ Sftytlipp bon Älebe, ber alle Deuteleien abtoeifenb 
unentoegt an feinem @ib feftytelt unb fein ©giriert ben glamän* 
bem jur Verfügung fiettte. Gr toarb baS #aupt beS Arie« 
geS. Vergebend erinnerte tyn 2Ray, bafj fein ©$tour, am 
toemgftat ein unred&tmäfciger, t>erpfft<$ten lönne, gegen ben 
eigenen £errn in beffen geregter ©ac^e Partei ju nehmen. 
$früiW> bon Älebe, ber als ©lieb btefeS #aufeS feine abhängig* 
teit bom Äaifer anerfennt, bre^t ben ©piefe um mit bem (Sin- 
toanb, bat ber bem flaifer f^ulbige ©efcorfam f<$toeigen muffe, 
toenn erjierer ben eigenen gürfien ober beffen Sanbe o(>ne 9te$t 
angreife: ba muffe ber SSafaH feinen regten iQtttn aud) gegen ben 
Äaifer bert&eibigen. 1 Älingt ntdjt bie ganje 3Rif6re ber beutf$en 
©ef<$i#te berne$mli# fcerauS aus biefen Verlautbarungen? 

©er Ärieg begann alfo mit bem ©mrücfeu beS 3fcei$S$eere8 
in glanbern. SRtt unbarm&erjiger ©raufamfett toarb bon ben 
erbitterten ÄriegSbößern beS ÄaiferS SBertofijhmg unb £ob in bie 
blü^enben ©efübe getragen. 2lber fonft entfpra^en bie ©rfolge 
be* ftelbjugS, trofc ritymÜ$er SBaffent&aten einzelner Wbttyu 
fangen, ni<$t ben ©Wartungen. @S fehlte offenbar an Heber- 
einftimmung an leitenber ©teße. 2Bä$renb ber Äaifer alle Gräfte 

i 6. bie 6$reibm Bei Coline! III, 370. 



36 



fegen wollte an bie @inita$tne ©entS, toel<$e3 burdfc feine natfir* 
U<$e Sage gefd^ü^t toar, toar SRay offenbar barauf aus, 
ben ©mpßrern in äßeftflanbem bie #ülfe t)om ßennegau unb 
inSbefonbere bon granfret^ and ju erfd&toeren ober abjufd&neiben 
bur<$ gefifefcung auf ber filme ber fiepe. 9hir eine flfid&tige 
©fijje biefer nieberlänbifd&en Äämpfe lann $ier, um biefe @tn* 
leituug ni$t ju einem $u$ anjufd&toellen, $la| finben. 1 

S)ie Operationen 3Rayimilian$ an ber fiepe nnb bis nadfc 
Stile fotvie bie einer Slbtyetlung be$ 3tei<$$$eere$ bis SDUbbelburg 
in ©eelanb {onnten ben SBiberflanb ber bur<$ gememfame 83e* 
brängntfi enge öerbunbenen glanbrer ni$t brechen. ©$on toaren 
fte m$t tnebr au$f$lie&lid& anf i^re Äräfte angetotefetu S)er 
alte ©önner glanbernS, ber franjöfifd&e ©outoemeur ber Sßicarbie 
nnb &on SCrtoid ÜRarf^all flippe be ©rebecoeur, genannt 
S)e$querbe$, toar mit fkttli$em #filf$corp8 eingerüdt. Salb 
jlanben in $pem, bem 3Ray Vergebend Neutralität ange* 
boten, franjöftfd&e Sanjen. Slnbere ©täbte folgten biefem 89ei* 
fpiel. 3n ®«it toar ©openolle mächtiger als je. 3m Sorben, 
in ber @raff<$aft £oßanb, gä^rte e8 bebenHid^. ©<$on SERitte 
3uli n>ar e$ nöt&tg bie Belagerung toon ©ent aufgeben, unb 
bad beutfd^e Sager öftli<$ naty Trabant ju tjerrüdfen. Qn Slnt* 
toer^en na&m ber Äaifer fein Hauptquartier. ©a$ gef$a& nid^t 
eüoa in ber Hoffnung, bafe ber revolutionäre 33ranb in glan* 
bem in fid^ felbfi aufbrennen toürbe. SRan ge$or$te nur ber 
tntlitärifd&en SRofytoenbtgleü, infofern fd&on Sfafang Slugujl bie 
beutfd^en Kontingente nad) 3lbbienung i^rer Seit] na<$ #aufe 
begehrten, 2 SSon bornberein Ratten mand&e £ruppenförper, 
ba fte 3Ray f$on befreit fanben, nur ungern jum Ärieg 

1 2)aS Material liegt bei bem Sournalißen, 3Minet unb inlbejonbere 
aurf) in ben ©efdjidjten unb Saaten SBtUooltS b. 6$aumburg reidjüdj bor. 
SBid&tige (grgattjungen bieten bie Erd&iöe Don SBttraburg unb Bresben. 

* Entwerten 12. «uguft 1488 giebt ber ftaifer »ertyolb toon 9ttama 
ju erfennen, bafc bie Steigerung beS mamaifd&en unb anberer Kontingents« 
fityrer länger ju bienen i(n ju ber föimpflid&en Kuftebung ber ^Belagerung 
genötigt r)atte. SRaing. dngroffaturbu^ Wr. 46 int toürjb. ftr.-Hrd&ib. 



37 



o^ne beförderen 2$efe$l i&rer $etmif$en Obern fi$ öertoenben 
laffen. 1 Qefct toar nk&t* im ©tanbe fte länget jurfid ju&alten. 
9m 7. »ugufi toaren (mit 3tu*na$me gang geringfügiger Sb* 
Teilungen) bie 9Raut)if$en, Sßfälsiföen , bie t>on äBürjburg, 
Bamberg u. a. f#on aufgebro<$en. 9to$ einen SRoment 
fällte HRaj ft<$ Pari genug, um mit ben äu*$arrenben, mit 
SUbredjt t>on 6a$fen , §riebri<$ t>on öranbenburg u. a. bie 
feelänbifäen ©täbte einzunehmen. 2 aber e« foQte no$ fd&Hm* 
mer fomtnen. Äaum $atte am 5. September ber Äaifer $&itiM> 
toon Äleöe in bie 9fei$*a$t erllärt, al* biefer mit franjöfifcfcen 
Zutippen fcor Srflffel ersten unb feier freubig aufgenommen 
tturbe. 8lu<$ Sßtoen, Stielten, SWtoeHe« fielen in feine £änbe* 
SRit 3lu8na&me .Sfottoerpena, 3Re$eln£ unb einiger Heinerer 
Orte toar fo ganj Trabant verloren. ©<$on toorfcer fcatte ber 
Äaifer feinen Starrftnn fo toeit bejtmmgen, ba6 er ft$ geneigt 
geigte ben ©entern ©e$ör ju toerjiatten, ja e$ toar bur# 
SKaj bereite 6nbe 3uli eine 3ufammenfunft ber ©täube ber 
no$ treuen Sßrotoinjen auSgefd&rieben toorben. @r fcatte biefe 
Gelegenheit benufct, um feine Älagen gegen granlretc^* perftbe 
$olitit auSfirßmen ju laffen; aber bie Statte ort, bie unter bem 

* €. bie Knitoort ber retd)§- unb freiftftbtif<$en ©ejdjicften an ben 
Warfgrafen 8friebri<$ b. »ranbenburg, 3anffen, tteidböcorr. II, SRr. 647. 

* 8ftre4tib. 6aä)fen an feinen @o$n @eorg 1488 $ulfr £)ornftag 
Donati martyris. £)re9b. Hrd)ib. %m 12. «ugufi bat 9Ras auS 2RibbeI« 
bürg bie BugSburger, bie Qienfoeit ifcreö <£orj>8 no$ itoei Monate gu ber« 
Ungern. Urfunbe bei gugger (#f.). @ä)on am 22. 3uli ^aite 3Raj aus 
bem gelb bei JBuä)olt" ben erjbtjdjof t>on SRaina erfunden muffen, feine 
trugen, bie o$ne feinen $efe$l ni$t langer bleiben nullten, jum 2luS$arren 
bis jux Unterwerfung ber glanbrer anjutoeifen. 8ugleiä) bat er um 8Hio% 
nannte ber Orbre, nur gegen Brügge ju bienen. 9m 12. Huguft erbittet 
er fotorie ber Paifer nur no$ ein HuB&arren für j»ei Monate, «ber SKain) 
erUfirt P<t> auger ©tanbe auä) nur bie 300 gufcfned&te fo lange ju befolben, 
bie als ein ttuSfä)ufs unter ffienbel t>. §omburg fo lange auf bed PönigS 
BeTantttorhmg geblieben waren. 9tor baju »in er flä) berfie^en, bie tfoften 
für ISO SRann abgießen gu laffen bon ber ©<$ulbbetföreibung, oon ber ber 
Äbttig triff e (fljd&affenburg 1. Cctobcr 1488). ^Rain). Sngroff. 9lr. 45 im 
toürjb. greift. 



38 



Sftomen $&Üalet$e3 ein Spfeubon^mu« von jener Seite i$m er* 
feilte unb bie raf<$ allgemeine Verbreitung fanb in bem Sanbe, 
Vereitelte mit @ef<$idf ben beabfid&tigten ßinbrudf. i 3tu<$ bie 
3nfammenfunft felbft verlief o§ne Stefultat, obwohl griebridfr 
unb 3Ray je$t jur erneuten Sfaerfennung be$ ^rieben« von 
1482 bereit waren unb obtoo&l in allen i&ren äteufjerungen unb 
bur<$ alle tyre Organe bie f?ranjofen ni<$t$ anbere« verlangten 
ate gerabe biefen ^rieben. 2 Seibe Parteien fpra<$en offenbar 
nid&t ityr Ie^ted äßort au«, Statu tarn, baf$ man in Srabant 
jefet ni<$t toeniger, ate längfl in glanbern, Wlag vormunbf<$af tlid&e 
^Regierung teibenf<$aftti<$ jurüdfone«. SRan vergieß e$ i$m nictyt, 
bafe er bur<$ Sfona^me von Stoppen unb Xitel von Surgunb, 
fotoie babur<$, ba& er toieberfcolt von „ feinem". Sanbe, flatt von 
bem feine« ©o$ne« gefpro<$en, ft<$ ate SanbeS&errn gerirt fcatte. 
ÜRie lönnte von ifym ate folgern bie Siebe fein: toemgflen« 30 
Ratten nähere 2lnfprü<$e. 3 Ueber^aupt, ber im SSertrag vom 
1, 3Rai 1488 verkörperte ©ebanfe einer allgemeinen Union ber 
Sanbe unter fid& jur folibarifd^en äfötoe^r afler Singriffe auf i^re 
§retyeiten ^atte feitbem große gortfd&ritte gemalt 3n biefem 
©inne ift e8 unjtoeifetyaft ri<$tig, toenn 3Rännern toie Sß^ilipp 
von Aleve, SopenoHe u. a. bie ©<$ulb für ben Ärieg b. \). beffen 
gortfefcung jugef (^rieben toirb. SBBie bie S)inge lagen, mar e$ 
Spiegelfechterei mit bem auf bem Sag von SSfottoerpen ge* 
faßten 89ef<$lufe, ben grieben von 1482 ate fortbeflefcenb ju 
betrauten, i$n überall ju publictren unb fidj> über benfelben 
mit gfranfrei<$ in« ©invernetymen ju fefcen. 3Kaj unb granf« 
rei<$ fpielten eben gangball mit biefem £ractat, ber im enfc 
gegengefefcten ©inne beiben ni<$t genehm toar. SebenfaÜ« 

1 6. üßar/ Sibett unb ba§ tntereffante ^amp^let Bei Gachard, Lettres 

I, Hl ff. 

2 $rantrei$S Sforberunß formulirt Jo ber parteüfd&e $$ilalet$e8 a. o. O. 

136, ober aud) ber gut burgunbtföc 3outnalijt (Corp. chron. Flandr. 
III, 729). Ueber beS j^aiferS u. Wa%' «bfu$tcn f. b. »rief com 27. ©ep. 
tember 1488 bei ©ad&arb I, 160. 

3 StytlaletfjeS 140 u. 142. 



39 



badete 5Deäqnerbe$ ni$t bar an, bem Verlangen ber Stänbe 
nadfciitontmen nnb feine fteiftgen auä Staffel swrfidjnjie^etu i 
©o toar ber 2Cn*glei$ im Sßefen als geeitert anjufetyn 
in bem Stugenbltdf, ba ber Äaifer ft<$ anfc^irfte SEnfang Dcttrter, 
Dem bei bitterem §aber ber gürflen unter einanber f$on bor« 
angegangenen 9tet$3&eer }it folgen nnb na$ 2)entf$lanb jnrüd* 
integren. 8lm 17« Detober toar er bereits in SRenfr* (Sin 
paar SRonate Später gab Äönig Stap , ber neben ber $älfe 
Snttoerpen* nnb SRed&eln* bon ben fcoflänbiföen ©t&nbe» 
Unter ftitynng gn erlangen berfu^t, 3 ba« Spiel auf/ o&ne 
ba3 9tei$ ffitv pm giel J« gelangen« 6<$*n am 21. S)e* 
cember 1488 fcatte er ben Sfofcängern feine bet>orfle&enbe 2lb= 
reife na$ 6peter, n>o anf einem faiferli$en Sag bie Stei^fc 
ftönbe ju abermaliger ^ülfeleißung betrogen toerben tollten, 
&orau*t>erftbtbet ©eine 8btt>efen$eit feilte leine lange ]tm. 
3Rit lefcterer Sn$fi<$t, bie balb in 9ti$t* jerflofe, nmrben toenig* 
ftatf bie befreiten getrdftet. SRaj $at an$ in ber gerne bie 
niebetlfinbif$en SKnge f$arf im äfoge behalten, allgemeine 
Sirecttoen nnb betoiQirte $läne in militirifd^er Sejie&nng ge$en 

i $eSquerbe8 an ©ent am 29. ©ept. ®a<$arb I, 166. 2)te <8e» 
fanbten, »elay 3Waj »egen 3fteuaufrid&tung be8 gfriebenS to. 1482 naa) granf« 
reta) gefanbt ljatte, mufeten umfefcren, ba fte lein ®eleit erhielten. 3Raj am 
21. ©ecetnber an bie ©ejmtirten beS §ennegau. (Ebenbaf. 178. 6j>5ter, 
im 3<muar 1489, fnifyfte berfetbe SKarföatt bie tyibltcatton }eneß ^rieben* 
an bie ttetomging, bafc SRaj* Xxupptn juuot bie ßanbe ßr^erjog 3tytItWft 
räumen müfeten. (gbenbaf. II, 23. 

2 Gftnel, töeg. 9lr. 8820. 

3 $efä)tä)ten unb Saaten 90. t>. 6<$aumburgS 83. SBttbrenb er nod& 
in Storbbrabant ju Sergen op 3oom (Qerrföaft JBreba) im Qecember »eilte, 
mar abermals ein Sag mit Sfranfreiä) gu WrraS feftgejefct. @aa)arb 180. 
«ra Wontag na$ Pauli oonvers. (26. Sanuar) 1489 entföulbigt fia) ÜKaj 
aus Selfft bei 9lbrec(t bon SBaiern wegen feiner öerföobenen Wbreife naä) 
Gpeier. Cr babe erft $oKanb in @i<$erljett fteflen muffen, baS o^ne fein 
Kommen oerloren gemefen kofire. SBair. IReicfcS^rd&ib. ©. Sanften, fteiä)§corr. 
II, 624. <£r Ijatte »otterbam belagert, fcäberlin, tteicfcSbiftorie VII, 491. 
Jfcoä) au§ pfifft f abreibt Waj am 8. gebruar; am 22. Scbiuar auS (Sorfum. 
S)teSb. «rcf)it). — Ueber bie Kbft$t balbiger Wicffe^r f. (8aa)arb II, 3a 



40 



fortoffl&renb Don tym au&. 3n Sßerfon $at et jebo$ an bem 
uo<$ jahrelang toffl&renben ffampf jut ttnteroetfung ber Sflicbcr* 
Ianbe unter feine Autorität ni$t me&t i&etfgeuommen. Sroölf 
Qafrre feine« bebend ^atte et tynen faft au«f<pefeUd> getoibmet: 
je^t padten anbere, unauff$iebli$e ©efd^äfte i$n fo fefi, bafe 
et ftdj nt$t lo«ma<$en fonnte. 

9tt$t o$ne (Srfafc für feine $erfon jutüdjutaffen, tt>at 
bet Äöntg bom Ätteg«t$eatet, bem ©dbauplofe feinet jugenb* 
Iu$en 9hi$me«t$aten unb bittetften 6nttänf<$ungen, gerieben. 
@t f)atte einen mit utnfaffenber 95oHma<$t au«getfifieten Stella 
Vertreter füt SJettoaltung, Se^t^jKege unb bot allem bie ftrieg«* 
ffi^mng f$on tDä&renb tet lefcten Seit feinet 3tmt»efen$eit be* 
fiettt. 9H$t flet« §at ber Äöntg ben regten ftmfäexbliä be- 
toiefen bei bet 3fa«toa$l bet Sßerfönlid&feiten inSbefonbete ffit 
friegetifc&e Aufgaben. S)ie ®ef$i<$te be« ©<$tt>ei}ettriege« j. 99« 
mit i&ren Ulri<^ bon ^ab^berg, ©taf £emri$ toon gütjienberg 
letyrt ba£ fe$r beutlidjf. Um fo me$t betbient e« $etbot$ebung, 
ba& bieSmal genau bet redete 3Rann an ben testen gled ge* 
fieHt toutbe. 5Ro$ untet Sufiimmung feine« faiferttd&en SSatet« 
fyat SRayimtlian ben £erjog 3Kbre$t bon ©a$fen al« feinen 
®eneralflatt$alter, au«getfi|tet au<$ mit ben nötigen 39efug* 
niffen über Sßerfon unb #of be« jungen Stj^etjog«, eingefe|t. 
5)ie Defonomie biefe« 33u$e« jtotngt übet 2ßbte<$i« gelbjfige 
flüchtig ^inroegjugleiten. Sto&et fiefce anftatt feinet Saaten $iet 
ein trenn au$ fCüc^tigeö 33iib be« SRanne«, bem bereit« bie 
SDlittoelt bettmnbetnb ben (K&tennamen eine« ©<$iß>e« be« tömi* 
f<$en 9tei<$« juert&eilte. 1 

$et5og 2llbte<$t gehörte m$t ju ben mäd&ttgfien gürften 
an ßanb unb Seuten. SBä&renb in bem SRad&bar^au« Sranbenbutg 
bet &o&e ©eifl 2llbre^t äcfcitt« foeben bie Untyeilbarfeit be« @e* 
biet« begrünbet, Ratten 1485 bie toettinföen Grübet (Srnfi unb 



i ©. ben „Xraum bc§ §an8 Don fcermanSQtün" (gottöungen gut 
beutfäen @ef*i$te 20, 79). 



41 



Sftre$t t>on Saufen i$r Sanb fcalbirt. 9l\ti)t $ier ifl ber Ort, 
bie Sebeutung gu mfirbigen, treibe biefer lang erlogene unb 
in ber Art feiner SfoSfityrung balb ffaxt angegriffene Stritt 
für bte betttf$e <5nttt>i<flung ber nä$ften 3a$r§unberte gehabt 
tyiL 9Clbre$t fear ber meißner SKntyeil jugefaffen. Die längfi 
erteilte unb 1486 au$ auf feinen ©ruber ®rnft übretragene 
Sntoartf^aft auf 3flli<$ unb 93erg toar ber Sotyn für treues 
Semftyen im 5Dienfl be$ 9teu$e$. 3Kbre<$t mar bur$auS ni$t 
unempfänglich für faiferli^e ©nabenbemeife ber Sri Der 
SBunfö na<& weiteren (Erwerbungen ifl fi<$er ate ÜJtotib 
fttr feine Stei$8poKttf in 8faf$lag ju bringen. SRan bfirfte 
ni^t ttrie feine Sobrebner behaupten, bafc reine ©elbfilofigleit 
tyn erfüllte. @r mußte, maS er toertfc mar, unb madjrte feine 
$orberungen mitunter mit einem 9ta$brud geltenb, ber tyn 
&art an bie ©renje führte, mo aus einem greunbe ein geinb be3 
SReidjS mürbe, aber foI$e Aufwallungen matten immer mieber 
rechtzeitig anberen Smpftnbungen $ßla|, trofc aller (Snttäuf<$ungen 
unb aOe£ ttnbante, bie tym t>on Seiten SRayimilianS ni<$i erfpart 
blieben. SRan foflte e$ m$t bergeffen, baß er — bamal* teiber 
eine felteue Ausnahme unter feinen ©tanbeSgenoffen — ein 
§erj $atte für Äaifer unb 9tei<$, baß er fernere Opfer an 
Vermögen unb perfönli^em Se^agen miflig gebraut §at. €><$on 
langfi ^atte er bem £aufe #absburg unb bem dteiö) erfprieß- 
Iid?e ©ienfte geleiflet 93or -Jieuß ^atte er natürlich nid^t ge< 
fefctt, in feinen fpateren Aämpfen 1 $atte 2Ray feine $ülfe gegen 
$ranfrei$ in 8toft>ru<$ genommen, 1487 fyatte er ft<$ als 3tei<$8* 
felb&err gegen Ungarn brausen lajfen, 2 1488 fcatte er, obmotyt 
Dom Äaifer &inft<$tli$ ber f$ulbigen ©elbja&Iung im 6tt$ 

i 3. 8. 1480 Wontag na$ Trinit. bittet er bura) Dr. flirdftoff um 
100 fteiftge, bie öon einem fünftigen 9^eid^§btenft abgezogen »erben (ollen, 
(hneft Äefammt-Wrd&iu. 

2 i&x fcarte, ba er auf bei ffaifet& tarnen nt$t einen Wann auf* 
flellen tonnte, fed&S SRonate lang auf {einen Grebit 5000 Wann aufgebraßt 
unb fo über 20,000 fl. bargeffretft. 8?riebri<$ $atte bie ©a)ulb nitt)t bejaht 
vnb i$n, fo ju fagen, laufen Iaffen. Hlbr. an griebr. o. Sranbenburg 1488 



42 



getaffen unb ungereimt getabelt, trog beS SEBibcrfirebenö feiner 
Sanbfl&nbe ni<$t lange gejögert, fehl gute« ©<$ti>ert für bie 
Befreiung HRa;itniIiatid $u jfe^en. 1 3cfet brang man in tyn, 
ben Äampf gegen bie empörten SRteberlänber auf bic eigenen 
@<$ultem ju nt^men. Ungern toittigte er ein mit geringeren 
unb tio<$ nngettriffen fträften ju berfu<$en, toaä eben bem 
9lei$*tyeer mißlungen toar. 2 Slber bie aufgäbe reijte feineu 
friegerif$en 6&rgeij. 2llbred?t toar bur^auS lein gett>ö$uli<$er 
2Renf<$. 9to$ ni$t &inlängli$ jur 8foerfennung ift e* ge* 
tommen, toie gerabe bur<$ i&n ba$ beutfäe ÄriegStoefen görbe* 
rung erhalten frat. ©ere^t unb ftreng gegen feine Ztuppm, 
o$ne lanbSmannf<$aftli<$e Voreingenommenheit ben regten -Storni 
mit ber für $n paffettben Aufgabe betrauenb, £>at er unter 
f^ioierigften SSer^ältniffen ein §m erjogen, beffen Drganifatüm 
unb Saaten im SWieberlanb ein SRufier 3 tourben für Ober* 
beutfölanb. 3ttbre#t mar, toie fo mattier fü&ne ©eneral, 
ein greunb &ofcen ©piel$. <S& lernt ifcm nid^t barauf an, in 
einer 9ta$t 8000 ©uloen ju berlieren, unb »enn er in bie 
#ifce Kam, fonute er gelegentlt<$ nur mit SRitye abgehalten 
toerben, um einen fo fyotyen ©infafc toie feine ©tabt Jßeipjig ju 
toürfeln. 4 aber afö gelb^err ni$t minber unterne^menb unb 
raftloÄ, tapfer unb lein SBagnife fd&euenb, toar er gerabe ein 
SReifter be$ (leinen ÄriegS, ipie tyn ©$auplafc unb Sßartei* 
toer^ältnijfe in ben jftieberlanben bamalS aufbrängten. SBa&r* 
fcaft in allen ©ingen 5 unb juberläfftg in feiner Steigung ; au$ 

gebruar 26. 9Rinutoii, grtebri* I. t>. SBranbenburg, 2. Wbjd&nitt <S. 28. 
©. bic früher citirte 2)iffertatton ©toetoerS. 

i SRüfler, töeit$Stag8t$eater unter 2Raj I, 75. 93on Sangenn : fceqog 
WIbre<$t ber SBe^erjte 190, ein 93u<$, baS jwar unentbehrlich ober foaofyt 
$injid&tli<$ ber gorföung wie ber Euffaffung eines befferen Nachfolgers bebarf. 

2 <8cjd;. u. Xljaien 6<$aumburg8 82. 

3 2)aS Beaeugt ber ulmer SBürgermetfter SB. SSefferer 1. September 1489. 
Älütfel, Urfunben gur <$eföi$te beS fött>5bijd)en SBunbeS I, 72. 

4 Sugger (§1.). 2le$nli<$eS berietet aud& Sinsheim, IBerner ©Grontf 
II, 74. Ueber f. ©tfelberlufte : ftlütfel a. o. O. I, 106. 

5 Son mot valloit le scel d'ung prince. Sftolmet I, 136. 



43 



bemgeinb gegenüber, toenn er burfte, offen unb ^odjffinnig; im 
Stampf rutfft$t£lo£ bis jur £ärte, toenn e8 ber ßtoedf erforberte, 
fyit er felbjt ben befiegten ©egnern #o<$o<$tung abgerungen. 
€r $at ft$ einstige Officiere erjogen, tpie fernen oberften 
Hauptmann, ben fränüfäen SRitter SHJitoolt t>on ©Naumburg, 
toelcfcer tym glei$ an fcapferfeit unb Unterne&mungSlufi unter 
oft »irren SSer&ältniffen nie ben 3Rut& ftnfen liefe unb £reue 
mit Xreue erttriberte bis julefct. * 

8113 er baS ßommanbo antrat, toar glanbern ganj unb 
Trabant jum größten Etyetf verloren, granjöftfdje Gruppen 
al* ©unbeSgenoffeu be$ geinbe« Ratten bie toi$tigjten fünfte 
befefct, franjöftfd&e 6#iffe befcerrf<$ten bie ©ee, bie rildtoärtigeu 
Serbittbungen toaren bur$ ben unftd&ern 33eft| toon ©elftem 
u. f. to. gefä&rbet. Sie alten ©egner SRajimilianä in $oh 
lanb, bie $oef«, Ratten unter gü&rung granjenS bon Sreberobe 
auf* neue ß$ empört. Stlbred^t (unterftfifct W\\ bem um ©rj* 
frerjog $$ilift> eingefe|ten Sftaty) tr>ar anfangs angetoiefen auf 
bie Quartiere mm 2Re<$eht unb Stnttoerpen, auf bie guten @e* 
fbraungen ber SBaUonen in ^ennegau unb SRamur, auf bie 
ÄabliauS in ^ollanb unb Seelanb. Dfcne bie Gruppen, bie er 
mitgebracht fcatte unb bie ido^I bur<$ Serpfänbungen, Seiträge ber 
treuen Sßrobinjen unb bem ßaufmann, au<$ ben £aufeaten, auf» 
gelegte ÄriegSfteuern 2 erhalten tourben, toäre an ernftfcafte 
ftriegfü&rung ni$t ju ben!en getoefen. StuS SDeutfölanb 
fonnte erfi im 3uli 1489 2Ra$ unter @ngelbert toon SRaffau 
ein Heine« $älf*corp* fenben. 3 aber 3llbre$t bot unberjagt 

l @efä)td&ten unb 2$aten ©d)aumBurg§ 179. tftlbrc^t (aBe i$m ntdjt 
mit tm SeBen <ä$re erotefen, fowbern, Bei fötoerer drfranfung ©Naumburgs, 
ed)t fütftliä) in feinem (5rbbegröbnij5 gu Zeigen i$n au Beftatten gebaut. 
£er*erfafferfügtiinau: „Aber man finbet te^t nit toil fürfien, bie foli^S 
Bebenfen, fonbern laffen ir fromb etlia) erlitt)) erjäjlagen ritfer unb fned)t 
als bie rüben" . . . (fo bie nürnb. §j. fiait be« flnnlofen „rinber" fteflerS) 
„ujf ber fd)tt>emBa$ (Henbiglid) unb an gebeäjtnuS liegen". 

« ©. b. flnmerfung ju 2öeinreia)8 ©anjtger (Sfcronif (Script, rer. 
Prusaic. IV) 798 unb fcanfareceffe t>. 1477—1530, II, 446. 

3 0aä)arb II, 43. 



44 



bem $einb bie Spi^e : in Trabant f<$lug bte Stimmung all* 
mä&li<$ }U ©unften be$ Sanbeä^errn um. ©ennocfc wäre er, 
trofc ber bur$ öünbnifc mit (Snglanb 1 in 3luSft<$t flefcenben 
tlnterfifi|ung, ni$t bur<$gebrungen, märe ni$t bie franjöfiföe 
Sßolitif in eine neue Sß^afe getreten, wel#e im Sommer 1489 
ju einer jeittpeiligen Sfanä&erung an HRaytmiltan unb bamit 
jum SBegfaffen ber franjßftfdben ^ülfe für glanbern fährte. 
2ltbre<$t ^atte bamals auger tüid>tigen Stfifcpunften jur 9e? 
^auptung SBrfiffelS ben geinben dienen bur$ Sturm entriffen. 
©in S<$re<Ien fiel na$ biefer t itynen 2Baff entyat auf Srabant 2 
Sß&iltyp t>on Äletoe fonnte Srüffel unb Soften ni$t metyr galten. 
9lber in ftlanbern wä&rte ber Ärteg, tro| be$ ©ertrage« &on 
9Jtontit&le3*£our£, bur<$ melden bie glamänber fi$ bem 
^rieben jtotfd&en SRayimilian unb Aar! VIII. anfc&loffen, no$ 
fort, balb toieberum $eimü$ gefcfciirt unb unterjiü|t bur<$ 
granlrei<$. 3 uIe ^ ^arb 8ttbre$t überall £err; ßourtrap, 
2)pem, ®ent, 33rügge Ratten fi$ gebeugt; bis über bie franjö* 
fif$e ©renje naü) St. Dmer hinüber be&nte er mejlli<$ feinen 
3Ra$tberet$ aus. 3 n ^oQanb würbe ber #err t>on SRontfoort 
im tltre<$tf<$en, ber äBoerben eingenommen, jur Unterwerfung 
genötigt 3n bem Äampf, ber ft$ 1490—91 jiDif^en bem 
©eneralftettyalter unb aubererfeit* ben granjofen, Stöbert toon 
ber SRarf unb einem SC^eil ber ßfittW&er er^ob, fyitte er SBortyette 
errungen, als er 1491 fcon 2Ray jum 9tet<$8tag na<$ Nürnberg 3 
abgerufen mürbe. 5)a Warb e£ f of ort Kar, loa* biefer einjige 3Rann 
toertfc War. 3m 8i«t$um Sättig erlitt fein Vertreter 993. toon 
©Naumburg Saloppen, großenteils toerfdfrulbet bur$ bie tlnbot* 
mdfcigleit ber meifenif<$en Dfftctere gegen ben fränlifd&en ftaupU 



i Station nut& fofiter im 8ufammen$ang mit ben Angelegenheiten ber 
Bretagne bie JRebe fein. 

* £>as bezeugt $(tltpp Don Äleoe felbft in einem Brief an (Bent 
81. flugujt 1489. Äaäjarb II, 48. 

3 ®ef$. u. Saaten 6$aumburg8 106 jagen trrtyttmliä) na$ gfreiburg. 
©afc 3übre$t in Nürnberg mar, bezeugt Sangenn 218. 



45 



mann. 3n glanbern, too für 9Ubre$t ber ©raf ©ngelbert von 
9taffau commanbirte, fielen ©ent unb ©rfigge auf« neue ab. 
3mmer gtaufamer unb entfefcttd&er tt>arb ber ßrieg. Sllbred^t 
burfte bem berechtigten 2Bunf#, feiner Heimat nriebergefd&enft $u 
©erben, no$ nid^t nachgeben, eben ftrielte granfret^ einen 
neuen Xrumpf au« bur$ greigebung be« 1487 gefangenen 
Äarl von ©eibern, ber fi$ al«balb in bie Steige ber unverfityn« 
li$ften ©egner be« ^aufeS £ab«burg fiettte, treibe« tym fein 
Srblanb vorenthielt 3n $oHanb erfcob fi<$ ber fog. $rob* 
unb Ääfefrieg. aber überall ftegte f#lieJ3li$ ber tapfere 
©aeften^erjog. 2u$ 5ß^ilipp von Aleve, ber fi$ in biefer garten 
geit ©otte« greunb unb äff er äöelt geinb x nannte, fa$ ft$ 
enbli$, na^bem glanbern, feine« 2Bo$lfianbe« beraubt, ju 
©oben getreten n>ar, auf ba« fefie ©lui« befd&ränft, von beut 
axß er, be« Zugänge« ) um ^ eer verftc^ert, 2 no<$ ein 3afcr lang 
ben Aantpf fortjufefcen im ©taube mar. @rfi 1492 toarb burdfr 
88ergleic$ feine Unterwerfung herbeigeführt 

£erjog SUbre^t tonnte ben #ab«burgern bie bedungenen 
SRteberlanbe ju $ü&en legen. Slber au<$ jefct, obtoo&l an 
ga^Iung 3 ber ^^aufgelaufenen Äofiteu bur<$ 3Rayimilian nidjft 
§u beulen toar, fcarrte er in bem aufy treuer geffifcrbeten SEBefien 
be« SRei$« au«, obtoo&l fein junger ©o&n ©eorg unb feine Mfye 
bringenb, ja feft fle&enb feine,, toenn anü) nur jeitoeilige, #eim* 
Uffx erbaten. SSon bergen gern mürbe er fommen, fd&rieb er 
lurücf, toenn feine« #errn be« römif<$en Äönig« ©a#en alfo 
getieft toären, bafc er feiner entratyen fönnte unb tooffte. 4 
3a gan§ unb gar miß er fi$ ber übernommenen $ßflt$t toetyem 
®r lefcnt e« ab, aber $einuf$e S)tnge befragt ju toerben bur<$ 

1 SB. t>. Sc^aumburfi 118. 

2 Ueber ben ©<$aben, bei burc$ i$n unb feine $oefifd&en SBerfcünbeten 
bem beutföen §anbel ßef$a$, f. 3öeinreid&§ Gängiger Gfaonif (Script, rer. 
Pruseic. IV, 780 ff. 786). 

3 Ueber bie §ö$e unb Ausgleichung feiner gorberungen üetgl. im 
6. ÄajriteL 

4 1489 Wedeln, 9Kitttood> Agnetis virg. £>te8b. 9lr<$fo. 



46 



©otfd&afien feine« @o$ne£: bemfelben unb ben Stätten toiD et 
alle« anvertrauen. (g$ ifi biefelbe ©eftnnung, bie er feinem 
getreuen Sftentmeifiter 3iat$alter gegenüber fo auSbrüdfte: er 
toünf<$e aß fein ßanb unb @ut ju ®elb gemalt, um feinem 
$erm bem Äönig foI$e SMenfie ju t&un, ba§ man 1000 3a$re 
babon fd&reiben foHe, SSeffer, alle gürfien bon Saufen gingen 
na$ 33robe, als ein rflmifd&er Äönig, 1 

6in #err, ber fol<$e Stfener &at, tote biefen ©ad&fenfürfleii, 
raub unjtueifel^aft SSerbienfle befifcen. 3 um Seugnife beffen 
bärfte obige föembare 3lbf<$toetfung nid^t überflüfftg erfreuten. 

am 8. 3Rär} 1489 fear Äßnig 2RaytmUian über 3üli<$ 
jie^enb in Äöln, no<$ entfd&loffen ben £ag in ©peier, ber feit 
bem 24. October au«gef<$rieben toar, ju befugen* ©ann ging 
e£ ju ©$iff r^einaufmärts na$ SBormd. 3)a toarb, bie latfer* 
Iid)e SetoUIigung toorauägefefct, bie SBerfdftebung be8 Sage« unb 
feine Verlegung na<$ granlfurt f ejlgef e$t. 2 S)er Äönig fcatte 
fi<$ entf<$ieben juerfi in Sßerfon mit bem Äaifer ft$ ju Der* 
flänbtgen. 3 S)ie bon tym getoünfd&te 8tet$S$ülfe gegen granfe 
ret# nid&t minber als bie toon anberer ©eite bringenb begehrte 
9iei<$3reform toaren ©d&attenbilber, toenn e£ 8Kay als geborenem 
Vermittler ni$t gelang ben Äaifer mit mächtigen Steid^ftönben 
ju berfö^nen, beren SBiberftanb alles gu serfcinberu brofcte. 
SBor allem mit bem #auS Skiern, toeld&eS, in gü^lung mit ben 
ttrittelsba$f$en Settern in Äurpfalj unb Dberpfalj, in ben 
Sahnen &artnä<figer Dwofttion ft$ betoegte. S3on lederen fknb 
Sßfaljgraf Otto in Sfteumarft in intimen politifd&en »ejieftmgen 
jtt ben £öfen in SRünd^en unb ÄanbS&ut, mä^renb ber pfäljifdfre 



J Rathalter de meritis Alberti (Mencke, Script, rer. Germ. 
II, 2121). 

2 Etoj an fllbr. b. SBaictn Äöln 1489, Sonntag Invocav. (Wärj 8). 
Eatt. ffiei<$8-9lr<$ti>. 3anffen, granffurter tteid&Scorr. II, 514. ttolinet 
IV, 29. 

3 Wlai an Wtbr. o. 93a i cm 2öorm§, grauentag an nunc, (flftärj 25). 
Sair. 9tei<$8-flrt$fo. 



47 



Äurfürft gtyilift) no$ me$r -feine eigenen SBege toanbelte, bereits 
bamalg in toerbad&teroedEenber Hinneigung $n §*anfrei$. 1 33on 
ben baieriW&en Settern feibfi $atte ©eorg Don £anb$but*3ngoI* 
{labt ber ©o&n Äubtoig* be3 Steigen, lange ßcit &inbur<$ norb* 
toartt *a$ granlen $in bur$ bege$rlt$e S3ergröJBerung$luft arg* 
tw>$n erregt. 9teuerbmg£ $atte er fd^toäbifd^e (Srtöetbungen 
in* 8foge gefafet. Slidfrt bafe er ein befonberer greunb ber 
Unruhe getoefen »fire, toel<$e ber Ärieg mit ftd) bringt. 6r fu$te 
bie ©egner, toie ba* mäd&tige Ulm, aber meld^ed er ein ©<$u|* 
re$t auSjufiben toünf$te, mürbe ju ma$en bur<$ unaufhörliche 
Quälereien, balb um ber gagb, balb um be$ ©eletts, balb um 
biefe*, balb um jene« ©inge* toitlen. 2 Die SMenfle, toeld&e er 
Sigmunb bon -£irol ertiriefen, ttmrben bur<$ bie Grlaubnij» 
belohnt, bie an SKugSburg Derpf&nbete 3Karfgraffd^aft SJurgau 
auSgulöfen. S)ie ©ebingungen be* SSertrageS erregten bem 
Äaifer bie Sorge, ba& biefe @ntfrembnng ^absburgifd^en S3e= 
fcfce* fettend be«, ebelu^er 9fo<$fommen ermangelnben, £erjog3 
nur ba& SSorftriel jur Ueberlaffung be* gefammten Sirol unb 
fJorberdjierrei<$ an ba£ £au* SBatern fein mürbe. ©reigniffe, 
bie f$on Dörfer eingetreten/ ma$en biefe Folgerung berjtänb* 
li$. 8Beit gefä^rtid^er no$ für bie ÜRad&t ber Habsburger, 
al* ber allen SebenSfrenben fculbigenbe, leidster befitmmbare 
©eorg, toar beffen Setter 3Ubre$t, bem bie SanbeSt&eile 8aien> 
Stünden (Oberlaub), Straubing (SRiebertenb) unb ber SRorbgau 
untergeben toaren, ein ebenfo unterrtd&teter unb einfid&tiger, n>ie 
t>etf$lagener unb entf^loffener ©&araf ter. SDurcfc $arte Strbeit unb 

1 ¥$IiW $atte im tRärj 1489 eine ©efanbtföaft in granfrei (^ gehabt, 
um ft$ gur Stellung *>on #ttlfe ju «bieten. 9togeblü& war et and) be» 
fbdjen, Was * ci ™ Untetfrut|ung ju gewähren, ©trajjburger ftanbf $afien bei 
Ämw, Settfi^tift für @ef<$. be§ Cberr^einS XVI, 79. $a ex übrigen« 
na$ flklinei« «eridjt (IV, 29) bem Anfang Styril 1489 bun$retfenben 
Jtimig tDtosumlian bie erhaltenen Sefäjenfe jeigte unb jlä) ju $>ienften erbot, 
famt feine (Sntfrembung vom töeia) nod) nia)t fo fd)limm ge»ejen fein, »ie 
ein paar Sofae flötet. 

2 So U. Sütrer (Obetbair. *ra)to V, 66). 



48 



©ntfagung, freilid? unter mannen SRüdffd&tägen $at er feine giele 
erreicht. ffir roollte junäd&jt £err fein im Sanbe unb liebte e& 
bafcer, toenn feine Statte ni<$t allju einig toaren unter ft<$. @r 
fafc i^nen f<$arf auf bie ginger, tamit fi c ^ nc »$raftifen* 
trieben, ©et Slbel, heften ^errenre^te er na<$ Äräften be* 
f$nttt, toax i$m menig getoogen; bei ben ©tobten nur fanb 
er Slnerfennung für feine SBemü&ungen um ^rieben unb Drb* 
nung. SBeiter toax fein Streben: 6in&ett unb Unt^eilbarleit 
SBaiemS. 2lu<$ biefeä 3 ie ^ M er im 9Befentli$en erreicht* 
©eine lungeren ©ruber, bie ft<$ ifcre gfirftenre$te nid&t mit 
einem ©tildf ©elb ablaufen lajfen motten, fyaUn tym ba 
Sorge genug gema$t. SefonberS ber fceifefpornige Qtyriftoyty, 
treiben felbfl jahrelange $aft in ben £änben» feines geftate 
tätigen ©ruber* nic^t abjufitylen toermo$te unb ber immer 
toieber mit feinen Slnfpräd^en fcerbortrat, bis ein früher £ob 
im fernen Sanb auf einer Pilgerfahrt Sllbre^t Don biefem 
©egner befreite. 1 ©o nmnbert man ft# ni$t, bafj biefcr 
energifd&e Äopf im SSertrauen auf bie ©unfi be£ ÄaiferS, unb 
metjt no<$ in ber Hoffnung notygebrungenen ©ef#e$enlaffen$ 
feilend be3 bon ben Ungarn bebrängten $txxfätx$, e£ unter« 
na$m, bie ©elegen&eit }ur Ausbreitung feiner 2Ra$t ju benu|en. 
#atte er bo$ 1477 ntd)t Derfdjwctyt, &ermemtli$e Anredete auf 
#offanb, ©eelanb, grieSlanb unb ^ennegau ju öerlautbaren. 2 
Se^t fcatte er im 3Mrj 1485 bie 3teid&*$errfd&aft Abensberg an 

1 $>ie 3üße ju bem »ilb 2nBret$t§ finb metf* aus Ulricfc gütrer unb 
JBrit 3trnj>e<f entlehnt. 3$ füge no$ fcinju, bafc et au$ Mittel fanb, bie 
@eiftliä)feit feines SanbeS finanziell fi<$ btenftbar gu mad&cn. 5)ie fflöfter 
tou&te er ju ^oljen S)arle$en gu beranlaffen. Timeo autem, fagt BrnpedE, 
est, quod primum solvantur in die novisrima (Pez thesaur. III, 451). 
$ie «Bru<$frtt<le gtttrerS 1. Erojto für oBerBair. ©efdfr. V, 48 ff. Ucber bie 
SlBfaffung unb Sortierung bergl. Ähtdtyofyi in ben gforfc^ungen j. beulen 
®ef*. VII, 205. 210. 

2 Honumenta habsburgica. ßfrfte $Bi$eiL I, 463. Ucber bie 8tu 
forüo^e, welche 3UBre<r)t foftter buro) (IrtoerB ber Siebte ber vertriebenen 
Ferren be lo ©cala auf Verona er$oB, f. Ouirinifi Delation bon 1507 Bei 
Alberi, Relaz. degli ambasciatori veneti VI, 48. 



49 



fid? geriffen unb burc$ ba3 Gelingen übermütig gemalt im 
©ommer 1486 bie 9tet$3ftabt 3legen$burg unter f flauer SBe* 
nufeung innerer SBirren unb §alb unb $alb unter 3uflimmung 
ber ftäbttf$en Se&örben jur baierifd&en Sanbftabt gemalt 
Sftar e$ ein (Snbe für immer ober hatte ber 2)i$ter Stecht mit 
ber 33orau3*>ertünbtgung be8 £age«: 

„fo ber abier an bem marfttum tut fliegen 
unb beginnt ben leben uberfriegen"? * 
3unä$ft mußten fi$ patriotiföe Oemfit^er aber biefe* 
ffiappent&ier ärgern, toel<$e8, naü) bem 3Bort beSfelben ©änger« 
. • . Jlet unb §annt 
unb ft$t greuli$ bie fd&lufcel an, 
bi 9teng8purg tut in feim ttappen $an. 
Site ber unbelannte ©olf$bi$ter obige JBerfe f$rieb (tootyl 
14S9) mar e3 bereit« getotfc, bafe griebri$ ni<$t gemeint fear 
mit ber cot fym gebauten ©elaffen^eit biefe freche öeleibigung 
feiner Autorität ju ertragen. 3 ur 3 eit ^ex St^at fcatte ba8 
jroeifel^aft fein Binnen. 216er ber Saiem^erjog $at ben Äaifer 
gerabeju gelungen fcinblid^ gegen tyn aufjutretem @$ ^ängt 
baä jufammen mit ben fe&r eigentümlichen SBer&filintffen am 
§of be3 &ab$burgtf<$en #erjog$ ©igmunb toon £irol, Don benen 
foäter einge&enber bie Siebe fein mu§. £ier nur fo toiel, ba| 
feit Sauren 3Ubre$t tüte ©eorg toon Saiern es loerfianben 
Ratten, bur$ atter&anb ©efättigf eiten, befonberS finanzieller 
9latur, bie Steigung be8 gegen ben Äaifer unb beffen ®o$n 
SRay argtrö$nif$en gürflen ju erobern. 6ie toaren mit ent» 
jdjiebenem @rfolg barauf aus, bie jtoif<$en ben Settern &or* 
Ambene Äluft ju ertoettern unb felber bie Erben ©igmunbs ju 
trerben. Renten unb ©infönfte in £irol felbft toaren &on 
jenem ben Saiern üerfd^ rieben; geglüdt mar bie f$on et* 

i 98mli4 ben 6aierij<$en, ben HIBred&t an ben 3$urm tote alle 3$ore 
VHe malen taffen. ßiltencron, (tflor. SolfSlieber II, 6. 193. $iefeIBe 
tyortejeiung 6. 208, »o in S5er§ 786 ntd&t ein BelieBtger @rei§, fonbem 
bet Äotfer gemeint ijt. — 3annen tft greinen. 

Ulm an n, ffaifrr SRatfmilian. 1. 4 



50 



tränte £ran3action &inft$tli$ ber Säurgau. 1 9ii$t3 jetd&net 
aber greller bie SSerblenbung unb ©<$toä$e bed ^erjogd toon 
£irol ab, als tag er ni$t nur über ba3 verfügte, toa* er, 
freili$ nur mit $Ri#ta<$tung ber 9fc$te bed ®efammtbaufe$, 
als eigenes toerfd&enfen burfte, fonbem au<$ aber frembeS, an* 
vertrautes @ut 2115 Äaifer §riebri<$ flfid&tig feine (Srblanfce 
berlaffen mu&te, um im 9tei$ #ülfe ju fu<$en, fjaüe er für 
feine jtoanjigiä&rige Softer Äunigunbe an SignumbS $of ein 
be$agli<$eS 33erjle<! auSgemad&t. 9Bie er es mit feinem 2)ing 
in ber 2Belt eilig $atte, fd&eint er feinen lebhaften £rteb ge* 
fitylt §u ^abeu, fi<$ ganj t?on ber anmutigen Softer ju 
trennen, 2Rit bisherigen ßeirat&Splänen für bie Jungfrau toar 
eS baber nie @rnfi getoefen. 2 2Ran bermmmt, bafe ber ferne 
©ruber, ber ber ©d&toejier ein fefieS #eim too&l gönnen mod&te, 
im 3a^r 1485 einmal mit bem $lan fi<$ trug, fu$ ben #erjog 
t)cu ©atioien jum @ibam ju getoinnen. 3 Sauernb aber, unb 

i £)aB Material jufammengefieflt burd) %. 3äger: S)er Uebergang 
Tirols ... öon bem Grjtjerjog ©igmunb an . . . flttarjmüian (9lr<§iö für 
öfter, <8cf<$. 51, 305 ff.)- ^ ßr 8 r - *• *>• tfrauS: SRajimilianS I. 53c 
jteljungen ju Stgmunb öon Xirol 1490— 1496 (SBien 1879). $>aft 
Sttbred&t bamalS na$ ber ßanbüogtei gu 6ä)n>aben angelte, berichtet am 
4. 3anuar 1487 Dr. $fotel bem branbenburg. SRarfgrafen (SRinutoli, Stall 
58ua) 244). 5)iefelbe $atte ©igmunb erft 1486 öon bem Xruä)fe6 öon 
SQßaibburg toieber eingelöft (Hrd&iü 51, 327). 

* Wuf bie Jjljantafiifdfoe 3bee einer SBermätylung ftunigunbeS mit bem 
tiirttfojen Sultan ift am frü^eften angezielt in bem fd&on angeführten Sieb 
(ßüieneron 6. 186 33er8 62 ff.). GuSpinian berietet in feiner Austria 
(granffurt 1601) 52, 9Ra$omeb too^t mit Stoiaaetf) bertoed&jelnb : flaifer 
Sfriebriä) Ijabe ERaljomeb, bem Eroberer €onftantinoj>el8, feine £oä)ter jugefagt, 
faUS er mit feinem Solt jum £$riftentfjum überträte. 3um SetoeiS bed 
QftnfteS ber ©a$e beruft er fi$ auf ein in töeuftabt öon griebriä) aufge- 
helltes Scutyturtoerf, toeld&eS beibe ffaifer barflefle. Huf bie Sertoea^Shmg 
$at fä>n Wirten, <$lpenfpieget 962 aufmedfam gemalt. SBranbiS, <$eföi<$te 
ber SanbeSljauptleute öon Xtrol 345 bringt biefen $lan fogar in Serbin- 
bung mit einer türtif<$en @efanbtfä}aft, bie 1497 bei StambS öon 9Rap- 
müian empfangen tourbe! Waä) ber gimmer'fd&en £$ronit 1, 504 wären 
nad& Maximilians Stob bie bieten über bie türfif$e §eirat$ öerbrannt toorben. 
3 ftrauS, Wfii I. «rieftüed&fet mit 6. ^rüfa^ent 49. 



51 



toofct* t>on 3ftgenb auf, batte SRay mit bcnt ©ebanfen mit 93or* 
liebe ft<$ vertraut gemad&t, feine ©$toejler an 2Ubre$t Don 
Saiern ju Dermalen. 2Jtan batf nid^t jtoeif ein / ba& er mit 
ffiiffen unb SBiHen griebri<$3 bem baierif^en Jperjog biefe 
Partie angetragen. l S)ie beiben, beren SBelanntidbaft juerft 
in 3nn§brud ftattge&abt ju fcaben fd&eint, toaren ftcfy $olb, 
9Ubre<^t mar ein fiattUcfyer 9Rann unb feine (Srtoä&lte wirb 
als ein toarm empfinbent)eg 2Beib, ber$aften ©inneS unb t>on 
wenig SBorten gef Gilbert. 2 J&ergog ©igmunb, ganj im bäte* 
rif^en gabrtoaffer, liefe fi$ gern jum gürft>re<$er genrinnen. 
8fa$ Äaifer griebrity fd)ien im ©ommer 1486 bem Sßlan nid^t 
abgeneigt unb tyatte feine Sufiimmung ju ©&e&er&anblungen 
gegeben. 3)ann fyat er aber feinen ©tun geänbert. 2,'rofc aller 
J)unfelbeit, bie über biefe Singe jum Styeil burefy bie ©<§ulb 
Don Seuten, bie immer ju triel tröffen tooßen, gebreitet ifi, ift 
fo röel ganj fieser, bafe gegen feinen ben ^Beteiligten bekannten 
2Biberft>rut£ im Slugufi 1486 baä SSerlöbnifc, im S)ecember ber 
6^et>ertrag unb am 4. Januar 1487 bie 33ermä&lung fcoHjogen 
toorben iff. 3 Sie @&e toav eine überaus glücflu^e, n>ie f<$mer§* 
li<$ aud> ber jungen gürftin ber Raffte lang ^artnädig fortgefefcte 
3orn i£re8 greifen 93ater3 fein mufete. 2Bte ©igmunb jur ©a<$e 
jiebt/ ob feine geijiige S3ef<$rcmfc£eit e3 möglich matyte, i&n mit 
gefällten papieren §u überlifien, ober ob er mit bemühter 2Xb= 

» 3nfiruction SUbredjtä für feinen fcofmeifter an SWaj 1488 Roten- 
burg. SBair. 6taat§»3lrä)ib. $ie im ^auSaräjib in Sföünäjen oor^anbenen 
§eirat(9arten atotfcr)cn 9flbrea)t unb Äunigunbe betreffen nur bie Regelung 
bei ftnanjieflen Stellung ber lederen. 

2 6. fcefonber« bie Sortierung ber 6f)ronif gütrerS 78. Raä) btefem 
GetDäJrSmann r)ätte i$r <3emafjl auä) in StaatSfadjen (eine ®e$cimniffe bor 
\fyc gehabt 

3 2iä)noto§ty, ®eW\d)U beg #aufe§ fcabSburg VIII, Reg. 848 f. 
852. 859. 862. 868. 873—876. 888 f. 898 f. 906- 912. ©. auä) ben 
Stattet be§ am laiferl. §of befinbliä)en branbenburg. ©efanbten b. 14. 3ö» 
iraar 1487 bei 3RinutoIi 253 , bergl. 263. 3n einem »rief Dom 6. 3a« 
nnar 1487 bejeid&net griebriä) felbft bie §eirat$ als einen i$m zugefügten 
Säjimtf. ffrau«, 9Äar/ »rteftocd&fel mit ?rüfa)en! 58. 



52 



toei<$ung toom SBtDen be$ ÄaiferS öerfufyr, ift tyer ni<$t ju unter? 
fu<$en. $fy<$ologifc§ f^eint bcibcS glei<$ möglity. 6r fefcte 
feinem antifyab£burgif<$en treiben babur<$ bie Ärone auf, baß 
er nun am 19. 3uli 1487 an 2llbre<$t unb ©eorg toon SBaiern 
ganj 33orberöfierrei<$ um 50,000 rljein. ©ulben auf iä^rlid^cn 
SBiberfauf toerpfänbete. 1 3)er 6ntf$lu& mo<$te ifyn baburdfj 
no$ leidster toerben, ba& ja jefct ein $ab$6urgif$e3 SReiS auf 
ben ttrittel$bad&if<§en Stamm gepfropft war. 

©3 ^fitte biefeS legten ©drittes nid&t beburft, um ibm bie 
t)oBe Ungnabe be$ ffaiferS jujujie^en. S)tefer alte £err roar 
fd&on Iängfl entf d^Ioffen , bem tym aufgebrungeuen ©d&nrieger* 
fo&n mit ©fite ober ©etoalt 2l<$tung toor feiner Autorität eim 
juflöfeen. ®r am toenigften war ber 3Jtann baju, fi<$ ba3 
ßoneept toon anbem corrigiren ju laffen. ©eine anfängliche 
3uftimmung jur #eirat§ tt>ar gefnüpft an bie Aufhebung ber 
Bon ©igmunb ju ©unjten ter Ferren &on SBaiern gemalten 
SBerfd&reibungen. 3 ur Ueberlaffung ber ®raff<$aft Abensberg 
an Sllbred^t in ber $orm ber SDtttgift feiner £o$ter war er 
bereit getoefen. SSurgau foHte auf alle gäDe bei $absburg 
bleiben, ©o Ratten bie Unterkühlungen geftanben, als 211= 
brecht ft<$ bur# bie ©etoinnung 9tegen$burg3 neuer Serlefcung 
ber faiferlidjjeu SRed^te f<$ulbig ma<$te. 

3Kan nimmt an, bafe biefer ^nrifd^enfatt ber ©enetgt&eit 
be$ ÄaiferS mit 2Ubre<$t eine fo enge gamilien&erbinbung ju 
f<$liefjen ein @nbe bereitet $abe. ©o toeit mit 3te<$t, als bie 
SKeinung bie ift, griebri$ fei bur<$ biefe Section getoifcigt 
toorben, baß toon 2llbre<$t na<$giebige3 ©nge^en auf feine 
©ebanfen nid^t ju getoärtigen fei. @rfterer flrebte na<§ 83er* 
einigung aller &ab3burgif<§en Sanbe in einer #aub. 3)ie SBer* 
metylung feiner £o<$ter foHte ni<#t ben Stalafe neuer <Snt= 
' frembungen abgeben. 2lu3 bem SJertyalten 3llbred^t8 tt)ie ©ig- 
munbs erfannte er jebo<$ beutli<§, baß ©igmunb in bem 6rb* 

t 2i($notoSty 9teg. 981. 



53 



recfct 1 ÄunigunbeS einen ttnUfornmenen 33ortt>anb fa£, feine 
3)i$pofttionen ju ©unpen ber 2Bittel3ba$er mit befferem 6$ein 
ins ®erf ju fefcen. S)aS in erfier Sinie, nnb ni<$t bie bei 
einem griebri$ ni$t aHju fiarl toorfcanbene rei<§Stoäterli$e 
Sorgfalt, lonnte tyn beftimmen, einen fonft für toortyeityaft 
gehaltenen ?ßlan aufzugeben. SBiellei^t lommt ein anbere* 
baju, foielt in bie bargelegten 2Rottoe hinein. $>ie in golge 
ber 3lu8f<$lie&ung be$ bö&mif$en Äöntgä toon ber römiföen 
Äönigött>a$I entpanbenen Stotftiileiten , gefätyrli$ infofern, afe 
ba$ erbitterte Söhnten an 2Ratt$ia3 t>on Ungarn tiwen fampf* 
bereiten 83unbeSgenoffen gefunben fcatte, loareu SBeranlajfung 
getoefen }u einer weiteren Slnnä&erung be£ Äaifer&aufeä an 
?o!en. 63 fie^t fejl, bafe im 3uti 1486 eine gamilien* 
»erbinbung jtoifc&en ben Käufern £ab$burg unb ^agiello be* 
i^loffeu mar. 2 Qfi ba bie SJermutyung ju Htyn, bafe griebrity 
nur mit falbem §erjen bie SJer&aublungen mit SHbred&t ju* 
gelaffen, im ®runbe aber gebaut $abe an eiue SBermctylung 
feiner einzigen Softer mit einem Sofcn SajtmirS t>on Sßolen ? 



1 Gin fol$e3 toirb foäter baierifö erfeit 3 atß ein bem SRarjmilianS 
gleiä)toeri$igeS prätenbirt, tote fiä) au6 einer ttntmort ber Stfcmeiaer auf 
eine JBerbung tftniglia^er ©efanbter ergiebt. S. ben 83eri<$t an Äönig flHar, 
ßujern 1490 Sonntag na<$ <&HUfy (ftoo. 21). Söien. St.»fl. 

2 $or ber benetianifd&en Signorie foreä)en am 28. 3uti 1466 taifer» 
li($e unb j>olni|ü)c 5Botfd()after gemeinfam de sanguinis conjunetione jnri» 
fa)en beiben £mtafttcn. 2)er 3ufammen^ang, inSbefonbere au$ ber SBortlaut 
be§ Sriefeß, in u>el$em S&enebig bem ^ßopft erfreut ßunbe giebt bon ber 
aftinitas inter eorum Majestates inita, {fliegt bie 2Högliä)feit au§, ba& 
c£ ftd) um bie alte SBerfd&toägerung, burdfc §eiraty GaftmtrS mit ber £o$ter 
ftaifer 9Ubreä)i8 IL, babei fjanbeln tonnte. 68 ift bon einem novum bie 
Bebe. Monum. Hangariae hist Acta regis Matthiae vol. III, 114. 133. 
UefrrigenS fmbet bie Hnnäljerung f($on im Cciober 1486 ein 6nbe bura) 
erneutes 3ttfammengeljen $olen§ mit $Böf)men unb Ungarn. Ibidem 193. 
Um Opern 1487 wollten bie brei einen Sag mit 3Tanfret<$ galten. 9Ki- 
nntolt 254. Sollte nid&t aua) biefe jfit^e Hbtoenbung $olenB obiger SBer- 
mutyung jur Stufte gerei$en, infofern erftere toeranlafct (ein fönnte bur$ 
We im Buguft eingetretene Verlobung #unigunbe§? <?§ ift unerftnbüd), 
»a8 fflr eine Verlobung fonft gemeint fein fönnte. 



54 



Stoppelten ©runb jum ©roll, tyätte er bann gegen ©tgntunb 
gehabt, beffen fretole 6igenmä<$tigfeit nid&t nur betn SBater bie 
SBerfügung über fein ftinb entjogen, fonbem au<$ bem $errfc$er 
bur<# toid&tige politif<$e Beregnungen einen ©tri$ gemalt 
$ätte. 

©iefem 3 crtt>ör f n *& ' am ber römifd&e ftönig jefct juerfi 
in ?ßerfon nä^er. ^erjog 2llbred&t fcatte ft$ in ©ad^en ber 
nteberlänbifd^en #ülf$leiflung nriüfä^rig gejeigt. @r $atte bann 
3Ra?tmiltau3 Vermittlung angerufen. gatts feine SBermä&lung 
anerlannt mürbe, axtö) Stegendburg unb Abensberg i^m bliebe, 
fiellte er SKad&giebigfeit in äu$fi$t in SBetreff ber SSerfd&ret* 
hingen $erjog ©igmunbs. SfabernfallS bro^te er mit Slnfd&lufc 
an Ungarn unb anbere aufeerbeutfdjje ©etoalteu. i Snbeffen 
n>og bie in 5Ku$ft<$t gefiellte ©onceffton bereits nid&t me$r 
f$tt>er, ba ber ftaifer mit ungewohnter Energie bereits in ben 
tiroler S ra 8 cn 2B<wbel gefd&afft unb au<$ fonfl ben unter* 
iie^menben Saiernfürflen in bie ©efenftoe gebrängt $atte. 6in 
unglüdflid&er Ärieg toiber SSenebtg tyatte ©igmunbS Stellung 
im eigenen Sanbe üoüenba erfd&üttert. ©eftüfct auf bie bisher 
nur burd& ©etoaltmaßregeln unterbrfidte Stimme JEirofö, ba« 
öfterrei<§if<$ bleiben tooHte, toar no<$ 1487 auf mehreren Sanb* 
tagen eine neue ßanbeSorbnung auf bie Sauer t>on brei Sauren 
bur<fygefej}t toorben. ©igmunb, ber biefelbe bef<$toören mußte, 
toarb im SBefentlid^en auf eine Styanage befd&ränft, tt>ä$renb 
bie ©efd&äfte fafl ganj in bie £änbe ber ©täube unb i^nen Der* 
pflid&teter ^Beamten übergingen. 2tu$brficfli<ij garantirten bie 
©täube bie SRad&folge griebrid&S unb 3Rayimilian3. 2 3 u fl^ e ^ 



i 3nftruction an «Utas 1488 ju Rotenburg. SBair. ©taats^r^it). • 
'*■ Säger 832—370. Hm 1. gebruar 1488 »urben no<$ auSbrücttiü} 
burdfc Sigmunb felbft alle an SBnicm gemalten SBerpfänbungen für ungültig 
erflftrt. $)te toon ÄrauS, SBejie^ungen u. f. ro. auf biete unb anbere 8or» 
gänge geftttfcte flnfttfct Don SigmunbS r ,5öitlenSunfreir)cit" vermag \d) nid&t 
3U feilen. Solare Siegiment&orbnungen fmb baraal« gegen gemalttljätige 
Surften gar nitytS Seltenes. 



55 



toarb, um ben mißleiteten ©igmuub bollenbs unfd^ftbli<^ ju 
machen, ba£ gange SKeft eigennfifctger Mtfye unb ©efeHen aus* 
einanbergeftört. SBir »erben biefen oon fetter SBeibe ins (SIenb 
gejagten Ferren in ber 6<$h>eij hrieberbegegnen, tno fte al$ 
heftige Parteigänger SBaiernS bie Slbneigung gegen £ab3burg 
fürten. — SDiefelbe SJolfSjtimme, tt>el<$e in ben tiroler Sergen 
fo energif$ i^ren SBiflen toerlautbarte, fobalb be$ ÄaiferS @uv 
f freiten 6<$u| toerfpra#, &at fi$ and) in ben no<$ unmittel* 
barer bur<$ baierifd&e ©tnberleibungSgelüfle geängftigten f$tt>& 
biföen SBorlanben be3 &ab$burgif<#eu ftaufä ttrirffam gejetgt. 
Ueber^aupt fa$ man fi<§ im ganjen 33erei<$ be$ alten 6<$toaben, 
biefem claffif$en SBoben rei$8re$tli<$er 3toitterbilbungen, fur<$U 
fam naö) einem feften #ort um gegen bie toatyfenbe Heber« 
ma$t ber 3BUtel3ba$er. Qu ben Sürgerföaften ber ©täbte 
företfte SftegenSburgS SBetfpiel. Ulm toar fcor allem bebro&t 
bur$ ©eorg üon SBaiern. Sern Säbel ©$toaben£ lonnte es 
naä) einem SanbeSfcerrn nrie $erjog Sllbre^t toenig gelüjien. 1 
©iefe unt>erfennbar toorfrmbene Stimmung ergriff nun in einem 
ber wenigen glfidfyaftigen ÜRomente feinet SRegentenlebenS Äatfer 
§riebri<$. ©o entjtanb ber !aiferli$e SBunb im Sanb . ju 
6$toaben ober, nrie er gett>ö$nli<$ furjtoeg genannt ttirb, ber 
fc^tDäbifd^e SBunb: eine Sereinigung ber Sftttterf $af t , ©täbte 
unb einjelner gürfien ©<$tt>abenS jur grieben$beroa§rung unb 
9te$t3garantie unter fi$ unb ju ©$ufc unb £ru$ toiber jebe 
Sergemaltigung tion außen. @r follte für ba8 jerfolitterte 
€$n>aben bie jur Stabführung be3 {einjährigen ßanbfriebenä 
t)on 1486 not$n>enbige lanbe8$errltc$e Autorität erfefcen. S)a$ 
n>ar toenigjienS ber plaufible SBortoanb, unter bem ber Äaifer 



i ®ie ©tobt Ulm nennt als fcaujjiur&ebertn beß SunbeS ber föhtf» 
bij$e 3«itgenofle fjfaber (Goldast, rer. ßuevicar. Script.). Stofc bie Stöbte 
auf gfriebri<$& 9tat& fic$ toerbünbet, bann Prälaten unb 5lbel ft$ ange* 
töloffen, weife $irtyeimer de bello Helvetico (8re$er«@trutoc III, 65). 
(„$ut$ beS Körnigen flaifetS @emä$t") fagt BnSfcelm (ferner djronif 
«, 6). 



56 



juerji am 26. Qutü 1487 unb balb öfters mit fteigenbem 
Crnft bie argtoitynif<$en unb jögernben (Elemente jum Sufam* 
menfd&lufe trieb. 3n griebrid&3 ©inn foflte ber ©unb jeben* 
falls &auj>tfäd&li<$ eine ©$ufctoe&r btlben gegen Saieru. Unter 
getiefter SBenufcung biefeä ©efid&iäpunlta allein tonnte e3 Der* 
mut^Iid^ betn geföäftällugen SJerat&er be$ ÄaiferS, bent ©rafen 
§aug Don SBerbenberg, gelingen, betn am $ergebra$ten fcän* 
genben 3Ronar$en bie @inmiUigung ju.biefer SReufd&öpfung 
abjuringen. 3ti#t$ berechtigt in Äöuig aRaytmilian ober in 
betn Äurfürfien SBertfcolb Don SRainj ben gcijtigen Urheber be$ 
SBunbeSgebaufenä ju fud&en. SBerbenberg :perfönü# nid^t minber, 
tote aö $auyt ber großen §RUtergefeIIf$aft üon ©t. ©eorgetu 
f#Ub, toon ben ttuttel3ba<$f$en £enbenjen bebro&t, auf beftem 
gufe mit ben fonfiigen ©etoalten beS ©$toabenlanbe8 , bem 
Äaifer bur<$ langjährige, erfolgreü$e SDienfie lieb unb toertlj; 
eben als faiferli<$er (Sommiffar auf bem 9tei$8tag in $ttürn* 
berg Seuge ber unnnflfä&rigen Haltung ber ©tänbe gegen ba$ 
Sieid&Sober&aupt, ber f$ier uuiibertt>inbli$en ©d&tmerigleü einer 
aud) nur geringfügigen SBefferung be$ 3tetd(>3organi3mu3 1 unb 
enbli$ ber alle* ftfirenben Dppofition ber baierifd&en Käufer, 
mar buxty @rfa$rung unb Sfolage ber äRann, ben ©ebanten 
einer feparaten ^Bereinigung feiner engeren #eimat )u erfaffen 
unb burdfoufüfcren. SKit Unred&t tyat man ueuerbingS bie 
©rünbung toon 1487 in Sufammenfcang gebraut mit bem in 
ftrantfurt i. 3. i486 feiten« SRafimiHanä vorgelegten, aber 
ftänbif$erfeit£ reprobirten Sßlan, bie SluSfü&rung be$ jefru 
jährigen Sanbfrieben* in gettriffen, freiließ Diel ju n>iHtityrli$ 
gegriffenen SBejirfen, je jtoet gürjlen }u überlaffen. 2 Heber* 

1 34 meine $ier ben mißlungenen $erfu$ einer offenbaren Sfide im 
9tei$8re$t baburdj abhelfen, baß im 8faH «ne& 9tei<$8friege£ einzelnen 
angegriffenen bie Qttlfe ber (Sefammt^eit gugefigert nmrbe. Auf bie ju 
@runbe liegenbe grage lomme icr) jurücf, ftapitel 2. 

2 8f. SBagner: 2)ie ttufnafyme ber fräntiftfcen §o$enjoflern in ben 
fc$toäbtfa)en ©unb. $rogr. be8 8riebr..2Bil$.-<Stymnaftum§ in Berlin 1880 
6. 15 u. 16, fotoie in ben gorfd&ungen 22, 266. 



57 



&aupt ift bei biefer grage toiel }u toiel gefünftett unb gebeutelt 
roorben. * SBeber »olitif$ no$ pfe<$ologif$ fann e3 ©tyttrierig« 
feiten machen, einfach ber Ueberlieferung fi<$ anfd&liefeenb, in 
bem Äaifer unb ben f$tt)äbif$eu ©täuben jmei bur$ bie Um? 
fianbe auf einanber angetoiefene sßotenjen unb in bem ©rafen 
£aug fcon äBerbenberg ba$ toermittelnbe unb auSgleictyenbe, 
t>ieDei$t auä) au$ bem garten Stein juerft gunfen fd&Iagenbe 
Slement ju fe^en. SBerbenberg gebührt unjtoeifelbaft baS baujrt* 
fä^lic^fie SJerbienft. 2 anfänglich roav, rote belannt, ber Sunb 
in ber 2$at eine au8f<$lte6lid& f$föäbif$e ^nftitution. 3 U *> en 
Gittern unb Heineren 9teu$3ftäbteu unter gfifcrung Ulm* 
traten auf birecten Jaiferlidjen S3efel?I ©raf ©bewarb bon 2Bür* 
temberg unb ^erjog ©igmunb, legerer erft nur für bie 33or* 
lanbe, ua<$$er au$ für SCiroI. (Sine ©Weiterung beS urfprüng* 
liefen ©ebanfenS lag f$ou in bem Seitritt ber branbenburgif^en 
SWarfgrafen in granfen unb beä @rjbif<$ofä Don 3Ramj, ju 
bem in beiben gäHen ber Äaifer erfi auf bringenbeä 2tnfu<$en 
feine 3 u f^ mmun fl gegeben batte. Sag biefelbe in gorm eines 
Straf manbatä erfolgte, $ängt bamit jufammen, bafc e$ naä) 
bem öunbeäbrief nic^t gemattet mar, bem Sunbeäjtoecf toiber* 
fpred^enbe 3 ©uungen mit anberen ©täuben auSjune^men in 

i S)iejer Sorourf trifft namentlich bie fonfl iü^tige Arbeit S^tocijcrS: 
8oTgef$i$te unb ©rünbung beS fd&toäbifd&en S&unbeS. ©egen feine herein« 
)ie*ung ttlbred&t H<$ill8 $at ftltitfet fi<$ Wort erflärt (§iftor. 3eitf$rift 
39, 327). äöagner $ai gute ©rttnbe bagegen borgebra<$t (a. a. C. 19). 
ttier tum uorn^erein fann nur »orgefa&te Meinung in ben äöorten 2Ubre<£t& 
flRinutoli 6. 128) eiioaS anbereS ertennen, als ben SBunfa) bie frönftf^en 
ftrifebarftfibte, ou§ tyren Regierungen ju Roiern gelöfi, mit ft$ ju ber» 
bfinben, um \o bei ber Unterftütuing be§ ßaiferS freien töücfen ju ^aberu 
Vlbre$t8 Rorfölag giebt eine fpeciette gormulirung ber aud) 1487 no<$ 
metjt gel&ßen Sfrage, wie bem Äaifer bienenbe 9ftcicr)S[tänbe uö^renb biefer 
Seit cor Angriffen geföü|t »erben fotten. 

2 $ier folge \6) ber Weinung Dfannß : 8ur @ef<$i<$te beS fd&tofibifd&en 
»mu>e5, unb ber SBagnerS: 2)er fötoäbifcje Runb unb bie fräntiföen 
$o$enjou*ern (Sforfäungen 22, 266). 

3 *r$U> fftr Sperr. ©efö. VII, HO, »o ber ßrafanjler bie Meinung 
aufferUJt, bafi bie Ioiferl. Obrigfeit in allen Rfinbniffen unb Verträgen 



58 



ben SBeitrütSberträgen. S)a nun 3Ramj wie bie SRarfgrafen 
ältere Serbinbungen Ratten, toel$e, tote bie ber 3Rarfgrafen mit 
Sllbred&t bon Stoiern, unter Umftänben fte in ein Dilemma 
bringen mußten, £alf ber f atferIW&e JBefefcl jum (Eintritt na<$, inf o* 
fern er ben älteren SunbeSgenojfen gegenüber eine fiaat3re<$tli($ 
au3rei$eube @ntf$ulbigung für ben 83ertrag8bru$ gewährte. — 
SDie in« 3a$r 1488 foDenbe aufnähme be3 8if<$of3 unb ber 
©labt SlugSburg, ber ©täbte äöhntfen, £eilbronn, 5£>onau* 
wört$ unb anberer ©lieber blieb auf bem SBoben beS ux- 
fprüngli<$en ®eban!en$. bereite im Stpril 1488 war bie 
9Jta<$t beS neuen SBunbeS auf 12,000 ju §u& unb 1200 ju 
9tofc im erften Aufgebot fepgefteHt worben. i S)aju famen nun 
no<$ bie Sontingente ber nad^er eingetretenen SRitglieber. 
©afc biefe Slnja^I bamafä etwa« bebeutete, erbeut j. 35. barauS, 
bafe im Satyr ju&or ba3 3tei<$ bem Äaifer nur 6000 SJtann 
jur eilenben #filfe unber Ungarn bewilligt tyatte, bie nid&t ein* 
mal jufammenlamen. 

3n Saiem tyatte man natürlich na$ Äräften ber weiteren 
ähtSbetynung beS SBunbeS entgegengearbeitet. 2Bie mit Statur* 
gemalt mußten ja biefe beiDen Strömungen gegen einanber 
fto&en. ®eit 1487 erwarteten toiele ben JBürgerlrieg ; * H88 
tarn e3 wegen Iccaler Uebergriffe £erjog ®eorg$ wirfli$ jum 
3erwürfnifc mit bemSunb; 1489 f$ien baffelbe jum 2luSbru$ 
lommen ju foHen. Ooer befanb man fid^ fd&on mitten im 

ausgenommen fei unb ba$er bem fatferl. SBefefcl gut Inna^me beS SBunbeS 
nad&gufommen fei. 

i Älüpfel, Urhmben 1, 17. SBeim erneuten Aufgebot um bie fcälfte 
me$r. SBetm brüten Wtal mit gonger SDtadjt. $)amit fKmmt f)infl<$tlidj> 
ber SBerfl&eilung nicr>t gang ber „Slnfölag beS §eergug8" 1489 fcor Dftetn, 
gemad&t gegen Äeorg bon SBaiern, tt>ona<$ <Dlaing 200 $ferbe; Cefterret$, 
SBranbenburg , SBttrtemberg je 400 $ferbe unb je 4000 gu gufe ; «bei unb 
Stäbte gujammen 800 $ferbe unb 7000 gu gufc ftetlen. SRainger 3n- 
groffaiurbu<$ 45, »tatt 141; »Urgb. Hr<$tö. 3m Wai 1490 berfelbe 
9Jto&ftab, bo<$ ber Status bur$ einige 9leuljingugetreiene er$5$t. ßlütfel 81. 

2 6o ber frantf. (Sefanbte auf tteid&Stag uon 1487 bei Sanften, fflei$*- 
corr. II, 467. 



59 



ÄriegSjufianb? ©o mutete e3 in ber £$at ben römtf<$en 
Äönig an, ber auf [einer Steife pm Äaifer na<$ ;$nnäbrudf no$ 
fcor SRitte Stpril in ©<$toabeu mitten jtoifd&en bie flreitenben 
Parteien ft<$ gefteHt fa$. * 3föm, ber gefommen toar, um bur$ 
perfönli^e SCnreijung ben Ärieg gegen grantreid&, ba8 bie aufs 
fiänbifd&en glamänber unterfifl|te, in glufc ju bringen, er* 
»u^fen hieraus f<$toerfte £inbemiife. 5Rid;t minber polttif<$e 
toie perf online ©rünbe matten eS i£m batyer jur $fli<$t, ben 
3lu8gteid& in bie #anb ju nehmen, ©ein ©dljtoager Sllbred&t, 
ber mjttrif<$en glü<fli<$er SSater geworben, toar tym nac§ Ulm 
entgegengeeilt, unb SKa? tyat bann fpäter bei ber 9tflcKe£r aus 
Xirot ben 39efu$ in ÜRönd&en bei feiner ©<$toefier ertoibert. 
S)o$ toar in biefer ®a$e bei be8 ÄaiferS eigenfinniger #arfc 
nfidfigleit unb 2llbred&t3 gefiigfeit nur fd&toer &on ber ©teile 
ju fommen. 2lud& bro^te ba fein unmittelbarer £o3bru$. 
SRur be$ leifeflen 3taRofje§ beburfte es bagegen, um ben nur 
mfi&fam ^intenange^altenen S^f a wx me wfio6 jtoif<$eu ©eorg fcon 
Saiern unb bem f<$toäbif<$en S3unb ^erbeiju führen. 33ergebli<$ 
$atte ber flaifer, toa^renb in feinem unb be3 33unbe$ SWamen 
mit @eorg in SunSbrudf unter^anbelt tourbe, ftrengfte SBaffenrutye 
anbefohlen. Snner^alb be3 33unbe$ toar mau in einem ©rab 
geretjt, baß mau in biefen toerfiänbigen SRanbaten ben SScrfud^ 
beS ffaiferS erfennen tooßte, ben erfi Begrünbeten 33unb, nad^bem 
er feine ©d^ulbigfeit get&an, toteber ju jertrennen. SRan ber- 
pflid&tete ji<$, bem äßiberftanb ju leiften; man tyatte f<$on ba« 
Setoujstfem, eine 2Jta<$t ju fein. 2 

68 fann ni<$t bie Slufgabe biefer (Einleitung fein, ben oft 
bargeftellten ©(fcadfoügen ber $ab8burgif$-bünbif$;baierif$en 
5Dq>lomatte in biefen unb ben näd^flen Sauren im Siujelnen 

i 9Haj an bie ©ifinbe be§ fcennegauS 1489 Ulm 17. typril. ©a* 
$arb II, 30. SBarum et fyex, ftafi be§ toaljren <&nmbe& be§ §aber§, ben 
im öerfloffenen 3a$rin gknbern jtmföen ben <£ontmgent§l}errn auSgebrod&enen 
3toi|tigfetten (f. oben) bie ©d&ulb giebt, ift nic^t fefauftetten. 

2 fllüpfel I, 64. 



60 



ju folgen. * 6$ galt nur Snftitutionen ju dOarafteriftren unb 
politifdjje ©egenfäfce ju bejeid&nen, n?el$e auf längere Sauer 
tyin beftimmenb in bie beutfd&en 5Dinge eingreifen. <£$ ift 
SRayimilian« SJerbienft, inbetn er leine SRitye freute, balb 
in Ulm unb ©fingen, balb in 3nn8brudf, balb nrieber in 
©infelSbüfcl untertyanbelte, bem bro^euben Sonflict vorgebeugt 
ju $aben. 2 S)ie baierifd&e glutty begann ju flauen unb rüdf* 
tpärt^ ju verlaufen. Sie grage wegen ber SBieberetnlöfung 
ber 3ftarlgraffd&aft SBurgau unb ber Äauf redete OeorgS an baS 
toorberöfierreid&tf#e Sanb toarb in tyabSburgiftyem ©inne geregelt. 
9to$ ftanb freiließ baä ©d&roerere, ber 2luöglei<^ mit Sllbred^t, 
bevor. 

211$ SDtayimiliau, am Styein angelangt, fiö) entfd&loflcn 
^atte juerfl feinem greifen Sater in 3un8brucf einen 85efu<$ abju* 
ftatten, tyatte tyn ni<$t ettoa bie ©efytfu<$t allein baju beftimmt. 
®3 ^anbelle \iö) um toietytige #auSintereffen. S)er jnrifd^en 
©igmunb von £irol unb beffen ©täuben burc£ ben Äaifer ber« 
mittelte Vertrag fcatte bie Sßrobe ni$t befianben. SlUe, toeld&e 
bei ber neuen fparfamereu Drbnung ber S)inge eingebü&t Ratten, 
arbeiteten gegen bie Vertreter berfelbeu, gegen bie bem SanbeS« 
fcerrn unb ben ©täuben gleidfoeitig verpflid&teten Statte; ber 
f$tt>a$e ©rj^erjog felbfi, gutmütig unb trofc feines ©ie$t$umS 
genufcfüd&ttg, liefe fi$ leicht aufbringen, ©o befianben gleidfc 
fam jvoei Regierungen neben einanber. Äaifer griebriefc fear im 
2Rärj 1489 ttrieberum befd^äftigt, feinen SBetter bur$ etn>a$ 
größere SetocguugSfretyeit unb reichlicher bemeffene ätyanage 
)ur gortfefcung ber feit&erigen Sanbeäorbnung im ©rofeen ju 
beftimmen. ©$ tt>ar ba$ gelungen, aud? erneute 3Ra$iuationen 
ber baierifd^en Partei toaren abgehört. Stauer verfpra<# in* 

1 <£rß wieber, naä)bem biefe Partie toerfafet mar, burä) SBagner in 
ben Sorfäungen 22, 277 ff. 

2 Skrßieid) surften (Seorg Don 93aietn unb bem ©unb ju 3>mfel8üü(l 
(Datt, de pace publica 267 ff.) am 10. Sunt 1489. »erßl. ©tftlin, 
III, 630. 



61 



beffen au<$ ba« neue Arrangement nidjt, fd&on behalt nid^t, 
»eil eS unter be$ ÄaiferS SRittoirlung entftanben toar unb tuett 
biefem ber erj^erjog alten ©roll öou S^genb auf na<$trug. 
%üi baS #au8intereffe toar e£ batyer ftd&er oortbeityaft, baß 
but$ baS eintreffen SJtayitmlianS in« 3nn3brud ©übe Sfyril 1 
1489 ein neuer gactor ber SSerfiänbigung tynjutrat. 3Ray fyxt 
es an Sntgegeufommen gegen ©igmunbs ©<$toäc$eu unb 2ieb= 
$abereien nid&t fehlen laffen. 2)enno<$ iji mit 5Re$t bie frühere 
anfidfot als irrig Iängfi aufgegeben toorben, baß ©igmunbS, bur<§ 
SRi&trauen unb tüdfifd^e ©inflüfterung verhärtetes, ®emütb 
beim Sfablidt bes jugenbfrif<$en ©proffeS am Stammbaum beS 
§aufeS aufgetaut fei, fo baß leicht unb toöHig freittrillig 
ber Uebergang feines SanbeS auf ben jungen Setter fi$ toolk 
jogen tyabe. 2 ©igmunb fyng an ber 3Ra<$t unb ber Un* 
ab&äugigleit, toeld&e fie gefoä&rte. ®r toollte ni<$t, tuic er 
ft$ auSbrfidfte, beS ÄaiferS Sßfriinbner ober Sßrotriftonär fein. 
SRa? fanb nun jtoar toon born^erein bie freunbli<$jte Slufna^me. 
UBer fennt ni<$t bie ©rjä^lung, ttrie ©igmunb feinen SSetter 
na$ ©d&toaj geleitete unb bort toon ben SJergfnappen fetiren liefe, 
aber in bie Sltegierung gemattete er aud> itym feinen eingriff, 
gefd&toeige benn, baß er bamals Sufl gejeigt, feine ©teile ju 
©unflen irgenb jemanbS ju räumen. 3 £atte man bo<$ eben 

l 3öger o. ö. D. 395. 93ergl. ©colinet IV, 80. 

1 ©o nod) »ante, $)eutfe$e ©ef<$id)tc I, 66 unb Stalin III, 631. ©. bc 
gegen bie föritttteife (gntwidlung ber ©ad&e bei Säger a. a. D., bei bem mein 
nur nidjt metljobiföe ßritit filmen barf. SBefentliäj nac$ iljm ÄrauS a. a. C. 

3 3Wolinet IV, 30 (quS TOolinet fäjöpft $ontu§ £euteru§ 98 unb 
au3 i$m ©Wen, Gfcrenfoiegel 1012, beibe 3. 3. 1489, ni$t 1490, wie 
35ger 399) will toiffen , bafj ©igmunb bie 7400 Bergleute in SRoj 1 
§<mb r>öife fd&wören laffen. (StwaS weiter unten erjfi$li er fogar, bog 
er ilm \t%\ fd&on naä) feinem Wbfd&eiben als 9ca<$folger Ijabe anertennen 
laffen. 2)arin liegt wofjt nur bie $ofmönmf<$e SBerfd&iebung ber Mannten 
2$arfa$e, bafs in fjfolge ber neuen 2anbe§orbnung Sricbricr) unb 2Raj ge« 
fclbigt toorben war. 2)nfe e§ SRoItnet nur für SJcar,, ni a>t für ben tfaifer 
berietet, jetgt, bog fein Urteil ein ex eventu gewonnenes ift. 1489 
tRai 30 Ijat £. SfriebridJ ben tiroler ©tönben, bie laut ber ßanborbnung 



62 



1489, bie im folgeubeu ftttfc ablaufenbe Sanbeäorbnuug wn 
ba ab uo$ auf jtoei 3a$re toerlängert. 2)0$ f<$on na$ SatyreS* 
frift, toie $ier üorgreifenb erjä&lt »erben fofl, fam e3jur ©nt* 
Reibung. £irol erlebte ba im äJtärj 1490 ba« traurige ©<$au* 
fpiel, ben unheilbaren Sttrift 8tt)if^en bem alten Sanbeäfürflen 
unb ben befleflten Statten in bie Deffentlid&feit getragen ju 
fe^en. 2Jtit heftigen 3lnf<$ulbigungen traten ftd> beibe angeft^ts 
ber fcerfammelten ©tänbe gegenüber. 2Raj imilian toar jur 93er* 
mittlung Dorn Äaifer abge^idt. Sefcterer ^atte enbli$ feinem 
jä^en ©inn baSjenige Opfer abgerungen, tt>el<$e$ allein Söfung 
ber SBirren mögli$ ma$te. ©r für feine $erfon burfte auf 
fein ©ntgegenfommen ©igmunbS rennen: möglich , bafc baS 
no$ ungetrübte 9Ser$ältui§ be3 tiroler #erjog8 ju SBlayimilian 
ben einjigen im Sntereffe be3 JpaufeS tote be3 SanbeS liegenben 
2tu3toeg gangbar machte. S)er vertraute, toenn au<$ nu$t 
immer uneigennü&ige , Serat^er be$ ÄaiferS ©igmunb &on 
Sßrüf<$enf fyat erfteren f$liefclic$ baju befiimmt SBoUmaty jur 
Uebertragung ber ßanbe $erjog ©igmunbS an ÜRapimilian 
auSjufteüen. 1 ®amit mar bie ©a<$e in bie richtige 39a$n ge= 
leitet. Sern römtf<$en Äönig toarb e£ nun nic&t aDjufd&toer, 
bie glüdlid&e Söfung ju ftnben. SBijfen toir au<$ ni$t, toaS 
jnnfd&en it?m unb bem aber feine f$iefe Stellung allgemach 
toerjtoeifelnben Srj^erjog im ©e^eimen $iu unb &er gefyrod&en 
ifi : fcfl fietyt e3, bafe bie für bie 3u*unft f orgenbe, gegenwärtige 
Opfer nicfyt fd^euenbe S)enfung3art 3Jtofimilian8 bteSmal bie 
redete fear. 2lm 16. 3Rärj 1490 trat ©igmunb, toie er fagt 

au$ ifjm bie fcrbfjulbigung geleiftei, als ffltefter §crr unb SanbeSfürft in 
Oeftmei^ bie $ribilegien beftätigt (SBranbiS, ßanbeS^auptlcutc 816 f.). 
Sllfo fcatte bamalS griebria} nod(> ni$t ju ©unfien SRajimüianß bersiajtct, 
fo bafe btefer ni<$i allein als birecter (Srbe fl<$ $ulbigen Iaffen fonnte, tote 
SRoiinet bie 6a$e anfielt. 

i Hm 14. gebruar 1490 (G$met Neg. 8527). $a§ ^ßrü^enf i$n benimmt, 
9Raj „ju bem Ianbt an ber @|a) (©t|dj>) fljumen" ju Iaffen, jagt griebri<$ 
lelbft (ßrauS, SRas' $rieftt>e$fei mit $rUfa)en! 6. 86). $u$ 3Rolinet 
a. a. 0. 90 ermähnt bie Genehmigung beS AaiferS. 



63 



<m$ freiem Antrieb, bie Stegierung aller feiner Sanbe an 3Ra? i* 
milian jefct f$ou ab. @r behielt ftd& nur ba£ 8le$t freier 
3agb unb gifd&fang* im ganjen Sanbe unb bie jä^rli^e 
3a&lung t>on 52,000 ©ulben an feine ©<$atutle bor, anbert* 
fcolbmalfobiel al3 er julefct bejogen. @3 mar ba3 na$ an* 
geseiltem Ueberfc^lag, na$ ätöjug aller äJertoaltungSauSgaben, 
ber ertrag be$ SanbeS. 3Raj verlangte bei Sebjeiten ©ig* 
munbS nt$t$ für ft$. SBenn im gleiten Sa^r be&ufs @r? 
langung ber ungarif$en Ärone bie tiroler ©tänbe i&m 
50,000 ©ulben bereden, fo gef<$ie$t ba3 aus freiem, gutem 
Sitten unb au* leiner $fß$t. * ©o erfolgte bur$ boppelten 
$erji<$t griebric§3 unb ©igmunbs ber Uebergang £irote unb 
Der Sorlanbe an SRayimilian. ©erfelbe tyat bie Regierung 
fofort angetreten : au# im f d&ioäbif d&en 83unb ift er ber Stents* 
nadfrfolger feinet SBorgängera getoorben. % SRoc^ eine ©Werbung 
glücfte bem ÄaiferSfofcn im 3a$r U90. damals ernannte 
6raf 33em$arb toon @6rj, ber lefcte feine« Stamme«, bie auf 
alte ßrbtoerträge begrünbete üttad&folge 3Kaj:inulian2 feierlich an. 
5Die toirflid^e Sefi^na^me erfolgte erft 1500, bod& fafete burcfc 
Xaufd&toerträge Defierretd& glei$ in griaul feflen gufe. S5or 
attem toi^tig n>ar ber ©rtoerb beS 5ßupert^al« unb feine 3Ser= 
cinigung mit £irol. 3 

S)oc$ teuren toir jurädf in ba3 Safcr 1489. §Rod& tyatte 
bie $abSburgif<$e £au$politi? in QnnSbrucf tl)r $id nid^t erreicht ; 
aber bie ©a#e mar toenigfienS eingefäbelt. SDie uo$ ganj uu* 
georbneten 33ejie$ungen ju Ungarn unb fctytoierige 93er§anb* 
lungen mit ben f<$toeijerifd)en (Sibgenoffen burften ben römifd^en 
Äönig nun nid&t länger abgalten, ber Qtoede ft# anjune^men, 



i lltfunbe SWüEimüianS bei 93ranbi§ 321. Uebet ben Sanbtag Don 
1490 Säger 399 ff., befonberS 412. lieber bie Röteren SBe^ie^ungen aRaji- 
mitianl ju Sigimmb f. ftraul, SRaj unb €>igmunb bon ütirol. 

? 3äger 416, f. $att 297 unb Älütfet 79 ff. 

3 Coline* IV, 91. »ergt. Ggoernig, SDaS ßanb ©örj unb @rabi§ca 
567. 720. 



64 



berenttoegen er fym:ptfä<$Iid& bie SRieberlanbe toerlaffen $atte, 
iö) meine bte 9teid)8$ülfe toiber bte granjofeu. @nbe 9Rai 
bra<$ er t>on SnnSbrucf * auf unb tarn über 3Rfiu<$en, too er 
mit feiner 6<$tüejier Äunigunbe ein frohes SBieberfe^en feierte, 
über äfogäburg unb SRörblingen STnfang 3uni na<§ ©infete* 
btyl. #ier, tt)o er am 10. 3uni ben f<$on ertoffl&nten 9Serglei<$ 
jttnf<$en ®eorg fcon 93aiern unb bem f$mäbtfc£en Sunb enbli<$ 
ju ©taube braute, erfuhr er, fo f$eint e$, juerft bur$ ben 
foeben aus franjöfifd&er ©efangenföaft entlaffenen 2 ©rafen 
Engelbert toon SRaffau bie äfamefen^ett einer franj8ftf<$en 
39otf$aft, h>elc$e ber ttnter&anblung falber bereit« in Reibet 
berg angelangt toar. Um f o notytoenbtger tnarb es, bie Slbreife 
ju bem etgentlt<$ f<$on auf ben 7. 3uni berufenenen 3 9tei$8tag 
na$ granffurt ju bef^leunigen. 2tm 30. Quni StbenbS fließ 
fein ©#tff bafelbft an« Ufer. Qu feierlicher Sßroceffion toarb 
unter bem toon Siatitfytmn getragenen 33alba$in ber Äöntg, 
ber jum erfienmal feit ber Sebenögefa&r be$ üerfloffenen Sa&reS 

1 $>aS Stineror SRarjmitianS öon SHündjien bis granffurt ift burdfr 
einen Srrtljum unb reiä^tiä^e WamenSoertoedjSlungen SRolineiS (IV, 82 ff.)/ 
ben SßontuS §euteru$ 99 unb bur$ biefen Mittelsmann iBirfen 1014 aus* 
gefä)rieben fjaben, arg beroirrt »orben. Wtte teueren laffen bemnaä) SDtoj 
über ©peier nad) granffmt fommen. SRolinet Ijat einfach ©peter mit Augs- 
burg bertoed&felt , beffen SBifdjjof fröre au comte de Sorem (? offenbor 
3oflern) fei *c. 95on bo !am Sftar, am fotgenben Xag nad) üRörblingen. 
(9MinetS Neurtinghe $at 5ß. geuteruS a!8 Nürtingen berflanben, aber 
babei überfein, bog bann na$ 2RolinetS SBeritfct SJtar, erft na$ ©peier, 
bann nac$ Nürtingen gefommen fein müfjte.) §ier in ftörblingen ift nad& 
flRolinet bereits (8raf *Raffau mit ^Begleitung bem ßönig entgegengefommen, 
beffen «nfunft ber »erid&t bei fltütfel I, 65 erft in SinfelSbityl ernannt. 
SJon $)intelsbttljl ging eS bann (o$ne 3)igreffton na$ SBeften) birect na$ 
fjrantfurt. SQftotinet Iöfjt i&n bort jtoei Sage foäter eintreffen, als ber 
officiefle granffuTter $Beri$t bei 3anffen, SReidjScorr. II, ©. 518. 

2 ©efangen in ber ©djladjjt bei 99et$une 1487. <Sr führte ben ©ei. 
namen ber töeiäV (3anffen a. a. D. 519). Sabura) öerjtänbüdj Älütfel 
a. a. O. „ber SReiajc öon ftaffau". ftodjj im felben 3a$r an ber ©pifce eine« 
^ülfScor^S toieber auf ben ffriegSföaupIa§ gefanbt. 

3 3anffen a. a. O. ^rj^ergog ^^ili^ bermut^et feinen tBater fc^on 
am 2. 3«ni in granffurt. @aä)arb II, 38. 



65 



tote alte SBa^Iftabt befugte, in bie %art$oIomfiu£!ir$e geleitet 
unb bur<$ ein Te deum begrfifct. 2lm St. 3o$anm$abenb 
entjünbete er f elbft auf ben #ö$en Bei granlfurt ba3 auf feinen 
38uuf$ $ergeri$tete Qo^anniSfeuer. @in ganj anbereS geuer 
no$ hoffte er ju entflammen. SBie bie im Ärei8 gefristeten 
Srfinbe ben mäd&tigen Stamm umjfingelten unb ergriffen, ber 
bie 3Rttte be$ greubenfeuerfc bilbete, fo foDten bfe vereinten 
9W$te <£uroi>a$ bon allen Seiten $er granfrei<$$ Stütze in 
Xfd^e unb 9tau<$ toertoanbeln. 8fo<$ baS 9tei<$ foHte baju bie 
gefunben Anoden feiner Sß^ne branfefcen. 3Ran muß, um 
jur richtigen Sd&äfcung eine* berartigen SßlaneS ju gelangen, 
jiä) erinnern, bafj bie Bretagne bamate ben SKngelpunlt ber 
SJJoütif ÄRajimilianS bilbete. Stort roax fec$$ 2ßo*en nad? ber 
berloreiten S$la$t bon St. SKubtn ^erjog granj II. am 9. Se^ 
tember 1488 geftorben mit #interlaffung jtoeier unmflnbiger 
£5<$ter, beten jüngere inbeffen balb bem SBater im JEobe na<$* 
folgte. Änapp jtoei 2Bo<$en bor feinem 2tbf$eiben f)atte ber 
§eijog fein Siegel an einen SSertrag mit bem Äönig bon granfc 
rety Rängen mfiffen, ber ben ftoljen planen feine» ßebenS einen 
Spiegel borf^ob. 5Die 9te<#te ber franjöfif^en Ärone auf bie 
Sfcetagne anerlennenb, $atte er fi<$ baju üerpfli^tcn muffen, 
tone £öc$ter ni<$t o&ne (SinnriHigung ber erfteren ju bermä^len. 1 
5)ie ältefte Softer 2lnna mar f$u$lo£ juriidgebüeben, 
frebrängt Don ber feinblid&en Slrmee im Sanb unb ni<$t minber 
Don ben Orofeen be8 ßanbeS, bie jum £$eit im franjöfif<$en 
Selbe flanben. 2 £ro| beS SRut&eS ber jungen ßerjogin unb 
ber Xatferf eit einzelner Sefafcungen — toom äßiberftanb im freien 
$elb toar feine Siebe metyr — tuäre bie böttige Untertoerfung 
bes 2anbe$ unter granfrei<$ ungleich f<$neHer bon Statten ge* 
gangen, fcätte nityt bie intereffirte @iferfu$t ber 9to$barmä$te 



* Le Roax de Lincy: Vie de la reine Anne de Bretagne I, 48. 
flhril 1860 f.) 

* 6. bie Sifte ber ^enponäre Bei Le Roux de Lincy I, 51 ; III, 188 ff. 
U( mann, Ȋffet TOajtmillan. 1. 5 



I 



66 



Jenem Steine in ben SBeg getoäljt. ^einric^ VII. Don @ng* 
lanb ni<$t minber nrie gerbinanb Don Stragou fcaben feit 8fo* 
fang 1489 bie Sretag^e mit £ruw>en unterfiüfct. * SJon bem 
ftaatfcttugen gerbinanb bem Äafyolifd&en mürbe aud? f$on Dor 
bem Stöbe beS legten 4>erjog3 Don Bretagne geplant, bur<$ 
SSerbinbung jttrifäen $einri<$ Don (Snglanb, 3JtapmiIian unb 
bem ßerjogtyum Bretagne bem franjöfiföen Staat eint 6oa= 
Ution gegenüberstellen, meiere bemfelben bie 9tot$tt>enbigleit 
auferlegte, feinen guten SöiHen bur$ SRildgabe bet ©raffd^aften 
Sftoufjttton unb ©erbagne ju erlaufen. 5E)ie ©emanbt^ett feinet 
©efanbten in Sonbon bejiegte benn au<$ bie ©<$uierigfeiten, 
toel$e biefer Sereinigung bur$ bie Abneigung #ei*ri<$$ Don 
Snglanb toiber ben römifäen Äönig entgegenjianben. 2 Spanien 
$ielt fteintiä) ab, bie #ülf$gefu$e ber aufftänbif$en glanbrer 
ju erhören, 3 5Da bie ßorrefponbenj ber fpanif$en Äönige 
mit i&rem 39otf<#after in Sonbon beutli<$ tyre 83erbinbimg mit 
bem römif$en Äönig unb tyren 2Bunf$, benfelben ju unter« 
ftttfcen, entfällt, iß offenbar, ba§ 3Rayimiftan, ber Doli $euer 
obige 3bee ßtgriff, me$r als er glaubte, gef droben tourbe, als 

i SBgl. $infiä)tli<$ ©panien« baS ©^reiben beft OnfelS ber gerjegm 
Stona, 3o$ann Don (S^alonS, an gerbinanb unb 3fabella bon Spanien bam 
7. Hpril 1489 mit $ant für le beau et grand secours de gensdarmts 
unb ber SJerpflid&tung nic^t \n #eirat$8berljanblungen über bie $erfon 3fonc& 
einjuge^en, o$ne ©iffen, ftaty unb 3u{Hmmung beiber latyotiftfcer ftonige. 
2e Stous III , 170. $ief elbe 8ufage madpte im 6ubtfbienbertrag mit <£ng> 
lanb, SRenneS 8. gfebruar 1489, Anna an §einrid& VII. bon Gnglatrt 
(Da Mont, Corps dipl. III, 2, 6. 229; bergl. Sßauli, ®ef<$id&ie bon @ng* 
lanb V, 549 ff.). 

2 5De $uebla an gerbinanb unb 3fabella bon Spanien Dom 15. 3uli 1488 
(Bergenroth, Calendar of Letters I, ©. 10 f. 18). S)amaU ift übrigens 
bie Siebe bon einer bur$ geinrio) bon (Snglanb betriebenen $ermfi$lung 
3lnna8 bon ^Bretagne mit bem $erjog bon SBuding^am (©. 15. 18), toaS 
Spanien unterflüfct. $arum berftä)ern ft$ toofyi beibe eines €infpTuä)3re<$te 
gegen {ebe Verlobung ofyte tyr SBiffen. 6. bor$erge$enbe Hnmerhmg. 

3 benfelben ift §etnria) no<$ im Sfogufl 1488 nid&t abgeneigt ($tegertcf 
a. a. 0. 303). 3m Eecember 1488 befiehlt gerbinanb feinem ©efanbten 
bagegen $u toirfen (©ergenrotlj 18). 



67 



er fett September 1488 ft<$ ©nglanb näherte. 1 SJtetteic^t »er* 
anlasten Sßläne SRayimilian« auf 3lnna« #anb bamal« eine 
Srf^toerung ber äJerjiänbigung. iffienigfien« ^atte ber fpanif<$e 
Sefanbte legtere nur unter ber 33orau«fe|ung ju unterfHtfcen, 
bafj bie 33ermä$lung Slnna« in ba« belieben $einri<$« gefteflt 
6Kebe. 2 ©enug, SKaj lonnte, ber Unterftüfjung Spanien« gegen 
granfreic^ bereit« jt<$er, fammt feinem So$n 5ß^ilipp ju S)orbs 
re$t am 14. gebruar 1489 ben SBertrag mit bem fo lange 
fpröben $ubor unterjei<$nen. ©erfelbe garantirte auf« neue 
ben freien #anbel«&erle$r ber beiberfeitigen Untertanen unb 
legte jebem bie Sßfli<$t auf ben anbern in alle fonfligen 
Sünbniffe einjuf^liefeeu unb bemfelben na<5 feinem jeweiligen 
Sermögen loyale Ärieg^ülfe §u leijlen. 3 3n ber S^at 
iji nad^er SRayimilian« Strmee in ben SKieberlanben einmal 
bur<$ bie engüf^e 99efa|ung fcon ©alai« erfolgreich unterftüfct 
roorben. augenfällig ifi e«, tüte bie SBefc^äftigung granfrei$« an 
ben ^fyrenäen bur<$ Spanien unb in ^Bretagne burd> Spanien unb 
Snglanb bem $er}og t>on Saufen bie tintettoerfung glanbero« 
unb Srabant« erleichterte. So befam 3Bafimilian freie #anb, 
um feinerfeit« ber bebrängten Softer feine« alten SSerbänbeten 
m$ Jträften beijufte^en. @« fc^eint, bafe er jur Sßieberbe* 



i %m 17. September 1488 toanbte fla} Sttaj juerjt an §einri<$ im 
Jntereffe ber nieberlänbifd&en £äringSfif($erei. ®a<$arb I, 152. 2fai 
11. $ecember 1488 fteflte §einrid& 2Mma<$t jur Unierljanblung au§. 
Rymer foedera (3. fluSg. ©. fcolmeS) V, 3. Bbt$eil. ©. 195. 

2 $uebla on gerbinanb unb 3fabeHa bei 93ergenroi1j @. 19, Sfteg. 31. 
$ie (ixmiföen Könige berwenben ft$ am 15. gebruar 1489 für fltod&giebig* 
feil $einri$£ gegen SlnnaS 2Bünjdj>e, falls ifjre 2öa$l einen greunb ßng- 
lonbs träfe. »eg. 32. 

3 2)aS Iatein. Original bei 9tymer V, 8, 198 toeidjt me$rfa<$ unb 
b«jonb«T§ in ber grage ber §ttlfe öon bem frangöfiföen £ejt bei HJtolinet III, 
476 unb 2)u 2Ront III, 2, 191 ab. 3n ben Wieberlanben Jmblietrt am 
H. Wfirj nad) SRolinet, in (Jngtanb am 5. 9tyrü (f. Campbell, Materials 
for a history of the reign of Henry VII, SBanb II, <S. 440). 9Hfo ift 
ber Vertrag, ttmS man bei $auti V, 550 Dergebliä) ju$t, beiberjeitig toofl* 
Wn uorben. 



68 



freiung fcon ^Bretagne bic Dffenftoe ergreifen foQte unb jtoar 
bur<$ Angriffe auf bic Kampagne unb SBurgunb. i 23o§I um 
biefel&e ßett bebollmäd&tigte er eine 83otf$aft an bie £agfafeung 
ber f<$toeijerifd&en @ibgenoffen in Sujern, burcfy tt)el<$e er bie 
lederen für bie Koalition ju tnterefftren unb toon granfreicty ah 
jutoenben t>erfu<$t.e. Sttuf bem granffurter 9tei<$Stag foHte ba$ 
S3ünbni| }um ©egenfianb heiterer SSer^anblungen gewagt 
»erben, 2tu<$ einige beutf<$e gürflen follen beitreten. 2 3Ran 
ertoartet bemna<$ einen 93erfu<§, baS 9tei$, ju beffen Seftem 
naty ber in Sujern abgegebenen Srllärung ber SBunb gefd^loffen, 
mittelji ber ju getoinuenben guftimtnung ber in granffurt toer* 
famtnelten ©täube in biefe Angelegenheit ^ineinjujie^en. 

©o<$ ifi ba3, fotoeit ft<$ erfennen läfct, ni<$t erfolgt. SJiek 
letd&t, ba& be3 ÄaiferS ßufiimmung nic^t ju fyaben getoefen toar ! 
S5er römif<$e ftönig I)at bie jiemli<$ ja$lreid& fcerfammelten 
3teid&3ftänbe in beS ÄaiferS SRamen lebigli<$ um £ülfe für i&rer 
beiber ©rblanbe gegen Ungarn unb granfrei<§ erfud^t. 3>er 
SSer^anblungen biefeS 9tei<$$tag8, ber am 7. ftuli 1489 eröffnet 
tourbe, ift in anberem Sufammen^ang i$re$ berfaffung§gef$i<$t= 
liefen SntereffeS falber ju gebenden. Jpier ifi nur ju com 
ftatiren, bafe trofc ber auerfanntcn Sftotytoenbigfeit einer 9tei<$3* 
fyülfe nur jögernb unb in ftarf ^erabgeminbertem Umfang eine 
fold^e betoilligt toarb. Statt ber anfangs geforberten 40,000 3Jtamt 
\)at man nur eine eilenbe $ülfe t)on 6000 jugefianben, unb 
aud& biefe ni<$t anfdjjlagStoeife, fonbem afö einen befonberen 
S)ienfi ber Sinttrilligenben. 3 Um au<$ nur fo iriel ju erlangen, 

1 (Srjtyerjog ^p^ilipp an bic 6tänbe be§ §ennegau§ 2. 3um 1489. 
©ac^arb II, 38. 3?or Cctober bermag id^ bic 91 b jenbuna. beutföer §tilf§« 
toölfcr nad) ber ^Bretagne jelbft nid^t nad)3Utt>eijen. 

* Wmtl. Sammlung etbgcnöififdjer Stbfäiebe III, 1, 6. 3*0. Sinsheim, 
ferner Gljronif II, 13. 

3 $ie SSerljanblungen am öoflftänbigften bei Sanften, Äeid&§corr. II, 
519 ff. 536. Sie Stänbe erlaubten bann bem ßöntg üon einem alSbalb 
ju entridjtenben ^ctl be§ 9lnfd)lag§ ber 6000 OHann 2000 oberlänbifdjc 
Anette $u bejolben, bic er gletdj nad) ben fltieberlanben f djiden mottle. 



69 



mu§te ber Äönig im 9iei<$£abfd}ieb bie Verpflichtung auf )iä) 

nehmen, ben Äaifer jur aläbalbigen Errichtung be$ Kammer- 

jjerfc&te ;u beftimmen. SMe ftänbif$e Unluft ju neuen Opfern, 

na# benen be$ borigen Sa&reS, ^arb °& ne 3 roc tf e * berftärft bur<$ 

ben befannt geworbenen Umftanb, ba% eine franjöfif<$e 8ot* 

ftyaft be£uf3 ber griebenäunterfcanblung mit bent r8mif<$en Äönig 

bereite in äRainj lag. x 3luc^ melbete fi$ mit bemfclben 2Bunf$ 

ate päpftltd^er £egat Staimunb Sßeraubi, 2lr$ibiaconu8 bon 

1'ainteS, beauftragt mit ber SBerfünbigung be3 QubelablaffeS 

unb be3 SruciatS gum dürfen! rteg. 2 Sedieren »ottte borget 

li$ bie ©urie mit ßrnft bur<$ bie d^riftli^en Potentaten an- 

gefaxt nriffen. ©er $apft tonnte ft<$ rühmen, gegen bie Surfen 

an bem Sultan bon Sleg^pten einen äiunbeSgenojfen gefunben 

ju $aben. SRac^bem tym ber Äönig bon granfrei<$ ben bon 

ben ^obannitent gefangenen 2)f<$em, S3ruber unb 9ttbalen beS 

törftf^en Sultans Saiajety, ausgeliefert, plante er für baä 

3abr 1490 einen allgemeinen Songrefe in Sftom jur enbgältigen 

6ntf$lie&ung. 5Der Segat fcatte begriffen, bafe ber Ertrag feiner 

ÄblafctbätigJeit abginge bon bem ©tauben ber 3Renf<$en an 

ben Sförfenfrieg, unb lefcterer bom ^rieben inSbefonbere jtüif<$en 

bem 9tei<fc unb beffen ©egnern granlreid^ unb Ungarn. 6r toar 

baber bei Äarl VIII. getoefen, tt)el<$eu er fammt ber SHe&rja&l 

fehler Statte bem grieben geneigt gefunben ^atte. 3tm 9. 3uli 

in einer Serfammlung be3 9teid[;8tag$ befürwortete er ba3 (Sin* 

ge&en auf biefe Intentionen. Sei Äarl VIII. begreift fi<$ un* 

ferner ber förnft feineä 33erfu$8, aus ber Scfyl ber ©egner ben 

ju gewinnen, ber mit ben ber^ältnifcmäfeig geringften Opfern 

Ibidem 538. 540. 6. ©a^arb II, 43. Kud) bie Summe für bie 2000 
war im Januar 1490 nodj> mä)t toöflig entrichtet, mie Gfjmel 9tcg. 8503 
umotbetteglic^ geigt. 

i Xort^in ljatte pe 2Raj oon §etbelberg au§ geleiten Inffen. üKo» 
littet 34. 

2 Ueber i$n unb feine Stjätigfett öergl. je$t bie Schrift meines @<$üIetS 
Dr. 3o$. S^neibet: $ie politifc^e unb fir^Iid^e 2öirffamfeit beS Legaten 
Satmunb ^Jeraubi (#aü*e 1882), S. 14. 



s 



70 



ju $aUn, bejügti^ ^inju^alten toar. SÄaj:, bem bie große 
Koalition no<$ rtid^t ben erträumten Sortiert gebraut fcatte, 
fonute toegen ber Sage ber ungarif<$en ©tnge nid&t umritt, 
grieben im Sffieften }u tofinf$en. 2Ba3 baS 9tei$ tym an 
Mitteln jur SBerfügung geftellt, toar faum genügend um feinen 
SBaffen in ben Stieberlanben in bem gaüe ba$ llebergeroic^t 
gu t>erf<$affen, toenn leine frembe 3Ra<$t me^r feine ©egner 
aufred&t&telt ®8 toürbe ber Stiftung feiner ©ebanlen im 910' 
gemeinen entsprechen, toenn itym, naä) erhofftem 3tu3gleid& mit 
gran!rei<$ unb au<$ mit Ungarn, ber eim im 2Berf toar, 
ber Ärieg gegen bie Surfen als ba3 berlodfenbfie giel erf<$ienen 
märe. SBiUfommen bafyer ein 2Baff enftiüftanb , ber ben SCbjug 
ber franjöfif<$en Jpülfdtruppen auö glanbern unb ©rabant jur 
golge &atte. x 5Rur fo, als ©tittftanb, bat er ben ^rieben ange* 
fe&en, ber jtoif$en i$m unb Sß&ilipp einer« unb granfret<$ anberer* 
feit« am 22. 3uli 1489 ju gran!furt gefd&loffen toutbe. Stfefer 
f ogenannte grieben fefct 2 fefi, bafe be&ufs ber SSerftänbigung über 
m$t t)erglt<$ene Sßunlte, inSbefonbere baS Jperjogtyum öurgunb, 
bie ®raff<$aft ß&arolote, bie ©tabt 6t Dmer eine perf online 
Sufammenlunft beiber Könige an einem nod& §u beftimmenbeu 
Ort jlattftnben wirb. granfret<$ foH lo^al alle« t$un, um bie 



i 3Haj an ben töatf) ber Mieberlanbe granffurt 23. 3uli 1489 (olfo 
<mi Stag nad& ber Unter jei<$nung be8 griebenS). @a<$arb II, 44. Seit 
grieben felbft nennt er „eene surceanse (surs&mce) van orloghen" 
. . . „voor eenighen tydt tf . 

2 $u ÜRont III, 2, 237. *udi> f)icr ijat Wolinet IV, 62 einen öer- 
fttrjten SBortlaut bcS Vertrags, toa§ inöbejonbere in ber fjfrage ber Räumung 
ber ^Bretagne burdfo bie Gnglänber in§ <3enu$t fällt. 2)ie „%xliUl einer 
vortragt" im Grneft. ©ejammt-Wrd&tD («Dtüfler, ffieid&StagSty. unter SRar. I, 99) 
föetnen ein bei ber SBerljanblung jelbft benihjter (Snttourf gu fein, ber mdjt 
toöflig in bem Sd&Iufjbertrag Slufnaljme gefunben f)oi. 6o inSbejonbere 
niä)t bie gorberung beS SBaffenjHflftanbeS , au$ feitenß ©nglanbS, bis jur 
Sufammenfunft beiber Äönige unb bem auf legerer ju föltefeenben SBunb 
ÜÄajimüianS, ÄarlS VIII. unb §einridj>S VII. mit ber ^erjogin tum ^Bretagne. 
$>ie 9li<$tertoäf>nung Spaniens erlaubt tnetteity ben «St^lufe, bafe biefer Gnt- 
tturf öon franjbpi^er Seite ^errü^rf? 



71 



glonbrer jur Untertoerfung ju vermögen unb ebentuett gegen 
biefelben SBeiftanb leijien. ©ompromittirte Sßerfönlic^Jeiten, torie 
ber £erjog bon Orleans, Sßl)üiM> toon Slaüetifiein, foHen be* 
gnabigt: nieberlänbif^en f$lfi<$tlingen, unter i^nen bem feit 
feinem SlbfaQ Don Äarl bem Äitynen feiner ©fiter enttoe$rten 
©efd&u$t3f$reiber ©ommineS, f oQ baS 3#re jurüd erstattet werben. 
S)en SBunbeSgenoffen beiber Steile toirb ber Settritt ju biefem 
^rieben fe#3 ÜBonate lang offen gehalten. $tnfi($tK(^ ber 
Bretagne üerftanb ft$ Äarl VIII. baju, alle feit bem legten 
Vertrag mit bem oerftorbenen ßerjog granj IL eingenommenen 
©täbte u. f. xo. ber #erjogin Slnna juriitfjugeben unter ber 
öebingung, bafe fie bie Stimmung tyreS SanbeS toon ben Ging* 
länbern benrirlt unb ©arantie giebt, ba§ benfelben ni<$t nneber 
fefie ^?lä^e eingeräumt toerben. 3ft betbe* gef<$e$en, fo jMt 
ftönig Äarl bie ©täbte gougereS, ©inan, ©t. Slubin unb 
6t SRalo, bie no<$ granj IL $atte abtreten muffen, in bie 
Dbfcut beö $erjog« toon SBourbon unb be8 Sßrinjen oon Drange, 
©elc£ le$terer biefe ^ßfänber im Flamen SRayimilianS inne* 
$aben fott, um fie ju betoatyren, bis ein uuparteiifd&eS ©erid?t 
bie 9te$t3frage längfienS binnen eines 3a$re$ entleibet. £ur 
3ufammenfunft ber Äönige Jann bie #ergogin toon Bretagne 
$re SBetooflmäc^tigten fenben. Wie ni$t au8brü(IU<$ aufge* 
fcobeneu älteren Sefümmungen unb inSbefonbere ber Vertrag 
ton 1482 bleiben in Äraft. 

Slbgefeben toon alten Stäben, bie, toie unheilbare Äranfc 
Reiten, benno<$ bei jeber ©elegen^eit ber ßonfultation ber polU 
tifc^en äerjte unterbreitet ju toerben pflegen unb ebenfo ab* 
gefefcen toon Smnefiie, Sfteftitution unb bergt finb e3 befonberS 
jtoei brennenbe fragen, ju bereu 2lu3löf<$ung ber £ractat beu 
tragen follte. @inmal bie flanbrif<$e Angelegenheit $)a täfet eS 
ftcb m$t leugnen, bafe 3Raj: in glfidli<$er ©enufcung t)er äugen* 
bli<fli$en Seflemmung granfrei<$3 ein toi<$tigeS SRefultat er* 
jielt bat. S)a3 SWtyige iji hierüber früher angebeutet toovben. 
S)a e8 gu ber toorauSgefefcten gufammenfunft beiber 3Wonar<$en 



72 



m$t fam, traten im Dctober bie ©efanbten äRajtmiliana unb 
$ß$ilipp3 mit benen ber ffanbrifäen ©täube ju äRontilfrleS* 
£our3 unter Sermittelung ber Stätte Äarte VIII. gufammen. 
fieserer, ber fi$ ganj aU Souverän glanbernS benahm, löste 
§ter bie in granffurt gegebene 3 u f a 8 e c ™* Stuf feine 33er* 
anlaffung unterwarfen ji<$ bur$ Vertrag Dom 30. Dctober 1489 1 
bie glanbrer SRayimilian als rechtmäßigem SBormunb unb 
®out>emeut. Sie mußten bemfttyigenbe (Srgebung, Jöemid&tung 
erpreßter ßufagen, greigebung ber ©efangenen fi<$ auflegen lafien 
unb ft<$ jur ßa^luug einer Stötragäfumme öon 300/000 ®olb* 
tfjalem tierfte^eu. 

!Ka<$bem biefer Xractat in glanbem aufgerufen 2 war, 
trat Unterwerfung unb {Beruhigung be3 SanbeS ein. 9lo<$ &or 
3a&re8f<fylufc §ielt, an ber ©pi(e ber auä &our$ jurüdgefe^rten 
®efaubtf<$aft, £erjog 2tlbre$t t>on ©a$fen al$ ®eneralfiatt* 
kalter in Srügge feinen Sinjug. ©o war &ter ber grantfurter 
griebe }u loyaler StuSfü&rung gelangt unb wenn in bem ber* 
wüfteten Sanbe balb aufs neue bie ftriegSfurie loSbra$, fo 
^atte baS befonbere ©ritnbe* 

S)ie }Weite |)auptmaterie be$ Vertrags waren bie 35er* 
fcältnijfe üon Bretagne. 2luf$einenb §atte grautreic^ au<$ ba 

l 2)ieS ift ba§ richtige Saturn, n>ela)e§ in biefem Satte ber Xejt 
SRolinetfl IV, 76 bewahrt ^at (le penulti&me jour d'octobre) toft^renb £u 
SRont III, 2, 244 ben 2eJefet)Icr premier octobre fyat, toaS in bie meinen 
$arfteüungen übergegangen ift. 2tm 6. Dctober würben bie beutfdjjen ©e- 
fanbten, an beren Sjrifce Engelbert Don *Rafjau ftanb, ja nodj> in SourS 
erwartet (Rawdon Brown, Calendar of State-papers I, 182). ©ang ge- 
banlenloferweife fmb in bie ttegeften bei ßi<$nowStb VIII, unterer. 1312 
unb 1320, jtoei Verträge Dom 1. unb 30. Oetober aufgenommen. S)er erfte 
naä) 2)u SKoni, ber aweite na<$ einer atten ölämifdjien Gom'e (bie aljo SRolinet 
beftfttigt) im wiener 9(rd)iü. SattS noä) ein 8»«ifel ^inftd^tlid^ ber Xer> 
Überlieferung SRolinetS ejifKrte, würbe berfelbe burä) $ontu8 ©euteruS ge- 
hoben, ber, wie oft erwähnt, SRolinet in ber aweiten fcälfte beS 16. öa^r- 
^unbertö latinifirte, unb in feinem «uSjug be§ Vertrags biefen batirt: 
2 calend. Nov. (©. 102). 

* $ublkirt burt$ fllbrety fürs bor bem 20 ©ecember 1489. 6. ©a- 
<$arb II, 64; öergl. SDtolinet IV, 77; SBiltv. t>. ©Naumburg 101. 



73 



überraf<$enbe gugeficmbmffe ft<6 obgetoinnen lajfen. §attt 
bo$ Äarl VIII. ni<$t nur bic Eroberungen beS lefcten gelbjugS 
herausgeben »ollen, fonbern fogar bie 3Kögli$Ieit einer Stetro* 
ceflion beraier toertragSmäfetg i$m jufietyenben ©täbte pgegeben! 
Sber bie Sebingung, an bie f$on bie 3tüdgabe ber lefctjä&rigen Sr* 
oberungen gelnüpft toar, erllärt $inret<$enb feine ©ntföliefeungen. 
9ta<$ betn SBortlaut mufete bie Entfernung ber ©nglänber unb 
$htrei<$enbe ©etoäfcr gegen i$re 2Bieberaufna$me betn Stnfang 
ber Siäumung bur$ bie granjofen borange^en. SBürbe Slnna, 
ber ber Vertrag ni<$t einmal ben £itel ber #erjogin juerlannte, 
baS tootten, ober »enn fie tooHte, mürbe fie es fönnen? S5ie 
6$hrierigfeiten in biefen unb aflen analogen gällen liegen be* 
tanntli$ barin, bie Sßobaütäten ju ftnben, na$ benen fd^ritt» 
weife einmal bon ber, einmal bon jener Seite ein bis ba^in 
feftge&altener Sßunft aufzugeben ift ©arüber beflimmte aber 
ber SBertrag ni$ts. 3)ie granjofen !onnten »erlangen, an« 
f^einenb mit bejiem gug, bafe ber lefcte ©ritte bie Skiffe be* 
f^ritten $aben mfijfe, beoor irgenbmo bie aufgehißte franjöftf^e 
glagge toieber eingejogen toitrbe. Stber bamit tyätte ji<$ äfana, 
bereu Slnred&t bie granjofen bur<$auS ni$t o^ne Weiteres an* 
erfannten, einfach ber ©nabe tyreS f eiterigen ©egnerS aus- 
geliefert, aus bejfen £af$e, toaS nic^t oergeffen toerben barf, 
bie 3Öle^r ja&l tyrer Untergebenen unb SRannen Sßenfionen empfing. 
Äonnte Äönig 2Rajtmilian toünf$en, Slnna in fold&e Sage ge* 
bracht ju fe$en? ©einem SSunbeSgenoffen $atte er bie formelle 
SertragStreue getoa^rt, inbem er tym ben grieben offen gehalten 
&atte. ©ngere 35etpjU$tungen, mie fie ettoa jti>if<$en Spanien 
unb ßnglanb beftanben (feinen grieben o^ne Sujiimmung bes 
SunbeSgenoffen unb SBefriebigung ber gorberungen beSfelben ju 
fc&liefeen) tyatte er m#t übernommen. x ®r tyatte alfo nur feine 
3ntereffen ju SRatye jie^en bürfen. 35unbeSfreunbli$ toar es 



l %\x%tt bem ©ertrag Jelfcft f. bei SBergenrotf) 6. 24 fcaS S3eraei<$m6 
ber im Vertrag mit 3Ras fejjlenfcen ©laufein. 



74 



materiell freiließ ni$t, bafc er @nglanb3 Stellung in Bretagne 
#anb in #anb mit bem Oegner ju untergraben fu^te. — S)ie 
Slnna^me verbietet fi<$ toon felbfi, bafe 3Jtaytmilian gleichgültig 
getoefen toäre gegen bie offenbare ©eia^r, in toeldje burdjj bie 
geforberte (Entfernung ber (Snglänber bie ©elbftänbigfeit ber 
Bretagne geriet^. Stomgenbe ©tilubc, ft<$ aus bem #anbel 
ju jietyen, lagen au<$ nityt bor, ba bie Spaltung Ungarns e&er 
weniger gefa&rbro^enb mar, benn früher, 3Ba8 alfo !ann i&n 
betoogen fcaben, einem f<$einbar fo im franjöfifd&en 3futerejfe 
liegenben 33or[<$lag beijufttmmen? SBir nrijfen nur, bafc er no<£ 
bor bem SBertrag ju 3TContite4e&2;our8, luä^renb in ben 
SRieberlanben no$ allerorten gelämpft tourbe, feinem ©eneral* 
capttän bafelbft ben Sefefcl julommen liefe, 1500 SRann 9tei$&* 
trappen nac^ Bretagne ju entfenben. 2Benn biefer tt)ieber$olt 
eingef<$ärfte 83efetyl auf anbere 2Beife ni<$t ju ermöglichen ijt, 
foU 3llbre<$t ju ©unften beäfelben ben eingeleiteten Angriff auf 
granj oon SBreberobe, baS #aupt ber f einbüßen #oefyartet, 
üerf Rieben. * ©oute ba bie SBermutyung ju lifyn fein, bafc 
2Äay an ©nglanbs ©tatt bie $anb auf Bretagne ju legen 
n)ünf$te? aJiufete nt$t ber feine3toeg$ aufgegebene ©ebanfe 
feiner 33ermä&lung mit Sfana e3 i$m toillEommen erf$einen 
laffen, ben ©önner be3 &er)og$ bon SBuding^am, feines eng» 
lif<$en Sttoalen um bie #anb ber ßrbin ber ^Bretagne, feine« 
unmittelbaren ©nfluffeS ju berauben? S)ie öertragSmäfcige 
SSerpflic^tung ©nglanbs, Anna bon ^Bretagne mit #ülf$truppen 
ju unterfiüfcen , lief mit bem 1. SRobember ab. 2 Sollte SRay 
geglaubt tyaben, bafe #einrt<$ VII. in ber 2$at hirjfutytig genug 

i SRaj an 9ttbre$t Don (Saufen 1489 Sßaffau an Simonis unb 3ubä 
(Cctober 28). fcreSbener flr$it>. 3m 3a$r 1490' ftnb in bet %f)at 1300 
£euifd&e Bei 9fona (Sttolinct 142). Öretü* $at 1490 Sins Sreitag na<$ 
£)rettömge (9. Januar) ber JRBnig bem §erjog abermals befohlen, 500 Anette 
na$ Bretagne ju jenben unb bafelbft no$ 1000 baju anjune^men (innSbr. 
9lrd)to), fo bafj es atoeifelljaft bleibt, ob ber erfte SSefe^l Jjat ausgeführt 
toerben fönnen, 

* $u 9Hont III, 2, 225. 



75 



fein mürbe, jefct aus eigenem antrieb bie eingenommene Sßofttion 
ju räumen? Hßie bem au<$ fei: e8 fam nid^t jur Orbnung 
ber ^anbel in Bretagne auf bem JBoben be3 granffurter 
griebenä. S)ie gufammenfunft ber Könige Äarl nnb STCayi* 
milian $at au$ nic^t jlattgefunben, obtoo&l no<$ im gebruar 1490 
baöon bie Siebe ifi. i SKeue Qnlriguen freugen fi<$ mit ben bi& 
(erigen; aber eine gänjlic^e 33eränberung ber ©adjlage toarb 
erp babur$ herbeigeführt, bafe SWajtmilian e3 unternahm, mit 
einem führten ©trei$ aQe ©tymerigfeiten }u bef eiligen: bur<$ 
feine SBermä^lung mit Slnna felbft. 

3ur richtigen SBürbigung biefeä 6ntf<$luffe3 ift e$ jebo<$ 
erf orber U<$, nrieber in bie Seit bor bem granf furter 3iei<$3tag 
juriirfjufe^ren. S)amal8 $atte no$ gehofft toerbett fimnen, bafe 
ba$ 3teidf> ji<$ ju ausgiebiger Unterjiütjung feinet ÄaiferS gegen 
ben Äönig bon Ungarn ermannen tofirbe. Qn ber %\)ai 
f^eittt ba^er Äaifer f$riebri<$ aller^anb Stiftungen nnb 33er* 
tyeibigungSma&regeln in ber 2(bfi$t unternommen ju $aben, 
nad? bem (im 3uni 1489) beborfte^enben Slblauf be8 Söaffeiu 
fKQftanbeS afufS neue an ba3 ®lücf ber 2Baffen ju appeüiren. 
9BeI$e <£nttäuf$ung, als bie aus granlfurt fommenben $eri$te 
i$n ba3 £rfigerif<$e feiner äSorauäfefcungen auf ben ffleiflanb 
ber gürften gu erfennen nötigten. aber roaS foflte »erben 
in biefer üerjtoeifelten Sage, roel$e 2Bittel berfelben ju entrinnen 
toaren übrig, ba bie aufs äu&erjie gefteigerte (Erbitterung jnrif<$en 
bem Äaifer nnb bem Äönig bon Ungarn jebe 3Bögli<$feit einer 
Ausgleichung auSjufc&Iiefcen fd^ien? 2lu$ SDtajimilian tyätte 
f$n)erK# e3 fertig gebraut, ben ^aläftarrigen ©reis }u einem 
erflen ©$ritt, ber tym, bem 89eftegten, nidbt erfpart toerben 
fonnte, }u brängen, ^ätte nid^t ba$ unerwartete Singreifen einer 
gang unbeteiligten 3Jlac^t ben SBoben geebnet. @£ mar bie 
mäklige Stepublif SBenebig, meiere au% ©orge öor eigener 33e* 
bro^ung bur# bie gefa$rli<$ angelaufene 3Ra<$t beS ungari- 

i SRawbon SBrown I, 184, Steg. 558; f. SBergenrotfj 28. 



76 



f<$en #errf<$erS bereite im 2Rärj 1489 befd&lojfen fcaite, jur 
Orientirung über bie Sßläne beS legieren eine @efanbtf<$aft ju 
entfenben unter bem SSortoanb, bie 6intrad>t jnrifd&en i&m unb 
bem Äaifer ^erjufieDen. * 3lm 7. Slpril 1489 erhielten in 
biefem Sinne jtoex Dratoren an ben Äönig 2Ratt$ia$ unb ben 
Äaifer iljre Snfiructionen. 68 galt bei biefem als SDetfmantel 
eigener Spionage benufcten Stritt nur bie erfie Slnuffl&erung 
ju ermöglichen, aber bann ft$ fofort in »otte -Reutralit&t juriicf- 
jujiebeu. 2 3n ber Zfyat glüdte bie äbfid&t. %m 3uni toar 
toon beiben Seiten bie fflereittoilligfeit ju SBerfyinblungen behufs 
be$ grtebenS erttärt »orben. Ungarn jeigte au<$ fofort (Srnfl 
unb f<$lo& mit bem römif^en Äönig auf« neue SBaffenfHlfc 
ftanb. 3 3)er friegerif$ ttyatfräftige 3Rap imilian fianb bem grofeen 
Jpeerlönig Ungarn« näber aU fein eigenfinnig^ä^er 83ater. 
@3 barf als fi<$er angenommen »erben, bafe beibe fi# Ber* 
fiänbigt $aben mürben, tyätte ber Äaifer e$ jugelaffen. 4 3Bfinf$te 
bodj 3Jtatttyta§, nod) ni<$t alt, bo<$ fie<$ unb gebrochen nrie er 
toar, ui<$t minber bringenb griebeu als fein ©egner, um ft<$ 
ganj ber Siegelung anberer SSer^ältniffe, inSbefonbere ber SKacfc 
folge feine« 33afiarb3 Qo^ann ©orüin ttribmen ju fönnen, 

i Monumenta Hungariae histonca. Acta regia Matthiae IV, 24. 
141 (sub pretextu) Dom 19. Sttära 1489. 

« «. a. O. 6. 48. Ue6er bie gorm ber SRebiation f. 66. 67. 75. 
$ie (£orretyonbenj biejcr ©efanbtcn mit ber Signorie ifl eine ber toidjttgften 
Duellen für baS golgenbe. daneben nod) bie ^Beri(t)tc ferrarefif<$er unb mai« 
Ifinbiföer ©ejanbten am ungar. §of. Wudji bei Sigmunb öon Xirol toarb 
ber ©ejanbte beglaubigt (ßic$nott>§fp VIII, föcg. 1248). 3m 3Hai 1489 
fgnatifirt aud& SDtolinet IV, 31 (auS tym $ontu8 fceuteruS 98) bie %n» 
n>ejen$eit einer benetianijdjien ©cjanbtftfcaft in 3nn8brucf, bo<$ ou5 anberer 
Urjaa)e. 

3 Xie SBereittDifligfeit 6. 48. *Rad) Reibung bcfi öenetian. ©efanbtcn 
oom 19. 3uni (Monum. 65) war ber aöaffenfHflftanb publieirt. ©amtt 
fallen öon felbft bie Sdjlüffe 8$ober5 156, beffen ganje 2)arfteÜung burd) baS 
ungari|dj>e Oueflemoerl oor iljrem ßrja^einen antiquirt mar. 

4 Libenterque cum rege Maximiliane» , ei pater admisisset, ante 
mortem suam convenisset (sc. Matthias) fagt Gufpinian de Caesaribus 487 
(ber Ausgabe ber Opera öon 1601). 



77 



Sa$rf<$einlidfr ift eS gleich bei äbfdfrlufc be3 aDBaffenftiflflanbc« 
ausgemalt toorben, bafc im Sluguft 3Ratt$ia8 unb 3Ray in 
©iener SRcuftabt perfönttdfc gur ©d&li$tung be3 Streite« fi$ 
bereuten foHten. * ©ofort f nüpfte bie 8ebä<$tigfett beS ÄaiferS 
8efür$tungen an biefe 2[bma<$ung, in bem ©lauben, bafe fein 
mhtber ängflli^er ©o$n fid& §u toett bortoagen, auf bie bereite 
belannten ungarif<$en gorberungen folbatifcfc prompt eingeben 
nmrbe, o&ne ji<$ biel um SRebenfragen, bie bem Äaifer mit gug 
m$t als fold^e erf$tenen, }u tümmern. ©<$on in ber erften 
Hälfte Suli Ratten fi$ Sater unb ©o&n barüber erjürnt. 2 
Steiften ben beiben Sitten $atte bie ©a$e Anfang Suni un* 
gefä^r folgenben ©tanb. SRattbiaS fyattt fi$ bereit erflärt, 
3Bien unb bie anbern in biefem Ärieg eroberten ©täbte unb 
Schlaffer bem ftaifer toieberjugeben, falls biefer erfülle, toa§ 
er i&m urfunbü<$ fcerfprod&en. griebri<$ $atte barauf behauptet, 
ben Ungarn ni$tö me^r fd^ulbig ju fein. 2)a& SRattyiaS nidjjt mit 
ber böljtmfd&en Äurtoürbe belehnt toorben fei, fei feine eigene 
6$ulb, ba er nid&t jur Sele^nung bor griebridj erfd&ienen fei, 
ber alle Vorbereitungen ;u biefem Sei getroffen gehabt. SBegen 
ber SRi^tjablung ber bebungenen 100,000 ©ulben entfd&ulbigte 
fi<& ber Äaifer mit fcier, SDtattyiaö angeblich jur Saji faüenben 
©rünben. 3 2Jht gegenfettigen Sncrtminationen toar nid^t toeiter 
ju fommen unb ifl e$ too^l glaubli<$, bafc bie SBertyanbluugen, 
toeld^e bon SRaj: angefponnen toaren, um ein @rHecfli$e£ bem 
93unf$ be$ ÄaiferS vorausgeeilt toaren. Um ben ©ofcn beffer 



1 2öemgften§ ljatte ber oenetianijä^e (Sefanbte gleidfocitig mit ber 
SRelbung be§ 2öaffenfKaf:anbeS biefe ttbft^t oerfitabet (6. 66). 

2 So Ijatte am 15. ^uli ber oenet. ©efanbte gemelbet oon beS ftaijerg 
indignatio et animi perturbatio . . . erga filium (67). 2)er Äaifer rjatte 
feine Sorge bem Senetianer oft au&gebrücft (68), 

3 Monum. Hung. 49 unb 74. 3) er Streit brefjf fid) natürlich um 
Auslegung beS flornneuburger griebenä öom 18. $>ecember 1477. Sd&ober§ 
tmeberfjolt funbgegebene Wuffaffung, bafj ^riebrict) beim beftett SBiflen niä)t 
habt jaulen tonnen, beruht auf einer unrichtigen ^luffaffung feiner $erfön« 
li$feit. 



78 



überteueren )u fönnen, bra<$ berf elfte feinen Stuf enthalt in 
Sßortenau ab unb (am na<$ Sin}. @r tooDte ber projeetirten 
gufammenfunft, bie too^l je$t für ben September nadj Sin; 
benimmt toorben, felber betoo^nen. 3lu<$ etliche 9tei<$8fürfien 
Inb er baju ein. 1 Slnfc^etnenb toegen anbanernber Steife* 
beftnberung beS ÄßnigS &on Ungarn 2 ifi and biefer Sufammen* 
fünft ni$t$ geworben, obtoo^l nod& monatelang batoon bie 
Sftebe ift. Statt beS Äönig* erfd&ien ber 83if$of toon SEBarbein 
ttroa SRitte Dctober in £in§. ©ifrigfi mürbe tood^enlang ^ier 
unter^anbelt, biermal bte SRitte be£ folgenben SMonatS famen 
nnb gingen @efanbtf<$aften and Ofen, voo 2Ratt$ia3 bamate 
refibirte. 3 63 lata ni$t nnr nichts ju Staube, fonbern bie 
SHnge bro^ten babur$ eine rüdläufige Setoegung an§une$men, 
bafj SDlayimilian jefct, unter t)äterli<$em SDrudf, gufagen jnriief- 
nehmen mufcte, §u toel$en er ft<$ übereilt toerftanben fcatte. 
63 torirb pofitto unb gut bezeugt, bafc SDiajr mit ber lieber» 
laffung 5ftteberöjierrei$8 an SRattyiaS einberflanben fid& er* 
Hört fcatte, fall« biefer alle anbern @roberungen, mSbefonbere 
Äämfyen unb Steiermark herausgäbe. 4 3Jlan barf fritifd&er* 

i grtebridji an griebridt) bon 6ad)fen Sßortenau 18. Wuguft. HRütter, 
ffiei<$§tag§t$eater unter griebrid) VI. SBorfteH. 178. §ier mir allgemein ein 
Ort in Dejterreid) genannt, öinj als Ort ber betoorflel>enben 3ufammenrunft 
juerft im @ä)r. SKasimilianS an $lBre<$t Don Saufen 1489 SanbS^ui greitag 
nad/ grauentag nativ. (11. September), in toeldjem er feine Beborftefcenbe 
Greife baljin in Begleitung ber ^erjoge 9llbred)t unb ©eorg Don Saiern 
tnelbet. $)re§b. Hrd&iü. 33on ben Qeitgenoffen ift toertjältnißmäfjig am fceften 
Unreft über bie ©erljanblungen unterrichtet (Hahn, coli, monum. I, 741). 
StonfinS 93eri<$t (dec. IV ]. 8 rerum ungar. 6. 647) ift irreleitend 2foS 
it)tn f($öj>ft be SRoo 6. 380. — S)a& SRarjmilian, getoitjigt, ni<$t absque 
consensa patrie obfcr)Iiefeen wollte, tmifjtc griebrid) fd&on am 26. Stoguft 
(Monum. Hung. 78 f., cf. 887). 

2 9Ratt$ia8 nutzte ftd) fd&on feit TOärj 1489 Don mer Männern tragen 
Iaffen (Monum. Hung. 394). 

3 $er ferraref. ©efanbte an #er&og Grcole, Ofen 16. StobemBer 1489 
(Monum. Hung. 400). 

4 Monum. Hung. 388 f. S)ie Duelle beS ferraref. ©efanbten, ber 
f>ier berietet, ift ber ncapolit. ©efanbte, bem SRattyiaS felbft biefe SRit- 
Teilungen gemalt. Einiges Betätigte iljm bie Königin SBearrij felbft. $er 



79 



Keife an ber 3ti$ttg!eit ber 9ta$ri$t belegen nic^t ettoa jtoeif ein, 
meil e$ ganj an einem @$läffel ju intern SBerflänbnife ju gebrechen 
fc^eint unb toeil biefelbe mit einem 3Me beS ÄatferS polittfd&e 
Befähigung, toenigjienS in <$aracterboHer Negation, §o<$ aber bie 
Seflimmbarfeit beS ©ofyteS ju jieUen fd&eint £>enno<$ ift toobl 
bie Äöfung be* fR&t^feU benfbar. Äein ÜRittet biplomatifd&er 
8er$anblung ijt SRayimitian geläufiger ate SBerfö&nung ftreitenber 
ftntereffen bur<$ #eirat$3berträge. ©eine großen ©rfolge für 
bie $ab3burgif<$e 3Ronar$ie berbanft er faft allein ber Sfatoen* 
bung biefed #ebel3. SDBer jt<$ einge^enber mit ber ©cf<$t<$te 
WayimilianS befd&äfttgt, wirb ni<$t feiten too^ltyun, ft<$ ju er« 
imtern, toie jaftfretdje Äeime biefer Oattuug er bem SBoben an« 
bertraut $at, toie ber^ältntfjmäfeig n>enige als fru<$tbar ft$ er« 
liefen §aben. Äönnte SRayimilian im Satyr 1489 ni<$t im 
analogen Sinne ju einem 3Sergi<$t auf Defterrei<$ ft<$ entfd&Ioffen 
fcaben, ttrie fein grofeer 2C&n SRubolf im SWotoember 1276 Oefler* 
rei$ linfö ber ©onau an Ottofar Don fflö&men überlieg , in 
ber gorm eine« Sßfanb* für bie SKitgift feiner mit DttofarS 
So$n ju toerma^Ienben £o<$ter ©utta, bo<$ im SBefen als 
Abtretung? x derartige« löunte bamatö mitgefpielt tyaben, SDem 
$apjt ttrirb um biefe Seit berietet, bafc SRa? eine natürlid&e 
Softer jur £$ronfolgerin Ungarn« ma<$en tooHe. 2 aber nodj> 
eine SRöglid&fett bietet fty. SluS bem STOunbe beS ÄönigS felbft 
fcörte im Stuguji ber mailänbif$e ©efanbte am ungarifd&en 
§ofe t>on Jßraftifen ber Äßnigin Seatrij: , tt>el$e auf eine SSer* 
mffl&lung SKajimilianS mit t^rer ©d&toefter, bo<$ too^l ber 3n« 

ferraref. ©ejanbte, beffen £errin bie Sd&toefter ber Königin Don Ungarn toar, 
jrigt ft<$ in allen feinen SBeridjten üerftänbig unb nriffenb. 

1 @. über bie »ebeurung lefctereS ^Lctß ßorenj, $eutfäe ®ef$i<$te 
II, 148. 

2 «m 15. Odobet 1489 (StotentineUi, töegeften aus §f. ber 9Rarcu8- 
biMiotipf; Ibbanblungen ber biftorif<$en klaffe ber baierif^en fllabenrie IX, 
546. Steg. 570). SBergl. boS ©d&reiben Monum. Hang. 875, toeldjeS in 
biefcS 3a$r gu fefcen ift. Sie 2öabrf<$einli$!eit baburd) er^t, bafc audj 
Sodann Sorbin Saltarb ifl. 



80 



fantin 3o$amta üon Neapel, abgelten. 1 2Benn jt$ SRattyiaS 
bamate bem 3lnf<$ein nafy abtoe&renb gegen eine foI<$e 3Jtög* 
li^leit Derzeit, fo fcinberte ba3 ben im ^ntereffe feinet §°f* 
argtt)ö£nif<$en ©efanbten ni<$t, i^m einige 3Ronate fy&ter be* 
jttmmte $Berf$toägernng3abft<$ten mit bem römif<$en Äönig jiu 
jutranen. 2 Seiber ifi ni#t erlennbar, um toaS e8 fu$ babei 
fcanbelt. $>oä) fürchtet ber ©efanbte in golge ber mit bem 
bentfd&en #of eingefäbelten ttnterfcanblungen, bie SRfidgängig* 
mad^ung ber jti>if$en Qo^ann ßortrin, Safiarb be$ ÄßnigS 
SKatt&iaS, unb ber Sßrinjeffin SDtaria SBIanca &on SRailanb längft 
ftipulirten ßtyeberebung. 2)a3 legt ben ©ebanfen nalje, bafc es 
fi$ bo<$ um baS neapotitanif<$e Sßroject gefcanbelt fcaben f önnte, 
ba e3 feine toerbiffeneren Sfatipoben gab als bie Slragonefen in 
SReapel nnb bie ©forjaS in SHailanb. Offne neue« SRaterial 

1 Cfen 15. Slugufi. $a§ in ber Ausgabe (Monum. Hung. 251) 
fteljenbe 3aljre§batum 1490 ift f alf c^ f ba ber gange Snljalt geigt, ba& ber 
^önig nur 9Äatttjia§ fein fann, ber im fluguft 1490 tobt war. 2)er formale 
©egenbeweiö ift babura) gu führen, ba& ber ©efanbte Dom 24. 3uli bis 
etwa (Snbe September gar ni$t in Cfen gewefen ift, fonbern in ^eterwarbein 
unter Umftänben, toelc^e eine temporäre SRüdtfetjr wäljrenb biefer 3ei^P fl nne 
ausfliegen (Monum, 247. 259. 279). Heber bie 3nfantin 3o$anna, bie 
fid) 1496 mit tyrem Neffen, tfönig gerbinanb IL, bermä&lte, oergl. Äodfc, 
table geneal. Xaf. 47. 

2 2Bien 11. SRärg unb 1. Styril 1490 (Monum. Hungar. 148 unb 
156 f.). 3»M4«n ber unter gitfjrung be§ ^ßfaljgrafen Otto in Cfen weilenben 
beutföen ©efanbtfcfcaft unb ber 9ieaj>el5 beftanb ein auffällig enger SSerfeljr, 
wäljrenb bie anbern italienifd&en ©efanbten fid} gurüdtyaltcnb benahmen 
(ebenbaf. 391). ©arnad) erflärt ber ncaj>olitanijdS>c ©efanbte in Cfen fogar 
feinen 2öunfä), im Sntereffe beS fJriebenS gu 9Raj gu reifen. 2>a{$ ber Sßlan 
Don ber Königin ^Beatrij ausging, fteljt feft. $iefe $raftit fönnte gu einem 
SRifsDerftänbnife SJeranlaffung gegeben Ijaben, bem man bei Sugger (§f.) be- 
gegnet. 9lad) xf)m ^ätte SBeatrij im Sommer 1489 fi# mit bem anerbieten 
birect an 9)taj gewanbt, i&m für eine giemlidje ©umme Cefterreidfc wieber 
ju oerfdjaffen. $a Ijätte fofort ber ßaifer erflärt, SBeatrij Ijanble nur fo, 
um na$ bem balbigen £ob iljreS ©atten ben iÜMttwer 3Kas, bem nad& ben 
Serträgen Ungarn bann juf allen muffe, gur (?t)c ju betommen. S5on einem 
gernerfte^enben tonnte ber fragliche Vorgang, befonberS burdfc Gonfunbtnmg 
mit SBeatrij' Ebfity im 3aljr 1490 naa) SDtattfjiaS' $ob, leid&t fo nufttoeT- 
ftanben werben. 



81 



toirb fi<$ #er nu$t3 ©i<$ere* feftfhtten laffert. »ber fori$t 
m$t vieles bafür, bie äberrafäenbe SRactygiebiglett be3 römif<$en 
jtönig* in ber ©eftetsfrage ju erllären au£ ben jtoetfello* ge* 
pflogenen ^eirat ^unter^anblungcn ? 

S)e* ÄaiferS äBiberfprocfc liefe ben ©ebanlen ber ßanb* 
abtretnng fettem. 96er bie beiben Äönige tparen ftd? bur$ 
bie SSerbanblung nä&er getreten. SRattytaS gab feinem 2Bo$I* 
gefallen bitr$ rei$e @ef$enle SluSbrud, ja erlieg 3Raj ju Siebe 
ber £anbf$aft ob ber 6nS eine in SKonatSfrifi fällige ©d&afcung. * 

S)en ßauptgegenflanb fortgefe|ter 35er$anblung bilbete nun 
bie grage na$ ber $5^e ber für Sftütfgabe Oefterreid&S ju 
ja^Ienben Summe. 2)ur<$ Verlängerung be* ©tittftanbä be* 
toieS man beiberfeits ben guten SBiDen bo<$ no$ ju einer 
Serftönbigung ju gelangen. 2Bel$en (Erfolg burfte man aber 
ertoarten bei be£ ÄaiferS, }Um guten St^eil burd> abergläubifäe 
©etoeggrflnbe genährter, Slbneigung gegen jegli$e8 Opfer? 

©ttoa am 8. Secember traf, in ©ran feierlich empfangen, 
eine Sotf$aft beS r5mif$en Äönig* in Ofen ein, an beren 
Spifce ber ^faljgraf Otto 2 bon SWo8ba<fc5Reumar!t ftanb unb 
meldte ber unermübUd^e 8if$of bon SSarbein felbft ins Ungar« 
lanb geleitet $atte. 3n Ofen hoffte man bielfa$, bafc fie 
ben ^rieben bringen toürbe, bo<$ !am 3 e$ nur ju »euerem @tiO« 



1 Sfugger (§f.) too^l betätigt burdfc bie toertounberte Ueberlegung be§ 
mailanbiföen Qefanbten (a. a. D. 157) r toa8 SRattbtaS betoogen $ätte: a 
detrare il quarto dalle deeime per compiacere al Re de Romani. 

2 91m 11. ftobember toirb btefer Sin) fd&on oerlaffen gehabt baben, 
ba an biefem Xag Htagimilian bem $er)og bon Saufen erftärte, bafj et 
Otto wegen feiner 5)ienfte auf ber ungariföen ©efanbtfäaft erlaubt, bie in 
Solge be§ franffurter ttnfötagft gepellten Xxuppm abjurufen. DreSb. 2lr$tp. 

3 ©djreiben beS ferraref. (Befanbten au« Ofen bom 16. $eeember 
(Motu Hung. 392); bom 18. £>ee. 6. 390; bom 20. See. 6. 888, bergt. 
6. 394. 3)amal§ erfuhr <ro<$ btr $eri<$terfiatter bon jener jurüdgejogenen 
3bee einer ©ebirtiabfretung. Unreft 741 melbet richtig bie Grftredung beS 
6Hflftonbe§. Der 8eri$t bei »onftn ift ein ©emtfö bon 9tiä)rtgem unb 
SRifrerftanbenetn, aus bem e§ fötoer ift erftereö berauöjuerfennen. gugger 
($f.) fiimmt mit ben <8efanbiföaft&beri<$ten in ber §5$e ber Summe überein. 

ttlmanit, ftaifet SRajimittan. 1. 6 



82 



ftanb für bie Seit bcr SBerfymblungen. $>er @runb lag in 
ungenügenber SBolItnad&t: fte $atte für ß^auSgabe aller ©r* 
oberungeu 200,000 ©ucaien ju bieten. S)a3 toarb für unaiu 
nefcmbar gefunben, aber jugletd& auf Stubringen ber beutfd&en 
(Sefanbten befd&loffen, bie ©efpred&ungen in Sin}, roo&in ber 
©if^of abermals abgeben foHte, fortjufefcen. 3Ratt$ia8 felbjl 
f$idte ft<$ an ua<£ SBten ju gefcen, um beu SDtngen nffl&er ju 
fein. Sfot 8. Januar 1490 bxaä) er bafcin auf : 1 er foOte hie 
Stabt, bie er @nbe Qanuar erfi erreichte, ui#t urieber berlaffetu 
SSon ba aus leitete er bie öer&anblungeu mit Staj toeiter. ®r 
fonnte nur einen fefien ^rieben branden, unb barum befianb 
er jefct nrie fd&ou in Ofen barauf, ba& ber Äaifer felbfi fi<£ 
ium griebeu$f$lu6 fcerbeilaffe. aber unmöglidfr, bie beiben bew 
@rab jutoanfenbeu ©egner }u toerfßfcnen! SRan mufjte fid^ 
mit einem neuen Sßaffenfiiflflanb begnügen, ber toom gebruar 
bis jum 8. September bauern fottte. 2 SKad&bem er fo bie 
bringenbfie ©efa&r bur$ * fein eintreten toon feinem öfter* 
rei$if$en SBaterlanb abgetoenbet, toerliefj, ofyne ttnrllt<$ %rutyU 
bareS erteilt ju $aben, ber römifäe Äönig Sin} unb ba« 
Däterli$e §oflager bereite t>or bem »bfd&lufe be8 3lnftanbe3. 3 
3ftn riefen toi$tige (Suttoidflungen nad& £trol. Sin ber SDonau 
blieb e8 beim Status quo ante. @i$er gehörten für 3Ro? bie 
SBintermonate in Sinj ni$t ju ben erfreulichen ©rinnerungem 
Sieben bem mttrriföen unb unlenlfamen SBater, ber fcartnädfig, 
im Stauben an 3Rat$ia£' balbtgen 3:0b, 4 jebeS gugeftimbnif? 

» äftnigin Tottis an SRaxjmUtau £fen 8. 3araiar 1490, bafc fte 
$eute nadj SBien reife, begierig, # ut hec pax et federa fiant pro commoni 
ntriueque bono et gloria. SBerfpriaji aufß neue, tote bisher au$ femer 
für ba$ Suftanbetommen be* griebenft ju totrteit. 3mtSbr. Brutto. 

3 ttm 20. Sehr, fenni Sobobko Sttoro bie S^atfage i. $tgta>ano (Mon. 
Hung. 182, öergl. 6. 133 u. 420). 

3 9te<$ einem ©tief befi fcenetian. Qefanbttn am $of be$ ftaifer& Dom 
19. Sebruar 1490 (arte HHoj; ben Paifer fä>n toerlaffen, o$ne nur SenebigS 
Antwort auf ein 9nleil}egefu4 abgutoarten (Mon. Hnng. 141, bergl. 109 
u. 123). 

4 So Sugger ($f.) unb ©onfin 648. 



83 



iurudforieS, $ätte nod? eine ganj anbete politifd&e Sapaeitat al8 
bie SRapmtilianS nufcloS ftd^ berbraud&t. SBir toiffen nid^t, n>a« 
mit ben antoefenben Surften in Sin; befprod&en toorben ift. 
3ttif$en betn Äaifer unb feinem ©o&n fcat es fidler an perfßn* 
li$en ßufammenfißfeen ni$t gefehlt S)ie Ueberlteferung ift ni<$t 
unglaubtoürbtg, bafc griebri<£ oft feinen ©o^n, mit beffen 93et= 
galten er unjufrieben toar, ni$t bot fi$ gelaffen §abe. Sfatr 
barf man fte rnd&t ju bud&fiäbli<$ faffen, in i^r ni<$t me$r ate 
eine redfrt unbequeme @rf$toerung be3 SBerfe&rS erblidten. 1 Der 
argu>ö$mf$e Äaifer märe ber lefcte baju getoefen, in fd&moHenber 
Surüdfgejogen^eit bie Sügel anbetn in bie $änbe ju legen. 
Änbererfeit* barf man bo# ebenfotoenig eine äCnerfennung 
ber )um 3lbf$Iu& eines längeren SBaffenfiiflfianbS fityrenben 
2#ätigfeit 2Jla|imttianS in ber ungetoo&nten 3fau$giebigfeit beS 
Äaifetö erfennen, mittelft beten 2Raj bie 35ottmad&t erhielt, 
©dfrritte ju t&un jur ©Werbung fcirote für ft$ felbft. SBie 
f<£on erjagt, ift ber römtfd&e Äönig auSgerüftet mit jener 
Urfunbe toom 14. gebruar 1490 jroifd&en bie fcabernben karteten 
Xirols getreten unb burfte na$ ©igmunbs 3tüdttritt fi<$ am 
16. SWarj 1490 ^reiben als 2anbe*$err SiroiS unb ber öfter* 
rei$if$en SJorlanbe. 2 68 mar biefelbe nur afljulurje QtiU 

1 33onfm 648: Qaare saepe petenti aditum occlusit interdixit- 
que colloquiura. (Sine aut$entiföe Interpretation für biefeS 3eugni§ toürben 
geuriffe unbaiirie Sattel fein, bie jfcrifä)en Wlai unb bem faiferliä)en SRarfa^afl 
$rüfä)cnt geme$feit jtnb. ftrauS ©. 81 $at biefetben jtoar 1492 eingeteilt, 
boä) paffen fie trefflio} naä) Sinj hinter 1489/90, too au<$ *lbreo)t unb 
Qeorg t>on JBaiern antoefenb tooren. SDßir lernen barauS, bafj 9Wär, eine? 
XagS jed>& ©tunben auf Stubmtg »arten mufcte. 

2 ©. oben 6. 62. Im 19. Sebruar aar 2Ras föon fori aus Sin), am 
8. IRfirs mar er ftä)er in SnnSbrud. Säger a. a. O. 398. 2)a& er öon Stn) au9 
in Ungarn getoefen, fagt naä) Sägers Angaben ber (ungebrudie) $urgle$ner, 
tiroler fcbler. S)te bo$ ausführlichen biptomaiifä)en SBeri#te toiffen niä)t3 
büDoiu ©oflte bie 9lotij fiä) besiegen auf bie 3eit jtorifa)en 19. Sebruar 
bis 8. SRärs, fo ift fte unjtoeife^aft falfä), ba bamaiS 5RaH^iaS fä)on in 
SBien toar. ftber iä) (alte fte auf alle gfätte für unrichtig, ba öor^er fein 
»aum bleibt für eine fol$e ttbtoefen^eit. %m 23. gebruar (^att^iaSabenb) 
fd)rcibt Star, au3 ©aljburg an 9Hbrea)t öon 6ad)jen. 2)reSb. 9rä)it». 



84 



foanne, in ber au<$ bie SJtteberlanbe üöHig beruhigt fäienen. 
SSon Ungarn $atte man }unä<$ft ni<$t8 ju färbten. §BegreifIidf>, 
bafc ba3 ©efityl be$ (Srfolgä ÜRajimilianS »ruft fätoettte. 5Rur 
bier Stoge, na<$bem ®r$erjog ©igmunb mit ft<$er bitteren 
©effl^Ien ber SRotytoenbigfeit toei<$eub ben gliiälid&eu Setter ben 
etänben £irofö als ßanbeä&errn präfentirt, ifi SRafimilian §u 
einem ber folgenreichen 2Tctc feinet SebenS gef<$ritten. ©i<$er 
ijt bie ©a<$e ba8 Stefultat langer nnb reiflicher # <5m>ägung; 
angeblich ifi ber 3taty be3 ÄaiferS unb ber 3tei$3fürften ein« 
geholt. Unb bennodj, toemt SDtoy bie gütte toon Slerger, 33e* 
f^ämung unb SRad^eil im toorauS ermeffen fcätte, toeld&e 
barauS fid^ enttoidelte, er fyütte e3 too^l unterlegen gelajfen, bie 
ereigniM<|tt)angere Urfunbe ju unterzeichnen. 

am 20. 9Rärj 1490 nämii^ 1 fertigte aRayimilian bie 
SSoflma^t au«, bur<$ toel<$e ber ®raf fcon Sfcaffau, ber 3Rarf$att 
SBBoIfgang toon ?ßol$etm unb ©enojfen beauftragt ttmrben, einen 
förmigen ©Übertrag in ifcreS #erru tarnen abjufd&liefjen mit 
2tnna bon Bretagne, ©ie erhielten SSefe^I in be$ ÄönigS ©eele 
ben Sottjug be8 Vertrags ju bef^toören, fotüic ben @ib beS 
anbern 2#eÜS entgegenzunehmen unb alles §u vollbringen, tuaS 
3Raj als gegenwärtiger ttyun tonnte , jusques ä la consom- 
mation dudit Mariage. 



i (Sebrucft unterm 20. ÜRärs 1489 bei 2>u Etont III, 2, 6. 219 
u. a. O. 5Die med&anifd&e Inna^me biefe§ S)atum& ^at ötel Unheil angerichtet 
3»eifcllo§ ift bie ttrfunbe, obwohl in 3nn§brucf öofljogen, nadj franjöfifö* 
burgunbifa^em 6iil batirt, fallt alfo öor Ojtern 1490. 3)amit ftimntt ba§ 
angegebene fünfte SRegierungSialjt flDtoj getoä&U 16. Sfebruar 1486). (Sbenfo 
ba§ 3tinerar, bem nadj 2Raj am 20. SRärj 1490 in SnnSbrucf »ar, toä^renb 
er am 20. Sttärj 1489 auf bem 9tyein jtmfd&cn fingen unb flJiainj jdjmamm 
ßanjjen, Äei<$8correfo. II, 6. 514; üergl. bie frühere Sarfteflung S. 46). 
$>a6 er bie Verfügung übet feine §anb felbft öottjogen Ijaben muß, ifi über 
jeben Smeifel erhoben. 

2)er (gntfdjhtfc jebenfafl§ mitbeftimmt bura} günftige 9ta$ridjten üom 
§of Zinnas felbft. Söolfgang bon ^otyeim mar unmittelbar borget (3a* 
nuar 1489 b. i. 1490) in grandee et secretes affaires feines §errn in 
^Bretagne getoefen. Le Glay, Correspondance de Max. et Marg. II, 397 
Wrnnerf. 



85 



SBenn in ber Xfyat, tpie SWayimUian in biefer ttrtunbe 
behauptet, ber Stati) be$ ÄaiferS ju biefem Stritt eingeholt iji, 
mufc, gang abgelesen &om feinem Urteil Aber ben Girtoerb ber 
Bretagne felbft , legerer eine getoijfe ©tetigleit ber Politiken 
Regierungen an ber Dftgrenje trog be$ nod& nityt geglfiäten 
griebenSföluffe* für fi$er gehalten fcaben. ©eine 33eftrebungen 
feit i486, feinen ©o&n ton ben SWeberlanben toeg jur 83cfor* 
gung ber ößerrei$if$m Sttnge $eranjujie$en, ftnb toollgfiftiger 
SJetoeiS. Unb in ber 3$at lieg fic^ ber Stoifd&enfatt nic^t t>or- 
anöden, ber ioenige 2Bo$eu na<$ jener £eirat$3entf<$liefjung 
SRa^müianS eine ganj toeränberte Situation f$uf. 2Benn ber 
Äaifer leisten £erjen$ am 20. SDtfirj 1490 e8 jugab, bajj 
SRay im fernen Sßejien fidf> tief in f$hnerige $änbel toerjirtdtte, 
fo badete er barüber nad& bem 6. Slpril ftc^er anbete Sin 
biefem Sag toerfd&ieb in feiner ©tabt SBien 2Ratt$ia$ üon Ungarn, 
ber Eroberer Defierrei<$8, fflity bloS bie SRögltd&Iett bie 6rb* 
(anbe jefct otyne jeglid^e Unionen unb Opfer juriidjuerlangen, 
for allem au<$ ber $ab£burgif$e 2lnfpru<$ auf bie Ärone be$ 
b. Stephan felbft toarb lebenbig, ba aWatt&ta« feinen e^elidfren 
©ofcn tynterlaffen batte. — 6o ungern man fi<$ entf<$lie&t, bie 
$rautoerber SRayrniilianä länger aus bem @eft$t ju verlieren, 
ift eä bo$ ratsam junäd^ft bie ungarifd^e grage }U bemänteln. 
3ur SBürbigung ber ^>öd)ft eigentümlichen Stellung 3JtafimiKan8 
uoa&renb biefer ßeitfpanne tvax e$ nur erforberli$ anjubeuten, 
toie tym getoiff ermaßen ber ©oben unter ben güfeen brennen 
mu&te, ba er fi$ an ber $>onau gefeffeit fa$, toä&renb ßljre 
unb 3ntereffe fein Grfd&einen in ber Bretagne gebieterif$ ju 
&eif<$en f feinen. 8to ber gwidmütye, bie tym fd^tiefelid^ ben 
ät^em raubt, ift er fo fd&ulbig ni$t, tuie angenommen toirb. 
S)ad fo lange genmnf<$te @nbc be$ $ab$burgif$en £obfeinbe3 
trat fd&Kefeli<$ bo$ unerwartet unb in einem äugenblidf ein, 
ber ber benfbar ungünfligfte für feine ©egner fear. 1 

i Xer matlanbifäe ©ejanbte bei aHarjmilian jd&rieb am 7. 3Rai 1490 
aus Ulm: Cbgietd) ber Ä5nig fein 3 eichen mm Unjufrtebentjcit mit Watt^taS' 



86 



301er 93orau$fi$t nafy mufete bie ungartföe $#ronfrage 
na<$ md)i<i)ten ber $oIitif, ni$t folgen beS Stents ft$ er* 
lebigen. SDeuno<$ fptelt, toentgfleuS in ben ©ebuetionen ber 
Sßrätenbenten unb ben ©rflärungen mafegebenber Ungarn, and} 
ba$ leitete eine gettrijfe SRolIe. £ab$burg$ 2tnfpru<$ grünbete 
fi<$, abgefe^en Don ber $ertt>anbtf<$aft mit Äönig 2llbre$t II V 
in ber bie Äönigin toon $olen als 3Übre$t8 Softer (im 3ft s 
tereffe tyrer ©ßfcue) boranflanb, auf ben t>on griebrid^ III. mit 
SRattyiaS toon Ungarn unb einer 58fa§atyl magtyxrif(£er ©ro&en 
gefd&loffenen Vertrag tom Satyr 1463. ©erfelbe fi^erte bem 
Äatfer ben ungartf^en ÄönigStitel ju, foroie bie Ärone felbfi 
für fi$ ober einen feiner ©ötyne, fall« 3Ratttyia$ otyne legitime 
©ötyne ober @nfel ftürbe. * Die ttrhmbe läßt leinen S^ l f el / 
bafj fie nur griebriety ober bem ©otyn, ben er bejiimme, ein 
anregt fixere. aRayimilian tt>ar alfo bei be« SSaterS Sebjeiten 
nur mit beffen ©enetymigung in ber Sage, fi<$ auf ein »ertrag«* 
mäßiges 3te<$t berufen }U lönnen. SDer übereilte ©laube, bafe 
tt?m biefe bäterlü^e ©efjion ft$er fei, tyat nactytyer, als ft$ bie 
£äuf<$ung tyerauSfiellte, feine Stritte empftnbli<$ erfötoert. 2 
Solche Sigenmätytigleit beS ©otyneS , bem gegenüber ber trän« 
lelnbe unb &erbrie£li$e $err ft<$ no# feine 5Ra<$giebigfeit in 

5tob gegeben, glaube er bo$, bafc eS t^m nid&t mifsfallen baben tottrbe, bafe 
iDtattbiaS norf) weiter gelebt ^fitte, „tanto che havesse facta pace cum il 
Re de Franza" (Mon. Hung. IV, 191). 3Wan erinnert fl($, bog 9Rqj t»on 
fcornljerein baS franffurter Wbfommen nur als 2Baffenfrtflfianb bejeid&net tytttl 

i Mütter, föeidjstag&tyeater unter griebrieb, II, 176. ®egenüber 
bem Karen Söortlaut mufs man me$r Slbftdjt als 3rrtfjum in ber 1485 er- 
hobenen 9Bebauj>tung beS «DtattbiaS ertennen, eS fei r)infi(^tlicr> feiner nur 
t»on Söhnen überhaupt, nidjt oon efjelid&en bie ftebe (9RinutoIi, ftatfetl. 
Bu$ 71). 

* ©lcid& na<$ erhaltener $obeSna$ri$t am 20. Sfyril fcfcte in offteieflen 
«ctenftüden SRar, biefe (Seffton beS bäterüd&cn fRed&tS öorauS. *ra)fo für 
öflerrei<b. <3eföid)te III, 400 f. $o$ (t$eint fte erft fürs bor bem 1. Sunt 
erfolgt ju fein. CSbenbaf. 405. 9to$ als 3Ras Ulm »erlieg (um ben 21. 3ttai) 
äufcerte er fi<$ fcr)r unjufrieben über ben flaifer, ber für ft$ um bie Rrone 
^raetteire (Mon. Hung. bist. IV, 218). £a& 2fla£ im guten ©lauben ge* 
§anbelt, ergiebt per) bo$ auS ber beftimmten SBerftdjerung. fcr$iü III, 443. 



87 



ber tiroler Angelegenheit $o<$ anrechnete, ^interliefe Serfthn* 
immgen. 2Benn, tote fcejeugt, ba$ allein einen Erfolg ertnög* 
K<$enbe friegerifd&e auftreten SWojimilianS babur# gehemmt 
tourbe, bafc ber ftets geijige Äaifer jefet no$ roeniger ben Seutel 
öffnen tooHte, \ f o fd&rieb fi$ ba$ bon folgen @eji<$t*punf ten $er, 
ßuerfl lann e$ fraglt<$ fein, ob SRajinttlian feine bur$ 
3eitoerluft itnb bie 90&neigung ber Sagbaren gegen bie Deut- 
fd^ett gefd&toäd&ten 2lua(u£ten nidjtf toerbeffert fcaben mürbe, toenn 
er fi$ $ätte entfalteten fönnen, ber SBitttoe be$ beworbenen 
Aömg$ bie $anb gum (S^ebunb ju reiben. ©er ehrgeizigen 
grau fd&nteid&elte ber ©ebanfe, Winfttg ba$ taiferli$e ©iabem 
ju tragen, fo, baß fie ijn SRomenten ber Aufregung n>o$l 
ft$ au$f$liefjli<$ itoifd&en jtoei aRöglid&teiten: bie Äaif erlrone 
unb ba* Älofler geftettt fa$. 2 $0$ ift ei mit folgen äeujje* 
rangen berle|ten toeiblid&en ©tolje» ni$t jit ernft }u neunten. @£ 
fie|t fcfi, bafe fte um jjeben $reid Königin bleiben tooflte. 3ftr mar 
ba&er f<$liefjlid& jjeber re#t, bem biefe ätudfid^t toinfte. 3tmf$en* 
bur<$ foH fte freiließ jeittoeife audj> für i&ren ©ruber griebrt$ 
bon Neapel gearbeitet baten. 9 SRur einen fd&lofj fte aber, toegen 

1 9hit toenn ber Äaifer ben Beutel öffnen motte, !önne SÄar, raf4 cinc 
Ärieg*maa)t aufbringen, fä)reibt au8 Snn&brud 21. Sfyril ber ju 3Ras ge* 
{anbte mailanbiföe 93otf<$after (Mon. Hang. 179). $)afe ber Äaifer ifcn an 
ber Aufbringung einer ÄriegSmaa^t ge^inbert, f abrieb <Dtoj an 9llbreä)t öon 
6aä}fen (Sin) 1490 6t. So^amtiSabenb ©onnemoenbe 23. 3 um). $re&b. «r$. 

^ MoDiim. HuDg. 224 berichtet baS am 20. 3uni no<$ ber mai* 
IänbiWe ©efanbte. 2)odj jagt er fd)on am 21. (6. 226), bafj Beatrix 
alle« tfcut, um auf jeben galt grau btg fiinftigen ÄönigS gu »erben, bereits 
am 11. Sprit, alfo nur fünf Sage nea) bem Xobtffatt, toeifj ber an ben 
Sdjioager ber 99eatrij beri^tenbe ferrarefif$e defanbte *on toerfa^iebenen 
§eiratb**lfincn mit Was, SLUabiSlato t)on Böhmen, Sßrinj Albrea^t uon 
iolftu Gbenbaf. 485. 

3 Monom, Hung 166 am 7. 2Hai berietet 00m roaüänb. defanbten. 
«U bie 9BabI SHabi8lato$ Don »ö&nien tpa^ri^einli^ mürbe, fcat fte bürg 
Seftafrmg» »erfored&ungen *c. eS ba$in gebraut, bafe iljin bie S&ermfiblung 
mit JBeatrir, als conditio sine qua non auferlegt umrbe bei feiner 2öa$l. 
SaS am 9Ba(ltag jelbft niebergefä)riebene unb fpäter »teber^olte 8eugnife 
beS antoefenben, in bie 3ntriguen eingemeibten mailänbiftben (Sefanbten 



88 



ber Unberetnbarfeit feiner ©r^ebung mit i^ren 2Biinf<$en, unter 
allen ttmjtänben aus, ben jungen S^anne^ ©onnnus, ben 
»aflarb. 3Kit allen ßräften fcatte fte fc&on bei Sebjeiten ifcre* 
(Satten jt$ gegen Sodann* 9tac^foIge gejiemmt. ©n jtoeiter, 
n>o$l ebenfofötoer toiegenber ©runb tyreS SBiberjtrebenS toar 
bie ©etoiffteit, ba§ bie no$ fefclenbe ÄönigSfrone auf bem 
Raupte So&aunä unmittelbar bie SSermctylung mit ber ber* 
Rafften ©forja, SRaria ©lanca, na$ fi<$ jiefcen müfete. $>iefer 
©ebaufe, an intern IßnigUd&en Sßlafc bie Angehörige be$ feinb* 
lid^en #aufe$ ju triften, toar bietteidjt ber unerträgliche. 

2>a$er tyat ÜRayimilian irn^l, bur$ bie Hoffnung auf 
2faf<$lufj ber Partei ber über bebeutenbe ©elbmittel toerfugenben 
SKeapolitanerin an feine Sfa&änger ni$t flc^ beftumnen ju laffen. 
SSie unbeliebt überhaupt bie unfruchtbare grau in Ungarn fear, 
tonnte tym (ein ©e^ehmtife fein« 3n n>el$er SBeife Seatri? 
angeflopft, ifi unbefannt. 1 3$ meine annehmen §u muffen, 
bafc SDtaj: ben Streif im borau* parirt fyxt. S)a3 ©d&reiben, 
toel<$e8 er, unmittelbar na<$ bem Eintreffen fixerer S3otfdj>aft 
über Matthias' »bfd&eiben, bon Snnäbrucf au» an beffen SBittoe 
ri^tete, giebt in fe$r gef$icfter Sßeife }u berfiefcen, bajj too^l 
eine 3ntereffengemeinf$aft, aber (ein @$ebünbmfj mögli$ 
fei. Qnbem SWajimiliau bon ber aU ©<§toefler angerebeten 
©ante UnterfHifcung auf ©runb tyrer 39lut8fcertoanbtf<$aft er* 
bittet, giebt er feine innerjle £erjenSmeinung um fo erkennbarer 
ju Derfle^en, je tveniger bon tt)ir(li<$er SBertoanbtfd&aft jtmfcfyen 

(Mod. 242 unb 245) maa)t alle gtoeifel öerftommen, bafc baS bamalft 
gleich gcföeljen. Ueber Seatrir/ Stellung ju Sodann Sorbin ebenbaf. passim. 
2öa8 man ber armen Stau überlauft für 6tyanbt$aten jutraute, barüber 
tiergl. ©. 176. 

i Uebertrieben ifl: e§, menn am 27. 3uli (ÄrauS, 3Rar/ $Bejief>ungen 
SU Sigmunb öon Xirol 28) ber an SÄar/ #of aitaßirte glorian äBalbauf 
jdjuror, bafc SBcarrij „lange" um SJtoj gebuhlt unb angetfotft tiabe. 9hir 
eine« tyrer toedjfelnben $ro}ecte ij* in biefer *bfi<$t au erfennen. S)ie 
©enbung ber ©eatrfr, an SHaj au$ bura) «Dtolinet IV, 96 bezeugt, »o aber 
ber ju $runbe liegenbe £eiratl)8gebanie nur als Meinung Einiger an- 
gegeben nrirb. 



89 



beiben bie SRebe fein fann. 1 2)em römtf^eu Äönig blieb fomit 
auger beut SSertrauen, eine tym gewogene Partei fi# bilben ju 
fe&en, vorauf er überhaupt unb inSbefonbere in Kroatien unb 
ben @renjlanben getieft Einarbeitete, nur bie ^Berufung an 
bie SSaffen übrig. @<$toertt<$ lann er ft$ bariiber einen Singen« 
Mief getäufd&t fcaben. 9to$ bon Snnäbrud au£ $atte . er fi# um 
anrd>rufif$üften na<$ glanbern getoanbt. 2 Dann eilte er na$ 
6$roaben, um in 3lug$burg unb Ulm mit ben fübbeutf$en 
gürfien %u berfymbeln, SRifftefligfeiteu unter ifcnen beizulegen, 
i$rer $älfe fi<$ gu bergettrifferu. 5Da3 gelang i^m au$ über; 
raf$enb gut. 3 äBeniger glänjenb fianbS mit barem ©elbe. 
$arle$en ginjelner, toie be» S3if#of8 ÜRatfyiaS bon ©edau, eine 
»ennlligung be$ ftyiräbiföen 8unbe$ im Setrag Don 8000 fl., 
Seftönbe, mel^e angeblid^ no$ in be$ Äönig» £änben getoefen 
au* ber bon SKatt^icuS 1489 i$m Derefcrten ©d&afcung be8 SanbeS 
ob ber ©n$, mußten bie Äöjten ber erfien Lüftung beefen. 4 

1 aaxilio adesse neque snum eanguinem relinquere. 2)er 9luS« 
bruef tofite rttt$fcl$aft, wäre ni$t in bem too^l am gleiten Xag abgeladenen 
I uSftTeiben an bie ungarifä)en ßanbjiänbe baran erinnert, baf$ im Vertrag 
tum 1463 ber Äaifer ben Äönig 3Wattbta8 als ©ot)n aboptirt unb unter 
btefem Sortoanb als Regenten anerlannt $at 3öte Ijötte 3Jtoj bie Stau 
feines »ruberS $eirat$en joden! (^Hrdjtt) III, 398 f.) $ag 3ttar, nid)t, nrie 
Segler, &t\$\d)te ber Ungarn V, 692 nod) annahm, $eatrig als Butter 
tituliri $at, $at Sirnbaber a. a. O. 397 gejeigt. $>ie Säbel ge$i bis auf 
TOolinet IV, 96 aurücf. 

2 (f. 8raS<$a an ben $eraog bon SWatlanb (Mon. 179) am 21. Styrit. 
$ier au$ baS Seugntfe, bafe erft am 20. ÜRar. ganj ftä)er SJlattyiaS' Xob 
erfuhr. 

3 SRaj ift in Ulm bom 5. bis 21. 9Rai 1490 naä)toeiSbar. 

4 Sugger ($f.) beregnet ben Ertrag ber öfterr. ©teuer auf 12,000; 
baju (Arte ©teiermart (toamt?) 8000 gefd&entt. 3RH ben 8000 bom SBunb 
$Ätte 3Raj 30,000 fL gehabt, „toeuufceS bifeer Seit baft bia gettefl". Ueber 
bat föofibiföen »unb f. Älü>fel I, 88. Unbatirte Eingabe beS »ifäofS bon 
€etfau an Aar,. €r erhielt für feine ^Dienfte eine $räfentation auf baS 
»iener SHStyum (SBien 1490 September 1). Söien. flrd&ib. 2)ie jur Er- 
oberung SBienS bargelie^ene Summe betrug 20,435 Bulben, fotoie 13 be- 
labene Sdjtffe jur ©Reifung SBienS. kleinere Summen unter anbeten bon 
Gottbarb bon ©tar^emberg entlieben. 2i<$noto8ib VIII, $eg. 1406. 



90 



©ttt>a$ fpäter tarnen baju no$ 50,000 ©ulben aU freie« @e* 
fc^enf ber tiroler ©täube. * ©d&on bei btefen 50tngen ging e$ 
ni<$t o$ne SRetbuugen ab, tuie er e« benn auf ft$ nehmen 
mufcte, ben Äaifer )ur StbfteHung ber injtirifd&eu an bie ©täbte 
be£ f$toäbif<$eu SBuubeS erlaffenen #filf*manbate ju beran* 
laffen. 2 9io$ a^nte man jebod^ in biefen Äreifen nid&tä toon 
ber Sncongruenj ber fatferlid^en unb lönigltd&en ©efid&tSpunlte. 
SBenig fpäter, Iur§ bor Slnfang Sunt, tourbe in ßinj biefer 
3toiefpaIt ausgeglitten, ©er Äaifer fu<$te, freiließ ni$t mit ju 
großem Erfolg, bur<$ 8tnf$läge auf bie Srblanbe ©elb aufju* 
bringen, ©emeinfam fugten Äaifer unb Äömg einzelne £eer* 
fiterer toeilanb ÄönigS äRatt^tad auf i^re ©eite )U jie^en, ja 
einen 2#eil ber berühmten f^toarjen ©arbe gu gettrinnen. s 3n 
einzelnen gätten jeigte ft$ bie Ergebenheit gegen ba$ angefiammte 
#errf<$er$au$ gef^äfttg in ©ienften für bie Befreiung be3 öfter* 
rei<$if<$en SanbeS. S)enn no<$ gelten ungarif<$e Sefafeungen 
baäfelbe eng im gaum, unter bem Sefefcl be8 al$ Statthalter 
in SBien toerbltebenen ©rafen Stefan ßapolpa. ®te ©r* 
oberungen fejiju^alten lag fidler in ber 3lbft<$t aller ma%* 
gebenben Sßerfßnlidfjfeiten Ungarns. Uebel toar e£ babei freiließ, 
bafc e8 an ©elb fehlte, felbft jur SBejatyfang ber Jtapfern beS 

1 SBranbi«, SanbeSljauptleute 321, äöien 16. September 1490. 

2 JMüpfel a. a. C. unb 78. Sa» Saturn be§ $ier für Eörblingen, 
Augsburg, Ulm erwähnten SttanbatS ifl naä) einem temptner Ügemplar: 
ßinj $fmatag nad& $almtag (8. Styril). 3nn8br. Hrcjib. Sa ber Saifer 
jo geitig bon *Dcatt§ia§' Sob unterrichtet war, ift eS d&aralteriftifd), baß Was 
in 3nnSbru<f erft jo foät autfcentiföe jtunbe erhielt, 9taa) ben oben an« 
geführten auSbrttdlidjen 3eugmfien beS mailänbifd&cn Qefanbten <£ra§muS 
39ra8cf>a mufj Unrep irren mit ber Angabe, bog 3Ra$ bie 9lac$rt$i burtfc 
ben jtaifer empfangen f)abe (743). 

3 Unreft 6. 744. 53ieHeid)t gehört bie oben ernannte ^aä?ria)t SuggerS 
über ©teiermart in biefen Sufammentyang. Ueber bie SBerbungen f. 8ic$« 
nowStu VIII, Weg. 1387 u. 1399, fotoie TOolinet 99, Brä)ib III, 406. Sa§ 
an Tester Stelle abgebruefte SBerbepatent. bom 2. Sunt lam ju foat. Sie 
fd&warje ftarbe war fd&on für SQÖlabiSla» gewonnen. @. (Srlebnijfe eines 
beutfc$en 2anb8fneä)t8 , fjerauSgeg. bon Settau (Mitteilungen beS SereinS 
für ©ejd&i<$te bon Erfurt §eft IV, 10; bergl. gefcler, @ef($. Ungarns V, 711). 



91 



Stott&iaS. £inft<$tli<$ ber Ärone Ungarn« war für bte §ab& 
burger ernfUid)e ®efa$r nur bon SBlabtelaw feon SBö&men unb 
beffcn längerem ©ruber Sodann SMbrecfyt &on Sßolen gu befürd&ten, 
benen bie SKutier tyre 3lnft>rfi<$e gu übertragen wünf<$te. Um 
$olen an ber Unterftfifcung eine« ber beiben bringen gu ^inbern, 
fnflpfte SWay f$on geittg Unter^anblungen mit bem ruffif<$en 
©ro&ffirften an, bie tym bie 3 u fafl c ber &Mf c gegen $o!en 
einbrad^ten. 1 (Sine t$atfä$li<$e SBirfung l;at ba« freilt$ nid&t 
gehabt 6« lonnte üor bem Jperbfie, wo au<$ erfl eine faiferli<#e 
Äufma^nung in« 3tei$ erging, 2 loon einem Singriff auf Ungarn 
felbfi feine IRebe fein. £>af$ ba« Aufgebot nid&t etyer erlaffen 
ift, $at jum Stfceil Wotyl feinen ®runb barin, bafe, wie 2Ray 
fi$ bei feiner perfflnti<$en gufammenfunft mit ben fübbeutfd&en 
dürften ilbergeugte, wenig SBillfä&rigfeit toor^anben War, bem 
Äaifer ju Reifen, o&ne ©oncefftonen feinerfeit«, ßrfl am 15. 3uti 
tonnte er im £on be« Srium^e« berieten, baß e« itym ge* 
hingen Dom Äaifer ba« Äammergerid^t gu erlangen unb eine 
einig feit aller gfirftai mit bemfelben tyergufieDen. 3 3n bem« 
felbeit Slugenblicf war aber na$ heftigen ißarteiungen bie m* 
gariföe 3Ba$l gu ©unflen SBlabtelaw« t)on SJitymen bereit« 
entf$ieben. auf bie 6ntf<pefcuug ber 3Ba§tyerren fonnte fomit 
eine SBiOf&^rig!eit«er!Iärung be« 9iei$« bo$ ni<$t me^r ein« 
Wirten. auf bie 98affen tarn alle« an. ©<$on Dörfer waren 
in ben (grWanben, foweit e« bie no$ überau« geringen Äräfte 
loerftatteten, bur<$ 9Ray ni<$t unwid^tige ©rfotge ergielt Worben. 

1 £er Vertrag warb rufftfd^erfeiiS j$on am 16. Wugufi in SttoSfau 
untcTsri^nct, bon SRar. erfl im 3tyril 1491 (Si^notuSfg, Beilage IX unb X). 
fhijfijdje ©efanbte toaren Won 1489 in granlfurt jur SBegrüfjung 9)1 ar> 
mutans erfäienen. Butler, 9lei($§iag§tljeater unter Wa% I, 106. 

2 7. September 1490 (3anffen, ffieid&Scorrefo. II, @. 546) f. #öbcrlin, 
»ei^Sfjifioric VII, 527 f. $ie $ronoIogtJd)c 9*ermut$ung bafclbft erlebigt 
taird) bie rid&tige 2e§art <£ritag \tatt Sfritag. 

3 Hn 3übre<$t t>on ©adjrfen quS <5n§ eigen^finbig. £>re9b. Ird&iü. 9Raj 
föreibt, eS werbe je^t im SRei<$ aufgeboten »erben. SBeS^alb nod& bieder- 
jdgerung eintrat, weife idj> nidjt. 9Raj ? Intljeil an ber SReformbewegunfl totrb 
fofiier im gufammen^ang bargefteflt werben (Gapitel 2). 



9» 



@r toax naä) furgem Sertoeilen in Sinj no# toor 3Ritte Quni 
ua$ ©teiermarl aufgebrochen, begleitet bon ©^riftop^ Don 
Saiern, SRarlgraf Sigmunb toon SBranbenburg uub anberen 
gürfien, um bort bie Siüderoberung be$ Sauber ju beginnen. 
2Bi$tige 9ta<$rid&ten, bie i&n in Seoben ereilten, riefen tyn jurficl 
na<$ Oberöflerreid^. i aBa$rf$emlt<$ $at man ju beuten an ben 
@timmung$toe$fel, ber fid^ in ber SanbeS^auptftabt SBteu ju 
©unfien ber Habsburger tbtn ju bolljie^en begann. ©er ©rucf 
ber t>on bem ©rafeu Stephan 3<*Potya befehligten Sefafcung fcatte 
Unsitten nnb balb au<§ Sßiberftanb in ber öe&ölferung $ertor* 
gerufen. 33orfi$tiger als bie erregbare SReuge mar ber Staty, 
beffen ÜDUtglicber leidster ber SJeranttuortung für eine SSer« 
legung gefd&roorener @ibe au$gefe|t toaren. Sie Aufregung 
flieg, als man in 2Bien bie ©ettiffteü ju $abeu glaubte, bafj 
ber Aöuig SBlabiSlato toon Söhnten mit $eere£ma$t auf bem 
SBege fei, fi$ ber ©tabt ju bemächtigen. £>afe ber Statthalter 
längft üon ber bö&mifd&en Partei in Ungarn gewonnen toax, 
lag t)or äugen. 2 ©oute es SBien fi<$ gefallen laffen, gleid&fam 
bie Srautgabe beS präfumpttoen AönigS an bie Ärone Ungarn 
abzugeben? $n SBien £errf$te flarf bie natürlich Don 3fta%U 
milianS Parteigängern genährte, übrigen* bamafö t>on bem 
Äönig felbft nod) geseilte aWeinung, bafe i$m bie ungarifd^e Arone 
»öttig fidler fei. golglid^ toax man, fo toarb argumentirt, be* 
red&tigt ofyne (Sibberlefcung in 3Jtoy ben |)erm aujuerlenneu. 
Kmmüttytg fpra<$ bie Uutoerfität in SBten au$, bafe 2Rap optimo 
jure flönig Ungarn* fei. 3 SKuf bie Äunbe fcon 2Blabt$lato& 
3fofbru<$ befegten Sürger bie £$ore unb nahmen bie ©dj)lüfjel 

i <£r war in Seoben am 20. 3uni. «rd&to III, 40; f. 9Rolitict 97 
pour certaine grans affaires. SRolinet benufet für btefen ungarif$en 3 U Ö 
offenbar einen fe$r betaiUirten S3erid)t eines (gingemetyten. &ber abgeben 
bon ben entfetjlia} öerbafl^omten Eigennamen f)at er ftä) au$ in ber Sljnmo- 
iogie ber Grcigniffe ni^t immer suregtgefunben. 

2 $alacfd V, 1, 335 f. 3ebod& braa) äBIabiSlato erft am 23. 3uni 
auft $rag auf, 339. 

3 Xi<$tel§ Sagebua) 53. f?ür bog S3or$erge$enbe 93onfin 676. 



93 



an ft#, entfd&loffen fidjj jur 2Be$r ju fefcen. 1 auf fol<$e Äunbe 
bin aögerte 3Ray ni<$t länger. @r fanbte eine ©<$aar SanbS* 
hielte eilenb* ju ©äffet na<$ SBten, too fie bei ber Särgen 
fd^aft freubige Aufnahme fanb. 2 SDie Ungarn bemühten bie 
©tabt ni$t länger ju galten. @3 begreift fidj), bafc bem ©rafen 
&tpffan , ben ba$ #erj o^nebem na<$ Dfen jur ÄönigStoa&l 
jog, ba$ Sßflafter ju $eif$ tourbe. @r liefe eine 5Befa|ung in 
ber flart befejHgten Surg unb herliefe $eimli<$ bie ©tabt, beren 
SJetoölferung entflammt toar für äRajimilian ju leben ober ju 
fterben. ©d&on 6nbe 3uni fcatte berfelbe 12,000 SRann in 
6oß> genommen. SBeitere SSerftärfungen ftanben in 3lu3ft<$t 
ffia^renb f o mit bem £eimfafl 9Heberöfierreidfj$ ein gliidfoer^eifcens 
ber Anfang gemalt, waren bie greunbe, tt>el<$e in ©teiermarl 
geblieben, aud) nid&t müfcig getuefen. SSon ©ra§ au8 erfolgte 
eine Htyne SDigrcffton unter bem Sefe^l beä föniglid&en Statt« 
meifierS $an« Don 2>ef$i|}, tt>el$er neben einigen anbern fünften 
ba$ bereit« gegen bie Ungarn empörte IBienersSReuftabt mit 
glfidfli$em ^anbfhreid^ gewann. S)ie S3urg ^ielt ft<$ freiließ 
no$ H3 3a$re«enbe. 3 @rft @nbe 3uli traf 3Ray felbft toieber 
in @raj ein. Unb jefct begann jener ©iegeäjug, ber ben 
größten 2#eil ber bur$ SRatttyiaS eroberten öfierrei$if<$en Sanbe 
im rafd^eften Verlauf bem rechtmäßigen ^errn jurütfgab. 3>en* 
fetten barjufteDen liegt ui$t in unferer abfielt. S)ie f<^leftf(^ett 
©ölbner, bie toon SBlabtölaw jur 9tettung SReujtabtS abgefanbt 
waren, famen ju fpät unb wid&en bem 3 u fammenfto& mit ber 
femblid&en £auptma$t aus. ©o fcmberte nickte, ein paar taufenb 
Staun in cmjelnen Abteilungen jur (Sinna^me Steter«, Äärn* 

i ©o fdjüberie 2Raj felbft bem ©rj^erjog ©igmunb ben Hergang au§ 
2 tu i, Wittiben na* St. $eter u. $aul (3uni 30). SnnSbr. flrd&iü. 

* SRolinet 97. SKar, föreibi an Wlbredjt t>on ©adjfen auS <Sn§ am 
14. 3ult, bafc er über 2000 «Kann nad& 2öien gebraut ^U. ©ad&arb II, 
56. $o$ $at biefc (^ifobe offenbar fd&on in ben erfien 3utiiagen gefpielt. 
©d)im am 9. 3uli »ar SöienS Ueberrumpelung in Sing betannt. JhauS, 
5Ä0J' Eejieljungen ju Sigmunb öon Sirol ©. 27. 

* Vtolinet 98; Ärauß a. a. D. 28; bie üor^erge^enbe ßntyörung ©. 26. 



94 



ttynS, ÄraütS auSjufenben. SRad&bem ber Äönig am 16. Slugufl 
bie jubeInben SKeufläbter bur<$ feinen Sfoblidt erfreut, $ieft er 
am 19. Stugufi in SBien f eiber feinen @injug an ber Spifce 
feiner Zxvupptn, toffl&renb ber fttyne gröberer ber ÜReufiabt #an* 
SDef^ij} ba£ blanfe ©<$tt>ert i^m fcorantrug. * Sßer betreibt baS 
©ntjiiden, ba£ fid^ bei bem Sttnbltct Maximilians ber treugeftnnten 
£erjen bemächtigte! ©#toer fcatte SBien gebiifet für alles, toaS 
tyex tnie anberStoo in ben @tunben ber 2anbe$not£ gefehlt morben 
mar. S)ur$ ben mutagen (Sntfd&lufc, ber JBefafcung jum £ro& 
bie ©tabt bem re$tmä&igen $errn ju betoafren, tt>ar manches 
gefügt 3 U beutü$ iebo$ lebte im ©ebä^tnifj ber Sßienet bie 
aRifrmrt$f$aft unter grtebru&, beffen 2^at- unb Unterlaffungfe 
fiinben f o biel jur £erbeifityrung ber gremb&errföaft beigetragen, 
aus ber man ft$ eben loSma$en moQte / als ba& fte ganj offne 
Sebing jt<$ ergeben ju fönnen geglaubt Ratten, ©ie erlannten 
jtoar Äaifer mie Äönig als tyre natürlichen (Sperren an: aber 
ben $ulbigung3eib tyibm fte feinem anbern geleijtet, als bem 
Äönig SRaj:, als tyrem regierenben £errn unb bem löblid&en 
£auä Deflerreify 2 9lod^ ttuberjlanb bie ©urg unter bem tapfern 
SabiSlauS tum Upor. 5Wi<$t lange foQte fte ber Sürgerfdjaft 
©Freden einflögen, ©ine Iräftige ©ef<$iefcung toarf bie SRauern 



i ftrauS a. a. O. 31 u. 33; SRoltnet 100; £t<$tclS Xagebw* 53. 
bereits am 9. toarett be« ÄönigS Unterljanbler in SBien. 

2 „unb ift bte !e$. mt. barinnen auSgeföloffen" , fagt auSbrütflid) ber 
in 2Kag' (Befolge in SBien amoefenbc glorian SBalbauf (24. Buguft an ©ig» 
munb bon Xtrol bei ftraus 32). Gegen biefeS geußnifj unb ba§ TOoltnetS 
fotnmt %\d)tel$ 9fa8|age (58), bafc beiben gefötooren fei, um fo weniger auf, 
alß ganj generell fi(nlid) öerfaln-en au fein fdjeint, |o bag au$ in biefem Satt 
weniger bie Söiencr felbft als 9Raj bie Urfa<$e getoejen fein bttrftc. äöenigften» 
entbinbet 1492 Sin) ffreuatag invention. TOoj bie Prälaten, ©rafen, Amt- 
leute :c. öon Oefterrei$, Steter, Äärntfcen, Äratn ber $fli$t, bte fte t^m 
bei Surtteferoberung ber förblanbe geleifiet, um fte toieber bem ttaifer, mit 
bem er fia) ba$in bertragen, jujutoetfen. 3nnSbr. 9r$it>. 2)af$ bie Pergament» 
urlunbe niajt öofljogen ift, raubt i$r für bie un§ ^ter bef$äftigenbe Srage 
in feiner SBetfe bie SBetoeiSfraft. 9tcuftabt tytte ftä) gleidj bem ttaifer unter« 
roorfen. ÄrauS a. a. D. 



95 



ttieber, bie SSelagerer gewannen eine befcerrföenbe Stellung: 
afc bie f$tta$e Sefafcung fafc, bafj ba« $eer jum Sturm 
antrat , ergab fte jt$ IriegSgefangen, no<$ bor SuSgang 
beS SuguffanonbS. 1 SBie au« ber ägwtif<$en ©llaberei fügten 
bie SBiener fi<$ erlßft. SHe $o$en fallen üon St. ©tepbanS 
Dom erf$o0en 2 üon ben feierlichen Älängen beS Te deum 
laudamus ju @$ren ber ^Befreiung. Sarmenb gab fi<$ ber 
Subel auf allen ©äffen funb, n>ä$renb auf fUttem ©tubir* 
jinrmer ein f$li$ter Srjt unfern S)an( ft<$ berbtente, ber 
bie iiberflrßmenbe 3Sonne feine* «öerjenS beut Rapier an-- 
ftertraute. 8Ba$ gef$e$en, nmr erfi ein Anfang. Silber ban! 
ben $arteiftreittgfeiten in Ungarn unb ber Sä&mung be3 Staate 
gelang in ben nfi$ßen SBoc^en tyette frieblic$ tyeilS mit 3Baffem 
getoalt bie Befreiung ber alten Dftmarl be$ 9iei$3 mit tyren 
Dtebentanbern ofcne fonberli<$e Dpfer. SRan !ann m<$t einmal 
jagen, bafc ber flflnig ft$ babei in $etborragenber SBeife bemüht 
tyxbe, ba er bis ju feinem 3lufbru<$ naä) Ungarn nur jtoetmal 
an fciegerifd&en Operationen aufeer&alb 2Bien$ t$eilna$m. SRadfc 
bem er am 5. September bor bem belagerten Älofierneuburg 
getoefen, finben toir i$n am 8. ju SBrud 3 a. b. ßeitfca, im SBe* 
griff SReuftobt ju #ülfe ju eilen. S)ie f<$leftf<$en €ölbner 



* £i$tel a. a. D. ; Unreft 744 ; SBerid&t be§ mitf fimpf enben 9Äiä)ei oon 
Sbeut>eim (kra)to III, 454); SRolinet 101. Sttr fl#er ^alie i<$, bog fein 
t>ergebH$er Sturm gemalt ifl; SBonfiniuS 676 berietet allein, bafe Bei biejer 
Belagerung SRar, üerwmnbet toorben {ei. 

2 SRolinet unb 9Bonftmu§ a. a. £>. 

s SRar. »eilte mit Untertreibungen Dom 19. ttuguft bis jum 4. Odober 
in SBten. fjfir tflofierneuburg , au beffen ßinna^me et am 3. Sept. Söien 
Derliei J. SRolinet 108 u. Sid&noto*!» Steg. 1432. Hu§ Brut! berietet 2Rar. 
am Stauentag nativ. an HIbrea)t t>on Saufen baS im Xejt <£raä$lte unb 
bie b«öorftef)enbe ftnfunft Qeorgg Don 93aiern. 2)re8b. Hr<$ib. £)a§ bie 
Schiefer niä)t Stanb gehalten, fä)rieb am 12. September g. SBalbauf, ÄrauS 
a. a. O. 33. Sie »ebrofytng IReuflabts mu& enrjtyaft getoefen fein, benn 
SRaj bracb noa) Dor ber am 9. September erfolgten €inna$me ßlofterneu* 
burgS (£ia}tei 54) auf. Ueber bie »cbeuhmg HeuflabtS als Sajlttflci ber 
Steiermart f. auo} bie in Ungarn $errfd)enbe ^nftd)t in Mon. Hung. 281. 



96 



2Bfabi$lam3 toaren bamals 7000 ÜRaun ftarl über bie SDonau 
gegangen, fcermutf)ltd) um bie SBurg üon Steufiabt, bie aud> in 
Ungarn als ©<$Iüffei ber ©teiermarl galt, ju entfefcen. 2)o<$ 
tüid^en biefelben bem SBorftofe be$ ÄöntgS au«. 9lur furj toar 
bei ber un er f fütterten Haltung ber SBefafcung in ber Surg 
beSfelben SSertpeilen in SWeujtabt, e$e er ft# na<$ SBien juräd* 
begab. * Stur eine neue fernbliebe geflfefeung tyatte er in Sßerfon 
abtoe^ren motten, ©lieb ben ungarif<$en Sefafcungen in ben 
(Srblanben ber S U S U 9 abgeritten, fo mufcte in abfe^barer 
geit ber übergroße S^eil be$ 2anbe$ toou felber fafl an bie 
alten Ferren fatten. 2 3Ro<$ten einjelne Sompagnien §äfce unb 
pflid>ttreu auf tyren Soften auS&arren unb fi$ bur$ 3Ser* 
toüftung ber Umgegenb unbequem machen: auä) i^re ©tunbe 
fällig, fobalb SWayimilian, nrie er feft bettraute, bie ungariföe 
ftrone erlangte. ®ie (Srtoägung, mögli$fl rafdj biefeö giel gu 
erteilen, brängte alle anbern jurüdf. @$ irrte iffn ni$t, bafe 
mittlertoeüe fein Nebenbuhler 3Slabi3latt> am 31. September 
ju ©tu^lroeifjenburg mit $erWmmli#em ©epränge jum König üon 
Ungarn gelrönt toorben toar. 9to<$ lonnte er rennen auf eine 
fiarfe Partei unter fcem fcofcen, befonberS fübungartf<$en Slbel, 
no$ lag e3 au$ bem blöbefien Sluge offen, bafe bie Serfafcrem 
$eit unb fd^nöbe Qnterefftrt^eit ber Parteien ni<$t raf<$ ba3 
neue Königtum mürbe SBurjel faffen laffen. SMaj toar, fobalD 
ber S U J U 8 au * *> em 8W<$ wb inöbefonbere ©eorg toon ©aiern 
anfam, bereit, fein 3te<$t mit ben SBaffen ju fudjen. ©o ge* 
ftimmt lonnte bie burd) ben 33if<$of fcon ©trmium unb ben 
bö$mif<$en Äanjler 3of>ann fcon ©Wellenberg ate Oefanbten 

i ©. bie bortyergeljenbe 9lnmerfung. $)a& IDtor, bor (einer ÄüdtteljT 
nad& SBien bo$ in ÜReuftabt geroefen, fagt baß Journal de voyage (9to$il> 
III, 449), toeldjeg inbeffen erft na$ 1508 berfafjt (ein fann, tote ber SluSbrucf 
©. 448 „Vempereur pour lors roy des romains" jetgt Ober ift bie 
9ia<$ric$t auf ben aweiten 9fa$jug SRagimilianS gu begießen? 

2 eine Hnjaty fefler $ta> ©teiermarfS lieferte ber Uebertritt beS 
3a!oB ©g&ety in 5Rajtmilian§ §änbe f<$on (eit Kuguft. Änbere totyrenb 
flWarjmilianS Sinbrudfc in Ungarn felbf* geräumt. Unreft 746 f. 



97 



SJlobiälotoS augebrad&te Äfage über bie fcon i$m »ffl&renb 
be3 SBaffenftiHfianba unternommenen Neuerungen i$n toenig 
anfechten. SSon ^rieben ober Änerlenmmg SBIabiSlatoS burfte 
leine Siebe fein. 1 3urütf gelehrt öon einem »eitern, bi$ auf 
alämgarif$en ©oben au3gebe$nten ©treifoug, ber @fin$, Deben- 
burg u. a. Orte als ©tfijjipunfte Ifinftiger Operationen in 
feine $änbe lieferte, 2 üoOgog SRay ©nbe September feine 85er* 
eutigung mit £erjog ©eorg toon SBaiern, ber, obtoo&l S^mager 
be£ Äfinigö 2BIabi$lato, gegen biefen eine #eere*abt&eilung ^er= 
beifü^rte. 3 6c^on ftanb ba£ $avöptf}tev in jmei Abteilungen 
auf ungarif^em ©oben, aU am 4. October SRayunilian mit 
£erjog ©eotg SEBien herliefe, um ft<$ mit ben £ruppen ju öer= 
einigen. 4 äufeer lefctgeuanntem gürften nahmen auö bem 3teid? 
ni>$ ©igmunb öon 39ranbeuburg*Äulmba<$, SBttyelm t>on Reffen, 
Xubolf Don än&aft unb fcor allem ©&rijiop$ Don ©aiern tfceil, 
ein junger gürft, ber allein fo triel toerty fear, toie eine reifige 
6$aar. tapfer bis jur £o(l!ü$n$eit, berühmt als Sftoffc* 
bänbiger unb SBärenjäger, gutmütig, aber unruhig unb ein 
f$le$ter §auS$alter toar er im gelb ebenfo an feinem Sßlafc 

l Moiu Hung. bist IV, 6. 263 ; oergl. SBonftn 576. 2>ie eingefcenbften 
#aa)ria)ten über WarjmüianS Parteigänger in Ungarn, als beren #aujrt 
Sorenj ttjlafi erföeint, $at TOolinci 102. 5)erfelbe benütjt offenbar ben 
9eriä)t fceS oon War. als (Smiffttr na$ Ungarn in biefen Wonaten me^rfaä) 
fteratnbeten ÄajrfanS Sebaftian be 83oniS (?) aus bem 6t. 9lntonienorben. @r 
ge^t mit geheimem Auftrag an bie Äönigin Beatrix, nimmt Sötbner an jur 
Rettung 2BienS, ge$t jeifi nadp ©laoonien unb foäter nochmals in ©emein* 
fcfcaft mit bem Stattmeifter ®efd&ifc (96. 97. 101. 106 f. 114). 

* Siebtel 54; ÄrauS a. a. £>. 34. 

3 68 toarb i$m bafür eine €>$ufcb erfahr eibung mtber SBöfcmen, auf bie 
er fu$ am 28. Januar 1492 berief. 3mt6br. Hrd&ib. Was $atte tyn bereits 
am 8. September mit 4000 Wann ertoariet; WolinetS $erta)t, ber in 
Wax.iimlianS Seele bis gutn legten 9lugenbli<f Qtoeifel oorljanben fein läfct, 
ob ©eorg als fjfreunb ober geinb fomme, ift ba$er irrig. SBergl Xia)tel 54. 
fBa^renb beS SelbjugS toarb übrigens bie Serbinbung atoifdjen ben §>$toägern 
md)t gan| abgebrochen. ItrauS a. a. C. 36; &rc$iö III, 423. 

4 ÄrauS, Wa; u. ©igmunb 34. 

Ulmann, ftatfet SKöjtmUion. I. 7 



98 



al3 $inberU$ überall ba, wo e£ friebltd&en aufgaben galt. 1 
S)a$er feine berühmten ^ftnbel mit feinem filteren SSruber 
3llbre$t t>on SBaiem, ber äbrigenS, obtoofcl felber fern bletbenb, 
feinem ©$toager 3Rar au$ eine Sfteüerabtyeilung fattbte. Oefier- 
rei$if$e$ »ienftoolt unb f$toäbif$er »bei öertooüflänbigten 
bie ftarfe ©atoallerie. Slufeer ben gürften toaren e$ t>orjugg= 
tueife ©enoffeu ber nieberlänbiföen Äämpfe, treibe als Dffxjicre 
jefct in Ungarn bienten, üor allem ber IrtegSlunbige #of* 
marfc^all 9teinpre<$t öon 3tei$enburg unb ber DberflaHmeifter 
£an3 &on S)ef$ife, benen bie SSor&ut übertragen toar. 2 Stieben 
beutföen SanbSf netten matten bö$mif$e 8 ©ölbner bie §avopU 
ftärfe beS gufftolfeÄ aus. <Ss mufe im sjufammen&ang \>on 
bem Umbilbungäprocefe bie Siebe fein, melden unter aWay ba* 
beutf$e ÄrtegStoefen bur#ma$te. $ier gentigt es, $ert>or* 
ju&eben, bafe jefct jum erftenmal unter größeren 3Jer$ättniffen 



i gütrer (Oberbaier. 2lrcf)iü V, 69. 72. 80); «rnpecf (Sreüberg, 
Sammlung $iflorifdjer Sd&riften I, 196, oergl. bie lateintfd&e Bearbeitung 
bei $eg 8. 469). Ueber fllbre^t f. Hrnpecf (greüberg 183). 2)ie furftlid&en 
S^eilnefcmer aufgellt in ber furgen gleidjgeitigen G(ronif tion 1477—91 
in ber Seitfar. f. öfterr. (Smnnaften 1880, S. 19. 

2 Journal (?lrc$it> 460) aiant charge de I'avantgarde. iR. o. Steigen» 
bürg f<$on 1479 mit SRar, im Stieberlanb. 2öä$renb beS ungatifd&en gelb« 
jug§ toirb i$m bie Gernirung oon Stein am Singer unb bann mit anbern 
bie §auj>tmannjdjaft im eroberten Stuljltoeifienburg übertragen. Anfang 1491 
jum oberften Hauptmann in Ungarn, Cefterreia}, Stein ic. ernannt. Später 
(fett 1494) ijt er Hauptmann ber Steiermark dr ift o$ne 3»eifel einer 
ber nrirffamften ©cnerale au§ 9RarhnilianS erfter ^^iobe. — Cberfter 3^8* 
meifier über baS ©efäüfc mar #anS tfafoar oon Saubenberg nadj 9Ri$eI§ 
oon (£$en$eim Angabe (Wrdjiö III, 457). <£r mar aus fcerjog SigmunbS 
$ienft in ben beS ftönigg übergetreten (ttrgio 51, 442). 

3 Ueber bie ®ö$men f. £i<$tel 55. Bntyed (gretiberg 163); «rd&to III, 
450. — $ie 2anbSfnedj>te waren in S$ttaben burdj ®raf Gitelfrig üon 
Qoflern angenommen unb gemujtert toorben (f. $Boflmaö)t für i$n vom 
18. 3uli 1490 bei Sid&notoSfu VIII, Sieg. 1413). 3$m $aben pe ben ©ienfl- 
eib gefdjtooren, auf ben ft<$ 9Har, in bem in folgender Hnmerfung citirten 
WuSfa^reiben besiegt. Ter töame „Hauptmann" toirb i$m bafelbft als Amts« 
titel beigelegt, ni$t, »eil er, toorauf leine Ouefle beutet, an ber Spitje ber 
Sanbstnea^te ober fonft ben 3ug naa) Ungarn mitgema$t. 



99 



bie Infanterie ni$t and Kontingenten ber Sßfiid&ttgen befianb. 
Sie bie ©täube £irol§ unb ber fd&toäbifd&e Sunb tyaben too&l 
aud> anbete in baarem ©elb tyre SBerbiublicbfeit abgelöft. 
60 founte eine £ruppe ein$eitli$en S&arafterg, meifi au« 
oberbeutfd&en erprobten ÄriegSleuten gebübet toerben, bie o^ne 
befonbere ftänbifd&e 6ommiffäre lebiglidfr im ©olb be$ Ärieg»* 
&ernt fianb. ©etfelbe orbnete i^nen |>aui>tleute, gegen toeld^e 
fte ft$ eiblity &erpfK$teten, feine ©emeine ju galten ö&ne SBe- 
»ittigung, er feilte fte in gä^nlein unb SRotten, SSon organu 
jtrter Verpflegung ift freiließ feine ©pur: ber Ärieg mufete fi$ 
felber ernähren. 1 

S)ie €tärfe beS gefammten £eere$ »irb auf 16 — 17,000 
äRann beregnet. Von Anfang an freüidj ge^or<$te bie Wla* 
föine ni$t aDjuIei^t bem 3)rudt be3 gü&rerS. Unter ber 
Reiterei fefcte e£ heftigen 3^ unter Defterreid&eru unb 
Schaben über bie ©bre be$ 33orflreite« : bie SanbSfned&te gaben 
f$on jeitig groben ber Uujutoerläfftgfeit öon fu$. S$on e^e 
opn eigentlitty tnilit&rifd^en S<$ttrierigfeiteu bie Sflebe fein fonnte, 
rig bei innert toegen ber ftarfen Äälte, bie ton @nbe Dctober 
bis 8Bei$na$ten groft o$ne ©<$uee braute, bie Defertion ein* 2 

5Die 3wfifiube Ungarns, »0 ber neue Äönig bei ben un* 
botmäßigen unb $in unb $er fc&toanfenben ©täuben teinerlei 

* 5)a& 1490 juerft flatt ber Kontingente unier eigenen QauptUuUn 
unb ^TOötantmeiftern ©elbja^Iungen geleiftet feien, jagt auSbrürflicfc Jtoar 
nur ber fpfiiere Sugger (§f.)- Snbeffen jinb bie im £ejt gegebenen Qüge 
jdmmtliä? einem gebrueften Hußjd&reiben SKarjmilianS an äße ©iänbe 1491 
Sing 29. 3anuar entnommen« SBavr. @taat§-9lrdjiö. Ueber bie Verpflegung 
ertoäljnt bag Journal (%rd}ib HL 449): XVI a XVII mil bona oombatans 
par iL ne suyoit nuJz (fo ift fiati milz mor)I ju Iefen) vivendiers et 
vivoient le gens de guerre de ce quilz trouvoient. 2)afi bei ber leitetet 
fouTaßtrt umrbe, ergiebt bie Angabe Wrnped ß 163 (Sregbcrg), bog ber „Öütereip" 
toegen 9Raj unb ©eorg einen Xagemarfä öon einanber marjd&irt feien, £>afe 
bie Kanb§fne$te bie ipauptmac^t ausmalten, mufite man fd&on au§ ben $$ai« 
fachen f fliegen. 3um Ueberflufj begeid&net fte baß Journal (^lrcr>ir> 452) alß 
la principalle armee. Sergl. Gaj>. 6. 

* 9Wid&el öon €i)ent)eim (f. Stalin III, 632). »rief äöalbaufß öom 
9. 9tot>tmber bei flrauß 38. Ueber ben Sroft Journal im 9lrc$tb III, 452. 



ä I 



100 



©tüfce fanb, gaben bie befie Hoffnung auf glfidttißeu ©rfolg. 
SWufeten boß bie Ungarn $Ieißjettig gront maßen gegen ben 
sprinjen 3o^ann Sttbreßt fcon Sßolen, ber mit einem £eer im 
ßaube fianb unb feine Slnfprüße letneStoeg« aufzugeben getoiffi 
fd^ien. 1 ®rft fpät toarb @elb aufgebraßt jur ßa^lung ber 
Äüdfftänbe, bie man ber friegä^arteu fßtoarjen ©arbe toeüanb 
ÄönigS ÜJtattbiaS fßulbete, fo bafe biefe gefürßtete Äemtruppe 
gar nißt gegen ben $ab£burger jur SBertoeubung getommen 
ift. 3Stan mufc bie Slnjißt getoinnen, bafe bie boßmütbige 
magparifße Umgebung be* ÄönigS bie toon äBeflen ber tonu 
menbe ©efa^r unterfßäfct babe. Äein SBunber, toenn man fiß 
ber jtrölfjabrigen ©ßmaß erinnert, bie Ungarns SBaffen über 
bie beulten Stonaulanbe bis ju einer eben erft abgefßloffenen 
Sßeriobe gebraßt Ratten, unb toenn man bie geringfügige äfct 
binjuntmmt, mit meißer Sonftn, ber jeügenöfftfße ©efßißt? 
fßretber ber Ungarn, von ber beutfßen ßrieg*tüßtigfeit ju 
foreßen fiß erbreifiet. 2 £ro|bem nmrbe biefer biS&er ftßer 
ju toenig beamtete 3 U 9 ben rafßen ©rfolg be« geinbeS nißt 
$inlängliß erflären, fämen nißt baju Sßarteüntereffe, @e* 
ttriuufußt, Abneigung , Sffianfelmuty ber ©rofeen. 3m SSeften 
tirie im D|ieu (Siebenbürgen) faub 3Kay anhängen bor allem 
toaren e8 bie fla&onifßen SUlagnaten, öorau ber £erjog Sorenj 
Ujlaft, bie im geheimen ©mtoerftänbnifj mit ßm ftanben, fo 
ba& mit SBa^rtyett ber bem £of folgenbe glorian SBalbauf fcon 
SBalbenflein an ©tgmunb t>on SCirol fßretben fonnte, tag 9Raj 
mebr Hoffnung jefct b<*be, Äönig toon Ungarn gu »erben, 

i 5e&Iet V, 725 u. 737. ftatürli* jinterfiüfcte fein auftreten bie 
glätte 9fta£imtHan§, tote umgeferjrt. SBann Sodann ^ttbred&t bem tömiföen 
Äönig bur<$ „Brief unb SBotfäaft" öerfld&ert $atU, fid^ ni$t o$ne i&n mit 
{einem ©ruber, bem ftfinig bon $Böt)men, 311 vertragen (ftrau§, $rttföent 69), 
!ann \fy ni#t feftftetten. SBonfmiuS 685 lägt i$n bon bornljerein Maxi- 
miliano adjunetus erfd&einen. 

* €>. 677: Artibus Alemanni haud parum et consilio pollent: 
quodsi armis, robore et tolerantia militari juxta pollerent, et ipsi 
quoque concordes fuissent, veram sibi imperium compararent 



101 



alt er t?or (urgent jur Sßteberoberung ber (Srblanbe gehabt 
frätte. 1 

5Ba ein organifirter äBiberflanb tu$t flattyatte, wirb nid^t 
oiel verloren, wenn bem 5ßlan biefer arbeit gemäß raf<$ über 
ben $elb}ug hinweggegangen Wirb. Oebenburg, ©tein am 
Singer ergaben fu$ uttb am 23. Cctober bereits fcatte 3Ra;i« 
milian bie Staab tiberfd&ritten. 2 £)a£ £anb weit unb breit längs 
ber 9Rarf$route eilte, ft$ 3U unterwerfen, jum S^eil fogar 
bem $rätenbenten ju tyulbigen. ©er offene liebertritt einffufe 
reifer Ferren, tote be* $er}ogS Soreuj lljlafi unb beä 93ifd^of* 
üon günffirdjen, f<$ien na$e beborjufle&en. 5Der SBif^of toon 
aSefjprim fonnte, na<$bem er tiergebli$ #filfe ton SBlabiSlaw 
erfleht, ni$t um$in, ft$ bem Sieger anjufd&Iiefcen, ber feinen 
liebertritt mit reiben 3 u f a 8*K belohnte, ©c£on toor^er, bon 
SHanbef ani, war eine $eere£abt$etlung jur ©emonfhatton unb 
Unterwerfung be3 ©ebiete* 3 in ber Stiftung auf Ofen betafyrt 
tüorben. $0$ begannen $ier fd&on ©d&wterigfeiten. 2Ra? 
mufete mit a<$t feiner Stätte ben unjufriebenen SanbSJne^ten 
Särge werben für bie in ßufrmft fälligen ©olbraten. 4 Äaum 
tvax man eine 3Bo$e in geiubeä Sanb, unb f<$on machte fi$ 
©elbmangel fällbar unb in $olge babon eine Sodferung be$ 
Vertrauend §wifc$en 39efe$lenben unb ©e^ordfrenben, meldte für 
ben Sudgang toer^ängniffroll Werben feilte. SDtit bem fo be* 
reite unjuberWfftgen $eer trat ber Äönig ben 33ormarf$ an 
von SBefjprim auf ©tublroeifcenburg, bie alte Ärönungfc unb 
$eerbtgung*ftätte ber Äönige Ungarn«. %üv ©i<$er£eit ber 
Serbinbungen War feinerlei SBorforge getroffen. SWidfwärt** 

1 9m 20. Cctober (ÄrauS 34; toergl. bie Beübungen beS Allans 
Sebaflian unb tyeiltoeife be& ©efäilj bei SRolinet 102. 106, unb 3tr$it> 
III, 429). 

2 PrauS 36 (@am8tag &or Simonis unb SubaStag). 

3 SRaj an 2Hbre$t bon SBaiern SRebnef am Hfler^eiltgentag (1. 9to- 
©embet) 1490. SBair. föcit$S.$rd?it). lieber ben SBiföof Don 33efejnrim f. Strd&ib 
III, 421. 425; 3Rolinet 106; tfrauS 38. 

^ drnfirung SRagimtlianS in bem Austreiben Dom 29. Januar 1491. 



102 



gefanbte 93oten lonnten nur be§ 9ta<$tS reiten, unb au<$ ba 
nur unter größter ©efa^r. S)er Sufammen^ang mit ben 
flatoonif<$en 2fa£ängern im ©üben War bur<$ ftretfenbe Surfens 
f paaren unterbrochen. 1 21m 16. SRofcember fa£ 3Ray fein 3^ 
toor Saugen: bereit« aber $atte er fein £eer, weld&eS bur<$ 
Äälte unb Unge^orfam gelittet, bur$ ©ntfenbungen gef^tüäd^t 
mar, nidjt mel)r in ber #anb. 

3n ©tufclweißenburg waren no$ in lefcter ©tunbe bie 
©rafen ©tep^an Satyorp unb Sßaul Äinifo mit etwas über 
500 §0lann jum ©dfjufc ber ©tabt erfd&ienen, Se|tere fcatte 
jwif<§en jtt>ci SBafferlinien unb ©ümpfen eine ungemein günflige 
natfirlid&e Sage. SMe reid&e ©tabt, in wel<$e Ferren unb Säuern 
ber Umgegenb ft<$ felbft nebfl £ab unb ©ut gerettet Ratten, 
war mit fiarlen, freili<$ neuerbingS üernad&Iäfftgten SBefefiigungen 
umgeben, t>or benen naö) ben beiben allein }ugänglt$en ©eilen, 
im ©übwefien na$ bem Sßlattenfee $in, im SRorbofien nad[> 
Ofen fyn große, wohlgebaute SSorfiäbte fi# ausbeuten. SMe 
93ürgerf<§aft unb 83efa|ung War fcoll ©elbjtoertrauen unb Uns 
überwinblid&feitsbewußtfein, wel$ lefctereS inbeffeu fcon ben 
beiben eien genannten Ferren ni$t geseilt ju fein fdtjeint, bie 
melme^r im legten äfogenbliä e$ toorjogen, i&re ^ßerfonen für 
ba« SSaterlanb in ©icfcertyeit ju bringen. S)ie belagerten Ratten, 
um bie ännä&eruug ju erfdjjweren, felbfi bie SSorftäbte in »raub 
geftedft. Sie no<§ am 16. an fie gerichtete Sfafforberung jur 
Unterwerfung unter ben &ab3burgif$en Äönig würbe fofort 
jurüä gewiefen. 2 2Ra j imilian badete ni$t an f of ortigen angriff 
auf bie große, t>oIfrei<$e ©tabt. am 17. feilte eine Sfte* 
cognoScmmg unter bem SJefe^I beS ©tallmeifierS £an8 $)ef<§i& 
in bie nörbltd&e SSorftabt Slufflärung bringen über bie ©tärte 
ber Sefeftigungen unb beS geinbeS. 3 Sefcterer, ber jt<$ in ben 
Krümmern jener ju galten fud&te, na&m mufyig aber unbe* 

1 2ßalbnuf bei ftrau§ am 28. Octobcr, 6. 37; Coline! 106. 

2 ttrnpecf (Sretjberg) 163; Erd&iö III, 428. 

3 Journal 450; üergl. S3onfimu3 687. 



103 



ba$t ben Äampf mit ber aus S)eutf<$en unb Söhnten gebilbeten 
ttttfceilung be3 OberftaHmetfierS auf. 5Ra<$ htrjem fingen 
warb ber getnb toott ber lleberma<$t blutig in bie ©tabt getoorfen 
unb trug fo bom erfien Slugenbluf an SBertoirrung unter bie 
39ürgerf$aft. ©iefeä aufgeben ber firengen SJefenftoe, toel$e 
im ^inblicf auf bie bon SBat^or^ unb Äinify binnen a$t Sagen 
toer$ei&ene |>iilfe — unb in ber 2#at toar bie aus 3Jtö$ren 
enbtt<$ herbeigeholte fc&toarje ©arbe bon Dfen ni<$t metyr toeit — 
aDein berechtigt getoefen toäre, ftfirjte bie ©tabt in$ Serberben« 
3m beutf$en Sager, too, tt>ie gefagt, nur eine SRecognoScirung 
beabfid^ttgt gett>efen toar, ergriff man mit glüdfÜdjetn (Sntfd^Iufe 
ben gunftber^eifeenben Slugenblidf . * 9taf<$ nachgezogene SKrtil- 
lerie richtete i$r geuer auf baä bon glü^tigen no<$ beriiopfte 
unb bon SRa<$brängenben f<$on beftürmte SBafonbt^or. 2lber 
Dor allem jeigte bie Qnfanterie, angefeuert bur<$ bie ©egen* 
wart be8 ÄönigS unb ber dürften, fttyne £obe3t)era$tung. 2 
SDem §erjog 6^riftop^ bon Skiern gebührt naä) baierif<$en 
Senaten bie Sßalme be3 £age& @r flieg bom SRofc, rife einem 
Sanbdhted^t bie lange &anit au8 ber §anb unb mit bem 9tuf : 
„3Bo$lauf, i&r lieben ©ruber, mir nadf)!" fprang er juerft in ben 
©raben. S)ie 8anb$fne$te i$m na$, mit $ülfe tyrer langen 
gdjäfte burd> SBaffer unb Sumpf ft<§ arbettenb, hinauf tüte 



i $)aß ber Sroetf lebiglidfr eine SReeognoSeirung toar unb ba& nur (et 
bem guten Ausfall berfelben ftd& Sftas unb bie Surften entfd&loffen Ratten 
leur bonne fortune ju »erfolgen, jagt TOolinet 109; Sütrer 6. 80 f. be- 
tätigt, bafc feine Abflaut auf Gernirung ober ^Belagerung ber Stabt obge* 
maltet tyltte. 50er SRitlömpfenbe @r)en$eim erflört (Ar$it> 455), ba{$ bie 
©tobt „au§ bem ftec&reff" gewonnen toöre. S)er Sciißcnoffc (Brünbed (Cfl&mel, 
Ceften. ®eföi($t§forfd&er I, 87) insperato. — Antyed 163 ferid&t freilid) 
Don einem ffriegSraty, ber jum Angriff geraden. 2)arm liegt tto^I nur 
eine Serrttcfung beffen, toaS SJtolinet au<$ erjagt. Hur »onfm 687 lögt 
offenbar irrig fä)on bor bem (recognoScirenben) Angriff auf bie SBorftabt ben 
$lan jum Sturm, mit bem 33erforea)en ber $Iünberung an bie 2anb8fne$te, 
gefafct fein. 

2 Journal 450. $ergl. @efo)ia)te Ungarns bon <5jalab, beutfet) bon 
SBögerer III, 2, 23 f. 



104 



bie Äajjen an bett über 20 gufc fyotyn äRauern. &eine, ober 
bo<$ nur ungenügewbe ©d^ufcma&regefc gelten fte auf. SHe 
t»on SRay, ber jejjt feinen ©tanbpunft bi<£t am ©rabenranb 
genommen/ felbft birigirte Artillerie bxad) boBenb* ben 2Btber= 
jlanb auf ben ginnen. 1 gefct flfirmten bie ©iegberauföten 
toon ber SWauer hinunter in bie Stobt, bog 3$or toarb auf- 
genauen unb herein toarfen fi$ bie f<$on ungebutbig fcarrenben 
reiftgen ®ef$toaber. 5Ro$ einmal in ber ©trage, bie jum 
3JiarIte fü$rt, {am e8 }u erbittertem Jtampf unter ben 3lugen 
beS ffftnigS felber jtoif<$en ben (Singebrungenen unb ber 93e* 
fafcung, unterflfifct bon ber bur$ bie SBerjtoeiflung aufge- 
rüttelten SSetoöflEerung. 9laä) jtoet ©tunben toar alles Vorüber. 
ä#t$unbert Ungarn lagen in ben ©tragen unb $&ufern, in 
melden fi$ ber ftampf fortgefe|t, erfragen. 2 5Die 2Sut$ be* 
ÄampfeS, ber 9tauf<$ be£ Steges Derfityrte bie Uebertoinber 
ju unnötiger ©raufamleit unb gaben Anlag jur $lünberung 
ber lippigen ©tabt. ©elbfi bis in bie Air$en, ja in bie ©rab* 
Hätte be£ bor lurjem beworbenen ÄönigS fe|te ft$ Oetümmei, 
SBIutoergiefcen unb freier Staub fort 3 

S)en beutf$en JWnig mo$te felbfl ein ©tauen antoanbeln 
angefügt* beS SammerS, ben er ni$t getoottt, aber jefct, ma$t* 
lo« gegenüber ber entfeffelten ©olbate8fa, nid^t ju toenben ber* 
mo$te. Sdo# am gleiten Sage berliefc er bie eroberte ©tabt 
unb braute bie 9ta$t im Sager ju. ©r mar jlege$genri& uub 
entf<$loffeu, fofort na$ Ofen aufjubre^en. 4 Aber bie einjige 



i <£$riftoi>$8 fcetbentyai gufrer 81, großenteils auä) %xnptd a. a. O. 
Sie §M)e ber dauern SRolinet 110. fcaltuna ber Artillerie Journal 460 
unb $onfm 687. 

* Sie einleiten beS Cirafcenfamtfß naä) «onfin 687 unb Coline! 110. 
Sie ga^Ien ber ©eiöbteien naä) SRolinet; Journal 450; Unrefl 746. $ergl. 
bie Angaben ber 6$ronif oon 1477—91 in: Settfäjrift für operreiä). ©$m- 
naften 1880, ©. 19. 

9 Bonftn, SRolinei, Unrefl, Arnpcd o. o. O. Nürnberg,« G$ronrf V, 727. 

4 Sa$ fä)reibt er felbfl nod) am 17. 9tab. an Stamunb oon $irot 
(Hrä)it> III, 428). ttuaj Unrefl 746 tneife ba§. Sag äRa; nou) am 17. inft 



105 



9ta$t na<$ ber (Srjiürtnung, mo nac^ beut abritt beS ÄönigS 
in« Saget bte 2anb*ftte$te gern} ft$ fclbft unb innrer tyierifö 
entfeffeften SBegier uberlaffen getoefen toaren, $atte hingereicht, 
bie bereits geloderte 5Di8ctylin biefer beutfe^en Smppe böQig 
aufjulöfen. Sie Anette iDoHten ni$t£ batoon $öreu, atebalb 
ben $ormatf<$ auf bte fernbliebe #aufltftabt anzutreten, 6:3 
Reifet, bafe Streitigleiten aber Teilung ber Seute ben erften 
Xnlafs gegeben. 1 Salb ersten ft$ bte ©emittier heftiger. 
Segen (gib unb $ffi$t traten bie £anb£fne$te o$ne SBettrilli* 
gung tyrer Oberen jur ©etneine jufantnten, meuterten unb er* 
Gärten, ^eimgie^en ju toollen. 2Ba$ fte verlangt Ratten unb 
nid)t getoä^rt erhielten, iji ni<$t völlig beutli<§, tüa^rfd^einlid^ 
einen befonberen ©turmfofo. JWnigüc$erfeit$ mürbe behauptet, 
fte Ratten jum 2#eil no<$ 18 Sage, junt ST^eil ettoaS toeniger 
}it bienen / auf @runb ber i&nen gu SBefflmm geleiteten Sfirg* 
f<$aft. Um jebo<$ bie toorgetoanbte Sorge toegen ber ßa^Iung 
}u $eben, tooKte ber Äöntg ben Unjufriebenen etliche ber gürften 
px Särgen fleDen unb ©tu^Itoeifienburg felbjl bis jur tollen 
SJejabluug in bte $änbe geben. 2 Staub bo$ alles auf bem 
SpieL 5Der ©nbrutf ber @rftömtung ber alten Strpabenjtabt 
mar in Ungarn erf$ütternb getoefen. SKa^bem üJtoy balb 



Soger }urfk<ffe$rte unb erft am folgenben Sag ©tu!)In)ei|jenburg toieber be- 
trot, ergtebi fio) au§ Journal 457 unb <£$enf)eim 455. $abur$ ertffirt fic^ 
au$ ber StT^iim SonftnS 668. 

i Journal 451, Hlolinet 115, Vtityetf 164, Unreft 746 u. a. m. 
Cliüier be la SRard&e ($etitot X, 468) nennt ©röfje ber Beute unb Untuft 
biefelbe au öerfoffen, Süße an ^robiant unb fanget an Bejahung als bte 
brei Örunbe ber 3Rarfd)bern)eigerung. 

* <Ra$ ÜRarjmüianS me&rertoäljntem Hu§fö«iben an afle 9iei$8ßfinbe 
öom 29. Sanuar 1491 ($air. 6taat8*9lr$ib) mit 9Befet)l, bie in tyrem le- 
itete angefeffenen ungehorsamen ftned&te im SJetretungSfatt an 2eib unb <8ut 
ju trafen. — $aS Umgenannte 9fo§tunft§mittel fennt auä) baS Journal 451 
in ber gorm, bafe bon {ebent gäjmlein gtoei jur ffiatjrung i$rer ttedjte jurttcf* 
bleiben fottten. gBa(rföetnli$ , ba bie Unterhandlungen toofjl eine 2öoä)e 
basierten, bat feiten» be§ ÄönigS eine attmä$tid&e Steigerung be§ Angebote 
ftattgefunben, boä) giebt es bafür feinen SBetoetS. 



106 



naä) btefer ÄriegStyat ben Xitel eines ÄönigS toon Ungarn an* 
genommen, 1 mehrten fi<$ in ber nä<$ften 3 e ^ b* c 9fo§et$en, 
baß man ber fortfd&reitenben SSertoüfiung beS SanbeS bie 
Unterwerfung an fctelen fünften toorjog. Ofen felbfl tt>ar un* 
genügenb befejiigt unb o^ne Sefafeung. 6in raf<$er 3famarf<$ 
$ätte na<§ allgemeiner Ueberjeugung tym otyne SRitye bie 
©einfiel ber §au:ptftabt in bie $änbe gebraut. 2 

Qene Unbotmäfeigfeit unb Meuterei ber £anbsfne$te Ireujte 
alfo aufs empfinbltd&fle feine 3te$nung. greili<$ gef<$a£ ibm 
bie$ $ier toeber jum erfteti^ ito$ jum lefctenmale: eS liefee fi$ 
ein unerfreuliches Sftegifter ber bur<$ ä^nli^e SBibertoartigfeitett 
tüä^renb feines SebenS vereitelten Unternehmungen o^ne fonber* 
U<$e SCnjkengung jufammenflellen. — 3to<$ hoffte ber ÄSnig, 
bie aufgeregten ju befriebigen unb ju gewinnen, ©inftroeilen 
liefe er ein S)eta#ement ettoa jmei SJtetten toon ber ©tabt 
unter einem ber baierif<$en gfirften Sßofto faffen, tootyl me&r 
aus Politiken als militarif<$en ©rünben. Suglei<$ liefe er 
bnrc$ eine ©efanbtf<$aft bie Dfener jur Ergebung aufforbern. 
©ort fd&lug inbeffen balb bie anfangs »erjagte Stimmung um, 
als man raf<$ bie geftungStoerfe auSgebeffert fa$. Aaum ent* 
tytelt man ft<$, ben ©efanbten ein Seib jujufflgen. Sie 6r* 
ftärung, toel<$e fie f<$liefeli# ton bannen trugen, toar bie ber 
£reue gegen ben gefrönten Äönig SBlabtSlatt). 3 

3« ©tutytoeifeenburg $atte fi$ bie Sage, trofe aller 33e* 
f d&ttrid&tigungStoerf u<$e , bie $erjog ©eorg in bie #<mb na^m, 
ni$t gebeffert. S)aju fcatte Sodann 2tlbre$t toon Sßolen im 
Sorben üor bem fefleu Äafd&au nid^tS ausgerichtet 3n Söhnten 
— eben $atte ft<$ SBlabiSlato aus Stacke gegen ©eorg t>on 
33aiem jum SunbeSgenoffen ber Sötoler erflärt unb mit ben 
2Rarfgräfli$en angefnüpft — flammte ber Patriotismus beS 

i ÜJtolinct 112. 

2 SHolinet 115 unb ©onfin 689 als Vertreter ber ^abSburfitfd&en unb 
ungatifdjen ttnftdjt 

3 Biotine! 113 ff.; Journal 451. 



107 



gerrenftenbeS no# einmal auf. Dbenbrein ftanb SBIabiSlato, 
ber fi<$ bis jum 17. SRotoember in Sßrefjburg, feit 3Ritte ©e- 
ccmbcr in Sfyrnau anfielt, im 3>ur<$f<$nitt fail in gleicher 
(Entfernung Don SBten, toie aWaytmilian t>on Ofen, 1 IgaupU 
fä$li$ aber tt>ar tiefe 66be in ben Äaffen eingetreten, ba t>er* 
fäiebene SSerfu^e einer Slnletye in Ungarn felbfi nidjt jtim 
Siel geffifrrt Ratten, gelfentyart toar ber £rofc ber SanbS* 
fned&te; ba toar fein galten« me$r. 63 blieb ni<$t3 übrig, 
als einen jtoeiten gelbjug für lünftigen ©ommer ins 8luge ju 
f äffen 2 jur SSottenbung ber errungenen Srfolge. 2Rtt 3urü<fc 
Iaffung einer fiarfen ©efafcung in ©tu^lroeifcenburg unb anberen 
Sßläfcen ober eingenommenen ©efpanfcfyaften, nmrbe am 4. SDe* 
cember ber SRüdEmarf# angetreten. S)erfelbe bot außer ber 
(Srftfirmung ber 33urg SBafonfö, roeld&e bem ©rafen Äinify ge* 
fcorte, nid^td S3emerJen8tt>ertye8. 3lm 22. S)ecember herliefe 
9Ray Debenburg unb gelangte am folgenbeu £age nad) SBtener« 
iReujlabt, feinem ©eburtSort, too tyn bie angenehme Äunbe 
empfing, baß tmttlertoeile ba3 ©cblofe, freiließ arg jerf<$offen, 
Don ber ungarif<$en 33efa|uug aufgegeben toorben toar. 3 ©o 



t $alacty V, l, @. 847 unb 851 , bergt. 853, unb au$ äBagner, 
gorfäungen 22, 314. Sollte fl$ auf biefe bebro$ti($e ftitye 2Blabt6latt>8 
m$i baS in 2Bien tierbreitete unb einen ^Bittgang tieranlaffenbe ©erlitt 
begießen, ba& in Ungarn eine Sammlung gegen 9Raj begriffen fei ? Xid&tel 55. 
Ueber bie beim 9ij$of tion günffir<$en oerfut^te $lnlei$e tiergl. bie unga* 
rifäm öijtortfer. auffällig iji übrigens bie erft nad^er auf bem SRüdgug 
am 8. 3)ecember geleijlete Unterwerfung beS 93if$of8. Wrd&ib M, 432 ff. 
€r erhalt bafür bie Hntoartfdjaft auf baS C£rabi§tl)um ©aljburg, baS fid) 
bie ^ab§burger bamals ju bergleidjen (Sjrperimenten orbentli<$ auSerfefcen Ratten. 

1 $a3 «Hart St. gölten 1491 3>reifömgStag (Januar 6) SBatbauf 
an Sigmunb Don Xirol. 3nn8br. Erd&io. 66 ift ein tiottftänbigeS unb 
toatirteS (gjemjrfar beS Hon ÄrauS, ÜKaj unb ©igmunb 39 abgebrueften 
»rui$W<!$. 

3 Journal 452. $ergt. ÜRolinei 116, toonaä) bie burty bie öflerrcic^i- 
f4en Batterien angcrid&teten 99efd&äbtgungen no# niä)t auSgebeffert waren. 
&\t ^erfömmli^e fluffaffung ber 9ta($rid&t UnreftS 745, bafe SRar, bie Sieb- 
liitßSburg feines SaterB ni$t $aU serftören »ollen unb bemna$ bie %e(a^ung 
^abe aushungern laffen (jo no$ Stöbet 161), ift unhaltbar. 



A I 



108 



ritzten beim, na<$bem ba8 £eer entlaffen, am 3a&re8f$lu& bie 
SBaffen, abgefe&en boxt bem nt$t eingeteilten Äantyf um ben 
33efi| einjelner ©<$löf[er in Defterrei<$. 3u ber Unterbaute 
lung, tt>et<$e ju ttngarif<$ * Slltenburg bon beiberfeitigen @e* 
fanbten gepflogen mürbe, $atte mit 9te$t lein 3Renf<$ 3 uttauen / 
ba ein SSerji^t auf bie Ärone bon feiner ©eite %m ertoarten 
xoax. 1 3Bi<$tiger iji, bafe na<$ furjem SBertoeilen in SBien bet 
rflmiföe Äönig in Sin) bie Genehmigung be$ Aaiferd ertirirfte, 
no$ einmal bie #ülfe ber 9teü$SjWnbe jur Eroberung ber 
ungarif^en Ärone in 3faforu<$ ju nehmen. 2 5Der SMlrffölag, 
tt>el<$er feine Unternehmungen betroffen, $atte bie (Begner 
äBlabtälatoS in Ungarn no<$ ni$t an 3Jtay irre gemalt. 6* 
mehrte ft<$ no<§ bie ga^l feiner Anhänger, unb Hoffnung auf 
toettere SBerjlarlung eriüu<$$, als ganj unerwartet am 20. %& 
bruar 1491 3o$ann 8Kbre$t unter 38er ji$t auf feine ungarif<^en 
9lnfprfi<$e mit feinem Sruber ft<$ bertrug unb feine im ©ti$ 
gelaufenen Anhänger babur$ bem römifd^en Äönig in bie Sinne 
trieb. 3 gretlu$ tt>ar mit bem Oetoinn ein SBerlufi berbunben. 
©emetnfam Ratten im gebruar 1491 ber Äaifer unb fein ©o$n 
ben Sßolenlönig befanbt, um i$n, freiließ toergebenS , für bie 
$ab£burgif$en äuft>riU$e unb gegen bie feiner ©ityne einju* 
nehmen. 3o^ann 3llbre$t$ Slbfatt bon feinen gegen 3Wa$ ein* 
gegangenen Sufagen entfräftete biefe Sßolitif. Der neuen 
SBanbluug juckte SRay mit neuen -Kitteln )u begegnen« Um 
bem Sßrinjen Sodann Stlbredjt toenigftenS alle SBege abju* 
fd^neiben, feinem |e|t ausgeformten ©ruber )ur Erlangung 

i ffialbauf am 6. 3anuar 1491, f. 6. 107. Budfr Eintel »eifi bon ber 
Sa^e, 66. 3n ber £$at braute eine (Sefanbtföaft 2Blabi8lan>5 als »efuttat 
nur bie Huffotbenma. na$ Sinj an 9Ras, (einerfeitS auf bie Jtame ju öer« 
Sitten, »a* färoft abgetüteten loarb. SRolinet 119. 

* JhauS o. o. C. 39. $ie faiferli^e ©rmäd&tiguna. ijl tom 18. 3a» 
nuar 1491. Gfynel, ftegeßen Sriebtidj« 9lr. 8629 unb in extenso *r$fo in, 
459. Sie §ttlfe jofl 6t. @eorg§tag in SBien fein. 

3 »eri^t SucaS ©nicjetS an SRar, öom $>olmfa>n $of 25. 9Rfirj 1491 
(ftrauS, $rüföenf 71). 



109 



Ungarns ^ülfe ju getoft&reu, bot SRay bem löniglid&en Sater 
be$ Sßrinjen bte Ueberlaffuug @$lefien3 unb ber 2auft$ an. 
6t erflärte ji$ femer bereit/ einen feiner ©ityne bei ji$ ju 
erjie^en unb einen anbern jum §o$tneifier be$ ©eutfd&en Drbenä 
)U befßrbern. 1 63 ftnb bieS biplomatifd^e ©d&adfofige )ur ßr* 
langung eine« augenbüdti$en 35ort$eil$. <E)afe man biefe 
Singe ni$t }U ernftyaft nehmen barf, jeigt f$on baS Datum, 
an toeld&em 3Ray ben f$on ernannten Vertrag mit bem ©rofc 
furßen öon 3Ro£{au, ber foeciett gegen Sßolen gerietet fear, 
ausfertigen Heg. 2 

S)ur$ ben Sßaft mit 3o$ann älbre<$t befam 3Blabt$Iato 
freie $anb gegen Deflerrei$. SBäfcrenb er felbjl mit £eere3= 
fraft bie Serlufte auf ungarifd&em 8tei$Sboben ttrieber einju* 
bringen fi$ befirebte, fugten Heinere Slbt&eilungen ben gernb 
in ben (Srblanben felber auf, voo no$ immer eine Stoja^l üon 
ben Ungarn fefigefcaltener ©d&löjfer ©tütflmnfte }um Angriff 
unb }ur SBerfceerung gefrästen. 5Der jum oberften Hauptmann 
in Ungarn unb ben @rblanben ernannte 9teinpre$t t*on 
9tei$enburg Dermoide, faß unuuterftüfct gelajfen, ber ©d&toierig* 
leiten ni$t §m )u werben. 2Bo mar bie freubige Opfer- 
nnlligfeit tyngefommen, mit ber man im 3a$r jutoor ben jungen 
Srbfierrn jubelnb begrübt $atte? ©elbfi ba$ allejeit ftanb^afte 
SReuftabt f^toanlte in feiner @ntf$loffen$eit, als bie faum 
nennenswerte ©efafcung nic^t im ©tanbe tt>ar, gegen bie ftarf 
angefd&tooHenen 3Rannf<$aften ber benachbarten ©$löffer bie 
Straften offen ju galten unb bie 6i<§er$eit ber gelbarbeit ju 
befd&irmen. 3n ber nrinbifd&en 3RarE trieb ber fü&ne ©raf 
$aul Äinifo fein 2Befen. 63 fehlte burd&au* an Gruppen unb 
@elb jur Sbroe^r, toä^renb bie auf ungarifd&em SBoben fie^enbe, 

1 Unbaiirte Snjiniction für ßucaS ©niqerS an ben ädnig tum $oIen. 
3imSbr. ftrdjtt». $afj baß erfte Sfoflotfen feitenS ber beiben Habsburger 
im gebruar befölofien toarb, jeigt ber in boriger Wnmerfung citirtc SBertcfyt 
©. 70. 

2 Ä2. «l>ril 1491 (SiajnotoSty V1I1, ©eil. X) ; |. 6. 91. 



110 



üon Oraf 6alm befestigte Gruppe 2RayimilianS, unter bem 
gleiten Oelbmangel leibenb, ben f$äubli<$fteu Sjcejfen jt<$ $in= 
gab. 1 2Bä$renb bie beutf^en gü&rer fo mit 9loti) unb Un* 
getyorfam ju lämpfeu Ratten, bra$ 6teüi auf Stein aus beS 
Habsburgers ungarifc&er Äroue. ©tu^lmeifceuburg, beffen 
tapfere SBefa&ung feit bem 21. 3uni üon überlegenen flräften 
bebrängt mürbe, ergab fi#, ba lein @ntfa$ in SluSfidjt flanb, 
am 29. 3uli an ftönig SBlabiSlafo. £>aS fejte e^lofe «afontt, 
too bie gelbartiüerie ÜRayimilianS aufbema^rt tourbe, fiel burd> 
^Berrat^ beS Sefe&lS&aberS. Slgram überlieferte ji<$ bem getnb; 
Don ben mistigeren Eroberungen beS vorangegangenen Qa&reS 
tyielt nur SBefjprim länger 6tanb. am 6. September mar e$ 
noö) uttbejtimngen. 1 2lber bie Mittel beS rftmifdjen ÄönigS 
mareu au$ längft total erfctyöpft. 2BaS ber in ben grüfta^rS* 
monaten 1491 in Nürnberg tagenbe Sleu^Stag, nid>t aus $fli$t, 
fonberu aus moblroottenber ©rmägung jur #ülfe gegen granf- 
rei$ unb Ungarn ju leiften fidj tyerbeigelaffen, — es ttrirb tu 
anberem Sufammen^ang barauf jurficfjufommen feiu, — mar 
fyeilS }u fpät ge!ommen / tfceilS ju fpärlicty ausgefallen, als 
bafe bamit ber grünbli$ Verfahrenen Sßolttif beS ÄSnigS ^ätte 
aufgeholfen toerben tonnen« @S rächte ft<$ eien an SDtayi* 
mtlian, bafc er, mie früher f$on angebeutet, gleidfoeitig (jum 
Z\)t\l freili$ f^ulbloS) eine ©oppelaufgabe ft$ gejiellt, ju 
bereu Söfung feine Äräfte ju \ä)\vaä) maren. SKitten im Sta* 
lauf ging feinem 3leuner ber Sitbem aus. Die über bie 8re* 



i IKetd&enbutgS Hauptmann jdjaft: Hr$iö III, 462 feil bem 5. Qre- 
bruat 1491. Qur Soge feine SBerid&te au8 SRat unb Sunt Bei Jtrau§, 
$rüjd&en! 76 ff. $er öon gint^aber («rd&fo III, 401) in« 3a$t 1490 ge- 
jefete SBeridjt beS ©rafen ©ahn auS ßijenburg gehört o$ne 3»eifel in ben 
2Rai 1491. Uebet einen ©treifjug Stefan SapolöaS nad) Oefterretty 
toetgl. 2i<$noto§fö VIII, 6. 153. 

2 Unreft 749; Sonftn 696 f. Hm 6. September mufcte 2Raj no$ 
Iöngeren SEÖiberftanb 93efeprim8 erwarten, ba er ein fteieTtnärliföeS ent- 
leer auf ben 29. September aufbietet. Sid&notoSfö IRegeft 9lr. 1618. 
Sergt, Sefeter V, 743 u. 746. 



111 



tagne eben mit neuer @$&rfe auftretenbeu ^tüiftigfeiten mit 
3rranfteid>, toie fie fein Äönnen fpalteten/ jerriffen auä) fein. 
SBoflen. ©ein ^erj, feine Gfyxe, feine Sßfli$t als SDtonn unb 
SÄitter, alles ba3 30g $n faft gefoaltfam na$ SBefien: et blieb 
fem, toeil bie ©nttouflung ber S)inge im Dften fc^ledjterbingß 
feine Stotoefenbeit ju er$eif$en fdjien. 5Der fiaifer, obtoo^l 
er anfd&eineub i&m {ein #ütberai& ber Slbreife nad^ Bretagne 
in ben SBeg legte, geigte bo$ auf ba$ beutli^fte baä Ser* 
langen, baf* fi<$ 3Ra$ mit granfreid? vertragen foflte, um ft<$ 
galt) bem für #ab8burg fo tt>i$iigen 3fetereffe im Dften toibmen 
31t fönnen. * 5Dabei mar er aber in ©elbfa$en fo i&f) tt»ie je. 
SBon Sin) au% fab er unbeweglich )u, tote bie öfterrei$if$eu 
2anbe, bie in ben legten 3abrje$nten fo unfägli$ ©$toere3 
ertragen, j[e|t na$ turjem ©Zimmer bejferer 3 u ^ n f*/ * n 
ärgfle SBirren jurfidgef^leuberi unb gleichmäßig bon greunb 
unb geinb ausgeraubt mürben. ©er römifcbe Äönig, bem Der 
»oben fo ju fagen unter ben güfeen brannte, \a\) fid> ju 
f$impfli$er Unt^ätigfeit berutt&eilt, ba er ©Bulben balber 
meber oor baS 3lntli$ feines 33aterS treten, nodj gu feinen jur 
SButfc gereijten ©ölbnern fi<$ toagen burfte. 2 

©0 ifi es, obtoo^l auf bem 3tei$Stag ju Nürnberg bie 



| 1 *m 19. Sunt 1491 fa^rieb au§ Nürnberg Sßaulfiorffer an «lbreä)t 

oon Staiern: man meine, SJcaj werbe nad) ^Bretagne unb niä)t nad& Ungarn 
)ie$rn. 35atr. ©taatß-Hrajiö. 9lm 13. fltoguft fd&reibt 2Ras felbfl Don einem 
Qeer^ug nadji SBurgunb (ftrauS, SRar,' ©ejie^ungen ju 6igmunb 6. 46) unb 
fünbigt am 17. Buguft feine ftüäte^r in bie Webettanbe an. ©ad&arb II, 58. 
%xa 6. September ift er oöOig refignirt unb jum SBleiben entfd&tofjen. 
6. folgenbe Slnmerhmg. 

2 ÜRan Iefe ben intereffanten ©rief felber, ben 3Ra|, bem fein „groben 
utnbgoilen Don Ijertjen leib" mar, bon Kempten aus am 20. September 1491 an 
be§ JtaiferS 3Karf$aft, ben gteibernt ©igmunb oon Sßrüfdiienl, jur aRütyeilung 
an ben faiferliä)en Sater richtete (ftrauS, $rüf#ent 79 f. ; j. aud& griebrid^S 
erfttrung bei Sio>oto8tb VIII, ^Beilage XII). 3n eingehen Sötten $at 
freiliö) griebrtd) bur$ Aufgebot einzelner ßanbfdjaftcn, aber offenbar imrfungß- 
loS, eingegriffen. 6. ßiäjnmoSiü 9teg. 1668 f. 1688. $ie SBirfungSloftgteit 
bemeift ftr. 1601. 



112 



ßurfürfien au3brüdfU<$ SRaytmilian* 89ere$tigung jur ungarifd&en 
Strom au$gefpro$en, 1 ni$t auffaflenb, ba§ bet @eban(e an 
9lu&glei$ notftjebrungen öon neuem auftaute, ffiS fte^t ju 
»ermutigen, bafc bie bö&mifd&en Oefanbten, toel$e tofifcrenb be$ 
9lei<$$tag$ na$ Nürnberg abgefertigt traten, ebenfo bestimmt 
toaren, bie toon 3Ray Verlangte 9tei<$*$iilfe ju untertreiben, 
als SBorte be* ^rieben* ju überbringen. 2 6i$er ift e$, bafe 
Äaifer §riebri# e£ mar, ber jtoifdfjen ben beiben Äönigen ben 
Vermittler ma<$te unb e* bur$fe|te, bafc im Sauf be£ Sluguft 
beibe i$re ©efanbten bebottmäfyigten 8 ju einem SSerftmblunfla* 
tag, ber t>om 24. Stuguft ab in Sßrefeburg gehalten merben 
foflte. S)ie geiubfeligleiten erlitten babur$ toeber in Ungarn, 
no$ in Defierrei$ unb ©teiermarl eine Unterbrechung, lieber 
bie SBer^anblungen felbfi tirirb nur Don ungarifd&er Seite be= 
rietet, bafe bie beiberfeitigen ©tantymnlte anfangt fe&r n>eit 
t>on einanber entfernt toaren. S)a 3Blabi*lati) bie ungarif$e 
Ärone um (einen SßreiS gutwillig herausgeben toollte, 3fta;U 
milian aber ju f<$tt>a<$ getoefen fear, ifyn biefelbe ju enU 
reiben, mufete biefelbe naturgemäß bem Söhnten Derbleiben, 
ber bur$ bie, toenn and) no<$ fo eigenfüd&tige 3 u fünraiung 
ber SRefcrjafcl beS Sbete getragen mar. @i$er toirfte bie 
SSertüicflung mit %xantveiä) auöfd&laggebenb infofem auf 3Raf'u 
milian, bafe er ft$ weitere 33erfu$e getoaltfamer Aneignung 

i 3Kütter, «ei$8tag8tl)eater unier 8frtebri$, 6. SBorfiett., 6. 196: 
Bonner ftag naä) misericordia dorn. 

2 ©o)on im 9Rai erwartet. 3anffen II, 6. 560. ttm 4. 3um Hegen 
fle, beS Qeleite fcarrenb, ju tteumarft. ftlütfel I, 112 f. 110. 3$re fln« 
fünft fanb am 7. 3uni jtatt. ftttrnb. Gljromf V, 729 f. S>afe eS ft$ um 
gtiefccnSanträge fcanbeltc, barf wofcl, abgelesen ton ber Angabe SRoItnetS 121, 
auS ben $erfonen ber ©efanbten SBened öon 2öeitmil unb Sodann toon 
ftaupo» geföloffen toerben, bie gnei HRonaie barauf unter ben ungarifö- 
böljtnifa>en 8rrieben9unter$finblern begegnen. 

3 alias am 12., SHabiSlafc am 22. Kuguft. Krä)id für öfter. ®ef$. III, 
466 ff., too.baS gefammte einfd)Iägige Material gebrudft tfl gftt be« 
ÄaiferS ßimoirfung äuget ber @r»&$nung in SWagtmittanS $ottma$t nod) 
Unrefl 760. 



113 



berfagte. ®e$ ÄaiferS §rieben$fe$nfu$t toirb bic 6ntf$eibung 
herbeigeführt baben. Sin 2fo$hmft3mittel, tt>el$e8 ftatt eine« 
augenbKdfli<$en ©rfolge* eine Slntoeifung auf bie 3ufunft ge* 
totyrte, entft>ra$ fo fefcr feiner bebä<$tig jutoartenben SebenS* 
anf$auung, \joitt fo oft in feinem langen Seben t^n an uner* 
rrid^bat föeinenbe ftxele 9 c ftty rt > ba§ man genrifc nid^t irrt 
mit ber Sermufyung, ber ©runbgebanle beä ^rieben*, Aber 
melden bie Äbgeorbneten am 7. SRobember 1491 ju Sßrefeburg 
einig ttmrben, fei ein Äinb feine* ©eifteä. SDlayimilian &at fi$ 
too^l fügen muffen unb fi$ bamit bieOeid^t um fo e$er jus 
trieben gegeben , al* bie bebungene ßrieg$lofienentf$äbigung 
tym bie fetyfcnben SRittri ju Haftungen ttriber §ranlrei$ getoäbren 
fottte. ©afc e* tym barauf anlam, betoeifi, bafe er f<$on im 
Ipril beS näd&ften 3^re8 über foI<$e ßa^Iungen mit Ungarn 
in eifriger Unter^anblung ftanb. i 

2)er triebe ju $refcburg üom 7. 9tobember, ben SBtabiS* 
lato nnb 3Raj im ©ecember ratiftcirten, bejlimmte, bafe SBlabiS* 
lato unb feine e$eli<$en SRanneSerben bie ungarif$e ßrone 
traben unb behalten follen. %aU$ e$ an männlichen Ghrben ge* 
brft$e ober biefelben fierben foEten o^ne ßinterlaffung erb* 
berechtigter SRad&fommen, foQ Ungarn auf ßöuig 2Rayimilian, 
ober, fall* er ni$t me$r eyifHre, auf einen feiner ©ö&ne ober 
auf einen ju toä&Ienben birecten männlidben 9laä)tommen ber* 
felben übergeben. 38iabi$lato übernahm bie $erpftt$tung, in 
einem eigenä ju berufenben 9lei<$$tag in ©egentoart ber ©e* 
fanbten 2RajtmiIian« bie eibfictye Stimmung ber Saubftänbe 
unb *>ou ben ©injelnen no<$ befonbere verbriefte Urfunbeu ju 
ertoirlen. 



1 €rft im SRärj 1492 toarb b»r$ ftönbifa)e SufHmmung ber ©ertrag 
^erfcd, ber SBkbielato nad) tlrtifel 28 verpflichtete bon ber bebungcnen 
Summe 30,000 fl. im erften #albja$r na$ bent flbfötufc ju jaulen. 9m 
2. fyril 1492 berietet HtagimilicmS ®eneraiföafcmeifter Simon bon UngerS- 
ta$, ber Äönig bon Ungarn Ibnne fein SBolf Riefen, fei aber bereit, ba 
ft»4 baareS (Selb treuer fei, mit Däjfen ju jaulen. 3nnSbr. *r$ib. 
Ulmanit, »aifer TOajlmttioii. 1. 8 



in 



SDen Xitel eines ÄönigS t>ou Ungarn toerben beibe Con* 
trafcenten führen. 6tne beiberfeitige Slmnefiie unb SRüdfgabe 
uo$ behaupteter (Eroberungen ftnbet ftatt. SBlabiSla» t>er« 
giertet für fi$ uub feine @rben auf alle ettoaigeu änfprüc&e 
auf Defterret$, erflärt bie 6$ulbbriefe beS ÄaiferS an 2Ratt&ia* 
für unüerbmblid& uub öerpflic&tet ft$ jum (Srfafc ber ÄriegS* 
lojten binnen jtoeier Safcre ^unberttaufenb uugarifd&e ®olb* 
gulben ju entrichten, ©egenfeilige £ülfe gegen SBiberfirebeitbe 
toarb, unter befttmtnten ©laufein, &erfpro$en, überhaupt ber 
triebe im Sinne eines greunbfd&afts* unb UnterjtfifcungS* 
»ertrag« gefaxt. 

3$ ^abe au biefer ©teile felbftüerftänblidj nur baS atter* 
tm<$tigfte aus bem reiben Snljalt beS ftriebenS unb ber pa= 
rallel Iaufenben Slbmad&ungen ^ertoorgefcoben. 50er Slngelpuitft 
beS ©anjen ift bie ©rbfolgeclaufel. 3 U beten Seftätigung Barett 
rei$8tägli$e 3uftimmung unb befonbere ©onfenfualurlunbeit 
üorgeftyrieben. £eut ;u Sage tann fein SSerfiänbiger me^r 
jroeifeln, baft bie ungarif<$e Sluffaffung, toona$ biefen 83e* 
bingungen toegen 2Biberfpru<$S ber beteiligten ni$t fcabe ge* 
lebt werben fönneu, ber ©rbanfpru$ fomit re$tli$ hinfällig 
fei/ irrig ift. (SS ifi jur ©enüge bargetyan, bafe ber ad hoc 
berufene 9tei$£tag als ©anjeS ni$t minber als bie baju be= 
fignirten ©rofcen urfunbücty tyre ßufttmmung in Ianbre^tltc^ 
binbenber gorm ausgeflogen fcaben. * 

60 teerte benn enbli$ 3tu^e unb griebe juriidf in Defter* 
rei$. Äaifer f$riebri$ erlebte eS no<$, bafe bie SRefte ber um 



l GS ift befanntlia) baS »erbienfi gtrnfcaberS, tiefen urlunbUä)en »e- 
toetS ^ergefteflt 31t $aben. Kr$it> III. JBon ungarifäjen Qefä)iä)tf Treibern 
räumt Sjalaij in ber ber Ueberfefcung 2Bflgerer8 31t ©nmbe iiegenben gtoeiten 
Auflage feines SßerleS ba8 int Qroften auä) ein, fucr)t aber ber unbequemen 
£$aifaft)e baburg bie &p\%t atynlnttyn, bafc er bie befonbere QufHmmung beft 
f leinen, be§ fog. <&omitai*abel§ bermifjt (®efö. Ungarns III, 2, 6. 47). 
Sttr toen galt benn aber bie lanbtägltge Suftimmung menn ntd^t eben für bie 
©tanbeSgenoffen ber prooeres et nobiles, bie $ier als fttyr&fentanien unter 
ben Suftimmenben genannt »erben. 



115 



gari)d?en Staaten abjogen unb überall #ab*burg triebet in feine 
Siebte trat. 3a, er tonnte f$abenfro$ mit anfe&en, toie bur<$ 
3$erni<$tung ber geforsteten fc&toarjen ©arbe be£ 2Ratt$ia8 in 
Ungarn ba$ Äönigtyum ganj in bie #änbe $errf$fii$tiger 
SRagnaten gefteüt unb bie Äraft beS Steigs naty äugen in 
freiwilliger Selbftoerftümmetung gebro<$en tourbe. 3>n Defier* 
rei$ felbji tonnten fi$ erfl na<$ unb na<$ feflere SBertyältniffe 
bilben, ba, toie tt)ir gefe&en, ein groger £$eil be3 juriitfc 
eroberten SaubeS too&I SRay imilian, aber nu$t bem unbeliebten 
Äaifer ge&ulbigt fcatte. SMe folgen toaren junäc^ft aQerbanb 
ftörenbe Reibungen jmif$en SSater unb ©oljn. Sefeterer fpärte 
bie fcom SSater iffvx in ben SBeg geworfenen ^inberniffe auf* 
f$mer}li$fle in ber folgenben Seit. 

SJtan ntujs gefielen, bafe SKayimilian in faft allen feinen 
Politiken @ntf$liiffen jener 3a^re eine unglüdli^e #anb be* 
lodert fcat 3m gri^jafyr 1490 $atte feine na<$ SBeften unb 
auf SSermä^Iung mit ber $er}ogin ton ^Bretagne gerichtete 
abjify bur$ ben plöfeli<$en Job be$ Äönig« SRattyiaS eine 
unertofinfd^te Umbre^ung naty Dften erlitten. 3 c 6t unter 
Serji^t auf ben jeitigen @rtoerb ber ungarif^en Ärone, ber 
mit ben i$n im 3nnerfien treibenben 3been näheren Stammen* 
&ang $atte, aU man oft glaubt, meinte er bur$ ben ^rieben** 
f<$lu& Dom 7. SRoüember 1491 freie #anb für StuSfityrung ber 
läugft begonnenen Erwerbung ber Bretagne )u erhalten. Z)a 
fc&leuberte ein @reignife feltener Sttrt, tt>el#e$ ft$ (aum eine 
3Boc£e fpäter jutrug, x&n au* allen feinen Fimmeln. 

Um baäfelbe ju öerfle^en, muffen tirir und in bie 3eit jurficf* 
terfefcen, ba SRaj jene SBoOma$t jur SSermä^lung mit ber @rb* 
to$ter toon Bretagne ju 3«tt*brud am 16. 3JMrj 1490 unter* 
jeufytete. ©arnals toar ber franffurter grtebe, fotoeit er bie 33re* 
tagne betraf, no<$ ni<$t jur SuSfityrung gelangt eine franj6ftf$e 
®efanbtf$aft foDte in ©eutf^Ianb bie ©$toierigleiten befeitigen, 
toel^e fi^ ber Sßaciftcation entgegenflcüten. 3*i Ulm fanb fie 
ft<^ int 3Rai 1490 mit SRajimtlian jufammen, ber, gerabe ton 



116 



3nn8brud fommenb, ätorbereitungen für ben ungarifd&en gelb* 
jug traf. 3Ran (am getoiffermaj&en ju einer autyetttif$en 
Interpretation ber franlfurter Slrttfel, tt>ona$ 1 bie £erjogin 
SInna nunmehr t>ox Auslieferung ber franjöftf^en Eroberungen 
bie engüfctyen Gruppen aus betn Sanbe ju entfernen fcatte. 
S)er Termin beS enbli^en <5<$ieb$|pru$$ toarb erftredtt bi3 
jum 20. SRai 1491. SDtefe öefiimmimgen auszuführen lag 
ni$t in SlnnaS 3Ra<$t. ©ie mar offenbar abhängig babei Dom 
(Sntgegenlommen beä ÄönigS ton @nglanb. liefen mit %xanU 
xexä) auSjufö&nen na&m bamal* bie päpftli^e *ßolitif einen 
energif cfyen änlauf. ©alt e£ bo<£, granfreüfc bur# griebett 
mit bem 3nfelretd> freie Jpanb ju f Raffen, bie $olitif Quito* 
cenj' VIII. gegen Neapel ju unterftiifcen. Sine papfüidje @e* 
fanbtfd^aft erf<jjjten fdjon im gebruar 1490 ju folgern 39e$uf 
in granErei<$ nnb fear ben ©ommer über eifrigft bcftiffcn, über 
ba$ @$icffal ber Bretagne ein 6intoerne&men )toif<$en betten 
3Rä<$ten tyerjufteHen. 2 SDerfelben arbeitete in bie #änbe eine 
SRiffion, welche ber Äaifer unb fein ©ofcn gemeinfam im 
©ommer 1490 an ben franjöfiföen Jpof fanbten, befte^enb au$ 
bem öfterrei$if$en Äanjler ©erger, SBoIfgang toon Sßotyeim, 
ber erft je|t über ben franjöfiföen #of feine geheime Steife 
jur #erjogin von ^Bretagne antrat , nnb enblicty bem Ober; 



1 83ergl. oben 73. $ie bisher ganj unbeachtete ulmer Hbmad&ung. er* 
mahnen bie bcutfä>engliHe Gonbention öom 12. September 1490 (%vl 
Etont III, 2, 256), ber 93 rief $einri$g oon Gnglanb an bie NeidjSftänbe 
(Ofteber-etruDe III, 43; 3Rolinct IV, 95 u. a. m.). $)en Snljait recapitulirt 
ber SBtief beS J)ä>ftlic$en SßrotonotarS glorej tiom 12. flugujl 1490 (Äatobon 
»rottm I, 9lt. 590 ©. 197, bergi. 9lr. 580) unb jum 3$eü bie don »fttyen 
Maximilians öerfafcte ^enlfd^rift bei Le Glay, Negociations I, 2. 5. 13, 
f. ffraufcolb II, 119, ber bie Hmoejenbeit SßeraubS bewetft. 

2 ftambon »rottm I, «Rr. 560 8. 185 giebt im fteaeft eine« abreiben» 
be* j>fij>fUia>n ^frotonotarS oom 12. gebruar 1490 ben Hngctyunft ber pfyft* 
liefen Sßolitit mit ben SBorten »ieber : „The disposition of the French court to 
raake war for the Pope 's interests on Ferdinand of Arragon King of Naplea, 
is impeded by the Breton war.** £ie ©eric^te be§ Slorej biß jum ©ep« 
tetnber (ebenbaj.) Hegen ber folgenben Sarfieflung bauptfä^Iia) mit au ®runbe. 



117 



flalftneifler ©rg^erjog $ß$iliw>8, $ß$iliM> be SSere, genannt La 
mouche. Sud Siebe jur Sa$e, al* S^teärmer für ben all* 
gemeinen ^rieben ber 9Rä$te, tt>el<$e geeint bie SCütfen an« 
greifen foflten, f$Io& fi$ tynen ber als päpftli$er äblafjcommiffär 
im SRet$ toeilenbe SRaimonb Sßeraub, ein geborener fjranjofe, 
an, ein ntefyr als billig t>on feiner 3Bi$tigfeit überzeugter 
Äopf. l <S3 iffc fein gtoeifel: ber griebe toäre ba getoefen, 
toenn ^ranfrei^ benfelben ernfili<$ getoollt $ätte. aber Äßnig 
flarl VIII. ftoOte ni$t umfonfi gerüfiet $aben. Seine unauf- 
richtigen 2Binfeljfige matten ade griebenSKebe ber Vermittler 
ju Stauben, toomit ni$t gefagt fein fotl, bafe (Snglanb unb 
ber römiföe Äönig, tt>el$e feit bem 3Jtoi fi$ toieber genähert 
Ratten, 2 für i^re Haltung nur Sob berbienten. aber e$ ifl 
leine grage, bafc granfireicfc toieber^olt bie erji geforberten S« 5 
geftanbniffe na<$träglü$ für ni$t genägenb eitlärte unb toeitere 
9ta$giebigfeit beanfpru^te. 

So toar im Sommer 1490 ba8 @ef$id ber Bretagne in 

i ©entförift bei £e ©lab I, 5; Woltnet 95. SBcrid&t beS päpjilid&en 
$roionotarS Slorej öom 5. 3uü (SRatobon Proton Dir. 574), ttumaa) bie 
(Manbten am 27. Sunt in XourS anlangten. Slorej, ben übrigens JJerbi« 
nanb ber £at$oIifäV für einen unbcrföljnlidjen Sfeinb Spaniens erllärt 
(Sergenrotfc I, 92t. 45 S. 31), urteilt tüte im Xegt über beraub. 2Bolf* 
gang Hon $otyeim wirb uns suerft am 21. September als »ertoeilenb an 
SnnaS §of jeitenS beS gerabe antoefenben englifdjen GourierS SRad&abo ge- 
nannt. S. befielt Journal 6. 219 in Historia Henrici VII . . . necnon 
ajia quaedam ad eundem spectantia ed. Gairdner (Rer. Britann. medii 
aeyi Bcriptor.). 

* ©<$on in Ulm, toä&renb er noä) mit ben franaöfijd&en SJotföaftern 
öerfymbelte, $atte am 22. Etat 3Rag Sollma^i jum ftbfd&lufc eines 5Bünb- 
nifleS mit Gnglanb ausgefeilt. Da Mont, Corps dipl. III, 254. Wilrae ift 
in bem Xegt natürliä) Ulm, fco fi$ SRar. naä}»eiSli{$ Dom 5. bis 22. SDtai auf- 
IneU Huf toeW&c 2Beife grantreia) ben griebcn niä)t $ai gu Stanbe fommen 
laffen, madjte nad>trögltäj fceinria) mm (Snglanb bem Zapfte Har. 8t Proton 
*r. 613. ttu$ ber $ifä)of bon @url mar am 27. Huguft vom 3uftanbe- 
fommen be« griebenS binnen toenig Sagen feft burgbrungen. <£r $ält 
fciglanb unb Spanien für bie QfriebenSfförer. %n fllbrecfct toon ©aiern 
27. Kugufl auS 6$abmont (münd). 9?ei^S-«r^tt)) ; oergl. €$neiber, $eraubi 
21 unb 121, ber inbeffen $ier voreilige 6a)lüffe macfjt 



118 



nä^fler $e\t no<§ ebcitfo ungetoife tt>ie ba« jufünftige ßoo« 
ber ^crjogin Stuna felbft. SSon bcn bereit« genannten 93e* 
toerbern um i&re §anb tyatte no<$ leiner gortfd&ritte gemalt. 
ÜÄitten in bie eben ertoä&nten grteben«berfu$e hinein fällt 
eine neue Sanbibatur, wdfye üon SKnna felbft gebilligt fear, 
bie be« Srbprinjen $)on 3uan fcon Spanien. * ©amal« unter* 
Rubelte SRayimilian bereit« um bie rei<$e ßrbin, obtoo^l man 
üon Spanien a\i& bie SRetnung ju Derbreiten fu$te, ni<$t für 
fi<$ felbfi, fonbern für ben Jperjog toon (Selbem begehre er 
i&re #anb. SWfcere« ifi unbelannt; tt)a« toir erfahren, genügt, 
um ju üerfle^en, ba& bie ©efanbten aJtajimilian« auf f$tme* 
rigem Xerrain i&re Aufgabe ju berrid&ten Ratten. Srfl nad> 
obiger ©pifobe, mit ber über £our« na<$ Bretagne reifenben 
päpjHid^taiferlid&en grieben«botfdf)aft gelangte al« aWafimilian« 
$etooQmä$tigter ber jlattli<$e unb getoanbte SBolfgang toon 
^otyetrn an ben #of ber giirfttn. 2Bie er ba Stellung ge* 
Kann, tt>el<$e Äarten er gegen bie Sttoalen feine« $erru au«* 
gefpielt, ift unbefannt. Sein Begleiter $(iliw> be SSere unb 
ein fonjt unbefannter Äämmerer ber ^erjogiu muffen bei 
biefer Sntrigue eine ni<$t untoi<$tige SftoHe gehabt fyaben. ©ie 
jum Z^exl erhaltenen urfunbli$en SSelege für bie reiben 
Sutüenbungen, meldte &on beiben Seiten benfelben juftelen, 
geben glüdfUd^erroeife au<$ einen <$ronologif<$en 9fa$alt«punft. 2 
©ernnacJ) mufe Slnna noä) im S)ecember 1490 bem anbringen 
^ol^eirn« nachgegeben £aben, ber, toie man tootyl annehmen 
barf, ni<$t« unterlaffen Reiben toirb, um bie ^erfönltcijfeit unb 
«Dtad&t feine« ©ebieter« in« $ett|te Sid^t ju feien, aud& mel« 
leidet (neben ber 9tücfjt<$t auf ben SBunfcJ) be« verdorbenen 

i gerbinanb unb 3fabefla an i$ren ©efanbten in Gnßlanb am 
4. 3uli 1490 (SBergenroty 9tr. 46). S)af$ ber Äönig bon foiglanb fäon 
Dörfer btefem $Iane jugeftimmi, geigt 9fr. 41 6. 27. 

* Lobineau, Hist de Bretagne IT, 1525. $otyeim§ 6$cnhmg für 
ben ftämmerer in SKajimilianS ftamen ift bom 28. 5) ec cm ber 1490. ttnna 
toirb in biefem ftctcnftüä bereits als la Reyne notre souYeraine dame 
bejei^net. ©. fiobineau I, 808. 



119 



$ater$) bie §ur$t tor ber bcm Stnfäein na$ üon gran!ret<$ ge* 
föTbertcn 33ermä$Iung mit bcm für eine 3Rfib<$en})$antafte 
toenig toerfoefenben b'SMbret gefd&tdt benufct $aben mag. 1 $>ie 
junge £erjogin, tt>el$e, e&e fie no# rec^t bic Ämberfd&ube 
ausgetreten, tyrem $erjeu nid&t minber als tyrer Älug^eit eine 
fo flberait» f<$toere Stuf gäbe gefleHt fanb, fonnte ntdbt ju ben 
Schönheiten geregnet toerben. ©in SRaturfefcler jtoang fie fo* 
gar, jur SJerbefferung tyre« 2Bu<$fe3 jlarfe #oIjfo$len ju tragen. 
2>abei mar fte bo$ ein toenig eitel auf tyr $übf$e3 2tntlifc 
unb eigenfinnig, aber au<$ f<$lau toie ein belogene« Äinb. 
Seinen unb 2a<$en ftanben tyr glei<$mä§ig ju ©ebote, um 
tyren SBillen bur<$ jufefcen. 2 ©iefeS fcermifynte Damnen $atte 
ft$ nun in tyren $übf$en Äopf gefe|t, eine Äönigin unb ftäter 
Äaiferin ju toerben. 33a«, 3 toenn i<$ ni$t irre, $at tyr bie 
(Sntfd&eibung für 9RayimiIian, ben fte ni<$t fannte, bictirt; 
t>ietleid^t glaubte fie au<$ babur<$ bie erfd&ütterte ©elbjlänbig* 
feit tyrer Stellung granfrei<$ gegenüber am befien behaupten 
ju fönnen. 

SWayimilian feinerfeitS, toeld&er feine ßrtoÄ&Ite ebenfotoenig 
fannte, war, ba ^btn erfi feine ©efanbten SWonate lang mit 
bem franjöitf<$en £ofe toer^anbelt Ratten, ber einfd&Iägigen 33er* 

i 9m 13. $ecem&er 1490 war bereits b'ftftrei mit ber Regierung 
ÄarlS fcanbcUeinig. ^erriet I, 203. S)amal3 tottb aljo f$on ber §ieg 
ber öon ^oltjeun vertretenen 6a(^e, roela)e bie föieberlage ber Jelbftfü<$tigcn 
»forföe b'«lbret8 bebeutete, entföieben gewefen fein. Wxt »ütfftd&t auf biefeS 
unb baS in bort g er Hnmerfung angeführte Saturn neunte ia) an, bag 3RoImet 
nia)t genau genug bie 3Sermft$lung Anfang (um ben 5)reifönig8tag) 1491 
legt (IV, 141). 3ebo$ ift ber Unterfd&ieb ni*t bebeutenb. 

* Jlaä) ber 6$itberong beS SenetianerS Gontarint, ber fie 1492 gu 
beoba^ten Gelegenheit %aite (Alben, Relazioni IV, 16). Sag fie bueflig 
getoefen, mufc bei bem @a)tt>eigen beS föonungSlofcn SenetianerS ber 93 e- 
fymjrtung beS fpäteren HnSl)eIm (II, 79) gegenüber geleugnet tuerben. 

3 6. tyre naofterige GrHärung an tfarl VIII. bei SRolinet IV, 174. 
& toiberforid&t bem nia)t, wenn GommineS in einem SJrief an Sorenj bon 
SRebieiS 21. fltoril 1491 (Kervyn de Lettenhove: Lettres et negociations 
de Commines II, 79) fte all afeesionnee & se (sie!) roy des Romains 
fejeifytet 



120 



fyältniffe funbig. @r fonntc ni$t jtoeifeln, bafe er bie ge* 
monnene §anb SlnnaS mit {tarier $artb mürbe feftyalten 
muffen. 2Benn er benno<$ bie Setoerbung aufregt erhalten 
liefe, obtoo^l bamalS in Ungarn in einen SlngriffSfrieg ter* 
firidt, mufete ber ©ntfc^Iup in i^m leben, feine Oxrotylte unb 
tyr £anb, roeld^e^ ja aSein i$n lodfen formte, gegen alle SBelt 
mit bem ©d&toerte ju üert&eibigen. Surfte er barauf rennen, 
jur Erfüllung folget e&renpflid&t im ©tanbe ju fein? JBiet 
leidet ermutigte tyn ber Umfianb baju, feinen SKbgefanbten 
bie äBeifung 311m ©ebraudj tyrer SSoQma^ten jufommen ju 
laffen , bafe eben na<$ langen S3eft>re<$ungen am 11. 6ep* 
tember 1490 ein eugeä SSiiubnife gtrif^en tym unb #einri<£ 
üon ©nglanb ju ©tanbe {am. 1 (Sin Angriff granftei$8 ni$t 
nur auf einen ber beiben Sontra^enten, fonbern ebenfo auf 
SBurgunb ober ^Bretagne verpflichtete ben anbeten jur fo* 
fortigen $ülf3leiftung. 3a, eine Sufafccon&ention bom folgenben 
Sage fegte fefi, bafe in brei Sauren beibe Könige in eigener 
$erfon mit ganger 9Ra$t gegen granfreicty ju gelbe gießen 
follten. 

©0 toarb benn ein ©Übertrag jtorif<$en äfona unb SRaj 
gefd&lojfen. Unb um bei ber, bur$ gernfein beä 33räutigam$ 
gefd&affenen, @<$ttrierigfeit balbigen S3ottjug$ ber 6$e bem Ser* 
fpru$ mögliche geierli$feit unb ©etoffl&r §u toerletyen, fd&ritt 
man ju bem barodfen SSfcte, ben bie Qnflruction 3Rayimilian$ 
für biefen %a&, toie nid&t feiten unter gelrönten ßfiuptem, tor* 
gefe&en $atte, Sßol&eim, als feines <£>etm Sßrocurator, beflieg 
in ©egentt)art be« £ofe« gerflftet baS feftli<$ gefd&müdfte £o<$* 

1 Hufcer allgemeinen ©rtoägungen fort<$t für biefe Hnnalmte, bafc 
erji jefct ber mit bem Hbfd&Iufc bei englifa)en 93ttnbnifie§ mitbetraute SacqueS 
be ©onbebault, 3Rar,imilian§ ©eeretär für ßrieg unb befonbere Aufträge, 
nad&.ber ^Bretagne tarn (Sobineau II, 1525), obtooljl er ju ben trier mit 
ber SBermä^IungSangelcgen^eit beauftragten (Sefanbten gehörte. (Sr unb $oI« 
$etm Ijaben bann too$I, in Hbtt>efen$eit ber beiben anbern, bie Angelegenheit 
au ©tanbe gebraut. $er an erfier ©teile SBetooflmädjtigte ©raf Engelbert 
Don ftafiau »ar bamals gerabe bor 53rügge bef^äftigt, Wollnet ©. 137. 



121 



jeitälager ber ^erjogin, um fembolif<$ bie re<$tli$ erforberli^e 
Sonfiunmatton ber ©&e anjubeuten. 1 2lnna bou Bretagne 
nafym fortan f eiber ben £itel Äönigtn ber Körner an. 2 ©ie 
betrachtete |i<$ afö SRayimilianä grau, unb fte mar e£ bei bem 
beiberfeitig befle^enben SonfenS unb in traft ber tooffjogenen 
feierlichen ^anblung fonber ftvottfd, toenn au<$ uad^er 
jurifhf^e ©pifcftnbigfeit an ben 83oHma<$ien beS Sßrocurator* 
maf ein wollte. 3 9Ro$te bie canoniföe SSerbinblid^feit beS SIcted 
beffritten »erben tonnen, ba berfelbe ja ben toirfli$en ©^efd^Iufe 
felbjh>erftanbli$ ni<$t überftäffig mad^te; immerhin t^at 3nna 
jefet t>or (Sott unb äBelt ben @ntf$lufs funbgegeben, als äBayis 
milianS ©ema^lin ju leben unb ju jierben. 63 toar unmßg* 
lü£, fi<$ moraltf^ fefter }u binben, als e3 $ier gef$e$en mar. 
5Der Vorgang berfe&lte ni<$t, allgemeine Ueberraf^ung ^ertor* 
jurufen. SBenn behauptet toirb, 4 bafc ber Äönig Don (Snglanb 

i ÄoeIt)oflj*e Gfcronit 882; Clibier be Ia 9Rar$e ($etitot X, 476, 
öergL 432 espousä solemnellement et par procureur fonde . . . W. de 
Polem.); 2ena, @<$»abenfrieg 12; SRolinet IV, 142, Dotier 141 ber traictie 
de manage als abgef a^lojfen bejei^nd. &en Hct ber Sßrocuration bejd&rcibt bon 
Seiigenoffen auSfütjrlia} in einem tyftorifäen StoltSlieb #an8 Ortenftctn (ßilten- 
cron II, ©. 297). $3 erbeut barauS fo öiel, bafc ber ttct auf bem töeid&Siag 
in Humberg 1491 fo erjagt toorb. Site fcrt beS 93ene$menS ffarlS VIII. 
$ frier fretlio) Won fagenfraft entfteHt. $o$ finbet ft$ biefelbe entfiettte 
SnjaVmung über ben ©rautraub f$on früher im gebruar b. 3. in 20 im ge- 
ling! SBrief an ©aguin. $ie (Sraäljlung toar eben allgemein geglaubt. 

* 9la$ ber auf bem ©abreiben eines fömglidjen SecretärS beruljenben 
tngabe beS »ifäofS üon efriemjec bom 29. 3anuar 1491 (Beiträge }ux 
Ambe fteiermärtif($er ®ejc$ic$tSquelIen, 17. 3afrrgang S. 74). 

3 91. ©aguin in feinem 93 rief an SBimpljeling oermijjte bie Special« 
*ofimad)t für $otyeim, als Vertreter beS ffönigS in procuratorio au agiren. 
3to ber £f)at toar ber Auftrag jur SBermfifrlung per procuram ebenjo ben 
$eboflmä($tigten inSgefammt ertfreilt, »ie ber toorangefrenbe Xljeil iljrer ?3Cuf* 
gäbe. 8. ben «rief unb SöimpfrelingS ftnttoort bei 3Hufler, 9teidj>8tag8« 
Realer unter 2Haj I, 138 ff. 

* SBacon, Hist. Henrici VII (in Opera omnia ed. Arnoldi Lips. 1694, 
6p. 1042) behauptet eS. 3n ber 5tr)at toar ja bie $eraogin gur borljerigen 
Cmfrolung ber Einwilligung SnglanbS unb Spaniens berpjü$tet (f. S. 66). 
*ber ber Beriet beS |panifa)en ©efanbten in Gnglanb (SBergenroty I, Hr. 57) 
Iftt eS »entgftenS jn?eifelr)nft erjajetnen, ob biefelbe »erlangt morben ift. 



122 



um bie 2lbfi<$t getoufet, ja felbft jur Gite getrieben fyabe, fo 
flehen bem fernere ©ebenlen entgegen, ©afe in granfrei<$ 
Empörung bte Dber^anb gewann, ifl begreiflich (Sine Slenbe* 
rung in ber Stellung ber fat$olif<$en Äönige unb be& bon 
Snglanb jur ^Bretagne trat inbeffen ni<$t ein. 5Ra<$ tüic &or 
nahmen neben ben t>on 3Ray gefanbten beutfetyen £ruppen 
(Snglänber unb ©panier an ber SSert^eibigung be3 Sauber 
2#eil. 3)ie #erjogin*ßönigin, balb auf bie ©tabt StenneS be- 
fd&ränft, 1 ^arrte mit 2tngfi unb ©<$merj, je me$r um fie 
fyerum SlbfaH unb SBerratfy junafrn, auf bie Stnfunft be3 
©at ten. 

3Wan $at SRapimilian ni<$t mit Unrecht einem f<$le$ten 
Sogen f^ü|en bergli<$en, ber ju läffig tft, ben $feil big jur 
©pifce anjujie^en. 2 ®3 toirb fi$ freilidjj jeigen, bäfj er mit 
aufjerorbentli<$en ©<$ttrierigfeiten ju fämpfen $atte. Slber 
burfte er fäumeu (fo urteilen f<$on geitgenoffen 3 ), aüeS t>en 
ftd& abjufdfjütteln, um, toa« lein toilbeS %3)iex unterlajfen $ätte, 
fein eigene« Säger ju fd&üfcen? S)urfte er baS junge tapfere 
#erj, baS bort am fernen SBeltmeer i^m entgegenfdfolug, allein 
ben SIngriffeu überlegener geinbe preisgeben? greili<$ liege 
ft<$ entfd^ulbigenb fageu, toeber er no<$ irgenb jemanb fonnte 
offnen, toie entfe$li<$ er au$ feinen träumen geriffen toerben 
tofirbe. 38ar ni<$t Sttnna feine grau, lannte er nid^t i^ren 
feften ©inn? 6r herliefe {i$ barauf, baj& fie nimmer bie 
©tufen be$ ÄönigStyrone* b^^bfteigen toürbe. 3Bo aber toar 
ber Äönig, ber in ber Sage getoefen toäre, i$m bie S3raut 
ftreitig ju mad^en? ©ein gefährlicher ©egner, Äarl VIIL, 
mar ja fein ©d^toiegerfo^n. SKaj ^ätte bemna<$, modjte er 
politifety fehlen bur<$ fein gernbleiben, aU ©atte jtoar un* 
galant unb unritterli<$, aber bo<$ nid^t gerabeju leid&tfertig 

i @4on im 3um 1491 toäre fie nadj fTQnaöftfd&er Angabe auf jtoei 
8d&löffer attgetoiefen getoefen. (Sibgenöff. Wbfö. III, 1, ©. 387. 

2 ßorb SBacon a. a. O. 

3 §an* t>on §erman§grün (Öorföungett 20, 91). 



123 



ge^anbelt. 3$ glaube tmc§ in feinem 6l)ara!ter ni<$t ju 
tfiufd&en, wenn i<$ ba$, nur ju leidet bei tym fid& einfieHenbe, 
felbftjufriebene 39etoufjtfein gefiederten 33efi|e3 au<$ $ier in 2Tn* 
f<$Iag bringe. Seiner ©ema^lin ftanb ja immer ber ©eetoeg 
gur Rettung offen. 33er ettoaige SJerluft be3 2anbe$ liefe fi<^ 
toett machen, toenn ber mit ©nglanb berabrebete £auptlrieg 
gegen ?$ranfreid& na<$ brei Sauren feinen Anfang na^m. 1 

63 fragt ft<$ nur, ob jene in ber erfien 3*ü na<$ ber $rocu* 
ration unjtoeifetyaft emfcfunbene @i$er$eit bauernb i$n be* 
ruhigen formte. 3Bar ba«, toaS man unrichtig als ben fran* 
jöftf<$en Srautraub ju bejeid^nen fid& getoöbnt tyat, nur eine 
jener Smprotnfationen, eine ganj plöfcli<$e 6tttf<$liefeung, über 
toelc^e bie $anbelnben bieHei<$t faum loeniger erflaunt Rnb 
afe bie betroffenen? Srnfie t$orf<$ung toirb ba8 ebenfo ber- 
neinen muffen, tote fie ben 2Ba$n toirb jerflören muffen, bafc 
bis jur Äataflrop^e ber beutfdje Äöntg otyne Stynung ton 
ber bi£lomatif$en SRaulrourfSarbeit ber granjofen getoefen fei. 
$ur$au8 fcorbeba<$t, ein 2Ber! bon einem ©u§, ijl bie fran* 
jßjifd&e $oliti! be$ QabreS 1491. Sßeniger erfd&redft ate an* 
gefeuert bur$ bie na^egerfidfte ©efatyr, bie faft reife grud&t 
langjähriger ©emityung bur$ bie @$ef daließ ung SBfonaS mit 
Stay plöftlid^ für alle Reiten ju verlieren, fanb, toie fo oft, 
§ranfrei$ gerabe in ber €<$toierigfett ber 2age Äraft ju $eil= 
bollern Um)$toung. 2tn bie ©teile be3 GliquenfampfeS trat 
bie SSerföbnung ber tonangebenben Käufer ©eaujeu unb Dr* 
lean* jum ©eflen be* ÄönigS unb feine« 9tet<$8. SKit aller 
Suergie toarb ber bur<$ bie SSerbanblungen ber legten Sa^re 
gehemmte Anlauf jur getoaltfamen Untertoerfung ber Bretagne 
fortgefe|t. SBeleibigt burdfc bie in ber Sefcorjugung 2Wa?U 
milian* bur<$ Anna t&m geworbene SJurfltffefeung f$lo& $ean 
b , 3ttbret ft$ an bie frangöfifd&e Äronfc an. ©a* üon feinen 



i *m 23. 2Rat 1491 ergebt im tarnen WasimtlionS unb WnnaS ein 
$ülf§gefua) an dnglanb. ßia)nott>8fy VIII, 92 T . 1558. 



124 



Seutcn befefcte triftige SRanteS foielte er berfelben im gebruar 
1491 in bte ßänbe. * SMefer Uebertritt jog anbete na$ jt$, 
fo bafe, als feit öctober 1491 bie ßerjogin in SRenneä, ate 
lefetem guflud&tSorte, fi<$ eingetroffen fafc, jte fajt bur$au8 
&on bereit* gewonnenen Sßerfonen toie be SHeuj, Sßrut} bon 
Oranien u. f. tt>. umgeben toar, aber ni$t nur bie materielle 
SBafiS tyrer ©yijtenj mar untergraben : bereits, man tarnt baran 
ni$t jtoeifcln, fear bie jtttltd&e ©runblage i&rer ©tettung, t&re 
6&e, angefochten. 3m befien SSerneljmeu mit bem Sßapfi fcat 
Äarl fd&on im toorauS ber Sujiimmung ber römifd&en ©urie 
ju ben nötigen ©ispenfen behufs Sluflöfung fetner SBerbinbung 
mit Sftargaretye üon Surgunb unb feiner SBermfityfong mit ber 
(Srbht fcou Bretagne jt$ &erft$ert. 9ti$t$ lann verlogener 
fein als bie Haltung be* bem ©rabe na&en $apjte* 3nnoce«j 
in biefer tyeiHen grage. gajl bte ju feinem £obe, nadj/bem 
längft ber S)i8pen3 erteilt toar, fcat er biefe 2#aifa<$e uttter 
forttvä&renben §rieben& unb greunbf$aft$toerfü$erungeu gegen 
baä §aa$ ^abdburg ledf abgeleugnet. 3Ray fcatte fd&on im 
Sommer 1491 SSerbad&t gefd&öpft, bafe Äarl VIII. bie pfipft* 
li$e S9ett)iUigung na<$gefu$t ^ätte, um unter bem ©djetn einer 
griebenSber^anblung bie ©ema^Kn be* römifd^en Äöntg* ju 
feiner ©ema&ün ju matten. S)er Sßapfi leugnete mit 2hu 
rufung ©otte« unb feine* ©enriffen* alles. 2)em faiferttd&en 
@ef anbten, SKarlgraf en 3af ob & w SBaben, 2 fpäteren ®r jbif dbof 

i 8fronj5it|dS)c SBefafcung eingelajfen am 19. Sfebntar (Sobineau I, 818); 
ber tfönig feierte Oftem bafelbft (SRolinet 144). 6e(r Iiä}tr.ou* banbelt über 
bie franjöfifajc $oIiiif : Lancelot, Memoire sur le moriage de Charles VIII 
avec Anne de Bretagne (M6moires de Litteralure. . . de l'academie des 
inscriptions et bellee lettres) flmfierbam 1743, 20. 93b. (lfcmo) $. 500 ff. 

2 39eriä)t beS 3Karfgrafen an Sttarjmitian 1491 $ornftag naäj ©t. 9Rar» 
garetyentng (3uli 14). 3nn§br. Hrä)io. $er $apft r)otte juerft geleugnet 
in einer Bubicnj, bie in granfreiä) angebliä) für ben Xürfenfrieg bettrittigten 
8eljnten im Sntereffe beS Angriffs auf Bretagne geto«$rt gu $aben. 2öa* 
ben anbem $unft betreffe : „baS uf$ finer #. madjt unb gunft ber fong üon 
Sfrantreiä) unber einer geftolt eins friben*mad&en5 3me furneme u. f. SR. 
gemafjet ^tne ju einer gema^el )u ^an k. barju rebt f. §. mit be)ugnt% 



125 



ton £rier, t>etftdj>erte er, unter 83ef$n>erung über tiefen 2lrg= 
too^n, burd& tyu fyabe er ba$ erfte SBort gehört, unb faHä er 
erfud&t tu erben toäre, mürbe er e$ burdfrauä ni$t jugelajfeu 
$aben. 3Ran mufe annehmen, bafe ber römifctye Äönig gu 
feinem @<$aben biefer Betreuerung be3 ^eiligen S3ater8 ©lauten 
beigemeffen bat. @r lieg fi$ in ben ©dfclaf lullen, &iettei<#t 
bcftatft in feiner Seidel gläubtgleit bur<$ Heine päpjllid&e ®unfl- 
ertoeifungen, tpel^e in biefelbe 3 eit fMfai. 1 6$ fann baran 
lein 3tt>eifel bleiben angeftd&t* ber £$atfa$e, bafe er ni$t nur 
im Stugenbltd, fonbem auä), na$bem ba£ UnglüdE gef<$e$en toar, 
no$ längere 3?it gläubig mit bem Vorgeben fi<$ abseifen liefe, 
als fei bie ©a<£e no$ in ber ®<$tt>ebe. SDie griebenSUebe, 
meldte, tüte toir nod& feben toerben, §ranfrei$ gleichzeitig jur 
&Sfau trug, bejlärfte tyn toobl in feiner Slrglofigleit 2)od& 
es mu& im 3 u f ammen ^ an 9 fein SC^un in jenem 3atyr be* 
trautet toerben. 

SJtayimilian ^atte, al* er, als (Sieger unb bo<$ befiegt 
bur$ feine eigenen Gruppen, aus Ungarn im Januar 1491 
jurudftebrte, Don bem faiferlid^en SSater bie ^Berufung eines 
fteid^Stag* erlangt. @r felber unb ber $if$of üon ©id^ftäbt 
toaren ju (aiferlid^en Sommiffaren beftimmt. ©er 9tet<fy&tag 
fanb in Nürnberg ftatt unb begann bereits mit bem Eintreffen 
SRayimilian* am 15. 3JMrj 1491. 2 SMe gute Saune, mit 
ttel<$er berfelbe auf feineT Steife \>on Defierreid^ na$ Nürnberg 

#>% unb finer Goneienj baS big un(er anbringen ba8 erft toere ba§ ftn §. 
tjf batöon gebort tiefte unb ob joflid&B an ftn Q. gejuxt tücre fo fytit bodj 
fxn §. Joflu$8 3n fein toeg jugelafien" u. f. tu. lieber »eitere ßunbgebungen 
be§ $ayfteS tocrgl. fpftter. 

i 16. 3u!t 1491 3nbult \)\n[\d)tl\% beS $e$t§ ber erften Sitte. 2ia> 
noto§t9 VIII, SReg. 1589, bergt. 871. 1278. 1337. lieber bie guten Be- 
ilegungen ännocenj' gum £aiferljau§ f. ebenbaf. 9lr. 1598 unb ein SBret>e t>om 
28. *o*ember 1491 (inn*bv. ttrtyio) an ben flaijer, too er leine SBttnföe für 
eine «tabilis convenientia in praestandie officiis mutuae benevolentiae 
et caritatis in einem ttogenblicf befeuert, in bem er Betrat^ HAU. 

* &$mel Steg. 8629 (18. Januar 1491). lieber «Beginn unb SBefu^et 
bc8 £ag§ f. 3anffen II, 9lr. 684 ff. unb Nürnberger Gfroniten V, 729. 



126 



no$ in SRünd^en mit feiner ©djtuefter bei £anj unb 6$mau3 
fic^ gütlt<$ get&an, toax toieber gebämpft, e&e er fein Steif ejiel 
erreicht $atte. UntertoegS in 3lug$burg fcatte tyn eine fran* 
jöfifd&e ©efanbtfd&aft erreid&t mit klagen über fein Bünbntfc 
mit ©nglanb unb feine Sermä&lung mit 3lnna, ioeld&e na$ 
bem ton tyrem 33ater eingegangenen Vertrag obne ©enebmigung 
be3 Setynä&errn gar nid&t fyätte über ibre £anb verfügen fönnen. 
2Raj tonnte fein £(?un mit gutem ©runb verantworten unb 
machte fi$ fo rafdj? wie mögli$ lo3, um jum SteidjjStag ju 
eilen, no$ abnungSloS, bafe mit biefen Bortoürfen nur ba3 be* 
reit« abgefartete ©piel über SRanteS bemäntelt toerben foDte. x 
2)ie Äunbe von beffen gaU traf i&n bann in Nürnberg. — Ä)ie 
9tei$dftfinbe traten gelaben / um bie bem Äaifer am #erjen 
Iiegenben ungarifd^en 8lnft>rü$e anjuerfennen, tpie baä au$ 
feiten* ber Äurfürften gefc^ab, unb um nad^alttgen 33eiftanb 
gur ätoOenbung'beS im versoffenen 3afcr nur fcalb gelungenen 
Unternehmen« ju leiften. S)tefe Aufgabe toarb mäfcrenb be$ 
Stageö immer bringlid&er, als fi$ bie Ungarn, na<$ erfolgter 
SluSföbnung mit 3obann SKlbred^t ton SJJolen, mit aller 3Jta$t 
auf bie vorjährigen Eroberungen 2RayimilianS warfen. 68 ifl 
f<$on bargeflellt, toie bie Belagerung ©tu&toeifeenburgS in bie 
SBer&anblungen hineinragte unb @ile nötyig ma$te, aber au$ 
trte alles, rooju bie ©tänbe f<$liej&li<$ fi$ herbeiliefen, ;u fyfit 
tarn. S)ie unglüdfelige SBerttndflung beS römiföen ÄönigS in 
bie £änbel ber Bretagne gefialtete feine ©tettung jur unga* 
rifd^en ftrage böd^ft feltfam. £)&ne QcotiUl fpradjen baS Qu* 
tereffe ber #au£mad)t unb bie jur SRetlnng ber jurücfgelaffenen 
Sefafcungeu verpfänbete ©bre laut für energifd&e Stuftrengungen 
in biefer Stiftung. Unb bo<$ mufete SJtaytmilian gegen bie 

i Uebet ben flufentyalt in SRttncfcen Wxnptd (greijberg) 184. HugS« 
burg 10. SDtfirj melbei SMag (einem ©c$»ager Ktt>re$t unb ©eorg öon 
Stoiern bie $moejen$eü ber Stanzten, bie tyn bi&ljer aufgehalten (9iei<$8- 
ar$to in 3Riln$en). Samtt ftnb bie Angaben ber 3>enf ja)tift bei ße <8(a9 I, 
6. 3 ju öerbinben. 



127 



einfeitige Vetonung btefeS felbftoerftönbli<$en ©tanbpunf te$ fein : 
i&m erh>ud&$ untoermeibli$ bic aufgäbe, ben 9tei<$3tag, beffen 
Stoed ber ßaifer offenbar mit toofclüberlegter 2tbft$t auf 
UnlerfHifeung ber £ab$burger in Ungarn befd^ränft, mit fi# 
f ortjurei&en , benfelben au$ für Rettung ber Bretagne uub 
feine Oemablin ju intereffiren. 3luf ber 3tei<$$t)erfammlung, ju 
toeld&er ber Äaifer nadj> feiner ®etoo$n&eit nur eine 2lu$toa^l ber 
©tanbe berufen tyatte, waren bie nötigeren berfelben im ©anjeu 
xcd^t fiattlid^ repräfenttrt. Sieben ben Äurfürften toon 2ßainj, 
$falj, Saufen unb SBranbenburg toaren bie jüngeren Sinien 
ber Käufer Skiern, ©a$fen, SBranbenburg }iemli<$ öoUjäfclig 
in $erfon jugegen. ©benfo SBürtetnberg, Reffen unb eine 
»nja^I Vifööfe; baju Voten vieler prflen unb ©täbte. 1 
Stau mufe gere^tertoeife einräumen, bafc ben SEBiffenben aus 
ber burty SRayimUian beliebten Vertretung ber beutf$en 3n- 
tereffen ben Ungarn gegenüber toenig Vertrauen jur oberen 
Seitung ber Dinge ertoa(§fen tonnte. S5aju nun ber weit 
au$fe$enbe, nur }u fe^r mit bem ©<$ein be$ abenteuerlichen 
behaftete Vorgang in ber Bretagne. 2Bir ftnb über biefen 
jtemlt^ langwierigen Sag ni$t aUjugut unterri<$tet. Um 
fo frappanter tritt bie 3$atfa$e fcertoor, bafc nityt au$ Sßflt^t 
ober Äraft be$ faiferli^en SWanbatS, fonbern lebigli<$ im ©inn 
eine* freiwilligen SDienfteä bie ©täube toou born^erem in bie 
Verfymblungen über bie #ülfe eingetreten finb unb am @nbe 
biefelbe t>erabf<fyiebet tyabeu. 2 ©aneben ma$t ein äöeitereä fity 
geltenb. ÜRay mufete, um, na$ mannen Umfd^toetfeu, nur über? 
^aupt eine beftnitit>e Antwort }u erhalten, ni$t nur auf Säuä* 

i flurab. «fron. V, 729, f. 5H3. 

* ßlütfel I, 103 unb 111. $er ^Lb^ieb (et SMüer, $ei<$Stag8- 
tratet unter griebridfr III., VI. SSorfieauna. 6. 194 betoiflißt bie fcfilfe 
w au§ treuem ©emütfj o^nc bog fte in folgen Seilen bie }u tfjun fäulbig; 
teeren" mit au8brüdü<&ein Sßroteft, biefelbe ni$t in Solgc beS faijctli$en 
ftanbats ju tfcun. Offenbat ie$t ungenau unterrichtet ift ber JBerfaffcr ber 
t»m 2t 81au I int pr&is hist. XXXIX ou§ betn Hrd&ib ju utile mitge» 
teilten flacht. 



128 



gleich ber f<$toebenben 3^W9^ en Einarbeiten, fonbern mit 
toeiigetyenber öereittoilUgfeit ben ftänbiföen gbeeu ber 9tet$3; 
reform entgegenkommen. 1 5Rur auf biefem SBege gelang e$, eine 
UnterfHifeung bnr$ bie ©tänbe in Ungarn unb, toorauf e$ i&m 
im 2lugenbli<f biel me&r anfam, au$ gegen granfrei<$ ju er* 
jtelen. £)ie a<$ttaufenb 2Rann, fiber toel<$e man am 28. 3uni 
übereinfam, follten tljeils in 3Rannf<$aft jur föleunigen Stet* 
tnng beS belagerten Stubltoeifjenburg gefreut, tfceite in ©elb 
gur Unterftü|ung ber in SRenneS bebrängten Königin *§erjQgm 
toertoenbet toerben. 6iu f(ägli(§cg Sftefultat 2 fo langer ÜWüfcen, 
fo foftfpieligen ShiftoanbcS, n>ie iftt ein 9tei$3tag immer mit 
ft$ braute. SDtayimitian fyatte 'ein SJtittel gefpart jur 6r* 
langung gfinjligeren 93ef<$eib$. 3>n iMfirnberg, too als päpftli<$er 
Segat ber @nbe be$ 3a$re$ au« ber Bretagne tyeimgefefcrte 
Sftaimunb beraub, jefet befignirter 33if<tyof &on ®ur! unb @e* 
fanbter beS ÄaiferS in 9tom, fi<ty befanb, traf auä) bie bon 
einem ©if<$of geführte Stmbaffabe ein, toeto^e äfana bou SBre* 
tagne an tyren 5Reubermä$lten gefenbet l;atte. 83ermut£K<$ 
mar ber £auptjh)e<f berfelben, befd^Ieunigenb auf be$ ßöntgS 
3tufbru$ na<$ ber Bretagne ober auf Slnnaä (Einholung nai) 
©eutfdjlanb be^uf« ttrirfli<$eu SSolIjugS ber 6$e tymjutorirlen. 8 
3Jtöglt<$, ba& ber #eirat$Scontract mit ber ®rbin toon Bretagne 
je|t t)on 3Hay felbft ratiftcirt tourbe. dagegen bürfte ber unter 
3eitgenoffen Verbreiteten Xrabition, mona$ in Nürnberg feiten« 



1 SBergl. barüber unten $u$ I (Saj>. 2. 

? SBejonberS toenn man erwägt, bafc bet gröfete $$eil offenbar 
ni<$* gejault würbe. Sine Wnjaljl Ouittungen bei ßic$nott>$fö Vi II, 
\x. 1583 f. 1599. 1602 u. a. tn. dagegen gie$t TOM er, 9tei$&. 
tagStyeater unier 9Raj I, 111 fMfdjIiä} eine Stelle auß Seemanns ©petrer 
6f>ronif gu biefem 3a$r. Sie gehört inS 3a$r 1492 (*u§gabe Don 1612 
©. 1005). 

3 S>afc ber „9Br autlauft aß" in Nürnberg mit ben ©ejanbten berabrebet 
fei, fagt bie Äoet$offf<$e G$romf (fföln. 6$r. LH, 882). Sie Vntotfenftrit 
ber bretagnif<$en @efanbtf$aft begeugt burä) ftürnb. <£$ronif V, 564. 729. 
732. Ueber ^eraubi f. ©<$neiber 25. 



129 



be$ ßönigS eine SJefiätigung be3 bur<$ feinen $rocurator tooß* 
jogenen SeilagerS bur<$ fir<$li<$e Sßeilje unb Promulgation in 
Scene gefegt worben fei, f<$werli<$ ©lauben beijumeffen fein. 1 
$)ajj bie berfammelten gürflen eine 3JMtt$eilung erhalten 
mußten, ifl Ilar. 3Rit @ifer war femer Wä^renb feine« ganjen 
SerwetlenS in SRiirnberg ber Äßnig befliffen, ba$ #inberniß 
jeber ernfUid&en Stetion be$ 5Rei<$3 Wegjuräumen, Weld&eS be* 
fianb in bent gekannten ©egenfafc jwif<$en bem $au§> 89aiera 
unb bei* f$wäbif$en 33unb. 9(io<$ War ber Vertrag toon 
5Dinfel8bfl$l bairifd&erfeits ni$t erfällt, ftolj abweifenb Waren 
bie 2BttteI$ba<$er in SRiirnberg aufgetreten unb unerfd&iittert 
abgeritten. 2ßit 2ßitye warb ein foforttger 83ru<$ tyintenan* 
gehalten. 2 

Sowenig ermufyigenb bemna<$ bie Umflänbe waren, läßt 
jt$ bo<$ ni$t behaupten, baß bur<$ fie ber Äöuig untoermeib* 
li$ in ber Heimat fefige^alten fei. £rofc aHe8 ©<$Wanfen8 
ifx au<$ bis na<$ SRitte Stugujl 2Bunf$ unb SBiUe erfennbar, 
gegen granfrei<$ in Sßerfon aufjubred^en. @r felbfi Witt ben 
fteinb feiner ©ema^lin in SBurgunb unb ©Kampagne angreifen 
unb juglei<$ ju 6$iff 3 — 4000 Anette unter ©eorg toon 
ßbenjlein na<$ ber Bretagne Werfen, in ber Hoffnung, bur$ 
biefeS boflpelte 2tnpa<fen be$ ©egnerS Slnna ju retten. 6r 
baute auf SSerfiänbniffe, bie tym etliche ©täbte unb ©d&löffer 
in Dberburgunb in bie £änbe ftnelen fottten. 3n Stofe&ung 
beffen, Wa3 er i^rer Siebe afe feiner e$eli<$en ©ematyttn bur<$ 
göttlid&e Drbnung, au<$ au« orbentlid^er Siebe unb ?Pfli<$t, wie 
fi$ felbjt, fd&ulbig fei, liefe er feinem laiferlid^en SSater melben, 3 

1 6. ben dgcurS: 5Die angeMi<$e Ratification ber ß$e mit Hnna bon 
Bretagne. 

* SRarlaraf Qfriebrid) an ßurfürfi Sodann Don SBranbenfmra. am 
20. 3uli 1491 (flrd&ib f. öfterr. ®efd>. VII, 117). 

3 ttnbatirte 3njrruction an ben ßatfer Balb naä) bem 28. Sunt au§» 
ßefetiigt. 3nnSbr. $r<$tö. «m 13. Huaufl ift er not$ ber Stbpdjt na<$ 
Jöurflmtb abjußetjen (JhauS, SRar, unb ©igmunb ffieg. 29, ©. 46). 5)er 

Ulmann, «aijcr aRafimilian. 1. 9 



130 



fyahe er bie Stönbe beranlafct, bie $älfte ber $filfe gegen 
§tanftei<$ ju betoittigem @r tottnföte jit tiefem gug baS 
9tei$Sbanner gebrauten }u bflrfen, @nbti$ bat et ben Sätet 
getabeju um ßrlaubnift, fein SBor&abeu atfSjufü&ten, ba et 
au8 ben angegebenen ©tfinben, ferner au$ „bamit nrit ben 
gemeinen rueff ab ob mir nit ein ßiebfcabet unfer e$eli<$en 
gema^el teeren, nit uff uns laben" fid? bajn gebtnngen ffi$le. 
Suglei<$ etflätte er, oljne beS ÄatfetS SBetoifligung aW ge&ot* 
famer ©otyn m<$ts . unternehmen ju »ollen, äBä^tenb SJfca? 
fi# na# 33urgunb fiürjte, foDte gtiebtidj mittlerweile bie no$ 
f$toebenbe ungatif^e gtage in bie $anb nehmen, $u Ärieg 
ober )u ^rieben. 

9ü$t* tonnte weniger na$ bem ©inn be* jtatfet* fein 
als biefet SBotfölag, bet $n mit ber 3Rü$e belajien wollte, 
ben Äatten, ben bet ©o^n fcalbtoegS in ben ©unqtf gef^oben, 
$etau$jujie$en* Ueber^aupt War itym bie in bie gerne jidj 
ti$tenbe Sßolittt junriber, Stut Ungarns falber $atte et in 
ben 8tei$Ätag gewilligt SBot allen Singen befianb et batauf, 
bafc bet na# Ungarn befümmte S^eil bet 9tei$3$filfe au<$ für 
biefen gwecf ungefämälett jut SSettoenbung fommen muffe. 
®etabe$erau« liefe et bem bittenben ©o^n but<$ feinen ßanjlet 
Setn&atb »etget etfläten, 1 bafc et ft$ bet Ätieg*leute unb 
fttieg^änbel . im Defterreidnfd>en but#au8 ni$t annehmen 
würbe* 3lu$ ben jut 2)ut$ftt$tung bet 3tei$*tefotm na$ 
granlfurt in 3lu*fi$t genommenen 3tei$*tag, but<$ ben 3Ra$t* 
milian bie gürften bei guter Saune erhalten wollte, f$Iug er 
ab, ja verbot et getabeju. SBaS $alf es unter folgen Um* 

Warnt be§ 2anb$fned&t8fu$rerS bei Sobineau I, 818 ol8 (Seorge be fcerre- 
plaine. 

i Unbattrte 3nfiruction für benfelben jur SBeanttoortong obiger An- 
frage SRasimilianS, toof>I no$ au§ bem Sunt 1491 (gebruefi bei ßtifc- 
notoSty VIII, Beilage XII, mit falföer 3a$re8aa$l 1490). 9lo$ am 20. Sep- 
tember hat Wla% ben Äaijer fle$enili$, bie gut S3ert$eibtgung ber Grblanbe 
aufgehellten 6ölbner gu befriebigen (ÄrauS, Wat unb $rüfc$enf 80). grie- 
brid& Ijatte aljo (Srofl gemalt mit feiner $ro§ung. 



131 



ffönben, menn er baneben mit benlbar f<$le<$ter SKiene e$ bem 
römiföen ßßnig felbfi anfceimfieUte, an ftel$e* 6nbe, ob naä) 
Ungarn, 06 na$ granfreify berf elbe fi$ perfönli<$ berfflgen toofle. 
au*brfi<fli$ touf$ er feine $&nbe in Unföulb, wenn bur<$ 
äRajrimilian* 8tön>efen$eit, tuie ju befolgen jifinbe, an einem ober 
bem anbent @nbe ettoaä äBtbertoärtige« fi<$ begeben fottte. 
Su$ bie Srlaubnife, ben 9tei$*abler ju führen, mürbe nur 
mit f$Ie$t fcerbebltem ÜRifjtrauen unb ber SBamuug, bie* 
ßmblem bor 6$impf §u Ritten, bem römiföen Äönig erteilt 
5E)er bätte ni$t er felber fein muffen, toenn biefe Stottoort 
ifcn ni$t in neue« @$man!en getoorfen bätte. 6r toollte gern 
ber grau ju ßülfe eilen, bie, gleityriel au« melden SRottoen, 
tyre ganje Stiften} auf tyn, auf feine ©&re gefegt. @r glaubte 
momentan felbji an feinen @ntf$lufj, frä) t)on biefer erßen 
$flu$t bur$ ni$tS abgalten ju laffen. aber er toagte bann 
bo$ toieber au« politif^en (Ertoägungen ni<$t, feinen SBater 
allein ben Ungarn gegenüber ju Iaffen, f<$on niefct im #inblt<J 
auf bie betannte Abneigung ber 83etoobner ber (Srblanbe gegen 
griebri<$ III. 1 Sfatr tropf entoeife flo&, mie getoßbnli<$, bie 
9tei$£$filfe ein, unb ber einige Sflliirte, ber ßßnig t>on Sng* 
lanb, batte bis bafcin au$ nur bur$ 8tatbf#läge unb 93er« 
fpre$ungen fub bertoorgetban. Unb ni$t lange burfte 9RayU 
milian fi$ ber Hoffnung Eingeben, bafe ber ftatfer fi# feinem 
Xufbru$ gegen bie granjofen toenigjlenS nic^t gerabeju toiber* 
fefren toflrbe. 5Die franjöfiföe ^Diplomatie ^atte fi$ nu$t ba* 
mit begnügt, ben Sßapji auf ifcre Seite ju jieben: fie bearbeitete 
au$ ben Äaifer. liefern sollte ber Äönig bon granfreiety, fo 
lieg er bur$ ben Sßräceptor be$ Slntonienorben* ju SRemmingen 
anbringen, bie @ntf Reibung ber Errungen jttnf<$en ft$ unb 
äRapmitian }u ©üte ober ju Ste^t anbeimfieUen. Äonute man 
ebrli$er, tonnte man entgegenlommenber fein? 5Der alte ßaifer 
toenigfienS entjog ft<$ biefem (Sinbrud ui<$t @r ging feinen 

1 3Raj an prüften! (20. September) bei ftrauft a. a. C. 



132 



©o&tt f$riffli$ an biefen SluStoeg gu ergreifen, ©arnit be* 
gnügte er ftd& aber nt<$t. 3n ber Ueberjeugung, baß ft$ fein 
@rbe bur# geinbe ber 6&re unb 2Bo$lfabrt i&rer ßänber, 
toel<$$ nur eigennüfcige abfluten verfolgten, in baS Srrfal, in 
bem er ftedEe, führen ließe, befahl er in einem ge$arnif<$ten 
©^reiben ben Stätten SRajhnilianS bei i&rer Sßflid&t unb feiner 
Ungnabe, i^ren $errn mittelft beiliegenber Slrtüel bon feinem 
©ebanfen abzubringen, ©ie foOten ifyn betoegen, bie 9tet<$3* 
^ülfe gegen Ungarn unb bie ßrblanbe ju lehren, unb ben 
flaifer fo be$ ÄriegS, in toeld&en er benfelben o$ne ©e^eifc 
geführt, mit ber &j>at ober bur<$ SBer&anblung entlebigen; ba* 
für hrirb i£m bann ber t>äterß<$e 9tat& in 3lu$fi$t gefleßt, um 
nü|lic&er unb e$rli$er als bur<$ fein eigene^ SJornetymen atö 
bem franjöftf<$en #anbel ju fommen. 1 S)iefe ©$rift, auf 
toel<$e Ieiber bie Sfattoort ni<$t vorliegt ift ebenfo berebt bur$ 
baä toad fie faßt, als bur<$ ba$, tt>a$ fie berf^toeigt. steine 
©tylbe über bie beweglichen jtlagen be3 ©ofcneä. SDiefer fott, 
fo toitt es ber Äaifer, erft ju @ube bringen, toa$ er eigen* 
mäd&tig in Ungarn begonnen. S)amit fear ber SBürfel gef aßen: 
benn toeber jefet no$ fpäter 2 fornite 3Rayimitian e3 unter* 
nehmen, o$ne bie #ülfe unb ^uftimmung griebri<$$ $u fcanbeln. 
@3 ifi peinlid^, ifcn fo förmli<$ in einer Stoidfmüfcle jurifd&en 
Ungarn unb Bretagne ft$ abarbeiten ;u fe^en. ©ern glaubt 
man tym, ba& er be$ „ßerumjottelnS" $erjli# mübe toar. 3 
2luö ©elbmangel mufete er e3 ft$ felbft berfagen, an bie ©pi|e 
ber XtMppen in ben (Srblanben gegen ben in ©tetermarf ein* 
gebrungenen geinb fidj> ju fietten. ®a$ fmb bie Umftönbe, 
unter benen er ben ©ntfd&luft faffen mo$te, auf Ungarn ju* 
näctyfi ju berjid&ten unb nur im prefjburger SKobembertractat 

1 griebridj an bie ?Rä% SRajimilianS 1491 ßina ©amstag. nad& grauen« 
tag assumpt. (Wuguft 20.) Snn&br. Slrdjib. 

* 6o nuo) nod) in ber im 9)tai 1492 fcerfafjten 2>cnff$rift. Sc 
©lap I, 18. 

3 ©ein eigener BuSbrud im oben cittrten SBrief an Sptüföenf. 



133 



jufünftige 2tnfprü<$e ft<$ borjubefrttten. ®obatt> er ^ter freie 
£anb fcätte, ttnnte i&n, fo regnete er, nichts me$r abgalten, 
jur Rettung feiner ©ema&lin aufzubrechen. 

Stber fetten ift in ber @ef<$i<$te bie 2e$re Dom SEBert^ ber 
©elegen^eit einbringli<$er gcprebigt toorben, afö bamals. i gajl 
ein ganje* Qa^r $atte man in StenneS fe^nfüc^tig naä) bem 
Sftettcr ausgebaut. 3113 biefer enbli$ tyätte na^en tonnen, tuar 
e$ ju fpät. Sie ßerjogin Stoma fyatte ft<$ ni<$t baju entf<$Ioffen, 
auf englifäen Skiffen i&re gretyeit aufeertyalb tyreS fianbe* ju 
ft<$ern. ©o toar fte benn feit fpätefien* Dctober 1491 in 
9tenne$ bon einem franjöftfd&en $eer eng belagert, 2 na$bem 
aOe£, felbfi bie anbefohlene tteberf<$toemmung eines $$eü£ be$ 
&mbe$, ben geinb ni#t $atte aufsahen tonnen. 3Refcr unb 
me&r erlahmte ber ©e&orfam ber ©rofeen gegen tyre 83efe^le. 
6<$on toar and) tyr D£eim Sßrinj bon Orange für ba3 fran* 
jöftf$e 3ntereffe gewonnen. Sit ben SJlauern ber ©tabt tourben 
bie fremben ÄrtegSleute unruhig. Sie t>ou SRaj gefenbeten 
beutfdjen SanbSfned&te toaren e$ juerft, bie meutemb i^re 
trommeln rührten unb SBorauabeja&lung be$ ©olbe* verlangten. 3 
£filfe ftanb ni<$t metyr in 2lu$jt<$t. @$ tonnte ber mutagen, 
jungen gurfitn fein ©e^eimnifc fein, toie lattfinnig, mit toie 
füllen potitif<$en Grtoägungen ber römif$e Äönig ba$ Opfer* 
emriberte, baS fie i$m gebraut. Qefet fcatte feine ^anblungd^ 
Keife fo toeit fte geführt, bafe tyr baS SBaffer bi«. an ben $al& 
ging. ©ie mufjte, o^ne bafj fte bafür ber ©d&atten eine* SBor* 
tourf* treffen tonnte, auf bie eigene Stettung bebaut fein. 
@oOte ettoa ba$ fünfje&niä^rige aRäb^en bem me&r als boppelt 
fo alten 3Rann lehren, u>te man ftc$ opfere für baS ©ebot ber 
e^re? 

ERan mag eS bei ben @ef$i$t8f$reibern ber Bretagne 
na$tefen, u>ie ©<$ritt bor ©$ritt, gelungen, mibermillig, bis 

i 9to$ „beurföet Brt" rüflete er fä su foöt, fagt bittet «n8$etm II, 73. 

2 gRoImei IV, 172; öergl. SoBineau I, 814 f. 

3 TOolinet 174; bergt. HnS^elm II, 73, ber t>on $efted&img toeife. 



134 



julefct tömpfenb Sttmta fi<$ betn fi&ermäd&tigen 3tt>ang f^gte. 
Sängft Ratten ttnter^anblungen angefponnen »erben muffen. 3Ran 
£ört t>on einem geheimen SBertrag, ber fi<$ ni$t me$r in ben 
2lr<$toen finbet, 1 f$on aus betn Anfang Dctober. 8llS aller 
Sßiberjlanb bergebli<$ loar, !am eS }u einem »eiteren 216* 
fommen am 15. SRobember 1491, baS bon Äarl VIII. in ber 
SSorfiabt toon SRenneS unterjeid&net tourbe. änna »oUte bem 
fernen 3Raf baS le|te Opfer no<$ bringen« SDer Vertrag gab 
i$r fixeres ©eleit bur<$ franjöftfd&eS ©ebiet, um ju i&rem 
©ema^I, bem römifd&en Äönig, ju jie&en. 33iS jum ©d&tebS* 
fpru<$ auSertoffl&Iter 3tidj>ter erhielt fte bon granfreidj^ eine 9lb* 
finbungSfumme. 3$re Gruppen jogen mit ©eleu ab. 5£)aS 
Sanb blieb bis ba&in in ben £änben ber granjofen, baS tapfer 
bewahrte StenneS in ber „neutralen - ' Dbtyut beS, f<$on auf 
feiublid&er Seite fte&enben, Sßrinjen bon Drange. 2 

3$ Jtoeifle ni$t, bafe biefe franjßfifd&erfeits boüjogene 
Urfunbe eine Strt 6ntgegenfommenS gegen bie bebrfingte #er* 
jogin »ar. @S ftaub in ber 2Ra$t ÄarlS VIII., ft$ berfelben 
als eines mistigen SßfanbeS ju bemäd&tigen unb fte bis ju 
bem bur<$ ben £ob herbeigeführten ©rlüfctyen tyrer 3lnfprfi<$e 
in $aft ju galten. 9htr aus bem treuen §erjen unb bem 
'entfd&toffenen Sinn ber Dame !ann ber ©ebanfe geboren fein, 
jefct, n>o alles fie berliefj, aufjubred^en unb bur<$ bie Sänber 
jie&enb tyren ©atten ju fud^en. Snfofero liegt eine getoiffe 
poetifd^e 2Ba$r$eit in ber in 2>eutf$lanb aufgefommenen unb 
tyartnäcfig festgehaltenen 6rjä$lung, bafj bie ^erjogin auf t&rem 
2Beg nad& S)eutf$lanb toerrätyerif $ , unter 83ru<$ beS ber* 
fceifjenen ©eleits, fefige$alten, entführt unb jur 6&e mit Äönig 
ßart gelungen fei. 5£)aS ©eriidjjt bon biefem ©rautraub, ob» 
lootyl eS bis ju ben pfipfHi$en Dfcren ergoßen ju fein fd&eint, 
ift ganj haltlos. s 9(nna $at baS treue SRenneS erft, unb jtoar 

1 ßotfneau I, 814; II, 1534. 

2 SoBineau II, 1535 ; $u 3ttont III, 2, 269. 

3 (Sine Kufga^lung aud& nur ber gang jeUgenöfflföen (?rtoä$mmgen 



135 



gatt) freimütig fcerlaffen, als alles entfliehen toax. toenn ber 
©ntfölufc, ber i$r tt>o$l ferner tourbe, tyr perfönlid^ed 6$i<Ifal 
Don bem beS SanbeS ju trennen, ifi unter bem ©nflufj tyrer 
bon granfretc^ abhängigen Umgebung balb ins 38an!en ge* 
fommen. SRan fönnte jtoetfeln, 06 baS Slbtommen, toie es 
vorliegt, öon i$r au$ nur boltjogen toorben ifl. 1 SRan brauet 
ni<$t an bie öfierrei<$if$e SluSfireuung )u glauben, baft man 
2tnna fcorgefoiegelt, SRajimtlian leibe an ®i$t, fei ein Äinb 
beS £obeS. 2 Sie $ätte bei bem SRarföall bejfelben, ber als 
33otf<$after no<$ immer am $ofe toetlte, ju leidet beffere Äunbe 
tyaben fönnen. £äuf$e iä) mi$ ni$t, fo lägt fi<$ &ter ßid^t 
in baS pfy<$ologif<$e 3)unlel bringen / o$ne ju folgen tlnge* 
£euerli<$!eiten S u ^ u ^ t i u nehmen. 3e heftiger ber ©ebanfe, 
i$re tyeure ^eimat ju berlaffen — auf Sftimmemrieberfe^en, 
fall« fie ni$t einmal mit ßfllfe frember ©$toerter als gröberer 
jurflctle^rett burfte — alle tyre (Smpftnbungen in fttirmif<$e 
Erregung braute, um fo leistet mußte eS ber getootynten 
Stimme ber bertrauten Umgebung fallen, bie fünftli^ ge* 
Weigerten @ntf<$liefcungen ju erf$fittenu Durfte man fte, bie 
no$ an ber ©<$tt>ette beS ÄinbeSalterS ©te^enbe, ni$t beS 
©igenfumS, ber ®tei$gfiltigfeit gegen bie ^ntereffen beS bis 
in bie S3orfidbte fcon StenneS bom geinbe befefcten SanbeS be* 
fd&ulbigen, Xoenn fte fefi blieb? Die gürfttn ifl $ier ft<$er 
als SCrutnpf auSgefpielt toorben gegen bie ©efü^le beS 9Räb$enS. 

biefe« angeHi^en Vorfall» tft überflog. S)te Äenntnifj be* «ßaj>fte* öon 
bar 9e$aitytunQ, mürbe but# bie bebingenb« (Haufel bet &ifyenfattonftbutte 
allein niä)t benriefen toerben, ba bie SBotte dummodo tu . . . rspta non fueris 
jum gormular bet Äanjlei gehören (bergt. §. SB. Gudenus, Codex dipl. 
Hogunt IV, 531). £>oa) $aben fie in unferem gaU too^I inbibtbueQe SBe- 
beutung, ba Hnna bei (BtleWgung bet Angelegenheit in bet %fyd bot einem 
Itrtyltyen (Eomntiffat bie eiblia)e ^erfiä^erung abgeben muffte, ni$t geraubt 
tootben au fein. Sobmeau a. a. C. II, 1548; 2)u Storni ©. 275. 

1 $!* l'appoinctement quasi ä dem! faict lägt Vtolinet 175 bie 
folgenben Gtetgniffe fi<$ abfielen. <£t fa&t auä) ba§ Hctenfrüd bom 16. 9to* 
bembet als ein franjöftfä^eö Anerbieten auf. 

2 ©enlfätift bei Se 01a^ I, 14. 



136 



Stnna fear burd&auä ni<$t unentyfinbli<$ gegen folgen 2lppell. 
@3 ifl früher $ert>orge$oben , toie biel Sttnt^cil an tyrer 6nt* 
Reibung für ben römif<$en Äönig bie glanjboffe Stellung 
$atte, toel<$e i$r ber fiinftige Präger ber Äaiferfrone bertytefj. 
63 Reifet, bafc fte, als in ben erften $$afen ber mit Äarl VIII. 
angefnüpften ttnterbanblung an ©teile be$ römifd&en ÄönigS 
einige anbere granfrei$ genehme 33etoerber um tyre #anb ge* 
nannt Sorben feien, fiolj bie (Srllärung abgegeben babe, fte fei 
bie grau beS römif^en ÄönigS unb toerbe nic^t bon tym 
laffen. ©ottte aber ber £ob tyn i£r entreißen, toürbe fte nur 
einem Äömg ober ÄönigSfobn tyre §ant> reiben. Qefct nun 
fafcte man bie f$on @rf<$ütterte an biefer Stelle an. S)er 
junge Äönig bon granfreity felbft trat als SBetoerber auf. 
gfir tyre ©ettriffenSbebenfen toirb e$ an geijilid^en unb juris 
bif<$en ©egengriinben ni$t gefehlt fjabm, bor allem aber $atte 
man bie S)i$penfatton beS SßapfleS in SBereitfdjjaft ©aju fear 
Äarl ba, bereit ben S3unb ju f$liefjen, SRayimilian toar felbjl 
in ber legten äufjerfien SKoty fern geblieben. 3ft e$ ju ge* 
toagt, ben toeibli$en ©tolj ber gilrftin ft$ afö berlefct ju 
beulen bur$ biefe Sangfamfeit beS ©atten, bem barauä alle, 
au<$ bie atterlotyalflen, SJerid&terftatter einen 33ortimrf mad&en? 
SKad&bem Slnna bor ben auf fte einbringenben Srtoägungen 
bie äßaffen gefhreät, fann e$ rö$t auffallen, bafc nun ber Um* 
f$timng fe&r raf$, fafl getoaltfam ft$ bottjte^t, Stot lö. 3lo* 
bember fyattz fte jenes Slatt Rapier in ber $anb gehalten, 
toel$eS ftd&ren ©urdfoug rtadf) S)eutf<$lanb getoäbrleifiete. SBo$l 
f$on am 19. beffelben SRonatS $atte fid& tyr @<$i<ffat in einer 
ganj entgegengefefcten Stiftung beftnitib entfd&ieben. 1 ©S fann 
fein, bafc bie granjofen ben 33emfi$ungen tyrer greunbe am 



1 @ä)on am 19. Beurlaubte Statt feine $ru}>t>en unb berliefc wenige 
%aa,t barauf bie ^Bretagne felBet. Sobineau I, 816 fegt bie ^od^jcit (6. $e« 
cembev) qainze jours apr&s le depart du Roi, alfo bie leitete etwa auf 
ben 22. 9tobember. 93i§ ju biefem Sag müßte bemnaä) afleS abgemalt ge* 
toefen fein. 



137 



$of ettoaS na<$$alfen, inbem einige tyrer öome&mften Rauptet 
bereite bie ©tabt betraten/ e^e man jum @ntf<$lufe gelangt 
toar. * S)ie (Srnte toar reif, afe Äarl VIII. felbfi, unter bem 
Stortoanb einer Sßilgerfd&aft jur Ätrd&e nnferer lieben grau, in 
9ienne£ erfd&ien unb barna$ eine lange Unterrebung mit ber 
jungen #erjogin $atte. 3ftm toar es Vorbehalten, bie ie|ten 
©crupel fiegreid& ju befämpfen, 9lut brei Sage fpäter fanb 
ju SRenneS in einer ÄapeUe, in ©egentoart ber ®<$toefier Äarte 
unb ber erjien ©ro&en granfrei<$3 unb be$ ^erjogt^um^, bie 
feierliche Verlobung beS $aareä ftatt. 2 S)af ©tüdf toar bis 
julefct meijier&aft gefpielt toorben. ©er 33otfc&after be$ römi* 
ftyen ÄönigS, ber SKarf^all SBoIfgang Von Sßotyehn, in beffen 
©egentoart bie Verlobung fiattfanb, tcar babur$ üöttig über* 
raf$t Stuf feine fragen fanb er überall ©feigen unb 2t$fel* 
juden. 35i$ ju biefem bef<$ämenben ©rab bupirt ju »erben, 
toar fidler lein 3 ell 9 ni & feiner 33efä$igung als Diplomat. JDafc 
aber baS ©piel gelingen lonnte, betoeifl bo$ au$, toie aus* 
nafynätoS bie nähere Umgebung ber £erjogin beren eigenfien 
2Bünf$en feinblid^ getoefen fein mufj. $>em gepreßten Sßro* 
curator blieb ni$tS äbrig als mit franjöfifc^em ©eleit fi$ 
junäd&fi na$ 2Re$eln gum ®r$erjog $&ilipp unb bann na<$ 
3nn£bru<f ju feinem ©ebieter ju begeben. 3 

am 6. Secember 1491 fanb ju Sangeais in Romaine, 
too^in Stana bem ßönig Äarl gefolgt toar, bie SSermä^Iung 
flatt. 4 ©erfelben toar jener berühmte (Styecontract unmittelbar 
vorausgegangen, bur<$ beffen ©efttmmungen bie Bretagne für 
alle Seiten ber Ärone granfrei<$$ eingegliebert toerben lonnte. 

i So SWoIinet 175, ber für baß golgenbe ^auptquetle ift. 

2 SORoIinet. 2>aj$ ber König in ber Stabt toar, Betätigen Glaube be 
6egffel unb 8t. <8eIatS, citirt bon ßancelot a. a. O. 516. 

8 SHolinet 176. 3n 3nn8bruc! traf er am 29. Sebruar 1492 erft ein 
(*rc$ib f. öfierr. @efd&. VII, 121). 

4 Sobineau II, 1543 ff.; $u Etont o. a. D. Stergl. bie 99 em er- 
rungen ßancelotS a. a. O. 522 über baS, burdj ben früher bon b'Brgentre 
benutzen £er,t angerichtete, Unheil. 



138 



SDiefe ©rtoerbung roax gut unb not^toenbig. Unerfreuli<$er toar 

baS Spiel, baS mit Siben unb Verträgen tjatte getrieben 

»erben muffen jur @rrei<bung beS Siels» ^arl VIII. toar jefct 

ni$t nur ©emabl ber grau, toeld^e 2Jtajimtlian als bie ferne 

beanfprud&te, er galt gugleidfr, unb batte jt<$ bis ba$in felbfi nie 

anberS angef eben, als beffen ©<$totegerf obn. ©eit 1 482 teilte 

beffen £o$ter SRargaretbe als im 2lngefi(^t ber Äird&e Verlobte 

Staut beS StaupbinS unb nunmehrigen ÄönigS Aar! am $of. 

3m 3n* unb 3luSlanb toarb fte als Königin betrautet. 1 ©aS 

Iluge, böbfd&e jttnb toar allgemein beliebt in i$rem Stooptto* 

baterlanb, toeld&em fte faft ein Sabrjebnt nunmehr angehört 

batte. 

5£)enn i^re 3ugenb 

3ft fräftge Stebnergabe o^ne SBort, 

5E)tc 50iänner rityrt; jubem ifi fte begabt, 

SBenn fie es totll, mit bolbem ©pru<b unb 9Bi|, 

Unb letd&t gewinnt fte jeben. 2 

3lu$ toar bie 3Ritgift, meldte fte eingebracht, bie §retgraffd&aft 
33urgunb, ärtois unb Sßicarbie, eine unberä$tli<be ®aU. 3eftt 
fd^ieb fid^ Äarl t>on ibr unb fte blieb, eine grembe plßfelidb 
getoorben, bem ©pott ausgefegt, ^>alb unb fyalb bie ©efangene 
tyreS feitberigen Verlobten. 5Der jtoifd&en beiben gefd&loffene 
SBunb tonnte, ba SRargaretbe no$ ni$t boUjäbrig toax, als ber 
©filtigfeit ermangelnb bur$ päpfUid&en SHSpenS leidet gelßfi 
»erben. ©d&toerer toog ber leichtfertige 39ru<b feierlt<b gelobter 
»ertrage. SRit ibrer SSerfio&ung verlor felbftoerflänbli<b %xanU 
rei<b allen 3lnfprud& auf bie blii^enben Sänber ibrer über* 
SRafc ausgefallenen ÜWitßift. 3ebo$ f<$etnt man biefe einfädle 
Sonfequenj ju sieben anfangs am franjöftf<ben £of ni$t SBillenS 
gctoefen ju fein. 2Wan ^telt gegen Stecht unb Sfafianb bie 

i 6o j^reibt noä) am 6. gebruar 1491 (b. f). 1492) §einri<$ bon 
fötglanb an aflasimiltan, bafj 9Raraarei$e für #arl3 VIII. vera et legitim» 
uxor ubique ab omnibus angefe^en »fixe. 3nn§br. Wra^ib. 

2 SfafefoeareS «Wag für 9Ra6 I. Hct, 3. Scene. 



139 



junge $)ame jurficf, um an tyrer Sßerfou ein 5ßfanb gegen 
geinbfeligtetten ifjre* SBaterS unb »ruber* ju $abeu; Ja, eS 
f<$eint, bafj man fogar }U bem ©ebanfen ji<$ verfliegen, über 
9targaret$e8 #anb otyne Befragung i&rer Angehörigen eigen« 
mächtig ju ©uuften franj6fif<$er Sntereffen ju verfügen. Sei^t 
begreift ftdj fo ber ungebulbige SBunfty be$ 3Räb<$en$, bie* 
»anfelmfit&ige ßanb ju toerlaffen. Sie tootte tyerau*, f<$rieb 
Re tyrem SSater unb folle fte in bloßem $emb $erau*ge$en« * 
SJte SBelt mufcte um fo me§r empört fein über bie an« 
fdfjeinenb bur# Äarl* $)oppele$e mit ättayimtlian* fjfrau unb 
£o$ter bem römif<£en Jtönig angetane ©<$ma<$, al* ton ber 
bur$ ben Sßapft erfolgten SBegräumung ber fanoniföen #inber« 
niffe lange geit ni$t* befannt tourbe. Sin ben £öfen glaubte 
man no$ im erften Viertel be$ 3a$re3 1492 ben ^eiligen 
Sater Don ©rtyeilung be$ ©iäpenfe* abgalten ju fönnen. 2 ©er 
5ßapft na$m auä) bie SRiene an, als prüfe er no<$. 21m 
17« Qanuar 1492 braute ber !atferli<$e ©efanbte SRarfgraf 
3afob Don 8aben beim Sßapjl ba* ®erfi$t jur Spraye, 3 bafc 
legerer tro| eines t>on tym gegebenen 83erfpre<$en8 ben S)i*pen* 
au*gefpro<$en $ätte. Der Sßapfi erttriberte, bafe er jtoar ben 
fcon ben franjöfif^en Dratoren Vorgelegten $eirat^«contract 
jtoifd&en SRay unb Stana für „unformli<$ unb t>on lein trefften" 
falte, aber ben gfranjofen erflärt $&tte, bie ©a<$e re$tli$ ent* 
f$eiben ju tooHen. 2faf bereu ttriebertyolte* Anbringen , Iraft 

i 2)afi bie granjojen SBiflenS getoefen feien, SWargaretye an eine nid&t 
j>affenbe ^erfon &u t>er$eirat(en, unb nur bura} fein 6$toeri batoon abgegolten 
feien, f abreibt SRar, felbft feiner Kolter naa) longer 8eit, 1516 $ui8buTg, 
3anuar. Warb. Kr$i*. *m neajjolitamWen §of erjagte man fia), 
ftarl VIII. beabfia}tige eine Partie amif^en bem fyanif$en Infanten S)on 
3uan unb SRargaretye, wobei legiere palt 99ourgogne& fflouffluxm unb Gerbagne 
(eranSbelfime. S)e«jarbinS I, 433, 7. tyril 1492. — 5>ie lefcte Heu&erung be- 
rietet am 28. Htfit) 1492 Dr. Ko<$Iein an SRarfgraf 8friebri<$ Don »ranben* 
bürg bem ftntglid&en goftager au gfttfcen. «rdjib f. Bftetr. Äefä). VII, 131. 

* Qeinri$ Don (Snglanb (an Snnoceng VIII. 1492 SBeftminfter 5. Qrc- 
bruar) befä^toört biefen feinen i)i§)»en8 ju erteilen. 3nn8br. %x$\t>. 

3 $aben an Wapmilian 1492 6t. 3ntontu9tag. SnnSbr. Irä^io. 



140 



päpjilufcer 3Ra$tt>oBfommen$eit ju bispenftren, fei er tu$t ein« 
gegangen. 3a, bot bem fforentinif<$en ©efanbten fe|te ber ^ßcqpft 
no<$ @ube 30tärj baffelbe fönöbe Spiel be* ableugnen« fort. 
®r erllärte, ba& er bie Sa$e in bie Sänge jiefce, um einen 
2fa$glei<$ }u ftnben. $>a& i&n poKHf$e Sntereffeu f<$Iiefjli# 
auf bie Seite ber franjöjtf^en 8faft>rü<$e [teilen mürben, gab 
er, gebrangt, freiließ ju. * 

llnglii(fli$ertteife lägt ftd) benimmt jeigen, bafc ßarl 
nnb Slnna längji, toenn au$ erfi im ©efceunen, ber S)i$pen> 
fation ft^er, ru^tg fein fonnten, ofyie färbten }u muffen, baf& 
ber Änabe, ben 3lnna f<$on im ©djofc trug, ein Saftarb fein »erbe, 
©er früher (©. 125) ertoffl&nte, leiber jur Unjeit bef$toid>ttgte 
SSerbactyt SRaytmittanS toar nur ju bered^tigt getoefen. 3lu<$ n>enn 
lein 3 eu 9 n ife ejriftirte, mitftte jebem einigermaßen Äunbigeu 
jtoeifelloa fein, bafc otyne bie f<$toarj auf toeifj toorliegenbe @e* 
nefyn&altung be£ ^eiligen SSaterS bie Umgebung ber ^erjogin 
Slnna es nid^t fertig gebraut ^ätte, beren < 8 u f iimmun 9 ? um 
33ruc$ ber tyrer tteberjeugung na<$ ju 8le$t bejlefcenben <8$e 
mit 3Jtoy bur# ba$ 33erlöbni& mit Äarl VIII. ju gettnnnen. 
3$ ttriff gar ni<$t barauf SBerty legen, bafe bie Don bem ge* 
fälligen Snnocenj VIII. am 16. $>ecember 1491 erteilte 2)i$* 
penfation ausgefertigt fein muß, ef?e ber Sßapfi t>on ber am 
6. $>ecember in Sangeais Donogenen @^ef($(ießung ßunbe ^aben 
tonnte. 2lu$f<$laggebenb ifi golgenbeS: 2Ü3 na<$ (Erfüllung 
ber im SBretoe Dom 1 6. December 2 bebungenen, leisten Seiftungen 
Äarl unb SCnna axity öffentlt^, fo ju fagen, in ben ©enufc ber 
papftlt<$en ©nabenertoeifung treten fottten, $aben fie am 13. 9lo* 

i ^anbolfini unb »atori an Sorenj Don Htebici, »om 81. SWärg 1492. 
(md)t 1493, wie gebrueft ifi, toa& 99ufer, $>ie SBejiefjungen ber SRebiceer §u 
3franfrei<$ 6. 531 ftnmetf. 35 juerft mit 9ta$t gefefcen $at). Negociations 
dipl. de la France avec la Toscane par Deejardins I, 486. 

2 18 calenda8 Januar. Sobineau unb 5)u 9Ront a. a. O. — Im 
16. ftobemBer toat eine grofee franaöftfdje ©efcmbtfdjafi unier bem SBiföof 
üon SombeS in ftom eingetroffen (Diarium Burchardi ed. Gennarelli 
©. 153). 



141 



toember 1492 üor bem ©eneralmcar ber tourer Äir<$e feiet« 
li$ barüber SXct aufnehmen laffen, bafc fxe jenem 83ret>e burdj» 
toeg @e$orfam geleiftet, alfo ber folgen biefeä ©e^orfamS 
t^eifyaftig geworben toären. ©eibe erflären aber bei biefer @e* 
legentyeit protoloflarif^ bafc fte bur# bie Stnnatyme biefed SMS* 
penfeS bur$au8 ni$t t>erji<$ten tooHten auf eine anbete 2>i8* 
penfation, bie ifcnen bereite bor ber #o<$jeit erteilt getoefen 
wäre. i SRur SSertnutyungen laffen fi<$ aufteilen, n>e$$alb eine 
jmeite Urtunbe befiimmt mürbe, bie f<$on bor ber £>o$jeit er- 
langte ju erfe|en. 2 §flr und ift e3 au<$ gleichgültig , ob ju 
Diel ober ju wenig barin gejianben. 6$ ifi jur ©ribenj er* 
»riefen, baß trofc perfönlu$er Slbleugnungen be3 SßapjteS, ber*» 
felbe Snnocen* bem granjofen ben etnjig brauchbaren Qebü 
geliehen jur S>ur$füfcrung feiner abfielen, ©afc er bann, 
als bie ®a<$e ©canbal t>erurfa<$te, fi# jum griebenStoertnittler 
auftoerfen tooHte, 3 änbert an ber ©a$e fo toenig, al$ feine 
föeinbaren greunbf #aft3t>erfi$eruttgen , mit toel<$en er ben 
ftnterrücfS beigebrachten ©tofc, toie nrir fafcen, begleitet f)atte. 
©er frangöftfdje $of fyat toofcl ba$ eine SBeile beobachtete 
©(^toeigen gebrochen, toeil injtoif^en Qnnocenj toerftorben toar 
unb bie ©eburt be* 2)aiq>$inS Äarl Sftolanb t>oüe Älartyeit über 
ben 9te$t$ftanb ber ©&e feiner ©Kern ju forbem f<$ien. 3n* 
nocenj ifi nid^t in ben gaH gefomtnen, ben So^n für bie et* 
nnefene ©efälligleit einjuftreidjen. — (Einen SSerbünbeten fanb 
3Ka? nur an ber öffentlichen SReimmg in S)eutft$lanb, ba$ Reifet 
an berj[enigen unpolitif$er Äreife. SBätyrenb basier SBortfityrer 
ber fiubirten Klaffen, wie ftafob SQ3hnp§eling, unb SBolfebi^ter, 
toie ber SSerf affer be3 „gräuleinS ton JBritannien", toamenb 



1 „non tarnen (i. e. impetrantes literas apostolicas d. d. 18 cal. 
Januar. 1491) resilientee aut discedentes ab aliis literis dispensationis 
de et super premissis etiam ante matrimonium inter eos celebratum 
ßibi cancessis.« öobineau II, 1548; £)u SRont III, 2, 275. 

2 Sobineau 1, 817. 

3 Si($n0to&h) VIII, Steg. 1713 öom 16. gebruar 1492. 



143 



imb außageub i&re Stimme erhoben 1 gegen bie $anbtung£toeife 
Statte VIIL, fianben bie regierenden Klaffen laltfinnig unb ab* 
toefcrenb, mie toit no<$ fefcen merben, jur Seite. 

©o mar ber rflmiföe Äfinig in einer üblen Sage. 23a$ 
i$m angetan mar, $eif$te 9ta$e. So fam gat nid^t in $e* 
tra^t, baj$ bie Serbinbung mit Stnua eine reine <Sonbenien^ 
fceiraty mar. 3fn ©taat$f$riften fcatte bie abmenbig gemalte 
gürjlin ben Xitel einer römifäen Äflnigin geführt $)er Same 
mar ni<$t beijufommen. Slber ber bleibe ftnabe, ber ft$ tyr 
aufgebrängt, foHte bie ©d>ärfe be* beutfd&en ©$merte* fällen. 
Ueberatt begriff man, 2 ba& £obfeinbf<$aft befielen mflffe jmifäen 
3Ray unb Äarl alle Sage be« Seben*. 

Sfcun jeigte Äönig Äarl ni$t übel Sufi, nu$t nur gu be* 
galten, ma$ er in ber $anb ftelt, bie ßergogin toon Bretagne 
fammt tyrem Sanb, bie Gr#erjogin SRargaretfce fammt tyrer 2Äifc 
gift: er mar faß unerfättltd) in meiteren <£roberung$plätteu unb 
fester unerf <$ßpfli$ in Mitteln, Sßay no<$ me$r in Verlegenheit ju 
fe^en. SDiet} ummirbt er, ßujemburg bebrofct unb Äletoe Der« 
mint er. $)aiu iji baÄ ganje SJtyeinlanb, inSbefonbere ber 
6lfa& bor feinen ©elüfien leinen Stugenblidf jufcer. 3 3uglei$ 
firielte er einen too$l forgf Altig auf gefparten 4 Trumpf gegen 
SRayimilian aus, ber bie ©<$mierigfeiten nü$t nur be$ Shigen* 



i Sergl. baS im (SjcurS ju btejetn ttbfönitt berarid&nete Material. 
6. Schmidt, Hist litdr. de l'Alsace 1, 18. 

2 9tirgenb8 beffer als in bem Seifeblutigen Statten. SBergl. bie 93e* 
merfung beS SBerfafferS beS Chronicon Venetum j. 3. 1496 (SRuratori 
XXIV, 36). 

3 2e @latt I, 16. $in|t($tli<$ ber 8bfi*ten auf W&einlanb f. bie 3n* 
ftruciion Maximilians für dornel. tan 83erg$ an ben fcerjog bon 3ült$, 
bie ber ©etooflmäd&tigte am 17. gebruar 1492 jur £mntniji brad&te. 2)tijfelb. 
3lrd)iö. Strasburg mar angeMiä) Don §oä)burgunb auS bebroty, mit ber 
flauer griebria) am 11. SRära 1492 färetbt. «rajiü f. öfterr. <8efö. VII, 122. 

4 (Befürchtet toarb feiten» Maximilians bie «orföiebuna gelbriföer 
Äed&te feitenS 8franrreidj}B in eigennügigem ©inn f<$on gleidj} 1487 na<$ ber 
Gefangennahme ÄarlS öon (ggmont. Snfhruetion am 17. Sfoguft 1487 an 
ben gerjog bon 3üli<$. fcüfielb. «rd&ib. 



143 



Mid$ toetme^rte, fonbetn fl$ als ein gartet ©roden ertoie«, an 
bem HRay fein ßefien lang unb fein Stod&folger nodj ein fcalbe* 
SRenfd&enalter ^mburd^ ju tauen Ratten. 5£>a« toar bie §rei* 
Iaffuttg be£ jungen Äarf tum Ggmont, Sßrfltenbenten be* ßerjog* 
tytttn* Selbem, ba* jt$ feit Äari bem Äfl&uen in burgunbifd&en 
$änben befanb. Sie na^eju tou#erif<$e $al*abf$neiberei, bur$ 
toel$e ba» Sanb in bie $&nbe be* fonfi fo triegSfioljeu Sur» 
gunber» geraden mar, $atte ben ©elbjtönblgteifcMrieb ber 
(Belbrer entflammt SHe Abneigung, aufouge$en in ben bab«* 
burgifäen SWeberlanben, batte ft<$ bann genährt an bem ®e* 
fft^I ber emyftnng über bie »ebanblung be* jängflen 
©proffen be« alten $errf<$erbaufe*. Staxl toon ©eibern foBte 
am burgunbiföen $of jum uieberl4ubif$en ©taubeäberrn er» 
jogeu Kerben. 1 Unter ben gähnen biefe« £aufe3 fe<$tenb, 
toar er an bem unglä<ttt$en Zaq toon SJetbune 1487 in 
frattjöftf<$en ©etoabrfam geraden. Slfle feine ßeibenägefäbrten 
toaren, auftgettß au$ ber ©efangenf^aft, ber $eimat toieber* 
gegeben, er allein toar no$ fünf 3a$re in §aft. 2 Stofc man 
tym toäbrenb berf elften am brfiffeler $of im 3<*b* 1491 
bie ©&re ber aufnähme in ben Orben be« golbeuen SSIiefeeö 
}ugeba$t, tonnte ni$t als t>oHtt>i$tiger Entgelt angefeben »erben 
für bie, man toeife ni$t, mebr tü<fif$e ober ungef^idte Sßolittf 
ber gernbaltung t)on ber $eimat. $)af? man auf franjöfifcbcr 
Seite fein fDttftbergniigen }U fia^eln toerjfrmb, ifi toobl auju« 
nehmen. ®nbli$ f<$Iug bie ©tuube ber ©rlöfung. S)er ber* 
toanbte ©raf t>on 2Rßr$ bergeifelte ben eigenen ©obn, 3 bie 
©elbrer brauten bie SoStauffumme auf unb am 25. 3Rär§ 1492 

1 Seine 2ebenlgef<$i<$te wäre no$ gu ^reiben. 3<$ notire, toafs er 
1486 in Was' Gefolge in $rait!furt gur ÄönigSwabi einritt. 3anffen, 3fteid^§- 
corr. II, 418. 

3 Darüber beflagt et fi<$ na<$ feiner fflü<fte$r bei SRarjmiitan 1492 
tymtoegen 19. 3uni. 2Bien. Brd&iü. 

3 2)a8 berietet föon 1492 3Re<$eln 5)ornftog na$ Petri ad cathedr. 
(23. JJetruar) SUbred&t öon ©a<$jen bem gergog 3o$ann öon Äletoe. Zufielt). 
ttd&iö. 



144 



jog ber junge §ürft, begleitet Don bem tapfern Slobert t>on bet 
SJtarl, #erm fcon ©eban, als gü&rer ftanjßfif^er reiftger 
Sanjen, in ©elberlanb ein, überall jubelnb begrüßt unb nä<$ 
Seftätigung ber alten gretyeiten al$ £err anerfannt. * $amit 
trat gegen bie 5ßläne be$ #aufe3 ßabsburg ein gefä$rli<$er 
Sitoale auf ben pfon, ber toilben Ungeftüm im Äampf mit 
toer fotogener Stouloftgfeit fcerbanb, ein ettoaS abenteuerlicher 
Äämpe, ber bur<§ fein SWifelingen entmutigt ttmrbe, fcor leiner 
SBerfteflung jurüdfäraf. 2 ©ie ©efa^r für bie ben £ab8burgern 
erft bur<§ aJtayimilian errungene, bann bur<$ SUbrecfct toon 
©a<$fen aufs neue erfämpfte Stellung in ben nur auf ber 
£)berflä<§e ruhigen SRieberlanben, fprang um fo me^r in bie 
Slugen, aU \a bamals no$ unbejtoungen im feflen ©luiS, glet<$ 
©eibern bur<$ granlreidd unterftüfct, $$iltyl> fcon Stafcenfiein 
fi$ behauptete. Vergeben* tyatte Sllbre^t fcon Saufen ben 
franjöfif<$en @ef<$toabern, mit melden ©eibern feinen ©injttg 
fcielt in« Sanb feiner SSäter , ben friegSerfa^renen Hauptmann 
Sßiltoolt Don ©Naumburg mit Heiner 3Ra$t entgegengetoorfen. 
$>ie fofortige llnterflüfcung, bie ber (Sinbringling bei ben Sanbeä* 
einroo^nern fanb, jtoang ©Naumburg jum eiligen Slbjug. 3)er 
balb in §odanb au$bre<$enbe Sttufftanb ttneS o^ne^in allen Der* 

fügbaren Äräften einen anbern S^ e ^ 3 8 toftt & attc W° n 
naä) wenigen Monaten bie Umft$t unb Äü^n&eit ©Naumburg* 
leitete gefährliche Setoegung, meldte ganj ^oHanb mit ft<$ 
fortreißen unb SCnf^lug an 9tat>enftein fu$en tooflte, bewältigt; 



i $)ic 5)arfteÜung folgt ben toon 3. 91. 9liftoff $erou§geg ebenen 
Gedenkwaardigheden uit de Geschiedenis van Gelderland II. SBanb, 
1. «bty. ©. IV f. unb 6. 3 ff. SBergl. A. Henne: Histoire de Charles V 
en Belgique I, 54 ff. 

2 Pontus Heuterus lib. XI cap. X jum 3iaJjr 1538. £>cr »erfaffer 
roax übrigens erfl im 4. 3a$r, al§ jtarl ftarb. 

3 ©eföi<$ten unb Xanten S<$aumburg§ ©. 110 ff. $tc benad&barten 
Surften, inSbcjonberc Sodann bon ßtebe, blieben iaub gegen btingenbe §ülfS». 
gejudje wtber ©eibern feticnS 9llbrc<$i§ unb bann SKaxtimlianB jelbff. $üjfelb. 
mrd&tü. 



145 



audj lefctgenannter trofcige Sßiberfa<$er mußte no<$ t>or Qa^reS* 
f<$lufe feine ©eefefie ©lui8 ausliefern unb fu$ unterwerfen, 
aber granfretefc £atte feinen gtoed erteilt. SRaytmilianS Sage 
erf$ien jtoeifetyaften greunben no<$ bebenfli^er , $auptffi<$ü$ 
jebo# toor bie &on bemfelben erhoffte STOftnoirlung ber Slieber« 
Ianbe in bem beöorfte^enben Ärieg gegen granfret<§ auf8 ge* 
f^ultejle hintertrieben. 1 SDer rötnifd^e Äönig fcatte f<$on e&e 
©eibern* Befreiung tym befannt toar, bie gegnerif<$e Sßolitil 
richtig tayirt: aber »ergeben« $atte er bur<$ ßintoeiS auf eine 
fo beforgli^e 2Benbung ben Äaltfinn ber r$einif<$en gürfien 
)U f<$leunigfler #ülfe anjureigen t>erfu<$t. 2 Sie Sage fonnte 
für ben bringenben 3Bunf$ be* Äönig« bie granjofen }u jfi<$s 
tigen faum übler fein, gtoar regnete er auf Unterfiüfeung 
Spaniens, mit bem bereits über eine gamilieutoerbinbung unter« 
^anbelt mürbe, äu<$ burfte er auf einen felbftänbigen Singriff 
beä hinterhältigen Äönig« fcon (Snglanb iefct mit einiger S3e^ 
fttmmfyeit jaulen, aber ba$ trug tüenig au$, folange er ni$t 
fetter eine einigermaßen $inlängli$e äRa$t in« gelb jieEen 
fonnte. S)a$ t>ermo<§te er allein bur<$ SRitnrirfung be« Äaifer*. 
SBenn eS überhaupt ein Srrtyum 3 ifl bem lefcteren mit feiner 
fd&»erflllf|igen SRatur ein liebe&ollereS aSerjtänbnife beS unruhig 
forubelnben ©o$neS gujutrauen ober biefem in befonberS tyo$em 
©rabe Iinbltd(>e ©mpfinbungen gegen ben SSater §ujuf<$reibett, 
fo ijl in fcorliegenber grage bereit« bie auSetnanberjirebenbe 
Senbenj beiber oben bargelegt toorben* SKu<$ j>erfönlt$ toaren 

i gfir baö perfflnlid&e SSerbtenft Sd&aumburgS um bie SBetoältigung ber 
ljoflänbiföen fläfebräber unb foeciefl ben Sieg bei 93ct>crit>^! toergl. auger 
bem Seugntjj jetner ©enltoUrbigleiten 113 f. bnS be§ flugenjeugen töatljalter 
de meritis Alberti (Mencke Script. II, 2117) unb WoItneiS IV, 274 ff. 
üRerrttürbigertoeife erwähnt ein SBricf TOred&tS toon ©aä)fcn an feinen Soljn 
@eorg (1492 £aarlem £>orfiag na<$ Exaud. im breSb. Hr<$it>) biefen ©a<$* 
t>er$alt nid&t. 

2 SBerbung beS GorneliuS toan ©erg$ an § er 30g Söityelm toon 3ttli<$ 
1492 grcüag na<$ Valentin (gebruar 17). 3)üffclt>. flrd&iü. 

3 3n ben no<$ 3anffen, ©cf<$i<$te be§ beutjd&en SBolfS I (5. Auflage), 
507 verfallen ift. »ergl. oben 6. 130. 

Ulmünn, flüifer 9RaylmUian. I. 10 



146 



fte gerabe gekannt. $em Sater mar ber 6o$n ju felbjlänbig. 
Slrgtoitynifö traute er tym bie SCbftd^t ju, ba3 Regiment feinen 
altemben Rauben }u enttoinben. 68 lägt ft<§ nt$t leugnen, ba& 
SRayimiliana 33er$alten gegenüber ben öjlerret<$tf<$en ©tänben, 
beren £ulbigung er 1490 als alleiniger Sanbeityerr tbeiftoeis 
angenommen, folgern Untirillen 9to$rung ^atte geben muffen» 
griebrid? toar fefi entftylojfen, baS, tt?a$ er aus befonberen 
©rilnben in SXrol $atte gefc^e^en laffen, ni<$t jur allgemeinen 
Siegel toerben ju laffen, äBieber&olt begegnet in biefen Sauren 
in feinem SRunb bie SftebenSart: Ne des alienis honorem tuum. 
2Bo er lonnte, geigte er ft$ 3JtoyimilianS planen $inberlt$, 
f$nüt tym §ur ungelegenften ©tunbe Einnahmequellen, toie bie 
3luff<$läge an ber SDonau, lanbe$berrli<$e ©infünfte in ©te^er, 
Äärntyen unb Ärain ab, tooUte tyn fd^liefelity gar ni$t me£r 
fe^en. 1 SDafc er bie 1491 in Nürnberg &on SJtaf bewilligten 
Reformen aus gleitet ttrfa^e babur<$ unmöglich ma$te, bafc 
er ben naty granffurt aufgetriebenen Sag Verbot, ifl bereit« 
gefagt Sorben, Qu folget Spaltung ber Station in i&rer 
oberjten ©pifce fcatte fo bie 2Ba$l toon 1486 geführt, toeld&e 
eine fräfttgere Vertretung beS 3tei$S fcatte anbahnen follen. 
$Ru$t nur ben b$naftif<$*perfönli<$en ^ntereffen beS ©ofcneS 
fteUte jt$ ber Äaifer mit eiliger Äälte gegenüber: 2 au<$ in 



* SWar, an 9llbre$t Don €>aä)fen, HugSburg ©amjfag bor Judica, 
7. Styril (1492). SreSb. Hr$ib. £inft$«id& beS legten Sßunfte* bergl. für 
3Hfir3 1492 *r<$ib f. öfierr. ©ef<$, VII, 127, bergl. 132 u. 137. 

2 6. oben. $>aju eine Delation 2Bolfgang bon $ol$eimB unb 3Har- 
quarbß bon 93reifa$ an SRar, (Sin) 1492 €amftag bor Palmarum, 14. Vptü. 
3nn8br. Wrd&ib). £er flaifer, ber ertlftrte am ßrieg gegen grantrei<$ un- 
f$ulbtg ju fein unb bie Solgen borauSgefeljen }u Ijaben, lehnte bie erbetene 
§ülfe enifd^ieben ab. gafl jutn #o$n fotberie er bie Cratoren itjrerfeit* 
jum Äatb auf. 5)iefe fä)rieben in iljretn 93ericr)t ber (Sinttrirfung ber an* 
»efenben @efanbten beS fa)toäbi|$en 3Bunbe& bie Abneigung beS ÄaiferS gegen 
einen frangöjtfd&en Ärieg ju. 9k$ äugen (in toa^rte griebtia? fretliä) bie 
Qfyxt feines §aufeS. Sic bemänielnbe 3>arftellung einer franjojtfa)en 93ot» 
fcr)aft, toeld&e am 9. 9Rai (SJUtttooä) nacr) Misericordia) bei i^tn ttubien} 
r>attc, nrieS er in feiner Antwort bont 17. 2Rat (3in8iag nao) Jubil.) ent* 



147 



ollen gragen tnnerbeutf<$er 5ßoIitif fianben jie auf &erf<$iebenen 
geilen, hörten jie auf berf^iebene greunbe, ftüfeten fie fi<$ auf 
toerf$iebene gfirfien. S)a3 trat 1492 &infi$tli$ be* fdE>trȊbifd^en 
SBunbeS unb 83atern3 grell fcertoor, als 3Raj, ber beS franjö* 
fifd^en ÄriegeS falber bie Äräfte be* 5Rei$S befriebet unb einig 
münzte, fi<$ jum Vermittler auftoarf, toffl&renb griebri<$ enb* 
lid) feinen alten, nur }u geregten ©roU an 3Ubrc$t t>on 
Saiern, bem Stäuber StegeuSburgS unb ber lieblichen £o$ter, 
auSlaffen tvoDte. 

@S ift unumgängli$ an biefer ©teile jufammen^ängenb, 
toenn auty nur bie $ö$ften ©pifcen fireifeub, ber ©egenfäfce 
in ©aiern unb graben unb tnSbefonbere ber SSertoidlungen 
ju gebenten, in meiere Sllbred^t t>on SBaiern geraden ti>ar. 
©iefetn Ilugen gürfien fear, tt)ie früher gejeigt, bisher alles 
geglücft. Zxq§ beS ohnmächtigen ©rollS ber SBrfiber führte er 
bie Regierung feiner Sanbe ad ein im bejten (Smtoerjiänbnife mit 
beti u>ittel£ba$f$en Vettern unb befonberS mit ©eorg ton 
83aient:£anb3$ut, beffen SanbeStyeile bie feinen burdjf Quitten. 
S)ie ©raff^aft Abensberg, bie 9tet$Sfiabt SRegenSburg unb 
fd&Kefeli<$ bie £anb ber ßaiferStod&ter (fo gef<$affen für weit- 
gebenbe SnftriM&e) $atte er im Saufe toeniger 3afcre errungen. 
S>ie €<$ttnerigfeiten, mit benen bie Habsburger im Dfien toie 
im üöeften ju fämpfen Ratten, enthoben i^n ber Sorge bor bem 
3orn feines nnbertiriKigen ©<$ttriegertoaterS auf bem Äaifert^ron. 
Da »ar es offenbar bie ©rünbung beS f$toäbif$en SunbeS, 
toel$e i$n unb ben in 6<$toaben um fi$ greifenben ©eorg 
*>on $Baiern*2anbS§ut aus ber geträumten ©üfcer^ett aufrüttelte. 
3m Sommer 1488 bef$loffen naty gehabter Slbrebe beibe ein 



fdjieben ald untoa^r jurttd, unb erflärte, nähern er feine Bisset ftetS loyale 
Haltung gegen gfranhet$ betont, feine fünftige Stellung ju biefem 9tei$ 
oom ÄaH ber Äurfftrflcn abhängig ju machen. (Sine Gonferenj beiberf eiliger 
SuSglei^ggefanbten ftrieS er jurfief („$)ie botfäaft unb toerbung beS lönigS 
Don franfreidd an bie fatrf. 3Rt unb anttoort berfelbigen." 4. 3ncunabel 
8. 1. e. d. Berliner ©ibitot^el). 



148 



gemeines Aufgebot in SBaiern angeft$t& ber bebrotyli^en Saufe 
ergeben ju laffen. 63 toar 8llbre$t allein, melier ganj in 
ßonfequenj feines bisherigen SBaltenS auf ben ©ebanfen fatn, 
ftatt bie per f online 5E)ienfipfCi^t in 3lnfpru$ }U neunten / eine 
allgemeine ÄriegSfleuer (SftciÄgctb) auf fein Sanb ju legen. 
2le$nli$e3 toar in au&erorbentli<$en gällen unter (jum Stäben 
ber £anbe«£o$ett) treuer erfaufter SIRitnrirtung ber 6tänbe f$on 
bagemefen. 1 aber 2llbre$t bur$bra$ alle Seitherigen @$raufeu 
feiner ©etoalt. Dbtootyl auf einem vereinten Sanbtage be3 
mitogener unb ffaraubinger SanbeStfceilS bie 5Ritterf<§aft beS 
lederen, be$ fogenannten SWeberlanb*, entf^ieben able^nenb 
fi$ behielt, befd^Iofe er auf feinem SBiHen ju befielen« 21 m 
8. September 1488 erlieg er, unter bem Vorgeben bie armen 
Seute ju fronen, benen bie ©elbfcülfe geftatte ba^eim bei tyrer 
gamtlie unb Arbeit ju bleiben, toätyrenb geübte ©ölbner {latt 
tyrer friegten, eine fpecialijirte Snftruction jur Slnlage ber 
ni<$t benrifligten ©teuer. SHefelbe traf alle ©intoo^ner feine* 
gürjienttyumä, aufgenommen nur bie Sauern auf ben ©igen-- 
giitern ber ©belleute. diejenigen abeligen hinter f äffen, toel<$e 
ityren Ferren nur als £ofmarf Ferren ober SBögten toertoanbt 
toaren, tourben bagegen in bie ©teuerroHen aufgenommen. 

3Ran mürbe in biefem Stritt ^eutjutage eine S)oppelbe* 
fieuerung erblidfen, ba ja ber Stbel trofe biefer birecten £erau- 
jie^ung feiner Untertanen nad? mie toor jur SXbleiftung ber 
waä) ber ©röfee ber 2e$en abgeftuften 3)ienfipfli^t fcerangejogen 
ttmrbe. Silber bie ©a<$e $atte uo$ eine anbere Seite. ÜÄit 
biefer unmittelbaren 3nanfpru$na$me aller SanbeSeintootyner 
trat ber SanbeSfiirfi }tDif<$en ben 2lbel unb feine #interfaffen. 
Um fo me&r fällte ft<§ ber SCbel genirt bur$ bie engere SSerbinbung 
}to;f<$en bem gürfient&um unb ber breiten Sftaffe ber Sefcölfe* 
rung, als bisher atte Auflagen bur$ lanbfd&aftli^e SSerorbnete 

i Äerabe bie 9lot$fieuet öon 1311, weldje jur Grtljeüimg ber Berühmten 
gleich ju ertoä$nenben ftanbfefic führte, traf alle 2anbe$beti>o$ner, ni$i bloS 
ben fcerrenftanb. JRtejIcr, ®eföi$te SBoiernÖ II, 511. 



149 



eingebogen toaren, toäfcenb bieämal lanbe8$errli<$e Beamte 
t&ätig fein fottten. @8 toar im fbraubinger SanbeStyeil, too 
bie ©mpörung einen großen 3#etl ber (Sbelleute, trofc ber 
fu8j>enftoen SRaferegeln 3ttbre$tS, ju heftiger Dppofition trieb. 
£)b ber nieberlänbtf$e Slbet 5Re<$t $atte, ber mit Berufung auf 
feine gretyeitSbriefe behauptete, bafj auSfctyliefeli^ bie Sefugnifc 
ber &apitalgeri<$t$6arfeit unb leine toeitere bem 2anbe3fürften 
über abelige ^interfaffen jufie^e, ober ob 3llbre<$t mit gug bie 
3le<$t3fraft unb eventuell bie Stffloenbbarleit ber alten Sßerga* 
mente bejiritt, atö bem Segriff ber 2anbe$$o$eit unb bem pfßcfc 
tigen großen S^arrtoer! fein Stecht jur #eranjie$ung aller 
SanbeSeingefeifenen bebucirenb, bleibt $ier beffer ba^ingefteüt. 1 
63 fam mir £ier barauf an, bie innerliche 9Sertoanbtf<$aft &er* 
toorju&eben, n>el<$e meines (grasten* jioif^en biefem SSerfn^ 
einer baierif^en Sanbjteuer unb bem gemeinen Pfennig befielt, 
bet fteben Qa^re foäter für ba3 ganje 3tei$ vorgenommen 
ttmrbe, 2lu<$ ber unbefriebigenbe SfaSgang be3 SSerfu<$3 ijl 
in beiben gätten ber gleite. 

®egen 8ltbre$t$ rücfp$t3lofe8 ©umgreifen erhoben jt$ 
juerjl 24 ßbelleute beS SKieberlanbeä, anbere fanben ji<$, bur<$ 
eine rührig betriebene Agitation gewonnen, raf$ $inju. 2X1^ 
atte 2hi8glei<$3&erfu<$e fi$ bergebü<$ erliefen , traten bie Un* 
jufriebenen am 14. 3uli 1489 ju G$am am SSalbe ju einem 
erbli^en Sunb jufammen, toel<$er bie Siebte ber Vereinten 
gegen S^ermann, attein Äaifer unb Sßapft aufgenommen, ju 
f<$üfcen unternahm. @3 ifi ba8 ber Sömlerbunb, fo genannt 
toon bem DrbenSab jei$en , ti>el<$e8 bie ©lieber ju tragen ber= 
£flu$tet toaren. S)er SBunb biefer baieriföen @blen toar in 
erjier Sinie gegen ben £anbe$$errn gerietet, bem atte ate 

* 2>a§ Material giemlt<$ boflftänbig bei {trennet, SBaierifd&e SanbtagS* 
$anblungen VIII unb X. 2)ie &aierif<$en ftifiorifer fd&ötfcn fämmtlidfj aus 
tym. 6. Sötoffinan, ©efäid&te beß SötoterbunbS 11 ff.; 93ud&ner, ©ef$i<$te 
öon Katern VI, 456 ff.; tum £efner, 0eföt($te ber Regierung TOre<$t§ IV. 
(Dberbaietifd&e« Hr«it> XIII, 263 ff.). 



150 



SBeamte Dertoanbten ©lieber beä 33erein3 in ber golge bie 
3)ienftpfli<$t auffagten. ©päter fanben feine Statuten fogar 
bie SBejiätigung be$ ÄatferS, ber über biefe Sä&mung eine* 
^artnädfigen ©egnerS tote SUbre^t nur erfreut fein fonnte. 
Staun f<$Ioffen fi<§ audf> SClbred^t^ ©rüber, bie in ben Sömlern 
ein ttrittfommeneS SBerfyeug i&rer bpnajiifd&en 3tofi)rü<$e er*» 
blidften, offen bem JBunb an, roä&renb felbft Otto Don 9leu* 
marft jeittoeife tyre ©ad&e toertrat. Qm 3aljre 1490 traten 
bie Sötoter beut f$toäbif<$en Sunb bei unb gewannen au$ an 
bem Äönig toon SBö&men, bem jie tyve ©d)Iöffer öffneten, einen 
©d(jut#errn, toeldf>er mit ben 2Bittefeba<$ern ob tyrer llnterftüfcung 
ber $ab8burgtf<$en Hnfprüd&e in Ungarn neuerbing* jerfaDen 
mar. ©o ttyürmten ft$ Don aßen ©eiten SBolfen auf. Äaum 
weniger als 2Ubre$t mar baburety fein SSetter ®eorg in SaubS* 
fcut bebro^t, ber ben binfefebü^Ier ©pru<§ fo mentg ausgeführt 
£atte, bafe bie Älagen über i&n nietyt toerftummen mollten. 3lm 
lauteten er&ob SRarfgraf griebridjj Don SSranbenburg feine 
©timme. $)ur<$ alle 3Sergleid&8t>erfud&e, meldte unter anberem 
au<$ SWayimilian 1491 auf bem 9tei$8tag in Nürnberg an* 
gefteBt, maren bie ©egenfäfce nur immer metyr jugefpifct morben. 
2>ie 3Biberfa$er ©aiems regneten auf ben fiaifer, bie äBittete* 
ba$er hofften auf 3Raytmilian, 1 beffen SBebürfuifc na<$ innerem 
^rieben betyufs einmütiger ÄriegSfütyrung na$ außen fie natür* 
lidfc tannteu. 3lm 1. October 1491 mar bie 9tetdf}8a<$t gegen 
SRegenäburg, ba§ fi$ miberred[)tli<$ Dom 9tet<$ getrau, au$ge* 
mirft morben: @nbe SRotoember marb, nad&bem 2Ra?imiItanS 
SKnfirengungen bis batyin 2luffd^ub ermirfte, biefelbe publicirt. 
©<$on ftanb in Satern alles in SBaffen: bie SBmler unb #erjog 
Sßolfgang auf ber einen ©eite; Sllbred&t auf ber anbern, trofctg 
jum 2leuf$erften entfd&loffen, toertrauenb auf ©eorg fcon SanbS^ut 
unb ben Äurfürflen Don Sßfatj, ber eben im Segriff fianb eng 



1 W\i meinem SRe<$t beibe ba3 f «mitten, $at, nähern fcortiegenbe 
Sfijje afcgefa&t, 2öagner tn ben Sorföungen 22 emge^enber bargetyan. 



151 



ft$ an %xantxtiä) anjuf^liefeen. Anfang 1492 fcerlautbarte 
immer beftimmter t>on SKnfammlung franjöfiföer Gruppen in 83ur= 
gunb, beftimmt Strasburg ju überwältigen, fobalb ber f$toäbif<$e 
Stonb ba« 6<btoert gegen ©aiem erhöbe, 1 ©onberbare Sage 
für 3Rayimilian! St mu&te ©cbonung für Saiern tofinföen, 
um $Alfe aui bem 5Rei<$ gegen granfreid? }u erlangen, für 
SBatern, baä eben feinen SRüdfen an baffelbe granfrei^ lehnte, 
ajegretflid), baß aufmerlfamen 83eoba<$tern feine Sßolittf nnflar 
erfd&ten, baß man meinte, er toiffe fetter ni$t, too bwauS. 2 
<$x fyat e$ im ©egentbeil feiten bejfer getou&t, ate bamal«. 
Slber bie entflammten 8eibenf$aften, tot allem bie Sftadjeluft 
beä Äaiferä 3 erf^toerten jeben feiner Stritte. SRaj fyatU ba 
no^f in lefcter ©tunbe, um fein SSerbältmfc jum SSater ju beffern, 
ein Opfer bringen muffen, nrie es toenigften* ben anfleht bat. 
®r iannte beS ÄaiferS SBibermiQen gegen jebeS aufgeben fcon 
£errfcberre<$ten. Daber entbanb er, &om Ärteg3f<#aupla| na<$ 
Sinj geeilt, feinerfeit* am 5. SRärj 1492 4 bie Prälaten, ©rafen, 
Slmtleute u. f. to. &on Defterrei$, ©tetermarf, Äärutben unb 
Ärain ber ibm (1490) geleifieten Sßfti$t unb toieS fie toieber 

1 @o ber Äaifer an gricbri^ uon SBranbenburg. Är<$it> für öfterr. 
Äefdfc. VII, 122, bergl. 134. 3m 3uni 1492 tarn ein förmiger ipenflon»- 
toertrag jttrifdfjen $fal) unb Öranfreidfj ju 6ianbe. §äuf[er, (Sejdj. ber 
T$eimjd>en $falj I, 427 «nmerfung 70. 

2 Hrd&i* VII, 131. Ueber feine ®e[\6)i$pur\lte $at ft$ 3Ras felbft am 
beutli$ften gegen einen ©ejanbten 8friebri<$S bon ©ranbenburg im Wpxü 1492 
au§gcfpro<$en. Gbenbajelbft 135. 

3 3nt Öebruar waren SBaicrn unb ber S3unb natje baran fl<$ ju ber- 
fkfinfaigen, als faiferli^e «Wanbate unb abriefe otleS änberten. fllütfel, 
Urfunben I, 127. SSergl. SSagner 322. 

4 1492 Sinft ©amftag uaä) ftreujtag inventionis. Pergament im 
innSbrudfer ftr$it>, jebod& bur^corrigirt unb m<$i bofljogen. SRit 99c- 
ftimmtyeit Iäjji ftdj bemna$ nichts Jagen , aber fetyr toa$rfdjemH<$ iji bie 
anbertoeite £>ur<$ftt$rung ber ©a<$e, tuenn man baS Saturn beamtet, ©erabe 
toar SHag, um ben SJater jur tttuSjöfcnung mit 2Ubre<$t ju beftimmen, bon 
ttugßburg na<$ ßinj geeilt. S)aju fommt bann bie SBiHfä&rigfeit Qriebri^S 
ba§ fReidfc gegen 3franfrei$ aufzubieten fd&on im 3uni (£i$tel3 Xagebud^ 
in Fontes rer. auetr. I, 59 unb 3anf{en f Keid^Scorr. II, 553. 



152 



an ben Äaifer afe &mbe$$errn. ©rinnert man fi<$, toie fdjjroff, 
abgefe^en bon feinem Verhalten in bet innerbeutf<$en grage, 
ber Äaifer no<$ SRitte äCpril jebed $itff3gefud& feine« ©o&ne* 
jurfidfgetoiefen $atte, unb beamtet man, bafc ßnbe 3Rai bie 
Älagen SRayimiltanS über grtebrt^ üerftummett/ er im (Segen* 
tyeit toerftd&ert in ©naben beim Äaifer )u fielen, 1 fo ift e3 
too^I ni$t }u Htyn, in obigem 33erjid?t eine oon gtiebri$ auf- 
erlegte Sebütgung ju erlernten. 

3n}tt}if(^en toar längjl in 33aiern 83Iut geflojfen. Sllbred&t 
$atte ben Sötolew, SBolfgang feinem ©ruber SSort^eile abge* 
toonnen. 2llbre<$t3 £ro|} $atte ben erbojleu Äaifer auf« äufeerfte 
gebrad&t. Sm 23. Januar 1492 fcatte ben ßerjog felbft bie 
9ftei$£a$t getroffen/ ba3 8tet$ toarb jur aSoHjie&ung aufgeboten, 
jum 9tei$3$auptmann tourbe SRarfgraf §riebri<$ tum Stauben- 
bürg ernannt» Slud^ ber f$toäbif<$e 83unb, angerufen Dom 
Äaifer unb in Erfüllung feiner SSerpfttdjtung gegen £erjog 
SBoIfgang unb bie Sötoler, rufiete jid& jur a#et(na$me am 
Äantpf unter Sfafityrung be$ ©rafen @ber$arb ^on 9Bttrtemberg. 
S5er f$on für ben Slpril befd&Ioffene 3lufbru$ toarb/ jur ni<$t 
geringen tlnluft be$ SReid^auptmannS/ bann au« rein milk 
tärifd&en ©rünbeu no$ einmal aufgefegt. Slber änfang SRai 
ftanben jt$ bann tampfgerüftet beibe Parteien am ße<$ gegen« 
über. Sie geinbfeligfetten Ratten 2JUtte be$ SJtonatS begonnen, 
jeher SlugeubKd lonnte ju entfd&eibenben ©dalägen führen. $)ie 
befd&loffene Vermittlung ber eibgenöfjif<$eu Santone unb bie 
in 3luSft$t geftellte SBö&men» Ratten ba$ ©tyoert ffd&er ni$t 
in bie ©$eibe gebannt S)a$ aSerbienfl ber griebeuäjiiftung 
gebührt allein ben unauägefefcten SBemityungen SRa;.imilian£, 2 

i 3Ra£ eigen^änbig an 9H6rca)i Don Saufen 1492 Augsburg am 
WuffafcttStaa. (2Rai 31). $reßb. «Tä)tü. „i$ pin in gnaben pet? unfern 
Ijern tapfer unb fein lag. 9Rt. $ebt awf> an ctba§ J>a§ in meinen gnaben 

ju ©ein." 

2 3m Januar 1492 jrigen bie Senate be$ ©ejanbten Wbred&tS fetbft 
2Rarjmtlian als ©Htteljmnft ber griebensbeftrebungen. Sid&notüSfy VIII, 
ffieg. 1697 u. 1699. 



153 



6r tmtftte f<$liefeli$ nu#t nur ben ßaifer ju beranlaffen milberen 
©roägungen Staunt ju geben, fonbem e» n>ar itym na<$ längeren 
S8erfu$en au$ gelungen Sllbre^t ju ifoliren unb babur$ na<§* 
giebiger ju mad&en, Site e» ernfi tourbe, ^atte ©eorg Don 
2anb»$ut ©<$eu gejeigt mit feinem . flarfttriBigen Setter bur<§ 
bitf unb bann }u ge&en. S$on im gebruar lehnte er bie bon 
%lbre$t &ertrag»mäfjig erbetene £iilfe ab unb begnügte fi$ 
mit einer Heilten 2>emonflration gegen ben f<$toäbif<$en 8unb. * 
flomtte SCIbred^t gleichgültig bleiben gegen biefe ©efa^r? @» 
föemt, bafc er im 3Rärj bie Vermittlung SRajimtlian» jur 2lb* 
fiettung be* Ärieg» angerufen $at. SDiefer fonnte nicfct» tyun, 
e$e 2llbred)t §u unbermeiblid&en Opfern fi$ bequemte. 2 Anfang 
Styrtl mar er atö SCirol na$ 3lug»burg geeilt, um inmitten 
ber flreitenben Parteien feine» SBermittleramt» ju trarten. 
@<$on loar ber Ärieg in @i$t. 3)a gelang e» i$m @nbe Steril 
bie ja^Ireic^en Differenzen jttrif<$en ©eorg unb feinen bem 
f$ti>äbif$en 83unb ungehörigen ©egnem au» bem 9Beg ju 
räumen unb babur$ Salbtest ber legten Hoffnung auf bie Unter* 
fHifcung feine» Setter» ju berauben. 3 <S<$on toaren au<$ mit 
2lbre$t Unter^anblungen angefnäpft. 3efct eilte ber Äönig bon 
2htg»burg na$ ßinj, um baju bie erforberli^e faiferltctye Soll' 
raac^t — »ir toiffen bereit» bur<$ tt>el$e» Opfer — ju erttrirf en, 
unb bamit au»gerüftet fonnte er bann enbli<$ im Sager bei 
Äaufung felbjl ben Stab toerfen jtoiföen bie bereit» jum Streif 

1 1492 9Rünc$en Montag bor cathedra Petri forbert 9ifl>re<$t laut 
ber (Sinung gu Hmberg #ülfe gegen bie IRufiungen beS SBunbeS. @eorg ant- 
wortet 1492 SanbS^ut (Srid&tag üor üRait^iä (21. gebruar) , bog über bie 
fcillfe ein Sufammenfornmen aller §errn beS §aufeS SBaiern nötyig fei. <$r 
toetbe jeboa) jur „^inberfieflung unb 6^e»^ung" beS SBunbeS einen reifigen 
3ug in feine (QeorgS) 6tabt griebberg fenben. SBaier. ©taat84lr<$iö. 

* SRas an Sübred&t am 1. flj>ril. SHd&notoSftj »eg. 1755. 

3 Was <»t tat" datier U92 SfogSburg 29. ftyril bei ÄrauS, 2Rar, 
unb Sigmunb 6. 22, ttnm. 5, f. lrd>it> VII, 135. ©eorg r)atte übrigens 
am 20. 9tyrit noa) ein neues Aufgebot erlaffen (Hrä)it> 138) unb $at fein 
3urüdmeia)en burdj einen ßanbtagSbefd&lufi gebedt. ßtd&noioSty Steg. 1780 
(15. üRai). 



154 



auS^oIenben ©egner. 1 @3 fear bic &ö$fte 3 c ü- ßroßfl to<* tl > 
no<$ im na^en 2lng$burg bur$ ÜRay felbft t»otn 18. bi$ 25. SRai 
jtDifc^eu ben Sßarteien toerfymbelt, bid bcr grteben am lefct* 
genannten &ag gefiebert mar. £erjog Sll&re^t fcatte bie ©nabe 
be3 ÄaiferS treuer gu bellen. 9iegen$burg 2 unb bie ©raf* 
f$aft Stbenäberg mußte er Dem 9iei$ jurüdffietten, in bie @af- 
fitung ber SBerfdjreibungen ©igmunbs toon £irol ttrilligen, feinen 
©rübern unb ben Sitolern tootte Serjetyung unb SRejlitution 
gemäßen. S)afür toarb bie 2I$t aufgehoben unb 3ttbre$t @e* 
xofyx gegeben (bur<$ ben Sßfanbbefit} Abensbergs) für 2fo& 
jafclung eine« #eirat&guts für feine ©ernapn. SßoliUf<$ fear 
bie ©a<$e bamit erlebigt: perfönlt<§ trug ber alte Äaifer ben 
tiefgekühlten ©roll gegen ben anmafcUdjen @<$n>iegerfo&n unb 
felbft bie Softer noä) eine SBetle mit ft<$ fcerum. 3 2lu$ in 
öaiem unb ©<§tt>aben festen bie Singe erft aQmä^li$ in 
ein ruhigeres ©eleife jurüd. $>eu 35erfu<$ mittelfi feiner 
©teuerpolitif feine lanbeä&errli$e ©etoalt ju ftärfen, mufete 
Stlbrec^t aufgeben. Sitte 33er£anblungen fcaben bie Gontroberfe 
über ©ültigleit unb Auslegung ber Ianbftänbif$en Privilegien 
nt$t geförbert, unb obtoo^I na$ langer 3*ü toieber einmal ein 
£ifd> bie brei &erjoglt<$en SBrüber jum SQta^Ie vereinte, $at 
bo<$ auf bie Stauer nnrfUdje 6intra<$t }toif$en ifcnen ni$t 
Paß greifen tooHen. SllbredjtS ©lud unb Älug&eit fyabtn ber- 
fcinbert, bafc fein SRi&lingen ju fernerer ©$äbigung feiner 
Stellung gereifte. @r f$lug, tote naöf innen fein Serratien 

i BergL ben oben cttirten SBricf. 9Hbre<$t fenbet am 29. Styril ®e- 
leitSbriefc für feine Boten. 3nn§br. ^trd&iö. 

'<* 2fa§ ber gekannten Sage gang unmittelbar bor ber legten (Sntjdjeibung 
ift ein Brief beS Warfgrafen Sigmunb an ben ftnrfUrften bon Brandenburg 
1492 im Selb bor ßanbsberg naa) bem Sonntag Cantate (fo!) (Berl. %r$io), 
ber beutli$ öor Slugen fieflt, n>ie {d^toer e& fjielt bie erforberli<$en Garantien für 
(Sitntjaltimg be§ griebenS in (Sinflang ju bringen mit ber bringenb notijmenbigen 
Sofortigen Hbrttftong. SBagner 327 $at benfelben gleid&faflS benufct. 

3 $a8 geigt bie Sftirbitte HiarjmUianS bom 17. 3uli 1492 bei JtrauS, 
mag Bricftoed&lel mit $rüf<$ent 81. 3m 2>ecember 1492 ift bann 9übre<$t 
Dom Äaifer in Sin) empfangen toorben. 



155 



jur aümätyityn Sluftöfung be« Sitolerbunbe* führte, au<$ na$ 
aufeen einen bfiflig neuen SBeg ein. Äurje 3ett unb er ift ein 
einflufereidjeS 9Jtitglieb beffelbcn f$toäbif$en SBunbe«, ber gegen 
bie baierif<$en lieber griffe errietet toar; jtoei äugen f<$Ioffen 
ft$ unb bur$ be$ neuen ÄflnigS, feine« ©djjtoagerS, Vertrauen 
getragen fcat SÜbred&t ton Saiem eine mafjgebenbe StoDe im 
Steige fielen unb baS SBert ber Sonfolibation SaiernS bofl* 
enben bärfcn. 

©firgerblut blieb fontit gefpart, nidjt fteil 3Rajimilian feine 
SBergiefeung berabf^eute ober ben Äatnpf ber baierifctyen $erjog$* 
brüber toiber einanber um jeben SßreiS toermieben toiffen tooHte, 
fonbern toeil für feine Sßolittf alles, fo fd^ien e3, bon (Spaltung 
beS griebenä im 8tei$ abging, ©ctytt)erli<# toirb man aber 
na$trägli$ ber Meinung fein bürfen, bafe feine 9te<$nung bie 
Sßrobe ausgemalten fcabe. ©er ganje Jammer beutfd(jer 3*r* 
riffen^eit unb ©elbftfu^t trat tym in ben 2Beg unb lieg e$ ni<$t 
ju ben bei feiner Sßolitil borauSgefefcten Erfolgen feiner ^rieben** 
beftrebungen Jommetu 

©er Äaifer, für ben 6o£n jefct gewonnen, fronte feine 
Autorität ni$t, um jenem au& bem nunmehr beruhigten 
3lei$ eine fräftige ttnterjtüjjung ju t>erfd^affen« 3n einbringe 
lieberer SBeife, als man e8 fonft bei i&m getoofytt ift, rief er 
bie 9fei$$ßänbe auf, am jtoeiten Stugujl mit 3Jta$t gerüßet bei 
3Reft im gelbe }u erf feinen , um bie Uebergriffe granfrei$8, 
bie be« 9tei$8 @^re unb 2Bo&lfa$rt beriefen, jurüdjutoeifen. 1 
3n S)eutf$lanb &atte man barauf gefaßt fein muffen, Stoforbe* 
rungen )ur Slbtoc^r granfrei<$3 an fi$ herantreten ju fe&en; 
aber biefeft Aufgebot überragte in manchen Areifen petnlity. 
2Ran liebte fold)e ungenügenb borbereitete Kraftproben ni$t, bie, 
ttrie bie @rfa$rung gelehrt fcatte, regelmäßig, unb ni$t jum 
3lu$m ber ©efammtyeit, verpufften. SWayimilian burfte fi$ 



i 4. 3uni 1492. 3anffen, fflet<$8corr. II, 553. St^tel ernannt baft 
fcetenftütf in feinem Sagebuä). Fontes rer. Austr. I, 59. 



156 



bafcer nid^t bamit begnügen, unter lleberfenbung be$ faiferli<$en 
2)efe$l3 auf Erfüllung ju bringen: er mußte allenthalben bur$ 
befonbere SBerbung ober in $erfon bie 3WitteI feiner Stellung 
jur ©eltung ju bringen berfud&en. $>abei überjeugte er fid? 
raf<$, bafc auf biefem SEBeg nur UngenügenbeS ju erretten 
toar. Slm letd&tefien toar no<$ ber f<$toäbif<$e SBunb ju be* 
fymbeln, ber toegen be$ no<$ ju boKjie^enben 3lu3glei<$$ mit 
®eorg &on Sanb^ut Urfa<$e £atte, ben Äönig bei guter Saune 
ju erhalten. @3 toar jtoar ni<$t biet, aber immerhin mitju* 
nehmen, toa« bie ?ßrälaten, ®rafen unb ©täbte be$ SunbeS 
nadj anfänglid&em 3lu3mei<$en unb Sparten auf bie anbern 
Steid&Sftänbe bem Äönig f$lie&n$ befmüib jufagten. 1 SJtan 
!onnte f\ö) anberen jäheren 3tet$3gliebern gegenüber barauf 
berufen, 3fa$ Ratten bon ben bem 83unb juge^örigen dürften 
einige, toie bie branbenburgifc^en ÜRartgrafen, burdj> tyre 6tel* 
lung jum §of genötigt, jur £ülfe ft<$ bereit ftnben laffen. 
S)ie ©tfinbe 2Hrol3 betoiUigten auf einem Sanbtag ju Sterling 
ein $ülf8gelb. 2 S)a$ fam fe$r gelegen, jumal ba SKay, Don 
StugSburg aber Ulm na<$ Äonftanj jietyenb, bafelbft mit ben 
SBoten ber Sibgenoffen aber Stellung fcon 6000 SDtoun gegen 
§ranfrei$ toer^anbelte. greilid^ gelang ba$ nid^t SRur nahmen bie 
©ibgenoffen bie Vermittlung jtoifc&en beiben Äönigen in bie Jpanb. s 
$ier getäufd^t (aud& bie längfl ber^anbelte ©inung 3Wapmilian$, 
afe iefcigen §erjog8 toon S^irol an ©igmunbs € teile, mit ben 
(Sibgenoffen fanb immer neue Stnftö&e), toanbte er ft<$ an ben 
Dberr^ein. 2Cuf baS ©erhalten ber wer r^einifd^en Äurfürfien 
fam jutn ©etingen ba$ meifte an. SSon biefen fcatte eben 
Sßfaljgraf p&iliW> frangöfifd^e Sßenfton genommen unb jt$ jum 



1 Älütfcl 134. $ie anfänglichen S8et$anblungen ebenbaj. 131 ff. unb 
Datt de pace publ. 500. 

2 Euf baffelbe nafjm 3Äaj buta) ©offenbrot 35,000 ff. auf! 9Waj an 
bie fRät^e in 3nngbtu<f, Sonfknj 1492 Sonntag nac$ Jacobi apost. (3uli 29). 
SBien. 6t.-9L 

3 Gibgen. «bliebe III, 1, 413. Anleint II, 98 ff. 



157 



6<$fifeUng Äarfö VIEL etHärcn raffen- 1 ©erabe in biefen 
Äretfen, too man bic ©efa^r eine« verf eilten Unternehmens, 
ba3 auf§ neue nrie 1488 bie Kägli^e 6<$toä(§e be$ 9tei$$ ent* 
füllen mu&te, am flarften erfaßt $atte, befianb offener 3Öiber* 
toiDfe gegen ba£ Aufgebot be$ 9lei<$$ober$auj)t$. 3Jton toar ge* 
rabe befliffen, eine gemeinf$aftli$e <£rflärung gegen baffelbe 
ju vereinbaren, afe be« ÄönigS eingreifen biefe girfel fiörte. 
5Der Äurfürji von Sßfalj fonnte fi<$ ber 3tufforberung nityt ent- 
stehen, mit feinem Äönig in Strasburg jufammengutreffen. 6r 
$at bafelbfi fogar, toenn ber franffurter ©efanbte gut unter* 
rietet ift, fi$ ju einem #üIf3Verfore$en fcerbeigelaffen. 2 6$ 
{am bei biefem Slnlafj ju einer f$riftli$en (Erörterung jtütf^en 
bem $falggrafen unb bem Äurfürjlen von SKain}, bie ju <$araf* 
terifHf<$ iji, als bafc k& nid^t einiget ober bie ©efi$t$punite 
beiber furftlid^en £errn mitteilen foffte. 3 Qene jtoif<^en ben 
flutfürften ju vereinbarere Stbfageformel gegen ba3 Aufgebot 
fottte bie Sluäfityrung be3 Iefcteren von tyrer ©eile für f<$äbli$ 
erflären, ba bur$au& nid^td von fonfliger S^etlnafyne ber 
Stäube Verlaute. 3Jtaj $atte nun bur$ §an& ßafpar von Sauben« 
berg ben Sßfaljgrafen privatim bearbeiten laffen mit ber ®r* 
flärung, ba§ ber f$toäbif$e 33unb unb etliche anbere gtirften 
tym bereit« $ülfe jugefagt Ratten. S)amit f$ien jene furfurjl* 
Ii<$e 9(bfage ni$t me&r jutreffenb unb Sßfalj fonnte fi$, bevor 
er ben Äönig geft>ro<$en, berfelben r\iü)t metyr auffliegen. Um 
äerger unb Verlegenheit ju verbergen fu<$te er bie @<$ulb auf 
ben lurfur ftU^en SoHegen ju toäljen: SWainj, fc^rteb er, fei 
jtoar bünbif$, gehöre aber bo<$ nä&er bem lurfürjlli<§en Orben 
an. ©t möge bo<$ ermejfen, toel<$e8 Sob e8 teuerem bringen 



i §fiuffcr o. o. C 9fai 5. Se^tem&et 1492 f)atte gnmfrei<$ bie 85er« 
binbung mit Sßfalj eingeftanben. ^anfielt II, 6. 555. 

2 Arn 24. ftußuft fei er in ®nnben mit 3ufage tröftlid&er fcülfe ab- 
«entten. 3anffen II, 556. 

3 SBaietiföeö @taai3«3lr d)U> Palat. 435/5 aum St l) eil {$ott im 93or1jer- 
flcljenben benutjt. 



158 



muffe, toemt in fo großen Singen juerfi bie <gintt>iHigung be$ 
83unbe8 gefugt unb bann erfl bie fturfürften angegangen 
toürben. fturfürjl S3ert$olb toeranttoortete fi$ fe$r energifö. 
@r glaube ni<$t an bie „ftattti^e £ülfe". etliche prften 
$ö$ßen£, bie am ßof toären, motten eiugetoiHigt $aben. SBaS 
ben ©unb beträfe, fo l?abe biefer be$ laiferlid^en Aufgebots falber 
erfl einen gemeinen Sag auf ben 24. Slugujl angefagt, ju beffen 
Sefu$ er ernftli<$ erforbert fei. 9luf alle gäHe toiffe er ni$t$ 
batoon, 1 ba er e$ fonjt bem SBfatjgrafen ni<$t behalten fyaben 
toiirbe. 6$ gelte nur ben 2Ba$n ju erregen, bafe grofee gu* 
fagen getoife toären. @i$er fei e$ bamit nichts unb nur 
Oeftött tofirbe, tote Formate, ba* SRefultat fein. fturfürft qtyiliw 
foHe in Strasburg ba$ bem ftönig ju @emfit$ führen. $in* 
fid^tlid^ beS i$m gemalten 33ortourf3 toieS Sert&olb auf feine 
Der lurfiirftti$en @$re entfpred&enbe Haltung auf ben Sagen in 
granlfurt unb SRüruberg ^itu Sann erflärte er: er fytlte für 
bittig, baß ber ftönig in folgen §änbeln t)or allen Singen 
an einem gelegenen Ort be3 9tei$$ ratyf$Iagen Iaffe, nu$t aber 
alfo f ^reiben laffe: „ftomme unb jie^e." Senn auf fol<$e ©eife 
tbnne man ni<$t jie^en. 3** biefem Sinne fei feine Sfattoort 
an be$ ftflmgS Soten ausgefallen. „<£S muffe ein ettoaiger 
gug mit befferem fflati) unternommen toerben, als bisher, bamit 
ni<$t abermals baS ©elb unnfifc unb mit Spott &erf$leubert 
tofirbe. SttuS bem Sag ju 3Refe, ba« ju fern fei, fßnne ni$t3 
»erben. " 63 jie^t ju toermutyen, bafe ber Sßf aljgraf in biefem 
©inne mit bem ftönig gerebet tyabc, bafe alfo feine 3 u f a S e * n 
Strasburg nur eine etoentuette getoefen fein (ann. 2ln biefem 
SBiberflanb beS furfürfilic^en ftreife* fc^eiterte ber Oebanfe 
einer eytemporirten 3tei<$S&eerfa&rt, too tote bei ben fr&n(ifc^en 
SJMrjtagen an ben SRaty ber SSerfammeltett fofort ber 2lufbru$ 
jum ftampf fi<$ auffliegen foDte. Saju toareu bie 3^ten unb 

i 3n ber tyat $rite ber ©unb als jold&er feinen SBefölufc gefafc 
9lur bie mmbnen ©lieber einerseits Prälaten nnb (trafen, anberetjeitS bie 
€täbte Ratten ein paar $unbert Wann sitßefagt 



159 



bor allem bie ©elbbeufel ni<$t me&r angetan. 5Dem fampf* 
luftigen Äönig ift baS obne QtottfA auf eine ober bie atibete 
SBetfe Hat getoorben, @r gab als hoffnungslos bie Steife nad> 
£rier, angeMi<$ toegen f$le$ter SBege unb mangelhafter SSer* 
pflegung, auf 1 unb verfügte ft<$, überall bemüht ©elb aufju- 
bringen, na<$ granlfurt. 5Der 9tei<$Stag toarb Don 3Refc nac£ 
Äoblenj berlegt. 2 ©<$on bie SBa&l be* Ort* §eigt, tag 2Rap 
ft<£ überzeugt $atte ber raffen Zfyat ben bebä<$tigeu SRaty bor* 
angeben laffett ju muffen. Äoblenj trat fein ©ammelpunlt für 
ein SCngriffS^eer auf bie granjofen, bereu $auptma($t in 33ur* 
gunb fi<$ concentrirte. 6r toottte nun fein ©lud auf bem 
rei$3orbmmg*mä&igen 3Beg berfu<$en. §reilu$ berfa$ er fi$ 
au<$ auf biefem einer raffen <Sntf<$etbung. 9ü<$t aber brei Sage, 
f<$rieb er bon §rau!furt au$ an 2lI6re<§t bon Saufen, toürbe, 
fo fcoffe er, ber 34ei$$tag tttftyren, ba er untertoegS f<$on alle 
6a<$en „JU einem 8ef<$Iufj ge^anbelt" $ätte. 3 Sm 21. lanbete 
er ju Äoblenj. ©afelbfl toerfammelten ft<$ um tyn bie rfyeim- 
föen Äurffirjten, bie ©efanbten jtoeier anberer Äurfürften, 
einige gurften unb Stäbteboten. 3)ie Sufammenfcmft burfte 
laum beanf prüfen für einen SRei<$Stag ju gelten. SDie Stim- 
mung ber Sfaioefenben mar feinen planen nichts toeniger als 
gunftig, fotoeit bie fe^r bürftige Ueberlieferung ben Verlauf 
erlennen laßt 33ettfcolb bon SRainj tritt guerfl $ier beflimmt 
als SBortfityrer ber rei($«ftänbif$en Dppofttion $erbor. @8 ifl 
föon mit 9te$t bemerft toorben, bafe aus allen Sßorten baS ©efü^I 
mangelnber ©olibarität jttnfd&en ben SebenSintereffen beS Steigs* 
Oberhaupts unb ber 3tei<$Sftönbe $erborIeu$te. SBer fc^fifct biefe 
©renjlanbe, menn fie jefct bem Äönig beifie^en unb fpäter bafflr 

l glorian Söalbauf oon SBalbenftein an Sigmunb oon Xirot 1492 
granlfurt ©amftog na<$ exaltat. crucie («Sept. 15). 3nn§6r. Wrdjio. 

* 9Retj Ijatte fl<$ aud) bie i$m jugebaä)te (£ljre oerbeten (3anRen U y 
556). 2Har. %aiit bann an Stier gebaut, föliefctid(> mar Äobtenj getollt 
toorben. $)te SabungSföreiben waren €ttaf$burg Wontag naä) Qrauentag; 
aesumpt. (Sfoguft 20) ertaffen. SBiener 6t.»^r^ib. 

3 16. September. $>re6b. Hr^iD. 



160 



von f einbüßet Ueberma<$t vergewaltigt toerben? 5DaS fear fein 
neuer ©efid&tspunlt, feit vielen Sa&ren begegnet man i&m bei iebetn 
9$erfud& bie Äräftc beS SReid^S bem äfiiUen beS ÄatferS btenjlbar 
ju ma$en. (SS ift au$ baS bejeid&nenb für bie läffige Un* 
betoegltd^feit, ju ber unter griebri<$ III. bie $inge gebieten 
toaren, bafe ni<$t baS ©eringfte gefd&e&en toar, fo empfmblid&em 
SWangel abhelfen. 3ej$t fanb berfelbe feinen correctejlen SfoS* 
bruef bur<$ ben 3Bunb beS (SrjlanjIerS: ber Äaifer ffäbe fein 
Sanb toieber, verlören aber bie ©tänbe bie tyren, fo toürbe 
uiemanb Reifen fie toieber }u gelohnten; fidler §um ©cfyaben 
beS 9tei<$S. @S tonnte bie o^nebieS über baS ©tedfenbleiben 
ber 1491 ju Sftürnberg verfprod&enen Reform unb fajl me^r 
no<$ aber bie brüste SCrt beS 2luf gebots ofyte Berufung unb 
Befragung beS dldä)& verbitterte ©tünmung ni<$t verbeffem, 
bafe ben ©täuben ein 2Bort beS ÄaiferS jugetragen toorben 
toar: ©r fei verborben, fie müfeten auä) verberben. * &afyi$ 
fiel ins @etoi$t bie Unmögli^feit eines erfpriefcUdjjen Sefd&IuffeS 
bei bem mangelhaften 33efu<$ beS £age$, bie f$le<$ten, gur 
2Bieber$ohmg ni<$t reijenben, Erfahrungen, toet$e man mit fo 
ungenügeub vorbereiteten ÄriegSjügen gemalt, bie llngleid^ 
mäfetgfeit ber SBelaflung bei ber großen ßa^I ber Unge^orfamen 
u. a. m. Äurj, bie SBerfammelten weigerten, trofc ber perffin* 
Iü$en Sntervention beS ÄönigS bei SBert&oIb, trofc ber energi« 
fdfjen Unterftüfeung einer englif<§en 33otf$aft, trofc ber für SKap 
in bie Slugen fyringenben SRotytoenbigfeit mit einem $eer §u 
bem bereits bie Ueberfa^rt antretenben Äönig von (Snglanb, 
feinem SSerbünbeten, ju ftofcen, bie erbetene £filfe. gtoar einigte 
man fi<$ fdfjliefcli<$ ju einem 3lbf<$iebe, ber fd&einbar alles ge* 
toä&rte, was SRafimilian forberte. Slber man ^atte nie über* 
fe^en bürfen, bafe biefer Stbf<$ieb mit feinem intereffanten @e* 
bauten einer ©tabt unb plattes Sanb unterfd^eibenben ©teuer 
von jeber geuerftätte — b. \). alfo einer Abgabe auf j[ebe felbfi* 

i 3anfien, 9teid)§corr. II, 563, \. 560. 



161 



flänbige #au«$altung — rmr ein Sßroject ifi, beftimmt einem 
neuen SReid&Stag, ben ber Stbf<$teb felbfl auf bert 13. SDecember 
be« 3a$re« na<$ granffurt einberief, ate ©runblage ber 85e* 
ratyung §u bienen. Um fo e$er fönnen toir uns an biefer 
©teile eingetyenberer Ärilif be« ©ntttmrf« enthalten, al« jener 
franffurter £ag gar nid&t jtt ©ianbe gefommen ift. S)aS einzige 
greifbare Slefultat ber ®emü$ungen SJlayimilian« fear bte 33e* 
toiKigung einer ©umme ju einer eilenben #ülfe auf ben bor* 
au$fi$tli$en Ertrag jener beabfid&tigten 9tei$$jteuer. i S3on 
bem auf 94,000 ©ulben fefigefefcten Setrag biefer eilenben 
£ülfe fmb mbeffen nur 16,000 cingcfloffen. 2 ©er fänftige 
9tei<$3tag feilte aud& jenem alten ©efiberium gegenfeitiger ©d&ufc* 
toerfcflictytung gegen feinbli<$e Singriffe in golge be« 3tei$S* 
bienjie« abhelfen, ßunäd^fl begnügte man fi$ mit einer im 
9töf$teb verbrieften ßufage be« faiferli<$en unb fönigli^en 33e* 
fcoflmäd&tigten. S)er 2tbf$ieb legte au<$ ben ©täuben bie 33er* 
pflt$tung auf, mit allem mögli$en glei& tyxe Untertanen jur 
83etoiIKgung ber großen 9tet<$Sfleuer ju beroegen. Anläufe finb 
au$ ba)u gemalt toorben, j. 83. toarb in Syrier ein Sanbtag 
ausgetrieben. 3 3Bo man nad&fommen fann %at ft<$ offene« 
SBiberftreben gegen biefe ungewohnte Selafiung funbgegeben, 
obg!ei<$ bte Slrt ber Veranlagung unb Einbringung bie ©elb* 
ftänbigleit ber ©tänbe bur<$au« fronte, ja bie le$t£ren eigentlich 
§u Ferren über bie £ö$e be« Ertrag« mad&te. 3n«befonbere 
im ©ebiet be« fd^toäbifd&en 99unbe« führte biefe ©timmung ber 
Untertanen ju einer ge$arnif<$teu (Srflfirung gegen ba« ganje 
Sßroject. 4 28ir »erben le|terem fpäter bei SBürbigung ber SSor* 
f$läge toon 1495 ttrieber begegnen muffen. 



1 fteid&Sabfäiebe I, 294 unb Datt de pace publ. 498 ff. 

2 ©eibe Stffcrn fliebt 2Rat, fclbft in einem »rief an 'TOred)t bon 
6a<$fen: 1493 ffolmar @ri($tag nac$ Invoc (Sebruar 23). $>re8b. Brd&ib. 
Unier ben 3a$tenben war Sffiürtemberß. ©tölin III, 635. 

3 1492 9tobember 6. ©oera, töegeften ber erjbifäöfe öon Xrier I, 288. 

4 Älüpfel I, 187 f. 139 ff. 

Ulmann, Äaifer TOajimUian. 1. 11 



162 



3ngtoif$en mar in friegertföer JBejie^ung ni#t$ SRennen** 
ti>ertfce$ vorgefallen. 5Die Wenigen unb nur geringfügigen 6on* 
tingente, toel<$e ber ©etyorf am gegen baS laiferlid&e Aufgebot 
ju SDtayimilian geführt, feilten ju SRartgraf ß^riflopl? *>on 89aben, 
Oubemator ton Suyemburg, flogen. 5Da$ gab, ba e$ gegen 
bie ju $aufe erhaltenen 83efe£le toerjttefe, vielerlei SCnftänbe. 
Siel 9tfi$men$ von ben Saaten biefer Ärieger fann bie ®e* 
f$i$te auä) ni$t mad&en. ©djjon um 2Rartmi 1492 jogen 
biefelben / übrigens jum grofeen SBerbrujj beS ÄöuigS, ben ®e* 
boten i&rer ©olbfcerrn getyorf am, mieber $eim. 1 9ta$ 6$lu& 
beS £ageS ftitte 3Kaj in ^erfon bem SRarfgrafeu SBerjtärftmgen 
juffi&reu motten, um fi<$ bann in bie SRieberlanbe jum $er)og 
von Saufen unb von biefem ju feinem 33unbeSgenoffen, bem 
Äönig von (Snglanb, ju begeben, beffen Singreifen enbli<$ be* 
Vorftanb. Unb als 2Ray hocherfreut erfahren , bafe entließ am 
13. Dctober ba$ jä£ toertyeibigte ©fat« an 9lbre$t von Saufen, 
ben gulefct engttf^e Skiffe uuterflfifct Ratten , übergeben toar, 
befahl er bem $erjog, \a lein Sol! §u beurlauben, fonbern mit 
8Ra$t ben Sngl&nbern jugujie^en. 3lo6) [teilte er fein balbige* 
(gintreffen in StuSjt^t. 3 Slber ej foHte alles anbers fommen. 
gtoar entriß ein $>eta$ement burgunbif^er Stetftger unter SoutS 
be SSaulbrep unb beutf$er £anb*fne$te unter SBiftoolt von 
©Naumburg, ber ft$ mit einem JEfceil feiner Seute lo$gema<$t 

* Der 9Befe$I «KasimilianS na$ ßujemburg |u gießen (1492 Ofjenborf 
am (Jgtbtentag, 1. September) ift bon gugger ($].) aufgenommen, lieber 
bie Haltung ber Kontingente f. ben SBeri^t tfjreS Hauptmanns bei fllityfel 
I, 135, f. 187 (12. Cctober). 3anfien, Heid&ScorT. II, 566 («egeft 714). 
Sie unter SBefeljl GfcriflortS bon Stoben jtefcenbe Xxuppt xfi bie, beren 
im 93xief be« tfömgS unb 9teid&8tagS Dom 8. Cctober an Qeinri$ VII. ge- 
baut tuirb als öorauSgefanbt in limitibus hostium ad praeoecupandaa 
anguetias, melier 9Raj balb mit aller 9Ra$t nachfolgen »erbe. Freher- 
Strave, Script rer. Qerman. III, 46. 

2 9Ras an 9Hbre<$t 1492 ftoblenj 22. Cctober unb am 28. Cctober. 
SJrcSb. Slrä)to. 2Hbrec$t entfanbte in ber St^at }u ben in Calais gelanbeten 
Qmglfinbern feinen Hauptmann SB. &on ©Naumburg mit 4000 <Dlamt. ©e» 
fd)iä)ten unb Saaten ©Naumburgs @. 128. 



163 



fcatte bon bem Stuftrag ju fteinxiä) VII. ju flogen, ben 
granjofen mittelft üeberrumpetung ba3 toid&tige SlrraS. aber 
ate na<$ Sicherung bicfcr ®ro6emitg ©Naumburg feinem 33e* 
fe^l nad&fommenb bie ^Bereinigung mit ben ©nglänbern fud&en 
lüoHte, erfuhr er ju feinem ttid^t geringen ©rftaunen, bafe @ng* 
länber unb granjofen jt<# mittlerweile »ertragen galten. 

3$ barf e3 unterlajfen, ben 2>arfteflern englifd&er ©efd&id&te 
ausführlich bie unnriirbige Sßojfe nad&juerjffl&len, bie ber $arte 
Sntereffenpolitifer mit feinem SSoIC unb feinem SSerbünbeten 
gefinelt #cinri<$ VII. War fi<$ ber unenbli<$en Sortierte ber 
tnfuloren Soge feines 8tei$3 btel ju fetyr beWufjt, um ft$ in 
continentale ßriege ju betwicfeln. @r ^atte ben balligen $ru$ 
mit granfreid& immer bermieben, felbfi ate er feine @$ü|en 
nad& ber Bretagne fanbte. Stu# jefct, trofc $o£er SBorte, trofc 
ber bom Parlament bewilligten ÄriegSartifel unb fd&weren Sluf* 
lagen, trofc be3 StüjiungSlärmS in ganjen Sanbe, wottte er ben 
Ärieg nt<$t. Gr ftanb f<$on in ttuter^anblung mit bem geinbe 
ate er baS 6<$iff beftteg, unb ate er in ©alate lanbete war er 
entfd&loffen, e$ ni$t ju ernfilid^en geinbfeligfeiten lommen ju 
Iaffen. 3R8gKd&, bafe bie ungünfligeu Senate feiner ©efanbten 
fiber 3RayimiIianS 3Jtittellofigfeit unb bie Ärieg3fc$eu ber beut* 
f$eu ©rofeen i$n ebenfo unlufiig matten, ate ber bon granfc 
reid& ge^ätf^elte Sßrätenbent tym Seforgnife einflößte: fi<$er lam 
beibeä ate SluSrebe neben ber borgefd&rittenen ^afyxefyeit tym 
treffli<$ ju Statten. <£r begnügte fi<$ mit ber ©ntfefiigung 
einiger Keinen Sßläfce, unb ate er mit pebantifd&er Sangfamfeit 
borwärtS rüdfenb bie SelagerungSarbeiten bor Soulogne fo weit 
geförbert £atte, ba& iebermann ben ©oginn be$ ÄampfeS er« 
wartete, f<$lofe er, na<§ erlangter 3uftimmuug ber Sotbä in feinem 
Sager, mit Äarl VIII. am 3. SKobember 1492 ben griebeu ju 
(StapleS. SUIianj unb ßanbetefrei&eit gaben bie f$ü$enbe 3)ede 
ab für biefeS abfommen. 3n 353a$r$eü jaulte Äarl VIII. für 
ben Slbjug be3 geinbeS biefem für feine ehemaligen ßriegS* 
auflagen für Slnna, nunmehrige Königin bon granfrei<$, unb 



164 



als SRüdfftänbe einer einfl ©buarb IV. jugefid&erten Sßenfion 
fe&r er^ebli<$e Gummen, gür fo fd&nöben So^n gab #einri<$ 
ben römifd&en Äönig preis, ber tym getraut unb ben er felber 
mit allem @ifer in biefen Äampf ^ineinjuflofeen lange 3«t be* 
ftiffen gercefen toar. 3J?ayimilian toar in SBurgunb eingebruugen, 
als er bie 5Ra<$ri$t erhielt, toeld&e gerabeju nieberfd&metternb 
auf feine Umgebung nriifte. Sr felbji, ber getoünfd&t fi<$ gu* 
fammen mit 2llbre#t üon ©adjjfen bi$t neben bie ßnglänber 
ju lagern, um fie beff er f eft galten, * f anb einen Shigenblid lang 
nur £rofi in ber Skligion. Sttllcr SBelt Spott fei er gemorben, 
llagte er an Stttbred&t, ber bie ©eutfd&eu fenne, aber er lebe 
no<$ aflejeit ber Hoffnung unb getröfte ft<$ beS 9Borte§ im 
(Stoangelium, bafc ber $err ben ©ered^ten nic^t üerlaffen toerbe 
unb bafe er benen, bie er lieb fyat, aBejeit SBibertoärtigfeiten Der* 
füge. 2 ©eine 3ta<$egebanfen öerfcfylofc er junäd&ft in ftc$: er 
bat i&uen lange unb jety nachgegangen, fie breiten toieber^olt 
unter fe^r überrafd&enben Umftänben aufö neue tyertoor. 83atb 
traf tyn ein weiterer ©<$lag. 2lu<$ ©panien, ba3 ju feinen 
SSerbünbeten ge&örte, fd&lofe am 19. Januar 1493 mit gran!* 
reic$ gegen SKüdfgabe ber toerpfänbeten £anbf<$aften Stouffitton 
unb Eerbagne griebe unb greunbfc&aft. 9U<$t blo$ toerfpra<$ 
ba3 fat&olifd&e ÄönigSpaar granfrei<$ gegen Singriffe ju unters 
ftüfcen, eS fcerjid&tete au<§ au$brü<£li<$ barauf, mit beffen geinben, 
inäbefonbere mit bem römifd^en Äönig, in gamilientoerbinbung 
ju treten. 3 3Rayimilian ftanb jefct in ber £$at, Wie er Dornet 



i ©. ben citirten SBricf oom 23. Cdober an fllbreä^t. 3lu$ gegen- 
seitige BuS&ülfe mit $totiant ben hinter über $atte jur fluffteflung biefeS 
Splanß geführt. Im 13. *Robember tooflte SRqj noä) ni$t an GmglanbÄ 
^bfaQ glauben. (Sr marnte ®eorg bon SBatern bor bem ©ertiefct (SBaier. 
6t.*$.)- ^ö*- *g3 Urtljeil beS StonjigerS äBeinreia) über baS S actum. 
Script, rer. Pruesic IV, 791. 

2 gjiar, eigen^änbig an fltbred&t s. 1. 1492 6t, Sucienabenb (12. S)c* 
cember). 2)re§b. 9lr<$ib. 

3 Cherrier, Charles VIII, 83b. I, 8. 243. Eon einer Sermäbtung 
spfjüippS be8 Schönen mit einer jpaniföen ^ßrinjejpn ift in einer Snfrraction 



165 



getrieben, allem mit bem ©a<§fenfürften ba. Unter folgen 
Umftänben toax e$ ni<$t bie fletnfle feiner Verlegensten , bafe 
ber Sßegfatt beS englifd^en ©olbe« unb ber 2Be<$fel i§n nötigte, 
bie mit 2llbre<§t toegen fetner Seja^Iung 'getroffene 2tbrebe um* 
jujtofeen/toeil er felber jefct bringenb ber Summe benötigt toax, 
toeld&e gugger auf bie ©Uberbergtoerfe toorfc^ießen follte. @ine 
3ufammenftmft beiber in Suyemburg follte über bie Unter* 
frmblung mit granf rei<$ unb bie ©egentoetyr gehalten werben ; i 
n?enn fte fiattfanb, ift fid&er ba toon ber leibigen ©elbfrage bie 
Siebe getoefen, bie bei beS ÄönigS Sebrängnife fietö unerlebigt 
fid& $inbur<$f$lewt bur<$ WbxefyS ßeben -unb ttrieberJ&olt bem 
Ser^altnife beiber ernfHid&e ©efa^r bro&t 2Bet<$ ein ©Ifidf 
für 2Ray, bafj na<§ ber Untewerfung Sß^ilippö toon Äleüe 
bie ÜRieberlanbe toorerfi rutyig 9ßbre$t ge$or$ten unb bafe e3 
ben Semityungen be8 @rjbtf<$of3 ton ßöln ebenbamate gelang, 
mit Äart toon ©eibern eine SBaffenru^e $erbeijufü$ren. 2 3n 
ÄrtoiS $ielt man ©tanb: bie'SSerfud^e be3 3Rarf<$att$ 3)e$querbeS, 
änraS jurüdtjugehnnnen, toaren fcergeblt<$. ©o blieb ba£ 2Bid&* 
tigfie, bie fjrand&ecomtä, neben 2lrtoiS ba« bebeutfamfle Dbject 
au« bem toon Äarl VIII. feftge^altenen #eirafl&3gut 3Jtorgaret$e3, 

Maximilians fd&on im Sebruar 1402 bie Webe. 3n ben 3aljren 1491 unb 
1492 toirb freiliä) audj oerljanbelt über eine Qeuatf) VfjilippS mit ber 
<£rbtoc$ter ©eorgS Don SBaiern*2anbS$ut. 2i<$noto8fü Heg. 1863, bergt. 1(331 
unb «nS^elm II, 71 (3. 3. 1491). 

1 SBrief oom 12. 2>ecember. £ie früheren SBriefe finb ooH oon ber ©elb- 
frage. Um ttlbredfyt 311 begütigen, fam eS in biefen Monaten aufs %aptt, 
feinen So^n Sricbrirf) gum SHfdjof Don SBürgburg ju machen. ^Huf bem 
Sag in granffurt follte baS betrieben werben. S)re8b. %x6)\t>. 

2 Xer flnffanb follte bauern oom 27. Cctober bis 25. SHfirs 1493. 
Sin gütlicher Sag follte am 2. gebruar in £öln ftattftnben (^ermann oon 
ftöln 1492 auf Simon unb 3ubä flbenb). $üffelb. ^Crd^ib. ©eibern f)atit aus 
fltotntoegen 19. 3uni 1492 öon SRar, feine Wnerfennung unter Betreuerung 
friebli$er ®e[innung verlangt. Söiener Hrd&io (fiidjnotoSfy SReg. 1806 baS- 
felbe ©^reiben an ben flaijer). 9luS einem ©rief (SelbernS oom 31. 3uli 
ergiebt fl$ ein gefanbtf($aft!ic$er 93erfef)r. Hm 16. Huguft jeigte Äarl VIII. 
an, bafj fl<$ Äarl oon Selbem für feinen fluiden erflärt ^üite. Wiener 
€t.*Ura)io. 



166 



aus franjöjtfßen #änben ju reifeen. 9htr bann liefe fid^ ein 
leiblicher grieben hoffen. 1 5Die ©timmung ber ©eböllerung bet 
burgunbifßen greigraffßaft tuar betn SBornetymen günftig: bie 
franjöfifd^e #errf ßaft* fyitte &ier noß burßauS feinen ©oben 
gefunben. 2 63 toar ba^er rißtig, roenn 2Ra? alle verfügbaren 
Äräfte an baS Unternehmen fefcte. ®elb fd^eint er bei ber 
Iangfamen ©inja^tung ber eilenben #ülfe burß SJerpfänbungen 
unb burß me^r ober weniger unfreiwillige Sinteren bei ben 
3teiß$fläbten aufgebraßt ju fyiben. 3 Sftur burß biefe 9loti) 
erflärt ftß fein jögernbeS 93orge^en. SRaß bem ©ßlufj be$ 
f oblenjer £ags verteilte er noß länger bafelbft nnb in ber 
Umgegenb, erji SInfang SRoöember !am er, offenbar noß nißt 
reßt entfßloffen, naä) Stier, bann naß 2Re&, t)on ba enbliß 
toanbte er fiß mit entfßiebener ©ßtoenlung an bie Saar unb 
t>on ba naß bem @lfa&. 4 3Jlit einem auä geworbenen Gruppen 
unb SJanbeäeinroo&nern befiefcenben $eer, ju bem gegen Slnfang 



i Äarl VIII. behauptete ein beffereS SRedjjt auf 8ran<$ecomt6 unb $icarbie 
ju befifcen. @r erttärte Sttargaretfje als (Seifei feft^alten gu muffen, um gegen 
ungerechte Angriffe SRarjmilianS unb feines ©olmeS gefcptjt $u fein. (Sr 
glitte »ieber^olt baS auslief erungSberlangen jurücf gewiefen. 
2)ie richterliche @fntfd)eibung, ber er ft$ r)inftd^tlidt> jenes ©ebieteS untertoerfen 
tooflte, t)telt ber SBenetianer Gontarini, ber bom ÜJcai bis September 1492 
in gremfreiefj mXf für eine ginte (Alberi, Relaz. 1. Serie, IV, 24 f.). 

2 8en>ei§ finb bie gleich 3U bericf)tenben $l)atfac$en. 5) er $enetianet 
Ouirini berietet analoges fogar bom §erjogt$um SBurgunb noc$ im $a$r 1507. 
Alberi I, 6, @. 63. 

3 ©igenfjänbigeß Goncept einer Snftruction 2Rar,imüianS an Strasburg, 
unbatirt. Söicner Wrdbto, f. Sanffen, SReidjScorrefoonbena II, 656. fjttr anbeie 
etäbte f. Strobel, @ef<$i$te beS GlfaffeS III, 467, Calmet, Histoire de 
Lorraine II, 1106 (9Refc) unb Schreiber, Sreiburger Urfunbenbua} II, 590. 

4 Masen et Brower, Antiquit. Trevir. II, 301. 9ta<$ Strobel a. a. O. 
am 6. Wobember, nad) Galmet a. a. C am 13. in ÜJlet$. 9lo$ 14. Zo- 
bern ber in 3Hefc, f. ßia^nomSfy VIII, Begefi 1866. Arn 17. ttobember ift 
er in Tuttlingen Oßuttelange füblicr) öon @aargemünb), ebenb. 1867; am 
19. fdjrcibt er an @eorg bon SBaiern aus Sßucfenljeim (?Bouquenon»Saar* 
Union), ©euer. 6taatS*Wrdt)iü. Ueber Glfa&sabem (5 an Ren II, 565) gelangt 
er nad) Sdjlettftabt (am 23. 9h>üember eigen^Snbig an fllbred&t Don SBaicrn. 
»aier. 3tei$S.«rc$i&, öergl. ßid&nowäto Heg. 1870). 



167 



be* neuen 3a$re3 no$ einige taufenb ©c^toetjer fliegen, bie 
bem Verbot trofcenb tym juliefen, fiel er in bie greigraffd^aft 
ein. Anfang 3)ecember fle^t er nac^ Eroberung mehret Rieden 
unb 6$Wffer int Sager bei Sure am Otgnon. * ßter fafct er 
erfl feften gu|&, toä&renb fliegenbe ßorps weiter vorbringen. 
Sangfamer folgt ber Äßrtig mit bem 3tejl beS QtexeZ. 3lm 
21. S)ecember jie^t er in bie alte 9tei$£ftabt SSefanson ein unb 
brei Sage baranf in ©alin& £ter ftaute fi<$ juerfl ber Strom. 2 
Sfof bem benachbarten ©<$lo& Sracon leiteten bie granjofen 
fyxrtnäd igen SStberfianb. SJtay f onnte fu$ ni$t bie £eü nehmen, 
bie Unterwerfung be£ SanbeS unter ben alten £etrn abju* 
jutoarten. S)er na$ granlfurt angefefete 3lei<$$tag jog feine 
©ebanfen ofttoärts. Unter $^üipp von 9rf$ot legte er eine 
Sefafcung na$ ©alinS, ber von ^ßftrt au$ )ur völligen SBer* 
treibung ber geütbe ©efd^üft unb SSerftärfungen jugefityrt toerben 
fottten. ©ein SDtarfäall SBoIfgang Don Sßotyeim unb ber ber 
SSerfcältniffe (unbige £anbt)ogt in (Slfafe ftafpar von 3W6r$burg 
blieben für i$n juriidf. 3 Anfang Januar 1493 f$on toar er 



i Schreiben auS tfuberS am 11. Secember bei ßrauS, SRas unb ©ig» 
munb €. 48. Gfbenbaljer föreibt am gleiten $ag Söalbauf t>on äBalben- 
fiein an ©igmunb oon %\xt>U 3nn§br. ^rä)it>. 9laä) i§m $at bor 6 Stagen 
tjon $ier aus ^ERas 4000 2Kann jur Untertoerfung ber burgunbijä)en ©täbte 
außgefaifbt unb toiÖ balb mit 9Jlaä)t nachfolgen. Hm 17. iß Sftar, noä) bort. 
6$reiber, greiburger Urtunbenbua} II, 591. — SuberS ift offenbar nur üolfS« 
l$ümli$e gorm für baß auf ber $iftorifä)en flarte oerjeid&nete ßut$ra«üure. 
Ueber 2000 ©d&toetjer berietet 2BaIbauf am 22. 3anuar. 3nn§br. ttrd&to 
unb Sinsheim II, 127. 

2 ®ie befien !Radjriä)ten in bem jutn t$eil auf ar<$iualifä)en ©tubien 
beru^enben SBerf oon 2. @oflut: Les mämoires de la republique Se- 
qaanoise et des princes de la Franchecomte' (Döle 1588) ©. 942 ff. 
UebrigenS tmirben nctd) SBalbaufS SBeriä)t com 11. 2>ecember bis baljin bie 
Operationen fe$r burä) an^altenben Stegen unb 6$nee ge^inbert. Sag baß 
€ä)Io6 ©aitnß fiä) $ielt, fagt au<$ ber Hiitfämpfer 9K. bon <£$en$eim bei 
Jung, Miscell. tom. III, 337. 

3 ©oflut a. a. €. 9nS$elm, ferner (Hjromf II, 127, au§ bem fi$ 
ergiebt, bafe ber bon ß^mel, Urfunben unb tyctenftütfe 6. 478 publtcirte 
unbathrte 99rief $oI^eimS in biefe Seit gebort. 



168 



in Sßruntrut auf bem SBeg naty bem ©unbgau. 1 £rofc be* 
SlbfallS feinet engltfc&en SJerbfinbeten fear ifyn bt8 bafcin auf 
bem nörbli<$en toie bem füblic^en ftrieg$f$aupla| ba3 ©liidt 
$oIb gewefen. gur SBerüolIftänbigung ber ©rfolge feiner Offen* 
ftoe brauste er me$r ©elb, bor allem 9?a<$f$ub au« bem 3leid^ 
5Darum näherte er fi<$ Wieber beffen ©renjen. Slber bie frie* 
gerif^en ©reigniffe wie bie f<$on fd&Webenben biplomatif<$en 
SSer&anblungen litten ni<$t feine weite ©ntfernung. SBer* 
gebend erwarteten ba^er bie ni$t ja^lreid&en ©täube, Weld&e 
ge&orfam in granlfurt eingetroffen waren, feine äfafunft. Statt 
feiner lamen 33riefe, toel^e Wegen ber mit granfretd^ ange* 
foonnenen ttnterfcanblungen bie ©tänbe in$ 6Ifa§, juerji nadfc 
©rotenberg unfern Strasburg, bann na<§ fiolmar beriefen. 2 
SDte mittlerweile eingefc^Iafenen Stüjiungen fud&te ber 21b- 
we<$felung falber ber Äaifer wieber bur<$ ein gemeines 2luf= 
gebot ju weden* 3 2)aS biente natürlich ni$t baju, bem toi* 
marer £ag, ber im gebruar erneut berufen würbe, 33efu<$ ju 
ö.erfd&affen. S)ie ©tänbe biteben aus. 4 äJtögttd&eiweife wollte 
man fi$ .nid^t unnii^ bemühen, ba man ben 3lu3glei$ bod& für 
fidler fcielt. 

S)ie SBaffen Waren injwiföeu ber ©a<$e 3JtayimüianS 
ferner gänflig gewefen. 2Bä$renb bie granjofen in Sßolign^ 
fi<$ rflfleten jum @ntfafc beä bebrängten 89ergfc$Ioffe8 SBracon 
im ©üben bon ©almS, brauen entlief? bie ©elagerungägefc&üfce 
aus @njt$$eun auf nebft 33erjtärfungen au« bem ©unbgau unb 



i 3. 3anuar 1493 in $runhut. ßrauS, «prüjd&enf 82. *m 4. Januar 
föreibt er toon ba an Sllbreä)t Don Saufen. $>re§b. 9lrä)tb. 9hn 23. Sanitär 
ift er in WItfirä) im ©unbgau. ßrauS, Sttar, unb St gm unb 49. 

» Dr. §unbertyfunb an 2Ubred&t toon ©aiern, Sranlfurt 1493 in 
vigilia Fabiani et Sebaatiani ßanuar 19). SBaier. 9iei$8*2lr<$it). SBegen 
ftotmarS f. 3anffen II, 5C7. 569. 918 faiferltd&e Gommiffäre nrnren ber 
93iföof bon <5i$fifibt unb ®raf @itelfrifc bon Sottern am 15. «Robember be- 
&otlmää)tt0t toorben. Ctymet Steg. 8868. 

3 1493 gebruar 11. <&$mel 3fceg. 8910. 

4 Sanken II, ffleg. 718. 



169 



»retögau. #ier toirlte bie öfterrei#if<$e ©efmnnng ber 89c* 
too^ner, traö anberStoo ber 9tei<$8patrioti8mu$ ni<$t ju SBege 
Braute* 1 Sttn ber Spifce flanb ber Stitter griebti$ Äappetter 
aus ^Pfxrt, ein erprobter ÄriegSmann. ©ein SRame^atS ber 
be« §elb&auptmann$ prangte ju oberft auf ber £afel in ber 
?PfarrKr<$e ju Orient, geftiftet jum Slnbenfen ber Sieger bon 
©aOiano, treibe bie SBeuetianer am 10. äuguft 1487 in bie 
6tf<$ gefprengt Ratten, 2 2>er franjöfiföe Sefe^tefcaber be 
Stoubricourt in Sßolignp ^atte Äunbe erhalten öon bem 2tn* 
tnarfö Äappetterö unb bra<$ mit 4—5000 3teiflgen unb einer 
3fo§a$l 6<$ü{3en auf, i£m ben 2Beg ju Verlegen unb iftt bor 
ber ^Bereinigung mit ber 33efafcung toon Saline ju &erni<$ten. 
Slbet au<$ bem S)eutf<$en lam äBaruung ju. ®r toä^Ite ba^er 
feinen 3Beg bur$ bur$f<$mttene3 Serrain, um ber fernblieben 
SReiterei auSjutoeid&en, ber er nur eine Heine ftafyl entgegen* 
fieQen fonnte. Sticht toett öfUi$ Don Salin« jmifc^en ben 
SDflrfem 3)ournon, 9 St Slnna, SSiffeneutoe fiie&en bie ©egner 
bann am 19. Januar 1493 auf einanber. Sud SalinS $atte 
ber (Sommanbant )ur Aufnahme ßappefler* mit einer S$aar, 
inSbefonbere öon Sc^iifeen, fi<$ aufgemalt unb mit tym ftc$ toer* 
einigt £rofcbem waren bie §ran jofen bie Stärkeren an QäQL 
Äappetter fiettte feine ©efd&üfce in einem langen $o$Itoeg auf, 
ben bie grangofen pafftren mußten; auf ben mit bi<$tem ©e* 
fhrfipp betoad&fenen Räubern beffelben verbarg er feine Saugen. 
D$ne jebe 38orji<$t brauften bie franjöfifc^en ©ef^toaber ^eran 
auf bie Äanonen: ein äugenblid unb ber ganje 2Beg toar 
beberft üou tobten SRännern unb $ferben. 33or Dorn unb in 

i £af$ o$ne jebe 9tücfft$t au$ <£r.etnte jur ©ttlfe herangezogen nmrben, 
jetgt ber $efel)l be8 ßanboogt» bei Sd&reibfr, Urfunbenbud& II, 590. $af$ 
ber Srfolg bem Aufruf entforaefc, bemeifen SBerS 21 unb 41 beS bon ©ebaftinn 
»tant geblatteten ©iegeSHeb» (ßttiencron, #ijh>r. SöolfSlteber IT, ©. 310). 

2 SBTanbiS, ßanbeS^aupileute Don Sirol 307 f. 6. ba§ e^renuoüe 
Seugnifi 8 eba fti an SBraniS 93. 32 ff. 

s 8o pe^t ber Warnt auf ber franjöpföen ®eneralftob§?arte (1852) 
»Tati 19, Dijon. 



170 



ben glanlen bur<$ bie ©d&üfcen angegriffen, mufcte bie franjö* 
fifd&e ©enbarmerie trog ungejtümer Sapferleit auf bie ©urdfc 
bred&ung ber geinbe berjid&ten unb fro$ fein mit fernerem 93er« 
lufl au« ber gaUe ft<$ $erau3tt)inben ju fönnen. aber ber 
Äampf, ber um Mittag begonnen, fegte ft<$ no$ bis in bie SRa<$t 
fort. 3)te franjöfifd^en ©<$ü$en toerfu<$ten toiebertyolt ben QofyU 
toeg bon getnben ju fäubern. Vergebens , als bie 2)unfetyeit 
$ereinbra<§, mußten fie baS ©<$la<$tfelb ftüd^ttg räumen, bon 
ben ©iegern berfolgt. * 3)aS ifl ber £ag fcon ©ournon, beffeu 
9lu$m in allen beutf$en ßanben teieberfd&ott, in einem ©ebaftian 
33rant feinen ©änger fanb unb in bem geretteten ©afinS na<$ 
uo<$ faft 100 Sauren regelmäßig bur<$ eine lird&Itd&e geier 
begangen würbe. $)er Sieg mar Doli jlänbig ; bie granjofen 
behaupteten jtoar SJracon, fa&en fi<$ fonfi aber auf« neue na$ 
SPottgnp jurücfgetoorfen. ®ie ©timmung ertoärmte fi<$ bur<$ 
ben Erfolg no<$ metyr für bie Habsburger. S)ie alte SanbeS* 
fyutytftabt, 3)öle, unter ber franjöfifd^en #errf<$aft in i^ren 
©eredjjtfamen beeinträchtigt, er$ob fi$, ermutigt bur$ ben ©teg, 
bertrieb bie (leine öefafcung unb fytjste ba$ burgunbifdjje Sanner 
auf. 2lu$ SSefoul fe^rte um biefe Seit jum ©e&orfam jurttdf . 2 

1 3$ folge bem auS alten Memoiren geköpften SBcrtd^t beS ortS» 
funbigcn (SoHut a. a. O. 9ttan<$e ©injeltjeiten fmb ergänjt auS bem ganj 
gleichzeitigen Sieb ©ebaftian SBrantS a. a. O. - TOit legerem geigt in Dieter 
SBejietjung SJertoanbtföaft ein t>on 8?ugger (#f.) aufgenommener 93eri#t, ber 
nur auS falfä)em Pragmatismus ganj ungehörig inS 3a$r 1494 eingereiht 
ift. 3)en 3u)ug aus ©alinS $aben alle brei; bagegen nur bie Beiben legten 
eine töecognoScirung flaj>peHerS uor bem treffen unb ben fünfmal nrieber* 
polten Angriff ber grangofen. 3n ben Qafytn meinen iebod) SBrant unb 
Sugger ettoaS Don einanber ab. SBenig befttmmt ftnb bie 9ta<$riä)ten , bie 
2Balbauf auS 2Htiir<$ Cftitag na$ ©ebaftian als geftem eingetroffen an ürj* 
$erjog ©igmunb rietet. 2)arna<$ wäre ben granjofen anfänglich bie ©er* 
nagelung ber ©efdjütje gelungen, bis ßajjpeHer ber ©aä)e eine anbere 2Ben« 
bung gegeben Ijötte. 3nnSbr. ^Irä^io. 2)afe auä) auS SBefan^on ben £eutf<$en 
§ülfe jujog, aber au fp5t Tarn, ergiebt baS ßeben 2Ri($etS bon ©fjenfyim 
(Jung, Miscellaneornm tom. III, 837), too jeboä) baS 3a^r au$ faljdj an« 
gegeben ift. 

2 ©oflut 943 f. $ie «ebeutung beS ©iegS für 2Rarjmilian8 Knfetjen 
im iReio) ^ebt gfugger (§f.) ^erbor. 



171 



aflojimilian ^atte bemna$ bie $auptfiü<Ie ber SluSfieuer 
feiner Softer mit bem Sd&mert gurüdf erobert, er tyatte über* 
fcaupt — urtb man $at Unrecht getrau, ba$ bisher völlig gu 
verfennen — einen ber erfolgreichen gelbgüge feines SebenS 
hinter ft$. 3$ glaube nid&t, baß man tym mit ©runb ben ben 
llmfianben toenig entfpred&enben Sßlan gutraut, gur Stunbe au$ 
ba$ .fjergogt&um SBurgunb eingune^men, 1 baS f<$on feit bem 
£ob ÄarlS beS Äü&nen als offenes fielen an bie frangöfifd&e 
Ärone ^eingefallen mar. 3)agu reiften — unb baS mußte 3Ray 
fe&r genau — meber Streitfrage no<$ ©elbmtttel, bafür liefe 
ftd& am menigßen eine $ülfe be« $Retd&3 ermirlen, o^ne bie 
eine gortbauer be$ ÄriegS unmöglich mar. Um fo me&r als 
bie erneut bro^enbe £ürfengefa&r fotoo&l baS politifd&e 9lafy 
beuten als bie ungebulbige Äampfluft SJtajimilianS na$ anberer 
Stiftung lenfte. S)er Äönig von grantreidj) feinerfeit« $atte, 
umgeben unb angefpornt von ben au« Neapel verbannten 
©roßen, f<$on bie an ©ngtanb unb Spanien gebrauten Opfer 
in bem Sinn gemalt, freie £>anb gu erhalten für bie in i&m 
reifenben ttalienifäen ©ntmürfe. Sollte er biefelbeu ins lln* 
gettrijfe vertagen, um erft bem römifdjjen Äönig SlrtoiS unb 
grand&ecomtä mieber gu entreißen, auf bie ber flare SBortlaut 
ber Verträge tym leinerlei 3te<$t gab? 3Ran barf fidler an* 
nehmen, baß fraft fold&er ©rmägungen ber militärifd^e Status 
quo für feine @ntfdf;lüjfe entfd&eibenb mürbe. 

ßängft maren äSer^aublungen angefnüpft, gum Schein in 
ben Sfcieberlanben gmifctyen SRarfd&all ©eSquerbeS unb 3Hbre<Jjt 
von Saufen, ernfl^afte feitenS ber eibgenöffifd&en SBünbe, meldte 
eS niä)t Ratten tynbern tonnen, baß unge^orfame SanbeStinber 



i Schrieb er boa) fä)on bor bem €>teg Don 2>ournon, am 1. Januar 
an (Sr^erjog ©igmunb, er fjoffe in furjem mit Sieg unb Soft feinen flriecj 
ju bollcnben (äraug, ^rüj^enf 6. £2). 3n bem toäljrenb beg SBaffen- 
fiiflfianb§ an bie 2)eutjd)en gerichteten anmafrtenben 9lu§fd&rei&en toom 
25. War) ift immer nur bon SBeljauptung ber ®raffd&aft SBurgunb ober 
Oberburgunb bie SRebe (3anffen 669. 572). 



172 



ju £aufenben auf beiben Seiten ©olb genommen Ratten. S)aju 
tarn ba3 lebhafte Qntereffe für bte bei ber längeren Stauer be3 
ßampfeS ju fürd&tenbe Verheerung ber na<$barli<$en ^reigraf* 
fd&aft, in ber inäbefonbere bie Salinen fcon ©alinä für bie 
@<$toeij Vebeutung Ratten. * ©afcer Ratten f<$on feit bem 
©ommer 1492 bie ©ibgenoffen beiben feilen tyre Vermittlung 
angetragen. greili$ um fo me^r frud&tloS, als fte in ft$ felbfi 
gefpalten toaren in ber äBeife, ba& bie fcorttriegenb ftäbtifd&en 
©antone bem römif<$en Äönig, bie Urcantone granfrei<$ ju* 
getrau toaren. 2 @3 iji in anberem gufammen^ang §u reben 
t>on äRajimilianS Vejie^ungen jur ©<$ti>et}: ^ier nur fo triel, 
ta& berfelbe nad& ber SKufna^me, bie feine feit Sauren toieber* 
polten (SinungSanträge bei einem S^eil ber ßantone gefunben 
Ratten, allen ©runb jum SHifctrauen $atte. ©r $at ba$er an« 
f anglich bie Vermittlung nid^t jugelaffen, toäbrenb Äarl Vin. 
f ogleidjj barauf einging. 3 SRo<§mal3 Ratten toctyrenb be3 Äampf* 
beibe Parteien toerfud&t, bie tätige ^ülfe ber @ibgenoffenf<$aft 
ju gewinnen, bis enbli<$ 6nbe gebruar ju Sujern ber Vefd&lujj 
jur Vermittlung gefaßt tirnrbe. S)em folgte bann balb, fd&on 
Anfang SKärj, 4 ein toiermonatlid^er SBaffenftittfianb. SGBic bie 
©ibgenoffen, fo arbeiteten au<$ anbere ©etoalten, toeld&e bei 
einer SBieberaufna^me be$ ÄriegS ft<$ in ©onflict jtt>if$en 



* Gigenöff. Hbjd&iebe III, 1, 428 unb Sinsheim II, 128. 

2 „fo mir unS jelbft nribertoärtig" jdjreiben bie @<$mciaer im Sluguft 1492 
an ben ßönig Don Sfranfreidj; f. WnSf)elm II, 103, f. au<$ 113. Vergl. 
^ßrobft : 3)ie Vereisungen ber jc&toeijerijdjen <£ibgenoffenjd)att jum ©eutjdjen 
föeid) in ben 3a$ren 1486-1499 (flr$iö für fätt>eiaerij($e @eföia)te XV). 
eejmratabbrud 6. 49 ff. 

3 6$on am 24. STuguft 92. Hn§f)elm 107. £infi(f)tlid& aRarjmüianS 
barf man ftd) burä) WnSfjelm 102 nid&t irre führen laffen, ba (Sibgen. %lb» 
triebe III, 1, 6. 430 betoeifen, ba& im Sebruar 1493 3Har, bie gütliche 
Vermittlung nod) niä)t angenommen ^atie. (Srft Anfang ÜDlarj mürben bte 
SBermittlungSboten gemeiner (£ibgenofienjd&aft abgejc&icft. ßbenbaj. 433. Voten 
öon Vern unb greiburg toaren freiließ ferjon ben Sßinter über in Vurgunb. 

4 Hm 11. 9Rffrj {abreibt 9Rar, fd)on bom Ibjd&Tufc, o$ne no<$ 9W$ere§ 
ju toiffen. ÄrauS, SHar, unb 6igmunb 52; J. HnSljelm 133. 



173 



Sßjlid&t unb SSortyeit gefefct fa^en, auf bett grieben $in. Unter 
tytien toirb ber in franjöfifd&er Sßenfton fte&enbe Äurfürft sp^iltyp 
t)on bcr Sßfalj genannt. * SRäfcereS ift ni<$t befannt. UebrigenS 
fyrt aller SBa^rf^einlid^feit ua<$ aWajimilian felber im ßrnjt 
ni$t an eine SBiebereröffnung be$ Ärieg* gebaut. Stoar gab 
er fi<$ ben 9faf$ein, feinem ©egner leine e^rtt^en griebenö* 
abfluten jujutrauen, aber er lieg bo<$ beutti$ erfennen, bafc 
er baranf regnete, mit ber ton tym traft unfertiger Sottma^t 
jefct abermals aufgebotenen 9tei$3ma<$t no<$ in bemfelben 
©ommer gegen bie Surfen ju jie^en. 2 S)iefe3 Aufgebot ebenfo, 
nrie ba$ an ben neuen Sßapjt SUejanber VL geseilte Verlangen 
mit Äird&enftrafen gegen Äart VIII. toegen be3 83ru<$8 ber 33er* 
träge toon 1482 Dorjuge^en, bejtoedften tebiglt<$ einen SDrudf 
auf Iefcteren auSjuüben. 3 S)ie Unnrillfä^rigfeit be8 3ftei<$$, 
bie Abneigung ber SRieberlanbe gegen »eiteren Ärieg, tt>o# 
au$ ber äufcerft bebenflictye ©efunb^eitSjuftanb feineä Jaifer* 
liefen SSaterS 4 fcerftärften bie f$on angebeuteten ©rilnbe 3Rafi« 
milianS für einen ehrenvollen 3lu3glei<$. Unb ein fol<$er ijt, 
toenn man beben!!, bafc einmal ©ef$e$ene$ ni$t riidfgängig 
ju mad&en mar, in ben ju ©enlis gepflogenen SBerfymblungen 
in ber %$at erreicht toorben. SSon ben lefeteren ifl ni<$t3 be* 
fannt. S)er äbfälufe erfolgte am 23. 3Rai 1493 &u 6enii8 
unb tonrbe bann orbnungämäfeig ratijtcirt. 5 SMefer griebe 
jtt>if($en flarl VIII. unb feinem Stauptyin einer* unb SRafi* 
milian, 6r$erjog 5ß$iltM> unb im SRamen SDtargaretyeS anberer* 

i Commines, M£moires (ed. Dupont) II, 817 (1. VII, cap. 4). S)aj$ 
$falj fe$r ejponirt war, berietet jdjon Anfang 1492 bcr Sfcitter Vi. ®eg§- 
berg an ffarl VIII. Gbenbaf. III, preuves 362. 

2 (SebrucfteS HuSföreiben an alle Stänbe 1493 tfolmar 25. 3Rära, 
mit VRaQt am 2. 3uni bei tym in Strasburg ju fein. SiapnotoSfto tReg. 1908, 
in extenso bti 3anflm II, 673 (baß 9fltf$trauen gegen granfreid) 571). 

3 1493 Columbariae 5Körg 11. 3nfiruction SKajimtlianS für feinen 
®e{anbten Subob. SBruni an ben $. BM)l f fotoie für ben fölnifd&en Orator Sorenj 
*on SBibra unb ben e^eraog ^itippS $$ilibert «Raturelli. 3nn5br. Wrd&to. 

4 Älityfel II, 151; GommineS a. a. £).; ÄrauS, SRaj unb 5ßrüfd)ent 83. 

5 Du Moni, Corps dipl. III, 2, 303 ff. 



174 



fei« beftimmte, bafc am 3. 3funi bie fßrinjefftn SRargaret&e 
aus SReauy, tyrem Aufenthaltsort, auftreten foEte, um an ber 
nteberlänbif<$en ©renje ben SBefcollmäd&tigten ifcreä Sätet« unb 
33ruber8 übergeben ju »erben, frei fcon jeber S3erpftt<$tung gegen 
Äarl VIII., ber fie aud& tyrerfeit* jeber ßfceberebung lebig er= 
flfiren fottte, ^anbel unb SBanbel jtoif^en ben beiberfeitigeu 
Untertanen toirb in alter SBeife ^ergefteEt, allgemeine SltnnefHe 
au8gefpro#en unb in bem &on granfrei<$ abjutretenben ©ebiet 
ben t>on ßarl VIIL ^Begabten i$r ©eft$flanb jugefid^ert. Die 
territorialen gragen tourben im 2Befentli<$en auf ber SBaftS bes 
Status quo geregelt. Seber behielt ton ben flrittigen ©ebieten 
toaS er im äugenblidf inne fcatte. * 3n ben 33efi$ beS römif<$en 
ÄönigS unb ©r^erjog SßbilippS famen jurildt bie gretgraffd&aft 
SBurgunb unb bie ©raffd^aft 3lrtoi$, baju SfcaroloiS unb SRoperS. 
S3on ber einfügen SRitgift SRargaret&eS blieben bie @raf= 
f<$aften SWaconnaiS, Sluyerroiä unb 35ar*fur*6eine in franjö* 
ftfd&er ©etention, bis re$tli<$ über bie 6a<$e entf Rieben fei; 
ebenfo bie &on franjöftfd&en Gruppen befefcten ©täbte £e$bin, 
3lire unb SBet&une in SrtoiS, unbefd&abet ber ©toifi&o^ett be$ 
@r#erjog3 Sßfylipp, bis berfelbe na<$ @rrei$ung be$ jtoattjifl* 
jlen 8eben$ia$re$ bem Äönig t>on §ranfceid& für bie toon 
feiner Ärone bepenbirenben SBefifcungen bie 2e$en$$ulbe ge* 
leiflet ^at* $flr biefelbe grift t>er$arrte baS ton ben Sur* 
gunbern eroberte unb behauptete 5Krra3 in beren $änben. 
5Ra<$ Slblauf jener Qa^re unb SJtfidfgabe ber brei ©täbte 
ijl 2lrra3 bem Äönig ton granfrei<$ gurüdfjugeben. S)ie 



i 25a§ ifl au§brücfli<$ fefaufteflen gegenüber neueren £arfiettimgen, 
bie wie Cherrier, Histoire de Charles I, 247 ber Meinung ftnb, granlreid) 
%abe (Beutete abgetreten, actuellement occupes par les troupes francaises. 
9lo<$ unbegreiflicher ift ber Srrtbum ßc ©laij'S (Correspond. de Max. et 
Marguerite II, 398), toonad) ÜDlar, im grieben auf bie grand&ecomte ber« 
giertet WU. 

» Sobalb bieS gefd&e$cn — ber Sennin fiel auf 3o$. «aptifiä 1498 — 
fottten bie brei ©täbte unbebtngt (ceseantes tous excuses) an $$ilipp 
herausgegeben werben. 



175 



im Snjlrumcnt nid&t ermähnten 9lnforii<$e eine« ber contra- 
fcirenben Zueile — alfo au<$ auf ba$ nifyt befonber* genannte 
£erjogt$um Storgunb — f offen nur im SBege ber ©fite 
unb be8 Sted&tS geltenb gemalt toerben. S)amit bfirfte ber 
tüid^tigflc 3n$alt beS Weitläufigen Sractatd Umtrieben fein. 
S)er Äaifer nnb bie beutfd&eu SReid&Sftänbe tourben ebenfo nne 
anbere SSerbänbete in ben ^rieben eingefd&Ioffen. S3on ber 
Bretagne ijl felbftoerjtönbli$ leine SRebe. S)ie t>on bem 5ßapfl 
gebiffigte 6$e flarfö VIII. mit ber £erjogin änna fyttte granf* 
rei<$ unb ba3 incorporirte #erjogt§um bereits mit einem borauS* 
fi<$tlu$en 6rben bef$en!t, bem flehten ©au^in ^art 9toIanb, in 
beffen Flamen ber ^rieben mitgef^Ioffen toar. i — ©er ©<$tmpf, 
ber bem römifd&en Äönig angetan toar, toar, ttrie toir gefe^en 
frtben, auf bem ©$Ia$tfelb ni<$t ganj ungerä<$t geblieben, 
toenn auä) eine förmliche ©enugtfcuung nid&t geleitet unb fcer* 
mut$ti<$, toeil unbenfbar, gar ni$t geforbert toorben toar. 2118 
■Kann fcatte SWayimilian bur<$ unbefonnene Sänbergier ben 
Äurjeren gejogen: poIitif$ toar, an ben SBeftimmungen t>on 1482 
gemeffeu, ber neue griebe ein bebeutenber ©rfolg. 6r $at 
bauembe SRufce nid&t jurfidfgefityrt : ju t>iele fd&toertoiegenbe 
fragen — befonber* bie über SluSbe^nung ber franjöftfd&en 
2e$en$$o$eit in ben SRiebertanben — toaren nur t>erf$oben 
toorben unb tauften periobif<$ bei jeber Trübung ber beiber* 
fettigen 83ejie$ungen toieber auf. aber ber ©etoinn ber $rei* 
grafföaft toar bei ber jtoeibeutigen Stellung ber 6<$toeij jum 
3tri<$ unb ber @<$tt>ä<$e unb 3^fplitterung ber borberen 9tei<$8* 
Ianbe ein toirttid&er ©etoinn, eine neue ©d&ufetoefcr gegen fran$ö* 
fxfd^e Uebergriffe. 

2leuf$erU<$ im beften ©noemeftneU/ aber ba3 #er§ t>oü 
©roll f<$ieb 3Rargaret$e Don £)efierrei<$ au$ bem Sanb, toel$e£ 
tyrer jungen ©eele je$n 3<*fr* tonfl unt>erWf<$lid&e (Smbrüdfe 



1 Le Rom de Lincy : Anoe de Bretagne 1, 114, geb. 10. Cd ober 1492, 
%t% 6. 5)ecember 1495. 



176 



gehört unb fte jefet &on jt<$ geflogen $atte. 31m 12. Sunt 1493 
erfolgte bie Uebergabe ber gtüölfjä^rigcn Sßrinjefftn in ber au$* 
gemalten gorm in einer 2Rü$le beS {Dorfs SBenb&uele im 83i3# 
tyum Eambrap. Qn ©ambratj unb bem getreuen 33alenctenne8 
fanb fte einen feierlichen (Smpfang, toobet freili<$ bie SJeran* 
jlalter nt<$t immer ganj tactooll bie auf$ergeto6&nli$e Sßofttton 
ber bur<$ SSerlaffung f<$tt>ergefränlten SBraut im Sluge Ratten. 
Siuf flanbrifd&em Soben erft Rieben rei$bef$en!t unb unter 
S^ränen beS ©<$mer§e3 tyre franj6ftf$en ^Begleiterinnen. i — 5Der 
Unftern, toel<$er über bem Sßroject, SJtargaretfce auf ben S^ron 
granlrei$3 ju fefcen, geleitetet $atte, fyätte übrigen* um ein 
£aar no<§ auf ^etmif^em Soben tüdEifd^ über ityrem ©d&eitel 
gemaltet. 3ftr 2Beg führte fie mit i&rer Begleitung, an bereu 
©pifce ber S9if$of SBil^elm t>on ©<$ftäbt fianb, unfern ber ©tabt 
SIrraS vorüber, too bie unter bem ©ommanbo SouiS' be Baulbra^ 
unb SBilftoltö ton ©Naumburg liegenben Steifigen unb SanbS* 
Inerte alle SBanbe be« ©e^orfamS abgetoorfen, toeil i$re gü&rer 
ni$t im ©taube toaren bie Sö&nung auSjubeja^len. 2 3m Ätei* 
biefer tumultuirenben SBanbe ertt>u<$3 ber (SinfaO, ft<$ an ber 
Sßerfon ber Sßrinjefftn ein Sßfanb ju nehmen für bie gorbe* 
rungen an tyren ©ruber. SDlit äufeerjter Slnfirengung nur 
fonnten bie garten Äöpfe t>on bem fcerbre<§erif<$en ©ebanfen 
abgebracht koerben: nur babur<$, bafc ©Naumburg felbfi jt$ 
f$embar ju tyrem 3Ritf$ulbigen mad&te, um mit tynen bur<$ 83er* 
Leerung ber Sanbe be« eigenen SMenftyerru biefen jur 3 a # u *fl 
§u jttringen. 3 ©o entging SKargaret&e ber bro&enben ©efangen* 

1 ÜRolinet IV, 388 f. Ueber bie lefcte 8eit tyreS franaöfiföen Auf- 
enthalts f. Sc töour, De Sincö a. q. O. I, 109; IV, 202. 

2 $ie nieberlänbifd&en fetä'nbe Ratten bisher fi$ ntd&t gur 3a^Iunß 
ber für ^ili^S Unterhalt .unb SBefpIbung be§ flriegSboUS in HrraS 
nötigen Summen toerftanben. Gachard, Lettres inedits de Maxim. II, 
70, f. 75. 

3 Sänge Ijalf übrigens biefer ßniff nidjt, ba bie entfeffelte SoIbateSca 
balb toon roüifjenbem TOfjtrauen gepeinigt ben Hauptmann als (befangenen 
be$anbeite, bis er f<$lie&Iid& entminte. Gin ©lücf nur, bafc bie Uneinigfeit 



177 



f djaf t in ben ßänben beutf<$en ßriegSbolf 3 ! 3$ren Stuf enthalt 
na$m fte in SRamur. Sttut eine ffiufllerif<$e Stceuj ifi e3, toenn 
in ben rei)enben SReliefS am ©rabmal 2Rajimilian$ in 3nn$* 
brudf, ber ©d&öpfung be$ 3Retjler$ 2llejanber Solin au$ 9Re$eln, 
Äöntg äJlay felber bie erblfi&enbe Jodetet au$ ben J&änben 
i$rer ^Begleiter in (Smpfang nimmt. 2>er Äönig toeilte bamalS 
längjl in Defterret<$, too^tn er f$on t>or bem grieben$f<$luf$ 
auf gebrochen toar: i ein SBieberfe&en ber beiben fo lange ge* 
trennten unb bur$ fo ferner jli<$e @rfa&rungen fefter an einanber 
gefetteten Sinbertoanbteu fanb erji im folgenben Satyr flatt. 
9Ray mu&te feine Slbfld^t, in Sßerfon in ben SUeberlanben jum 
Sted&ten ju fetyen nnb befonberS, bem 2Bunf$ berfelben enfc 
fpre<$enb, bie ßmancipation feine* ©otyneS fcorjubereiten, fo 
lange t)erf<^ie6en. SDie tfirfif<$e grage fcor allem tyielt if)n in 
ben Srblauben fefi. $)o$ behielt er au$, als er ben SRtyein 
toerlaffen, im Dfien ben f<$n>ä$jlen Sßunlt ber beutfd&en ©efeufto* 
fieHuug, ben SBtnfel am Dberrtyein, im Singe. Um biefe Sanbe 
politif$ hriberftanbafätyiger ju ma<$en, toerbanb er fi$ 2 afe 
SanbeStyerr bom ßlfafc, feunbgau, SBreiSgau, $ftrt nnb ©$toar§* 
toatb mit ben S3if$öfen bon Strasburg unb SSafel unb ben 
©täbten Strasburg, SBafel, Äolmar unb ©d&lettftabt, roeld&e 
unter ft<$ feit langem bie fog. „uiebere ^Bereinigung" bilbeten 
jur gemeinfamen SB&roetyr jegltd&eS UeberjugS mit frembem ober 
eintyeimifd&em S3ott. 2Benn bie felbft&errlid&en ©etoalten jur 
äuletynung ftd& getrieben füllten bur$ bie bebenflid&e 35er* 



unter ben Äned&ten (ctbft bie EuSfüljrung beS ©cbanlenö behütete, SIrraS 
<m ben Äönig bon granfreid) ju Verläufen. <&ef<$i<f>ten unb 5£&aten ©d&aum» 
burg& 142 fi. 6. meinen Wufjafc über ben JBerfafier in ©$bel§ 3eitfc3&rift 
«R. g. III, 228. — UebrigenS ijai ©Naumburg 1493 *u Xrity SRontag naa) 
Remigii (7. Cetober) fein ©erhalten gegenüber ben aufjlänbiföen Anetten 
in „atri<$t" (HrraS) gered&ifertigt unb bie SDtofterroflen ber Hufrüljrer be^ufS 
tyrer SJefirafung eingejanbt. 3nn§br. Sird&tü. 

i Sd&on im Styril tjatte 3Raj boS CSIfag berlafien unb n>ar burd& 93reiS* 
flau unb ©$maben nad) Oefterreidfc gebogen. 

2 12. fluguft 1493. SÜnig, 9teid&8ar<$to. Pars specialis I, 18. 
Ulmann, ftatfer flRaiimilian. 1. 12 



178 



fdjtoönmg be8 83unbf$u$ (1492), fo ifi too&l nic^t ju jtoeifeln, 
ba& bem Äönig in erjter Sinie bie toon aufcen brotyenbe ®e* 
fa$r t>or Stugen jianb. ®&ara!terifitf<$ ijt e$, bafc biefe tiiebere 
Bereinigung, meldte eben erfi, bie faiferli^en SRa^nunflen jwn 
gintritt in bin f$tt>äbif$en SBunb unbeachtet taffenb, ba£ 
SBünbnifc ber fött>ei}erif<$en ©ibgenoffen gefugt $atte, 1 fi$ jefct 
an ben römif d^en Aönig anfälofe, bem btefelben ©ibgenoffen 
ba& erbetene S3ünbni§ fd^roff abgeflogen Ratten. Sollte in 
biefer 3$erf$iebung nic^t ein Stefultat be3 glüeftid^en burgun- 
bifd^en gelbjuflä ju erfeunen fein, ber 3Rayimiüan8 Deputation 
in biefen nahegelegenen Sanben mäd^tig geförbert fcatte? 
Weniger glatt betroffen bie S3er^anblungen mit Äarl toon 
©etberu, ber bur$ granfreic^ be« griebenS t^eityaftig geworben 
toar. Sangmierig fcatte fi<$ bie grage be3 ©tißjtanbS $inge* 
fc^leppt, bis na<$ bem griebenSfdfj)Iufc SRajimiKan, ben @e* 
fränften ftuelenb, ©elbernS Sfteftgnatton um ben $ret8 anber* 
heiter SBerf orgung bur<$ eine $eirat$ $eif<$te. 2 SCuf biefem 
©oben toar leine SSerflänbigung mögti^. S)ie Spannung unb 
bie geinbfeligfeiten bauerten ofyie ©ntfäetbung fort. 3 

i Srtebrid&S 8efe$l Gibgenöff. «bliebe III, 1, 418. 421, f. S89; 
jttüpfel 118. $er$anblungen gtoifdjen ben (Bibgenoffen unb ben Qenoffen 
ber niederen Bereinigung ebenbaj. 394. 898. 401. 407. 412. 417. 420 f. 
422 f. 424. 428. 431. 436. $er $aragraj>$ ber $ülfe roax fölie&lid& un- 
oerglid&en geblieben. 2Ran %atit mm September 1491 bis April 1493 t>er« 
Ijanbeli. — HuS 9Mk<ffl<$ten ber ©renjftörfung ifl au$ ber 8efc$l beS £5nig8 
an ©tattyalter unb ft&tye bon Xirol ju erfl&ren (Äolmar 1493 Sonntag 
SRattyift. 2öien. %r$it>), ben Don SDÖalbS^ut jum SQÖieberaufbau i$rer abge« 
brannten dauern unb Stürme 1000 ff. 311 geben. 

* 3nßruction für ^ermann bon Äöln, ®raf Äbolf bon IRaffau u. a. 
jur Unier&anblung mit Äarl bon (Seibern, (Snn8 1493 ©amStag naty Jacobi 
apostoli (3uli 27). Bto$ Behauptet (iertn feine Hbftd&t, ftarl bon ©eibern 
au8 ber ©efangcnfdjaft gu I5fen unb wie feinen natürlichen 6o$n ju galten. 
(£r betragt ft<$, bafc berfelbe ba§ nidjt abgewartet unb ft$ ber *Ria)taa)tung 
feiner Qutfyat fä)ulbig gemalt %abt. $)üffelb. Hr<$ib. Hm 26. 8fefcruar 
trotte SÄar. an Wlbredjt bon ©ad&fen gefrffrieben , er torifle nidjt, ob (Beibern 
ben öon i$m bis jum 1. 3Rai borgefdfylagenen SBaffenfüttflanb angenommen 
$ahe. S)re8b. %ra)ib. 6. früher. 

3 Nijhoff, Gedenkwaardigheden VI, 1, Einleitung XVI. 



179 



SBar biefer Äarl t>on ©elbem fo re<$t ber «ßfa$l itn gleif<$ 
ber burgunbif<$en SßoUtif üRayimiliana, fo toarb bie getoünföte 
Unterfiüfcung fettend ber öfierreic^ifc^en ©rblanbe Bon ber ©onau 
bid jum Äarft gehemmt unb gelähmt bur<$ bie erneuten ©in- 
fälle ber £fit!en. 3Rayimilian$ perfönli<$e Stellung ju biefer 
für ba£ £au8 |>ab«burg fo über aEeS mistigen grage loirb 
in anberem 3ufammen$ang bargelegt toerben. §\ex nur fo biel, 
bafe naä) ber (Eroberung t>on @rie<$if<$=2Bei6enburg bur<$ bie 
OSmauen ber ©ebanle an bie 1lnterftii|ung beS jefet befreunbeten 
Ungarn« unabtoei$li# tourbe. S)e$ £)oppelfrieg8 gegen granfc 
rei<£ imb ©eibern falber lonnte ber Äönig felbjl beut gug 
feine« £er§enS nify folgen. ßr verfiel auf eine freittriEige 
Sefleuerung beS flleruä unb beranlafcte in ber ££at ben Äaifer 
bur<$ ein SluSfd&reiben an bie ©rjbifööfe beS 3tei<$$ eine £)ar* 
bringung t>on bier ®ulben t>ou jebem 2tBt, Sßropfi, ©apitel, 
Stift unb Pfarrer gu Verlangen. 1 S)af$ 2Way bann, fobalb 
SßaffenfüHftanb tnit granfcei<$ gefölojfen mar, ernfili<$ baran 
backte, mit bem Aufgebot ber 3tei$3jtänbe gegen bie dürfen ju 
gießen, iji oben gegeigt toorben. @S iß bamafö im Sommer 1493 
mä)t baju gelommen, ebenfotoenig toie e£ im ^etbft beffelben 
3abre$ SRay auf bie $Ra$ri<$t Don bem ©inbringen ber Sfirlen 
in Kroatien unb it?rem Sieg über bie Ungarn gelang, bem ge= 
fä$rli<$en fjeinb 2tngeft$t gegen Stngefi^t gegenüberjutreten. 2 
Solange ni<$t innere SBirren bie $errf<$aft be3 ©roffterrn 



1 9Raj an ben ftatfer «ugSburg 1492 3uni 3; beS KaiferS ftuS* 
{greiften Sing 1492 Donnerstag nad) Utricfc (5. 3uli). Sofien beS innSBr. 
BrdjibS. ßftenbaf. Sd&reiBen SRajimilianS an Äönig SBIabiSlato Augs- 
burg 1492 am Stoff a$rt$tag (31. 3Rai) mit bem ®orfd>lag unter ?DKt- 
ttrirfung beS flaiferS burä) ben $aj){i eine Orbnung gum SBiberftanb gegen 
bie Surfen bur$ bie gange d^rifien^eit gu mad&en. — Am 16. 3uui ermahnt 
ber flauer bie ©rgbifööfc, Sammlungen in allen Qemeinben an frier auf 
einanber folgenben Sonntagen oorneljmen gu Iaflen. 

2 Was war erft Bis ©rag gcfommcn, als er erfuhr, bafe eS gu foftt 
fei, ba bie Surfen Bereits mieber abgegogen toaretu ßid&notoSfto fteg. 2000, 
f. 1994; toergL ben SBerid&t bei Älityfel I, 159 f. ftauclerS chronica Uli. 



180 



lähmten unb folange man im 9fcei<$ tttd^t lernte fid) bauernb 
gerfiflet ju galten, toätyrte ber enttoiirbigenbe guilanb fort, bafe 
bie Stetter jtets erft lamen, tuenn ni<$t$ me^r ju retten unb 
ber blutige geinb mit reifer (grnte an ©Hauen unb ©ut ent* 
teilen fear. 3Ray $at ba ni<$ts ju änbern fcermo<$t. 

3njtoif<$en toax im 9%eid^ ein $o$bebeutenbe8 ©reignig 
eingetreten. Äaifer ftriebri<$ HL, ber längjl ein ^ülflofer 
Ärüppel toar, erlag ben burd> fein Sein t>erurfa$ten Seiben, 
nad&bem no<$ eine 3tu$r feine Äräfte erfd&öpft, am 19. 8hi* 
gufi 1493 na$ me^r als breiunbfünfjigiä^riger Regierung, 
am 28. äfaguft toarb feine Seiche im ©tep^anSbom ju SGBien 
beigefefct, baS feierlid&e £ei<$enbegängni6, meldte« burd& ben 
ergebnt§lofen SluSjug feinet ©o$ne3 gegen bie Surfen Der« 
fd&oben nmrbe, fanb am 6. December jiatt. ©ein £ob ma$te 
3Rayimiltan jum regierenben Äönig. 



0, t t u r *. 

Die angeblidje töattffcatbn ber (&\jt mit Anna von firetagit* 

ju Würnberg. 

©afj toä&renb ber Slntoefen^eit 2Rafimilian3 auf bem 
91ei$£tag }u Nürnberg toom SRärj bis Slugujl 1491 ©efanbte 
ber §erjogin ton Bretagne antoefenb toaren, flefct, toie im 
£eyt gegeigt, feft @S liegt in ber SKatur ber ©ad&e, bafj fie 
Aufträge, fd&riftlidje ober miinblid^e, gehabt $aben muffen feitenS 
ber neuvermählten £erjogiu an tyren ©ema&L 3)afe biefelben 
bie grage ber Slnfunft beS römifd^en ßöntgS im Sanbe feiner 
Slngetrauteu ober ber lefcteren in S)eutf<$lanb, bie 93offjie$ung 
ber Sermctylung, jum ©egenjianb gehabt ^aben »erben, ifl 
gleichfalls anjune^men. * 

l Wad) ber Äoetyoffföen (Hjronif 882 märe toäfjrerto beS nürnberger 
fRetcr)§tag§ bie tttyaltung ber fcodfaeit in Nürnberg (jttrifd&en SRaj unb 



181 



@8 frfigt fid) bagegen: $aben auf bem 3tei<$$tag SBorgänge 
fiattgebabt, mittetfi toel$er feiten« be« rflmifd&en ÄönigS ber Stoedf 
Verfolgt tourbe, vor ben Äugen ber ©tänbe unb ber 2Belt bie 
in feinem Auftrag per procuram Vollzogene 33ermä$lung, ober 
vieQei<$t au<$ btoS ben bemfelben vorangegangenen #eirat$8* 
contract, ju ratificiren? SSon vornherein fyri$t man$e8 
für eine fold&e annähme. Dem 2Bunf<$ be8 ÄönigS na$ 
f^leunigem 3lufbrud& ju Slnna fianben ^inberniffe entgegen, 
bur<$ toeld^e bie ^Bereinigung be3 SßaareS längere geit verzögert 
»erben fonnte. ©3 mo<$te ratsam erf feinen, einfttoetlen in 
anbetet $ortn ba8 volle ßinverftänbnife be$ ßönigS, mit bem 
auffaDenben Vorgang be$ Sßrocuratiou in SRenneS, offteteü lunb* 
jugeben. ©in anbete« fommt baju. SDtafimilian $atte bie 
Stäube bringenb um £ülfe, au$ junt 6<$u| feiner ©ema^Iin 
gegen bie Angriffe %Tanhtiä)$, angegangen. 6r $atte fle baju 
Don vornherein ni$t allju geneigt gefunben. SSiellei^t fd&ien 
e8 politifd^ jtoedfmäfeig, bur<$ SSoma^me einer öffentlichen #anb* 
Iung bie Stetd&Sflanbe gteic^fam ju 3 eu 9 en f c i ner SSermä^Iung 
gu ma<$en unb fo au<$ ityre S^re §u engagiren jur Rettung 
ber fcart bebro^ten ©ema^lin tyreS lünf tigen ÄaiferS ? — Qu ber 
2#at ift unter geitgenoffen ein foI<$e$ factum umgetragen 
toorben. guerfi $at ein fonfl vöEig unbefannter $an« Orten* 
ftein, toeld&er in SRümberg getoefen fein toiü, in einem f<$on 
1492 gebrudften SSoKSlieb be« Hergang« gebadet. 2 5Ra<$ ibm 
bat 83tfd&of Staimunb von SBritannien Sotf^aft gebraut. @ine3 
StoenbS fyät finb auf bem ©d&tofc in ©egentoart beS Äönig« 
unb ber durften bie ©riefe ber #erjogin verlefen toorben, in 
benen fte i&reu @ntf$Iu6 au«ft>ra<$, SRayimilian unb fonft 
leinen ju e^elid^en. 2Ba$ fte begehrt $atte, nämli<§ SDfcapi* 
milianä £anb, toarb i$r getoä^rt unb Verf$rieben. Unb jtoar 



ben im Xejt ermähnten (Sefanbten) an einem fceftimmten %a$ feftgefctjt 
toorben. 

a Siltencron: $ie ^iflori^en SBolfSlteber ber Seutföen IT, 296. 



182 



gef$a$ ba8 in einem feierlichen Slmt, meines jur @$re ber S)rei* 
faltigleit in ber ©ebalbu$ftr<$e gefungen mürbe. 

©er SJerfaffer beruft fi<$ me$rfa<$ auf bie „gemeine fag" 
in' Nürnberg (SerS 65, tergl. 61 unb 74). 63 ifl nirgenb« 
gejagt, bafe er biefelbe mä^renb beS 3tei$$tag8 t) ernannt: eben« 
fogut fann er nadb bem ©<$luf$ beffelben in Nürnberg geseilt 
fcaben. 9tt<§t8 jmingt i$n als Augenzeugen ju betrauten. 
33erf$tebeneS fprid^t fefcr gegen ledere SRögltd&Ieit. Einmal 
bie SBejeid^nung be$ $if$of£ Staimunb als ©efanbten au$ 
Bretagne, SlHerbingd fianb, mie im £ejt gezeigt, ein ©if$of 
an ber ©pifce ber SKmbaffabe, aber er fann ni<$t Staimunb ge* 
fcei&en £aben. Äeiner ber elf SBifööfe ber ^Bretagne führte 
bamate biefen tarnen. @8 ifl baS eine 3Serme<$$lung mit bem 
au<$ in Nürnberg anmefenben unb re$t ^ertortretenben päpfi* 
lifyen Segaten Staimunb Sßeraub, ber allerbtngS im 3a$r jubor 
mit einer faiferli<$en unb Wniglid&en ©efanbtfd&aft in ber 
^Bretagne gemef en mar (tergl. ©.11 7). S)ief er geiler jeigt, bafe 
au<$ ber ©emä&rämann unfereä 3)i<$terlmg$ ni$t in ben ben 
©ingen na^efie^enben Äreifen ju fud&en ift S)aju fommt no<$, 
bafc au<$ metter bie aUerbefanntefien ©reigniffe <$ronologif<£ 
termirrt merbeu. 6rfi als golge biefer nürnberger äbmad^ung 
fte^t ber Sßoet bie ©enbung 3Bolfgang8 ton ^ßotyeim unb bie 
bur$ i&n toEjogene $rocuratermä&lung mit Slnna ton Bretagne 
an, bie bem 3tet<$2tag längere geit torangegangen mar unb 
gerabe bie Sage gefd&affen $atte, für bie man in Nürnberg ab- 
hülfe fu$te. S)ie ton tym gefd^ilberten ©cenen auf bem ©d&lofe 
unb bei St ©ebalb entfpred&en ba&er etma ber SSorjleEung 
ber fetten« SlnnaS angenommenen Sßerbung unb barauf folgen* 
ben feierlid^en Verlobung. SEBir miffen, bafe §u beiben Stritten 
leinerlei SWöglid&feit me$r borlag. Sßeniger ferner re$ne \6) e* 
l>em SSerfifey an, ba& er and) eine betaiUirte ©d^ilberung beS 
SrautraubS bur<$ Äarl VIII. Don gran!rei$ torträgt, ©iefelbe 
tft unmabr, entfpri^t aber einer in $)eutf<$lanb ganj allgemein ge* 
Regten unb tneHeid&t tön oben &er IünfHi$ genährten Sfafd&auung. 



183 



Sin anberer gleidfoeittger SBerid&t, ber auf ben erflen SBUdf 
Uebereinfthnmenbe* ju bringen f<$eint, entpuppt ft$ atebalb 
als ein profaner 2lu$jug unfereS ©ebid^td. ©8 tfl ba$ bie 
Crjäfctung be$ lärntbmfd&en ?Pfarre8 3* Unrefi in feinem 
Chronicum Austriacum (in ©. §. $a^nd Collectio monu- 
mentorum I, 775—778), Stafette ifl fomit für geflfieEung 
be« £$atbeflanbeÄ üöHig bei Seite ju laffen. 

SJon einer brüten jüngeren üueEe tonn i$ ba£ leiber 
nid)t mit DoQer SBeftimmtyeit fagen, ba mir au& berfetben nur 
früher gemalte ©jcerpte vorliegen. ß« ifl ba8 ba8 um Wüte be8 
16. 3a$r$unbert8 berfa&te 8flerrei$if$e ©&renn>erf 3. gugger8 
(#f. in ©reiben). 2lu<$ ^ier fpielt ber auf ber SSefle SMirnberg 
x>ox Äur* unb gfirflen berief ene ©rief Anna« eine 9toQe, in 
bem fte als änttoort auf bie bur<$ 3Ray' 8otf$aft an fte ge* 
langte anfrage crflärt, bafc fte ben römifd&en Äönig jum @e* 
ma$I ertoffl&Ie. ßur SJefräftigung be8 fo gef$e$enen SSerlöbmffeS 
erfolgt bie !ir<$ü<$e geier in ber 6ebalbu8fir<$e. i SMir bleibt 
perfönli<$ lein Stoeifel, bafc au<$ bei gugger ba8 Sieb Orten« 
fleinS, t>on bem fi$ beiläufig nod& $eute ein S)rudf in Slugaburg 
befinbet, ju Orunbe liegt $>ie 3faf<$auung &on bem SBefen 
bed Vorgangs ifl biefetbe un$iflorif<$e ; au$ gugger $at bie 
$rocuration im Dctober 1491, alfo na<$ bem 9tei$8tag, au$ 
er ben Srautraub. 9teu ifl nur bie 6infle$tung einiger 
bejüglid^en änefboten be8 fönigltd&en Darren Äun§ Don 
ftofen. 

dagegen lägt ft<$ {einerlei äbtymgigfeit annehmen bei 
einer furjen Stoti}, bie und ein ßeitgenoffe tynterlaffen fcat, 
3aIob 2Bimp$eling in bem belannten literarifd^en Streit, 
ben er toegen ber frevelhaften $anblung3toeife Äarte VIII. 
mit bem franj6jtf$en ©ele^rten Stöbert ©agutn führte. 3n 
feinem legten ©rief bom gebruar 1492 avß ©peier toenbet er 



1 5)rci Rentier $abe i$ na$ Qfngget nottrf. S)a8 entfprid&i ftyer 
fcem S5«§ 96 beft @ebi$tS, toonad» btei (hangelten gelefen toorben finb. 



184 



jt$ jmtädtft gegen ben 3(toocatenfniff 1 ©aguin», aU ob bie 
Sßrocuration SRajimiKanS mit ätana toegen formaler @ebre<$en 
ber $oflmad&t ni$t rec$t$!räfttg toäre. S)ann trifft er ben (Sin* 
toanb be$ granjofen: (Maximilianum) non habuisse ratum 
conjugium per procuratores initum. ©arauf antwortet 3Bim* 
geling: „Quam verum id sit, audiat rex tuus non regem 
nostrum sed universos principes, qui superioribus diebua 
de hoc connubio caeterisque rebus tractaturi, Nurenbergae 
convenerunt." 2 S)amit fönnte bie @a$e ausgemalt feinen. 
916er flimmt berni äBimp^eling mit Drtenftein unb feinen 3tu8* 
f Treibern über ein? Sei 2Bimp$eling iß bie Sßrocuration notfc 
toenbige SBorauSfefeung be3 SJorgangS bon Nürnberg, bur# 
melden na<$ feiner Sluffaffung mittelft eines ©taatöacts bie 
Ratification erfolgt Sei Drtenfiein ift alles umgefe&rt: bem 
fejHi$en ©eba^ren in SRfirnberg folgt ber 6rnjt ber 6a<$e erfl 
na<$. Stufjerbem läfet fu$ ein Vorgang, nrie tyn SBim^eling 
im SSuge fyat, fe$r too^I beulen o$ne biejenige Entfaltung 
äußerlichen ©eprfiugeS, meiere au$ Sfafeenfie^enben notfyoenbig in 
bie SCugen bringen mufcte. $>&m ber ttmfianb aerbtent £erbor» 
fcebung, baß Jtoet ganj gletd&jettige nürnberger 35eoba$ter, 
Qeinxiä) Deisler unb ber tt>o$hmterri<$tete SSerfaffer bon 
„6tli$e ®ef$u$ten", 3 toelä)e gerabe »ä^renb jener ba$ $er* 
fömmli$e 2*btn ber ©tabt mit aufregenbem Snfcalt erfüflenben 
Sommermonate fleißig aufjei$nen, toai an Sßrocefftonen, Stänjen, 
£ei<$enbegängniffen, 9ie<$t$$änbetn , Stornieren, ©efettenjted&en, 
©(pfcenfeften, ßodfoeiten, SRonneneinfegnungen u. f, to. in 
©egentoart unb jum Styett unter 3Jlittt>irfung be3 Äßntg* bor* 
fiel, ni$t$ toiffen bon jener geene auf ber 83urg unb, roa« 
no$ biel auffälliger ift, jener fir<p$en geier in 6t. ©ebalb. 

1 tenue ez juris superficie adminiculum nennt i$n bet 3 c «tgenoffc 
Strang Saxonia 938 (Äöln 1574). 

2 Lintnrii appendiz ad fasciculnm temporum €>. 104 unb 2Rtttter, 
fletyStaöStyeatet unter «Wag II, 140. 

3 Nürnberger S^ronüen V, 56S ff. unb 729 ff. 



185 



©o leibet bie Drtenfiein'fd&e @rjä$Iung ni<$t nur an böllig 
berfe^rtem Sßragmati8mu8 ; au$ bie fie d&arafterifirenbeu 3ln* 
gaben felbft laffen ft<$ ni<$t galten. 3Biml)$eImg$ SBorte W 
gegen fingen ni<$t, eine „ÜRittoirfung" ber ©tänbe acttber 
ober paffiber SKrt borauSiiifefcen bei bem Stet ber bom Äönig 
borgenommenen Ratification, Sie fefcen nur ein Sßiffen ber 
gefammten dürften, bon bem toa£ gef$a$, borau«. SRan tarn 
babei an eine i^nen gemalte blofee SRttt^eilung an fi<$ ebenfo* 
gut benfen toie an i&re ©egentoart bei einer Sßroclamatton. 
©ins nur fd&eint mir auSgefd&Ioffen : bie actibe 3JUttt>irfung ber 
©tänbe jur ©efräftigung ober SSefiätigung ber borgenommenen 
$anblungen. Sine foI$e, tuel$e bie SSerbinbung be8 Äönig8 
mit ber 6rbin bon ^Bretagne gehriffermafcen jur Reid&Sfad&e ge« 
ma$t tyätte, Mrbe unbebingt, loenn ni<$t f$on in Bamberg, 
bann toenigflenS im folgenben Qa$r ben ©tänben borgerfldtt 
fein, als e£ fi<$ um 2lu$löf<$ung ber bem Äönig bur$ baS 
SBegfapern SfanaS feiten« Äartö VIII. angetanen ©<$mad& 
fcanbelte. 9tei$3tag£propofition unb Reid&Stagöber&anblungen 
ju Äoblenj 1492 mfi&ten #intt>ftfe enthalten. SBtöer toeber &ier 
noä) in einem anbern bon SRayimilian au$ge$enben SlctenfMicf, 
no$ au<$ in bem ©$rifttt>e<$fel ber Shtnbeägenoffen ober ©egner 
nrirb eine fold&e fitrjtli$e ©arantte ober ettoaS bem ä£nli<$e$ 
angebeutet. greili<$ aud) nid&t bie Ratification bur$ ben 
Äönig. 1 Unb fomit flehen toir bor ber entfd&eibenben grage: 
Serbien! 2Bimp$eling$ SCngabe in biefer 33ejie$ung ©lauben? 
©td&er berblenbet tyn ber ©ebanle ber nationalen ©&re, als 
bereit SSorfämpfer er in biefer literarifd&en ge^be auftritt, nidjjt 
baju, tt>iffenttt<$ eine falfd^e 2tyatfa<$e borjufyiegeln. 9916er 
fo feji er bon ber Realität ber ©a<$e überjeugt ifi, ifl benn 
bie SKöglid^leit auSgefd&Ioffen, bafe, toie ber biebere Safob ttnrejl 

* $ie granjojen füllten fi<$ im Oegentyeü auf ben Mangel ber Statt« 
fication bei tyren $lraumentationeii. 8ergl. auger ber dürfen ©teile SEBtnt' 
rtelitigS no<$ bie ben frana5ftföen ©ebanfengang esplicirenbe ©arfteflung 
HauderS (Chronicon, Jtfttn 1579, ©. 1109). 



186 



bur$ OrtenfieinS Sieb herleitet nntrbe, and) SBimp^eling baS 
Opfer eine* toettoerbreiteten ©laubenö jetoorben fei? StoS 
toel<$er Quelle er fd&tyfte, ifi ni$t ju fagen. $>a& er nur 
müubli$e Äunbe gehabt $at, beuten too$l bie äBorte an, toetdbe 
er bem fciel beft>ro<$enen ©a{$ unmittelbar anfügt: Spero tarnen 
onnia haec, sicut acta sunt, in lucem suo tempore proditura. 
S)a$ ijl reicht gef$e$en. (Sine ettoaä fpäter, als 2Bim¥>$eling« 
SBriefmed&fel, entjianbene $>en!f<$rift ber SRätye aRafimilian« 
toeifc ni<$t nur ni<$tS fcou ber Ratification, bereu @rtt>ä$nung 
bei ber ©Kjjirung be3 franjöftfd&en 93erfa£ren8 bo<$ fe$r am 
?ßlat$ getoefen märe, fonbem betont bei Darlegung fcon (Steig* 
niffen, bie toor ben nürnberger 3tei<$8tag fallen, au$brü<flid&, 
baft Slnna f$on per verba de praesenti et cum omni 
sacri conjugii solemnitate desponsata getoefen. 1 
£)a3 Hingt faft toie eine 3htttt>ort auf ben ©inwanb mangelnber 
Ratification in bem 6inne, bafe eim fold^e nid^t erforberli<$ 
getoefen fei. 3$ ttneber^ole, bafc fi<$ t einerlei ©rtt)ä$nung in 
Steten ober bei 6$riftfieUem, aufcer bei SBim^eling, jtnbet 
unb bafe franjöfifd&erfeits, too man baS in SlnnaS SBeftj} befinb* 
lid&e urfunblid&e Stftotertal offenbar fd&on ber {DiSpenStoerJ&anb* 
lungen mit bem Sßapjt toegen genau geprüft £atte, 2 ba$ 
geilen ber Ratification betont ttrirb. 

2lber fönnte e$ fi$ jtoifd&en ®aguin unb SBimp^eling 
ni$t um einen SBortftreit Rubeln? ©aguin fprid^t fcon ber 

1 $er |ier in Seirad&t fommenbe 2. Hbjd&niti ift aus bem 9Rai 1492. 
S. Le Glay, NSgociaticms I, 13. UebrigcnS iji, tooS 2e ©Ia$ ttberfalj, 
baS Heien jrüd, Don bem no<$ alte $>rude ejlffiren, fd&on neu aufgelegt 
burdfc SBuber, !RÜ$lia)e Sammlung 6. 1 ff. 9tor bie «erfe fehlen, fonric 
einige fe$r foett^e ©teilen. 5) er jtoeite S^eil pe^t beutja) bei 9Rüüer, 
3teid&§tag§t$eaier unier Wai 1, 151 ff. 

2 Sergl. «aguinS »rief fceibetberg 14. ftebruar 1492 über baS mit 
SfonaS Umgebung ftottge^abte SBer^r. 3n fetner franj6jiftt)en ©cföWe 
fgtoeigt @. ff4 M« ben gangen fcanbel au8. 9tar bei €rofi$mmg be* 
grieben« bon ©enliS fagt er, bafs SDiargaretyc aurfidgeföicfi fei quum 
eponsalia patri grata non erant unb bog Äarl reconciliatis Britonibuf 
Annam . . . uxorem aeeepit (granffttrt 1577), 6. 284. 



187 



mangelnben Ratification ber fiattge&abten Sßrocuratiom @3 ift in 
ber Xfyat jebo<$ f<$toer abjufe&en, toorin eine fol$e $ätte befielen 
fotten, außer in betn SSoffjug ber @tye bur<$ ben juerfi nur ber* 
iretenen Bräutigam. 2Ba$ foflte in folgern gaQ, bie Stents* 
traft ber SSoUmac^t borauSgefefct, ein na<$trägli<§ ausgefertigte* 
Pergament? SEBitnp^eling ifl freiließ ber 3Reinung, baß foI<$er 
gorm genügt fei. Äßnnte e$ fi$ aber bei bem Slct, toon bem 
2Bimp$eIing Äunbe jugefommen fear unb ber fi$ meDei^t au$ 
in ber entfieüten £rabüion bei Drtenfletn fpiegelt, ni<$t um 
Ratification beS mit Slnna bor ber Sßrocuration gefd&Ioffenen 
e&ebertragS 1 ge&anbelt fcaben? ©ine fol$e mar, f<$onm<$t 
t>orau$jufe$enber @injelbefttmmungen toegen,. erf orberlity : tyre 
Gm^olung bürfte bie Aufgabe ber bretagnif<$en 93otf$aft in 
Nürnberg gemefen fein- @8 erflärte |t$ auf biefe SEBeife 
mand&eä. ©nmal bie 6ntfle$ung ber £rabüion über bie lird^ 
Ii<$e aSermä^Iung^feier in Rürnberg, 2>ann au$ bie bon ben 
granjofen geleugnete Ratification. $anb}ei$en unb Siegel beS 
römif<$en Äönig« unter einer in ber Bretagne gefertigten 
£eirat$$urfunbe, bie nur ffirfHi<$e3 Qau&xetyt begrünbete, 
braud&te tynen {einerlei Äopffd&merj ju »erurfad^en. gür fte 
fam e$ allein barauf an, ob e$ere$tli$ bie Sßrocuration als an 
ji<$ wrfräftig ober, toenn ba$ unmßgU$ toar, als bur$ 3Rangel 
gehöriger Ratification ungültig getoorben fi<$ bart&un ließ, 
©elang baS, fo toar trofc beS Vertrags bie $anb ber ©rbin 
toon Bretagne frei. 

3$ ber&efcle mir nid&t, baß biefe ßöfung tyre ©d&ttrierig* 
feiten fyxt. »ber fte fd&eint mir bem ®eifi ber tteberlieferung 
am heften jt$ anjupaffen. 

i fcafc ein folget, loa? ß$ etgentlt* Don jelbffc *crfte$t, tjoranging, 
ifl bejeugt bürg ben 8«*0«"ofien SRolinet IV, 141. Wu$ Ratten bie $to- 
curatoren befHmntten Auftrag traicte et alliance de mariage abauföltefcen. 



Richte unb Anknüpfungen ber erften 3Jaljre 

(1493—1495). 



Sa&relang $at na<$ juberläffiger tteberlteferung SRayimilian 
ben ©arg mit ft<$ ^erumgcfil^rt, ber bcreinfl feine irbif$e glitte 
bergen feilte« 3>n auffälliger UebereinfHmmung mit fold&er 
©üme3art mö<$te man e8 ftnben, wenn er gerabe in berfelben 
Seit rafiloS beftrebt erfctyetnt, fein lebenbigeS Silb §u berfd&leiern 
bur$ ein romantif<$e$ ©fernen. Stallte er fi<$ babur<$ fd&on 
bei Sebjeiten jum ©egenflanb anbäd&tiger 35ere$rung ergeben? 
£eu<$tet etoa in biefen literarifd^lfinfilerif<$en Seftrebungen eine 
bertoanbte ©pur auf jenes ©eifteS, in bem er audj in ber gleiten 
6po<$e p^antaftrte bon feiner @r^ebung auf ben pfipfUid^en 
©tu$l, ja fd&erjte bon lünftiger ©anonifation unb Stnbetung? 
S)enle man barüber, nrie man toolle : fidler ift biefen literarifd^en 
ßerborbringungen be3 ÄönigS unb feiner SBertrauten ein guter 
3#ett ber ©$ulb jujufd&reiben an ben fd&tefen unb irrigen 93or* 
Teilungen , bie bis )ur ©tunbe aber i$n im ©$toange finb. 
3Ran<$er $errf($er &at feit QuIiuS ©äfar* £agen jur geber ge* 
griffen, um ber tteberlieferung 3Wafe unb SRid&tung borjujei<$nen 
ober and? glei<$ baÄ SBilb na$ 2öunf<$ unb SJortyetl abjutonen. 
aber unerhört in aller ©efd&id&te tfi ber Vorgang, ba& baS 
Streben, ber gemüt&Iid&en St^eüna^me, bem innern SRad&erleben 
feiner Sefer tiefere Smpfmbung ju beriefen, ein gefritateS £aupt 



189 



toerfü$rt feine eigene @ef$i$te gu mt>$ologiftren. Steuer tüirb 
bamit ber ge^eimnifftolle Strahl erlauft, ber be$ gelben ^aupt 
umlenktet. 3n biefem £i<$t öerf<$tt)inben alle bie 3üge, meldte 
ben 2Renf<$en in unb aus feiner Umgebung t>erftänblic^ madjen, 
nur ba$ afferperfönli<$fte bleibt fid^tbar, freili<$ aud& biefe« toer« 
frommen in ber ©lorie. SSon beut ritterlichen aller Äönige, 
bem ber fefhße 2anjenjlo{? eignet, beut unermübU$en 2Baibmann, 
ber fd^ttrinbelfrei jebem Slbgrunb unb faltblfitig bem SlnJpratt 
beS toergtoeifelten 2Bilbe3 trofct, Don bent liebenStofirbigen bor* 
nehmen #errn, bcffen ßeutfeltgfeit alle $er jen, mäbefonbere bie 
ber grauen, bejaubert, meifj baS S3oIf ju fagen unb ju fingen, 
aber too $at i^n bie tiefere (Srfenntnifc ju fud&en, too fifet bie 
€eele in biefer ret<$entttridfelten Sßerfönlid&Ieit? 

2Rayimilian Ijatte 34 2eben$ia$re hinter ftd&, als er jur 
Regierung !am. (Sine fraftooHe, bis in* Sllter auSbauernbe 
©onjiüution, bie ein $ang jur @rfältung ni<$t ju erf füttern 
Dermod&te, 1 ausgeprägte Süge, aus benen SffiofytooHen unb re<$t* 
lieber Sinn ft>ra$, ein fd&arfer SBIidf, ber 9Renf$en unb S)inge 
ju burd&bringen fd^ien, fcoben feine Sßerfönltd&feit über« ©etoö&n* 
H$e, o&ne jie gerabe — menn man ni<$t gerabeju bie Sßanegtj* 
riflen $ört — ju einer tmpomrenben ju mad&en. % 3Bo er toottte 
— unb ba$ toar bei öffentlichem auftreten bie Siegel — toar 
feine SiebenStofirbigleit unttriberjle$li<$, oft felbfi für fold&e, bie 
eben erft Don ©roß erfüllt getoefen toaren. 3n $o$em ©rab mar 
tym ber altyabsburgif<$e. gamilienjug gnäbig4eutfeliger §erab* 
laffung eigen. ®r liebte e$, fid^ in toerf^iebenen Äreifen ju be* 
ttegen. Äaifer griebrid^ $atte toofcl einmal bie nürnberger Sugenb 
mit $ßfefferfu<$en befd&enlt: 3Ray jog es bafelbfi bor, mit ben 
frönen ?ßatrtcierinnen ju toer!e$ren, bie fi<$ mand^e SBitte, \a 
mannen nedfifd&en Streif gegen ben Äönig erlauben burften. 

1 Cuirini« Relation bei Alberi, Relaz. venet. I, 6, @. 26. 

2 os probum. Butler 49. Gin flußenjeuße oon 1486; ein folget 
ton 1494 Bei f$freljer*6truoe II, 470. Sergl. Brewer, Letters and papers 
of Henry VIII. I, 91t. 4284, ©. 625. 



190 



$efUi$e Steigen, Sermummungen toaren mä) feinem 6inn. aber 
als Siebter mannhafter SBaffenübung na$m er au$ 2#eil 
an ben 6<$ießübungen ber Sugenb, fe|te too^I fetöfl ein Stücf 
3eug gum SßreiS. 6* iß nidjt toorjugätoeife fein föniglid&e« 
#anbtoerf, toeld&eS 3Ra? in folgern J^itn treibt: er mar mir!« 
li<$ mit bem iperjen bei ber @a$e, nnb ba$ eben getoann i$m 
bie ^erjen. 63 ifl ganj erftaunli<$, tirie populär im 8tei<$ biefer 
3Ronar<$ fear, ber gerabe für biefe* f o toenig erreicht ! @$ lebt 
in i$m natürliche griffe, bie für man<$eS entfd&dbtgt. 2öie 
gut na&m fic$ im SJlunbe ber Ghrjäfcler feine Siebfrxberei für 
©ingbögel aus, bereu jubringltd^eö ©ejtoiifd&er * oft genug in 
ben fönigli$en ©emäd^em ©ef<$äft$eifrige }ur Serjtoeiflung 
bringen mochte. SSor allem ifl ber oft öon 3ritgenoffen al$ 
übertrieben gerügte Sagbeifer beS ÄönigS belannt. 5Dur<$« 
gange 3iei$ toaren feine 3 a gbrefciere aerflreut, eine foftftneltge 
Drganifation forgte für jetoeilige SBefriebtgung biefer £eibenf$aft. 
Oft, toenn bie @ef<$äfte tym ben Äopf $eifc matten, ober toenn 
©elbaufprüd^e an tyn gemalt tourben, ju beren Sefriebignng 
er eben leine SJtittel befaf?, entjog er ft$ bur<$ eine Sagbpartie 
folgen ttnbequemltd&Ieiten. €r fetbß freiließ in bem für feine 
9ta$!ommen im §au& Defterrei<$ ^erfaßten „^agbbuc^" 2 totO 



1 flotijenblatt I, 163, f. aöei&tunig 91. 

2 ftaifer SWarjtnüianß I. geheimes Sagbbua) . . . $erauSgeg. bon Äarajan, 
2Bien 1858, 6. 24. 2Bet§funig 88. 8ergL gimtner^e $$rom! IV, 361. 
Sluü) ber 2$euerban! ifl ooH oon 3agbabenteuern beS ÄönigS. #ier au$ 
((Jap. 20, 6. 28 ber ©altauS'jd&en ttuSgabe) bie ftltefte UebeTlieferung ber 
®efft$rbung be* Ä5nig8 auf ber ©emfeniagb, bie fäon bie „6d&lüffel" be* 
QebidjteS auf bie 9Wartin8»anb bei girt verlegen. 2)ie ßiteratur über btefe 
grage, bie un§ f)ier nia)t beföfiftigen fann, oergl. bei galtaufi Einleitung 104 ; 
6d)mit.£at)era, Bibliographie beS öperr. ÄaiferftoatS I, 1 9tr. 764 unb in 
ben SRittyeilungen beß BereinS für ßeiermfirtifaje ®ej<*i<$te 28. $eft (1880) 
6. 4. ttenwib, flaifer SRas att ©emjenjäger in 8&ogl8 »ollSfolenber, 
SBien 1879, $at bie SBeiterentttricflung ber @age beranföaulid&t. UebrigenS 
ma$e ia) barauf aufmerffam, ba& 1496 auf ber 3ufammenfunft ju SRelS 
einer ber Söger !0iajhnUian8 flä) in analoger SBeife berfiiegen Ijat. (Styiltm 97; 
oergL unten britteS (Samuel. 



191 



feine Setbenfd&aft erHärcn bur<$ bie Se^auptung, gerabe toäfcrenb 
ber 3agb fei eS tym leistet jjebem ©efcör ju getoä&ren, bem 
foaji ber Sutritt jum Äönig fötoer fei. 3ii$tig i|i e$, ba& er 
regelmäßig @ef$äft$perfonal mit ft<$ führte, trenn er jur Steiger; 
beije ritt ober toenn er jur Qagb auf ben @em3bo<f, bloS mit 
bem ©$aft betoefcrt, baS Hochgebirge bur$firi<$. 2Ran fonnte 
ifcn tt>irfli<$ ju ben Sägern toon ÜRetier rennen, fo ernfi na&m 
er e3 au$ frier. 3DWt Energie toarb ber $o$* unb €<§toar}toatt> 
ate IanbeSfürfUi$e$ SRegal, glei$ ben 39ergtoerlen, in Snfyrudj 
genommen, jebe SBeeinträ^tignng ober Störung be$ 2Bübe8 ver- 
folgt Gegenüber obiger SRajtme toarb lein flöfterüd)e£ Privileg 
(vom ©elbftbebarf abgefefren) anerlannt; unb ein Jagbeifriger 
JMoflerbruber, ber fi<$ im SRüdffaQ betreten liefe, muffte feine 
Äutte mijfen. * SfabererfeitS mar er in ber Zfyat Säger von 
Setbenfd&aft, ber otyne 9Wt<lji($t auf feine Stellung |t$ im Eifer 
jeglicher ©efa^r au$fe|te, \a, ber berieft in feinen jägerif^en 
3ntereffen $art — unb nur in folgen gäHen — ju firafen 2 
liebte. 3Ran bente ji<$ bo<$ tyeutjutage einen gefrönten gelb- 
fcerrn, ber in geinbeslanb, noä) ofrne gitylung mit bem ©egner, 
einen ttmtoeg von ber Sßarf$route leidet fi<$ gemattet, um bem 
3agbt>ergnfigen na<$juge$en! 

^inft^tli^ ber Äoft (ann 3Ra? ni$t fo ganj ein ^reunb 
militanter Sinfa^eit getoefen fein. 3m £rinfen allerbingS 
toar er, ber e$te ©o$u feinet nüchternen SaterS, jtoar unbefleeft 
Von bem bamate arg getigerten nationalen Safter 3 : aber er 

i Mitteilungen beS t)iftorijc^en Vereins f. ©teiermar! 28. $eft, 18. 
19. 26. 

2 *ra)io f. öfterr. geföidftte XIII, 242. 2)ie Stäube üdu Oetfer- 
reia) unter ber (SnnS Rotten 9War, ju untertänigem Gefallen fogar auf i$re 
eigene SBilbbafri beratet unb in Sfolge baüon auä) bie 3ogb an Orten, ttjo^tn 
er »o^rld^einlicr) niemals fonune, unterlagen (ebenbaf. 254). $ie $etoobner 
litten ba$er ebenfo burä) Uebertymbnabme beS ©a)toarjttrilb8 tote bur$ bie 9Bifl- 
für bei 3ägcrfned)te. $ergl. über bie ffieaction nad& 9Rajimilian§ Xob au$ bie 
in Höriger $nm. citirten jteierm. Mitteilungen 27 ff. unb ftirdjmair 445. 

3 »eflrebungen gegen bie £runtfu<$t ertoä^nt tf. Seib (Kretin VII, 644). 
Sie viel SOÖcrtr) er auf gute Äticr)c gelegt, beftätigeh jaljlrei<$e $>en!aettel auf 



192 



fyielt auf gute STafel. ®r befümmerte ftd& felbft um JBeforgung 
frifd^er ©emfife unb eingemad&ter grüßte. 28er ftc^ bei tym 
inftnuiren tooHte, glaubte nityt unrecht baran ju t^un, ft<$ na$ 
feinen 2eibgeri<$ten ju erlunbigen. 

2Raf fear SJteifter in allen förperlid&en Uebungen, tapfer, 
ja toagbalftg unb unternehmend SRid^t als ob er Äampf unb 
Ärieg um tyrer felbft ipillen geliebt &ätte. SBenigflenS im fpätern 
Seben manbelte i$n föo^t bie 3teue an über feine friegerif$e 
$olitif. 1 3Ran fann ni$t einmal jagen, bajs er fi$ unter 
{einen ©olbaten am tropften gefüllt babe. 6r toar eben ein 
3Renf$ t)on bielfeitigftem Sntereffe, ber gerabe be^balb fo ferner 
richtig beurteilt toorben ift (Sbenfo ftnbig in allen SRöt^en, 
ttrie erftnberif<$ in allem Äönnen, erregte er ebenfofe^r Setouube* 
rung bur<$ eines toie ba$ anbere. 2JUt feinen ßauptleuten toufcte 
er fi<$ in fieben 3^9^ J u toerjiänbigen, Wetteiferte an ©d&reib- 
fertigfeit mit feinen ©ecretaren, toerfianb fi<$ ni<$t minber auf 
bie Härtung ber ganger, mie bie ©onftrucüon ber ©efd&üfce. 
3a, mir toijfen, bafc er jtoar ni<$t fein eigener Äammerbiener, 
mo$l aber fein eigener ©taßfned&t getoefen ift, fo bafe er ntd&t 
ju 9tofc flieg, ofcne ba$ 3 aum 5 cu fl W&ft geprüft ju baben 2 . 
©& fprid^t für feine SBebeutung, bafc bem toou fteitymoften ni$t 
feiten gegoltenen 2Rann, ber toie f aum ein anberer in allen Sätteln 
geredet toar, unter fo bielen Sortofirfen nie ber fdjjeinbar fo 
nal)e liegenbe gemalt toorben ift, grof? }u fein in attem Äleinen. 
2Iud^ baS an ft<§ Unbebeutenbe trieb er im ^inblidf auf ba& 
®anje. ß$ Iäfet fi<$ ni<$t beroeifen, bafe eine feiner Siebfcabereien, 
ettoa bie Qagb, feiner Siegentenaufgabe na$t$eilig getoefen fei. 
Ston frü^efter Sugenb an unb jtoar f$on bor feiner im 18. £eben$* 



ber toienet fcofbibliotyef ; au$ in ben 3(rrf)iücn ftnben fi<$ OrbreS jur ©e- 
föaffunß bon ©emüjen, ©übfrü($ien ?c SBergl. äöeijjfuniö 78. 

i 6palaiin§ «Ra<$la& 25. 

2 SBei&fumg 62, 96. Sie Spragfertigfeit: <8rttnj>e<f 93; 3Rctyiiu§ 
bei 5tei)ci>©trube II, 470; GuSjrinian 486 ; Wimpheling epit rem m Ger- 
maiiicarum cap. 63 (€. 193 ber EuSgabe in 12mo b. % 1594). 



193 



ja$r erfolgten etfiett SSermffl&Iung, 1 ein greunb toeiblu$er Steige, 
$at ber Siebter {einem feiner me$rfa<$ mit 9ta$fommenf$aft 
gefegneten SSer^&Itniffe ©influfc gemattet auf ben Äönig. ©eine 
ie<$noIogif$en gertigfeiten {amen bem ÄriegStoefen unjtoeifelfyaft 
ju Oute. ttnermüblity jinnt er auf neue SSerbefferungen, fu$t er 
gezielte Seute an fi<$ ju gießen. @r tonnte e$ fe$r übel nehmen, 
toenn folgern 3Bunf<$ eitoa feitenS ber früheren ßerten nu$t 
entft>ro$en ttmrbe. Aber ebenfofe&r toie Sagbutenfilien unb 
Stoffen intereffuten i&u 28ijfenf$aften unb Äünfle. SKit folgern 
€rfoIg foD er bie Sütuftf gepflegt fcaben, bafc tote plje na$ 
einem Stegen muftfaliföe Ga^acitäten an feinem $of aufgetaucht 
feien. 8C13 er ft$ jur SBBa^Ireife ua<$ 5£)eutf<$Ianb anlieft, 
toirb fcor allem bie Äapelle mit frif$en Är&ften ergänjt. 3n 
SWefc erregte im 3a$r 1492 bie 3ufammenfe|ung feiner JEafet 
muftt allgemeine Sfafmerffamfeit. 2 #aupifä<$K<$ aber ber bilben* 
ben Äunft unb ber 2Biffenf<$aft, inabefonbere beren $iftorif<$en 
gtoeigen, gehörte feine Neigung unb, toenigftenS ben festeren, 
ein guter 2$eil feiner 2$ätigfeit. 5Dat>on fotoie fcon feiner 
Stellung )u geifiigen unb religiöfen Singen überhaupt toirb 
fpäter gefymbelt »erben, liebet lefctere fcier nur fo Diel, bafe 
er ein fleißiger Sefu<$er be8 ©otte^bienfte« toar, toa$ tyn ni<$t 
fcinberte, über manche fragen unb befonber« au<$ über bie 
SRotytoenbigfeit be« päpftti$en Äir<$enjlaate3 eigent&fimli^e 2fa* 
ft^ten ju fcaben. QeneS lebhafte geifiige 3nterejfe ifi o$ue 



1 ÄrauS, SRaj unb $ruf$enf 82. SBet tiefe Koftna toar, toeifc man 
nid&t 3nt JJretobal finbei fl<$ unter ben Sternen, bor toelä)en SKag turnirt 
fytt, eine Slofina Don Jfreb ou8 Äörntfjen. 

2 ©ttobel, @efö. b. Gif. III, 467; 3RoIinet IH, 2; Cuspin. opera 494; 
SpalatmS 9ta<$la& 228. $em ©rafen bon 3imtnern trug er bie bertoeigerte 
tteberlaffung eine§ Sautenißen lange na<$. 3immerf4e Q^ronit I, 534; 
f. SBetfehmig 78, unb über feinen Crganiften $aul #oflfoeuner: WmbroS, Äcfö- 
ber SRuftf III, 873; musicoram prineeps nennt Ietjteren GuSpinian int 
Eiariura beS wiener GongreffeS (8fre$er.©trube II, 607). fcbenbafelbft bie 
ftebe bon neu erfunbenen funfhreid&en 3nflrumenten. Ueber SReifter $aul 
unb ben Äapettmeifter ©eorg ©lalenty f. ben Entwurf be8 XriumrtjugS. 

Ulmann, ftaifer TOajtmiHatt. 1. X3 



194 



3tueifel Stefultat feiner ßrjiefymg, bie trofc mannet ge$l* 
griffe, tote bei ber SBa^I be$ erften 2e$rer8, befrud^tenb getoirft 
fyat Sßetm man bebenft, bafc e$ SRaucler 1 uttterfagt toar, 
fernem ©d&üler, bem fpäteren ^etjog ©ber^arb Don SBfirtem* 
berg, Satetn beibringen, fann man bie geifiige §rei$ett be3 
ÄaiferS griebri<$ nur anerlennen. Slber bie 2obrebner* lügen 
ni$t, wenn fie toerjtd&ern, bafc SKaj bon Hein auf bejtrebt ge* 
toefen fei, felbft etoaS and ji<$ ju magert : fyxtte er ft$ bo<$ in 
jarter Qngenb als ©innbilb ben ©ranatapfel auSerloren, ber 
ättf}erli<$ geru<$lo$, innerlid&too&lgeformtunbfüfnft. 8 SSeniget 
glüdflt<$ bllrfte fein ©prid&toort getollt erföeinen. $a* „£alt 
3Na{?" entfprid&t ftdjerlt<$, fei eS bur<§ Anlage ober äufcere Um« 
fiänbe, toenig bem SebenSlauf aRayimtltanS. 4 3n alP biefen 
Singen offenbart fu# eine 5ßerfönU<$!eit bon berber Sebenäffille; 
ein bur<$au$ tätiger, raftlofer (Seift, ber f eiber prüfen, ji<$ 
ni<$t auf anbere berlaffen toill; ein Äopf tote gemalt in |i<$ 
aufjunebmen unb au&giebig auf anbere ju toirfen. Slber toer 
bie unleugbaren Erfolge unb bie ni$t weniger für bie $ifiorif$e 
»etrad^tunglenntlid^enge^lgriffeaRayimilianStöerfie^en miD, ttrirb 
ben ©d^lüff el be$ @e$eimniffe$ bo<$ in anberen Elementen, als jenen 
ju £ag liegenben Seiten be* löniglid^en 6$aralterS fud^en müjfen. 
©tefer 2Ronar<$ trieb neben allen auf tyn einbringen« 
ben Slnforberungen unb trofc ber bon tym leibenfd&afttidj} ge* 
fugten Serjtreuungen bie politifd^en @ef<$äfte mit gebübrenbem 
©ruft @in fefteS ©ebäd&tnife, eine fd&nelle gaffungSgabe unb 



t Daudet 1114. 2fla£ gebadete jebo<$ fester feines SernenS o^ne ©roll: 
feinen 5)onat unb {eine in ber 3ugenb b erfaßten laieiniföen dpifletn lieg 
er P4 no<$ 1501 fjerauSfud&en. 6. ffieg. 219 im 2. 2$eil beS erffen SBanbS 
beS 3at)rbud)§ ber funftyiftorifd&en Sammlungen beß Äaifer^aujeS. 

2 3afon SRamiuS (gre$er.@trutoe II, 470). 

3 etabiuS' Erläuterung jur Ehrenpforte bei Pirkli. op. 179. ttadj 
falfd&er Analogie beutet biefeS ©ombol ^auftng, Stirer S. 899. 

4 3n biefer {Jornt SBei&funig 65, oergl. 3immerföe ©jronif II, 244; 
(£u9J>mian 495: medioeritas Optimum; ötjnliä) StabiuS a. a. O. : Tene 
medioeritatem. 



195 



umfaffenbe ©pra<$Ienntntfe lamen i$m babet ju ©tattert. 6$ 
ift $inlanglt<$ befannt, ttrie er, toeber ftd? no<$ anbete f<$onenb, 
bid in bie 9Zad^t hinein feinen ©ecretfiren ju bictiren pflegte: 
toeniger rote er felber mit eigener £anb toid^ttge ©taatsföriften 
}u enttoerfen liebte. 1 ©o ifl feine 5ßoKtit überhaupt fein ©er!, 
feine Statte finb nur au$fü$renbe Organe. 3$ glaube mi<$ in 
ber Annahme nic&t ju irren, bafe biefer felbflänbige unb uner* 
mfiblid&e gürfi ganj fcertoorragenbe ©elfter ni<$t gern bauemb 
um tf<$ gehabt %at. Sie fiaat$männif$ften unter ben dürften 
Seutf$lanb£, toie öert^olb t>on aJtoinj unb grtebrid) Don ©a<$fen, 
ertragen ben @ef<$äft3gang an feinem #of ni$t }u lange. 3$ 
Witt ni<$t leugnen, bafc er für gettriffe mittlere ©paaren ber 
Setyätigung ben Sdlid bed SRenf<$enIenner$ befeffen fyat, 2 aber 
bie Ueberjeugung t>on ber 3ti$tigfeit ber eigenen 2lnft$t tjmberte 
tyn, nnrfli<$ felbfifinbige S&araltere um fi$ ju bulben ober and? 
nur qaxii geregt ju f$&feen. Slm flarften iji ba$ auf bem 
militanten ©ebiet, too er ft$ für einen gelb^errn fctelt unb 
bem entft>re<#enb ©eneräle biegfameren SflatureDd, tüie bie §ab& 
berg, gflrftenberg (unglüd li$en SlngebenFenS auSbem3a$r 1499), 
f$neibigeren Dfpcieren fcorjog. 3(1 e$ bo<^ gerabe für einen 
geiftretd&en gürfien bie f<#tt>erfie Äunfi, fi<$ felbft ©Uranien 
)u fefcen! ©o ift unter allen, bie i$m bienten, fein einiger, 
au$ SWattyäuS Sang toon @url ni<$t, Ieitenber Staatsmann ge* 
toefen. Äeinen jog er ganj ins Vertrauen. 3Bi$tige politifd^e 
(Se&eümtiffe behielt er fär ji$ unb liebte e$ ni$t, ft<$ in bie 
ffierfftatt feiner ©ebanlen blicten ju lajfen. @r tonnte untt)irf<$ 
derben, wenn man i$n erriet^. 3 Sielen ein£eimif#en unb 

1 <£§ liegt mit ber eigen^änbige (Snttourf beS 9iei<$§taggau3« 
MretbenS ton 1507, toeldjeS ben Umfang einer $)enffärift %al, t>or. 2)er- 
felbe geigt interefiante Hbtoetdjungen fcon bem gebrühten %t%t ©ergl. St. 2eib 
(«retin VII, 645). 

2 «Rur fo toett tann t<$ bem EuSforudj beS Sßanegtyrijten ®rünj>ect 95 
beipflichten. 

3 Thomas Habert Leod. vit Fridericrf palatini 48 ber HuSg. t>. 1624 
in 4. 9M bem je$t bei Trüffel, »eitrige gur ttet4>Sgei<$ic$te 1546—1551, 



196 



fremben Diplomaten toar biefe Erfahrung vorbehalten. SRan 
barf fi<$ toeniger tounbern, toenn 1492 bie franlfurter ©efanbten 
bemerfen mußten, baß 9fta$ feine S)inge ganj $eimlic$ tyielt, 
als toenn im SXugufi 1504 ber ©efanbte beä eng toerbfinbeten 
älbre<$t t>on Satern feinem £errn &infi<$tli<$ ber i$n fe$r an* 
ge^enben griebenSgerüc&te berieten mufete: SRiemanb toetfj feiner 
gDlajeftät SBtllen. 1 Unb ber benetianiföe ©efanbte, ber 1496 
gern feiner ©ignorte be* ÄönigS ttnrflutye Meinung über Sßtfa 
mitgeteilt $ätte, mujs. befennen, bafe 3Baj „feiten ober toielme^r 
niemals ft$ mit jemanb unterhält über ba$, toa£ er toerfymbelt 
ober tyut, befonberS in »tätigen ©ingen". 2 Solan ifl gejttmngen, 
f$on bur<$ ben SB ortlaut, biefe Hebung aud) auf bie Stätte 
beS ÄönigS auägebe&nt ju beulen. Unb bie 2#atfa$en be* 
{tätigen ba$. ©elbfi bie SBertrautejten tirie ber Sifd^of t>on 
©urf unb ©erntein tou&ten bem iunSbruder Regiment im 
2Jtai 1512 „ni$t3 ©egrünbeteS" Dorn £of ju f<$reiben, über 
ben ©ntfälufe beS Königs $inft$tU($ be3 öon ben 6$n>eijern 
gemünzten 35ur$marf$e$ gerabe iura) XiroL 3 SSieQeic^t er« 
flärt fic^ mit aud biefem Umftanb, ba& 3Raj fi<§ niemanbem ganj 
anvertraute, bie fo gro&e #a$l feiner Statte. Äaum bürfte e$ 
ein roid&tigereS beutfctyeS Territorium geben, in* bem ni<$t ber 
eine ober anbere lanbe$$errli<$e Wiener jugleidt) 9tat& be3 ÄönigS 
toar. ß$ ift ba$ leine bloße Titulatur: üRaj Verfielt ju fragen, 
unb and) außerhalb be$ ÄreifeS ber eigentlichen Sßolittfer ^at 
gar man<$er fülle ©ele&rte bie ©tyre gehabt, }u einer Unter« 
rebung mit feiner SRajeftät befohlen ju toerben ober für bie* 



I, 673 abgebrühten ©erid&t (öergl. 677) »ftre bie Meinung bei ÄaiferS bur$ 
ßcobiuÄ ni$t richtig nriebergegeben. 

1 Äretrner, SJaierifd&e 2anbtagS$anblungen XIV, 728; toergl. Sanften, 
9tei$5corr. II, ©. 556. 

2 goScari am 19. 3uli 1496 (Arch. storico Ital. VII, 2, 763, oergl 
789 conferisce con aleuno). 6. Macchiavelli, Princ. cap. 23. 

3 ©urf u. ©erntein Srier 15. 3Jtoi 1512 on baß Regiment in 3nnß» 
brurf. SBien. 2lr<$iü. 3$ gebe unten (Eajntel 6 (jtemlt^ am Anfang) bie 
eteüe im Wortlaut. 



197 



felbe eine Sßromemoria ausarbeiten ju muffen. 3We biefe Seute 
ftnb \>oU Don feinem Oeifl, feiner SiebenStofirbtgleit. Sfa<$ als 
®ebieter t>er^fiDte er bie Sonne feiner #ulb nid&t fcor feinen 
Untergebenen. ©S toirb an anberer ©teile auSfü£rU<$er batoon 
bie Siebe fein- 6r liefe ft<$ nic^t leidet gegen fie aufbringen, 
toa^rte treuli^ i$re Sntereffen unb Stellung unb betoteS i&nen 
in allen gragen ber SSertoaltung ein nur ju grofceS Vertrauen. 
SDirect gegen xf)ti felbfl fyabtn fte baffelbe audjj feiten gemifc 
brauet, fo unerqutdtli$ bie Situationen toaren, benen fte fi<$ 
jejutoeilen bur<$ bie ©elbroirtyfd&aft i^reö ßerrn auSgefefct fa&en. 
2Bie er freuen treu ft<$ ertoieS, fo nrirb aud& feine ©ered&tig* 
feit gelobt, fotoo^I in bflrgerlid&en Streitigfeiten als befonberS 
feine firenge SufHj gegen abiige Strafcenräuber. S)o<$ tfyxt er aus 
leidet begreiflid^en ©rünben hierin ben reiben Äaufoerren nid^t 
immer genug. 1 ©in greunb fcon SSluturtyeilen fear er im 8W* 
gemeinen nid^t. 6r toer lief) leidster 2 als es bem ©efammtintereffe 
juträgli<$ fear. S)ie SBefymptung ©uSpinianS Don feiner Sfoerjion 
gegen bie SuriSprubenj fcebt ft$ freiließ auf mit ber SluSfage 
beS 3 a fw*/ 3 ber feine Äenntnife beS bürgerlichen 5Re$teS rü^mt. 
8Bie eS feinem fo tootyltooflenben, menf<$enfreunbli<$en Sinn 
entfpra<$, $at er neben ber ©ered^tig!eit bie SMUigfeit $0$ ge* 
galten. 4 gornig warb er feiten, tote man ftd& erjagte, nur 
um SSBilbfrebel. SBurbe er'S, ba lief ifyn bie Silber am £als 
rot$ auf, heftig bife er bie Sippen auf einanber. Slber leidet 
toarb er bef anfügt: mand&mal genügte ein guter Einfall, um 



i SaftoS' 2eiä)enrebe bei Srefjer-etrube II, 771; Cuirtniß Sektion 
t. 1507, 26 f.; SiabiuS b. Pirkheimer, Opera 178; <8rünJ>e(f 89. Sa- 
ge gen 9ug8b. Gfjronif (jti IRemS Xagebuo) int 26. 3a$re§beriä>t beS $tftor. 
©ereilt« oon 6$toaben it. fteubura, 1861 6. 100). 

? ©0 ber auf föftne Sfürbitte gewährte Karbon für einen §auj>tmnmt 
ber in ©tu$ltt>ei&enbura. befertirten 2anb8fne<$te. $5eid&§Ier, £Uid&e ®e« 
Witten (ttürnb. Qtyroniten V). 

3 Sre$er-6trut>e II, 771 ; Gutyiman 486. 

4 servantissimus aequi, Sfowcler 1114. H. Bebel, de landibns Ger- 
maniae (@t$arb I, 223) toerbammt (eine ju gro&e dementia. 



198 



feine ©ttme mieber gu glätten. 1 Ueber^aupt fcerftanb er e3, 
bie S)inge $umoriftif<$ ju nehmen, begreiflich, ba feine ©eele 
ni$t, ttrie bei toa^rfcaft gro&en Sßolüilern, in ben @ef<$fiften auf* 
ging. 2118 „unfere ungetreuen Untertanen'' bejeid&nefe er too^t 
im Surialftil feine alten flanbrifd&en ©egner unb &atte ©orte 
beS ©$erje$ aber bie trabitioneUe Unbotmäfcigfeit beutf<$er 
gürften gegen ba$ 3teid&3oberbaupt, inbem er ftd^ im ©egenfafc 
ju ben SKonard^en anberer Sänber als ben Äönig ber Äönige 
tynfieffte, ba er bei ben gürfien, bie felbfl Äönige fein tooflten, 
leinen ©e^orfam fänbe. 2 ©ogar über re<$t bifflge Sn&ecttoen 
toermo$te er fi<$ la<$enb tyntoegjufefcen. 3 S)iefe unb analoge 
eigenfd^aften matten tyn in einem ©rab bei ben SDtaffen, für 
beren 2Bobl er nie baä germgjte getrau, populär, wie e$ faum 
ein jtoeiter 3)lonar<$ getoefen ifi. SBBie einen SSater begrüßte 
tyn, mobtn er fam, bie jufammengeftrömte SRenge. Unb tote 
£at man i&n na<$ feinem £ob jurüdferfebnt ! 4 

£apferleit unb DrganifationStalent, @ifer unb 85erf#nriegen* 
fceit, rei$e Äenntniffe unb bumaner ©inn jeietyneten i&n bemna$ 
au$. 2)aju fcerjtanb er e$, fi<$ unermüblid^ rührige, in feinem 
Qntereffe aufgebenbe 2öer!jeuge ju f Raffen: er toufete alles, 
au$ 2Bijfenf<$aft unb Äunjt, feinem ©treben btenftbar ju ma$en, 
au<$ fie mußten fein ^auS, feine $erfon toer&errli$en Reifem 
S)enn biefem feinem #auS gehörte fein pottttfd&eS ©treben ganj 
an, barin ber ed^te ©otyn eine« griebriety III. Slu<$ er Wnnte 
ba$ Austriae est imperare orbi universo al3 3Ba$lfpru$ führen. 
©er ©taube an bie fünftige ©rö&e feinet $aufe8 i|t fein Seit* 
{lern: ber öjterrei$if$e ©efammtftaat ift bie ©runblage fold^er 

1 <8rünj>e<f 89; {. ftir<$mair 442; toergl. meinen ©iefingen 136. 

2 @rünj>e<f 89. 2)ic ffiöifcrebe ftc^i ganj bei «Dentin (2öerte, fcerauftgtg. 
bon ber baier. SKabemie, I, 182). Heljnli^ referirte fie 1542 Äönig granj I. 
Don 9tanfrei4 bem toenetianiföen ©efanbten. Albäri, Relaz. Ven. I, 4 
©. 32. 

9 Ri^gger, Amoenit. lit. Friburg. II, 336; bergl. Simtnerf^e <£$r. 
IV, 354. 

4 gafiuS a. o. O. 772; 2eib o. a. D. ©. 41. 



199 



©trebungen. Verträge unb £eirat£en auf biefem ©ebiet gefcen 
i&m mit feltenem ©lüdf bon ber &anb. ©o fe$r fi<$ alle« um 
i&n unb fo fe$r er feCbfl fld^ fonft forttoä^renb änbert in feinen 
Sßrojecten: $ier ifi ber fefie $ol feinet SebenS. 3n bem @e* 
lingen biefer bielgeftaltigen Sßläne, bie bie öfierrei$if$e ttmberfal* 
monard&ie herbeiführen toottten, feierte feine poliüf$e ßlug&eit 
tyren tjödrften Xriump^ 1 Siefct man *>tef e bon ber Summe 
feine« 2#unS ab, fo bleibt, in Politiker 33ejie&ung, toenig als 
SRifeerfolg juräd. 33ei feiner ßeirat&Spolittf fyaben ©lud unb 
33ere$mmg in feltener SBetfe jufammengettnrft: man fcergejfe 
aber beim Sänbltd beS funjtootten ©etoebeS/ baS bor ben äugen 
ausgebreitet i% nu$t, n>ie Diele abgeriffene gäben au$ hierbei 
3eugni& ablegen bon ber übereifrigen $Ianma$erei, bie mit 
feinem ganjen äBefen bertoatyfen iß. 

3Bie SRa? fd^on in ber Äütb^ett ungebulbig bie tym toiber* 
fhebeuben grammatifd^en ©tubien )u überbringen tofinf<$te, um 
fofort ju ben metyr jufagenben Realien ju eilen, 2 fo $at un* 
ausrottbar berfelbe (Sifer, ber naty bem langt, toaS er ni<$t 
ffat, nod& ben SRann befcerrf$t. Sine unruhige Setriebfamfeit 
ma$t ji# in feiner Sßolittf bemerlltdj. ©ein erfinbung$rei<$er 
SSerftanb jeigt tym gleidfoeitig jtoet bis brei SBege, bie allenfalls 
jum Qide führen fömtten. ©r entfc&eibet fi$ für ben einen, 
aber no$ bor ber SttuSfü&rung ober mitten in berfelben bricht 
er ab, toeil nun auf einmal ein anbereS £üIfSmittel i$m fixerer 
bflnft „Unb fo ftmngt er bon S3efferem ju »efferem Aber, 
bis Seit unb ©elegeu&eit ber Ausführung borübergejogen fmb." 3 
Sfcer praltifd&e Italiener, ber tyn fo $araf terißrt, toiH i&m btefeS 
SRaugelS feiner Slnlage falber baS Sob Politiker Älug^eit ni<$t 
fpenben. ©iefe Unentfd&lojfenfceit unb SBanbelbarfeit lieg ben 
Äönig als unbeflänbig unb unjuberläfftg erfreuten. 3ti<§tS 
ttrirb tym me$r unb mit größerem 9te<$t jum SJortourf gemalt 

i GuSjunian 489. 

2 guSpimcm 485 f. 

3 OuiriniS Delation t». 1507 a. a. O. 26. 



200 



al& biefe 3Seränberlt<$Feit. Subttrig XIL t>on grau!rei<$ gemattet 
fi<$ frembeu ©efanbteu gegenüber bie Stcu^erung : SSBaS biefer 
Äönig «benb« faßt, $ält er am SRorgen ni$t * tlnb biefelbe 
SConart Hingt Don allen Seiten toiber. 3lu$ ßnglanb unb 
Spanien, aus SBenebig nnb glorenj toirb bie gleite SBfaftage 
erhoben. 2 2lud) in 35eutf <$lanb fannte man jene Don ben 3lu$* 
Iänbero fo einftimmig gegoltene Sßanbelbarleit beS Äönigfc 
rec^t gut. SBä&renb be8 ©<$tt)eijer!rtegS, ju bem man tyn erft 
fe$nli<$jt $erbeigetoünf#t, fear man balb feine SCrt mübe bie 
©eföäfte }u betreiben: jebe ©tunbe fomme er mit neuen Sn> 
fölägen, toon einem verfalle er auf« anbere, munte man. 3 

Wtan barf faum jtpeifeln, bag jene f$äbli<$e Anlage Der- 
$fingnife&oH geweigert tourbe bur<$ eine Weitere 6$ftä$e. 5£>ie 
tym innekoobnenbe Energie erf$öpfte fi<$ bur$ ben feinem 
(Straftet boppelt ferneren @ntf<$lu{?. Äaum fertig brfingtett 
fi<$ alle bei ©eite gefd&obenen (Srtoägungen auf« neue tjerüor, 
unb nun pflegte er unglüdlid^emeife ba$ ju t&un, n?a8 er fcor* 
$er toermieben fyitte, er $or$te auf bie Stimmen feiner Um* 
gebung/ ober er toarb abhängig t>on fpontanen 9ia$f<$lägen. 4 3>e 
me$r er überjeugt toar, ba{? er toorjügli$ gut biplomatifd^ be* 



1 3um 3. 1499 bei Snnuto auS 3orai& Delation II, 764. gaft baS« 
jelbe fagt Macchiavelli, Opere VI, 323. 

2 Rawdon Brown, Calendars II, 9fr. 298, 6. 123 (o. b. 3. 1613). 
Surita 991. 63 (era tan facil y vario en su modo de negociar ju 1496)« 
Duttint a. a. O. 52: ber Sßlan fte^t feft: salvo una mutazione di 
animo nella Maesta Cesarea, come molte volte e naturalmente le 
accade per qualche nuovo disegno che di continoo le suol sorgere nella 
fantasia (ju 1607). Macchiavelli, Discorso sopra le cose della Magna 
(Opere VI, 823). »eroL au<$ bie oft angeführte Stelle @uieciarbini§ Hb. 4, 
6* 126. 

3 ftltttfet I, 367, f. 366. 

4 Macchiavelli, Discorso 323: non si consiglia con persona e crede 
ad ognano. glanbrifä) erf eitS wirb i$m oorgeniorfen , ba& er unmittelbar 
na<$ bem Hbfölufc beS Vertrags toon 9lrra§, burä) ßtnflüfteruna. nmgeftimmi, 
SBefc^t jur GinfteVuna, ber Grgecution beS Sferljeijjetten erteilt, bann aber 
bo$ toieber ben fingen iljren Sauf gelaffen $abe. Gachard, Lettres I, 130. 



201 



bient fei, 1 um fo größeren (Sinbrudf matten bie SBarnungen 
unb 2öin!e feiner Agenten anf tyn, bie fcielfa<$ fe$r ilbel be* 
grfinbet waren. SBBie oft $at er fi<$ felbfi &or ben SReid&Sftänben 
burdb ba£ #af$en na<$ folgen momentanen, balb augenf<$ein* 
li$ als unma^r erwief enen, 9ta$ri$ten bloßgeftefft! ©enug, 
SRay, ber bor bem beginn beS ©ptel* e3 aus $rincip freute, 
jid& üt bie Harten fe^en ju laffen, warb im Sauf beffelben ab« 
gängig Don allen möglichen unberufenen ober berufenen Watty 
gebem. SBar ber Sßfab untt)egfam, ben er eingetragen, nun 
fo Keß m'3 ja auf einem anbem probtren. <Sr gehörte eben 
nid&t }u jenen $eroif<$en jRaturen, bie unentwegt bem Siele 
entgegenbringen. 

Oft au$ &ermo$te er baS gar ni$t. Sem eifrigen Sägerd- 
mann ging ber 2lt$em au$, e$e er nur re<$t in ben Sauf ge* 
fommen. 3n$ ?ßolitif$e überfefct: ba3 größte ©ebre<$en feiner 
Serwaltung, bie Unorbnnng unb mangelnbe Ueberft<$t feiner 
ginanjen, hemmte gewaltfam feine päne. Sterin ifi greunb 
unb geinb böHig einig, baß aRayimilian mit bem ©elb ni<$t 
untjuge&en wußte, 6r fcerftanb e$ nid^t, für bie weitau8f$auenben 
Unternehmungen, fcon benen fein Seben angefällt War, fparfam 
bie SRittel §ufammenju$alten, ©o oft er $atte, wirtschaftete 
er brauf Io$, War freigebig, ja fcerfd&toenberif<$ gegen ©iener 
unb greunbe, um ft<$ bann entblößt ju fefcen, fo oft er ju 
gewid&tigen Dingen „bei Sflerto* ber Äriege" beburfte. Site eine 
Anomalie lann ei babei gewiffermaßen betrautet werben, baß 
ein SRann wie er, too^I bur<$ ein gewiffe* $ßietät$geffi$l gefeffelt, 
nie, and) ni$t in ber fiußerjlen SRoty, fl$ entfd&loß, ben gamüien* 
f$at$ anjugreifen, ben griebri<$3 jä^e ©parfanrfeit tym hinter« 
laffen fyitte. 2 @S bebarf biefe* eigentümlichen 3ug$ nid^t, 
um unfern Reiben bon bem SSorWurf freijufpred^en, ein SSer* 

1 ffiie er 1496 ju Gontarim faßt. Archiv, stör. Itol. VII, 2, 737. 

2 GuSphiian 494; St. Sei 6 644; tfir($m<rir 442. 8ergl Gap. 6. <!§ 
ift üterfHtißß, me$r ^Belege inßbefonbere auS ben btylomattfd&en Duellen ber 
Seit 311 Raufen. 



202 



f$toenber ju fein. 2Raf trat o$ne grofee 33ebürfniffe, aber ein 
übler 3Birt&f<$after, @r $at baS auti) felber eütgefeljen. ©e* 
legentltd) padft tyn ber 6ifer be* Sparen«. 3)a toirb in Xirol 
bie Wieute auf 100 £unbe (au&er £irf<$* unb @emfen$unben) 
eingefd^ränf t unb bie SBerminberung be$ gorjlperfonals befohlen. l 
Ober er befd&liefct baS Hebel an ber SBurjel anjugreifen. (Sin 
forgfälttg bur$bad&te$ 9fc<$nung& unb ©ontroleioefen toirb bann 
eingerichtet unb ber Äönig verpflichtet fi$, felbjt leinen 3a&lung& 
befe^l ju unter jei<$nen, er fei benn ju&or ber Orbnung ber 
£offammer gemäß ausgefertigt. 2 SMefer fd&öne bräunt fcat 
md&t lange gebauert. Salb toaren bie alten klagen toieber ba. 
Äaum tonnte e& au<$ anberS fein. 3Ray trieb ©ro&jiaatSpolittf, 
bie ganj gerietet toar auf bie jufünftige ©röfee feine* $aufeS. 
9to<£ aber beftanb biefer &ab$burgif($e ©ro&jtoat ntd&t, no<$ 
toar 2Ray nur ein ni$t einmal ungetoö$nU<$ reifer territorial« 
$err. Unb märe er auä) ein ungleich befferer Steiner getoefen: 
ba« 3Jiifet>er^ältniB jtoifd&en einnahmen unb ausgaben fcätte 
bo<$ eintreten muffen, ©o fetyr eine toirflid&e polittf<$e 3Ra$t 
barauf angetoiefen ift, fi# bie Mittel }ur @rrei$ung i&rer Seben«* 
jtoedfe §u fd&affen o&ne aHjuängftli<$e 8tü<fft$t auf bie jufällig 
üblichen einnahmen, fo toenig lann bo<$ ba« @lei<$e aU toirtfc 
fd&aftli# Dortfceityaft angefe^en toerben für eine 3ufunftSuta<$t, 
bie fi<$ erft emporringen toiD. 63 bleibt leine 98a$l: man mu| 
bie Auflagen ber geitgenoffen gegen 3Rayimilian3 ©elbtoirt&fd&aft 
toefentU<$ einfd&ränlen. SHefelbe, i<$ meine bie ruinöfe Slrt 
bie ausgaben aufbringen, toar ein S^eil be& ÄaufpreifeS 
für bie julünftige JBebeutung Defterrei<$S. 3Ray toar ein ju 
armer Surft, biefelben ju tragen; er toäljte fte auf bie @$ultem 
be8 fommenben ©ef$k$t3. 

©o toar ber SDtami bef($affen, ber jefct enblid^ na$ grieb* 

1 3Ras an Statthalter unb 9tät$e ber ©djafctatnmet gu 3mt6bru<f, 
SHgetoano 1496 Montag na<$ nativ. Mariae. SnnSbr. £r$H>. 

* §offammerorbnung toon 1498. Liinig, Cod. Germ. dipl. I, 475. 
3. bo§ le#e Kapitel biefee ©anbe§. 



203 



ri$& Stob bie ©Wartungen realiftren foHtc, meldte fteben Safcre 
früher bie Äurfürften bei tyrem SBotum auf i$n gefegt Ratten. 
2BaS $atte bo$ SWayimilian feitbetn erleben muffen, n>ie Ratten 
felbftoerf^ulbete gefclgriffe unb toibrige aSorfommnijfe feinem 
Stuf als Sßolttifer unb gelb&errn gefd&abet! @3 gab literarif<$e 
ßoterien, bie feinen Warnen nur no$ mit gefugter 33era$tung 
au$fpra<$en, bie f#led>terbing$ Don i&m ni#ts, gar ni$t« meinten 
emarten ju biirfen. x SBenn anbere Äreife au<$ minber ah 
fpre<$eub unb politifd^er urteilten, ifi bo<$ ni$t ju berfennen, 
bafi bie fiebenjä&uge Sßrobejeit nur jur @rf#n>erung ber 8luf* 
gäbe be£ neuen Äönig* beigetragen fcatte, 

allgemein toar bie Spannung, tpeld^e Stiftung unter bem 
neuen Regiment bie biÄ&er nur aüju inbolente 3tei$Smaf$tne 
nehmen toürbe. Denn bafc Setoeguug in ba$ Oanje fommen 
toürbe, baran fonnte f<£liej3fi(& niemanb jtoeifeln, ber iti^t ab* 
fitylid) bie Slugen berfd&lofc, au<$ ni<$t jene nafenrömpfenben 
33erä<$ter. Ober foDten fte bennoc$ gerabe in bem SJer&alten 
be$ jungen ÄönigS toä&renb feiner erften SRegierungSjeit ber* 
ftäiften änlafe )u ifcrer äfoflage auf felbfijufriebene ©innen- 
luft, t>ergnügung$füd&tige 6c$eingef$äftig!eit gefunben $aben? 
2Bie lommt'S, bafe fajt anbertyalb 3a$re berge&en, e$e man im 
9ieü$ ettoaä bon bem 2Balten be$ neuen $errf$er& fpfiren mochte? 
3fl berfelbe fo ganj aufgegangen in bem Oebanfen an bie SBott» 
jiefcung feiner jtoeiten SSermctylung, in ben gejien ju 3nn3brudf 
unb benen, bur<$ toel<$e in ben Siieberlanben bie (Smancipation 
feine« ©o&ne* gefeiert nmrbe? 3Betm no<$ tyeute mand&er ge* 
neigt fein foltte, ben Xablem Siedet ju geben, fo liegt bieSmal 
bie ©<$ulb nur an ben $iftarifem, bie ftumpf an offenlunbigen 
X^atfad^en borftberge&enb ben SBalb bor lauter Säumen ni<$t 
gefefcen fyiben. 

2Ra? mar f#on feit bem ^rieben bon ©enlis, alfo geraume 



i 60 $. öon ^crmanSgrün unb fein gteimb 9Bo$u8lat> öon 8oMotmfc # 
Stiftungen j. b. ft. XX, 71. 85. 



204 



gcit bot be« Sater« £ob, entfd&loffen, feinet Sßotiti! eine ganj 
beftimmte Stiftung §u geben, unb ift na<$ feinet S^tonbefieigung 
biefem ©ebanfengang tteu geblieben. SBätyrenb itn Qa^t 149* 
in 3talien faft bie ©petlinge toon ben $>ä$etn pfiffen über bie 
befcotjte^enbe 3ntertoention Äatte VIII. in Neapel, toat e« ganj 
fütt bon jebet 2tbft<$t SRajimitian« uad& Italien ju gießen, loa« 
bo<$ be^uf« ber Äaifetftone fo natütli<§ gefd&ienen §ätte. 3Ray 
badete t$atfä#li<$ fo toenig an ein aettoe« ©tngteifen jenfeitö 
bet Sllpen, baß et no<$ im Slpttl 1494 mit bem but<$ Sobotrico 
2Roto an bie #anb gegebenen ©ebanlen fi<$ trug, in petfönli$er 
gufammenlunft mit ÄatI VIII. leiteten toon feinet Unternehmung 
ttribet Neapel abjutyalten. 1 3ftm jlanb Italien in jtoettet 
Sinie : etft gefd^müdft mit bem ßotbeet be« £ürlenbefteget* 
toollte et bie geteerte Ätone be« ^eiligen 9tei<§« Detbienen, 
ein feinem S^atafter entfpted^enbet, tyolbet £taum, au« bem 
et etft but<$ bie 3nüafion be« ftanjöftf<$en Äönig« getiffen 
toutbe. SMefet fedfe @riff feine« ehemaligen 6<$toiegetfo&n« 
in partibus naä) bet #ettf$aft S^K^*/ fa bet Ätone be« 
gtie<$if<$en Äaifett&um« jtoang ben tömifd&en Äönig au« politU 
tif<$en toie petfßnlid&en ©tünben feine gtont ballig ^etumjiu 
toetfen. 6« n>itb ba« fpätet im Sufammen^ang no<$ toetfiänb* 
Iid&et toetben. #iet nut fo biet: 3Way ifi au« biefem $>tfemma 
bet tym but<$ feine Stellung an bet $>onau gebietetifä auf* 
etlegten Stolle unb bet balb erneuten ©egnetfd&aft toibet gtant 
tei<$ fein Sebtag ni$t toiebet $erau«gelommen. 3n bemfelben 
etbtidfe i$ ba« SBet^ängniß feine« Politiken Seben«. 

2Bet ba« übetfietyt, fcergtßt, baß 2Raj bet etfte SSertteter 
bet öftettei$if$en @efammtflaat«ibee ifi, beffen ©tidfe natut* 
gemäß na<$ Dften gerietet fein mußten. Seit 1459 iß bie 
Xutfengefa^t bie offene Sßunbe bet eutopaifd&en Dftjlaaten. 
3fau$ JDufcenben ftnb bie Heineren Einfälle o«manif$et Staub- 

i 3anffen, töetdjScotr. II, 582 Mtfittgt bur<$ bie 3nftruetion für 
SR. «retfad&er an ben $apft Bei $ufer: 2>te «ejie^ungen bet SRebtceer ©. 330, 
k>ergl. 547. SRltyereS unten. 



205 



fd&aaren na$ Ärain, Steiermark fotoie bem nad&barlid&en Kroatien 
ttnb ©oSnien in ben legten Sa^rje^nten be$ fünfje^nten 3a$r* 
fcunbert* ju jä&Ien. * 2lud> Ungarn* feit SRattyiaS ©ottrinS 
£ob öerboflpelte ©efa^r traf naturgemäß öjlerreid&ifd&e unb 
bur<$ ben (Srb&ertrag Don 1491 audj b^naftifd^c Qintereffen. 
Unb toie lange fear e£ benn $er, feit ber fiir$terU$e SRo^am* 
meb II. ba$ ganje äbenblanb $atte erbittern matytnl 3Bar 
feit feinem £ob (1481) anä) $infi$tli$ größerer flriege für 
Süboßeuropa eine ßeit bergleid&Stoeifer 9tu$e eingetreten, fo 
founte bo<$ nichts eine Garantie getoäfyren t>or abermaligem 
$ereinbro<$ ber ber^eerenben glutyen. SBerbanfte man bo<$ bie 
erjiere • toefentli<$ inneren S^ronftreitigfeiten unb nadj^er bem 
Umfianb, baß man in ber Sßerfon beg türfifd&en springen 
S)f$em eine Jofibare Sicherung für ba£ SBotytoer&alten feine* 
©ruber« be$ Sultan* 33ajajet& befaß. aber gerabe biefer 
eigentümliche ©efangene, beffen 83eftfc fi$ bie Staaten be* 
2Be(len* unb Süben* nid&t gönnen tpoüten, mahnte jur fd&leu* 
nigen Senufeung ber günfiigen ©elegen^eü. 

Selbfi gegen bie Ungläubigen ju jietyen, ba* gehaltene 
ßuropa ju biefem ^eiligen Ärieg toomögli<$ unter feiner gfi&rung 
)u vereinen, DieQeid^t bie ofirömifd&e ftrone ju ber be* abenbs 
!anbif$en 9tei($$ ^injujugettrinnen, ba* fmb ©runbgebanlen 
mayimtlianiftyer 5ßoIitiI, mit benen er fi$ fein ganje* Seben 
getragen $at S$on bei feiner Saufe foHte er gleid^fam für 
biefe erhabene aufgäbe getoei&t toerben, al$ feine fromme SRutter 
ben bebeutungSüoHen SRamen Eonftantin für tyn toä^len n>oHte, 
toä^renb ber SSater tyn na<$ bem alten ^eibenpreiter St. ©eorg 
benennen toollte. Unb ben ÜRamen, ben er trug, erhielt er 
auf Seranlaffung be* 2 üon ben £ürlen vertriebenen bo$nif<$en 

1 93ergl. 3I»of: $ie (Einfälle ber O&manen in ©teiermarf, in: Mit- 
teilungen beS fciffor. »crcinS für eteiermart X, 217 ff.; XI, 203 ff. 

2 Gigentjfinbige ^ufaei^nung 2Rajimilian8. äÖicner St.»W. (Constan- 
tinum . . . tanquam recuperatorem regni constantinopolitani). €>. au$ 
SBeifjhmig 54. 57. $)ie eigenty. Slufeei Urningen nennen leiteten vicerex Boenae. 



206 



SBoitooben, ber abnnngStoott in bem Äinb ben fünftigen 3tä$er 
ber <S$riften$eit erlennen tootfte. ©eit et potitif<$ ju benfen 
begann, $at ber junge 9Ray biefem gtoetf att feine anbern 
©ebanfen bienflbar gemalt. S)ie jatyranS, jahrein au& ben 
©renjlanben ertönenben, immer nfi^er erf<$aflenben £fllfelaute 
ließen i^n biefe SebenSbejiimmung nimmer üergeffen, beren @e* 
bäd&tnife au<$ bie eherne ©timme ber ©lotfen be$ ©tep^anS* 
bom* in i£m toedEte, tt)enn ftc am ©ebäd^tnifctag ber Befreiung 
t>on Seigrab (1456) jutn ©ebet für bie ©efallenen rief. * 8u$ 
mtlitärtfd& $at er fi<$ Don 3«genb anf mit ber $rage be- 
fd&äftigt. ©rnfilid^ $at er aber bie (Sommunicationen unb bie 
bei einem Einfall ju fibertmnbenben #inberniffe na$geba$t. 
@ef|>rä<$8toeife lonnte er fo eifrig »erben, bafc er feinen 
©enerälen gleich eine §elb$ug$farte $injei$nete; benn SBeg nnb 
©teg toaren t&m befannt. 2 gfir bie gefügf eit feines @ntf<$luffeS 
barf tr»o^I auc§ angeführt »erben, bafc, nrie jum 3a$re 1496 
berietet toirb, SRajimilian felbfi bei feierlicher ©elegen^eit ganj 
in fd^toarjer garbe gelleibet erfd^ten, nnb entfd&loffen getoefen 
fein foll, Don biefem 83rau<$ nid^t abjulaffen, bis er einen ©ieg 
gegen bie Surfen erfaßten tyätte. 3 £)b er biefe ©tymboü! ber 
Iraner in ber S^at fejige^alten, toeife id£ nt<$t: fidler aber tft, 



1 tiefer Sitte gebenft SuSpinian ©. 451. 

2 Um 20. 3<muar 1491 färeibt ber Eifd&of öon £f>iemiee an ben 
<£arbinal öon ©iena, inbem er ft<$ füt manche feinet Mitteilungen auf 
9Beri($te eines föniglic&en ©ecretärS beruft: Seit Majestas ad unguem (at 
ajant) ex crebra et diligenti percontacione omnes vias, per quos Thurcus 
facilius oppugnari possit, tenet quoque memoriter omnes arces, 
monte8 . . . non secus ac ei omnem etatem suam inibi contrivisset 
Ferunt quod depingat suis dueibus bellorum omnes vias et aditus 
instar mappe; tarn fervensest sibi desiderinm instituendi expeditionem 
contra Tharcos. Beiträge gur Äunbe fteiermärf. @eföi($t8qucflen XVII 
(1880), €>. 74. (Sin im miener flrd&ib t>or$anbene§ eigen 1>ffnbige§, 
unbatirteS Memoire Über bie ßfjancen eines XtirfenjugS ift aus einer fpäteren 
Speriobe. 

3 Sanuto, Diarii I, 818. Sie $f)atfa<$e um biejelbe 3eit aud) 
öon ©tytini bejeugt (8re1>er.©rrutoe III, 96). 



207 



ba§ er ben SSorfafc be$ ftfirfenfrieg« nie aufgegeben &at Unter 
ben &erf$iebenjien ®eft<$t3punften rfidft er benfelben immer 
toieber in ben Sorbergrunb, er nrirft für i$n burd& Sßort unb 
2#at bis in feine legten SebenSjafce. ©feto %at er es aufs 
f$merjii<$jie bellagt, bafe bie £räg$eit feiner 3*itfitnoffcn unb 
bie Südfe feiner geinbe ifrt ni<$t baju $abe fommen lajfen, 
fein ©$toert biefem ^eiligen gtoed §u toeityen. i 

3n früheren Sauren $atte tyn bie burgunbifd&e £$ätigfeit 
ferngehalten. 9fa<$ als Ärönung biefer feine Qitgenb erfäDenben 
Ääntpfe backte er ft$ ben Äreujjug, n>ie man fit$erlt<$ and bem 
6#luf$ be$ 2$euerban! entnehmen barf, too bem gelben, e$e 
i$m, na<$ Uebertoinbung aller §ä$rli<$feiten, bie 83raut }ufaDen 
foff, no<$ ba* Strogen um ben Sorbeer be8 ©laubenglämpfer« 
auferlegt torirb. 2 JDann an bie 3)onau $eimgefe$rt toarb er 
Srbe be$ 6r$erjog« ©igmunb ; neben feinem untätigen Steter 
burfte er jt<$ 3<$ r * ^H a ^ fiwrn ber gefammten ßfterrei<$i* 
f <$en ©rblanbe geriren ; in greifbarer 9W$e jeigte ft<# bie 2Rög* 
Kd^Ieit eine» ©rtoerb* ber ungarifd^en Ärone. $ier mufete er 
fein SRfcobuS erlernten, $ier toar bie Stennbaftt ju unfierblid^em 
Äu$m unb nid&t geringerem SSerbienft um bie ©td&erung oft* 
europäifd&er (Kultur i&m geöffnet. ©enfart unb ©taatsintereffe 
matten i$m gleid&mfifeig bie gurfidftoerfung ber Surfen pr 
£erjen8* unb $fli($tfa<$e. Unmittelbar nad& SKatt^a«' £ob, 
gerabe toä&renb ein Dom 5ßapfl berufener unb ftarf bef<$i<fter 



* 2)af$ et a teneris unguiculis ben Üürlenfrieg geplant, faßt ber 
mailanbtföe Oratot Bei fetner #o(foeit 1494 (grel>er*6trube II, 470). 3m 
3a$r 1514 treibt 5Waj an Sßirfyetmer (f. beffen Opera 6. 98) : cum . . . 
ab ineunte aetate nostra nihil roagis desideraverimns et semper 
omni studio procuraverimus, quam recuperationem illius 
imperii; pro qua re vires et personam nostram obtulimus. ©einen 
oft üuSgebrüdHen 6d)mera begeugt Gutyintan 6. 462. §inftd)tliä) ber 
traten fei einfhoeilen nur an bie $Iäne bon 1617 erinnert. *Rod) in fetner 
legten tfranfljeti bad)te er beS EürtenlriegS (ftaberS 2eid)enrebe bei gre$er* 
6trube II, 740). 

2 Xljeuerbanf, $erau§geg. bon $alt<m8, ©. 174 ff. 



208 



Songreg in Sftom bie grage beriet^, plante er eine beutfdfc 
franjöftfd&e SUga jum Ärieg gegen bie Surfen. 1 9RaiIanb foDte 
it($ anf fließen; no$ ein 3a$r barauf tourben fehterfeit* 8ln* 
ftrengungen gemalt, SBenebig jur ^Beteiligung ju brfingetu 
3a, e$ nrirb Sfafang 1492 in einem offtciellen Sfctenfifldt behauptet, 
nur bie bur$ Äarl VIIL toiber bie ©rbfürfün Don Bretagne 
geübte 3Tücfe ^fitte 3Rajimilian gelungen, ben f$on in bet 
SSorbereitung borgeförittenen gug gegen bie dürfen aufjugeben, 
um ft<$ gegen jene f$mä$H<$e SBeleibigung feiner SBürbe jur 
2Be&r ju fefcen. 2 3n ber 2$at fytf toenigfienS 3Rayimüian 
tpä^renb be$ für i$n fo überaus fpannenben unb fötoiertgen 
3a^reS 1492 bie tärüfd^e grage ni$t aus ben äugen gelaffen. 
Sie ©efä^rbung Ungarns, toel<$e$ nad? bem @rlöf$en be8 
aBaffenfUHflanbS 1491 bur$ S3aiajet$$ umfaffenbe Lüftungen 
bebro&t fear, ma$te i$m nid^t weniger Äopfjerbre<$en als 
feinem SBater bem Äaifer. 3luf bem 3tet$Stag in Äoblenj toarb 
bie SBerbung ungarif<$er Slbgefanbten bur<$ 3Jtaf energif<$ Ver- 
treten: als bie Dratoren ifyn in Äolmar )u ©eginn beS neuen 
3a$re& abermals auffudjjten, erflärte er tynen feine 8töfi$t mit 
bem 9tei$ unb feinen ©rblanben für Ungarn einspringen, 
falls ed }um Vertrag mit granfrei<$ fäme. @r fd^lug toor, 
auf £rinitatiS 1493 einen 3lei<$Stag na<$ StegenSburg §u be* 
rufen, auf bem bie Könige t>on Ungarn unb Sßolen in Sßerfon 
erfreuten fottteit SBenn er ben borgefd&Iagenen SEermin mit 
ber (Srtoägung motfoirte: bie dürfen pflegten $re gelbjfige meift 
}ttrif$en ^pngfien unb 3^anni« üorjune^men, xoenn baS ©raS 



i So Jagte er bem mailänbifäen ©efanbten (5. J8ra8$a, toie Don bem» 
gelben ber ©taat&jecretär SB. Gljalca am 9. 3wni 1490 erfuhr. Monum. 
Hung. hist AcU extera Mntthiae regia IV, 216. $afj Äarl VIII. iljm 
antrieb unb UnterfttitjungSjulage gegeben, U^avptet bie $enffärift bei Le 
Glay, Negoc. I, 9. 

2 3n bem TOai 1492 rebigirfen erften £$etl ber 2)enfjd&rtft bei 2e 
<8lai) 6. 9, bergt. 19. lieber ©enebig berietet SRaltytero: Annali Veneti 
(Archivio storico Ital. VII, 311). 



209 



tta$fe, * fo tüirb ba8 bo<$ nur berftänbli^, toenn man tym bie 
Äbjt$t jutraut, fid? fofott na$ bem £ag auf bie getttbe ju 
ftürjen. Son biefem 3ftet$$tag ift toeiter nicfct bie Stebe. 2 
aber ber einmal angeregte ©ebanfe toarb SBeförberer eine« 
ber auffallenbfien ?|5ro jectc , in bie je fi$ SWayunilian ber* 
tieft \)at S)er griebe öon ©enlis mar gefd^ojfen. SRod^ tonnte 
ed bem Äßnige f<$toerlid> befannt fein, bafc bie bertragSmäfeige 
Auslieferung feiner £o<$ter pünftlid^ ausgeführt toorben toar, 
<il3 er bereits auf« neue Aber $re #anb )U berfflgen gebaute. 
3m 3uni 1493 entfanbten griebri<$ unb 2Rapmilian ben 
^rotonotar glorian äBalbauf wn SBalbenfiein, einen ifcrer 
erprobteren SHener, unb $an& bon 2Bulfer$borf na<$ Ungarn, 
um Aber einen gewaltigen Qa% tiriber bie SCürlen ju toer^au* 
belu. 3 2Ba$ im ©injelnen ber Qn&att feiner Aufträge toar, 
ift ni<$t überliefert. »Der ffia$rf<$einlü$!eit na<$ $at jebo<$ 
SRay glei<$ bamate eine geheime SRebeninflruction tym erteilt, 
offenbar in ber Sbfi$t bie SRegociation )U erleichtern. 3$r 
3n$alt läfct ft$ au& einer au$brü<Ki$ als jtoeiter bezeichneten 
geheimen Snfiruction toom 25. Suli erfd&lie&en. 4 S)urc$ Ver- 
mittlung beS ungarif$en ÄanjlerS 2#omaS SafacS, SBifc&ofS 
t>on @rlau, $at ©elbauf bem ftöntg 2BlabiSlatt> bie £anb 
SRargaretyeS anjutragen. als Staf' 6<$tt)iegerfo&n foHe SBlabiS- 



i ^rotofott einer SBerbung Senefö'S t>. SBeitmil u. a. bö$mi(ö>un* 
flarifäer Qefanbten an ben ßurfürfien öon ber Sßfalj. 93aier. €>taat8»9lr$ib. 
UnbatirteS, aber in bie SJtanate gefcruar ober 2Rärj 1493 mit St$er$eit 
3U fefcenbeS «ctenftücf. ©ergl. Sanffen, tteid&Scorr. II, 570 ff. 

* dagegen ruft im SRärj 1493 3War, bie 9^ei(f>§ftänbe nad) ©trafeburg, 
um, fobalb ein befmititoer Vertrag mit gfranlreid) gef^loffen, no$ im Sauf 
beS 6ommer§ mit tynen gegen bie dürfen ju gießen. Sanffen a. a. C 573 ; 
toergl. (Einleitung 6. 178. 

3 6. SBalbenftein» ,,&eiltyumSbü<$lem''. 2)a& Sttar, unb ber ftaifer 
imter$anbelten, um mit §ülfe Ungarns unb $o!en8 ben Surfen ju uribn> 
flehen,. ja)reibt 2Ra$ am 9. 3uni an (Srj^erjog Sigmunb (Ärau8, 9Äaj unb 
prüften! 6. 89). 

4 Sin) 1493 S. Jacobi apostoli, Original eigenljfinbig toon 9Ra$ unter« 
jei$net. SBiener ©t.-fcra)it>. 

Ulmonn, ftalfnr 2Ra;imlHan. I. 14 



210 



lato fobann als bejfen ©ubernator bte Regierung be$ ^ 9iei$£ 
unb ber Käufer Defierrei<$ unb SBurgunb fotpie bie „33er* 
toa&rung" be* Srafcerjog* $&iliw übernehmen unb ju biefem 
89e$uf feinen ©ifc in Nürnberg ober Augsburg aufflogen. 
3Rayimittan toirb bagegen aU 3BIabtSlato>« ©ubernator bie 
Regierung Ungarn« führen. %ixx feine guten JDtenfte »erben 
bem ungarif^en Äanjler 20,000 @ulben unb ein reifes S3i^ 
tyum im $ftei$ ober ben ©rblanbeu jugefi^ert. 

SBem fällt babei nid^t jene« tobtgeborene Sßroject au« bem 
3a$r 1515 ein, mittelji bejfen 2Ra| ben unmflnbigen ßubtptg 
toon Ungarn abopttren unb ju feinem 9ia$folger beftgniren 
toottte! 3n unferm gatt fcanbett e« ft<$ um eine analoge 
©peculation auf bie Crbföaft Ungarn« für fein $au£. SRat* 
garere fottte baju bienen. 3lber untierlennbar ru&t ber Äero 
be« 33orf<$lag« in bem Verlangen, unbeirrt bur<$ bie angelegen* 
Reiten be« Steid^d unb ber ©tblanbe momentan über bie Äräfte 
Ungarn« ju verfügen gur energif^en Ärieg«fü$rung miber bie 
Surfen. Sin toertoanbter gug in tym fpra$ ju ©unflen jene« 
unruhigen unb felbjtffid&tigen aber öou fireitlujitgem 3Rut$ er« 
fußten 2lbel£, bem er in ber Aufgabe ber ©renjfytt gegen bie 
aftatiföe Barbarei unter bem £ei$en be« Äreuje« offenbar 
$erfönH$ ein toirffamerer gityrer getoefen to&re aU ber fd&töfrige 
3Blabi«latt). Sei @ebanfen, bie feine ©eele erfüllten, lag e« 
m$t in feiner Strt / lange na<$ ben @$toierigfeiten ju fragen. 
S)em 2Bilb, foeld&e« toorbem fein Sßfeil üerfe&lt, fteflte er Jefct 
mit fallen unb SRefcen na$, Seiber ifi e« ganj fliD aber bie 
Aufnahme, bie ber 93orf$Iag am ungarif$en £of gefunben ^at 
@ene$m fear er feinenfalte. Senn Äönig 8Blabi«lato, ben feine 
älteren #eirat$«berpfli<$tungen fotoo$I gegen SSarbara Don 
SBranbenburg als au<$ bie öertoitttoete Königin ©eatrij gelegen^ 
tt<$ ferner brfidten, badete an m#t« toeniger als bat an, bie 
Stfte fianbeggemäfcer Verlobungen ju verlängern. Von' einer 
Seite, bie leinen Stoeifel julä&t, $ört man, bafe er gerabe um 
jene Seit ein SRäb^en nieberen ©taube«, „eine ©renjmaib", 



211 



}U feiner ©ernannt ergeben tooHte. * 3mmer$m $at toieHei<$t 
bie atigetragene gamtfien&erbinbnng, als 93en>etd be3 SBertranenS 
gegen einen glfldlid^en SRtoalen, mand&e 6d&toierig!eit geebnet. 
Sie SSer&anblungen über ba« bon 3Ray getoünfd&te SBünbnife 
gegen bie dürfen famen raf$ in glnfe. SRad&bem bie Ungarn 
juerfl burd& tyre Dratoren in 2Bten ben ßapitanat für fi$ 
»erlangt, toarb SBalbanf fd&lie§Ii# 2 berfelbe für aRajtmilian 
jngefianben, bo$ unter ber SoranSfefcung be8 ©oncapitanats für 
Ungarn- SBaS an SBeiflener in ben Staaten beiber (Kontrahenten 
fiele, fofle jeber behalten; bagegen Verlangte Ungarn gleiten ans 
t&eü an ben ^ülf^gelbem, bie Dorn bentfd&en SRei<$ nnb toon 
fremben Sßotentaten, htSbefonbere bem Sßapji, gejault toerben 
müßten nnb SSerftfinbtgnng über ba3 Eommanbo ber bon 
anbern gepellten Kontingente. Stuf folget ©rnnblage befinüto 
abjufd&üefeen unb bann gemeinfam an ben Sßapft ft<$ jn toenben, 
erflärte fi$ ber nngarifd^e Äanjler befcollmäd&tigt. 

SMfo nur einen formalen 83orrang, m$t einen t$atfä<$li$en 
Oberbefehl, toottte man pgefW&en: ber befie SetoeiS, wie fern 
man batoon toar, bem römifdjjen Äönig bie gfityrung Ungarns 
afö ©ubemator ju überlaffen. S)enno$ rnufc man fi<$ in 
irgenb einer gorm geeinigt fyaben. SBenigjienS ift ber Äanjler 
Stomas Don @rlau gegen ßnbe 1493 in ber S^at als gemein* 
famer Sbgefanbter jum Sßapfi gereift nnb $at auf bem SRüdtoeg 
fi$ bemüht and& bie SSenetianer in ben Sunb ju bringen. 5Do# 
biefe waren nm fo toeniger geneigt mit ben Surfen jn bred&en, 



i €o erftärte fein §ofmciper bem furbranbenbutgiföen ®efanbten 
6. ton Rotenburg. @. bcffen SBcri^t öom 3. Uprü 1498 (3lr($ib f. öfterr. 
$efö. VII, 145). 

^ Responsio hangarica ad Flor. Wald auf, €ojrialbu<$ im toten er 
6t.-*rdjtü. Cfcne «Datum, bod& ofyte Stoetfcl in bie gtoctte §älfte 1493, 
*ermutyli$ iw<$ beg ÄaiferS Xob, gehörig. 2)a8 batf man auS ber ?Ri<$t* 
eno&tytung gfriebtid&S föliefcen, jotoie barauS, bog Vtag erft na$ befien Sob 
in SBien mit ungariföen ©ejanbten |ufammengetroffen fein tann. 2)ie 
Unteiförift lautet: Thomas ep. Jauriennis (Raab) et poetul. Agrieneis 
(Grlau), toaS au$ in biefe Seit {ragt. 



212 



als fte e^nebie* f<$eel blidten )um Äaifertyutn 3Jtajunilian*, 
beffen begehrliche sßoliti! i^nen fd&on toieber^olt läftig gefallen 
fear. * — Qu ernfUtd&eu Unternehmungen ifi e$ ni$t gefommen. 
5Die dürfen toaren aber toieber raf$er gefoefen als tyre (Segner. 
2Bä$renb biefe mti^fam eine @inigung an [hebten, vernieteten 
fte bie Stütze be$ Iroatif^eu Abel*, unb e^e 3Kap / ber auf 
fold&e Äunbe ba$ feierliche Seid&enbegfingnifj feine* SSater* auf* 
fd&ob, ^eranlam, Ratten fte fic§ unb tyre Beute in ©id&er^eit 
gebraut. SIRay tonnte ni$t$ tyun als eine %vuppe unter 6tg* 
munb von 2Bel3berg unb 3o$ann von Äaniffa ben Iroatifd&en 
©tänben ju tyrem @$u$ jur Verfügung }u Pellen. Äöuig 
Sßlabislato tt)ar jur Seit aufcer ©taube Äroatieu ju f dornten. 2 
Ungarn üerje^rte feine Äraft in inneren gelben ber ©rofceu 
unter einanber unb mit bem f$toa<$en Äönig. Sin beffen ©teOe 
na&m SJtoytmilian jeftt bie gürforge für jenes ungarifd^e Äron* 
lanb in bie §änbe. 3 unfi $ft mit ^äTfe ber (Srblanbe. 9to$ 
vor be£ ÄaiferS SEob mar bie £anbf$aft Don Ärain angetoiefen 
Sorben, S)eputirte nad) Sin; ju fenben toegen einer allgemeinen 
Sanbfieuer. 3 SSon ben ©täuben Deflerrei$& unter ber ©nn$ 
n>arb toenig fpäter bie gufiimmung ju einem fe<$$iäbrigen 3<>B* 
jufd^Iag auf SBein verlangt. 4 Qn ber erften $4tfte 1494 rid&tete 
ber Äönig an feine Regenten in SBien bur<$ ben 3Rarf<$alI 
9%einpre$t von SReid&enburg baS ßrf orbern, 10,000 SRann toiber 



1 Malipiero (Arch. stör. VII, 144). (Sr fam im 2)ecember naä) 
SBenebig, aber ebenfo uergebliä) tote im Vortat votier eine eigene @efanbi« 
fdjaft SRajimilianS. @. ben SBertd^t eines Hugenaengen übet bie 9Reerfa$rt 
8friebri$S be§ SGöeifen (©jmlatinS 9tad&laJ$ 6. 89), ber gerabe im 6j>fitjaftr 
1493 in Senebig toar. $enebtg grollte toegen be* <£intauföe& oon Sfriaut 
bon bem legten ßör^er (Strafen. 

2 SRaj an bie froattfäen ©iänbe am 20. Cciober (St($notoftfto tteg. 1994, 
Dergl. 2000). ©et neue 93an oon Äroatien, ßabislauö Aaniffa, toat Kn^finger 
SRajimHian*. 6$ala$, @efä)tä)te Ungarn», beutfa) von SBögeret, 111, 2, 61. 
3or}ann mar fein Vorüber. 

3 Cfynet, Urfunbcn 6. 2. 

4 1494 an ^auUtag convers. Söiener 8taatß*tträ)iü. 



213 



bie Surfen aufjuftetten. aber $ier na&m man nur 400 auf 
unb bellagte fid& . obenbrein auf 8 bitterfte über forttoäfyrenbe 
anmutyungen, toffl&renb SRajrtmiüan bie Sanbeäeinfirnfte längft 
für anbete ßtuedfe in auftrug genommen $ätte. i ©oI<$e 
SBiberfprü^e jtoifäen SBefe$I unb Stuäfu&rung pflegten ben 
Äönig ni$t aHjufe^r ;u Inmmern, ber fi$ gern berartigen 8e* 
fätoerben gegenüber in Steigen füllte unb ben geplagten 33e* 
körben bie $erantroortli$teit liefc. gmmer^in gefäafc bo<$ 
ettoaS. 3»n Ärain unter 3BeI*berg ftonben ettoa 2000 SRann 
ju *Ro& unb §uf$. 3n 3teiermar! Kältete je|t ber IriegS-- 
ftmbige Äeid&enburg als Sanbe^auptmann. 2 S)er ©rfolg toar 
gering, ba ber Äßnig f$on lieber au&er SanbeS ttar. 

3m Sugujl 1494 fUirmten bie Surfen, 10,000 3Rann 
pari, abermals bur$ ba8 feit berfloffenem Safcr erföftpfte 
flroatien, gingen bann über bie ©au unb brangen in bie §err* 
fc^aft ülann in SfibofcSteiermarf (ehemalige @raff<$aft ßilty) 
ein. $>er 33au Don Kroatien rief (gemäfe be8 früheren lönig« 
It$en anerbietend) ben Sanbed^auptmann bon Steier nad) 
agram, um bem beutefötoeren geinbe ben SBeg ju verlegen, 
»ber e$ geföafc md&t«. £>ie »egeutföafi in äBien 3 fratte ftd? 
auf ba8 SSoI! ber inneren £anbe unb bie Ungarn berlaffen. 
8uf bie erjten no$ unbefiimmten !Ra$ri$ten tyn $atte man 
gar ni$t aufgeboten, um ni$t nufelofe Aufregung unb bann 
im h)irfH$en Stotyfall 9BiberU)iIIen ju erzeugen. @rfl als ber 



i Statthalter unb Regenten an 3Raj, 1494 SBien SDlittnioä) bor Westen» 
tag. «Btener Staats* «r<$to. S&ergl. Jhauß, 2Rar, unb $riif<$ent,S. 99, toom 
11. SRära. 

2 äBeleberg bem Regiment ju 3nnSBrutf, 1494 Weuflabt in Ärain 
SamStog naa) 2Ri$el8tag (October 4). SBiener 6taat8«9lrd&iü. töei<$enfoirg 
in obiger Stellung feit 1494 3ult 22. Mitteilungen bei $iftorifa}en Vereine 
für eteiermar! XI, 260, toergl. XII, 227. 

3 *Beric$t ber Regenten an 9Raj, SBien 1494 grcitag bor Äreujtag 
exalL (September 12). Sie Briefe be§ SBanuS ßaSla oon ftaniffa jtnb oom 
ßorenjtag (10. «uguji) unb (Srttag naa) SBartyol. (26. Huguft). äBiener 
6taat§*8r<$io. 



214 



geinb bereit« in bie ©rblanbe gebrungen mar, gebot man ber 
Seofllferung ftd& &*wft i u falten, um beim etilen Crforbem 
jujie^en }u tonnen. 211« bie 9la^rid)ten f$limmer ttmrben, 
orbneten fte Stiftungen an. 9tatürK$ mar fo faumfeftge 
SKetbobe ber fetnblid&en 9tafd&$eit nid?t gemad&fen. ©<$on Anfang 
October brauen bie Surfen abermals bur<$ Äroatien na$ 
Ärain unb ©übfieiermarf ein. Sie furd&tbar, inäbefonbere in 
Ärain, mitgenommene Sanbbetoölferung rührte fid^ um fo minber, 
als be& ÄönigS ©ölbner, tro^l ju f#toa<$ an gafcl, ft<$ nid&t in« 
freie gelb fragten; bie föenigen, bie bem getnb äbbrucfc ju 
tfcun oerfudjjten, bienten bemfelben toegen tyrer abenteuernden 
Xtafy unb tyrer langen ©ptefee nur jum Spott. S)a* d&rifc 
Ii<#e ©$toert moHte in ber 2#at, ttrte ber fromme Äfirntyner 
Unreji crllärt, no$ ni<$t f<$neiben. ! — gurd&tbar fatte bie 3a&re 
ber Ärain gelitten, bejfen Slrmutb unb fd&toere« SSerberben fd&on 
1493 betoegß$ au« einem offtcieüen Stctenjlfidt foricfct SMe 
Äroaten, toeber toon Ungarn no<$ Don ©eutfd&en unterftüfct, 
fortto&btenb neuen SKnfeinbungen ber boSnifd&en 8eg$ auSgefefct, 
fett bie ÜRieberlage be« vergangenen %af)xe$ tyre SBBiberflanbS* 
traft gebrochen, flehten im Sauf be« Sa^re« 1494 Äaifer unb 
3tei<$ um £ülfe an. 2 6« fd&eint, bafe man fte, gleid&fam tote 
belagerte, }U einem ätöfommen gebrungen fatte, toonad? fte 
im %rüfy\a\)x 1495 ft$ ju entfd^eiben Ratten, ob fte türttf$ 
toerben unb bem ©brifieuglauben entfagen tooOten. Ääme in ber 
Seit bie £ülfe, in bereu (Srtoartung fte auf biefeu Vertrag einge« 
gangen, ntd&t, fo fei Äroatien ber S&rifien&eit toerloren unb -eine 
bequeme t#rfif$e StngriffSbafiS, ba« mufjte bie 9iei<$atag$propo* 

1 6. 794 f. Sergl. ben cttirten »rief 2Bel8berg& öom 4. Odobet. 

2 ©. ba8 unbatirte, aber in biefe Seit am beften paffenbe ttctenfÜUE 
bei (Hjmel 459 ff. <Srtoft$nt wirb baS Slbfommen in ber toormfer töeidjfi- 
taaStmtyofition bei Statt 6. 825 unb 847 in ber Snfhruction an bie (üb- 
genoffen, 93crgl. germanSgrttnS Somnium (Vorlegungen j. b. <8e|<$. XX) 
unb bie Vnttoort bed öenetianifdjen €>enat§ an Gomtmneö am 9. October 
1494 bei Kervyn de Lettenhove: Lettres et negociations de Commines 
II, 117. 



215 



fitioit be* %a$te» 1495 einräumen. Unb bie *>enetianif$e ©ignorfe 
n>ar $tnft$tli$ Italien« bon ä$nlü$en SJefürd&twigen erfAUt. 

&fyon bw&er $atte SRay no$ auf anbete SöBeife ben 
friegertföen (Seift ber beutfäen Kation §u entflammen ge* 
fu$t <£0 !am üor allem auf ©Übung einer ftet* IriegS* 
bereiten SRetterei an, benn bie (Erfahrung $atte gejetgt, bafe bie 
Ianbefl$errli$en Aufgebote gu fnrje Seine Ratten fo fftttfem 
§einbe gegenüber. Stegelmfifjig* toareu bie Xfirfen mit tyrer 
entfefcUdfren Beute an SRenf$enfIeif$ Aber aDe Serge, e$e ber 
«form Sßiberftanbäfräfte jufammenbra$te. Seit fte ft$ in 
Bosnien ^äuöli^ emgeri^tet, !onnten fte in ©töfcen, bie ji<$ 
in immer türjeren 3wifdjenräumen urieber&olten, bie angrenzen* 
ben @ebiete ju €mflben matten unb fd&ltefelt^ bie toerjmeifelten 
Setoofrner jur Unterwerfung fingen. Stauer fn$te SRap ben 
üan feinem »ater föon 1469 §u Sttüftabt in Ä&rnt$en gejlif* 
teten unb bann na$ 3Biener*9ieufiabt tranäferirten SKtterorben 
be* ^eiligen ©eorg, beffen SefKmtnung ber Stampf gegen bie 
Ungläubigen toar, weiter auszubreiten* 6r felbfl nafyn am 
28. October 1494 in ber grcfeen Äir$e ju Slnitoerpen bie 3n* 
fignien ber @efeDfd^aft an unb am 15. Sßobember erlieg er an 
aDe djrifilidjen Potentaten unb Böller ein Stoaföreiben, btefem 
Drben be$uf3 be« Äampf* gegen bie Surfen beizutreten. 1 S)o<$ 
fd^eint ba$ Unternehmen bamal* fo wenig gefßrbert ;u fein als 
ein Sa^rje^nt fp&tcr, al« e* wieber aufgenommen Warb. Stur 
unermübli$e Pflege feilend beS Äönig« $ätte 2>auernbe$ föaffen 



* SReufel : fctflor. liter. bibltogra^. attagajm III, 37. 2)ie Stmtaljme 
ber 3nftgnien berietet ber fftnigli$e ßttd&emneifter ©igtnunb bon ffiorbadfr 
bem ^erjog Ctto fcon 9teumarft, 1494 %nitottptn üDlithoodj) €>t. ßien^arb&tag 
(6. Hotoember). »ater. 6taat8-ttr<$to. 33 et gl. Krantz, Saxonia 949 (XIII, 
cap. 21) ; Joannis de Los chronicon edidit Ram (Collection des chroniques 
Beiges) 111, unb über bie Snpgnien be* DrbenS Statt 214. SBei feinen 
Seftrebungen toarb 2Rag Dom $o|)ft unterftü^t, ber jdjon int Styril b. 3. 
tTCtnofenfamtnlung angeorbnei tjütte. 3Rirt$ettungen beS fn'ftorijd&en Vereins 
für ©teiermarf XI, 206. ebenbaf. bie Angaben über 8ttebrtd&8 Stiftung, 
©anj irrig fa&t neuerbtngS ©otycin, spolttifäe unb religttje $oIf&bemegungen 
&. 101 ben ©eorgSorben öon 1503 als ein SRotmm auf. 



216 



föunen! SXber f$on normen anbete Aufgaben unb Sßlfine ben- 
fetten gebieterifd^ für fxc^ in änforucfc. Nebenbei frcilid^ toanbie 
er na<$ feiner Slrt and^ ber £firlenfrage Leiter feine Slufmerfc 
famleit ju. S)o<$ beginnt ein nener @eft$t$)mnft jt<$ geltend 
ju ma<$en. Sind bem ößerrei$if$en ßrblanbe foB eine {leine 
£ruft>e t)on 2000 äRann ju gufe unb 500 9tei{tgen ffinftigeit 
©ommer na$ Ungarn gelegt toerben, fd^embar allein jur Unter* 
fttifeung gegen bie Surfen, in 8Sa&r$eit aber tum ©d&ufc feiner 
Parteigänger in Ungarn, befonberS in ben flabonifd&en ®e* 
bieten, toeidjje er ui$t o&ne ©efä^rbe ber $ab*burgif$en 3iu 
!unft$au8fi<$ten betn ©rimm i^rer im Sefifc ber ©taatSma$t 
befinblid&en ©egner glaubte preisgeben ju biirfen. geinbfelig* 
leiten gegen Äflnig SBlabiSlato fottten auÄgefd&loffen fein: biefer 
üielmefcr um ©$li$tung be* SßarteiffreitS erfud^t »erben. @e* 
länge ba$ in ber Zfyxt, fo fei fein ÄriegSüolI ber anbern Stuf* 
gaben enthoben unb Wrote mit ben Ungarn Vereint um ©t 
Sörgentag einen (SinfaU na<$ 83o$nien unternehmen. 1 8Rap 
tt)arf in bemfelben 6<$riftjtü<I ber am Sftuber befmbüd?en 
ungarifd^en Partei bor, ba& fte Dorm Qa$r feinen SBorfd^lag 
einer gleiten §ülfe jur forttoetyrenben @egentoe$r ttriber bie 
dürfen unter nichtigem SBortoanb, in SBa^eit aber belegen 
abgetoiefen $ätte, »eil fte feinen ehemaligen Parteigängern 
ben 6<$abeu unb bie @$toä$ung bur$ tiirfifd&en Ueberjug ge* 
gönnt $ätte. @S mufc bafcingefiettt bleiben, tüte n>eit biefe 
SfaHage auf 2anbe$berrat& begrflnbet toar. Zloty toar SBlabift« 
lato untoermä^lt: um fo toemger tonnte SRay gleichgültig fein 
gegen jebe @rf$ütterung feines perfflnlid^en (ErebitS in Ungarn. 



i ÜRemoire 2Rar.imüian8 an bie Regenten in SBien (1495 Antwerpen 
Öfreitag nad& ©eboftian, 3anuar 28. SBiener ©taatS-Ardjto) mit Aufforberung 
übet biefe Angelegenheit jofort mit eiligen aus ben Sanbföaften bon Cefter* 
reid&, 6teter, Äörntjen unb ftrain an einem gelegenen Ort ju ftatye ju 
ge^en. SBolf $alte ber Statthalter in 3nnßbrud bereit. Am 24. Januar 
tnterbenirt SRar. felbft Bei SBlabiSla» au fünften beS belobigten Martin 
b. (gfifting. äöiener 6taat§.Ard&ib. gut ©ad&e toergl. ©aalaij 67. 



217 



6o tfipptfä toar er freiü<$ ni<$t, um mit feinem getreuen ÄriegS* 
gefffl&rten 8teinpre$t bon 3tei<$enburg 1 beit Äöber aufjuf<$nappen, 
als ob bie Ungariföen feines 9to$ang8 tyn ins Sanb tofinf$ten, 
in ber Hoffnung, tyn bann balb junt Äöntg gefrönt )u fe^en. 
©8 lann ni$t auffallen, ba& bpnafiifd^e Sntereffen jeittoeife bie 
gorm fetner 2Biberflanb$pläne gegen bie dürfen beeinflußten; 
aber er opferte bur<$au3 bie lefctern nic^t ben erfteren auf, n>a& 
unau8bleibli<$ getoefen märe, fyäüe er bamal« toieber fein Sßrä* 
tenbentenfl&um $erborgeJe$rt. ©er SRangel an Unterfttifcung 
inSbefonbere fettend ber in Ungarn $errf$enben Sßartei liefe 
(Erfolge nidjt ermarten. ©ein ßifer erlahmte angefi^ts anberer 
Aufgaben, tt>el<$e if?m ber franjöfifd^e ©nbru<$ na$ Italien 
flettte. 6r toar bann f$UefjIi<$ re$t jufrieben, bem breijäfcrigen 
Steffen jlitfjlaub für feine Sanbe beitreten ju fönnen, toel<$en 
im April 1495 Ungarn mit bem Orojfterrn abgef^Ioffen fyatte. 2 
9lad^ all bem fann e$ nt$t jtoeifefyaft erfreuten, bafe ber 
©runbfaben in bem Oetoebe mafimilianif<$er Sßolitif feit bem 
^rieben toon 6enli$ bis jur Vorbereitung ber Siga toon 93enebig 
gebilbet totrb bur<$ bie äbfi<$t ben Surfen entgegenjutreten. 
3fl bem fo, bann toerben Don biefem ©eft<$t$pun!t au« au<§ 
bie übrigen ©dritte unb SBorfommnijfe ber aubert^alb erften 
9tegterung£ja$re befiimmter ft<$ gruppiren unb toerße$en laffen. 
& Kfet ft#, meine i$, jeigen, bafc biefelben jum SEtyeil, ä$nli# 
tote bie geplante 2Be<$fefoertretung 2Ra?imtlian$ unb 8BIabi& 
lato«, bie 33ef<$affung ber SRtttel jum giel bereden, jum 3$eil 
©^toierigfeiten bei Seite räumen f ollen, bie einer Vertiefung 
be3 ÄöntgS in bie orientalif^e grage ^inbernb im 3Bege flehen. 
SBieHei^t toirb toeniger gerabe jeber einjelne %aU, ate ber @e* 
fammteinbruä ber politif^en St^ätigfeit SDtayimilianS innerhalb 
jener 3citftxmne meiner Sluffajfung greunbe getoinnen. SBenn 

i So förctbt berjelbe eigen^änbtg an 9Raj; 1495 ftreiiag öor grauen« 
ta% ßi^tmcfe (Januar 30). SnnSBr. Ht<$ito. !Ri<$t5 beutet barauf, bafc Wa% 
bamatfi foldjen 3been na<$ge$angen $ättc. 

2 3infet|en II, 506 u. 510; Rammet II, 305 u. 308. 



^ i 



218 



es ft$ {eigen foHte, bafc be$ Äönig8 mailfinbif$e ßetrafy, feine 
SoSlöfung au» ben burgunbif<$en Angelegenheiten unb @r$erjog 
$&iltyp8 (Smancipation, ber triebe mit (Selbem, bie bilatoriföe 
SJe^anblung ber toeflfriefifd^en Stfnge unb bie energifäe Sfafred&t* 
Haltung be£ bur$ gmifl jmifd^en SDtain) unb «ßfalj ferner be* 
brotyen 9tet#8frieben$ im obigen ©inne inbirot jufammentynge«, 
fo toäre bamit bem Urteil über all biefe Vorgänge ein gang* 
barer 2Beg getoiefen. 

SBetm au<§ ein Späterer berietet, baf? bie Verlobung 
SRayimiltan* mit ber Sßrinjeffin ©lanca SRaria toon SRailanb 
angefnüpft fei auf ben 9tat$ mehrerer Ijertoorragenber 8lei$$* 
ffirfien, 1 fo ift bamit ber ©djleier no<$ feineStoeg* gelüftet, 
toel<$er biefe @ntf$liefmng Derbedt. 3Ray ftanb im 34. 3a$r, 
aW er ft$ in bie Sßrältminarien emltefc : 5ßerf önli$!eit unb ©tet 
lung pd^erten i$m, trofc ber in ber Bretagne erlittenen empftnb* 
liefen 3urütffe|}ung, an allen £öfen ®e&ör, toenn er als §reier 
anpofyU. SSarum alfo, unb baju o$ne iegli<$e ©pur perfßn« 
lieber ßuneigung, bie bamalS biel befoöttelte SSermätytang mit 
ber bereits fo oft aufgebotenen ©forja, 2 beren (Sbenbürtigfeit 

1 Sugger (§j.). Sollte fid& ber föatf) (£r3$erjog ©tgmunbS unb ber 
Äurfttrften bon fDlain}, £rier, $fal$ unb ©adtfen, fofern er au$entif4 *ft 
ntc^t Xebigltd& auf bie 2Bteberber$etrat&ung über§au$t, unangefe$en mit man, 
belogen traben? 

3 lieber bie 9Hij$bilIigttng f. Commines VII, cap. 4 (6. 320 ed. 
Dupont). — SBlcmca flRaria, nad&bem fie juerfi bem #au8 ©aboijen guge* 
badjt getuefen (8rre$er»©trube IT, 472), war lange bie Verlobte 3o(amt 
GorbinS, »aflarbS beS ffönig§ ElattyiaS (1487, Hrd&ib f. bfterr. ©ef*. I, 
75. 84). BIS Iefeterer flarb, bebor er feinen ßieblingSwunfdjj, bem So$n bie 
Ärone gu berfd&affen, burd&gcfefct $atte, fd&ien biefe Partie ben SforjaS nid&t 
me$r ftanbeSgem&fs, unb e8 beginnen nun eifrige, jahrelang fortgefefcte S9e- 
mityungen, bem armen &8mg SBlabiSlaw, ber bereits mit jwei ungeliebten 
SBräuten behaftet war, SBlanca $ur @ema$Iin $u geben. Monom. Hung. 
hist. Acta extera Matthiae IV, 277. 279 etc. 3u$ 3atob Don Sgott» 
Ianb wirb unter ben früheren „Bewerbern" bon Safon SWatinuS genannt 
(gre(er<6truüe a. a. £).). 2)ie Wartung t>or bem berühmten mailänbifd&en 
©rator !ann nid&t $inbcrn, na$ ffenntnifj ber Veten bie angeblid&en „$e* 
Werbungen" in eigentümlichem Sia)t gu fe^en. 



219 



geregtem ßmeifel unterlag? SBlanca mar ntd?t o$ne äußere 
9teije, toenn au<$ feinestoegS eine infyofante €$5n$eit $)ie 
SRitgift allein ^at ebensowenig ben 3fa$f<$lag gegeben, obglei<$ 
300,000 ©ucaten einem no$ bon toäterli$er ©etoalt abhängigen 
^ßrinjen fe^r berlodfenb fein motten. t ©& toar bie Seit, in 
ber bei fteigenber 9B a^r f d^einlic^f eit beS griebenS mit granfc 
rei<$ SWay ben Sürfenfrteg ins Suge fafete. $)ie (Selber, auf 
beren balbige Sa^lung cr * n ben SSerJ&anbtungen gro&eä ®e» 
toidjjt legte, waren ifym baju unentbehrlich. Seilten £erjen8 
entfölof? er jt<$ ba&er, bem ehrgeizigen Sobobico, ber anftatt 
feine« SReffen aud> $ier als ©eele ber SSerfcanblungen erf^eint, 
bie Belebung mit bem £erjogtyum ÜRailanb, bie griebri<$ IIL 
iäfy bermeigert, jujufagen, f obalb er bur$ Steftgnation ober £obeS* 
fall bie faiferltd&e SBfirbe erlange. S)aS mar am 24. Suni 1493; 
ber triebe mar mit granf ret<$ gef^loffen : menn SWay in biefem 
3lugenbti<f fo beutli<$ berriety, mie menig tym an ber ©eilend 
ma<£ung ?aiferli$er ätafprü<$e in ber Sombarbei lag, fo lonnte 
biefe ®rfd)emung nur erllärt merben bur<$ ben nafy bem Orient 
genuteten glug feiner ©ebanlen. Sobobico foHtc tym als 
<Sonferbator beS griebenS in Statten bie glanfe beden, toenn 
er fern am Halfan unb Bosporus teilte. 2fa fogar ÄriegS= 
fcfilfe berfpra<$ fid? 9Ray bon bem f$lauen, bereits mit ganj 
anbem ©ntoürfen befd&äfttgten 3taK ß ^ er - 2 



i Hm 10. 3Kai 1493 finbet bie erftc nad&toeiSbare 9lntnü>fung ftatt, 
bur$ bie toon SBIancaS ©ruber Sodann ©aleaaao jur §eirat$Sbercbung auS* 
geftettte SoHma$t. Wm 24. Sunt (fliegt bereits 9Ra$ &u ©munben ben 
fceiratyStoertrag mit Sodann (Stoleaj unb bem tf)atjädjli<$ett (£$ef beS §aufe8 
Sobobico Sttoro. 400,000 £>ucaien toerben auf 2Ras' Verlangen als dos 
ausgemacht, toobei ber Unter^änbler @. 93raSe$a feine SBoflma<$t überfe^reiten 
mufc. Hm 9. 3«H SU Sinj ertl&rt Wlai, ber bomols bereits 62,000 $u- 
caten auSgeja^t erhalten $atte, bog bie 400,000 £)ucaten nur ad publicandum 
factum (b. r). olfo e$renn)alben) gefegt feien, toa^jrenb bie vera dos nur 
300,000 betrogen (ofl. Herrgott, Monum. III, 50 ff. 

2 3ofon <0totynuS, maitfinbifd&er geftrebner bei bem SBcttctger SRarw 
milicmS unb Bianca* ju 3nnSbruÄ, 9Rära 1494, fagte erfterem, über bie 



220 



2)0$ toenben toir uns jur @rjä$Iung jutflct. SBo&l nur 
ber SCob be8 ÄaiferS ffat einen Suff<$ub ber f$on feit Anfang 
SCitgufi 1493 fefl besoffenen §Bermä$Iung toerurfaty. $>ie* 
felbe fanb iebo<$ f<$ou im Stobember b. 3. ju SRailanb, für 
SRay bur<$ feine Sprocuratoren, ftatt, in ©egentoart franjö|if$er 
unb &enetiantf<$er ©efanbten. * SSor Sblauf beS 3a^re« em* 
pftngen ald löntgli^e »e&ottmäd&tigte SRarfgraf ß^rifto^ t>on 
SBaben nnb ©raf Sitelfrifc ton SoDern bie Äflnigin, beren lieb* 
K$e ©eftalt unb feine ©ebätben tyre* embruds auf beibe 
gflrfien ni<$t fcerfe&lten, 2 jenfeit« toou SM«, f bafc bie 5Dame 
mitten im SB int er über baä ©ebirg gf}ogen fein mufe. 3Bo 
fie geseilt, bis es tyrem ungalanten ©atten beliebte au« Defter* 
rei<$ unb ©aljburg, tt>o er ben SSinter über befd^äftigt fear, 
ni<$t aOjueilig ^eranjufommen, meife man ni$t 6rji am 
9. SRärj 1494 fanb ju $aü in £trol Begegnung unb ©eifager, 

bie SBerbinbung em})fe$lenben ®rünbe föreä^enb, in§ (Sefid&t: Non est tibi 
obscaram, quanto usui et emolumento Divus Ludovicus (üorfjer ül§ 
rerum Italicarum arbiter bejeid)net) esse possit Caesareae Majestati pro 
imperio redintegrando et amplificando. Stimulat te non parum de- 
siderata dintius in Tarcas expeditio. Sed recolis retroactis saepe 
temporibus tarn piam expeditionem propter Italicas seditiones . . . 
fuisse impeditam . . . Divus Ludovicns . . . quaseunque hnjas sanetis- 
simi voti tui oecupationea ex Italia facile dissolvet et quaeeunque 
obstantia amovebit. grc^et-Struöe II, 478, öergl. 475, too ßubtoigS SBc- 
reittoifltgfeii jur fcülfe gegen bie dürfen betont toirb. Heber SRatimiÖ felBp 
f. Daudet 1111. 

1 2Ras' 93oflmaä)t für bie $rocuraforen bereits am 26. September. 
§eiratf)8t)ertrag 20. «Robembcr. 2i<$noto§ty Weg. 1984. 2006, f. 1992. $e* 
fä)retbung be§ äußeren fcergangS ber Seierliä^feit bei SRolinet IV, 409 ff. 
flomifa) ifi baS SRijjoerftanbnife be§ Tutors, toonaä) einer oon ben $ro* 
curaforen nommi Regie ben ßönig oertreien ^ötte, tofi^renb in ber Vorlage 
offenbar geftanben $at: nomine Regis. 

2 ©^reiben beiber an 3Rag, Sonntag naä) Luciae 1490 (sie). Original 
im toiener Staat§*9lr$iD. Sie toerbe 9Rar. Je länger je beffer gefallen. 
Mulier corpore parva sed animo magna suaeque gentis amatrix nennt 
fie Xrityem (Ann. Hirsaug. II, 554). 3Ka)mu&' Webe Jotoo^I tote bie fcden* 
ftUrfe ber <£$eoer$anblung finb üoü 2ob ifcret 6a)ön$eii, gfrimmtgleit, 
3üd&tig!eit. ^re ©$ön$eit ritymt U. SapuS in ber Seiä)enrebe. gre^er- 
Siruoe II, 774. 



221 



am 16. 9Kfirj ju 3im$&ni<f in grofeer #enli<$!eit unter ber 
Ärone mit Äinfcgang unb ©anfett bie ^odfoeü ftatt. 1 33on einer 
be&orfte^enben Ärönung in Slawen toar bie 3tebe, bo<$ o$ne 
weiteren ©ffect. Sßenn ba* lange ausbleiben be$ ßönigS ber 
italieniföen $rinjeffin no<$ ni<$t bie Singen geöffnet $atte über 
baS entfagung&&otte £00$, ba$ i&r geworfen toar, fo lonnte fie 
toenigften* ntdjt lange im gtoeifel bleiben. 5Dte <£$e, ein ®e* 
fc^öpf ber ^olitif, blieb fatt. Anfang« }ttar hoffte bie Um* 
gebung auf !Wa<$Iommenf<$aft, beren ertoünföte Slnfunft 2 Diel* 
leicht man$e$ anbete gehaltet $ätte; balb jebo<$ toarb ed flitt 
batoon. 2Ba3 feilte biefem le&en$lujiigen Äfinig eine grau, 
bie nur 3talienif<$ berflanb, fo bafj fie mit ben beutfäen gürften 
nur bur$ £>olmetf<$er fi$ toerftänbigen lonnte. 3 3Ran enU 
rinnt nur mit 2Jtüfye bem ©inbrud, al$ ob 33lanca t>on Anfang 
an für 3Ra; fo gut toie ni$t ejiftirte. 2öie feine ja&lrei$en 
Uterarif<$en unb ftinftlertfdjjen ©nttoürfe tyn fietS nur neben 
SRaria ton S3urgunb geigen, nie bie unbejlreitbare Sßofition 
ber SRailänberin anbeuten, 4 f o $at er fi$ au<$ im ße&en, gerabe 
$erau$gefagt, toenig riiterli$ gegen fie erjeigt. ©efliffentli^ 
bfilt er fie t>on ft<$ fern, taub gegen i^re Sitten, ben Slufent&alt 
mit tym ju feilen. 5 3ftr ßofmeifler fflilltö toon gtrmian, 



* 8. ben 5Beria)t ber frantfurter (Sefanbten öom 14. unb 16. Wärj 
bei 3anffen 580 f. 

2 $en SBunjä) tta$ SJerme^rung feiner mfinnli$en iRad&fommenfd&aft 
giebt unter ben ©rünben ber neuen Gtye ÜRaj fetter an im Sßerlobungöbertrag 
24. 3uni 1493. fcerrgott o. a. 0.; Lünig, Codex Italiae dipl. I, 478. 
ttu§ Adln 1494 SRttttooa} na<$ 3oJjanni§ ©onnentoenbe (3uni 25) fd&rieb 
ber ftdmgin §ofmeifter 9Hfla8 tum girotian an $aul Don Sid&tenftein, er jtoeifle 
allem SBefen nad& nt$t an ber €>a)n»anßerfd&aft ber flönigin, 3nn§br. $ra)it>. 
$0$ *™t baS erwartete ßreigntfe niefct ein. Quae inventa est sterilis 
fagen oon tyr jum 3a$r 1496 bie Annales Mellic. (Monum. Germ. hißt. 
Script. IX, 626). 

3 @palatm§ 9fo<$laf$ 225. 

* $$aufmg, «. 2>ürer 388. 

5 1501 fofl fie in ^affau bleiben, obtoo^l fte ertlfiri ^atie, nirgenbS 
lieber als Bei 3ttajimilian su Keilen. Sie toünföt tuenigftenS bie ßrlaubnifj, 



232 



einer ber ftreueflen be$ Äönig«, ber unter ben tluorbnungen 
be$ ftaufyalt* ber Äßnigin, ben Sntrtguen tyrer italienifc&en 
Umgebung, felbfi nid&t wenig ju leiben ^atte, tonnte fi<$ boc^ 
tief jlen äRitgefityfö mit ber bereinfamten grau m$t entfdfrlagen 
unb fünfte ft<$ ju bem 2Bhtf an feinen £erm gebrängt, bo# 
ab unb ju ber flönigin ein SBrieflem ju f$reibeiu 4 3n n>eld& 
untoürbtge Sage bie <$ronif$en ginanjnßtye äJtojnmilian» feine 
®ema$lm jum ©pott ber SBelt berjinfen liefen, fann be8 gu* 
fammen^angS ber 2)arfteHung falber $ier ni<$t im detail nadfc 
getoiefen toerben. 9lur an bie eine 2#atfa$e fei erinnert, bafe 
einmal im 3a$r 1505 SRay bie Sfafunft einer franjöftfd&en 
8otf$aft in SnnSbrudf ft<$ felbfl »erbitten mufete, n>eil bie 
Äönigin nidfjt tüie ft$$ gebührte auSjtafftrt war. 3 3)afe bie 
ledere unter folgen Umflänben auf bie politifd^e Haltung 
i^reö (Sema&te feiten unb in bef$ränftem 6inne Sinflufe übte, 
»erfleht fi<$ bon felbjl ©ie vermittelte (gleid^ im erfien 3a$r 
tyrer (Stye) todfyl einmal eine 3«f ammenfunft bejfelben mit Äarl 
bon ©elbem ober legte beim Äönig bon granlrei<$ gärbitte ein fflr 
tyren bei iWobara gefangenen ©ruber; 8 bo$ ftnb gäQe wie ber 

öfteren Ort mit bem bon t$r borgegogenen ?Regen8burg bertauf$en gu 
btlrfen 0R. D. girmian an 2Äas 1501 $affau Laetare. 3nn8br. Bro)ib). — 
1496 foQte fie ftdfr o$ne (ein SBiffen t>on Söormß aufgemalt $aben, um gu 
tym na<$ Italien gu tommen. <Sr lieg i$r befehlen naa) Ulm gu geben. 
SDtar, an Statthalter unb Stätte ber 6 d)Q Jammer gu 3nn§brutf, 1496 $ifa 
Sonntag nadj SRartingiag. 3nn8br. Brutto. 9foa) 3Beri$olb Don 2Raing Der- 
»anbte fid) einmal auf 2Bunf<$ ber Äönigin für ir)re SWidRe^r gum Äönig. 
SfiHener GojriaIbüä)er. 

1 1499 9Witth>od& naä) Kiliani (3uli 10). 3nn8br. «rd&tD. 92. ö. 
girmian an ERattyäuS Sang: bie Äönigin fei unglü<fli$, meil fie fta} Beim 
Äönig Derleumbet glaube, girmian entyfie$lt bann, SRar, möge „t)t ju 
geiten ein Heins ptiefl f$reibn unb gnebigüä}, ben bariig 3r 
gnab r)elt ©id) tyet; gang bofl (n»o$l), j>in in ganzer Hoffnung St berb (»erb) 
6id& btnfur 6. St. 9R. biHen (nullen) mer ^eflciffcn ban J>i8$er befa)e$en ift". 

2 Sang an ©erntetn 1504 (fo ftatt 1505) 3f$l ¥ftngiag na$ Epiphan. 
(3anuar 9) unb SernteinS Hnttoort SnnSbrurf 1505 Januar 16. 9Biener 
6iaatS'Hr4iD. 

3 Äoet^offf^e ß^ronif 892; gugger (§j.). Dergl. Henne: Histoire 



223 



erßere fo feiten, bafc fte als ausnahmen gerabeju bie Siegel be* 
jtättgen. SRan flettte too$l i&re Sßerfon in ben Storbergrunb, toenn 
e£ tüte 1499 unter jiemli<$ toerjtoeifelten Umft&nben galt, bie 
Setoofcner be8 (Slfafe nnb ©retögau jum SBiberftanb gegen bie 
6$ti>eijer auf jurütteln. 3n intern Tanten bmrben ba bie ©türm* 
glotfen geläutet, mit tyrem Sfounen bie $efe$le unter§ei<$net. 1 
aber bann tritt fie balb nrieber in tyr Stonfel jurflcf, and bem 
in ber Siegel ni$t einmal $eprafentationtyfli<$ten fte $ett>or* 
lodten. 

©3 to&re unbillig anjune^men, bafc bie 2)ame an biefem 
unerfreulichen SSer^ältniB ganj o$ne S<$ulb getoefen toäre. SBie 
in ben erjien Sauren ber @£e tyr SigentoiUe ben Äßnig ab* 
geftofceu fcatte, nriffen tirir au& bem oben citirten ©rief tyre* 
ßofmeijierS, o^ne im ©taube ju fein ben ©egenfianb ber 5Dtf* 
ferenj au$ nur ju errat&en. einmal im 3a$r 1497 toirb 
gekgentli$ einer grau gebaut, bie allen UnmiUen jtoifd^cn 
Äßnig unb Königin »erurfa$t &ätte unb beätoegen auf SJefefcl 
9Ragimilian£ t>om #of auSgefd&loffen toar, als bie Äönigin enb* 
li$ SBorm* »erlieft. S)em SBefc^I jum £rofc machte ft<$ erfiere, 
toel$e Orbre jur §eimle^r na$ SDtailaub erhalten fcatte, $etm* 
lu$ }u gufe mit SRann unb £o$ter auf, um an ben £of 
juriidjuletyren, timrbe aber eingeholt unb toieber nadj SBormS 
gebraut 2 93ieHeid^t ift ba* biefelbe Sßiolanta Gutyma, bie na$ 
ad;tje^njä^rigem SDienft bei ber Äönigin feit Detobet 1496 in 
fernere Ungnabe fiel, unb bie auf 9efe$l be8 ^ofmeiflerS mit 
i&rem SRamt na<$ 3Jtailanb gef$t<ft toerben follte. S)amit 
tofirbe aufjer ber ®leidj#eit bed äußeren ©$t<ffal$ bie bur$ 

da regne de Charles V en Belgique I, 66. §arj>l>rea)t , 6taat8ar<$t& 
beS ßannnergert($t6 IL, 161. Stent Surften Magnus toon Sfa^alt gab fte 
1606 ein <&mj>fe$fong§företben an ben tyapfi 0Be<fmamt, §ift. t>. Hnfali 
V, 107> 

« 6$reibet, Urf. ber ©iabt Sreiburg II, 642. 646. Ortginalf «reiben 
im otener Vr$fo. 

2 $er toürsbnrg. »ei$§tag6ge|anbte §aug b. Stcfcienjlem an ben »tföof 
1497 Sonntag in die Sixti (Sfoguft 6). 9Bür)b. *ra)tü. 



224 



girmian aufbewahrte Älage SBlanca* flimmert, fie tyabe feine 
9lu^e / folange SBiolanta, bie täglich #aber t>erurfa$e, in tyrer 
Umgebung fei. 3)af$ i$re Ungnabe ba* (Saubium tyrer geinbe 
War, erfahren Wir au* tyrem eigenen SRunb. 1 Sie War alfo 
eine $erfon bon binlängtidjjem (Sinflufc, um tn$befonbere ttn* 
traut in bie ©eele ber feit langen Sauren i$r bertrauten 
Königin fäen gu fönnen. SBenn eine Analogie au* allgemein 
menf<$li<$en SSet^ättniffen gefiattet märe, fo läge eS na^e ju 
mutymafjen, bafc bie 9tä(fft$t£lofigFeU, bieHei^t au<$ bie ni$t 
jWeifellofe £reue be$ Äßmg«, ber bertrauten Same als Mittel 
biente, $e$enb ifcrcn (Sinfluf} ;u fiebern. SBlanca SKaria, beten 
wfirbeboHe #erablajfung jebe Sweibeutigfeit au* tyrer SRä^e 
bannte, 2 war bieDei^t in bief em $unf t unbulbfamir al* anbere 
^firftinnen. 6ie war eigenfinnig, fo bafe fie nur mit SRü$e 
bewogen Werben fonnte, tf<$ ben Staorbnungen tyrer Slerjte ju 
unterwerfen. 3 3#re ttnf ügfamf eit , $r äSiberfireben gegen 
örbnung braute ben getreuen #ofmeijler juweilen in aSergmeif* 
lung. Sinmal brang er in einem näd^tlidjjer SBeite berfafeten 
SBeri<$t, bem man e$ no<$ anfielt, wie fauer er bem alten 
SteiterSmauu angefommen, auf ßntlaffung be* ©taümeifter* 
3uan Salob ©aflelafc (fo!), ber bie Äönigin birigire. Oft 
Ratten er uub bie Stätte f<$on biefe 9Ra|regeI geforbert, 
welche ber Äönig burd&au* nt$t Derfd&ieben bfirfe. ®ef<$äbe 
ba* benno<$ unb erwiid&fe barau* bem Äönig 6<$ma<$ ober 
€dj>anbe, fo wollten er unb feine grau fic§ hiermit entfd&ulbigt 



i Sie Ungnabe naä} be$ gofmeifierS ©rief an 9Raj, SBormS 1496 
Montag na* 5Rid&el8tag (Dctober 3). 3nn8br. Hr<$to. 6. bei ©&mcl 
156 ff. bie erbitterten @efu$e ber Siolanta an ben ffönig t>om 9toöember 
unb Secember 1496. 

2 SopuS a. o. D. 775. 

3 SRar/ flnttoort auf einen unbatirten SBricf ttaffau» (1505 ftöln 
-23. !Dlat. 3nn8br. flrd&ib). S)a& fie ni<$t frei toon unseitgemfigen Karotten 
n>ar, toürbe ber heftige SBunfä) na<$ ©finfejungen geigen, bem fie einmal 
auf ber Steife auf bem (Sräflid) 3taimerfä)en ©d&loj$ Wegftrcr) bura)au8 frommen 
»oute (8immerfdS)e G$ronif II, 263). 



225 



$aben. Sie fönnten bei fo ungeorbnelem SBefen nid^t länger 
bienen, ba fie IXngnabe unb Oefa&r Don Seib unb @ut befürchten 
müßten. 1 @* ijt ntd^t anjuue^men, baji* ^ierbitrc^ ein SScr« 
ba$t auf bie Äönigin getoorfen Kerben foD. 3<$ fyahe bie 
Stelle angeführt um ju jeigen, wie unfpmpat^if^ biefe toelfd^e 
3Birt$f$aft fi<$ anfembertber unb über einauber na$ 2Jtailanb 
berid&tenber €$ranjen au<$ bem Äönig fein mo<$te, ftrofc alle« 
betn »ar e8 nid&t f$ön Don i&m, ttne wenig er emftli<$ — an 
papiernen SBefe^len mangelte e$ bei i$m freilt<$ niemals — 
barauf ^ielt, beleibigenbe unb ^erabtofirbigenbe Verlegenheiten 
Don ber Sßerfon unb bem $of feiner ©ema^lin fernhalten. 
SDafc fogar ba« Seinenjeug ber Äßnigin längere Seit &inburd& 
in flöht berfefct toar, ift n>o$t ein culturgef($i($tlid&e$ Unicum. 2 
63 f<$eint jmeclmä§ig an biefer ©teile jufammenfajfenb 
bie Siegelungen 2Jlayimilian« ju bem t^atfäd&ltdjjen Regenten 
3JtailanbS, SoboDico 9Horo, }u fhibiren, meldte gerabe bur<$ 
bie in biefem Sßunft fetyr entföiebene Parteinahme feiner SRidjjte, 
ber Äönigin, tyre garbe erhalten. 2Bir fyaben f<$on gefefcen, 
bafe bie #eitat$eDer$anblungen ju einem 8ele$nuug3beripred&eu 
an SoboDico geführt Ratten. 5Da Dom 9tei$$flanbpunlt ein @rb* 
rec&t ber ©forja überhaupt nic^t anerlaimt mürbe, fann bie 
Umgebung Sodann ©aleajjoS ni<$t auffallen. 2113 mit bem 
Sfaäfterbeu ber SSiSconti bem 9teic£ ^eingefallenes flammergut 
Derlie$ ba^er bur<$ Urfunbe Dom 5. September 1494 Don Slnt* 
toerpen aus 9Ray bem SoboDico für fi<$ unb feine manu- 
lid&e ©efcenbenj baS ^erjogt^um SKailanb fammt ben 
®raffd£afteu SßaDia unb Slngleria. (Sin paar SBod^en barauf, 
am 8. October 1494 begränbete er biefe Umgebung ber älteren 
Sinie mit bem angeblichen retc$*rec$tli$en ©runbfaj}, nie je« 
manbem ein fielen ju Derletyen, toeld&eS berfelbe bereite factif<$ 

i SirtniattS »rief Dom 8. Cctober 1496. 9lu<$ S^mcl ©. 174 gehört 
tyfiljer. 

2 SBlanca Wlaxxa an SRaj (1501 IRegenSburg Woüember 18. 3nnSbr. 
*r$iö) mit ber SBittc biefe fefcr toermifeten linteamenta auSjulöfen. 

Ulmann, ttaifrr WayimUian. I. 15 



226 



ufurpirt unb toon einem Unberechtigten (bem maüänbifäen Soll) 
empfangen $ätte. 1 (Ein 3a$r fpäter Ratten biefe ©etoifligungen 
ben ©ipfel beS ©rfolgeä für ßobobico bebeutet. Snjtoifd&ett 
Ratten fi<$ bie SBer^ältniffe bur<$ feine ju Äarl VIII. gewonnenen 
SBejiefcungeu toefeutli<$ geänbert (Sin äBeitereS tarn fchtju: ber 
SCob Qofcann ©aleajjo* unter Umflänben, meldte, toenn au$ 
bem SKnfd^ein nadj mit 1lnre#t, 2 faft notytoeubig, unb nidjt ettoa 
Mo* bei ber Kntglid&en 6<$toefier beS Serbit dienen, ben 9rg* 
too^n nffl&ren mußten, bafc fiobobico ru$lo$ ben ßeben&faben 
feines Steffen abgeffirjt tyitte. S)ie ©ejie^ungen jum beutföen 
£of, too äRaria Slanca jefct alle« baran fefcte, tyren @ema$l 
t»on bem gemut&mafjten SWörber i$re* ©ruber« ju trennen, 
mürben eine 3*ü lang re<$t unerfreulich 6e$r ungn&big liefe 
fi<$ SRay imilian berne^men, ja er trat hinter Sobobicoä 9täden 
in geheime S3er^anblung mit ber ©emafclin beS beworbenen 
ßerjogS unb ber SHtyerjogm S3ona, s Sobo&icoS @ef<$tdli<$teit, 
bie (Brforbemiffe ber allgemeinen Sage unb ji$er ni$t jum 
minbeften bie maitänbif$en ©olbflücfe 4 $aben bann eine aber« 



i »eibe Urhmben bei Sttnig, Codex Ital. dipl. I, 485 ff. unb 494. 
2)ie öom 8. Detobet nrirb öon (Seorgifö, Regest, chronol. dipl. tom. II J, 
8. 2, Heg. 6, fälfd&Ii* ins 3a$t 1493 gefe&t. 3n benfelben 3rrt$um ift »irf 
verfallen, bei 8i($notoSfto VIII, Heg. 1988. UebrigenS mar Was am 5. Sep- 
tember nt$t am SfoSfieflungSort Hntmerpen , fonbern, ttric eine gange Seit 
bor« unb nadlet, in Sätoen unb auf einem 3ügbf($lo|$ in beffen !Rä$e. 
6palatin8 Stad&Iafj 228 f. 

3 2Bie ganj neuerbingS na<$genricfen %ai £. SRagenta: J. Visconti 
e gli Sforza nel castello di Pavia (Milano 1883) I, 634 ff.; II, 6. 461, 
9fr. 455 f. — Ueber bie ©rtinbe bet Setföfttigerung SRatfmilianS mit bem 
§auS Sforja erfährt man au$ $ier nichts 9leue8. 

3 Sanuto: Espedizione di Carlo VIII 6. 175 unb 200. $aS innS» 
bruder Regiment (f. beffen $eri$t an ben fömig Dom 14. 9tobember 1494 
im mnSbr. flrdfriü) Vermittelte burdj ftaufleute bie geheime Gorrefronbenj. 
ßobobico fam übrigens hinter biefe €><$li<$e unb matyt bie feinbfelig gefmnten 
tarnen balb unfa^äblidj. Sd&on am 6. $ecember Iie% er 3fabella naä) 9Wai» 
Ianb überftebeln. ERagenta I, 546. 

* SRalipiero, Annali Veneti 340, nennt 200,000 Sucaien al8 greift, 
öeigl. ©anuto 312. 3m Allgemeinen au$ Ä. ftranfc, Sazonia 949. 



227 



maltge, günfiiqe SBenbung $erbeigeffi$rt am 5. Styrtl 1495 
nahmen Sobotf co£ ©etoottmäd&tigte in SBorm« auf bem 9tei$*tag 
bie bur<$ SBiHebriefe ber Äurfürflen betätigte Sele^nung tyreS 
@ebieter* auf beffen SebenSjeit 4 in Gmtfang, aller SBa^rfd^ein* 
Ii$Ieit na<$ beSfcalb in biefer urfttnbli<$ befd&ränften 2tu*be$nung, 
toeil für ein SWe^rere« bie Äurfürflen ntd&t ju $aben toaren. 
S)en Äönig $ielt ba* nid&t ab, feine« eigenen SBegS ju gefcen. 
3n feinem Warnen übertrug fein Äanjler Dr. ©tfirfcel am 26. 3Jtot 
ju SRailanb bem Sobobico unb feinen (Srben bie #errf<$aft 
bur<$ f eierli$e 3n&ejlitur. * (Sine Urtunbe hierüber toarb fpäter 
am 25. 9lotoember 1495 au$gefteHt. 3 ©8 beliebte feiner 3Jtaieftfit 
eien jefct ju Dergeffen, bafc Sobobico bo$ ein toeit fd&timmerer 
tlfurpator toar als Sodann Oaleajjo ober gar beffen un* 
münbige* ©ö^nleüu Sobobico fegelte jefet mit gfinfttgem 
SBinbe. 3)a ma$te e* für ben SlugeubHdf toenigften* nid^t t>iel 
au», bafe am 30. 3uni 1495 bie mißvergnügten Äurfürflen 
gegen feine unbefd&ränfte ©elebnung einen Sßroteft auffegten. 4 
5Rod& $atte Sobotoico feinen 6o$n. — 

9ta<$ biefer Slbfd&toeifuug lehren toir ju unferm neutoer* 
mahlten gelben jurüdF. 

9laä) aKitte äpril 1494 erf<$ien berfelbe jum erflenmal 



1 V'üniß o. a. C. 494 ff. 

2 Sanuto, Espedizione di Carlo VIII 312 (Ludovico et soi heriedi) 
unb 352 ff. (Einzelheiten über bie geierlid&feitcn bei SRagenta I, 547. 

3 Du Mont, Corps diplom. III, 2, 333 auS einem mailänbifäen 
<£optalbu$. £ie Urtunbe ftimmt toßrlltd^ mit ber Dom 5. September 1494, 
einen $un(t nebenfä$H$er SBebeutung ausgenommen. SB&tjrenb leitete 
bie Göenfualttflt oorauSfefcte, bafj 3o$ann ©aleaj €>ö$ne ^tnterlaffe, beren 
jeber bann eine 3a$reSrente Don 12,000 ©ucaten genießen fofl, ftc^ert bie 
Urfunbe oom 25. ftooember 1495 bem ©o(n beS oerblid&enen 3o$ann 
©aleaj biefe Apanage *u. Sei TOfler, 3ieiä)8tag8t$eater trögt bie Ie$te Ur- 
funbe baS falföe Saturn: 25. 9looember 1494. 

4 doera, Siegelten ber <£rjbijdS>öfe Don Xrier I, 6. 295. $ergt. über ba§ 
»erhalten Maximilians baS Urteil beS 1. Stxan%: Saxonia 949. SBie 
unjufrtebcn ber Äurfürjl t>on Warnt mit ber Wrt ber SBelefrtung nun:, %at 
er 1497 ausgeflogen. 3anRen, töei<$5corr. II, Hr. 767, 6. 604. 



228 



fett feiner £&ronbefleigung im 9tet$. 3n Äempten empfing 
er eine päpftli<$e ©efanbtföaft, welche tym im 9tomen be3 ^eiligen 
SSaterä Scfctoert unb #ut, jum Seiten ber Stnerfemmng als 
regierenber römtf^er ßönig, überreizte. i SluStoärttge ©efanbt* 
f^aften unb beutf^e gürfien brängten fi<§ bafelbft um i^n: 
eine (Sntfc^eibung in großen europäiföen fragen ift jebodj) ba* 
jelbjt, fotoeit erfi$tü<§, ni<$t getroffen toorben. 6$ tji eine 
ganj geto(tynli<$e quereile Allemande, bie unter ben erften Äu* 
gelegensten feiner Stufmerffamteit fi<$ aufjtoang. 3nnf<$en bem 
erften geijUic^eu unb bem erften toelttictyen Äurfürften be3 SReid^ö 
bro^te ber 8lu3bru$ einer blutigen §e$be. ©er Anfang ber 
©ett>altt$ätigfeiten toar bereit« gemalt. Stur ber leibfamen 
grieben^liebe be3 SRaütjerS unb bem ©infdjreiten beS Äöuigä, 
ber, n>ie er felbft bei biefer ©elegen^eit nne&ertyolt auSfpradjj, 2 
bur<$ ben ©onflict eine Störung feines £ürfenjug3 befürchtete, 
ift bie S<$li<$tung jujufd^reiben. Qatyrelang lag ber Seginn 
bc$ Streits jurüdf. S°Der^o^ung in bem mainjifdjen Singen 
ju Unguuften pfäljiidjer Untertanen fyatte 5ßfalj veranlaßt mit 
©rrid^tung eines neuen 9Barfte3 ju SWünfter am Stein unb 
einer gegen Singen gerichteten Sperre ju antworten. SMainjers 
feitS $atte man bann bie in ber SRäfye 33ingen3 gelegene 93rädEe 
über bie %laf)e für alle Sßfäljer gefdjloffen, toelc^e i&r 2Beg ton 
Äaub ober Simmern na<$ ben Slemtem am 9tyeiu unb Stedtar 
bur<$ erjbif<$öftu$e£ G&tbitt führte, ©abei toar es inbeffen nktyt 

1 Sanften, töeidjäcorr. II, 583. $a8 päpftlic^c »reue ö. 6. Wdxi 1494 
f. imföegeft: ^a^rbudj ber funftf)iftor. Sammlungen be§ ftaifer§auie§ fjerauS* 
gegeben unter Leitung bcS ©rafen Grenneüille. grfter SBanb (1883), 2. Sfyil, 
töeg. 193. 

2 efynel, Urtunben unb ftctenftücfe 32; Sflar. an SHbredjt toon Sadjien, 
Kempten 18. 2Rai 1494 (bre§b. 9(rd)it>) :c. ^nbirect juridjt no$ für tiefe 
"Äufjaffimg, bafj gur 3*i* Wn 2lnlaß gu ber 93efürd)tung oorlag, granfreiefc 
fönne fid) in Solge feiner Skrbinbung mit 5JJfal3 ju bejjen ©unften ein» 
tnija^en. $)enn jeit <5nbe 1493 grollte man in §eibelberg nid)t wenig auf 
Marl VIII., ber naef) Slbfäluß be§ SriebenS mit 9Har. plöt$lic$ unterlagen 
f)nttc, bie ^enfton ju 3al)len. Desjardins, Ki-gociations de la France 
avec Totcane 1, 265. 



229 



geblieben, äto&er enblofen Quälereien ber Untertanen fyxtte auf 
Sefebl feines £errn ber pfal}if<$e Stmtmann ju Äreu$na<$ mit 
©etoalt bie SRa^ebrudfe toieber geöffnet, o£ne iebo<$ biefe Sföafc 
regel aufregt erhalten ju fönnen. daneben lief eine anbere 
Streitfrage. Äurffirfi Sßfcilipp toon ber Sßfalj, ber bereits bamals 
bie ein Satyrjefrtt fpäter i&m fo berberblid&e fiarre Unnad&giebig* 
feit geigte, er&ob plöfetic^ 2lnfpru<$ auf baS Älofter 3tupred&tS* 
berg bei Singen, baS unjtoeifeltyaft 3Jtatnj gehörte. Um ft<$ 
gegen ©emalt ;u f<$iifeen, Wttn bie SRainjer ben SBerg befefHgt. 
SRad^bem ein SSerfudj) ber (Srjbifd&öfe toon JCrier unb ftöln ben 
£aber ju fd&lid&ten, Anfang 1494, }u feinem tooHftänbtgen unb 
geführten Sftefultat geführt batte, * tourbe bie Sa$e ernft. SBeibe 
Steile rüfteten fid& unb toarben SBunbeSgenoffen. Söäbrenb 
SWatnj auf bie angerufene UnterjWtfcung beS f<$roäbif$en SBunbeS 
rennen fonnte, toar bem Sßfaljgrafen bie #ülfe ber baierif^en 
£erjoge unb beS Sanbgrafen Don Reffen fidler; feine wittel^ 
ba$if($en Vettern Ratten bereits bei ben fd&toetjerifd&en ©tbge* 
ti offen gujug ober föenigftenä ©rlaubnife jur äfaroerbung Don 
Anetten, beibeS freili<$ toergebli<$, na$gefu#t. 2 3n ber Sßftngffc 
too$e ttoQte ber $fal;graf losfd&lagen. 

2>er flönig unterfagte ben ßauptbetyeiligten unb i^ren 8ht* 
Rangern aufs ernftüc^fie jebe t£ätli<$e 33ef<$äbtgung unb ber* 
fud^te bur<$ ©pecialbeöoHmäd^tigte eine SafiS ber Vermittlung 
ju getoinneu. Sugletdj) bot er eine SKnja^l unbeteiligter dürften, 
barunter griebri<$ unb Sllbrectyt fcon Saufen, unb 6täbte auf, 



i Sritfcem, Ann. Hirsaug. II, 638 ff.; ßlüpfel, Urtunben I, 161 ff. 
unb Qtymel 28—38. 35er 33ergleia)§iag n>ar im gebruar in Äoblenj getoefen. 

1 fllityfel 164 f. spfalafltnf W^PP mclbct bem WPWen fcofmeiftcr 
1494 Slmberg Donnerstag nad) Judica (TOär^ 20), bog tym bie baierifd&en 
§erjoge auf einer Unterrebung in *Reumar!t als Heine §ülfe ben 6otb für 
2000 ©<$ti>eiaer toerfprodjen Ratten unb im Sali ber Unterftüfcung beS ©egnerö 
bur<$ ben SBunb jc. mit ganzer 3tta($t tym beifte^en iooflfen. SBitte um 
HuSrüftung ber t>erfj>ro$enen ©Ulfe, ba er feft entfätoffen fei in ber Sßfingft« 
toodje gur Oeffnung ber Straßen auSjujie^en. SBaier. 6taat§-Wra>ito. SBergl. 
*mtli<$e Sammlung eibgenöff. flbfd&iebe III, 1, 453 f. 



230 



am 16. Quni mit Stofc imb SJtonn, 2Bagen unb ®ef<$fifc bei 
©peier fi<$ ju fammefa, um gegen ben unge^orfamen Styeil, 
ber fi<$ ber angebotenen perf#nli<$en Vermittlung be$ Äönig* 
(anf ©onntoenbtag ju £rier) ni<$t unterwerfen wollte, toor* 
juge&en. * 

©er ©rjbifd&of Don 33tatnj £atte toon toom^erein alles in 
bie #änbe be£ ÄßnigS gelegt ©er Sßfaljgraf bejtoang feine 
St^atenluft fo roett, bafc baS @$ecution$aufgebot am 15. 3uni 
mieber rüdfgängig gemalt »erben tonnte. 2 ©ie Hoffnung freu 
li$, ben Sttrift batb ju gütlichem ober re<§tli$em SuStrag ju 
bringen, erfüllte fi<$ ni$t fofort. ©8 trat SBaffenftillftattb ein, 
aber bie Angelegenheit £atte no<$ berfd&iebene ^afen ju bur<$* 
laufen, bi$ fie enbli$ nadjj me$r als Qa^reSfrift bur<$ einen 
93erglei<$ t>om 6. 2Iugufl 1495 ju SBormS au$ ber 2Belt ge* 
fd^afft ttmrbe. 3 3>m 3BefenfIi<$en fam man babei auf ben 
Status quo ante jurütf. 

2Ran barf trielleidtjt Dermut^en, bafj biefe ©päne, bie fi$ 
jtmfc&en tyn unb fein grofjeS Sßroject fteüten, für SRajtmilian 
Antrieb geworben finb, no$ in anberer 8Beife ber erften aller 
$fü$ten eine* germanifd^en ßönigS, ber SGBaltung beä grtebenS, 
fi$ ju erinnern. 3>n Kempten am 10. SRai 1494 verlängerte 
er mit SRat^ etlicher gürflen 4 ben Sanbfrieben, toeld&en Äaifer 
gfriebri$ im 3fa$r 1486 auf je$n $afyxt erlaffen, auf »eitere 



1 <Stn$altS* unb SfofgebotSmanbate oom 8. unb 9. 2Rai. <£rjlere§ 
oberbaier. Hräjib XIII, 305 unb Älüpfel 164, ledere» im breSb. «rd&io 
unb bei Sanken, $ei$Scorr. 588. S)ie SHobalitfiten in ben to ergebenen 
SUtenftttcfen ftnb ehoaS abte>eia)enb. llbred&t Don Soffen $atte in ber Sljat 
oon Kempten au§ Dienstag naty spfingften ein allgemeines ßanbaufgebot 
anbefohlen. 

2 3Raj an ben flurfürft oon ©aäjfen, 2Bortn§ 15. Sunt. 2>re3b. Hr$iü. 
SSergl. 3onffen a. a. D. 

3 £ur$ Vermittlung ber Äurfürften öon ßöln, Srier unb ©ad&fen. 
EUlHer, Hetd&StagStyeater I, 612 ff. 

4 3äqj an ben Grjbiföof oon 9Raina (^finjtag nadj Exaudi, 16. SQfori. 
SÖÜTjb. Nrtyo), mit SBefefcl bei SJerfünbigung in feinen ©ebieten. 



231 



brei 3>a£re über ben 3flblauf$termin $inau8. 1 S)a ber lejjtere 
«rfl mit bem 17. SRärj 1496 eintrat, fo toar too^l nur ber 
SBunfd?, ben fcabernben Orofcen i^re *ßflt$t tu* ©ebä^tntfc ju 
rufet:, ber Sfalafc ber erneuten Sßubltcation. ©tefe Verlängerung 
be$ ^rieben» bis in« 3a$r 1499 betoeifi aber iebenfallS, bafc 
SRayimilian bamal« fe$r n>eit entfernt toar ju glauben, bafc er 
balb berufen fein toürbe mitjutoirfen an einer grofjen Sieform 
be$ gefammten 3tei($3ilaat«re<$t8. 3Ber im 3Jtai 1494 e$ für 
nfitbig erachtet, einen erft 1496 ablaufenden periobiföen ^rieben 
aus eigener 3ßa<$tvofl!ommen$eit bis 1499 auSjube^nen, &at 
fi^er im erßgenannten Qa^r no<$ ni$t ben etoigeu Sanbfrieben 
}ur ©runblage umfaffenber P&ne gemalt ©o toenig tote auf 
Intervention in Italien richtet ftdj> im erfien 9tegierung$ia$r 
fein abfegen auf SJerbefferuug innerer Angelegenheiten. £)er 
9tei<$8f riebe ift i^m nur nötyig, bamit fein ^ lobltd^ed furnenten, 
ba$ gemeiner crijlenfceü ju aufent&alt unb Vertilgung ber veinbe 
unferS ^eiligen glaubend angefe^en ifl" nüfrt verftnbert toerbe. 

äWo^-toar 1 * ui#t fo toeit. SSor fo unabfe^baren SSertoidt* 
lungen galt es toeiter juvor ba$ eigene §au& ju betteilen, tiefer 
b£nafKf<§e ©efi^iSpunft toirb na<$ verriebenen Seiten $tn 
toirffam, o$ne überall gu einer befriebigenben Söfung )u führen. 

Seit be£ ßßnigS 33ermä&lung mit einer Sforza unb ber 
Annäherung an ben tyatfä$li$en #errn von SKailanb toar 
Stalten notytoenbig tym nä$er gerüdt. 68 toar o$nebie8 gar 
ni$t fo f<$toierig, ft<$ bie eigene Stellung in Italien als eine 
(Stoppe auf bem 2Beg na<$ ßonfiantinopel ju beuten. Statt 
fu$ attSjuföftefcen, bebingten fogar bis )u einem getoiffen ©rab 
bie SSerptotiffe ber apennhufd&en ßalbinfel bie 2lu8fi<$ten einer 
Orientalen Unternehmung. 3n einem fpäteren äRemoire er« 
örtert 2Ra? felbfl überjeugenb ben SSorjug eines Singriff« bur<$ 
Albanien, jlatt von ber ©onau aus. 2 Unleugbar ijt ba$er 



1 Datt de pace publica 1. 29, 6. 210 ff. 

2 Unbatirie, et(jeit$fiirt>tge ftufrei<$ttung im mtener ©taats»9lrdjit>. 



232 



fein Sntereffe, ben £errf$enben ßufianb ni<$t ju Unguufien 
feiner Stbfid&ten erf<$fittert ju fetyen. Dbtpotyl SJtof f$toerli<£ 
in $öfyerem ©rab als bie SWe^rjatyl ber italieuif<$en Potentaten 
ben ganjen 6rnft ber Sage erfaßt fyatte, ma$te tyn utn biefe 
Seit ber Slngfiruf feine« neuen 33erbfinbeten, Sobobico SWoro,. 
bem aHmäf)Ii^ jum SBetoufitfein tarn, ttie f<$mer$aft er ftdfr 
jtoif<$en jtoet Stühle gefeftt, aufmerffam. ßobotnco begann 
bereits bie neapolitanifd&e Unternehmung Äarte VIII., bie bur$ 
ni^ts me$r geförbert erfd&eint als feine #errfd&fu<§t, ju ffird&ten* 
@8 ging itym, t\aty bem toifcigen 2fa$fpru$ eine« gelrönten 
Seitgenoff en> toie jenem, ber auf einem fiötoen reitet. 3Rag 
berfelbe no<§ fo fe$r anberen gurd^t einjagen, fo ift feine ängft 
bo$ noä) größer, toeil er auf bem Sötten fifet unb biefem ba^er 
nä&er ift. 

SBfi&renb einer jener ©d&toanfungen, toel<$e fein Sencfrnen 
lennjeid^nen, verfiel er auf ben ©ebanlen, ben römifd&en Äönig 
jtoifd&en fi<$ unb granfrei<§ ju fiellen. SRaj foDte in perfön* 
lid^er ßufammenlunft mit Äarl VIII. beffcu ^rieben mit Steapel 
vermitteln./ SRay ging barauf ein im Sntereffe be& £firfen* 
IriegS, ni<$t minber ber franjöftf <§e #of . 2 @$ fciefj, beibe Äönige 
mürben fi<§ in 83urgunb treffen, nad^er tourben @enf ober 
Saufanne befignirt. Slber ftäfyrenb ber urfprimglt$e ©ebanfe 
getoefen fear, bur<$ äHayimilianS @infpru<$ bie graujofen ab* 
juf<$redfen, gemann bie ttnter&anblung raf<$ eine ganj Der* 
fd&iebene ©eftalt. Slm £°f ÄarlS VIII. regten fi$ ©ttmmeu 
in bem Sinne, 3WafimilianS ©tiUft^en ebeufo ju erfaufen, tote 
ba$ gerbinanb* t>on Stragon. S)aS ^erjogt^um JBurgunb, al* 



1 60 fagte Sobotoico am 18. SDtärj Dem florenitnifd&en ©efonbien. SBuJer 
a. a. C. 546, ba8 Dorang^enbe Sita! ebenbaf. 816. 

2 Snflniction 9ÄajimitianS für SR. SBreifacfcer an ben $o^ft 19. Hprit 
1494, im S^egeft SBalentinettiS in Hb^onblunßen ber tyftor. Gfafie ber baier. 
Wabemie IX, 6. 560. $>er gloreniiner befla Gafa berietet über bie W>* 
fld&i ÄarlS VIII. föon om 18. 9Rörj an ^tero toon glorenj. Desjardins, 
Negociations de Ja France avec Toscane I, 287. 



233 



toerfaHeneS Äronle&en eingejogen feit bem £ob StaxU be3 Jtitynen, 
toarb als Äöber ausgeworfen. 3Ran fann feinen Sttugenbticf 
jroeifeln, bafc auf biefeS anerbieten 2Raf eingegangen fein tofirbe, 
toenn er bie ernftli$e 2tbfi<$t gefe&en Ijätte. SMefelbe muß aber 
trog ber fcorne^men ©enbboten, erft be$ #er jogS t>on la £remoiOe 
unb be3 (SrjbifcfcofS toon Steint«, bann 110$ 3o$ann3 t>on 
6$alon3, gürflen bon Orange, enttoeber bon toornfyerein als jtoei* 
fetyaft gebaut toerben ober tt>ieber aufgegeben fein. SluS ber 
3ufammen!unft tourbe nid&t*. 1 SKber obtoo&l beibe Steile ft$ 
!eine$n>eg$ fcoHftänbig trauten — Äarfe VIII. @infprud^ gegen 
bie fpanif$:dßerrei$if$e S)oM>el&eirat£ tofirbe baS allein be? 
keifen — ntufc e$ bod^ ju einer jiemlu§ n>eitge£enben 93er* 
fianbigung über bie nä^ften 3 ! ^ beiber $5fe im Sauf beS 
©omrner* gefommen fein. Statoon ifl in anberem gufammen* 
$ang ju rebeu. (©. 269 ff.) 

5Der römifäe Äßnig fdumte ni$t, ft<$ biefen ©ebanfenauS* 
tauf<£, ber eine Störung feiner Sßläne bur$ gran!rei<$ als au$ge* 
fd^loffen erf$einen lieg, ju SRujje }u matten. 5Deö^aIb nwr ja ber 
alte franjöftfctye 3Rarf$aK 5De$querbe8 ein entf$iebener (Segnet 
beS italienif^en ÄriegS, toeü er bur<$ benfelben eine €<$toä<$ung 
ber norbö|Hi<$en ©renje feine« SSaterlanbe« befürd&tete. 2)afe 
ber tapfere ©olbat, ber trofcbem jum Oberbefehlshaber au$er* 
fe$entt>ar, am 22. Slpril 1494 in ber SWfce bon Sfyon flarb, 2 
$at f$to>erli$ toerfe^lt, 2Wafimiüan$ Neigung ju er^ityen, in 
ben Süeberlanben, ti>o S)e$querbeS fo lange als unbejtt)ingli<$er 
©egner immer n>ieber auf bem Sßlan gefianben $atte, enbli<$ 
in« Steine ju lommen. 3efet ober nie fear eS Seit mit bem 
trofcigen flarl ton (Seibern fertig ju toerben. 



1 G. Zurita: Historia del rey Don Hernando 1, Statt 40 (Sara« 
goffa 1580). 9ta<$ tym war 8?ranfrei<$ juerft mit bem anerbieten ber 
§erau§oabe SBurgunbS hervorgetreten. SBergl. 2)eöjarbin8 a. a. C. 294. 
299. 303 ff. 311 unb in einer aweiten Serie tum SBerid&ten 387. 395. 
400. 405. 

2 Ueber i$n f. (ferner I, 394. 



234 



S)erfelbe &atte fein ßanb ben ©tänben anvertraut unb toar 
im SJtai na$ §ranfret<$ geeilt, in ber 2lbß$t ber Stammen* 
fünft beiber Äönige, als §franfrei<$3 ©<$fl|ling, beijutoo^nen. 
Site fi$ ba$ fcerjog, war er na<$ Sotyringen ju feinem ©<$tt>ager 
&erjog SRenatuS gegangen. * Die 3i*fe ber franjöjtfd&en Sßolitil 
liegen tym na<$ SDeSquerbeS' £ob leine 2lu$ft$t auf äugen* 
blidlid^e ^iilfe; feiner 3Mitung abhelfen fear ft<$er au$ 
fein ©<$toager ni$t geneigt, ber, fe$r un jufrieben mit Äarte Vin. 
neapolttanif<$en 3tnfprfi<$en, gerabe bamate Slnn&^erung an 
SKaytmtlian fu<$te. 2 Äarl entf$lofc ft<§ toofcl um fo e$er ju 
latoiren, ate fd&on bor be$ ffömgä Slnlunft Slbred&t fcon ©ad&fen 
i^m $art jugefe|t £atte. 2Bäl)renb toon @rat>e in SRorbbrabant 
au* SBilmolt t>on ©Naumburg aber bie 9Raa£ ging unb ©d&lofe 
unb ©tabt Sattenberg — fteben Qa^re behauptete er biefen 
©täjpunft in geinbeS ßanb — in feine (Semalt braute, ging 
#erjog 2llbred&t bei ©orlum über bie Sßaal, na£m Seerbam 
unb -Kijferf unb üertofifiete fengenb unb brennenb toeit&in bie 
SSetutee. ©<$liej3li<§ fam bur$ bie Sanb^erren ein ©tillftanb 
bis jur änlunft beS ßönigS jutoege. SluS »eforgnifj, fein SSBiber* 
fpru$ Würbe bie f^toanfenben Ferren in« anbere Sager treiben, 
liefe ber ßerjog Don Saufen ba« gef$e$en. s 83on einer t&m 
natye fte^enben ©eite wirb berietet, für ben §aH, bafj ber be* 
abfi$tigte triebe ntd&t ju ©tanbe fäme, Ratten jene &mb* 
Ferren toerfprod&en, fi<$ mit ganjer 3Ra<$t auf bie ©eite be* 
ÄönigS ju peilen, 4 

i 5Die S)arfteflung beruht auf ben urfunblid&en SJtoiijen bei ftiftoff 
a. q. C, Einleitung XVIII. 

* SSon bie(er 2lbftd&t berietet am 7. 9M 1494 ber ftorentiniföe 
©efanbte am franjöflfa)en $of. S)e8iarbin8 I, 298. 9m dnbe beS bet- 
roffenen 3ö§re8 toar babon bie {Rebe gen>efen, bafj 2Raj i$n sum 9tei$8« 
ftatttjalter in feinem Gebiet machen fotlie. dbenbaf. 265. 

3 ©eföid&ten unb Saaten St^aumburgS 152—156. Coline! V, 5. 

4 ©o bütfte ber tootjl $ier$er ju jie^enbe ©eric^t beS $erjogfi($en 
fRat^d 3. ttatfalter, de meritis Alberü (2Rende II, 2118), aufjuf äffen fein. 
$a8 64rift^en ifl übrigens toerfafct, um ju einem i>ratii|d&en gtoed bie 
Serbienfte beS SBerfafferS ^erauSjuftreidjcn unb nidjt bor 1512. 



235 



Stod&bem ber leitete 6nbe 3Wai ba3 reijenbe Stempten ber* 
lafien, toax er bur<$ ©<$tt>aben an ben Styein gelangt unb 
tonnte, untertoeg« no<$ bur<$ ben SuSgleid) jurifd&en $falj unb 
3Rain$ aufgehalten, mit feiner jungen ©ema^Itn unb beträft* 
lid&en ©treitlrfiften im 3uni bon ben erfreuten Äölnern fejHi<$ 
empfangen »erben, ©d&on am 2. 3uli bra$ er t>on ba über 
Stoßen nad& »rabant auf; in 3Waaftri<$t blieb unter bem ©<$u| 
beS ßrjbif#ofS ton 2Rainj, balb begrübt t>on ättbred&t unb bann 
au<$ üon Äurfürjl griebrid^ toon ©a<$fen, bie Äßnigin jurüdf. 
SRaytmilian toerfud&te jutiäd^fl ba$ getbrif$e Oberquartier ju 
übertoältigen. S>er £auptort beS 33iertel$, SRoermonbe, mußte, 
nad&bem bie SBorjtabt geftürmt toax, in ber Zffat ft<$ ergeben. * 
€&e ber Äönig $u »eiteren Saaten aufbred&en tonnte, mußte er, 
»ie eS Reifet, bejiimmt bur<$ bie gürbitte feiner ©ematyKn, 2 
in ber Zfyat too&l genötigt bur$ bie ton 2tl6red^t gefd&affeue 
Sage/ fi$ entfallenen, mit feinem getttb 3lngefid&t in 3fagejt$t 
$u toer^anbelu. 5Dem gelbrtf<$en ^rätenbenten warb am 2. Sluguft 
gegen ©elübbe erneuter Stellung fcerfiattet mit feiner Sanb* 
fd&aft ft<$ }u befored&en. 3 einige $age barauf foD bann bie 
Sfabienj ju ©ratoe in SRorbbrabant ftattgefunben tyaben. 4 (Sine 
§olge biefe* perf8nlt$en ©ebanfenau$tauf$eS mar bie ju Saben* 

i Äoefl&offfa> (Strömt 889, Dergl. 892; ftiftoff a. a. O. 5)ie SBor« 
flabt Don IRoermonbe bemnaä) am 16. 3uli geftürmt. 91 m 31. Ijatte er ju 
IRaafeDf eine Sufammentunft mit bem eben auS $>eutfä)lanb anlangenben 
Äurfürften Don Saufen. ©pnlatinS 9taa}Ia6 225. 

^ 9la4 fjugger (§f.) *oarb Bianca 2Raria Dom ^ringen Don Orange 
ju ber SBertoenbimg beftimmt. ©od) ift berfelbe fonft $ier red&t confuß. 
@. au$ floel&offfc$e Gljronif 892. 

3 gttaj an SBert&ofo Don 2Rainj, 1494 SBerb (offenbar Söeert nörbtid) 
Don Sttaafetot, too SRar, am 81. 3uli getoefen) SamStag naä) Petri ad vincula. 
3nnSbr. Hr$iD. 

4 So SWolinet a. a. D. mit bem nid&t gang nötigen S)atum: Gfnbe 
3foili. 9la$ einem Goncept beg toiener ftr$tDS ift ber Äönig am 6. ftuauft 
in ©raDe. 2>em Jagen&aft entfteüten Vorgang, beffen bie Simmerföe 
«fronif II, 428 3um 3afcr 1505 geben!!, liegt aller 2öa$rf<$einli($feit nad& 
unfere Begegnung ju Örunbe. Unmögliä) *ann ffarl jtoeimal baffeloe Spiel 
mit Erfolg bur$gefü$rt $aben. 



236 



ftein unter bcr Seitung be8 5ßrinjen toon Drange, ben feine 
biplomatif^e Sfliffton an 9J?aj too^l tyierbin geffityrt fatte, an* 
gewonnene SScr^anblung, an ber au<$ ©efanbte beS 6rjbif<$of& 
toon Äöln unb be$ ^erjogö toon Sotyringen 3^eil nahmen. 
SSon SBaffcnflifffianb burfte mittlerweile ni<$t bie 3lebe fein. 
SSielme^r f$eint SRay unmittelbar baranf mit feinem ÄriegS* 
toolf rtyeinabmärt« gejogen ju fein, um bie gelbrif^e ^auptpabt, 
baS feile Stymtoegen, ju fiberrumpeln. 33or beffen SRauem traf 
Äarl toon ©eibern toieber mit i$m jufammen. Sttber bie Äönig* 
Hdfjen tourben mit blutigen Äöpfen toon ben ©egnern jurü<f= 
geroiefen, felbfi ba3 ©efäüfe t onnte ni<$t ganj geborgen toerben. * 
2Ran barf toermutyen, baß biefeS -DUfetingen bie griebenSliebe 
er$ö&t fcat. 5Km 18. »ugufl 1494 fam jnrifd&en 5Wa? unb 
feinem ©o£n Sßljilipp einer*, Äarl toon ©eibern anbererfetts 
ein Kompromiß }u ©tanbe. Saut beffelben toarb bie 9te$t& 
frage jur @ntf<$eibung ber fe<$3 Äurfurfien gefteHt, bie im SRotfc 
fall ben SBif<$of toon Strasburg ate Obmann jujie^en foHten. 
Sieben Äarl foDfteu auty S3anner$erren, SRitterfc^aft unb ©täbte 
be$ ßanbeS bem ©pru<$, ber binnen eine« 3a$r$ gefällt toerben 
foHte, ©e^orfam geloben. S nr ®ürgf<$aft beffen follten bie ©täbte 
Siel, Srfelenjj, £>oe3borg unb SBageuingen, au« iebem Quartier 
eine, big jum SKuStrag in bie £änbe be3 @rjbif($of3 toon Äoln 
gefieDt merben. gälit ber ©pru<$ für Äarl au$, fo ^at er ©elbem 
unb 3ütpfyen toom 9iei$ als fielen ju empfangen; erhält ber 
Äönig 9te$t, fo ja^It er Äarl eine jä$rli<$e Slbftnbunggfiimme 
toon 6000 ©ulben. 2 



1 tfoetyofffäe Gtjronif 889; «ölolinet a. a. D. 9liif)off XX jeigt mit 
SRcd&t, bafe eine bon SpontamiS 1495 eingeföobene 9to($ri($i Jierfjer gef)drt. 
$>a8 ©efdjüfc $aiU SRar, jum £$eü bom § e W0 bon 3ülid& entließen. 
Sacomblef, Urfunbenbu* IV, Hr. 463, 6. 578. $a& jtoeifelloS 3Jlar. in 
eigen et $ er Jon bor fRoermonbe unb 9tytnn>egen gelegen, erhellt nuS bem 
iproteft ftarls bon (Selbern gegen feine Dilation borg ßnmmergcrid&t bom 
7. SRärg 1496, ebenbaf. 9tr. 471, ©. 580 (anno uno et dimidio nondum 
efiluxi8 . . . per ee ipsum temtasse). 

« Eijljoff 9lr. 112 ff. - 1494 Arnsberg 2)ien§iag nnd& Aegidii (6ep. 



237 



Aar! üon ©eibern iji nie ernfili<$ be8 2BiDen8 gcttjefen, 
bcn eigenfcänbig unterseid&neteu Vertrag ju galten. S3cn feinem 
©tanbpunft erlannte er in berufenen nur eine ÄriegSlifi, mitteljt 
beren er Qext getoann, ben bro^enben ©türm toorüberbraufen 
}u laffen. 6r tmirbe bur<$ ben SSertrag in einjltoeiligen Sefifc 
gefreut, ja fogar bie (Eroberungen toie SRiifer! mürben tym 
jurüdfgegeben. 3)er jufünftige 9te<$t3fpru$ mad&te tym um fo 
toeniger ©orge, atö bie Stimmung ber ©täbte unb be$ größeren 
2#eifö be$ Slbelä, toel$e in feiner Sßerfou ein ^Jallabium i&rer 
ttnab&ängigleit ctblidtcn, bur<$au8 für i$n unb ttribet bie 
SJurgunber tüar. £>ie lefcteren unD ber römifd^e Äönig tjoran 
Ratten fi<$ ba^er nt$t lange be$ „ua$ feinem ©efaKen" 1 be* 
fc^Ioffcncn SfitöfommenS ju erfreuen. 3)er £aber bradfj aufs neue 
au$, e^e no<$ ba3 Satyr um toar. Seibe Steile toarfen jicty 
toertrag&Dibrige ©etoaltttyat bor. ®er Äönig llagte bereits am 
19. 2>ecember über Umtriebe gegen 2lu3fü&rung be3 ©efctyloffenen : 
bie ©elbrer befeuerten fi$ über bie Unbilben, toelctye bie Äönig« 
lityn in ber SBetutoe üon bem toerfragSroibrig fejtgetyaltenen 
Sfiijferf aus berübten. 2 ®o<$ ber eigentüd&e ©runb tag tiefer. 
Äarl tyatte an bem unruhigen Parteigänger gran!rei<§8 Stöbert 
Don ber SRarl, $errn toou ©eban, eine neue ©tüfce gefunben. 
S)er tyefcte arglifiig ben nur ju bereitwilligen ^erjog jum er? 
neuten 9lbfaH, um bem Äönig, Xoxe biefer behauptete, 3 bie J&ülfe 

iemoer 2) meldet ^ermann toon ßöln bem tfönig, baf$ et 5Beboflmä($tigte 
3um Empfang ber biet 6täbte nat§ Remagen gejenbet. 3nn§br. 9lrd&ib. %m 
15. September entbinbet it)n ber Äönig jeber SBeranttoortHd&feit für ettoaige 
Unfälle toär)renb biefer feiner SBern>ar)rung. ßacomblet 9fr. 464. 

i SRar, an ©igmunb bon Xirol am 17. Sluguft (öon ßrauS, flftar,' 
Regierungen ju ©igmunb 6. 54). Bon, Lonorable et proufitable pour nous 
nennt er ben SSertrag in feiner ?Red)tfertigung an bie nieberlänbijc^en (Seneral* 
floaten oon 1499, bei ©adjarb U, 96. 

» ftij&oTT XXIII, f. Urfunben s Jfr. 119. $er fceTjog jog im 2Rära 1495 
felbjt gegen Wjferf unb nar)m e§ ein. 

3 »JJJaj an 3ot)ann öon ßleoe, 1496 ^Bergen op 3oom 6am§tag nacr) 
<£rr;arb§tag (3onuor 10). ^üffelb. %rd)iu. Xiejeite 9?ejdnilbtgung gegen 
Stöbert Don ber 9Rarf tt)ieberr)olt Wa| 1499 in ber oben citirten $ttd)i* 
fertigunr. ®a4nrb 95 unb 99. 



238 



atö ben -Wieberlanben für feine j[e|t antifranjöjtf^e SßoKlif ab: 
jufiriden. Qu be$ ^etjogö 3tat& ttrirb fein be^enber Äanjler 
£üman ©Ie$t afö Urheber aQ biefer „6<$altyeit unb Untreue 
gegen 2Raj " genannt 1 8 U Statten tarn bem attejeit tyänbel* 
froren £er jog ber gleidfoeittge 3hi8bru<$ t>on Unruhen im 83iö* 
t&um Sättig, too SRontfort ein 6<$lu}>fttrin!el enifäloffener ®e* 
fetten toar. 5Die gäben fott au<$ $ier Stöbert toon ber 3Rarf 
in ber $anb gehabt $aben. ©er 2Bteberau8bru<$ be£ Äampfe* 
jtoang 2Ray jur Verlängerung feinet nieberlänbif^en Stufend 
$alt$, toeranlajjte tyn auf bie beabfid&tigte Krönung ber Königin 
in Stoßen ju &erji$ten, \a legte i&m au<$ unter biefent @e-- 
fi<$tspunft ben @ebanten naty, ben na$ SBorm« berufenen 
3tei$Stag naö) Jtfiln ju verlegen. 2 5Der Äönig bewarb ft$ um 
£itffe im 9tei$, befonber* bringenb lag er bie benachbarten 
gürfien toon 3üli<$ unb Äletoe an. 3 gunäd&fl f am ** nur 8^ 
einer unbarm^erjigen SSertoüfhmgSfetybe toon beiben ©etten, too* 
bei na$ unb nac$ baS ?ömgli$e Sntereffe ju furj fam. ©er 
83erfu<§ SRa? imilianS, feinem ©o&n bei beffen 2Rfinbtgfpre<$ung 
bie gelbrif^e grage gelöfi ju übertoeifen, tt>ar mißlungen. $)ie 
Stec&tSfrage fottte nun auf bem beborfle&enben SReid^Stag jur 
(Erörterung fommeiu 3n ©eibern rüfiete man ft<$ ju biefem 



1 <£aftuS fcacquenaJD an SWar,, 1495 fllebe 19. 3uni. 3nn8br. Hrd&ib. 
S)erfelbe mar aud) notier bie Seele ber @efanbtf<$aft nocf) 3Borm8. 

2 £ie $arfteflung folgt ber ausführlichen Erörterung, toel$e ber 6. 237 
Hrnn. 8 ciiirten 3nflruction 3Rar,imiiian8 an Älebe beiüegt. Huffaflenb ijt 
barirt bie SBe^auptung, (Seibern $&tU im ^radat gugefagt, mit (Selb öetfefcen, 
nad^ granlreid) toftyrenb beS Ijangenben SßroceffeS ju gefcen, um bort feine 
(Srtebigung aus ber (Sefangenföaft (b. $. bie HuSlöfung beS für i$n Der* 
geifelten ©rafen SBern^arb bon SHoerS) gu betreiben. 

3 gn bem citirten Schreiben »erben bon ßtebe fofort 200 ju SRofc 
unb 300 au gu& berlangt. @$on bor^er ^attt SMar, mit fllcbe unb 3üli<$ 
um ©arfhredfong einer ©elbjumme gur Kriegführung in Selbem berfanbelt. 
SWaj an ßlebe fjfreitag na$ S)reit5nige (Januar U); 2Btlt). Don 3üü$ an 
Sodann bon Hiebe Donnerstag na$ 2Jlattr)ia§ (gebruar 26). $ergl. au^ Sa* 

j comblet IV, 9fr. 465 unb über bie 8e$be 3Wolinet 6. 7 unb 9Hftoff din* 

leitung XXXIII. 



239 



juribifd&en gelbgug na$ Gräften: ber ^erjog befeuerte aud) 
jefct 110$ be8 furfürjlli^en 3te$tSft>ru<$$ getoärttg ju fein. 1 
@r &atte feine Sadje in ber St^at auf anbete ©runblage ge* 
fieHt, aber e£ toar fing, ft$ nu$t offen in£ Unreal ju fefcen. 
@£ toar unumgänglich ben Sufammenfymg biefer SSorgänge 
fo toeit }u verfolgen. SDöir verfefcen nn$ jurild in bie geü, 
in toeld&er ber Äönig att* bem 3tei<$ fcerabjie&enb juerft nieber* 
Iaubif<$en ©oben betrat. 63 galt, bem £rieb be« nieberl&nbif^en 
SotfS ua<$fommenb, ben fünfje&njäfcrigen 6r#erjog Sß&iliw au* 
ber &ormunbf$aft ju entladen unb baburd? juglei<$ felber ji<$ 
bie ^änbe für anbereS %fyun frei ju matyn. 2Ray tuar trofe 
me$rfa<$er 3 u f a 8 en feit 1489 ni$t toteber in* ßanb geiommen. 
6r ttmfcte, ba& er ungeliebt bafelbji mar: toenigfienS bie großen 
Häupter, fetbfl lüftem na<$ bem Regiment über ben no<$ lenfc 
famen fianbeS^errn, jianben i$m von je abtoeifenb, ja feinb* 
feiig gegenüber. SXufeer ber Politiken Sftotytoenbigfeit führte 
tyn bie3mal au<$ fein £erj na$ ben Sttieberlanben. ©oute er bo<§ 
ju 3Raajlri$t fein reijenb erblühtes $ö$terlein umarmen, je|t 
juerft feit ber ©<$ma$, bie tym in i&rer Sßerfon toiberfa^ren, 
ja juerfi feit bie @igentna$t ber glanbrer fie 1 482 tym geraubt. 
2)a& äußere @inverne&men jtoif^en bem ©ef^totflerpaar unb 
ber fönigltc^en Stiefmutter , bie je|t erft i£re S3efanntf$aft 
ma$te, lief ni$i$ }u toünf$en übrig. 31m 21. Stuguft ver- 
einte fi<$, vom gelbrif<$en Ärieg3f$aupla|j jurfidgefe&rt, SRaji* 
milian }u 3Re<$eln aufs neue mit ben ©einen, 2 bie ft$ inbeffen 
bie geit naä) ftraften mit aKer^aub Sufibarfeiten vertrieben 
Ratten. 5Der Äönig felbp gönnte ft<$ jefct mit vollem ©exogen 
ben ©euufe ber rauf^enben gefUid&feiten, bur$ n>el$e bie nieber* 
Iänbifd&en ^rovinjen ber Steige na<$ tyrer greube über ben 
^Regierungsantritt be£ angeflammten $errn Stuäbrucf gaben. 
SRirgenbä verjlanb man bamafö beffer bergletd&en Arrangements 

1 ffatl an 3o$awt bon ßleüe, 1495 ^m^eim Montag (?) na<$ Valen- 

2 epalatinS Watyab 228. 



240 



prächtig unD mit etyt fünfUerif<$em ©eift in ©cene ju fefcen, 
ate in ben Stieberlanben. Ratten biefelben and) eine trübe, 
materiell ungünjiige Qeit hinter ft<$, 1 fo burfte bo<$ bei fol^er 
©elegen^eit ni<J)t$ gefpart werben. 3m September unb Dcto* 
ber 1494 reifte ft<$ fo geft an gefl, bi8 ber junge 6r$erjog 
unter 33eftätigung aller ber Privilegien, bie beim SCob Aarid 
be3 ßü&nen befianben, bie ^errfd^aft in allen feinen Sanben 
angetreten $atte. SMe Hoffnung auf bejfere Qütm übte eine 
befiriefeube SBirfung auf bie ©emittier: unerhört genug in 
biefen ©ebieten toar e$, bafj bie SRegierungSveränberung in 
t>ottfter Harmonie Vor fi<$ ging. SDtit gug burfte be8 ÄönigS 
©eueratflatt^alter, ber getreue 2Hbre<$t von Saufen, jefct, 
fein ©elöbnife für gelöfl betrad&tenb, ben JBart feieren laffen, 
ben er getragen, folange er gegen ben £rofc ber nieber* 
länbif djen Sßrovinjen ju ringen $atte. 2 S)er Äönig 3Ra? ging, 
tt>a3 aud& nieberlänbif<$e ©cribenten alter unb neuer Seit 
f<$eltenb auäfefcen mögen, ärmer auä bem Sanb, aU er Einern* 
gebogen. SBäljrenb bie 9lüdfero6erung ber feit 1482 eingebüßten 
©ebietstyeüe ju einem guten S^cil auf Soften feinet Seutetö 
unb feines f$toer leibenben ©rebitä von Statten gegangen ttar, 
behielt er jt<$ je$t, obtoo^l er baju berechtigt ju fein glaubte, s 
feinen Pfennig aus ben ©infünften vor, SBenn er fi<$ bem« 
na<$ ganj unb gar von bem ©etriebe burgunbif^er Sßoiitif 
jurüdEjog, toar er bo<§ nid&t gemeint, bie Sanbe fo toeit jidfr 
felbfl ju überlaffen, baß tyre Sßoüti! füuftig im ©egenfafc jum 
$ab3burgif$en ©efammtintereffe, toelc^eä fi<§ mit feiner 3tei<$3* 
poiitif bedte, foUte geleitet merben fönnen. @r fud&te ben 
nur ju biegfamen ©eift feines €o£ne$ bur<§ bie Stammen* 
fefcung feines £offtaatS, bis jum 2Jtar|iaH tyerab, ju fäüfcen 
gegen ba8 erbrüdtenbe llebergenncbt burgunbifd^er @eft<$Wpun!te 



1 2Benjel6urger: &e\$\$U ber Stiebcrlonbe I, 399 f. 

2 Rathalter de meritis Alberti (Mencke Script rer. Germ. 11,2121). 

3 Scnfförift nn bie Stänbe öon 1499. ©ad&arb II, 96. 



241 



unb Sßerfonen. * Gfo $at ba«, jum S^eil ft<$er toegen bcr 
yerfönli<$en Unbeliebtheit be8 ÄßnigS innerhalb ber nieber* 
länbifd&en Striflolratie, nid&t jum Siel geführt. SRfi$tig matten 
Dor allem bie fo lange jurfldgebrfingten ßanbesintereffen jt<§ 
geltenb. £rofc be3, toie nrir fe^en toerben, no<$ länger ftarl 
gekannten 3Ser$filtniffe$ SWajimilianS ju ßnglanb, $at bie 
§erfielfong ton §anbelSbejietyungen jtotfd&en Snglanb unb 
SRieberfanb bo$ alsbalb ins Sfage gefaßt toerben miiffen. 8Cm 
24. gebruar 1496 fam enbli$, mit 3ubel begrüßt, ber magnus 
intercursus ju ©taube. 2 §attt in biefer SebenSfrage bie Stfidt* 
ftd^t auf ben Sater anfangs fd&toeigen muffen, fo gelangten in 
einer rein b^naflifd^en grage feine fcenbenjen ju um fo glänjen* 
berem 6ieg. 6eit Qa^ren $atte 3Ray na<$ einer gamtlien» 
toerbinbung filr^ilipp fid^ umgefe^en; 3 jefct bot ft<$ eine Partie, 
beren ^räd^tige 3fo8fu$ten freili$ in ber Seife ni<$t toorau& 
gefetyen werben lonnten. 5Ri<$t ber ©ebanfe einer (Sr&eiratyung 
ber fyanif<$en Ärone, fonbem be$ genteinfamen 3 u f ammen* 
fte$en3 gegen bie ft$ me^renben ttebergriffe fjfranfrei<$§, $atte 
frityeftenS feit @nbe 1491 ben $lan reifen laffen, 4 ben ©rj^erjog 
$$ilipp ju Dermalen mit einer ber Softer be$ fpanifd^en 
Ä6nig8paar3. SBann unb auf toeld&er Seite juerfi biefe Sbfi$t 
bur<$ bie toettere ergänjt tfi, 3Jtayimilian$ Softer SRargaretye 
mit bem fi>anif<$en S^ronerben, bem Infanten 2)on 3nan, ju 

i Gftnel 687 ff-, bejonber* 540 unb 642, unbatirt aber unjtoetfetyaft 
bei biefer Gelegenheit abgefafci. 

2 S4ang a. a. O. 18. 

8 9hn 11. October 1491 mar eine borlfiufige #eirat$Sberebung ab* 
gefäloflen gmif^en $$iliw> unb <5l8bei$, Softer @eorg8 Don »aiern. ßid&» 
nonrtfy VIII, Äeg. 1681 unb ba8 oben citirte 3a$rbu<$ ber funftyijtor. 
Sammlungen I, £$eil 2, Heg. 179. 

* SBenn HnSfytm II, 71 babon ju biefem 3afjr berietet, fo finbet 
baS inbirect Betätigung bura) ein ^IcienftüdE gang au8 bem Anfang beS 
folgenben 3a(reS. 3n einer Delation über bie SB erbung beS §errn Cornelius 
Don $erg( an ben #erjog bon Sülid) (eiiend SflarjmiKanS bom 17. gebr. 1492 
totrb biefer $eirai$ als einer befäloflenen Sad?e gebaä)t. ©üffelb. Sfra)ib. 
Sergl. borige 9nmerlung. 

Ulm an n, ftaifre SHajlmilian. 1. 16 



242 



betbinben, toeifj i<$' ni$t. i SSir erinnern un3, ba§ erft im 
Sunt 1493 3Rargaret$e$ Auslieferung ftottgefunben nnb bafe 
tyr Sater fte atebalb bem Äbnig toon Ungarn jugebafy fatte. 
äBo$l erfl feit bem £ob be3 alten ftaiferS tirirb bie SSerbaub* 
Iung fomit in rareren ging geraten fein, ©i<$er toaren im 
grübjabr 1494 bie contra^irenben Parteien einig. 2>a3 ßinber* 
nife lag an bem @infpru<$, ju bem toertragämäßig ber Äönig Don 
grantrei<$ gegenüber Spanien berechtigt mar. ®er Vertrag t>on 
Barcelona toom 19. Januar 1493 toerbot ben fpaniföen $err= 
f$ern bie SSerbeiratbnng tyrer Äinber in bie Käufer be3 Äörng* 
ber Stömer nnb be$ Äönig8 toon Snglanb ober anbetet erflärter 
getnbe be$ Äßnig« toon gran!rei$ ofcne beffen ©nhrifligung. * 
©o jog ft<$ bie ©a$e bin, bis bie Söeubung ber europäiföen 3ht* 
gelegensten Spanien feit Anfang 1495 in ben gegen Äarl VIII. 
ft$ bilbenben 95unb trieb. Unmittelbar t>or$er toar ein lieber* 
einfommen toegen ber S)oppelbeiratb bur$ ben fpanifd&en @e-- 
fanbten in 2>entf$lanb, Francisco be 8toja3, abgesoffen 
toorben. ©eibetfettfi fcatte man auf eine SKitgift *>erjt<$tet. 
S)o$ tauften neue gtoeifel auf. S)ie fpanifd&erfettS geftünföte 
SSoUjie^ung bed hoppelten @bef<$lujfe«, bor ber perfönli$en 
gufammengebnng ber Sßaare, per verba de praesenti foQ bei 
2Rayimtlian auf 2Biberfprn<$ geflogen fein. 3 S)er lei<$tjmmge 
aBanlelntttty be« ßönigS, mit bem ber fpanif$e ^iflorifer biefe 
Steigerung erflären ttnll, ma$t bie ©a$e nnr bunfler. 
SBtelleidfrt bielt eine Art Aberglaube ben Sater ab, abermals auf 
eine gorm ji<$ einjulaffen, bie toeber tym no<$ feiner Softer 
©egen gebraut S)enno$ ttmrben bie Anfiänbe befeitigt. Am 

1 Äid&t* anzufangen xft mit bem ©eridjt be§ florcnttmfdjen (Sefanbten 
au§ Neapel 1492 %lpril 7, wonaä} #arl VIII. bie nod) in feinet ©enwlt 
befinblidje $rinjeffin an $on 3uan tyttte Dermalen tootfen, um fte, ftatt ber 
ftudgabe ifcreB $eirat(8gute8 , mit Äoufftflon unb ttetbaane auSjuftatien. 
5>e8iatbinS I, 433. 

2 Da Mont, Corps dipl. III, 2, 6. 296. Ueber 8franfreia}8 «inforudfr 
f. 3urita Statt 41. 

3 Surita SBlatt 63. 



243 



5. SÄo&ember 1495 fanb in SRed&eln bnr<$ ben fyanif$en SBetooH* 
m&djjttgten granctSco be 3fa>ia3 bie ©cpefeung be$ (StyetoertragS 
jtatt 1 3lu$ biefer 3lct braute leine atebalbige S3eränberung in 
ber 2eben$$altung bet Sßaare mit ft<$. @rft am 32. Sfaguji 1496 
toerliefs bie 3^f a ntin 3uana bie ftamf$e #eimat, um }U SCnt* 
toerpen am 21. October 1496 bem ©rj^erjog ^^ilipp bie $anb 
}u teilen. 3m gebruar 1497 bra<$ fobann bie nunmehr üoO> 
erblühte 2 Sßrin jeffin SKargaretye ton Slief fingen in ©eelanb 
auf, um an Starb ber fpanifc^cn glotte, meiere i$re junge 
©<$n?ägerin na# ben SRteberlanben gebraut, bie fja^rt na<$ 
ber neuen $eimat anjutreten. @8 iß befannt, nrie £obe& 
notb me$r ate einmal auf biefer Steife an bie mutige junge 
S)ame herantrat; fie geriet^, tote mit gleichmütigem jpumor 
ifcre felbjigebi^tete ®rabf$rift $ert?or$ebt, in @efa$r, obwohl 
eben jum jtoeüenmal toermä&lt, benno<$ aU Jungfrau ju flerben. 
Onblüfe betrat fie, Dom Sturm fcerf plagen, in ©antanber an 
ber a|hmf<$en ftüfte im äRärj be« 3a$r$ foanifc&en »oben. 
3n Stegnofa fanb bie Begegnung mit SBräutigam unb ©<$ttrieger* 
bater, in 83urgo$ am Sßalmfonntag bie feierliche 9Jermä$lung 
jiatt 3 ©3 ift toie eine SBora^mmg, fcon toeld^er getrieben SWaj i* 
mtlian aus biefer SSerbtnbnng toenigflenS baS 9te<$t be3 fönig« 
liefen S)iabemS für feine Softer, bie beffen f$on einmal Der- 
lufitg gegangen, retten tooHte, toenn er ben 3Sorf$lag feftge^alten 

i 9la$ 3urito SBt 78 bie beiber $aare, na<$ «Diolinet 54 nur bie 
5Rargaret$e8 mit $>on 3uan. Hm 20. Wobember 1495 fort($i aus EBormS 
8ert§olb öon SRainj bem SRojaS feine fjfreube barüber au§. SBtener Hrd&iü. 
S)er (g&etoertrag fDtargaretyeS mit $)on 3uan fear föon am 22. Muguft ge» 
föloffen, u><tyrenb man über bie ©fje ^iltyps noa} unter^anbelte. 99er. ber 
oenet Qefanbten nad) beS ÄönigS j>erfönlia)er *Dcittyeilung bei ftarobon 
$ronm I, 9fr. 653. 

2 Ueber ben (Sinbrud tyrer 6djönf)eü auf tyren jungen Satten bergt, 
bie $ier nta)i miityeilbaren Gonfibenjcn beS $etru8 Wärter (epistolarum 
opus 9tr. 177) an ben Sarbinal 6. CkuciS. 

3 3urita Dt 118; SRolinet 67 ff. Ueber bie ©rabförift, beren öufcere 
Beglaubigung übrigens ni<$t bie befie ifi, f. Noticee et extraite des manu- 
scripta de la bibliotheque de Bourgogne par Reiffenberg I, 121. 



244 



$atte, bem ©ema^l feiner Softer ben £itel etne$ Äönigfc t>on 
©ranaba ober Seon ju beriefen. * 2)enn na<$ ganj lurjer ©$e, 
fdjjon am 4. Dctober beffelben Sa^re* 1497, toar ber Snfant 
S)on 3>uan eine 2ei<$e. ©eine iugenbfro^e §rau war eine 
SBitttoe, ber nid^t einmal ber £rofi blieb, in einem lebensfähigen 
Äinb 2 baS ©benbilb be$ 93ater$ lieben ju bürfen. fortan fianb 
nur no<$ eine ältere ©$rcefler jtoifd&en ber ©ematylin ßr$erjog 
SßtyilippS nnb bem %tyon ber foanif<$en 8lei$e, bie eben 
SolumbuS fcerboppelt £atte. 

©er SBerjtd&t auf bie unmittelbare SBertoaltung ber SRieber* 
lanbe fyattt be* ÄöntgS aufgäbe erlebtem, ni$t feine Stellung 
f^roädjen foflen. Slber gerabe lefctereS trat ein. 2>ie getroffenen 
©autelen toaren ni<$t toirff am genug , bem untmberfte^li<$ fic^ 
geltenb mad&enben ©onberintereffe ber ©rofcen tote ber Sanbe 
felbji ben Sßiberpart ju galten. 3Benn SRay au<$ in bem av& 
14 Sßerfoneu jufammengefeftten 9tat$ bie Seitung bem ©rafen 
(Engelbert tion SWaffau anvertraut $atte, fonnte er bo# nidfrt 
binbern, baß ber überhnegenbe ©inffofj in ben &änben SBityelmS 
uon (Srotj, §errn Don ®&töfcre3 ru^te, neben bem in glei$ beutf<$* 
feinblid^em ©inne Sß^iltypS früherer Se^rer granj von SuSletyben, 
Sßropft t>on Sütti$, ft<$ rührig geltenb mad^te. 3 Sei ben Ser* 
fud^eu ber neuen Regierung, jid& einjurid&ten, ging e$ ni<$t otyue 
empftnblitye 6töfce mit ben §auptträgern ber feityerigen SPolitil 
ab. 33efonber£ bie beutfd&e Ärieg$ma$t im Saube, bie fog. 
©arbe be3 ÄönigS, xoat ben neuen 3Wa<$t$abern ein S)om im 
Sluge. 6i$er toon tyrem ©tanbpunft ber particularen 3Bo$l* 
faljrt ni<$t o^ne ©runb. ©elbjt wenn, toaS feineÄtoegä fietS 

l Gfjmel 6. 132. 

* Olivier de la Marche (Petitot) S. 476. Sie blieb djrentooH be* 
banbelt in Spanien bis 1499. Km 14. September 1499 ertlärte SRar. fty 
eintoerftanben mit bem SBunfö feiner $od>ter f>eim!ef)ren gu bürfen. ftnjeiger' 
für ffunbe beutföer »orjcii 1835 6. 2S8. ©ergl. über tyren «ufentyitt 
in Spanien 3urita «L 128 u. 169. 

» Gtjmel 541. Ueber GfjieüreS bergt. Henne: Histoire de Charles V 
en Belgique I, 22, bergt. 96. Ueber StaSle^bcn f. Kapitel S. 



245 



ber %aU tt>ar, gute SHScitfin ge&anbfcabt mürbe, je^rten biefe 
ungeberbigen unb anforud&SfcoHen ©efetten bo<$ am 3JtarI be$ 
SanbeS. 9hir ju ttriffig mar man ju bergeffen, ba§ biefe SanbS* 
Inerte mit intern 33Iut ben au£ ben gugen gefcenben 3ufammen^ 
$ang ber vereinten Sßrotnnjen fcergeflellt Ratten. Snbem man 
mit bittctfcöfer Lanier, öfters na<$ langem ©rüden, bie SRittel 
jur Seja^lung btefeS fremben jttieg&bolfä aufgebraßt &atte, 
glaubte man ebenfo lurjfid&tig tüie unbanfbar mit tarnen fertig 
ju fein. i 3n eigentümlicher Sage mar ber toerbienjlbolle $er jog 
Don 6a$fen, ber feiner abmhtijtrattocn SSoOmaßten entlebigt 
als ©eneral biefer föniglid&en Gruppen no<$ im Sanbe fianb. 
Unb nid^t nur atö fol<$er: aU ma^nenber ©laubiger mar er 
Stelföeibe be$ fcom Slerger gefiad&elten SBifceS biefer felbfc 
jufriebenen Sßarticulariften. S)ie i&m t>on SRay unb ^tyiliW 
geföulbeten, junt guten S^eil für 6olb unb Gr$altung ber 
Xxuppen »orgef $ offenen Summen Karen bei be£ ÄonigS gemofcn* 
$eitSmfi§iger ©elbtoerlegen&ett nie getilgt morben. ©er ^erjog 
baue gebeten, gemannt, gebrobt. 6r fcatte e$ ^ö$jien$ jur 
2U>re$nung unb ßa^lung&jufage gebraut, bie aber nie eingelöfi 
mürbe. 3Rayimiltan mar aufjerorbentU<$ erftnberifß immer 
neue 3Bege auSjufiunen, an beren @nbe in beftimmter gorm 
bie öeiriebigung biefer fä$ftf<$en gorberungen ju erblicfen mar. 
2Bie in anbern fallen begegnete e$ aber hierbei, bafc Sin« 
toetfungen erfolgten auf Äaffen, beren ßinfünfte längfl für anberc 
groede angemiefen maren. Ober bie ausfielen, meiere traft 
ber rei$$obrig!eitIt$en Stellung 2Rayimilian$ eröffnet mürben, 

i ©IeidJ ben 39e$örben benahmen ft$ bie Regierten, tote ber ni$t lange 
t»or bc§ ÄönigS Hnfunft in SBrüffel fettend ber Bürger gegen ben ^erjog 
r>on <Sö($jen berfud&ic (Sewaltact jeigt gugget (§f.). (Sang irrig berlegt 
ber Serfaffer ber ®eft$id&fen unb Saaten Sd&aumburgS biefe Vorgänge ^ int et 
ben groften toormfer $et$Stag, 6nbe 1495, wo ber ßönig, ber für feinen 
gelb^erm ben SBrüfflern gegenüber eintrat, gar nid)t in ben 9lieberlanben 
getoefen tft (160 f.). Xrotjbem bient fein fad&Ut^er $eri<$t StoßÖ** gur 9Be» 
ftfitiaung; faaS Strafbecret brauet übrigens feineStoegS in ©rüffel felbft er« 
gangen gu fein. 



246 



fließen auf unbeftegbaren 2Biberfpru<$ ber 9tä$ftbet$eiligten, 
ttrie ber Sßlan, einen ber ©ityne Sllbred&tS jum Soabjutor Don 
SMrjburg ju ergeben. 1 <£ubli$ im SRoüember 1494 tarn es 
unter Vermittlung be$ @rjbif<$of$ öon SRainj u. a. jtt>if$en 
SRa? unb iß^ifipp einer« unb SUbred^t anbererfeits ju einem 
»ertrag. 5Dic auf 301,928 r&ein. ©ulben fefigefefcte ©d&ulb* 
fumme foDte in Waten abgetragen toerben, bergejialt, baß SRaj 
unb feine 9ta<$fommen au« ben ©inlitnfteu £oKanb$ unb grieS* 
lanbS idt?rUd) an »lbre$t 50,000 ©ulben jaulen foHten. 3ur 
©i<$erung mirb beftimmt, baß bie ©inne^mer fd&toßren f ollen, 
bie jur ©<$ulbentilgung angettnefenen @rträge niemanb anberS 
als 9Ubre$t ober beffen SBebottmäd&tigten au$}u$änbigett Süßer« 
bem behält ber ^crjog bis jur gänjltd&en Abtragung, alfo auf 
fe<$£ Qa^re, aU Sßfanb befiimmte Orte in ben -Jlteberlauben 
inne, nämli<$ äBoerben, ©eerüliet, 3Rebemblil, §aaxlem mit 
ber üon 2Ubre$t felbfi erbauten ©ad&fenburg, ffimmtlid& in 
£oHanb, ferner ba$ ©<$loß ©enappe in Srabant. SKQe anbem 
Sßläfce in fä$fif<$en ^änben werben Sr^erjog ^ilipp jurfidfe 
gejlellt, fobalb 10,000 ©ulben abgejagt fwb. 2 SBir toerben 
fe^en, baß bis naä) bem ©d&luß bed toormfer Steid&StagS toeber 
ein Pfennig gejault, noö) fonfl ein Anfang mit ber 8fo3ftt$rung 
be£ 2lbfommen$ gemalt mar. ^m ©egent^eil fd&ärfte man ben 
Gonflict, inbem bie nieberlänbifd&e Regierung bei 2Ubre<$t in 
unfreunbütyfier SBeife bie S3ef$merbe er^ob, meldte jebes ©runb* 
ermangelte, 3 ber ßerjog ^ätte feinblid&ertoeife Stetfige unb 
Anette in bie er}$erjogli$en Sanbe gefenbet SRan griff, 
ba ©etoalt unmöglich mar, ju bem braftifd&en 2ßittel, ben §erjog 
bur<$ £ebenSmütelfoerre jur Aufgabe . feiner Sßfanbfdfrlöffer §u 

i tRar, an 2Ubre<$i 1492 Dctober 22. $ur$ eine Goflecttobotföaft 
be8 flaiferfi unb ber Surften an ben $aj>fi faßte eS bur<$gefe# toerben. 
2)re8b. %r$\\>. fßtxal. ßiiieneron, SolfSlieber II, 329 ff. unb C&mel 6. 66. 

* 1494 ^nhoer^en 30. ftoüember ; als $ran§|umj>t abgebnuft in einem 
TOalnibrief 7llbred?t§ an alle ftönige, töetd&Sfürften u. f. to. $re8b. «rd&io. 

3 9Ubre$t an erjfjerjog Wl*W 1495 WIuoAe (in Trabant) Sonntag 
Quasimodog. (ttprü 26). 2)re§o. ^Irc^iü. 



247 



jttringen. ©etoif? ein eigent&fimlt<$er 2Beg, einen Vertrag ju 
umgeben, ben gu erfüllen man nid^t SBillenS i|i. SBir erfahren 
bie 2$atfa$e gegen @nbe 1495 bon Störest felbft, tt>eid>er 
aufs bringenbfte ben Äßnig bor bem in bem Utafy feines ©o£ne$ 
fcerrfd&enben f<$le<$ten ©eifi toarute. S)ie Ferren int Regiment 
gäben ni<$tS auf be« Äönig* »efe&I, fonbern jeber badete an 
feinen 9hiffen. SBenn SRay ferner in biefen ßanben ettoaS gelten 
tootte, mäffe er feinen ©o&n in feine £änbe bringen. 6$n>er* 
liä) merbe, trofc ber 93eteitmiHigfeit 9tyift:p}>$ ju feinem SSater 
ju reifen, ba3 gegen bie Umgebung bur$gefe$t werben fönnen, 
wenn jener ni$t fe$r ernfUi$ aufträte. i 3llbre<$t fcatte nur ju 
Stecht: fcäfcrenb ft<$ bie ßiga bon SSenebig bilbete, jlanb ber 
t>on Srop gegängelte (Srjtyerjog im beflen @inberne$men mit 
§ranfrei<$. 2 6$ entfpra<$ biefe Sßolitil bem ausgeflogenen 
3hi&ebebflrfnifj be$ ßanbe* ; aber ba fte ni$t begleitet toar *>on 
einer Äraftenttoidflung, bie §ranlrei<$ ju Opfern für bie burgun* 
bifäe SReutratität, j. SB. tnnftdjtttd? ber Unterftüfcung Äarl* t>on 
©eibern, beftimmt fcätte, n>ar fie au$ im fpecieü uieberlänbiföen 
^ntereffe ein ge&ler. SMe \>etpa$te ©elegen^eit lehrte fo balb 
ui<$t jurfldf. ©3 toaren, toie gef agt, bie großen gamilien be$ Sanb* 
abels, bie Hemlidj bie ®rof$en jaulten, meldte bem Sanb bie 
#eereSenttt)i(flung unter SWay gefoflet $atte. SRur geregt ift 
e$, ba$ auäbritcf Ii<$ ju betonen : biefe Ferren gaben an främer* 
fcafter ©efmnung ben jiäbtif<$en (Segnern ber Dränier ni$t£ na<$. 
Unb no$ toaren bie in allen Xonarten gefallenen Änegö* 

i Blbred&t an War. 1496 SHtborbe Wontag Andreae (30. 9tot>ember). 
3im8br. Htd&fo. EIS gutgefinnte 9tot$8glieber nennt er Wli^ bon Waben* 
flein (ber als greunb wie als g*ürt> flets ^utoerläfftg erfd&etnt) , ben tßrinjen 
bon (Etyimab unb ben SBaflarb SBaubuin t>on SBourgogne. $)a8 ^atffi^Itd^e 
in BlbretyS »rief beftätigt bura) baS Schreiben eines f5mgli<$en Agenten 
*. (?) ©orgia an Was, 1496 SBrüffet 7. War*. Wiener 2lr<$tb. 25er 
€<&reibcr tabelt jeboä) Was' SBerfuä), ben ^ro^ft bon Süttia) gu berbrängen. 

2 1495 gebr. 22. 3nftruciion beS ^ra^erjogS für fl. be Söaubrtyont 
an Was. Sötenet Nrd&ib. SJergl. Wolinet 55. Wan begnügte fld& mit einigen 
0rengbertä)tigungen in HrtoiS. 



248 



mannet beS ÄönigS gar nifyt einmal entbe$rli$. $a« Qafcr 
1495 gab ilpnen an allen ßnben ju tfcun. 5E>a& no<$ toot 89e* 
ginn beä neuen 3a$re8 ber gelbrifd&e Ärieg toieber ausgebrochen 
tt)ar unb ft<$ nun jahrelang o&ne grofce 6ntf<$eibung $injog, 
iji f<$on ertoäfttt Sorben. 2Bä$renb ber gajlenjeit 1495 klugen 
ji<$ fcier bie 2anb$Ine$te mit ben Sanbeintoo^nern $emm bei 
toed&felubem Erfolge. 1 @<$on toorfcer Ratten bie £anb«fne$te 
tt)elf$er ßunge aeittueife Tongern im SBiStyum ßfittt<$ befefct, 
um ben 83if<$of }u fingen, fie ju bejahen, ba ber Äönig fie 
mit tyrer Slfynung auf ben 9tei$Sanf$lag be$ 2Jif#of$ toou 
ben Sagen ju Nürnberg, granffurt unb flobleuj augetoiefeu ^atte. 
S)iefer bur<$ eine begreifliche Untoittfä^ugfeit herbeigeführte 
3ftrif<$enfaD f$ob bie toon SRay befohlene gerftörung ber Staub* 
fd^löffer im £fitti$f$en in bie gerne, ba ber Sifc^of |e|t mit 
bem ©eftnbel gegen bie toelf $e #orbe gemein fame 6a<$e ma<$te. 2 
(Srfi im Slugufi be« 3a$re* gelang e$ ben vereinten an- 
firengungen be£ 6r$erjog$ unb äBityelmS bon 3üli$, baS 
Staubnefi SKontfort }u nehmen unb ju jerfiören. 3 SMe* roarb 
erteilt, inbem glet<$jetttg ber geheime ©$ürer all biefed #aber$, 
ber (Eber ber Sttrbennen, Stöbert toon ber 2Rarf, in feiner eigenen 
$<tyle aufgefaßt tourbe. 2Rarlgraf S^rifiopfc fcon Saben, feit 
1488 ©out) erneut toon ßuyemburg, )og ettra 3000 SRann jus 
fammen / eroberte ©ouittou unb jtoang @nbe Slugufi ben $errn 
toon ber SRarf in ©ebau }u capituliren. 4 9lun enbli$ toarb 



i 9Rolinet V, 7 unb bie «ngoben bei Hifloff Gint. XXIII u. XXVI. 

» 6o 2Ra$ in feiner Snftruction an ©ityelm ton 3üli<$ am 10. 3a* 
nuar 1495, {. oben. 3n 2titiid& na$m man bem Äönig bie 6a<$e getoalrtg 
Übel. Gnbe Januar 1495 räumte bie darbe bie Stabt auf ©runb eines 
$3erirag8. Joh. de Los chronicon ed. Ram 111. 

3 3. be SoS o. q. D.; Äoetyoffföe (E&ronit 896. 

4 SRolinet V, 42 ff. ; 3. be ßoS 112. SBarum ber Serfaffer ber 6!ij|e 
über (E^rifto^ in ber beutföen SBiogra^ie biefe Vorgänge ing 3a$r 1489 
verlegt (IV, 229), ift toöHig unerfinblid&. $a& bie relftge ®arbe beS ÄönigS 
beteiligt war, ergiebi ft<$ aus ber Nennung i^refi Hauptmanns SouiS be 
Sauibret) bur$ 3Rolinet. 



249 



9tu$e im Saub. 96er toie in ©eibern ba$ geuer unter ber 
8f<$e fortglimmte, $errf $Un in einem anbern !Ra<$barlanb 
3uftönbe, loeld^e längji bie ©inmtf^uug be$ Äönig« $erbor* 
gerufen Ratten, unb f$toerli<$ o$ne ©inmirlung auf bie Partei* 
fieQung in ben &ab8burgif<$en Stteberlanben bleiben tonnten. 
Um fo weniger, als ber 2Bunf<$ in SBeftfrieSlaub %vl$ 
}u faffen ju ben (Srbftfltfeu $ollänbif$er ©rafenpolitif gehörte. 
9lo<$ Äarl ber Äftyue $atte bem ©ebanfen nachgegangen, unb 
menn 3Rajtmtlian mctyrenb feiner burgunbtf$eu Sßeriobe p<$ 
baju ni$t berfu^t gefüllt $atte, fo lag ba« mo&l lebiglt<$ an 
bem Unvermögen unter ben ©<$mierigfeiten, mel<$e tyn fcart um* 
bräitgten, für jene* £iel Qeit unb Äräfte ju gemimten. Seicht 
mar bie Aufgabe o$nebte$ ni$t. Denn troft ber ia$r$unbert* 
alten Sßartetmuty, mit ber, jäl? in einanber berbiffen unb Schlag 
mit €$lag in nie abrei&enbem Taumel ermibernb, bie gactioneu 
ber SBetcooper unb @$ieringer einanber befefcbeten, genofj bie 
uM>ermüjUi$e Jtraft unb milbe STapferfeit biefeä freien Sauern« 
botte* au<$ aufjetfcalb be$ Sanbeö eines mo^lberbienten 3iufeS. 
35on all ben prangenben beeren , mel<$e im Sauf ber 3a$r* 
Ipunberte in i$re, wm funtyftgeu SWeberungeu unb ©<$leufen 
bur<$fur#te £eimat eingebrungen maren, ^atUn nur mentge, 
ber 2Bu$t frieftfd&er ©treitlolben entge^enb, ben SBeg aus bem 
Sanbe ^erauS gefunben. 3a, eS mar too&l gar baS Unerhörte 
paffirt, bafe bie ^riefen, nid^t weniger unentmegt in ber Se* 
$auptung tyrer alten Siebte unb grei&eiten, als unerf$ütterli$ 
auf bem 6#la$tfelb, baS ÄriegSbeil jmif<$en fi<$ auf furje 3*it 
begraben unb gegen einen auswärtigen Slnmafjer gemeinfame 
6a$e gemalt Ratten. SBiHig Ratten bie 2Bejifrtefen freiließ bis 
in bie lefcte Qext mit bem äJlunb bie DberfjertlidtfeU beS Steigs 
aneTfannt: t$atfä<$li<$ mar au<$ bon fold^er leine Siebe. S)en* 
noä) mar iüngß, mä^renb bie burgunbiföen #errf$er fi$ fluge 
3urüdfyaltung auferlegten, bon einer anbern Seite £er ber gar 
ni$t erfolglofe 93erfu<$ gemagt morben, SBeftfrie^lanb gleid&fam 
Statt für »latt ju berfoeifen unb aus ber unbfinbigen Äraft, 



250 



toeldje bort nu|Io8 verpuffte, ein (Element eigener ©tärle ju 
getoinnen. 2)a8 mar unternommen Sorben feilend ber Stabt 
©roningen, bie, in einem nominellen 8Ib$ängtgfeit$toer$fitt* 
nife jum ©tift Utre<$t fie^enb, in confequentem SSorge^en bie 
bif<$6flu$en Sterte im n&$flen Sejirf an fi$ gebraut nnb 
feit Wngerer Seit au<$ ben 6fUi$flen Styeil aBeflfrie$lanb$, 
bie fogenannten Umlanbe / ettoa im Umfang ber heutigen 
tyol!änbif<$en Sßrotoinj ©roningen, in bertragSmä&ige Unterorb* 
nung &ineingenöt$igt fcatte, 1 S3on ba au$ f$ritt bie $ßolitit 
©ronmgenS roeiter, o^ne fi<$ an ben nt$t unberechtigten (Ein- 
toanb ju lehren, n>a& benn biefe ©tfibter auf altfrieftf$em 
©ronb ju fu^en Ratten. SDie 3Bo$lt$at georbneter SRed&tS^flege, 
bie 3uberftd^t auf Unterjiüfcung feitend eines fo fräftigen ®e* 
meinipefend übten au$ ienfeitö be$, jefft eingetrodtneteu, gtüfr 
<$en* £at>ica (jtoif$en SautoerS* nnb gutjberfee im 83erei$ 
ber heutigen &ottänbifd>en Sßrooinj SBeftfrieSfonb) eine immer 
june^menbe Sfojie^ungSfraft aus. 6<$on 1491 toax ber Djlergo 
in ein SBfinbnifj mit ©roningen eingetreten, £$eile be3 Sßefter* 
go8, befonber* bie toi$ttge ©tabt Seentoarben, folgten aümfyliä) 
na$. S3on Dom^erein ifl bei biefen Sönbniffen ein getotffe* 
#ereinragen ber SDla$tfp$&re ©roningen* in bie Angelegenheiten 
tyrer ©unbeSgenoffen toorgefe&en. 8Bie foflte e$ au<$ anber* 
fein, ba bie 3tnf<$liefjer um eine fol<$e SBerbinbung felbfl na$* 
gefugt Ratten, um ft<$ ju retten bor ben im eigenen €$oft 
hritylenben Seibenf haften! Äein lurjer SBeg, aber ein fixerer 
&ätte bei fieigenbem Vertrauen unb t»on äugen imgefiörter 
©nttoidttung aus biefen Sünbniffen aOmä$li$ jur Hegemonie 
©roningen^ führen muffen. Sorauftfefeung toax aufjerbem, bafe 
voixlliä) bie ©ebiete beö SanbeS naturgemäß wie fie an einanber 



1 darüber f>abe id& gefianbelt: 5)ie Cppofttiott Groningens geßen bie 
^oltttf WajtimlianS I. in SBeftfrieSlanb, in: fccmflföe ®ef$ic$i§blöiiet II, 
8. 147 ff. ©ei bietet Gelegenheit berid&iiße i$ ben $ni(lfe$ter 6. 148, 
3. 17 öon oben „toeftli<$en" ftatt „öftlic$en". 



251 



lagen, alle jum Sffnfd^lufe gebraut ttmrben, fo bafe ein germeht 
innerer Slufföfung ni<$t jurfidfblieb, 

2>a$ fcat ni$t errettet »erben fönnen. 3)ie S$ieringer 
2Bejifrie$tanb$, ba ©roningen als Helfershelfer ber SJetcooper 
galt, f^idften fi$ \t langer Je heftiger jum SBiberfianb an. 
(Sine ber lefcten SRegierungS^anblungen be3 ÄaiferS griebri^ 
mar no# ba* SSerbot ber ȟnbniffe getoefen, toeld^e iDtittel ber 
groningenfd^en StbrunbuugSpolitil toareu. SKaytmtltan tt>ar 
anfangt ganj in bie gufejiapfen feine« SaterS getreten* 2lm 
23, September 1493 fyatte awä) er bie Verträge cafftrt unb 
au3brfldftic& bie grei&eit grieslanb*, tote jene ba« Don tym 
erbeten, anerfannt. SRur jur S a ^ un 9 e * ncr Stei<$$f$a|}ung 
t>on einem ®rof<$en, beren fed&jetyn einen r$einif$en ©ulben 
ma$en, foll jebe geuerpfttte, meldte „ein tif<$ unb fne<$t" $at, 
jä^rlu^ berpffi<$tet fein, dagegen erfennt ber Äßnig auSbrfidf* 
Ii$ an, bafj au$ i&m ni$t gebityre, jenen einen ©wbemator 
ju fegen, unb &erfpri<$t, fte in feine« gttrfien, feiner ©tabt ®e* 
»alt ju geben. 1 SIber ©roningen toufjte fi<$ ju Reifen, afö 
in be« Äönig« Sluftrag jefct ber mainjer Domherr Otto toon 
Sangen jur S)ur$fityrung ber ©ecrete in fJrteSlanb auftrat, 
©er Äanjler für Defterrei$, 3. SBalbner, ben SKay bon feinem 
Sater flberfommeu, mar ben Sodfungen be« ©olbeS ni<$t unju* 
gänglt<$. ©ein ©influfe ertoirfte einen ©efe^l an Sangen, mit 
feinen Sßroceburen nid^t fortjuf a^ren. 2 gür ben Stugenblidt 



l $re§b. Hrd&ib. Sergl. ü. Emmius, Herum Frisicar. dec. IV, 63, 
ift t»tcr niä)t uoflftönbig unierrtd&tet. 3m ungemeinen bietet biejer bur<$au§ 
urfunbltge Äefd&id&tSföreiber eine fixere Qrunblage. 

* (JmmiuS IV, 70, bergl. 50 ff. am 16. Orfober 1493. lieber 
fßalbnerS 2>ienfte unter Sriebriä) f. SRinutoli, ffaijcrlid&efi ®ua) 78. 109 :e. 
War, tyelt um nod& foftter feft, als er wegen 3Üterßfä)toä($e um feinen $b- 
fd)teb einfam. Sicher ift er 1500 dritag nad& vocem joeund. no<$ im 9tmt. 
ännSbr. Hr#it>. am 3a$r 1502 na$m er ft$ in 2Bien burdfc (Rängen 
felbfl ba§ Seben crimen qnoddam lese majeetatis eibi imponi timens. 
Ann. Mellic. in Mon. Germ. hist. SS. IX, 528 unb Dentin, Sterte I, 659. 
$er Äaty, n>ela)er in einem 1495 gef$riebenen (Sebid&t bem Äöntg erteilt 



252 



fruchtete ba8 toeuig, ba ber eifrige Silomat ft<$ ni<$t abgalten 
liefe, bie in 2Beftfrie8lanb gegen ©roningen unb feine SlnnejrionS* 
politi! $errf<$enbe Aufregung ju f<$firen. 6* mar ein ftarfet 
Stritt jum öürgerfrteg, bafe er, o$ne bie ÜRittel jur friebltö&en 
ßerfiettung ber <£intra$t erfc^öpft )u $aben, im Januar 1494 
fcon einem 3$eil ber Sffieflfriefen einen ßbelmaun, ber feiner 
Partei angehörte, Sutoe SDelama, junt Sßoteflaten toäfclen liefe. 
3lber ber neue üDlad^aber fanb felbft bei ben 6 hierin gern toenig 
@ntgegen!ommen; ©roningen nnb feine ©unbeSgenoffen prote* 
flirten aufs leb^aftefie gegen bie 3te<$tmäfetgfeit beö ganjeu 
Vorgangs. ÜReue äöirren toareu bie golge, nä$bem ber^ löntg* 
Xid^e Slbgefanbte $eimgef e$rt toar. 5E)ic Partei * ber ©ronmger 
appefftrte an ben Äönig, an beffen $of(ager ju Kempten im 
3Kai 1494 ber Streit )ur 6ntf Reibung lommen fottte. 3Ga$ 
lebhafterem Sttngen ber Parteien fiel $ier ein für ©roningen 
günjttger ©pru<$. 5E>a$ Sünbnife mit bem Dftergo unb benen, 
n>el$e (t<$ weiter angef($loffen, fanb, rjorbe$altli$ ber faifer* 
lt$en Dbrigfett, »efiättgung am 23. SRai 1494. ©obalb 
binnen jtoet SRonaten na<$ biefer Stbmadjung ©roningen unb 
feine SBunbeSgenoffen fönigli^en Sbgefanbten , nadj bem 33or^ 
gang ifyrer eigenen SBotfäaft, @ib unb Sßftid&t geleiflet, fott bie 
tooffjogene SSejtätigung }ur Sluä&änbigung gelangen. 9lo$ toar 
bie S3eri>fft<$tttng übernommen, 4000 ©ulben jur SSere&rung bem 
Äönige ju entrichten. 2 Slm f oigenben £ag natyn ber lefctere in 
befonberer Urfunbe ©roningen in be$ 3lei$e3 6<$u| unb €$trm. a 

toirb, ftetS einige geiftltd^e fflättje um jiä) gu $aben: 

„man b$ weltlichen raten immer in ir atgen ta|<$en 

unb als bty {»ein au8 bem acfer bein guet naf<$en" u. f. m. 

fann fe$r tr>ot)X auf SBatbner unb anbere feines ©elidjterS gemünjt (ein. 

feiger für Jhmbe icutfd&er ©orjeit 1873 6. 130. Bergt. Kapitel 6. 

1 3m Oftcrgo gehörten bagu befonfcerS bie geifttic^en Stifter, bie 
©d&ufc bor ben abiigen Uebeltyätern fugten. ßmmiuS IV, 111. 

2 Kopien ber Söeftätigung tote ber ^rotoToQari{ä)en %bma$ung, erflere 
toom 23., teuere Dorn 24. flflat im brcSb. %rd)iD. 

3 Sttmpten 24. 9Rai 1494. SreSb. Br<$io. S)abur<$ erllärt ftd) baft 
SBorfommen ©roningenß in ber Sftatritel bon 1495. 



253 



SHefe toeränberte Haltung be* Äöuig* läfct R<$, auty ab* 
gefe^en &on gegriffen SK enf c^Ii<^Fei ten , ttüe ber ©etmnnung be* 
Aangler* Stflrfcel burcty ©ronmgen, berfte^en au* ber Sage 
$erau*. Stayimtfiau föoKte ebenfon>enig bie burgunbif^en 
$rätenfumen auf 8Beftfrie*lanb fahren laffen, al* et im Säugen- 
bltd im Staube toar, tynen 5Rad>bru<f ju geben. 9to<$ $telt er, 
im Sftai 1494, au bem ©ebanten be* fcflrfenfrieg* feft, no$ 
toar feiu 2$un gerietet auf SBefeitigung toon ßmberntffen einer 
längeren 8lbtoefen$eit 3W($t* lonute i$m weniger Raffen al* 
ein friefifd&er Ärieg jum gelbrif^en. $>en SBeg, ben er ein* 
fähig unb ber ft<$ ba* 3al;r über au* feineu Slutoeifungen 
verfolgen läfet, tonnte man füglid) a(* einen Eomprotmfj jtmfd&en 
feiner Stellung als ßaupt be* 9lei$* unb £aupt einer Stynaftie 
auffaffen. Snbem er bem in ben 9%ei$$f$u$ übergetretenen 
©roningen bie f eiterigen (Srrungenf haften betätigte, f<$ob er 
jugletd? Weiterer Ausbreitung beffelben einen Stieget t>or. 
Spätere Slntueifungen ergeben auf* unjtoeibeutigfte, bafe SHay 
(in ber Ueberjeugung ben SSertrag auSjufityren) jt$ t»on ©ro= 
ningen in bie §rage ber ©efriebung be* 2Befiergo* unb Sieben* 
tuolben* ni$t breinreben lajfen tooEte. 1 3m ftntereffe feine* 
$aufe£ tyelt er bie lefcte Äarte jurfld. SDabei &at er mit 
©egenprömungen ju fämpfen gehabt, bie tyn na<$ brei bis riet 
3afyren jum aufgeben feine* Spiel* nßt&igten. 

#ier tfi ber Ort, über bie SSejtetyungen 9llbre<$t* Don 
Saufen §u $rie*lanb ein SBort ju fagen. SBo^l ifl e* toatyr, 
bafe berfelbe eine &kv\)t be* beutfdj>en gürfienfianbe* getoefen 
ift bur$ tfcatfräftigen Patriotismus; aber völlig einfeitig unb 
f$ief ifl bie Stuf f äff ung, toeld^e fufeenb auf gelegentlichen 
Seufjerungen 2 au*f$ltefcli(& felbfilofe Eingabe an ba* ®anje 

l $inP4üi4 ber Haltung be§ Röntg« 1494 glaube i$ |e%i auf ©runb 
neuen HtateriaU, ba* fp&ier fttt bie Starftettung benufci »erben ttrirb, ftarer 
ju Wen als in meinet oben cittrten ©fijae. 

* toie bie öon »atfcaltet 6.2121 mitgeteilte, bie unsfi^ligemal tmebet^olt 
ttorben ifl. (Segen joldje ^Ijantaßmen genügt es föon an ben SuSforua) 



254 



als Eriebfeber fe^en toiH. SUbreßt mar &or allem ©olbat unb 
barum fear** ßm monier in ben nieberTänbtfßen A&mpfen als 
ba^eim bei feinen Söhnen unb Mtfen, bie immer hergebend 
feine SBieberfunft erbaten. 2Bo$l feufjte ba£ ©aßfenlanb unter 
ben Summen, tüelße aufgebraßt toerben mußten, um bie ju 
ÄriegSjtoedfen bom £erjog gemaßten Slnleßen )u bedten; aber 
es iß, ttrie bereits bargefteflt, nie be« leftteren Slbfißt getoefen, 
bem SReiß ober bem Äönig biefe Summen ju fßenfen, Seufte* 
rungen ttrie, e$ fei beffer, ba& alle gürfien ju Saßfen naß 
Srobe gingen, als ein römtfßer Äßnig, ftub, vwnn über^auK 
boß nur ju bem Stoedt gefallen, um unbequemer SDfrßnung 
feiten^ ber eigenen Stätye ben 2Runb ju fßliefeen. ßängfi $atte 
ber £er§og ben gar nißt fem liegenbeu ©ebanlen gehegt, bie 
bem äfafßein naß in 23ar uneinbringlißen Sßulbbeträge burß 
ßanbgetoiun fiß vergüten ju laffen. 2Man nimmt mo&I nißt 
mit Unreßt an, bafe es i$m babei barauf anlam, burß neuen 
(Srtoerb eine Weitere Teilung feiner fäßftfßen ©rbportion unter 
feine 6ö$ne ©eorg unb ^einriß ju bermeiben. S)a& ju folßem 
33e$uf ber ©eftnnn SBfteflfri^Ianb« ßm, bem Statthalter ber 
SRieberlanbe, jettig als ein ebenfo toort&etfyafter toie rißmlißer 
erf ßieu, nimmt nißt SBunber. 2Bieber$oIt toar er in feiner 
öffentlichen Stellung mit bemfelben in ©erißrung gelommen. 
Sßon 1491 fcatte er es fcerfußt, juerfi namens beS ©rafen 
toon £ollanb, fobann, als baS mißlang, gleiß vergebens namend 
beS Steiße *>on ben ^riefen Tribut einjuforbenu «Kau tpoHte 
in ©roningen toiffen, baf$ er im 2ftai 1494 in bem großen 
9taty in flempten für äuflöfung beS »ünbniffeS mit bem Dftetgo 
gejttmmt ^atte. 1 5Da& er foätejtenS im gleißen 3a^r ernffe 
liße Slbfißten auf SBejifrieSlanb $egte, erfährt man auS bem 

be8 SBiograj>$ett ©d&aumburgS ju erinnern: „Gfr fhtnbe ftet in borbrung, im 
toart aber nidjiS ban guei »ort, bie ben torn freuen unb bem »eifen baß (aubt 
nit j>red&en" (6. 161). 

i (gmmiuS IV , 16 f. unb 122 f. , bog bergl. bie bamit nidjt über- 
einjHmmenbe Söemerfung über Sübred&t €>. 149. 



255 



Brief eines ber Stbgefanbten, bie 1494 burd? 3Ra? entfenbet, 
ft$ bie llnjufrieben&eit beffelben burty eigenmä<$tige$ auftreten 
toerbient Ratten. l 5E>er Äöntg fcielt nämlt$, au$ na$bem einige 
au3 betn Dftergo felbfl ft<$ aber ©roningen* Oetoalttyätigfeit 
beßagt, 2 an feiner toerf5$nli$en Sfo$gleu$uitg$poHttf bur$au$ 
fefl ©omett fi$ erlernten Idfjt, nu$t o^ne im entgegengefefcten 
6inn beeinflußt ju toerben. Sfo* einer Qnftruction 3 an bie na$ 
grieSlanb abge&enben ©efanbten au$ Sfattoerpen &om 12. 9tos 
bember ergiebt ft<$ fein ©tanbpunft War, ©iefelben, toter an ber 
3a^I/ toon benen / toie au$ jäteten Vorgängen erhellt, gtoet 
Otto toon Sanken unb 3ßrg toon @benfiein im SBefiergo, gmet 
nämli$ SS od brecht toon SDerfe, ©omfcerr )u 2Rain}, unb ftonrab 
toon Springen in ©roningen unb Oftergo tyättg fein [outen, 
erholten öefefcl, ben @ib in ©roningen unb mit $ülfe beffelben 
im Oflergo überall ju empfangen, ebenfo bie 4000 ©ulben ein« 
jitne^men, unb bann bie Konfirmation ber femptener üb« 
ma$ungen anzuliefern. 3m SBefiergo ifi ber Tribut ein jus 
fammeln unb 9Rfi$e anjuroeuben, baß au<$ Oflergo unb Sieben* 
toolben benfelben übernehmen, bie S)iflricte be$ DflergoS, bie 
©roningen unter ft$ gebraut, ni$t aufgenommen. 3n ber 
Sonföberatton be* lederen ift feinerlei 3tt>ang i u bulben. 
Sotter fjriebe fott ba3 Siel ber SBemityungen fein. S)ur<$ ein 
befonbereS im Wnigli$en Stauten toom 3tei<$8er jlanjler aus* 
gefertigte^ Äanjleimanbat 4 toerben bie SBeto.ofyter bed OflergoS 

i bittet 3örg Don ßbenfiein an SCIbred&t, 9Re<$eIn 1495 Montag na$ 
Judica, Styrtl 6 (breßb. ttrdjto) ftögt an „ob <S. f. ®. ber $anbel mit grtef- 
lanb nod) jue wollen ift". Seine Jhted&te, bie burd&auß ni$i gur Unter* 
ftütping $orf8 na$ Gmglanb ftä) fäiclen laft'en nullten, wären ju biefetn 
Sufl jef)r geneigt. gaUS Wbred&t wolle, foHte er als töei<$§fürft bent dorre* 
foonbenten einen 93efe$tbrief aufteilen, ber enthielte, bafj 9Hbre$t ben Quq 
gu (gljre unb ftufc beS f). IReid&S unternähme. 93ergl. (Smmiuß 149, wonad) 
C. t). Sangen 1494 öffentlich Don Wlbred&tS Hbfld&t geforoa)en. 

* 3n aflaafhity auf föniglid&en SBefe^I t>err)ört bura) SBcrt^olb öon 3Wain| 
1494 Montag na$ Jacobi (3uli 28). SBiener Erd&tö. 

3 Bntwerpen 12. Wobember 1494. <£oncept im wiener %x$\t>. 

4 Antwerpen 12. ^oöember 1494. (Kopie im breöb. ?Cr^ib. 



256 



fpecieH angenriefen, ft<$ bei 3<tylung be« Tribut« fcom SBeftergo, 
glei<$ meinem au<$ fie obue -Kittel unter« 3tei<$ gehörten, nid^t 
ju fonbern. 5E>ie na<$ SBefiergo befiimmten ©efaubten Sangen 
unb Sbenftein Kerben angefoiefen, ben STri&ut unb ben Stnttwl 
an ber Summe ber 4000 ©utben in (Smpfang ;u nebmen. 
11nf<$tt>er entbedft mart' biet bie ©ifferenj jtoifd&en 3Ray unb 
bem erften 9tei$«fürjien. Sefcterer fud&te (iiitetrfidtt bie 89e- 
ftätigung be« Sünbniffe« iOuforifd^ gu ma$en. Ob er bannt 
feine eigene ^ßolitif Verfolgte ober toer hinter i$m jtanb, toer* 
mag iä) ni$t ju fagen. 2ll«balb bemä<$tigten fi$ bie ©ronmgen 
f einbüßen Ferren toon Sangen unb Sbenflein ber Seitnng unb 
toufeten ibre toeniger betriebfamen ©enoffen jti befiimmen, crfl 
toom Dftergo *ßfltd&t ju empfangen, bann erfl ©roningen bie 
Konfirmation au«jubänbigen. S)ie Urfatye liegt am Sag. Qatte 
ber Dfiergo al« unmittelbare« 9tei<$«gebtet gebulbigt unb ge* 
jablt, fo tt>ar trog be« bann auSjuIiefemben fegend Rapier 
Mn Sftaum mebr für ©roningen« Sd&ufcberrfd&aft. 3a, glei<$ 
barauf nabm ßbenjlein in §rie«Ianb flrieg«t>olI in ©olb unb 
alle« ftrifete ft$ bur$ fein unb Sangen« SBerbalten jum jtrieg 
ju. S)ur($au« ttriberfyra$ ba« bem SBiUen be« Äönig«. Stm 
12. ©ecember erfolgte ein berber SBertoei« an SDerfi unb An* 
pringen über ibr inftruction«tt)ibrige« SBenebmeu unb ber SBefebl/ 
mä) Setftung be« ©be« unb (Smpfang be« ©elbe« feiten« 
©roningen« biefem. bie SBefiätigung ju übergeben unb mit 
©ülf e ©roningen« im Dfiergo bie Sßfftd&t ju empfangen, o^ne 
auf Sangen unb Sbenfiein ju »arten* 1 211« bie ©roninger 
aber 3Kiene ma$en, ben Tribut im Ofiergo felbfl einjujieben, 
ftatt ibn burd& bie faiferli^en ©efanbten erbeben ju laffen, tiritb 
ibnen ba« ftreng toerttriefen. 2 3luf« ernfllid&fie lebnt ber Äönifl 
ben ©ebanfen äb f Stoppen na$ grte«Ianb ju fenben. S)ie 



i SJloj an leine Mity 2>er{$ unb Nnpringen, Wnttoerjien 1494 greitag 
naä) coneept. Mariae. Goncepi im wiener 2lr<$t&. 

2 9Haj an bie SJorigen am 19. 3)ecember. SBiener Brutto. 



257 



3lu$glei<$$politif foD fortgefefct »erben. S)er ©rjfattjler trtrb 
gelungen, felbft ein toon bem, ©roningen günjligen, Äanjler 
©tür|el entroorfeneS SKanbat ju ftegeln, toobur<$ Sangen unb 
©benftein getoamt tourben, feinen Ärieg ju beginnen unb etoent 
ba§ angenommene SSoH ju enttaffen. * 

SRan !ann ft<$ faum getoiffentyafter auf ber einmal be* 
f<$rittenen Sinie galten, ali e$ fo bur<$ ben Äönig felbjl ge* 
fäafy. <£r erlannte ba8 Sünbnife ©roningenS e$rtt<$ an, o$ne 
jebo<$ bie 9iei<$3ange$örigleit be$ DfiergoS bertoifd&en ju laffen. 
3n ben anbern ©ebieten 2Beftfrie*Ianb3 übte er t$atfä<p<$ 
rei<$$ober&auptli<$e ©ered&tfame. 6r toiH Serfö&nung, ^rieben: 
er toeifi jebe Sntrigue, jebe ©etoaltt^at ab, roeld^e, ju toefi 
©unften e$ au<$ fei, bor ber #erfteHung ber Drbnung, ja mit 
89enu|ung ber Unorbnung, bollenbete 2tyatfa<$en fd&affen möd&te. 
Serfennen läfet ft$ nid&t, bafe feinem Seflreben i$fy unb emftg, 
jum 2#eil burd& bie toon tym getollten Organe, entgegen« 
gearbeitet tmrb. UnbeutUd&er ifl bie SRoHe, toeld&e 6rjbif<§of 
Serfyolb hierbei fpielt; beftimmter läfet fi<$, gejiüfct auf baS 
früher ©efagte, behaupten, bafc bie Stritte @benftetn$ im 
3ntereffe be3 £erjog$ 9llbred&t bon ©a<$fen gef<$e$en ftnb. 6$ 
tuarb unjtoeifel&aft barauf tyingetoirft, $u feinen ©unften 
©roningen nrieber au« grie$lanb &tnau8jubrängen, für tyn eine 
Partei im Sanb ju toerbeu. 5E>afe biefer Sßlan im Stugenblidt 
im ©mtoerfiänbnife mit bem Äönig gar nid^t erfolgen fonnte, 
liegt, meine i<$, auf ber £anb. Unb be$$alb ift e8 au<$ un= 
benlbar, bafe SRaj bamalS na<$ ber (Smancipation feines ©o£ne$, 
tote ein fpaterer #tjlorifer berietet, ban!bar bem ^erjog bie 

i flRaj an Sangen, Gbenfiein unb 9tttla§ 3iegler 1494 SamStag naä} 
St. XljomaSabenb (©ecember 20). ßoneept im wiener Erd&iö. — SRag an 
SBertfcoIb üon SRainj 1494 Sergen op 3oom 3o§anni§tag in 2öeif)na<r)ten 
(S)ecember 27). Soncept im innSbr. Erajto. ©benbaj. nod& bejonbere 5Be» 
fer)Ie an ben erjbijd&öflidjen flattier :c. r bafür au Jörgen, ba& baS 9ttanbat 
fofort ausgefertigt werbe. 2lu$ birecte Serbote an (Sftenftein unb Sangen 
Dom gleiten Sag im wiener Era)fo. 3m 9Defeniliä)en bie Sßljafe richtig 
bargeftetlt bei @mmiu8 ©. 140. 

Ulmann, Staiftr TOayimllion. 1. 17 



258 



erbliche ©ubematorenroürbe in grieSlaub 311 güfjen gelegt fyabm 
fottte. * Sin fol^er feiner SRatur naty gar ni$t ju toer&einu 
li<$enber UebertragungSact $ätte bie Seiben f$af teu aufs ^öd^fte 
anfta^elu muffen, an beren SSefänfttgung aut$entif<$e Stetoeife 
und ben Äöntg arbeitenb zeigten, gerner fyätte, unb ba$ ift 
ber entfäeibenbe ©runb, SCI&red^t unmöglich auf bcm toormfer 
5ftei$ätag 1495 als ein fo unerhört ungejlümer ©laubiger auf» 
treten fönnen, toie baS ber %dti toar, toären feine Dotierungen 
bur<$ bie Tlebertoeifung 2Befifrie3lanb$ f$on 1494 beglM&eu ge* 
toefen, Somit ift e$ getoif?, bafe <S$U$e unb Stritte ber 
©etreuen beS #er§og$, nid^t aber ber Äfluig, ba&interjledten, 
atö feit bem §rttyja$r 1495 toon grieSlanb aus lodenbe SRufe 
an ben tapfern @a$fen ergingen. fSS mo$te meüei^t für bie 
bort tätigen Diplomaten ni$t lei$t fein, fi<$ ber }ubringü$en 
Sfaerbietungeu einzelner Häupter ober $artei$ef$ ju eriue^ren 
ober ber $erfu$ung, i$re blinbe Erbitterung, auSjunü&en, ju 
entfagen. S)o$ greifen tt>ir ni<$t me&r toor als erforberlid^ 
SBeftergo unb ©iebenmolbeu Ratten noä) t?or Qa&reSfölufj 1494 ge* 
froren: trog aller 3Ra<$mationen Ratten Anfang gebruar 1495 
bie ©roninger unb SJiitte biefeS SRonatS Dftergo unb Seeutoarben 
gleichfalls ge^ulbigt, lefctereS mit auSbrüdli^er SReferbation 
feines SBünbniffeS mit ©roniugen. 2>a au$ für bie £ribut* 
ja^lung ©i^er&eit gegeben mar, Ratten bie ©efanbten bie öe* 
fiätigung ausgeliefert. ©0 fd&ien eine neue frteblt<$e Sera 
anjubre<$en; ber bem Sßartetgetft f<$mei$elnbe Otto t»on Sangen 
ioarb jurüdberufen. SSor bem Äönige felbfl fottten bie ©egen* 



1 SußQcr (#|.). tt. ü. 2angenn, 9ilbred&t ber 53e^crjtc 244, $at bieje 
auä) mit aflen folgenben Vorgängen unvereinbare förjä^Iung reeipirt. darauf, 
bafe flRar, in jenem 3al)r gar niä)t in SBrüjfel, toofjin bie @a<$e oerfegt mirb, 
gewefen 3U fein fäjetnt, lege id) nur geringes ©ewicfjt. gajl jum Ueberjhifc 
fjebe id& gegen Sugger no<$ bie SBerftdjjerung beS ÄanjIerS Stürze! an bie 
©roninger Ijetbor, baß mit feinem 2öort bon ber Uebertragung grieSlanbS 
ober eines E&eilS beffelben an einen fremben Surften bie töebe gcn>e|en fei. 
3d&reiben öom 28. gebruar 1495, in extenso bei ßmmiuS 147. 



259 



fäfce jnnfd&en ben ©d&ieringern beg äBeftergoS unb beut ©roninger 
Sunb in ©üte ausgeglitten toerben. * 

916er ft$erli# iß ba* alte ©üb t>om spufoerfafe, bem man 
leichtfertig mit ber Sunte natyte, nie mit befferem 3te$t ange* 
toenbet korben, als auf ba3 feit mehreren aWenfd&enaltern t>on 
$arteileibenf$aften gefd&toängerte griefenlanb, baä ft<$ politifd&e 
$)ere$nung unb fd&nöbe ©etoinnfud&t nur ju lange f<$on §um 
Dperationäfelb au$erfe&en. S)aS bei allen Parteien nur leife 
f<£lummewbe SRifctrauen bxafy jjeben Slugenblidf, auf jebeg 
©erüd&t $in, mit toerftärfter #eftigfett $ett>or. 3lngeblid& Der« 
anlasten fäd&fifd&e Gruppen, beren SinfaE unter ©eorg fcon 
£fcurn beborfie&en foüte, fcerborragenbe SSetcooper im SEBefiergo 
bei ©roningen ben Antrag auf ein 6$ufebfiubm& ju fteHen. 
fiebere« ging na# einigem ©d&toanfen, e^rgeijtg t)on feinem 
@ef$icf fortgeriffen unb fro$ gegen ben beargwöhnten SKad&bar, 
ben ©rafen @bjarb t>on DftfrteSlanb, eine neue £tü§e ju 
gewinnen , auf ben *Borf$lag ein. 2RU biefem liebergriff er* 
bitterte e$ bie arg in bie @nge getriebenen ©(geringer aufs 
äufcerfte: ob ber Äöuig femer , nad^bem fo bie Sinie ber 
femptener 2lbmad>ung berlaffen mar, feine fd&iifcenbe $anb über 
bie friefifd&e gretyeit galten toürbe, fonnte toenigfien* jtoeifek 
baft erfreuten. 2)ur$ ©inflüfterungeu be$ toon feinem $om* 
fcerrn Otto öon Sangen bearbeiteten @rjbifc&of3 toon Stfiainj 
gegen ©roningen argtoö(>nif$ gemalt, befahl äJtaf bie 33er* 
fymbluug ber frieftfd^eu S)inge auf bem 3teid(j$tag }U SBorm*. 
©ort erfd&ienen aber bie ©geringer tu$t, fo bafe bie ©a$e 
(einen gortgang getoann. 2 ©eit jener tyreu SRad&tberei<$ aber« 
mal* einfd&nürenben ^anbreid^ung ©roningen* an bie äJetcooper 
beä SBefiergoS Ratten fte tyre ©a$e auf anbere SDinge geftettt. 
SDer Qa$ gegen ©roningen gebar ben SSerrat^ an ber friefifd&en 
greift Sm 10. Sfpril 1495 boten Stifter unb Statfc toon 



i dmmiuS 141. 144 ff. 147 (StttrfcelB »rief). 
* drnmiuS 156—159. 



260 



SBorfum unb Sofötoarb, foroie eine Sfaja&l ^erborragenber 
SlbelS&äupter ben $erjog t>on ©a<$fen jum militärifd&eu ©in* 
greifen gegen ba3 tägltd^ junetynenbe ©etoalttoefen ©roningen* 
auf. 3tlbred[>t, mit bem früher bereit« tyre an ben Äönig SRaj: 
gefeubeten SJoten berieft Ratten, folle bei bemfelben bie 6in* 
fefcung eine« Statthalters ober Sßotejiaten toeranlaffen, ber fie 
gemäfj ben £anbe^prit>itegien beisteht fcanbtyabe unb f<$ii|e. 
fflifyb märe tynen erttriinfd&ter, aU toenn feine ÜÄaieftät ben 
$erjog SXlbrec^t felbft }u biefer äBfirbe befttmmen toftrbe. Su& 
brü<Mi$ baten fie ben £etjog, ein fold&eö anerbieten nid&t 
au8juf plagen , ba fie in ber grage feiner Unterhaltung fid& 
feinen S)anl ju berbienen hofften unb ft$ als treue Untertanen 
be$ ^eiligen 8lei<$3 gegen #n betoeifen toollten. * S)ie ©riefe — 
ein anberer toom gleiten £ag brängt auf fofortige Gruppen* 
fenbung — muffen toofcl ganj auf bie Snitiatibe ber griefen 
jurüdtgefityrt »erben, benn fonfl fcätte nid^t fafl genau an bem* 
felben geitpunft ber in biefe S)inge eingeteilte $örg t>on 6ben* 
ftein 2 ben #erjog fragen fönneu, ob er feine friefif<$en $lane 
no<$ feft hielte. S)er £erjog fytt bamate, fon>eit i$ urteilen 
fann, nid&t birect reagirt. @r &at bie ©ad&e nid&t toieber au« 
ben Stogen berloren : aber no$ mar biefelbe ni$t reif für feine 
aufprüdjje. ©eine Äräfte reiften nid^t au« jur 9Uebertt>erfung 
ber frieftfd^en ©egeupartei, toenn er |i<$ uid&t »enigftenS be$ 
©efd&efcenlaffenS feiten« be3 (Sra&erjog* Sß&iliw t>erft$ert galten 
{onnte. SDaju gehörte aber ber ganje unb toiHige ©inffafe be* 
ÄßnigS auf feinen ©o$u. SBeibe ju gewinnen mufete 3Ubre$t 
no<$ eine geit lang ben ungeberbigen ©laubiger fpielen. 

2ll$i@efammteinbru<f toirb feflju&alten fein, bafc ber Äönig 
mit borftd&tiger 3urfid!&altung anjbiefe frieftfd&en S)inge bamaU 
herangetreten ifi. ©ein »erhalten ftimmt ganj unb gar mit 

1 1495 Styril 10. Original im brefib. «räjtb. $ie «bbrütfe ber Siegel 
no$ fU&tbar. SangennS 5)arftetlun0 6. 245 u. 247 ift ööflig unbrauchbar. 

* ©ergl. oben {einen «rief bom 6. fcprü. ©erabe ifyi foflte naä) 
bem 2. «rief ber ^riefen Hlbreäjt mit ©tannfäaft in» Sanb fenben. 



261 



betn ©runbgebanfen feiner $olitif, ber tym jebeS etnftli^e 
(Engagement §ier unten unterfaßte. 3n bem Slugenbluf, in bem 
mir ben $)Udt toon grieSlanb megmenben, mar biefer ©ebaufe 
mobtftcirt bur$ bie SRotymenbigleit, bem 33orge$en ÄarlS VIII. 
«Rechnung ju tragen. SRic&tS meniger als aufgegeben mar ber 
$ür!enjug, nur mufete not&gebrungen bemfelben jefct ber 9toii:* 
jug fcorange&en. — 3m auffälligften ©egenfafc min ju biefem 
Sebehsplan unb allen ju beffen Slnba^nung bereits unter* 
nommenen ©dritten fte$t ein gleichzeitig mit lefcteren er* 
griff eneS Abenteuer / in meines o^ne alle 9tot$ 3fta;imilian 
fopfüber jt<$ ^ineinfiürjte. aber mann märe es unter biefem 
$errf$er o&ne Snconfcquenj abgegangen? SKodj na$ anberer 
Stiftung fyw berbient bie görberung, meldte 3Ray bem SßerfinS 
SBarbed, ber fi$ 9ti<$arb Don (Snglanb nannte unb behauptete, 
ber auö bem £oroer entfommene Sofcn ftönig (SbuarbS IV. (?)or!) 
}u fein, angebetyen liefe, etmaS nähere 83etra$tung. 3)ie (SpU 
fobe bietet bie feltenjie ©elegen^eit, fi$ ju überzeugen, mie fe$r 
bo<$ 3KayimUianS Snteflect bon feiner Umgebung abhängig mar. 
2>ie ©ef$icfe beS merfmürbigen Sßrätenbenten felbji mu% iti) 
übergeben. 1 (Es ift befannt, bafe er, na<$bem er in granfreid) 
feine SRofle auSgeftnelt, in ber #erjogin SRargaretye Don ©urgunb, 
©^mefter ©buarbs IV. unb jmeiter ©emapn unb SBittfoe ÄarlS 
beS Jtitynen, eine einflußreiche ©önnerüt gemonnen £atte. £>ie 
fyoty Dame $ielt ben jungen 3Rann in ber £fcat für tyren 
leibli^en Steffen, für ben regten Vertreter ber 3lnforü<$e beS 
#aufe$ Dort ®8 fiel baS um fo me&r ins ©erntet, als 
3RargaretJ>e ben eckten 9H<$arb aller SBermutfcung nad) etma 
im fe$ften SebenSja^r gefe&en fcatte. ©ntjüdft traten benn auty 
anbere um>erbefferlt<$e Sfifa^änger beS #aufeS tyoxt i^rer SRei* 
nung bei. 2 SReue Störungen ber SRutye @nglanbs, ja ©rföitt* 

* SBctgl. Smgarb, ©efö. Don <5nglanb, beutfö öon W. b. SaliS, V, 
353 ff.; $auli V, 666 ff. 

2 6. $auli 568. Xie (Bönnerföaft 2KarQaretf)e§ f. bei SBergenrotf) I, 
6. 74 u. 110 unb Wolinet V, 49. 



262 



terungen ber aWeinung , auf toel<$er her Scroti §einri<$3 VII. 
ru^te, f<$ienen fo unbermeibli<$ , obtootyt fein SScrftftnbigcr fie 
ti)ünf$en lonnte. 1 @ine toirtli<$e ©efa^r toarb aber ber angeb* 
lid&e 2)orf, toenn er ton gefrönten $fiuj>tem tyatfräftig, »eil 
au« ftntereffe, unterftilgt tmtrbe. 6in Einfall beS ÄönigS t>on 
granfrei<§ in biefer SSejie^ung u?ar ju raf<$ aufgegeben toorben, 
als bafc er ernftere folgen tyätte $aben Wunen. S)a liefe ft$ 
SDtajimilian für ben Stöenteurer gewinnen. S)afe er ®roH unb 
3fia<$eburft gegen ^einrid^ VII. im £erjen trug fett ber trug* 
DoHen Sßolttif be$ lefcteren im §erbfi 1492, ift menf<$li<$ fe$r be* 
greif li<$. Suerft im £erbft 1493 »arb bur<$ 8ttbre$t toon ©a$fen 
bei ber Seid&enfeier in SBien ber junge „Dorf" * )em tömifd^en 
Könige Dorgefü^rt, bo<§ ofcne 3tt>cifcl auf Seranlaffung feiner 
soi-disant £ante. 2 3ftt©ommer 1494 tritt er in be$ ÄönigS 
Umgebung in ben SRieberlanben auf bei ben geierlid&Jeiten in 
3Ked&elu unb Sluttoerpen. 3a, an legerem Orte toagt er e$ 
bereit«, öffentlich an feinem £otel ba3 SBappen ber Dorf au& 
ju^ängen. 3 6r burfte ru^ig fo fyntbeln, benn f<$on tt>ar e$ 
bem Sureben ber flugen unb getoanbten SKt^erjogin SWargaret&e 
gelungen, in bem Äönig 2Raj eine ber tyren böHig entfpred^enbe 
Ueberjeugung ju ertoedfen. SSieHeid^t fear babei ein toenig 
ber „2Bunf<§ ber ©ebanlenS SSater". ©iefer tute &om $tmmel 
gefallene ©profe be3 £aufe$ S)orf n>ar ein ju trefflid^e« 3^ s 
ftrument ber 9ta<$e gegen ben treulofen £etnri$ t>on (Snglaub, 
afö bafc man ft$ baffelbe $ätte entgegen laffen bürfen! SDafe 
ein ©onflict mit ©nglanb im Slugeitblicf n>eber in 3Rajimilian$ 

i #einrid& VII. felbft fällig bie ®efa$r im Buguft 1494 fe^r gering an. 
Qx erhielt bie erfte ßunbe t>on Maximilians tttfid&t bur$ ben Äönig oon 
granfreid&, bem c8 feine au§ $)eutf4}Ianb $ehngefe$rien ©ejanbten (drjbifäof 
üon 9tyeim§ unb §erjog öon la Sremoitte, {. oben) Ijinterbrad&t tjatteiu 
Oairbner II, 293 ff. 

* StdjnotoSfy VIII, SReg. 2000; f. Unreft 784. 

3 6j>alatin8 flad&Iafe 228. SRoltnet V, 15 ; uergl. für ba8 golgenbe 47, 
ttonadj bie benmglttcfte **anbung 9tfä)arb§ in Äcnt burd&auS ben (Sinbrutf 
einer gafle ma$t. 



263 



allgemeine Sßläne pafete, no$ für bie SRieberlaube als &or* 
tyeityaft gelten fonnte, fam m$t in 39etra$t. @3 entfpra<$ 
gang feiner S)enftoeife, bie offenbare 6$äbigung ber nieber* 
tänbtfd&en #anbel$intereffen als toöffig compenfirt anjufe&en 
burd> bie 2Ui8fi#t auf bie fc&ronbefteigung beS t>on ben SRieber* 
lanben au« untersten Dorf. 1 

3nbejfen $at er ni$t o&ne Prüfung, herleitet ettoa bur$ 
bie romantif$e ©rjäfclung be* 5ßerRn8 fclbft itnb bie Crgän* 
jungen feiner järtlid&en Stumme / fid^ eine Meinung gebilbet. 
3lo$ im September 1494 befahl er bem ©rafen Sß^ilipp »on 
Stajfau unb bem ^ßropft toon Utrecht, fi$ bei einigen benannten 
€nglänbern unb in (Snglanb ^anbelnben Äaufleuten ju er« 
flattrigen, toaS bafelbft aber ben ßerjog wn Dorf, Äömg 
@buarb* Sofcn, gejagt toerbe.* SBo&I um biefelbe Seit fällt 
ein ®u tagten, melc^e^ auf feinen #efe$l einer feiner Stätte 
aufarbeitete. 50affel6e rechtfertigt bie Haltung be* Jtönigfc 
$einri$ f)abt juerft bie alte SUUanj mit bem £au$ SBurgunb 
gebro^en. SH8 SWay mit tym in öfinbnife getreten / ^fitte er 
geglaubt, ba3 ju t&un mit bem nfi${ien Erben beS ÄfinigS 
€buarb. ©eitbem tyabe er fi$ überzeugen muffen, bog 9U$arb 
t>on g)orf ber ©o$n unb red&tmäfeige Srbe (Sbuarb* fei. Dort 
erbiete fidb jum ©etoeiS feiner @<$t$eit bor Äönig £einri<£ felbfl, 
ben Sßrinjeu bed $aufeS, allen, bie tyn in feiner Sugenb ge* 
tannt, befonberd bur<$ brei natürliche geilen an feinem Äörper. 8 
€($toerK<$ ifl ed jn fttyn anjunefrnen, bafi SRa? f eiber bur$ 
biefe angeborenen 3 eu fl en / ^ eren Slut^entie bie Stltberjogin 

i 9to$ im 3utt 1498 toar ©einriß VII. jur fcerftettong ber eintragt 
mit SRaj unb Wlijty geneigt. 2)ie Sfofoebung be9 $anbel8oerIe$r§ erfolgte, 
nadjbem er bie im grieben üöflig unjuläfflge ttuSna$meßelIung be8 $ertin8 
in ben ftieberlanben in <Srfa$rung gebraut, am 18. September 1498. 
©mrbner II, 374, toergl. ®. 297 $infld&tti<$ be8 9Raj ertoftnföten ttyron- 
umfturjeS in ßnglanb. 

2 Wedeln 1494 6t. SKi($ael8tag. 3nn8br. «r«to. 

3 especial par trois enseignes naturelz, quil a sur le corps. ttn» 
batirte dopte im wiener 9lr$it>. 



264 



betätigen mochte, gewonnen toorben iß. Statt ba an blieb er 
unerf<$ütterli<$ ber „toeifcen 3tofe" juget^an, taub gegen aBe 
(SnUDenbungen. * 3afcre lang $at er bur<$ SBort unb 3#at 
offen fetner tteberjeugung t>on bem 9te$t be& jungen Dorf 
2lusbnul gegeben , unb al$ er feine Unterftüfcung einfallen 
mußte, fein ©taube ifl ft<§ glei$ geblieben. 2 

5Ri<$t lange na<§ bem Seginn tyrer 33efanntf#aft liefe er 
ft<$ fogar für ben §aU be$ unbeerbten £obe$ be3 $rätenbenten 
t>on bemfelben jum Srben feiner 9tei<$e ©nglanb, granfeet$, 
$orl unb ©<$ottlanb in unttuberrufli^er ®<$enfung einfefcen. a 
Unauföörli<$ brang 9Jte| toon ba ab bei 3Ilbre<$t bon Saufen 
u. a. auf SluSrüjlung einer für 2)orf bestimmten gjpebition. 
SDie Anette unter ©benftein weigerten fi<$ jum großen ftummer 
ber 2llt$erjogüt SRargaret&e, fi<$ in @nglanb gebrauten ju 
laffen. 3)enno<$ gef$a$ es mit (Suttyeifrmg unb toenigftenS jum 
2$eü mit bem ©elb beS römifd&en ÄönigS, bafe Berlin* bie 
Heine ®#>ebition auärüfiete, 4 toeld^e bei tyrer Sanbung an ber 
Äüjie &on Äent im änfang Suli großenteils üeroid&tet nmrbe, 

i Solare erhoben 3. SB. am 14. IRoüember 1494 Statthalter unb 
Regenten oon fcirol (innSbr. Hrdjtb), bte 16,000 fL jur UnterjHlfcung $orf§ 
barflreden fottten unb fefyr unljöflid& erfltörten, fle glaubten, man ^äüe 9Kaj 
bte Sad)e „mit Heinem grunbt eingebilbet". £aj$ übrigens bte meißen 
Surften (SurojwS ben Sßrütenbenten für ccfjt gehalten Ratten, fudjt $ergenrotf> 
barjutyun, Introduction LXXXIV. 

* 3urita 99latt 170 (junt 3a$r 1496); Rawdon Brown, Letters I, 
9lr. 665. 9lo$ in ber $enfjd&rift t>on 1499 (Gachard, Lettres in&Iite II, 
©. 96) erllärt er tyn für feinen parent. SBerftrirrt ift Ijier bte Sarfteflunn 
im äöeifclunig <S. 218, ber audj 9ttar,imilian8 Ibfld&t auf bie engliföe ftrone 
ermähnt. 

3 Urfunbe beS „Richardus d'engleterre" d. d. Mechliniae 24 Jan. 
1496 bei Gudenus, Cod. dipl. Mogunt. IV, 502 f. Unter ben Beugen 
quo) $ert$olb Don Sftainj unb al§ auSftedenber *Roiar ber als einffoferetc^eT 
burgunbif$er Staatsmann fd&on genannte grang bon SBuSleuben. 

4 3Raj' 6$retben an Wbre<$t 00m 1., 7., 23. Hprü, öetgl. dafiu» 
an Was am 19. 3uni 1495 (innSbr. unb breSb. Hrä)it>). Was beifügte 
toäfyrenb feines Aufenthalts in 2Borm9 au $orf§ fünften Serbinbungen mit 
©d&ottlanb anjutnupfen. föambon SBronm 9h. 647. 649—652 ff.; üergL 
93ergenrot$ I, 9tr. 143, 6. 110. 



265 



tmb bereit 3teft bann in Srlanb ju ©runbe ging. So jerranu 
bie Hoffnung, bur$ ben neuen Äönig ^älfe totber granfreicfy 
ju ermatten. @S mürbe ju toett führen, ben ferneren planen 
bei Äömg8 na$juft>üren, bie fi$ an bie Sßerfon unb ben 3tn* 
fotu$ be$ fedfen Sfamafeer* hefteten. 9hir t>erbient ßrtüäfytung, 
bafj biefe äJerbmbung ein ernjlli<$eS $mbernife bilbete für ben 
aflfeitig gemünzten beitritt 6nglanb8 jur Siga t>on SBenebig. 
3Raj beftanb barauf, in ben Serträgen bie Steckte feines €<Pfc* 
Iingd ju refertnren, toaS ©einriß VII. felbftoerflänbli$ ablehnte. 
6$ foftete ber foanifd&en unb t>enetianif$en Diplomatie ni<$t 
geringe 3)Wtye, 3Rayhnilian jur Aufgabe biefer ©laufet ju be- 
legen; .faft baju gebrängt, forang er plöfcli<$ auf feinen alten 
6tanbpunft jurüdf, unb au$ a!8 er f^liefeltcfc nn<$, gef$a$ baS 
tPibertr>iQig unb mit ber SDtiene eines 3Ranne3, ber feine £änbe 
in Unf^ulb toäfd&t, toenu anbete tyn jtoingen, gegen fein ®e* 
ttriffen )U Rubeln. 1 9Bie e8 jutoeilen bei i$m gef$a$, fcatte 
ftd^ bie f$tt>anfe 6tü$e, meiere feine ©unft juerfi bem §Iü<$t* 
Iing bargeboten fcatte, in feinen Singen aHm&$li$ in eine Säule 
bertoanbelt, treibe ben mfi$tigßen SCräger feiner Sßolitil juni 
Sefien ber SUeberlanbe unb im ©egenfafc ju granfrei^ barfieüte. 
Seine Gonceptionen $aben meift, ba£ lann niemanb leugnen/ 
ettoa» UmfaffenbeS. Stter i&re Sßrämiffen futb oft Suftfd&löjfer, 
unb bie Beurteilung ber fcanbelnb gebauten $erf onen entbehrt 
bie ©runblage einer nrirfli$en Äenntnife. @r componirt feine 
@ituation*gemälbe, toie ein Waler, ber leine regten Statur* 
flubien gemalt &at/ unb er mif<$t jur ©rretd&ung eines (BffectS 
§arben, todtye utt>erträgli<$ auSeinanberffiefcen , fiatt ber 
SorfteBung ju entfpre$en, bie bem Innern äuge beS raft- 
lofen Äünjiler* üorgefd&toebt tyatte. 9Bie treffenb jeid&net biefen 



i «atobon »roten I, 9fr. 660. 666. 677; tagt. 3urtta 531. 90. TOit 
feinem «erbad&t, bafe 9Raj in ber @ad&e $or!8 auf flnflifien granhei^S 
$anble, greift ber frefflid&e tyanifdge ©efanbte in Snglanb, be $uebla, arg 
boneben, $ergenrot$ T, 9fr. 98, ©. 59. 



266 

äRangel ein Qa^rse^nt fpäter ber SBenetianer Ctutrim. 1 „3u 
einem Sßunft fe^lt e« t$m, ba& er nämli$ trofc feine« erfttu 
bung«rei<$en Serftanbe« ittd^t toerfle&t, ji$ jur regten 3 e ü 
eine« $ülf «mittel« ju bebienen, fonbern ebenfo DoO ift t>on <Sm* 
fällen, n>ie fraftlo« in ber äto«ffi&rung. Unb obtoo&l fi<$ feinem 
©eift bi«n>eilen für eine einzelne ®a<$e jtoei ober brei SBege 
barftellen, bon benen er einen al« ben beften ertoä^lt, fo fc^tägt 
er benfelben bann bo<$ nityt ein, toeil no<$ t>or ber ShtSfüfc 
rung fi<§ i$m eine anbete, für beffer erachtete Stbftd^t aufbringt 
Unb fo fpringt er &om öeffern jum Seffern über, bi« 3 e ü un *> 
©elegen^eit eine« auSjufü&ren vorüber ftob." 

9ii#t« !ann bie SBa&rfceit biefe« Urteil« braflijtyer be< 
legen, al« ber ©inbltd in bie anbertoeiten giele, benen SRayu 
milian na<$jagte, toä&renb er bie bereits betannten Qtoedt, 
fd&einbar nur um tyrer felbfi willen, verfolgte. $ier ttrirb e« 
erforberli<$, bie 9Be$felbe}ie$ungen §tmf<$en ifyn unb Äarl VIII. 
genauer ju entttritfeln. S)iefe ©arfteüung &ätte mit legerem 
toentg ju f Raffen, toenn e« fi$ nur um bie Slcttcm ^anbelle, 
n>el<$e bon tym jur S)ur<$fe&ung feiner ßrbanfprüd&e auf Neapel 
in« SBert gefefct tourbe. 9Rayimilian gehört meine« ©ragten« 
niä)t )u ben toelt^ftorifdjen Sßerfönlu^feüen, o$ne beren 2Bi0en, 
um mi<$ eine« mobemeren 8lu«brud« ju bebienen, {ein Äanonen* 
f <$ufc in Europa abgefeuert »erben (ann. 3a, man barf behaupten, 
bafe — fcätte Äarl VIII. fi$ fheng auf Neapel befd&ränlen tooUen 
ober lönnen — SÄaytmilian« Stellung bur$ bie neue Sage 
ber S)inge in Stalten nur unbebeutenb in 9RitIeibenf$aft ge* 
jogen toorben märe. Sollte gegen biefe %nf$auung ein Qtoeiftl 
laut toerben, fo märe einfach )u erttribern, bafe SRaj bie Sa$e 
offenbar felbfi ni$t anber« angefe^en $at. 

ytaä) längeren militanten unb biplomatif<$en 33or* 
fpielen $atte ber jugenbti^e #errf$er t>on granfrei$, fein 



i Alteri, Relaz. q. q. C. 26. Sergl. bie oben 8. 200 jur GtyaratterifHf 
jujammengejMten Seugniffe. 



267 



Sanb too&lgeorbnet jurfldt laff enb , jenen £ug na<$ Italien feit 
Sfoguft 1494 angetreten, ber befttmmt toar, betn europätfd&en 
ßontinent ein anbete« ®eft$t ju geben. Untätiger ate man 
oft gemeint, fear bie Unternehmung in äffen S3ejte$ungen bor* 
bereitet : aber bemto<$ Jann nur bie gren jenlofe politifd&e %äuU 
nife Italiens * bie »af^eit unb ©rünblid&feit be« @rfoIge« er* 
Hären. 3n ©abo^en juborlommenb begrüfct, in ber ßombarbei 
balb me&r £err ate SBerbünbeter Sobobico 2Roro«, ftftrjte fein 
Waffen ben Staat ber SRebiceer in glorenj. ©er gröfcte $#eil 
üon £o«cana empfanb ttrieber einmal ganj franjßfif<$. spapfi 
Stteganber VI., glety $iero mm SRebict«, SSerbünbeter be« ara* 
gonefifdfren £aufe« in Neapel, toed&felte eingeflüstert jum 
j&eitenmal bie garbe. Sm legten £ag be« Sa^re« 1494 mar 
Äarl VIII., f<$toetjerif<#e unb beutf<$e §u&fne$te in ber 
8foantgarbe, in 3tom eingebogen. fttur bie @ngel«burg mar, 
eng umf$loffen unb me^r tme einmal mit 33ef<$iefjuug bebro&t, 
ate ©$lupfnrinfel bem Oberhaupt ber ©&riften$eit übrig ge* 
blieben. 8l<$tje$n ©arbiuftle, einige ber angefe&enjien unter 
tynen, brängten fid^ um ben franjöfifd&en Sieger. SBieber n>ar, 
ioie fc^on im Sommer, ate ber (Sarbinal Julian be Stöbere 
flüchtig am franjöfif<$en #of erfd&ien, ernftli<§ bie Siebe üou 
einem allgemeinen (Soncil unb 3(6fe|ung be« fimoniftif^en 
Zapfte«. 2 Äarl fyat biefer SBerfud&ung nityt nachgegeben. 
3)er 5ßaj>fl trat ju i$m über. 3We$rere ©tdbte be« Äird&en* 
ftoat« unb bie unfreiwillige S^eüna^me feine« ßiebftng«fo&ne« 
ßefar, Sarbinal« t>on SSalence, an bem ©eiteren gelbjug 
Äarl« VIII. foQten bürgen für feine Streue. S)er in feiner ®e* 
loalt befinblid^e $rinj 2>f$em, ©ruber be« Sultan« Sajajety, 



i Ueber bie militäriföe Ueberlegcnt»eit 8rantreid)§ in allen ©äffen- 
Gattungen, om meiften in ber Artillerie f. Gnicciardini (Venet. 1610 in 40) 
91. 24 b. 

2 <Rad) bem Streiften beS <£rj&i|ä)of§ öon §t. 9Äalo an bie JWniajn 
Anno, %>m 1495 Januar 13 (Pilorgerie: Campagne et bulletins de la 
grande armee d'Italie 135). 6. Desjardins, Negociations 899 etc. 



268 



ging glei<$faflfe auf Verlangen in franjöjtföen ©etoa^rfam über. 
©3 fear, tote toir no<$ fefcen toerben, Äarl VIII. ¥>erf6nli$ 
(Srnft mit ber Betreuerung/ bafe fein neapoUtanif$ed (Erbe nur 
bie ©afis jum angriff auf bie dürfen fein foflte. ©er unglücf* 
B$e Sßriuj toar baju treffli# ju gebrauten. l @nbe Januar 
bra<$ ftarl, geleitet bon pä^ftlid^en SRarf<$commif|ären, gegen 
ÜReapel auf. @in furjer unb glüdtli^er gelbjug braute bie 
Ärone ber 2tragonefen auf fein ftaüpt. Äönig gerrante IL, 
bem fein üerfcafeter Sater Sttlfonfo bie Regierung übertragen/ 
fu<$te 3uflu<$t in ©icilien. 

SEBürbc Äarl ji<$ mit biefem ©iegeäprei« begnügen? Ober 
tofirbe ber blenbenbe ßrfolg feines fo lange unb bon fo melen 
Seiten toiberrat&enen Stritt« tyn toeiter fortreiten auf ber 
Satyn ber @&re unb . . . Abenteuer? S)ie ruhige ©i$er$eit, 
mit toeld&er er in Sftom, o^ne irgenb 3ntereffen feiner 
©a$e unb feiner Sßartei preiSjugeben, einen eytremen Stritt 
bermieben $atte, bürfte, fotttc man meinen, für feinen @nt= 
f($Iug/ bad urforünglid&e Programm fejtjii$alten, 3 cu 8 ni 6 ab- 
legen. £>emio$ ift bie Suft bofl bon ®erü<$ten, Äarl jtrebe 
na<$ ber Äaif erfrone, fo liefe jtcfc ber Sßapft f eiber bernefcmen. 2 
©o allgemein ijl ba« f$toerlt<$ ri^tig, bagegen ift bem fran= 
jöftf^en Äönig, ber mit ben Äräften Neapel« toerflärft babon 
f<$toärmte, bie dürfen au& @uro$>a }u treiben, ber ©ebanfe 
an bie Erneuerung be$ lateinif<$en ffatferfyumS in Conftantt* 
nopel allerbmg* .genagt. 2Xix^ ben Areifen ber um Äarl ftc§ 
f^aarenben mifcbergnügten Sarbinäle $at ber 99if#of Staummb 
bon ®url/ geborener granjofe, bur<$ feine Stellung Angehöriger 
bed beulten 3tei<$$, juni Sermittler jtoif<$en beiben bur<$ feine 
politifäe Vergangenheit inSbefonbere 1490 unb 1491 berufen, 
enbli<$ enragirter ^rebiger be8 £ürfen!rtege$, lefctere 3bee 5U 

i $u SWont a. a. O. 318 giebt ben £egt. $>te donöention toarb am 
15. Januar gefötoffen. 

2 Burchardi, Diarium 6. 2050, toonodj er c§ 311 Surft jRubolf bon 
Anwalt gefagt $at. 



269 



f orbern gefugt babur<$, bafe er ben legten äbWmmlütg ber Sßaläo* 
logen §u ©unften Äarfe auf feine Sterte beraten lieg. 1 Äarl 
$at fi<$ nidjt auf biefe S9a^n locfen laffen. SBie er ben Sßapfi 
f$onenb bemäntelte, um bem fpauif<$en ÄömgSpaat ben SSor* 
»anb jum 39ru<$ feiner 3ufagen ju benehmen, 2 fo bermieb er 
e«, in biefer 83ejie$ung toä&renb feine« Aufenthalte« in 3tom 
ben SBerbatyt SDtajimilian« }u retjen. 

2Ran Iwt bieder ba& SSer&alten beS lefcteren gegenüber ber 
Tieapolitaniföen 6#>ebitton feine« alten ®egner$ al« jiemli<$ 
rät^fel^aft betrautet SBie ba« erfte 3tegierung$ja$r überhaupt 
faß unbeachtet geblieben ifi, ^at man e« au6) berfäumt, bie 
Urfa$en ju beftünmen, au% treiben 3Ra; biefer Unternehmung 
gegenüber jtittfafj unb erft, &on anberer ©eite getrieben / ein* 
griff, als eS ni$t me$r möglich toar, ben $errf$enben Sujlanb 
ju retten, fonbern nur ben neubegränbeten toieber umjufiiirjen, 

2)ie früher (©. 238) berührten SSertymblungen, bie im ©om* 
mer jtirif^en beiben ftönigen geführt toaren, finb ni<$t refultatlo« 
geioefen. 3 ttn &$ft ift überhaupt feftjufteflen, bafe bie üon 
Äarl VIII. abgefenbeten Ferren, ber (Srjbiföof bon 9tyetm$ 
unb ber $erjog bon la XremoiHe, in ber St^at auf beutfc&em 
Stoben mit SWay jufammengefommen finb. <S$ muffen SSer- 
fymblungen fe$r bertraulid&er SRatur gebogen fein, fonft fcätte 
ni<$t ftarl VIII. bur<$ feine ©efanbten nriff en Wnnen, bafe 3Jtoy 
feine SRufie jur Untetftüfcung 9U$arb8 bon $or! anjutoenben 
gebähte, ©ie 3Ritt$eilung gefc$a& offenbar, um Äarl VIII. 
jebe ©eforgnife bor einer ©iberfion be« rßmif<$en ÄönigS in 
feinem 9tücfen ju benehmen: fie toarb treulofertoeife benufct, 
um bur$ eine fubftantiirte SBarnung ein Serbienjl um #einri$ 
t>on (Snglanb ft<$ ju ertoerben. 3 2M<$e8 toar ba« pofittoe 

i Gfrerrter L, 443, toergl. 491 f. 3$ föliefce mid& in ber «uffafjung be§ 
«denftfiilef biefem an. fßtxal. % 6$neibcr, geraubt 87 f. 

* S)aS barf man bem Brief 6t. SRaloS an bie Äönigin entnehmen 
@. 137 8. 5 b. u. 

3 £einri$ VII. an ftarl VIII. 1494 Huauft 10 («airbner H, 292 f.). 



270 



SKefultat bietet Unter ^anblun gen? 2Jtaj fyat bie SRealifirung 
ber franjöfifd&en 2tnfprü<$e auf Slcapel jugelaffen: 
er $at, fo fd&eint e$, au&brücHi$ ben S)urdfoug bur# ba$ 
Feindgebiet in ber Sombarbei, mit bem eben bamal* St arte 
Söerbünbeter Soboüico SRoro toon 3Jlay belehnt tourbe, ge* 
jiattet. 1 S)ie Qbee einer Äirä)enreform, me$r aber no$ bie 
3tbfi$t, gemeinfam ben Ärteg gegen ben ßalbmonb }u unter« 
nehmen, fyat ft<$er baju beigetragen, tyn ba$ 8ebentti<$e ber 
6a#e überfein ju laffeiu @£ tonnte ferner jum 2#eil ber 
©etoinn §ran!rei($g aufgewogen erfd&eineu bur$ ben 3Sor= 
tljeil, ben er fi<$ fär Surgunb oon einem 2$rontoe$fel in 
@nglaiib t>erft>rad&. @r mar arglos genug, in biefer SSejie^ung 
ni$t an franjöfifd&en SSerraty ju benlen. $)afc bie aerfiedtte 
geinbfeligfeit ÄarlS VIII. i&m au<$ in bem, na<£ laum ge= 
fäloffenem Vertrag, erneut lo$bre$enben gelbrifd&en Ärieg eine 
meitere geffel anlegen toiirbe, bie bie englifd&e Unternehmung 
erftyoerte, bebaute er ui$t. 3Hay toar |ebo<$ ni<$t fo työrid&t, 
um lebiglicfc auf fo ungetoiffe 2RögIiä)leiten fyn bem too&lbefannten 
Sfttoalen beftimmten ©enrinn ju gönnen. 3ene Sortierte, bie 
fid^ tym in ber ttnterftfifeung 2)or!3 boten, tonnen nid?t ber 
Äöber getoefen fein, auf toeld&en er anbtfc. S)afc toon bem 
^erjogt^um öurgunb nur fUu$tig bie Siebe getoefen ift, warb 



(^errier I, 398 Weint anjuneljmen, maß aflerbingö bie ftorenrinifdfen $>e- 
pefdjen nahelegen, bajj 3Woj ben ©efanbten abft^tli^ au9gerot<$en jei. ©eine 
Stoff afjung ber Haltung flRarjmilianS ift fd&ief, »eil auSge^enb öon ber 
SBorauSjetymg, ba& bie föücfgabe ber greigraffdjaft k. im Stieben »on £enli§ 
ein freies ©eföenf be§ fronaöfif^en töed&t§ftnn& getoefen fei. 6. bie 6in* 
leitung. 

i SRoj faßt auSbrüdlid) öon fid> felber in feiner atotföaft an bie 
glorentiner im 3uli 1496 (Archiv, stör. Ital. VII, 2, 782), ba& er, auf Sitte 
&arl§ ut in bello a se gerendo contra regem Neapolitanum nulluni 
ßibi obstaculnm faceret, ei consensnm dedit etc. $affetbe erllätt 
er in einer unbotirten äöerbung an bie ©djtoeijer (<&oj>ie be§ berliner 
lrd)it>8 bei ben ttinbauer töeidjßtngSacten, jebod) »o# in bie erflen Monate 
1495 gehörig), $af$ bamalS Was bie (Sibgenoffen befanbt, err)eUi au§ 
Sanuto, Espedizione di Carlo VIII S. 202. 



271 



oben gezeigt. ' So f<$toer glaublich e$ nun juerft erfreuten 
bürfte, es ift gettnfc, baß Äarl unb SRayimilian bamate f<$on 
eine ärt SSorfoiel jur ßiga t>on Cambrat} maugurirt unb fi<$ 
ju gemeinf<$aftli#en (Eroberungen in Statten berabrebet baben. 
SU Entgelt für ba8 oon granlret<§ begehrte Neapel 
toarb bem römifd&en Äönig auf f rattjöf ifd^e Unter« 
ftfifeung jur ^Beraubung Seuebig* 2lu8fi#t gemalt. 2 
So au$ allein, bur# einen folc^en $intergebanfen, ift bie 
Haltung Starte ber Sagunenßabt gegenüber toätyrenb beä gelb- 
jugS öerftänbli$, eine Haltung, bie ben in ben inttmfieu ©e« 
banlen be3 ÄönigS uneingeweihten 93otf$after in SBenebig, 
ßornnuneä, in pemli$ße Sage braute. 5Dte ueuertoorbenen 
görjer «Dijhricte mit bem oenetianifd&en $interlanb }u üet* 
binben toax ein für 3Raj völlig einleu$tenber ©ebanfe! feine 
Smerbung tonnte tym au<$ im #inbli(f auf ben Sürfenfrteg 
ernmnfd&ter fein. ©iefer ©ebanlengang — unb ni<$t ein mo- 
ralifd^r Scrupel, ben grieben toou ©enliS ju üerlefcen — bat 

1 $iellei$t foielen tfarl unb ber Sarbinat Don 6t. SRalo in einem 
toeit ipäteren 3eilpunft nochmals auf eine auf Äoften ber Verausgabe 93ur- 
gunbS au erreiäjenbc SBerftänbigung mit 3Raj an, als fte im SWärj 1496, 
nm $enebig oor bem ^Beitritt jur ßiga ju warnen, toieber^olt ertl arten, mit 
einem SBricf tonne Äarl ben römij^en ßönig au ftd^ jurüdfüfjren (Sanuto, 
Espedizione 263 u. 295). 

2 gurtta foriä)t e§ $1. 59 b bei £arfteflung ber ttiga öon Eencbig auS, 
»el$e 9Hitye e3 gfetbinanb ben ftat^otiföen gefoftet, OTaj t)on biefer ^antafte 
abzubringen: Con gran difficultad se podia persuadir a Maximiiiano, 
que no creyease que seria ayudado del Rey de Francis, para que el 
se apoderaaae del sennorio de Venecianos: que era una empreea que 
tenia muy concebida en an fantasia. Snbireci t)at eS aua) 9Rar, im 
ttttguffc 1496 bem 0efanbten gfoScari jelbft eingeftonben : Non considerate 
voi, slo mi avesei voluto accordare col Re di Francia che m'ha sempre 
offerto e mi offre diversi partiti, in che termine si ritroverebbe Italia . . . 
Che se io avessi aasen tito . . . il duca di Milano avria perduto il suo 
atato e la illuatrissima Signoria tutto quello che ha in 
Terraferma (Archivio stör, ltaliano VI], 2, €>. 809). Sobann fagt er 
am 9. September 1496 bem Dogen offen inS ®eftä)t, bafc Stall VIII. i$m 
„te et dominium tuum obtulit" unb nadj Eroberung Neapels §ülfe ju 
SenebigS Eroberung jugefagt. Sanuto, Diarii I, 912. 



272 



tyn benimmt. SSie anberS nimmt fi$ unter ber 5Borau8fefcung 
eines berartigen UebereinfommenS ber fortgelegte freimütige 
33erfe£r l beiber ffönige toä^renb ber ©fpebition au8! Uner* 
mfibluty mar für bie Spaltung be8 @itt>erne$menS, in feinem 
geuereifer für ben gemeinfamen ftürfenjug, ber (Sarbinal t>on 
©urf ttyätig. Unb anfäeinenb mit bejtem (Srfolg. Sänge 
fonnte er SRaj Don ber Sauer ber guten ©efinnungen ftarfö 
$infi<$tli# jene§ SieblingSplaned unterhalten. 9lo<$ in einem 
SBrtef, ber ettoa SDecember 1494 ju fe$en ift, erflärt SRaj 
feinen (Sntfd&lufc, am 3. Styrü 2 be$ folgenben 3^te8 an ber 
©pifce eines #eere$ in Italien ?u erfd&einen, um perfönlidb mit 
Äarl VIII. über alle«, toaS jur ®r&ityung beS $rtflti<$en 
SRamenS nötytg fei, ju toerfymbelu. ®urf ttrirb beauftragt, mit 
einer ßrebenj aRajimilianS bei bem franjöfifd^en Äönig <§te 
lunbigungen einjujie^en, ob er babet beharre, gemeinfam gegen 
bie Surfen ju festen, ©erfelbe foHe fein Qeet ja ni$t $er* 
trennen, ba SRay jur SBerattyung ber ®a$e f^leunigft nafy 
9tom lommen toofle. Spanien, Ungarn, Sßolen, bie Staaten 
Stauen« tooDe er jum änfölufe toeranlaffen. ©egen bie Äarl 
jugef<$riebene Slbfu^t, ben Sitel imperator Graecorum anju* 
nehmen, fcertoa&rt er fi$ im Qntereffe be3 6$riftent$um$ , ba« 
nur einen <$rijUt<$en ffatfer brausen fönne, auf« ent* 
f $iebenfte. 3 ©urf foB bem franjöfif^en Äönig abraten unb 
naä) SBolIenbung feiner äßtfftoa bem römif<$en ftönig fammt 
einigen franjöfifäen Dratoren ua<$ glorenj entgegenfommen. 



l »ergl. 5ßilorßcric ©. 187 f. 6. Sannto, Espediz. 217. 

* Ad octavam resurrectionis. <&op\t eines lateiniföeit, unbatirten 
^Briefs 9ttarjmilian8 an ©urf im toiener «rdjiö. 9Rag bantt barin für brei 
uon legerem erhaltene ©riefe. Ueber (StorfS SBejie^ungen ju ftarl in biefer 
3eii toergl. je# 3. 6$ntiber: $ie fird&ltd&e unb po\it\\ä)t 9Birffamfcit beS 
«egalen töaintunb ^«taubi (1486—1506) S. 88 ff. 

9 a proposito nostro alienum. ®url mar gerabe bei bem am 6. @e|>* 
tember 1494 concijnrten SDersid^i beS ^aiäologen ju fünften ftarl« %a* 
Dorragenb tr)ättg gemefen. SBergl. au$ Sanuto, Espedi zione di Carlo VIII 
6. 188. 



273 



2RfigK<$, baß tiefet ©rief jum Qtoed ber 22iuf<$ung ju 
einer Seit getrieben Ift, in ber SRayunilian bereite bon einet 
entgegeugefefcten Strömung ergriffen tt>ar: er ift barutn ni$t 
minber BeiueiSfräftig für bie Serbinbung beiber Ä&nige in ber 
vorhergegangenen ^eriobe. i SRau nrirb ffinftig fagen muffen, 
baß ber rümifd&e Äönig ben ftranjofen ©nlafe na$ Stalten 
geködert $at Sie 2#atfa$e toirb bteHei#t weniger erfiaunli<$ 
erfd&einen, wenn man fi$ toergegentoärtigt, ttrie ber t>on 2flay 
als $olittler $o$gefteIIte Sobobico ©forja ju bem Unternehmen 
Harte fianb, ba8 er ^erborrief nnb förberte. 2Benn e$ auf 
Sermutyungen anUrne, märe es unf^toer ju geigen, n>ie gerabe 
ein Derjtoeifelter Spieler tme biefer unbebenfli^e ®etoaltmenf$ 
tottnf$en mufcte, ji<$ gegen bie bur$ feine ®<$uß> nun einmal 
in Italien unt>ermeibli$en granjofen an bem berftyoägerten 
©ebieter be8 beuif<£en 9tei$3 in Senetien eine na<$barlu$e 
6tü|e )u Raffen. 

„3<$ f)ätte eö ni$t geglaubt", in btefe ©orte Iftfct ft<^ 
furj unb gut ber fönbrud jufammeufaffen, ben bie ton 2Bo$e 
)u 9Bo$e fi$ me&renben Erfolge granlrei#$ auf bie Staaten 
Stalten* unb bie (Sabinete <Suropa& $er&orbra$ten. 3eber 
neue gortf^ritt trug baju bei, au$ biefer (Smtfmbung, büpirt 
}u fein, bie ©effifcle be* 8rgn)o&n$ unb Sterger* emporfliegen 
}u laffen. am frfi^eflen bei bem S3unbe*genoffen Harte, otyne 
beffen @elb berfelbe gar ni$t btä SRom gefommen märe, bei 
bem neuen «frerjog bon 3Railanb. @$ ift überflüffig ber 



i $afe Wai efi für jtoetfmäfeig anfa$, in ber erflen ^ropofttion auf 
bem nwtmfer ttei($8tag jebe§ JBerfUmbnifj mit ftarl VIII. beffen italiemjdje 
$otttif betreffenb au$ für bie JBergangentyit in Kbrebe gu [teilen, mürbe 
gegen bie obige Darlegung au$ bann ttid^t auflommen, toenn bie TOeugnung 
nt$t burä) ben 3ufafc: „(oerftentnuS , beriet ober toefen) baS fcu einigem 
abbruä) na$teil ober jerTÜttung bcS $. $ei$§ gebienen mag" oerdaufulirt 
»fite. %>aü 6. 826. S)afi bie „ra$rung unb einigung", »eld&e er mit 
gfrantrei^ gemaä)t, ir)n oerfcinbert %&tit f etwas gur Rettung Neapels au tyun, 
(«u§fd)r. oom 23. 9Rai 1496, 5)att 547} ift $ier, too tiefe 2öorte fid) nur 
auf ben Stieben pon SenliS bejie^en Iaffen, blofje ftlaufe. 
Ulm an n, Haifa SWajlraU'tan. I. 18 



274 



ja^Irei^en Surüdfefcungen unb Unbilben im (Smjelnen ju ge* 
benlen, treibe ber verrätyerif<$e SWann feiten* be£ von tym 
herbeigerufenen gremblingS ju erfahren fcatte. ©$toer laftete 
auf iffm bie ©orge ber 3 u ? u nft/ ba ber mit fatf« $eerefe 
abtyeilung in Slfli jurficfgebltebene £erjog von Orleans unstoefc 
beutig beut Usurpator gegenüber feine ererbten Slnfprüc^e auf 
SRailanb ju erlernten gab. 9H$t minber als Sobovico begann 
ba$ bisher in ftoljer ©elbjtbefd&rättfung neutrale SBenebig ton 
fd&toeren öebenlen ergriffen ju werben, al$ bie ganje SRorf$$eit 
beS aragoneftfd&en 2#ron$ in Neapel ji<$ offenbarte, too na$ bem 
gatt ber £auptflabt unb ber gluckt be* Jtönig* ©d^Iofe auf ©<$lo& 
in bie $&nbe ber Sieger geriet^, ©elbjt in biefem Sanb ariflo- 
fratif$er ©rbfoeis&eit gab e8 ba SMomente, in melden bie re* 
gierenben Ferren faft rat^Iod bie Äöpfe Rängen liegen. S^atfädfc 
U$e einbüße fcatte, abgefe&en Von $iero be SRebtciS, bereit« 
gerbinanb t>on Spanien erlitten, ber gegenüber bem arago« 
nefif$en SBajtarb&aufe Neapel« mit feinen 3fafprü<$eu nie $atte 
hervortreten wollen, aber natürli^ bem #au$ SKnjou leinen 
Vorrang gönnen wollte. ©<$on fa$ er ji$ für bebrofct an 
im 83efi$ ©iciliend unb ©arbinten«, gerbinanb mar ni$t ber 
SRann baju, fidb bur<$ SBerpfK$tungen für gebunben }u era$ten, 
h>e($e er in ber trügerifeben Hoffnung eingegangen, bafc 
Äarl VIII. f$eitern mürbe. Sei biefer 2)en!art ifl es jtemlufc 
gleichgültig, ob er ft$ mit me$r ober weniger 8te<$t auf bie 
Staufei beS mit gran!rei<§ gefd&Ioffenen Vertrag« t>on 33ar= 
celona berufen tonnte, Wel<$e jur 33orauSfe$ung feiner wo^U 
Wollenben Neutralität bie ©<$onung be« $apfte« bur<$ Hart 
machte. Umfonft fyitte legerer bie $arte SRot^menbigfeit , in 
toeldje er ben Sßonttfep tyneingeängjHgt ^atte, mit bem Schein 
freiwilliger ©ebatyrung umgeben, ©<$on auf bem 3Jiavfd^ von 
9tom na$ Neapel erreichte i$n bie 8otf$aft, wel$e bie SoS* 
fagung Spaniens von bem ©ertrag in nid^t mifcjuverfte&enber 
SEBeife ju erlennen gab. Spanien rüflete ftd& alsbalb jur Unter* 
ftüftung be« vertriebenen $errf$er$ von Neapel. 3 u 9^ e ^ &** 



275 



gann e3 ben biplomatifd&en gelbjug, beffen ßnbjiel bcr 3*** 
fammenfd&lufe aßet bur<$ granfreid&S aRa<$tentfaltung au* er* 
träumtet 6i<$er$eit geriffenen IDtöd&te toar. $ier fann nicfct 
bie Sbfi$t fein, bie @ntfle$ung ber fog. ^eiligen fitga im @in- 
jelnen bar§ulegen. @3 mufe genügen, bie Stellung be8 römiföen 
ÄönigS innerhalb biefer btpIomatif<$en öetoegung ju präcifiren. 
©in* ifl unjtoeifelfcaft, bafc bie fpanif<$e ^Diplomatie es gemefen 
iji, n>el$e benfelben aum Steffeln feiner $ßofttion belogen 
l?at. S)ie 55er$anblung Aber bie fpanif^e S)o:ppel$eirat& in 
ben erjien SWonaten 1495 energif<$ aufgenommen, geigt ben 
2Beg, beffen fi$ gerbmanb bebiente, totnn ßintoeife, 2Bar* 
nungen u. f. to. gegen bertraueuSfelige Eingabe an bie 33er* 
fprec^ungen granfreic^ä ni<$t frudjten toottten. 63 ttrirb aus* 
brü<fli$ berietet, ba& e3 bie größte SDWtye fojlete, 3Rayimilian 
ben ftrieg toiber SSenebig au* bem ftopf ju treiben. 1 33on 
ber Unterflfifcuug be$ angebU<$eu ^erjog* toon $orI liefe er 
Rd? nu$t abbringen« 

SJtajimiltan ftanb ju allen für ein antifranjöjtfd&eS Sünb* 
nife bereiten 9Rä$ten in guten S3ejie$ungen, SSenebig allein aus- 
genommen. Quid) feine 9ta$folge in ben Äanben ©igmunb* 
bon Sirol unb me^r no$ bur$ bie präfumptibe SBeerbung be$ 
legten ©rafen bon ©örj 2 toar ber ©ignorie bie 3Ra<$barf<£aft 
beS toerbenben fyxb8burgif$en ©rofjjtoateS , inäbefonbere in 

1 3n ber 6. 271 dürfen Stelle f%t 8uriia fort (|B1. 59): y el Rey 
con gran solicitad le amonestava, que no emprendiesse gnerra contra 
la Sennoria de Venecia. $u<$ narf) Portugal $in, ber §eimat fetner 
Sflutter, fatit SWar, bamalS feine Politiken Kombinationen ausgebest. 
lieber bie geiratyen f. oben 6. 242 f. 

2 JBergl. ö. Gsoernig: $>a§ ßanb @ör) unb ©rabiSca 567. ®ie erbliche 
Uebertragung an SRaj (1490, f. 9Kolinet IV, 91) mar mit einem gtei$ 
auSjufü^renben £attfä)oertrag »erbunben, toonaä) bie Gebietsteile in griaul 
fofort üon 9Raj befetjt »erben fottten. £)a§ für^rt fa)on bor ber im $ejt be- 
fjanbelten $eriobe JU 3»ift jttrifd&en ben beiben 9taä)barn (f. SRaltyiero jum 
Satjr 1493 6. 148 f. unb 315, an legerer Stelle oertoorren). 5) er Iefcte 
@raf toon ©örj Seonfcarb ftarb 1500 (Gsoernig 719). $ergl. aud) ÄroneS, 
$anbbu$ II, 542. 



276 



griaul, unbequem geworben. Sotneit fte ofcne offenen 33ru<$ 
lonnte, &at fte ben öftcrrctd^ifc^cn Sntereffen jeben (Sintrag 
jugefügt. S)er römifd&e Äönig ernriberte biefe Hbneigung, 
tooffl metyr no$ feit ber jtoetbeutigen Neutralität ber SSene* 
tianer im ungarifd&en (Srbfolgefrieg, na<$ Äräften. 3Wan 
brauet !aum ju jtoeifeln, baft er bon born&erein, tote anbete 
jeitgenöfftfd&e 3Ronar<$en, bie £errf<$enbe Stellung be£ Aauf* 
mannStoolfö ebenfo toibernnllig ertrug, als Ie|tere3, ua<£ allem 
toaä vorangegangen, ungern bie 3#ronbefteiguug beä unruhigen 
unb begehrlichen Jla^bam im römif$en 8tei<$ anfa^ 1 Seitbem 
waren bie 33ejte$ungen nid&t bejfer getoorben. 9MS jtdj) am 
24. SRotoember 1493 Wmglid&e ©efanbte in SSenebig präfetu 
ttrten, mit bem Serlaugen, ba$ görjifd&e Satifana in $riaul 
berauSjugeben, fi<$ Aber ben 3 toc( * ber na$ ®rabt3ca ge= 
legten 33efa|ung auSjulaffen, enbtt<$ ft$ jum Jürleufrieg 
mit bem römif<$en Äöuig }u berbinben, erfolgte auf alle 33e* 
getreu ein abf$(ägiger ober au$n>ei<$enber SBefäeib. 2 Steife 
toeife 3 toaren e$ analoge territoriale gorberungeu, berenttoegen 
aRayimilian f eiber in SBten mit einer, ju Äaifer §riebri$$ 
£ei$enfeier eingetroffenen, öenetianifd&en 83otf<$aft toergebli<$ 
unter&anbelt $atte, n>enn aud& junäc^fi von einem austragt 
Verfahren bei nad&barlid&en Streitigletten bie Siebe iß. aber 
auf biefelben toar, obn>o$l im SJtörj 1494 )u 3RayimilianS 
#o<$jeit in 3nn8bru<f bie ©tguorte abermals eine ©efanbt* 
fc^aft abgefertigt fyatte, .nie eine Stnttoort erfolgt 4 @$ toäre 



1 6palatm§ fladjlafc 69. 

'i SRalipieto 144. ^tnft^tli^ beS fcürfenfrieg* toarb biefer »eföeib 
im Xecember ttriebeT&ott. 

s 6. boS Begeft (ftr. 595) SalentinefliS au§ ber gorrefoonbeng beS 
$>ogen mit ben Qefanbten. 3lb$anbtungen ber $iftorifd&en klaffe ber baierifgen 
«fabemie IX, 555. 

4 9tod& bem eigen$&nbigen (Sntnmrf BRagimiliand ju ber gleich gu 
erraäfjnertben ^nftruetton. Gfynel 85 unb 86. GS muff ft<$ olfo um me$r 
ge^anbelt $aben als einen HuSlieferungSöertrag Don SBerbred&ern. 2)enn ein 
folget, Don ©igmunb mit SBenebig abgesoffen unb Don SHag neuerbing* 



277 



ntenf$K$, toenn bie gegen bie SRepublil babur<$ geretjte Stinte 
mutig be$ ÄönigS bie SSerftänbigung mit Äarl VIII. auf 
SenebigS Äojien erleid&tert fcätte. SRit ber £enbenj auf S)e* 
mfit^igung be8 lefcteren jlimmt e3 übrigen* bur($au3, bafe 
Dom ÜWärj bis gegen @nbe be$ ereignisreichen 3a$reS 1494 
feinerlei 33ejie$ung na<$toet$bar ifi jtoifd&en beiben feinbfeligen 
9la$batrt. 

SBieber fear es ber rßmif<$e Äönig, ber juerfi anfuüpfte. 
Site bie 5Ra<$ri<$ten aus Stalten bebenlli^er tourben, als be* 
!annt tourbe, tt)ie Äarl VIIL in ben ibeett &om 9tei<$ fefl* 
gehaltenen ©täbten glorenj, Sßifa, ©tena als #err gehaltet, 
toie er ben Sßapfi nötigenfalls ni$t fronen tmirbe, als \>ox 
feinen ©elüften na<$ ber Äaiferfrone immer lauter getoamt 
tourbe, mo$te äRayimtlian, ber im fernen SBrabant »eilte, 
bebenfliefc geworben fein über bie ©runblage feiner Sßolitif. 
Ob er etfcaS toufete Don bem 33ertrauenSbru<$, beffen ft$ 
Äarl VIIL, nrie man annehmen muß, i$m gegenüber $infi<$t* 
li$ 3ti$arbS Don $orf f<$ulbig gemalt, ifi unbefannt. Sei 
bem augenbliäfi^en ©taub unferer Äeuntniffe läfet fi<$ anfy 
nu$t entfdjeiben, ob bereit« bie ertoä^nte fpanifd^e 5ßrcffion 
toirf fam toar, als er ben @utf<$lufe fafjte, fi$ mit SSenebig auf 
einen beffern %n% ju ftellen. SSon Sfattoerpen au« richtete er 
am 5. ffto&ember 1494 an ben 2)ogen 33arbabigo bie anfrage, 
ob berfelbe eine löniglid^e ©efanbtftyaft in Angelegenheiten 
3talienS empfangen toofle. S)ie änttoort lautete bieSmal fe$r 
entgegenfommenb. * 9loty e$e er toon ÄarlS ©injug in 31 om 
erfahren ^atte, liefe 3Rayimilian eine 3njlruciion entwerfen, 
toel$e, na$bem fte ber 8eguta<$tun$ SBertyolbS üon 3Jtainj, 
Sttbre<$tS üon ©a<$fen u. a. unterlegen, 2 am 17.3anuar 1495 

betätigt, mar üom Sogen am 24. 3uH 1494 puHidrt toorben (Salenttneflt 
o. a. O. fteg. 604). 

i SBatbabigo an 9Ra£ 1494 Secember 23. äötener Hrgit». 

2 Was an SBerfljoIb 1495 SBergen op goom 9JHtttoo<$ na$ ©tetlönige 
(7. Sanitär). 3nn8br. Btd&ttj. 



278 



ausgefertigt mürbe. i @3 $anbelt fid^ babei um ein Separat» 
abfommen mit SSenebig. 3fn erfter ßinie toünfd^t ber Äßnig 
(weiter erflfirt, in ben lommenben gaften na<$ SRom jur 
Äaiferfrßnung jie^en ju tootten) ben Sßafc burd> toenetianif<$e3 
©ebiet für ft$ unb fein §ttt, um nßtbigenfaßs mit ©etoalt 
bie granjofen au& Italien ju toerfeu. S)ie Qnfiruction betraf 
befonberS bie burd^auS für SSenebig ungefährliche £enbenj btefe* 
©urdfougS: fie tyält es für nßtytg, bie SSenetianer barfiber ju 
beruhigen, bafe 3Ray nid&t, toenn er mit SRad&t in tyrem Sanb 
flünbe, ibnen ju Ungutem mit Äarl VIII. fi$ vertragen 
mürbe, Ätingt baS ntdjt faft toie bie verlegene @ntf$ulbigung 
eine* ni<$t reinen ©erotffenS? @rfi toenn bie ©efanbten be* 
merften, bafc SSenebig ebenfo nne SWa? ajiijsf allen trüge an 
bem SSome^men ber granjofen unb bagegen ju Reifen 
geneigt märe, foHten fte mit bem eigentlichen ^auptjtoecf 
IjerauSrüdfen. SluSgetyenb t»on ber ©ebrobung beiber bur<$ 
grantreidjj njirb ber Signarie ein fünfunbjtDanjigjfi^rigeS Sünb* 
ni& miber jebermann borgefd&Iagen. ®ie gegenfeitige 33unbe3* 
bülfe fott 10,000 ÜKann betragen. SBffl&renb jener 3*üfpanne 
fotten alle Streitigfeiten $n>if<$en beiben na<§ einem bon 3Ray 
früher üorgefd&lagenen 3Jtobu8 aufgetragen fterben. S um 
• SRomjug tt>ünf$t berfelbe auf feine Äoften bie Stellung bon 
400 Sanjen, unter bem S3erft>re$en ber ©egenleifiung eine« 
folgen SteiterbtenfteS. Sttte* in aKem ift biefer SSorfd^lag ein 
33erfu$, bie benachbarte ^anbefegrofcmad&t, fo ju fagen, tnS 
ßfierret<$if$e Softem ju jie^en. @r fd^eint mir ein jtoingenber 
SBeroeiS, bafe üon einem Stnberftänbnife ber bur<$ Äarl VIII. 
gefertigten Potentaten jur 3*it no ^ feto* &&>* fein fonnte. 
9Ra? §atie no$ üorgefd&lagen, fofort, gum @rf<$redfen ber gran* 
jofen, ein gemeinfameS ©jpebüionäcorpS in ben SRüdfen ber 

i 95on biefem Xag ip »enigftcnS bie ©oKma^t für bie (Befanbien an 
ben Sogen. SBiener fltdjib. $)ie 3nflruction jelbft ift o$ne biefefi Statum 
gebrurft bei Gljmel 82 ff. $>tcfelbe fagi 86 bie ©inna^me Storni burdj Staxl 
erft als eine juftinftige flKögtidjteit borauS. 



379 



fteinbe na<$ älncona 1 ju toerfen, tocld^cö für feine fpäteren 
Operationen einen ©tüfcpuuft abgeben fönnte. @r $atte f$on 
bie baju Verfügbaren Gruppen bejeu$net. @S ift baju ni$t 
glommen: bie £>inge fcaben einen roefentli^ anbern Verlauf 
genommen. 

SSenebigS älbftd^ten feinen fi$ früfoeitig bem ©ebanfen 
einer allgemeinen Siga jum 6<$u| Italiens jugefoenbet ju 
$aben. 2 äfaberS ber neue $erjog Sobovico von 3Raüanb, 
tiefer fpra<$ ft<$ im Januar 1495 gerabe SSenebig gegenüber 
auf« entf^iebenfie gegen bte, md)t minber al8 ber franjöftfd&e 
©nbru<$, verberblt<$e ßereinjiefcung ber 3)eutf$en na<$ Italien 
aus. 6r proponirte, ben Äönlg von Spanien unb ben römtfdjen 
Äöntg ju einem Singriff auf §ranlrei$ fetbft babur$ ju ver* 
anlaffen, baß man tynen ba8 jur Serfügung ftellte, toaS beiben 
abginge, ba& @elb. Sarin f a& er ba8 einige SKittel, Äarl VIII. < 
fäleunigjt au* Stalien ju entfernen. 3 9H$t$ lonnte toeniger 
ber politif^en 8Sorfi$t genehm fein, mit toel^er gerbinanb von 
Spanien bebaut ftar, feine bur<$ ben SBertrag von ^Barcelona 
arronbtrten ©renjgebiete unverfe^rt }u bemalen. @r be« 
trieb einen allgemeinen 93unb jum ©$u$ beS $apfte3 unb 
aller italienifd^en Staaten überhaupt. 3ftm galt e8 nur, bie 
ftranjofen toieber au« biefem £anb ju entfernen. 2lm meiften 
begegnete fi<$ feine Diplomatie o^ne fttoetfel mit ber ©ignorte; 
bei biefer toar feit bem 5. 3anuar 1495 4 fein getoanbter 

i $>ori&in fjtttte ttac^ «Dias' Sfopdjt au* ber <Paj>fl beim Slnrucfen ber 
Sfranjofen flu) jurüdjie^en (ollen. (Jojrialbüd&er be§ wiener ^trd^tbS. SJergl. 
boS Schreiben *Ier,anber8 bom 4. ttprit 1495 bei Füller, $ei$8tag8tyeater 
unter SRar. I, 303. 

2 gurita SBl. 60 a. 

3 SRomanin 62 bom 19. Sonuor 1495. ©d&on Dörfer am 3. $>e- 
cember 1494 tyatte ßobobko ben römiföen Äönig nidjt etwa jur Jbriegß^ülfe, 
fonbern jur btytomattf(§en 3nterbention bei Start aufgeforbert. ©benbaf. 54. 
$)afs Sobobico nod& länger, aud& Spanien gegenüber, an biefen Sfofd&auungen 
fefHielt, benen man nur in feinem SDlunb feine patrtotifc^e Xenbenj unierlegen 
barf, erbeut au8 gurita 931. 60 b. 

4 M. Sanuto : Espedizione di Carlo VIII, herausgegeben bon ftulin 



280 



©eföäftsträger ©uarej tyätig. So lam e$ too^t, bafe in 
SJenebig ft<$ jefct ba8 Sentrum ber gegen Äarl VIEL gerateten 
gntrigue bilbete. 

Slber e$ bauette geraume Qzit, bis bie SSerfcanblungen 
jtmf^en Sabinet unb Sabtnet ein gemeinsames 3iel ergaben, 
bcffctt 93ertotrIH$ung bann ber in Senebig fi<$ fammelnben 
33otf$afterconferenj unter SBortoalten be8 benettanif^en <§m* 
Puffe* flberlajfen toetben lonnte. Sobobico äRoro $atte bor* 
erft, tote früher gejeigt tourbe, guten ©runb, SRayimüian 
ni$t na$ Italien $erbeijutoflnf$en. ßrtoägungen allgemeiner 
SRatur ty&tn f<$liefjli$ ben Äönig fcerantafjt, feinen anfänglichen 
2Biberft>ru$ gegen bie aufnähme SobotncoS in ein $ünbnift 
fallen ju laffen. * 3>o<$ $at Sobofcico tief in ben SBeutel greifen 
muffen, um bie ©nabe be$ jefct me$r toie je gelbbebürftigen 
ÄönigS unb f<$liefeli$ im 3Rai 1495 bie 83ele$nung ju erhalten. 
@iue anbere 6#ttnerigleü lag in ber Unjut>erläfftg{eit be$ 
SßapfteS, ber in feinem ©<$toan!en jtmfdjen bem gehalten an 
bem ©ünbmjj mit unb ber Stngfl bor granfreidfr lange ju 
feinem @ntf<$luj$ lommen lonnte. 3tu# bei 2Rayimttian mar, 
felbji na$bem jene Snflruction an ben Sogen feftgefteflt fear, 
bie 3eü b** Stoeifete toenigftenä Aber ben borjflgtu^eren 8Beg 
jum Qid noä) nid^t borbei. ©3 jetd&net toieber fo tefy feine 
Unfä$igleit, einen polittf^en Sßian ganj auSjubenfen, bafe er, 
e^e no$ ton einer Seite Unterfififcung i$m jugefid&ert toar, 
fi<$ mit bem ©ebanlen befreunbete, fi<$ o$ne toeitereS auf granfc 



als Beilage jum Archivio Veneto, 178. S)ie (Sefanbien beS römifäen äönigS 
ttmrben, offenbar in golge be§ vorangegangenen 6a}riftentt>e<$felS, aua) f$on 
am 11. 3anuar ertoartet. Kervjn de Lettenhove: Lettres et negociations 
II, 152. 2fo6 berfelben Duette ergiebt ftc^ , baj$ Bereits üor btefem 
Sage bie Signorte bem franjöjifdSien SBotföafter SommineS in oerbinbli$er 
ftorm )U üerfteljen gegeben Ijatte, bog feine Greife erroünföt {ei. 

i SRoä) in SBenebig motten feine ©efanbien oon ßobobico als §crjog 
niä)t8 $ören: in ben $er$anblungen fottte nur oom Staat bon SRailanb 
bie föebe fein. Sanuto 258. 269. Ueber bie bamalige TOig^eltigfeit beiber 
f. früher 6. 226. 



281 



rei$ ju toerfen, um fo Äarl VIII. jum aufgeben SReapelä ju 
jttringen. * Sie auffällig iß bo<$ babei bie ttebereinjlimmung 
mit beut bon ganj anberen ©eft$t$punlten geleiteten Sobobico! 
gfir SWoj fleHte fi$ bie Sa<$e f o bar, bafe er ben am 24. Sftobember 
auf ben 2. gebruar naty 2Borm$ aufgetriebenen Sfteidfjötag 
na$ ftöln berlegen moDte, um mit ben gerüftet anfommenben 
ftei$*ftfinben fi<$ fofort auf bie fran§öftf$e ©renje }u (Hirsen. 
2)ie $i$e be$ bur<$ frühere Erfahrungen unbelebten ÄöntgS 
mußten erjl feine Stätte 2 abfüllen mit bem $intoei$, bafc eine 
fol$e SSerrudfung unfehlbar ben in jeber Stiftung $o$notfc 
menbigen $ag jerrütten müßte. ßrft ber 3tei$$tag felbji fönnte 
entf Reiben, ob in Stallen ober in granfrei<$ Ärieg geführt 
loerben foHte. 5Die Verlegung ttriirbe biele beranlaffen toeg* 
jubleiben, in bem ©lau ben, baft ber Äönig feinen, 3 ni$t beS 
9tei$* SBortyeil fud&te. Sie (Srfd&einenben, bie gemäfe bem 3lu8* 
f (^reiben fi<$ jutn Stomjug anf$idften, würben ft<$ Weigern na<$ 
granfrei$ ju folgen. Sluf alle gälle fei erfi bie 3 u f a 9 e ber 
#filfe Spanien^, beS SßapjleS, SSenebigö abjutoarten, e^e man, 
ben ©enannten in Italien bie Saft abne&menb, mit graufreicfc 
anbänbe. SRayimilian fyat fid& gefügt unb in golge babon 
mieber feinen Stomjug in ben SSorbergrunb geflettt. 6ifrig 
räßete er unb $ielt au<$, mit toeldjem ßnbjtoedE lägt {!$ er* 
ratzen, bie SBerbinbung mit Äarl VIIL aufredet, ©inet ®e* 

i gran$öflidjerjeitS fyat man noä) ßnbe Januar 1495 ö^nli^cS ge- 
fürchtet. 6. ben »rief ÄartS VIII. Bei $Uorg6rie 6. 234. 

? Antwort ber 8*Ät$e in Hntmerpen auf ein bur<$ Seit Don Stallen* 
petn i$nen vorgelegtes fdnigltä)eS $roinemoria. UnbatirteS Qoncept im miener 
fcrdjto. $af$ bieS ^roject noä) in bie Seit ber Ausfertigung jener 3n- 
frruetion Dom 17. 3anuar fällt, beweift eine aus SBormS d. d. 18. Sanuar 
bem fpaniföen 98otjä)after in SSenebig feitenS feines Kollegen in $eutf$lanb 
gemalte SRittbeilung über einen üon 9Ras eoentuefl beabjta)tigten Giinbrud) 
in Surgunb. @anuto 6. 199. 3rrig bajelbfl bie Annahme beS $ef$i$ts- 
f o^retberS, bafe 2Raj fä)on in HBormS gemefen fei. 

3 gier ift baran gu erinnern, bafj, mie oben erjagt, Was \$ on toegen 
ber 98irren in £ütti$, ©eibern u. f. to. eine analoge Verlegung beS töei<$8- 
tagS geplant $atte. 



282 



fanbtfäaft, toel$e Anfang gebruar üon SSalmontone bis Serott 
in bcr Umgebung be$ franjöftf<$en $errf$erS toeilte, folgt balb, 
o$ne bafe ftd& ber 3^itpunlt bcr ©ntfenbung beiber befHtnnten 
liefee, eine toeitcre unter gü^rung beä %ean 85ontenty$, be* 
burgunbiföen ©c&afcmetfterS 3Jtaytmtltan8. i Selbe brauten frieb* 
li$e 3$erfi$erungen unb bie (Srflärung, ba& SWay ft<$ anföide 
jur Ärönung über bie Sllpen ju jie^en unb bann ben Äreujjug 
auSjufüfcren. ßarl tiefe tyn jur <£ile mahnen unb fteHte eine 
3ufammenfunft in SRom in äCudfid^t. ®er franjöfifd&e Äönig 
mtegte ft<$ forttoä&renb in ber Ueberjeugung, Maximilians (Snt* 
fd^eibung in ber $anb ju $aben. 9lo<$ als bie SBürfel un* 
ttriberrufli<$ gefallen toaren, als 2Ray offen ben ©egnern fu$ 
angef^loffen §atte, toä&nte er mitteilt eine« einjtgen 33rtef$ ben 
abtrünnigen in feine SIrme juritcf führen ju fönnen. 2 

(Snblidj am 15. gebruar tarn bie beutf$e @efattbtf<$afi, 
geführt toon bem ©rtoätjlten ton Orient, über ftretnfo f ommenb, 
in SSenebig an. s 3ftre Snftruction lautete auf ein 85iinbni& 
mit SSenebig. Slber bie ©ignorie liebte eS toeber mit ßobo&ico 
noä) mit 3Jiaytmiltan allein ju fielen unb arbeitete bafyer auf 
eine umfaffenbere Siga $in. 5Die anSeinanberjirebenben ©tanb* 
punfte würben genähert bur<$ bie Äunbe t>om ©injug Äarte in 
SReapel, bem %aU ber ©<$löffer, toon ber ber Dccupation eilt* 
gegeitfommenben Haltung ber toeränberungälufiigen 99ebßKerung. 
Dbtoo^l man ni$t feierte, begannen bo$ erft na<$ ber am 

1 Severe toax um SRitte Sebruar in S. (Sermano Bei Äarl. Sanuto 217, 
aergl. 206 f. 2)ie erfte Äefanbtfdjaft ^atte aud) bem tyapfi Gegolten. 9H§ 
8»e(f berfelben an ßarl melbet Sanuto: per| confirmnr la paxe et ac- 
cordo col Re di Franza. Stcixl VIII. \puty felbft am 13. gefcruar Don 
bonnes parolles qa'il (Maximilian) m'a fait porter par eee ambas- 
sadeurs qui sont icy avec moi flßilorgetie 235). 9lod) im SDtoi ertlfiri 
Statt feine 9lbfidjt, mit Wlat, betjufS ber Serabrebung einer Unternehmung 
gegen bie Ungläubigen, in Stalten ftd& gu treffen, flertojm be £cttenf)ot>e 
a. a. D. II, 193. 

* ©anuto 295, toergl. 263. S. oben. S. 271. 

3 2(n einem Sonntag. Sanuto 217. 9u$ Waliptero 332 nennt ben 
Sonntag, aber irrig ben 20. gebruar. 



283 



4. aJWrj erfolgten Slnfttnft ber längjt ernannten S3otf<$after 3Jlai- 
Ianb$ i bie eigentlichen 93erf?anblungen. 3n ja$Irei<$en guf ammeu* 
fünften mit ben brei S)elegirten 33enebig3, bei nä<$tli$er SBeite 
jum 2#eit, warb an bem ©etoebe gearbeitet, toel<$e$ bem franfen 
ßeib 3talien8 ben 2lnf<$ein ber ©efunbtyett unb ©<§önbeii jurüdf* 
geben fottte, ttmfonfi fe|te ber toelterfa^rene SommineS, ber 
au<$ im 2fa$$arren fcartnädfige 93otfd;after Äarl$ VIIL, alle 
feine ©<$Iau$eit baran, ba3 ©etyeimntfj beS SBerbenben ju 
bur<$bringen. Unter ben $öfli$ften gönnen toufete man ibn 
ifotirt ju galten. Slm 24. 3Rärj ftanb man toor ber 6nt* 
Reibung. Son allen ©eiten toaren in ben Ie|ten Eagen bie 
nötigen 33ottmadjten 2 eingelaufen : unb too fie, tote bei Spanien, 
fehlten, übernahm * ber fßa^fl etne@arantie für JBejWtigung ber 
8ef$lüf[e in befiimmter ftrtfl feiten« ber fatyoltfäen Äönige. 
äfle gäben Ratten bie Senetianer in ber $anb: ein ftoljeS 
®efü$I für biefe #erm gegenüber ben SBertretern ber ältefien 
3Rouar<$ien ®uropa3! S)er getoiffen^aftefle t>enetianif$e ©e* 
fd&id&tsföreiber fie$t $re leitenbe Stolle erllärt bur<$ ben Um* 
ftanb, baß fie allein confertoatto unter allen 3Wä<$ten, allein 
o$ne ©egier na<$ ©rmerb, au$f$liefjli<$ an bie Sefriebung 
3talien3 gebad&t Ratten. ®ie ßanbelSrepubti! $at ni$t bie 
Straft gehabt, biefe toa^aft f$ieb$ri<$terli<$e Stellung rein ju 
bewahren. S)ie ßäfen SlpulienS, n>elc^e Äöuig gerrante tynen 
für ityct #ülfe abtreten mußte, fmb bafür ein untoiberlegbareS 
Seugnifc. 3 5Ri<$t8, toenn iti) re<$t urteile, $at bem Slnfe^en 

i Sanuto 252. ©in aufeerorbentlid&er pfyftlid&er ©efanbier traf fdjliejs* 
liä} audj ein, ben>a$rte aber ein ftrengeS 3ncognito. $)aj. 270 u. 284. 

2 ©oflma<$t 9Jtarjmitian§ an feine (Sefanbten bom 6. SWärj jur Unter* 
Ijanblung audj mit ben SBotföaftern ber anbern TOöd&te. 2Biener Erd&ib. Ueber 
bie Vnfunft ber 3nftructtonen ic ©anuto 283. lu§ meiner gejammten S)ar- 
Heilung ergiebt fid&, hrie Je^r bertoirrenb für bie rid&tige Hnföauung biefer $inge 
bie Memoiren GommineS* flnb, toenn jte ben beginn ber SSertjanblung über bie 
äiga (413) bereits bor bie ttad&rid&t bon ber Ginnaljme «Neapels legen (417). 

3 $arin 1)at 6ommine§ üöHig töedjt, 6. 422. £ie benetianiidje «n- 
fdjainmg hti Sanuto 257: come quella che non havea ambition de 
acquistar stado, ma ben per conservar paeifice Italia. 



284 



be8 fiagunenfiaats na$$altiger gefd^abet als biefer SJetoeiS Heinet 
6elbftfu$t in grofeer 3^*- 

8unä<$fl Ratten bie SRobili alle 1Xrfa$e, tyre äftpfe $c$ 
ju tragen, al* enbli<$ am 81. SWärj 1495 bie ^eilige Stga, toie 
man fte toegen ber 3Jtttgltebf$aft SlleyanberS VI. taufte, fertig 
tinirbe. S)ie 2#eilne$mer toaren ber Sßapfi, ber römifd^e ftönig, 
gerbinanb unb 3fabeHa toon Spanien, SSenebig unb HRailanb, 
alfo in gett>iffem Sinn lauter italienif<$e 3Rä$te, ba auä) ger* 
btnanb toon Spanien als Snfcaber bon Sarbinien unb Sicitten, 
SWayimilian als Vertreter ber 9lei$8re<$te baju geregnet toetben 
tonnen. $>ie Siga toarb auf 25 3a$re, au($ für 9to<$f olger 
berbinbltty, gefdjloffen jutn Selten be$ ^rieben* in Italien, 
§um #eil ber ß$rijieu$ett, jur 2lufre$t&altung ber SBürbe be$ 
päpjlli$en Stuhls unb ber Sterte be$ rönuf$en 8tei<$$, tirie 
e8 in ber allgemeinen (Einleitung fciefj ; 1 fpecieQer toar als Xenbenj 
namhaft gemalt bie gegenfeitige Oetofi&r ber Staaten ber 9Ser* 
bünbeten gegen Singriffe anberer Potentaten, bie gegenwärtig 
einen Staat in Stauen innehaben, au<$ romn fte beffelben 
toctyreub ber Sauer ber Stga berluflig gefceu follten. So beut* 
H$, rote eS otyne birecte Nennung möglich lt>ar, u>ar bamit 
Äarl VIII. als ©egner bejet$net. $>te SunbeSfcfilfe be* 
trug für lebe* ©lieb 8000 ju Sßferb unb 4000 $u §ufj: nur 
beim Sßapjt begnügte man ft$ mit ber ßälfte, bafür foUte er 
bie SSunbeSgenojfen, na<$ Sebürfnife unb fotoeit eS tym re$t* 
mäfjigertoeife erlaubt fei, mit geifilityen SBaffen unterflü&en. 
Statt ber Gruppen lonnte (Selb gejault unb ebentueB Seema<$t 
fubfiituirt »erben. Sttnberen Potentaten toarb ber Settritt 
offengehalten. Qeber S^eilnefcmer £at in beftimmter griji feine 

3 $iefe ungemeinen SBeftimmungen (f. Lünig, Cod. dipL Ital. XXIV 
unb Füller, ÄeidjßtagStljeater I, 295) enthält ber im folgenben 3a$r unter 
gutritt ©nglanbS erneute Vertrag nia)t mefjr (Da Mont, Corps dipl. III, 
2, 364). $aS $at föon San), ©ef^td^tl. Einleitung )U ben Monuments 
habsburg. 6. 14, gcfe^en. auffällig ift übrigens, baß nerföiebene ©ef<$iä)i8- 
] djreiber, üon ber Urlunbe abtoei($enb, baS fcülfScontingent SRasimüian* 
läjmftdjer angeben. 



285 

i 



8fo$finger, bie ber SBo^It^at bet ©ernähr gleichfalls t&eityaftig 
fein foHen, ju benennen; bo<$ barf barunter feiner fein, ber 
ni$t an Slang unb SHad&t unter ben Sßrinctyaltyetlne&mern 
ffc&t. * <£nbii$ öerpfttd&teten fi<$ ber spapjl, SSenebig unb 3Jiai* 
lanb, aRayitnilian bei feiner 3tomfa$rt freien Sßafe unb SSerfe&r, 
bie beiben lefctgenannten au$ txne ©<$aar Seifiger §u getreten. 

60 ber JBertrag , toeld^er am 12. Slpril in SBenebig in 
feierlicher gorm unb unter beut Subel ber SSeWKerung pu* 
blicirt nmrbe. 3fabertoärt$ foHte ä$nli$ Derfa^ren toerben. 
6eibfh>erfi&tbU<$ ift übrigens, bafe nur bie tarnen ber Steife 
neunter unb ber allgemeine Qxoed ber Siga ©egenjianb ber 
feierlichen SBerfünbigung getoefen jutb. 2 

£at eS baneben no<$ gemeinte Sürtifel gegeben, bie gleitet* 
mafjen Don tooro^erein für alle 2#eilne$mer toerbüibtt$ maren? 
SRan Eann bei bem auSbrüdKityen geugnife be$ mtytyitfr 
liebenben unb forgfamen Sanuto faum baran jtoeifeln, ber e8 
nur Ieiber unterlaufen $at biefelben mit jut&etlen. 3 

(S$e iä) Don ber üerjtoeifelttn Sage, in toel$e bur<$ biefe 
Uuterlaffung bie $ifiorif<$e Äritil toerfefct toirb, 85eri$t erjiatte, 
mufe i$ meine fiefer um Gniföulbigung bitten, baß i<$ toon bem 
erjlen Oefefc te8 $iftorif$en Stils, bie eigentliche Unterfud^ung 



1 2>iefe SBeftimmung geigt, bau ber Vertrag bon Sflar, ntc$t für ba§ 
Ä et 4 gefäloffen ift. 93on beffen Sufttmmung jum SBertragSfd&Iufc Tann 
tyatfffctyliity, toaS 9RnUer a. a. D. 300 etft burc$ eine genwnbene ©ebuetion 
)u geigen berjud&t, gar feine SRebe fein. 

2 2Ber baran nodj zweifeln fottte, bürfte burdj ben 2BortIaut ber 
tyiblicationSformel Je$t ttberjeugt werben, f. Sanuto 6. 305. £>ie $ublt- 
cation in IRoin nnb SKailanb beftötigt burä) SBergenroty I, 9lr. 97. 

3 Sanuto 284 fagt, na$betn er au§ ben richtig numerirten 18 Samueln 
be* fcauptbertrngS einen red)t flüd&tigen SfaSjug gegeben: et altri capitoli 
li quaJi fonno tenuti asea secreti, et perö non mi extenderü molto in 
doverli qui scrivere. beiläufig ifi in bie fem Söerf ©anutoS bie ftenhhufe 
bei ge^ehnften Vorgänge weniger bura)bringenb aI6 in ben Diarii. 9H<$t 
feiten begegnet man ber SBemerfung, bafe er secretissima mdjt Ijabc erhalten 
tonnen, ©0 auty ©. 270. 351, mo jogar SKalijriero unterrichteter ifl. SJergl. 
Kerry n de Lettenhove, Lettres et negociat. de Commines II, 192 ff. 



286 



üon bcr StorfieHung fern ju galten, in biefem gaU nötige* 
brungen abtoei<$en muß. S)a« lommt batoon $er, bafe ein 
Späterer e£ für gut befunben fyat, ©efceimartilel und ju über- 
liefern , beren S^alt lein 3 e Wfl en °ff e kwü, öon benen lein 
tor^anbene« ober toenigften« nad&roei«bare$ 2lcten(iüci Reibung 
tyut, toeld&e enbli$ ber &inlänglt<$ belannten biplomattfdjeu 
®ef<$ü$te ber folgenben SRonate leineStoeg« entfpre^en. S)er 
lefcte ©eft$t«punlt allein toürbe ni<$t« entftyeiben, ba jene 
biplomatifc^e ®ef$i$te ber legten SBer^anblungen toor bem 3Ju3* 
bru<$ ber geinbfeligfeiten bie SJJräfumption nid^t ton ft$ abtoeifen 
lann, auf £äuf$uug beregnet ju fein. 

®o$ pr Sa<$e. ©uicriarbim berietet im 2Infc^lu& an 
bie ©rtoätynung be$ #auplüertragS, ba alle e£ für notyftenbig 
befunben, Neapel ni<$t in ben Rauben be« Äönig« ber granjofeu 
ju belaffen, fei man über geheime Slrtilel übereingelommen, 
©enenjufolge fofften bie bereit« in Sicilien gelanbeten fpanifd&en 
Gruppen ben Äönig gerrante bei feinem S3erfu<$ auf ©alabrien 
unter jttlfcen, toäfcrenb gletd&jeitig bie SSenetiauer fcon ber ©ee 
$er biefe ©igreffton fcerjiärlen fottten. S)er ßerjog ton SRailanb 
foHte fi$ anftrengen, ba« t>om $er}og ton Orleans nur f$toa$ 
befeftte 2lfH eingunetymen, um etoaigen au« gfrantot$ anlangen* 
ben SSerftärlungen ben 2Beg abjuföneiben. @nbli$ foHten an 
SKayttniltan unb fterbinanb oon Spanien feiten« ber übrigen 
SSerbünbeten Subfibien gejault toerben, um fte ju Iräftigen 
SBorflöfecn auf granlrei^ felbfi in ben Staub ju fefeen. So 
toeit ©uicctarbini. SRan toeife, bafe berfelbe über biefe 3 eit 
ni<$t jum ©efien orientirt ift unb bajj inäbefonbere feine ©e* 
nauigleit in SBiebergabe ton Verträgen fe£r ju toünfäen übrig 
lägt. 1 8lu<$ biefer fein 33ert$t ma$t baten leine 2fo3na£me. 
SnSbefonbere mufe ber lefcte Sßunlt unri<$ttg fein, Sticht« ijl 
getDiffer, atö bafc Spanien t»on Anfang an ben ©ebanlen eine« 

1 Guicciardini , Storia d'ItaJia lib. II, 6. 47 f. ber Sfo80abe mm 
1610 in 4. JBerßl. »ante: gur Ärittf neuerer ©ej^t^tSf ^reibet (6ämmtH$e 
2Berte XXXIV, 33 u. f. ».). 



287 



Angriffs toon ben $$renäen $er au& Sorge für Stouffiflon fcon ber 
#anb getoiefen $at. gerner lägt ft$ au<$ betreifen, bafe ba3 
aUerbingS loerbrettete ©erebe i bon ©ubftbten, toel<$e tnsbef onbere 
äRajimilian in Senebig erhoben fcätte, grunbto« ift 3Ran $at 
im ©egentyeil in SSenebig ni<$t einmal für ben bringenb ge- 
toflnfd&ten ginmarf<$ be$ tömifd&en Äönig» in 3talien fclbft 
geglaubt befonbere ©elbopfer bringen ju bürfen unb beä^alb 
batyn jielenbe SCnträge entfliehen abgennefen. 2 SRiemanb Wirb 
e* bemna$ für fritif$ julfifftg galten, bem ©djrtftjteHer $m< 
|t$tttd& ber an ft<$ plaujiblen erfien fünfte, o$ne anbertoeite 
SJejiätigung, ©tauben ju f<$enfen. SBoHte ntan e$ benno<$ tyun, 
fo ntüfjte man fi<$ entf daliegen , ben ^auptfcertrag in feinen 
mic^tiflfien ©efiimmungen für trugt» oDe« SIenbtoer! ju erllären. 
3ene birect gegen granlreid&S neapolitamfd&en SSeftft genutete 
Äriegäfcerabrebung ftintmt nt$t nur abfolut ni<$t mit 93enebig$ 
^olitif, fonbem $ebt gerabeju bie ©runböorauSfefcung beä 
#auptbertrag3 auf, toona<$ bie ßigiften nur bem angegrif* 
fenen SJunbeSgenoffen bie fttpulirte #ülfe fd^ulbig ftnb, 2)af$ 
biefer ©runbfafc Ieme8tt>eg$ befeitigt toar, ge$t aus einer Sengen 
rung beS $er$og£ ton SRailanb $erbor, melier nad& brtngli<$flem 
§filfegefu$ erfldrt, bie furj gefagt befenfitoe Slaufel ber Siga 
bürfe leine Sd&torierigfeit machen, au$ Spanien £)ätte ja $ülfe 
au Äönig gerrante gefenbet. 3 #ier $ätte, falls geheime S3er* 
pfKd&tungen bejianben Ratten, berfelben gebaut werben muffen, 
flatt ber gar ni$t paffenben Berufung auf Spaniens ßonntoenj 
gegen SReapel, baS gar ni$t jur ßtga gehörte. 

©S barf frettity ni$t bereit »erben, baß mand&e ©rflnbe 

* 8. tB. Bettetet (EommineS babon in feinen ©riefen (ÜRcmoiren III, 
Preaves, 408). Sergl. Äerbijn be ßetten$o&e a. ct. C 184. 187 (an legier 
6teHe gerüd&tttetfe 26,000 $ucaten). 

2 SRas fanbte be§$alb Anfang 2Rai ^ilibert 9caturefli natr) »enebig. 
6anuto 330, oexgl. 391, ©ie motibtrte 9lbleljmmg bur<$ bie (Sejanbten in 
SBormß bei Äomanin a. a. £>. 71 ff. Sergl. SklentineM Steg. 607. 

3 SRemoire ßobobicoS 1495 SRailanb 1. Sinti (latein. Drig. im fcriener 
Et^to) für bie faiferli^en (Sefanbien, bie nad& $>eutfölanb aurücftefcen. 



288 



für ein analoges äbfommen ju fpred&en feinen. SBeniger Me 
Cooperation Spanien« unb SBenebigö §u ©imfien gerrante« Don 
Neapel, toeil fi<$ biefe auff äffen liefe al« eine ttnterjlü|ung be« 
päpjili<$en 2e$en$$errn, ber fategorifdfc bem Äflnig bon graut 
rei$ jefet bie SSerletyung jene« 3tei<$e$ abgefd&lagen fyitte. 1 
Unter benf elben ®efi#tspunlt fiele bie ©dfmfetoad&e, toeldjje Senebig 
unb äRailanb bem Sßapfi felbft jur Verfügung fteHten, ba biefer 
in ber Xfyat ernfllic^ bur$ ben aIIer$rijHid(jfien Äfinig bebro^t 
n>ar. SBeibe 2Rafjna$men bleiben im Stammen ber Stga. 96er 
e8 ift im 3uni me$tfa$ bie Siebe bon einem geplanten angriff 
gerbinanbS beS Äaifcoltföen auf granlreity, ber aKerbing* 
too^I nur afe abfi^tlid^er 6<$redEf<$uj$ für Äarl VIII. gemeint 
toar ; 2 aber auä) Maximilians SRame erf$eint um bief elbe Qüt 
toieber in SSerbinbung mit bem ©ebanfen eines birecten Unfalls 
nriber granfretd), toobei ein 8tu8bru<I fällt, ber ifyt beinahe als 
baju bur<$ bie Siga berpfiid&tet erlernen laffen Wnnte. 8 $>o$ 
ifi e§ fidjer rtdfjttger, bie SBorte fo gu berfiefcen, bafe fie 3Rap 
in golge ber Siga überhaupt junt (Singreifen (toeil ber Sßapfi 
ja entfdneben al« lacessitus et provocatus gelten mufete) Der* 
pflichtet aufteilen kooQen. SDie ttrfac&e, bafe biefer ©ebanfe 
je|t auflebt, ifl allem äfafd^ein nati) Sobooico bon SRailanb, 
ber, nad&bem er bie ©elefytung erhalten, feinen ©runb $atte, 
fefyr ba£ perfönli^e @rf#einen feine« ÄöuigS in Stallen ju 
nntnfd&en. @r f$lug ba&er in jenem 3Remorial Dom 1. 3funi 
fd^einbar au8 fftüdfjtd^t auf bie fär 3Ray oor^anbenen ©<$ttrierig* 



i TOütlcr , fReityStagSt^eater I, 303. »eriä)t beS (Sefanbten HKajU 
milianS auS 93enebig t>om 10. Bprtl. 

2 Sanuto, Espedi zieme 389 f. 

3 Sanuto citirt 6. 445 einen Söeric^t beS benetianiföen ©ejanbten 
au§ SBormB t>om 20. Sunt, ttonac§ ein bei SOtaEimilian einflußreicher bur« 
gunbiföer Staatsmann biefen gum töomjug unb ju einer 2)igreffton auf 
Sranfreiä) fclbfl antreibe ei per far quello h ubligato come colligato. 
SDafe 9Ra$ im 3uli 4000 BRann in bie töieberlanbe fielen toottte, toar naa) 
feiner Grflarung ein 9ld ber SDefenftüe gegen einen bon ber Kampagne (er 
brofcenben Angriff. Datt de pace publ. 6. 863. 



289 



feiten bor, testetet foffe bie italif<$en SunbeSgenoffen mit 
£ruflpenma<$t unterftflfcen, fetter aber Surgunb unb, falls baS 
©Ifidf $oft> fei, felbft bie ©au^inä bem 9tei<$ toieberguerobern 
&erfu$en. 8Bie gefagt, feine Slnbeutung fcerräty in biefem toer* 
trauli<$en SIctettfHlcf ba$ SSor^anbenfein jener geheimen Slrtifel 
©uicciarbini*. @§ mufe ba$er beren ©jiftenj ernfili<$ be« 
jtoeifelt tp erben; e8 fei benn, bafe fte einem toefentlity 
fpätem Moment entlehnt fein foDten. 1 — ©oute aber biefe Ste 
flumentation bo<$ irrig fein, fo fällt ba8 für ba$ SBerftanbnife Dom 
Serratien be« römif^en ÄönigS nnr fefcr toenig in* @ett>i$t. 
©a^ehn Don ©<$tt>ier{g!eiten umringt, !am er toeber in 3talien 
no<$ in Surgunb baju, als ßort ber Siebte unb 3lnft>rfi<$e beS 
Slei($8 aufjutreten. Seine toelf<$en SunbeSgenojfen fcaben, ber 
geängflete Sßapft tooran, »ergebend i$n gegen bie bur<$ Äarl VIQ. 
auf feinem SWidjug in Dfiia, ©iena, ®enua iL f. to. gegen be$ 
^apfteS n>ie beS Äaifer* 3te<$te toerfibten ©etoalttfcätigfeiten 
herbeigerufen. 3Raj toollte fietS lommen, formte fi$ aber nie 
lo3ma<$en. ©tatt feiner, ber in SBormS mit ben ©täuben um 
©ulben unb Paragraphen feilten mufite, fanbte er jur Unter« 
ftflfcung be$ $art bebro^ten ^erjogS ton SRailanb nur toenige 
taufenb SRann toorauS. @3 ifi belannt, ttrte t>on SCfti aus ber 
£erjog ton Orleans, na^bem er au« granfrei<$ SJerfWrhmgen 
an ft<$ g^ogen, o$ne ben 33efe$I \a im 2Biberft>rud> gegen bie 
laut erflärte Slbfid^t feine* Souveräns jum Singriff überge* 
gangen ftar. 2tm 13. Quni 1495 fcatte er SRotoara genommen, 
ita$e bei SBigeöano, Sobo&icoS gett>C$nü<$er Stejibenj. 2JMt 
@runb färieb man tym 2lbft<$ten ju auf baS gefammte #er jog* 
tyum. liefet Singriff auf einen SBerbfinbeten führte au<$ 

i 3ll§ ®egengtunb barf fu$er auä) angeführt »etben, bofe in ben föon 
feit fDiai 1495 beginnenben Sßemityungen gerbinanbS unb SfabeHaS gut 
$trtin3te$ung (SnglanbS in bie 2iga nie Don folgen offenflben 3n>eden bie 
Äebe iß. $ielme$r toitb juerft im «uguft für ben ftatt be§ Beitritts 
$einri$S V1L ein engeres JBünbnifj steiften ©Manien Ginglanb unb *Dtoj 
als ein ergänaenbeß oorgefäjlagen , im Satt e3 )u einem Hngtiplrieg auf 
SfTantretä) lommen fottte. 6. SBergenroty I, 9fc. 103 6. 68. 

Ulmann, »alfer Elasimilian. I. 19 



290 



aSencbig offen auf ben ?ßlan. gafi in Äarte gußfia^en, ber 
Gnbe 2Rai norbtoärtS aufgebro^en toar, erfäien in Neapel 
Äöntg gerrante, geleitet öon ftanif$en Gruppen unb mit ber 
Unterftflfeung beS benetiamf$en Stbmiratö ©rimani. 3m ©e* 
biet bon $arma berfammelten SSenebig unb üRatfanb bie §am>fe 
ma$t tyrer ©treitfräfte , um jt<$ öor ©etualttydtigfeiten be3 
ÄBnigS Äarl ju fidlem, ber laugfamer, als er gefoKt $ätte, bur$ 
fcoScana ^eranjog. S)er ßerjog ton Orleans fa$ fi$ afebalb 
in SRobara felbfi $art umlagert, 3m Sager feiner geinbe teerten 
au<$ beutföe gähnen. @$ou am 15. 3>uni fcatte HÄaj ben 
©eorg oon ©benjiein — Sßietraplana nannten i$n bie Stoma* 
nen — mit 3000 £anb8fne$ten jur Unterftflfcung beS ^erjog» 
Don SRaÜanb abgefenbet. i 3)en Oberbefehl über bie angebli<$ 
9000 SKann beutf$er ©treitfräfte, tt>el<$e inbeffen f<$toerli<$ Je* 
mate biefe #B$e erreichten, übernahm bann, in golge ber ©r* 
fran!ung be$ urforüngK$ befignirten ©igmunb toon SBelSberg, 
ber too^lbefamtte grtebrt<$ &on Äa^eDer. Sßie toenig iebo$ 
2Ray trofcbem bem tterf$lagenen SRailänber traute, erbeut au£ 
ber SBeifung an bie £auptleute, fobalb fte bemertten, ba& 
Sobotrico mit ben granjofen confpirire, fofort fi<$ an ben ©renken 
ber @rblanbe ju concentriren. 2 SDie tapferen ©paaren lamen 

i 9Ras anßobobico. ffliener 9lr<$ib. 5) er 6olb folIte bon 3nnS» 
brudf au8 bcja^lt »erben. Sergt. Commines, M6m. 451, ber nur 
(Sbenflein mit RappeUer bcrtoed&felt. 6. folgenbe Slnmerfung. 

2 2)aS Regiment 31t 3nn8brud an 9Ras 1495 6 am 8 tag na$ 8ronleia> 
nam (3uni 20). 3nn8br. Hrä)ib. 9fa8 bem ©rief erhellt, baß bamatS bie 
3Re$rja$t beS (SspebitionScorpg noä) nidjt abgegangen fear. 2Bet8berg er« 
franhe in Erient. Sd&reiben bom 15. 3uli. $)ie ©efammtja$l ber 5£ruj>pen 
ift lernet au bepimmen. 3Haj fä)lttgt fle am 4. fluguft auf 9000 an 
($att 871); <£ommine8 gar auf 1000 ju 3Rofe unb 11,000 311 9u& (Mem. II, 
506). dagegen f^d^t ein Hugenjeuge, ber ba8 GorpS am 4. 9uguß bor 
bem mailftnbi(ä)en §erjog8l>aar tnanöbriren ja$, baffelbe auf 6000 §fufc« 
rneä)te (lies. JBenebictuS bei Gccarb, Corp. hiet. II, 1612). *u$ ber 
benetian. ©efanbte bei 2Ras $filt im 9Rat 1496 bie Angabe bon 7000 füT 
übertrieben (Äatobon Proton I, 9tr. 699). 5>afc Was überhaupt §filfe bittet 
gefenbet, »eife auä) Sinsheim II, 175. fciernaä) ift ttante, ftoman. u. genn. 
(Scja). 61 )u beridjtigen, ber @5Ibner ßobobicoö in biefer Xxuppt etbltdt. 



291 



ben SSelogerern treffli<$ §u ©tattert, ungefähr um biefelbe 3*ü/ 
ba bic S)eutf<$en im #eere Äarte VIII. ft$ toor bic Äanonen 
foannten, um bie foftbare SlrtiHeric über bie SUpenpäffe ju 
f^leppen. Severe ernteten jebenfaQ^ mefcr S)anf, als bie in 
italienif<$en Steigen fe<$tenben SanbSleute. S5a8 SJtifjtrauen 
toar einmal untiermüftlid). Qn SSenebig toarf man ben beutfdjen 
Äaufleuten be$ gonbaco &or, bafc fie tmfjgünfiig auf ben jungen 
@iege£ru$m flauten, ben na<$ bortiger anficht in ber ©$Ia$t 
bei gornuoüo bie Staliener erläntpft Ratten, toeil ber SWarfgraf 
öon SRantua, ni$t SUlayimilian ber Sieger fei. * ©t<$er ift, bafe 
ber 3Bunf$ 2obot>ico$, äRafimiltan toomögli$ Don Stauen fern 
ju galten, mit neuer ©tärle fcerüortrat, fobalb er ettoaä Suft 
befam. Qu S)eutf<£lanb aber flauten bie politifd^en Areife mit 
jieigenbem Unbehagen auf bie rät^fetyaft \id) üerf<$Kngenben 
Sßfabe ber tt>elf$en SßolitiF: bie Unluft / \iä) t>ur$ ben Äönig 
auf biefe unüberfe&baren äBege jietyen ju laffen, machte ficE^ euer* 
gif<£ bemerlbar auf bem großen Steid&Stag ju SBormS, toeld&er 
feit bem gvü^ia^r 1495 ba£ Zentrum aller Politiken SBetracfc 
tungen unb Sejirebungen gemorben toar. 

bie mit *Dtapmilian8 <5lrlaubni& gelommen mären. 5)ie 3a^Ibiffcrenj biel* 
leidji sunt %ty\l burdj Abgang, attmfi$Itd)e§ Enrücfen, unb 3)urd&ftedjereien 
ber fyraptleute ertlärbar, toie folc^e in ftarfem 3Rafc bor 9tobara bei ben 
beutföen Stufen im italienifd)en Solb borfamen. ©. Hlej. JBenebictuS 1606. 
ftajjerbem ift für Maximilians Angabe heiteret in Hnfölag pi bringen. 

* Sanuto 492. UebrigenS ift aud) SRanfeS Angabe unnötig, ba|j bor 
Stobara 33enebigcr unb £>eut|d)e in einem Sager gelegen Ratten. SBeneb. 1606. 



^weites gaptfef. 

^admiltcm mtb Ibiz töeutfgreform 
(1486 M* Anfang 1496). 



SBeun bie Sompofttion be$ fcor&erge^enben ä6f$uitt$ beit 
©nbrud beS SBunien, ja ©prung&aften mad&en foHte, fo rnufc 
bie SSeranttoortung baffir auf bie an gielpunften überreife 
unb toanbelbare Sßoliti! be3 ÄönigS gehoben tuerben, ber ntc^t 
im ©tanbe mar, auf einen Keinen 93ort^eit jur Srretd&ung eines 
größeren ßtoedS aufrichtig ju t>er$i$ten. 5Darf man ft<$ ba 
ttmnbern, tnenn ber grelle ßontraft &o$fliegenber 5ßlanma<$erei 
unb Häglütyer SRittelloftgfeit in ber ^olitil 3Wa?imiIian3 bauernb 
ba8 Unheil eines SRanneS befiimmt $at, ber bom eintreffen 
be£ Äönigä am 3JUttelr$ein an bis faft jur Eröffnung be£ 
5Rei<$3tag3 ju SBorm« bur# bie $ijiorif<$e SBebeutung feiner 
Stellung fi<$ berufen fa$, formett n>ie materiell eine ©nfcirfung 
auf bie @ntf$Iie§ungen be3 ^errf^er^ au8juüben? 2Ba&rIi$ 
man barf eS bem ©rjfanjler be$ 9tei$$, bem Äurfürjien Sert&olb 
Don ajtainj faum Derargen, toenn jene Erfahrungen in tym 
bie Ueberjeugung ausreifen liefen, bafe bie felbftänbigen Äräfte 
ber Nation ajDien ©runb Ratten, fi<$ ju fparen gegenüber einer 
fo aufreibenben unb bo$ nic^t Dom gledfe fü^renben SSietyeit 
ber ©efi^tigpunfte unb Unternehmungen. SBo&er foDte ba$ 
unerläßliche Vertrauen fommen ju einem Äönig, ber erß um 
eine* fe^r prefären ©enrinneä falber bie granjofen na<$ Italien 



293 



eingeladen &atte unb nun toieber ben Drbnung&3tei<$Stag, toeldjer 
ber Nation fo nöt&ig fear n?ie ba3 tägliche 33rob, gar m$t ab* 
»arten motzte, um im S)ienji einer anbern (Kombination bem 
Äönig von granlrei^ mßgli^fi raf<$ in$ Sanb fallen ju l önnen ! 
3Rit einer f<$ematif<$en Sfatoeubung ber Segriffe ^Patriotismus 
unb SßarticulariSmuS fommt man ba nictyt au$: biefelben 
beden jt<$ leineStoegS mit ben ftülen SJtoyimilianS unb $Bert$olb$. 
Um fo weniger als es bei ber ©eanlagung beS erfteren fd&on 
bamals fragli<$ toar, ob auä) bie fcingebenbfte DpfertoiBiigleit 
be$ lederen bem ©anjen grüßte getragen fcätte. S)ie Älage, 
baß 3Ray von eigenartigen ©Treibern unb 9tat$gebern um* 
gamt fei, verlautete fd&on bamals, 1 3Jlan barf jtoeifeln, ob 
Sert^olb langer als ein $albe$ 3a$r in biefer ätmofp^äre 
auSgebauert $ätte, toäre ni<$t bem Äönig ju Statten getommen, 
baß ber no<$ unauSgetragene S^ft *>*$ ^mnjerS mit bem 
Sßfäljer für ben erftgenannten ein parier 9Äotit> fear, eS mit 
SRay nid^t ju Verberben. 83ert$oIb toar vergeben« bemü&t, Drb* 
nung in ba« SBirrfal biefeS Regiment« ju bringen. SBenig 
uurlonnte eS tym Reifen, baß er bie alte, aber feit furjem 
außer 3l$t gefommene 93efugniß be$ @rj{anjler«, bie vom 
Äönig au8ge$enben ©riefe ju untertreiben, energif<$ in SCn- 
fi>ru$ na$m unb ber 3flei<$$fanjlei eine neue Drbnung verlief. 2 



1 6. ö. töofjrbad) fd&rieb 1495 Stet tag naä) $eiri Stu^Ifeier an 
mibre^t oon SBaiern (99aier. ©iaatS-ttrd&iö), bog Warnt ftc$ e$rliä) bemühe, 
bie 2)inge red&t $u fjanbeln, aber allein nidjt§ burdjfetjen fönne. 2Bäre er 
mit ^falj bertragen, mürbe er bem §of n>ot)l ntc^t folgen. Sine SBefterung 
ber elenben Sufiänbe öteHet^t bann mögli^, »enn SBerÜjolb als erjlonaler 
unb 9Clbre^t als §ofmeifter fi<$ vereinten, bieje „§ecfe" ju räumen, u. f. n>. 
Unier ben ©eereifiren rogi fd&on bamalS 9Ratt$äu8 Sang $ertoor. 33ergl. 
Ga^iiel ff unb oben 6. 251. 

2 3Jteä)eln 4. Dctober 1494. 3n einem unbotirten Schreiben <m SRar, 
beflagt er flä) Über ba§ ntd^t gehaltene Slbfommen, ba ifnn ^Briefe mit bem 
!5mgliä?en Siegel auf amen, reo bie 6ubjcrij>tion feinerfettS fel)le. (gg fei 
baS tto$l o$ne be§ ÄönigS SBiffen unb 58cfet>I gefäe$en. SBürjb. Hrd&io. 
Sergl 4. &ap\Ul. Ueber ben 6tanb ber Streitfrage im 15. 3a$r$. oergl. 
€4Itep(afe unb Menget : ©efa)ic$ie bon ftaffau V, 871 f. 



294 



(Sr $ätte ^unbevt SKugen tjaben muffen, um ju ber^inbern, baß 
ber Äönig ni<$t au# in beS 9teid&$ ©a<$en Sftatfc na&m unb 
@ntf<$eibe erließ, tote e$ tym gerabe paßte. 

Sttemanb burfte bem Äurfürflen jumutyen, bauemb mit 
feinem tarnen für eint Stiftung einjufietyen, üon melier er 
tein $etl ertoarten fonnte. S)te SSermutyung ifl geftattet unb 
na&eliegenb, baß in ber Sßeriobe Jene* unerquidElu$en unb un* 
erfprießli<$en #ofbienfte$ 9tef ormgebanten ityre confequente ©urd&s 
bilbung erfahren £aben, ton benen Dörfer nur (Sinjelnea als 
Programm be$ too&lgefinnten gürften entgegentritt. ßfye toir 
rücfblidfenb bie ©nttoidflung ber 3been SBertyolbS »erfolgen, muß 
£ier feine Sßerfönlid&tett unb fein äBirfen im engeren ßrete un8 
befestigen. 

SRiemaub £at un3, baß i<$ toüßte, ein ©ilb beS ©rafen 
SBertyolb t>on £enneberg, Stöm&ilber Sinie, aufbetoafyrt, ber, 
al$ jüngerer ©o$n frity für bie Äir<$e befUmmt, jeitig als 
3)ecan beS SRainjer StomcapiteU unb ÄanonifuS in Äöln eine 
tyer&orragenbere Stellung gewann unb 1484, toenig über fcierjig 
3a^re alt, ben erjbifd&öflid&en ©tu$l in SWainj beftieg. *S)er 
^unbert 3a^re fpäter föreibenbe §iftoriograp& be$ @rjbi$t$um3 
rü&mt feine ftattli^e ©eftalt, unb eine ettuaä ältere 9loti} toill 
nnffen, baß er, gleid& fo Dielen ßeitgenoffen aller ©tfinbe, im 
äfatlifc ©puren ber entfefcli<$en ©eu$e getragen fydbe, bie feit 
1494 (Suropa ^eimfud&te. 1 2llö er jur erjbif$öflü$en 9Bürbe 
gelangte, toar man im ©tift ni$t o$ne Seforgniß t>or feinet 
Strenge : bafür lebte bann noc$ lange na<$ feinem £ob fe&n* 
fü<$tige Erinnerung an ben toadfern 3Kann fort. 2 @r &at als 
Regent naä) allen ©eiten $in einstig gemaltet; griebe unb 
Stecht tourben gefid&ert, bie ßontrole ber ginanjen neu unb 



1 Serrarius , Moguntiacarum rerum I. V, ©. 878. 3i»mierj<$c 
G&ronil II, 245. 

2 3m 3aljr 1518 fd&reibt G$r. Sd&eurl, baji bie SJtoinjer intern ba* 
maltgen erjbifc&of 9Ubrec$i bie %xaxa »Unfäten et eibi Bertoldum 
(S^eurtS 39rtef6uc^ herausgegeben bon 6 oben unb ftnaafe II, 56). 



295 



originell georbnet, bie ^ülföqueffen be$ SanbeS toie öergtoerte 
unb SRineralqueHeit enttoidelt. @iue fyfiematiföe SReuorbnung 
ber SaubeSDertoaltung &at er inbeffen m<$t in Singriff genommen. * 
3ftm genügte bte$ friebfertige ©galten; unglei$ fo bielen ffirffc 
litten 3eitgenoffen lag tbm jeher ©ebanle an 9Ra$tertoeiterung 
fern, 3n \tntm Sttnfl; tnit Sßfalj £at er e3 au$gefpro<$en, bafc 
tym ber griebe um „leibli<$en 9to$t$eil" ni$t ju treuer er* 
fauft fei 2 ©tnern SDlann be3 SRedbtS, tt)ie er e8 toar, erföien 
ber (Sebanfe unerträgli<$, baß ber SDlfi^tige traft feiner ©etoalt 
bem Stecht ft$ ni<$t fottte fügen müjf eu. 3 ©ot<$e e<$t <$rijHi$e 
3fige leiten hinüber jur SBiirbigung feiner reügiöfen Stellung 
unb feelforgeriföen SBtrffamteit. S)a bat er junä^ft Drbnung 
gefd&afft innerhalb feine« Äleru«. $)ie toome^men ftanontfer 
tourben bei ©träfe ber Sßfriinbenfoerre angetoiefen, toffl&renb be8 
<Sotte3bienjte$ im S)om fiirber ni<$t plaubernb unb unter&anbelnb 
$erumjuge$en, fonbem toürbigerer Haltung ft<$ ju befleißigen* 
5Dem SßfarrHeruS toarb eütgefd&ärft, jlatt jum eigennfifcigen 6r* 
toerb ©eelenmeffen unb 2Jtemorien ju galten, ©onntagö äfleffe 
ju lefen unb ju prebigen, toie e8 in ber Drbnung fei 4 83e* 
fonber« jireng jeigte er fxd^ ben Älöftern, toie er benn überhaupt, 
au$ ber ®eifUi$feit gegenüber, feine finanjicHen 9te<$te gur 
Geltung braute. 5 SDte 2Bijf enfd&af t fragte er : man$e ©$rif U 
fieller benfen feine* SSerfiänbniffeS mit inniger SSere^rung 
unb nribmen tym gern ifcre arbeiten. 6 Steffen ift ba$ leinet 

i SBobmann, fHjeingauifdje «Itertyümer II, 535. 793, bergl. 738 f. 

2 €$mel a. a. O. 29. 

3 SBergl. feinen 9lußforu<$ über bie ©iberfefelid&feii ber «ibgenoffen 
flegen boS Äammergeriä)i bei Sanffen, 9tei$8corr. II, 6. 603. • 

4 SBertyoIb an Prälaten unb fflerifer toon 3Rainj 1489 Mf$offt> 
Vitn 1. September; berfelbe an feine Gommiffarien ju Sfri^lat unb Kmdne- 
butö 1496 ©i. ©eitStag. 2Büqb. Brdjib. ©eibe (Srlaffe, »aS au Beamten 
ift, mä)i &uf Ballungen anfänglicher ©d&flrfe, fonbem geraume Seit naä) 
feinem 8tegierung§anrrtrt. 

5 Trithem, Annal. Hirsaug. (6t. ©allen 1690) II, 518. 

6 So ber mainjer $ecan SB. toon $ret)benba$ fein Passaginm in 
terram sanetam (3ncun. ber greif Sttalber 95ibIiotr)ef) ; SBintyfjeHng feine 9T6- 



296 



toegS eine ^erborragenbe ©etie feines SBefenS. SBon #umant8* 
mu$ ijl leine Slbcr in tym: eine pratttfd^e grßmmigfeit leitet 
au$ hierbei feine ©dritte, eine grömmigfeit, bie no<$ bur$au* 
auf mittelalt erli<$em ©oben jle&t. <§r fu$t im $erfömmli$ett 
©inn ju lüirfen auf bie er^te geierlt<$teit unb $ra<$t gotteS* 
bienftlid&er #anblungen unb tritt felbfi als SBegrünber einer 
baju bejiimmten abiigen SBrüberfd&aft auf. 1 S)en ©eifl ber 
neuen Seit, beffen 2Be$en auf ben gütigen gebrucfter SBlätter fi<$ 
&erne$mli<$ ma<$t, toityut er bur<$ eine ©enfur in bie €d£ranf en, 
bie tym genehm / bannen ju fönnen. 91m 4. Januar 1486 
befahl er, baß fortan beutfc&e Ueberfeftungen lateinifd&er, grie$i* 
fd&er unb fonftiger äBerfe au« j[ebem 8Biffen8gebiet in feiner 
SHöcefe nur na<$ toor^ergegangener Prüfung burd& eine ßenfur* 
beerbe gebrudft ober »erlauft »erben foBten. S)ie f<$mei#el* 
$afte 2Irt, mit toeld&er babei ber „glei<$fam göttli$en" Äunfl 
be$ SBfl<$erbru<fS gebadet toirb, fann bariiber nid^t tauften, ba& 
SBertyolb alle« ©rnjieä bie religiöfe SBirtung ber $)rutff#riften 
auf bie SRaffe fürchtete, mobei es ba&ingefteflt bleiben mag, ob 
tyatfä$li<$ bie Ungetentyeit ber 2Jhttterft>rad&e jur äSiebergabe 
beS richtigen 6inne3 (als ju 3Jti{frerfUnbniffen fityrenb) ffanpU 
fä$lt# bermieben werben füllte. 2 3m offenbaren ©inflang 
mit biefer SDtafcregel fle^t bie foäter erfolgte (Sinfefcung jtoeter 
Sommiffare jur 3luffu<$ung unb iöefirafuug bon Äefcern. 3 

fjanblunß de triplici candore Mariae (C. Schmidt: Histoire Htteraire de 
l'Alsace I, 20, f. II, 818). 2RU Speutinger jknb er in SBerbinbung, $er- 
Berger ©. 7. 

1 Gudenus, Cod. dipl. Mogant. IV, 496 u. 525. 9lu$ auf Reliquien 
Ugt er äBert$, 3. SB. in einem Schreiben an ben £erjog öon 3üli$ fjmft^tli^ 
be§ au9 SKains enttoenbeten £auj>i8 ber $. $tma (1501 Nürnberg graueniag 
annunciat. SBürab. %xtyo). SBergl. bon 2ö$er, «rdjtbal. 3eitfd&rift II, 165. 

2 GtobenuS a. a. O. IV, 469. 3m wttrjB. Strato aufeerbem eine 
3nfrruction für bie mainjer Deputation (Dom 10. Januar 1486), n>ona$ 
UeBerfetjungen surüctjutoetfen finb, toenn fle forte ad rectum sensum non 
facile traduci potenint aut errores et scandala magie pari an t aut pndi- 
citiam laedunt. 

3 gubenuS Q. Q. 0. 6. 480. 1488 3uli 11. 



297 



8fa ßntfd&lüffen toon folget Älar&eit ift ni$t$ ju beuteln 
ober ju bre$en: fte ftnb ein vollgültige^ ^eugnife für 33eri$oIb3 
teligiöfe Stellung $inft<$tli<$ ber Se&re. äBenn e$ aber, tuie 
toir fe$en »erben, f<$on ju fü^n toäre and biefem SonfertoattS* 
mu$ 6$lüffe auf feine !ir<$enj>olitif<$e Haltung ju gießen, fo 
tfl toottenbs ganj fehlgegriffen, toenn man bie$ Stuftreten auf 
bem gelb ber geijtigen 3ntereifen für typif<$ für fein poHttfdje* 
Serratien anfe^en tuiDJ 

$en römtf^en SRifjbräuc&en, unter benen bie beutf$e Äir^e 
feufjte, toar er aus allen ßräften entgegen. 2)a$ erneut ein« 
gefd&ärfte lanbe*&errli<$e Sßlacet foUte bem ber ©eelforge Der* 
berbli$en @<$a$er mit päpftli^en Sßrofciftonen §alt gebieten. 2 
8fafÄ bttterfte beflagt er ben tyeillofen guftanb ber Äirc^e 5Deutf<$* 
Ianb$ unb beren 2tu£plünberung bur<$ bie 3Wmer, toityrenb ber 
fettige 6tu$l leine #ülfe getoä$rte. @r rügt fc^arf bie fyofy 
müßige @eringf$ä$ung, mit ber bie Italiener auf bie ®eutf<$en 
$erabfä$en, toäfcrenb fle ft$ xffte S)ienfle, tt)ie je|t bie be$ 
ÄönigS, 3 gefallen liegen. S)ie SRijfteHigfeit im SoHegium ber 
Garbinäle, troburd? oft bie 2fo8fü$rung eines keifen ©ef<$luffeS 
in bie unrechten £änbe gelegt mürbe, ijt tym ni$t verborgen. 
Sorft^tiger aber t>erfiänbli<$ toeijt er in einem ©rief an einen 
$o$en Äir^enffirflen auf bie geheimen ©inftüffe $in, bie ba$ 
@ute ju Der^inbern teuften. 4 @inen no<£ emfleren £on f$lägt 
®ert$olb in einem SBambrief an ben $ßapft felber unb etliche 



i (Sotyetn: ^olitij^e unb xeligiöfe «olfsbetoegungen 48. 

2 «m 9. Januar 1486. äöürjb. Hro$ib. 

3 SBeriljolb an Äonrab Sötdij, Äanoniler ju 6t. Stefan in ÜRafnj 
(j. 3. in 3taüen), 1496 Btnbau 9. September, Arn 6<$ttt& nrirb lebhaft 
bie Dom $a$)ft au9 ©clbgier benrifligte Utmoanblung beS J?Iofter8 äBeifeen- 
bürg in ein (Eoöegiatpift gefabelt. SBefanntlia) $öt niemonb analoge klagen 
energtföer erhoben als Ixittym. ©d&on am 1. 3uli auS HugSburg (jatte 
»etifcolb 2Bi<ty über bie Sluciuationen beS ©d&iffletnS $etri fein 2eib au§- 
gefyrogen. Söiener Wrd&ib. 

4 «n 8f. ^iecolomtm , Garbtnat bon Siena (foäter tyapft $iu§ III.), 
1496 Einbau 9. September. Wiener Hrc$tt>. 



29S 



(Sarbinäle an, ber n>a$rf$einli$ in* folgenbe 3a£r gehört 
3nbem er bie ©fcommunication be* Äurfürften Sß^Uipp toon ber 
Sßfatj toegen be* toetffenburger ^anbete, toobei jener fi$ jietS 
Sterten* erboten, bebauert unb bie gar ni$t gut ju ma<$enbe 
©<$äbigung ber 3tei<$$intereffen bagegen gelieitb tna^t, 1 ft>ri$t 
er feine entf$iebene SRifebilligung au$ über ba£ neuerbing* Dom 
Sßapfl für bie SHöcefen ©peier unb Söorm* (tt)ie bie 8if$öfe, 
feine ©uffragane, i$m mitgeteilt) beabftd&tigte unterbiet. 3lu$ 
ber grimmigfte ©egner fönnte {eine für biefe Jtirdjen fd^&blid^ere 
Maßregel , bie nur jur Beraubung be$ Alerid führen toürbe, 
au&finbig matten. @inetn o^nebte* unge^orfamen, f$tt>er ju 
be^anbelnben Soll müfcte biefe un&erbiente unb uuberftonbene 
©träfe unerträgli<$ fein u. f, to. S)iefe ma^nenbe ©timme, 
welche ft$erli$ ft$ no<$ weit öfter im gleiten ©inn &at t»er* 
nehmen laffen, ifi unerhört toer^attt, folange Sllefauber ben 
päpftlicfcen ©tu$I innehatte. 311* na$ feinem £ob bie 3Ba$l 
ber ßarbinäle auf jenen mit unferm @rjbif<$of befreunbeten 
Garbinal ton ©iena fiel, ba f?at ©ertyolb gute* SRut&e* eigen* 
tyänbig aufgefegt, n>el$e Reformen er für bie beutfd&e Äir$e 
ton biefem berfelben gezogenen $apfl tofinf$te unb erwartete. 2 
2Iber lefeterem, ber befanntU$ ben Flamen pu* III. nur toenige 
3Bo<$en führen burfte, ftnb f$toerli<$ biefe Sorfd&läge unfere* 
83if$of* au$ nur ju ©eft$t gef ommen. ßeiber fmb fte gänjli<$ 
toerf Rollen: aber bie oben angeführten 3 eu Ö ni ff e au* 8ert$ofi>$ 
geber laffen feinen QtQtifcl, in toeldjer Stiftung fie gegangen 
fein muffen. @3 gereift Sertbolb jur g^re, bafe er trog ber 

1 est (sc. palatinus) enim . . . inter seculares prineipea facile 
primus quo renitente vel non faciente frustra quaecumque conamar. 
UnDat. Gopie im toten er Strdjto. $)en!6ar ift, bog 9Bert$o!b§ VBneigung toinS 
leine, be8 ÜKetropolif en , Umgebung in biefet Angelegenheit öerftfirft ip. 
SBergl. audj Gapitel 4, gingang. 

2 3. 9Binn>$eling in feinen responsa et replicae ad Aen. Sylvium 
(bei gre$er«€>trube II, 696): mox propria mann pleraque conflignare 
cepit, quoram ab ejus sanetitudine Tel remedia vel levamina pro 
divini eultus nostrae nationis incremento sese impetraturnm confidebat. 



299 



umfaffenben politiföen Aufgaben, bic er ft# geftettt $atie, 
benno$ ju ben in jener Seit in S)eutf<$lanb nic^t ju ja^l» 
teilen 39if<$öfen gehörte, reelle ben ©runb be8 fir$li<$en Hebels 
ernannten unb im confer&attoen ©eiji ju fcerbejfern toon ^erjen 
befliffen traten. 

©efeelt bon »armer Siebe für S)eutf<$lanb , flug unb er* 
fahren, auSgerüftet mit ben nötigen Äenntnijfen unb im SBefifc 
be* Vertrauens feiner SWitfürften, * $at Sert&olb t>on SHainj 
ber Sieformer ber beutf<$en SSerfaffung toerben toollen. Ob er 
ein ©taat&mann im eigentlichen SBortfinn war, ob er bie Äräfte, 
mit benen er operiren mußte, oottflänbig tannte unb ri<$tig 
iemaß, ip neuerbingS in $rage gejogen toorben. 2 SJe^ält biefe 
Oflpojition 9te<$t, fo iji im ©runbe ber mainjer Äurfürft bo<$ 
nur ber Ie|te unb größte jener iuriflif^en $projectenf<$miebe, 
toel$e für bie jtoeite ^älfte be$ 15. 3a$r$unbert8 ftü bem 
2tu3f$tmngen ber SoncilSbetoegung fo überaus c^araftertftif^ 
finb. (Sine förmliche SBiberlegung biefer 3lnf<$auung ift im 
Stammen biefer Slrbeit unmöglich ätöer aUerbingS toitb bie 
folgenbe ©arflellung ber 9teformberfu$e beftimmter, afe eS bis* 
&er gef$e$en, SerfyolbS Slnt^eil ju marliren fcaben. 6inS nur 
toitt i<$) borauSfd&idfen. §at ber @rjbif$of toou SWahij in ber 
3#at müßigen ^irngefpinnfie^ toaS bei bem conferoattoen SWann 
SBunber nSfymt, na$ge£angen, als er immer unb immer toteber 
triebe, Stecht unb ©ertd^t als SSorbebtngung jeber na^altigen 
£ei{htng ber 5Retd)Sftänbe ^infteQte , fo ^at er außer anbern 
3Ritf$uIbigen einen, ber in foI$' ibeologifd&er ®efellf<$aft gar 
ftunberfam fi<$ ausnähme. 2tu$ Stlbred^t Sl^iU, ber praftif^fte 
aller fürfilid&en ©c^laulöpfe Jener @po$e, ifl faft mit ber @r* 

l Urteile über i$n unier anberem Bei Xritfjem, Ann. Hirsaug. II, 518; 
gfriebrid&S beS Söeifen in 6palaiin§ ftad&tafj 43. 9iac$bem iRanfe i$n juerft 
als Staatimann enibetft, fjat bie Arbeit 28e<fer!e3: De Berthold i . . . 
stndiis politids (SRünft $ifferi. 1868) bem SBebürfniß einer einbrinßenben 
3BÜrbißung noä) nidfrt abgeholfen. 

* 3?on ©otyetn: ^olitiföe unb religiöje SBoltebeweaungen bor bet 
«Reformation 27 ff. 



300 



Ilärung auf ben Sippen gejlorben, bafe alle 2lnf<$läge unb Ärieg** 
rfijiungen nid&ts hülfen, „too man ni<$t grieb* fcätte, red&teS ®e* 
ri<$t unb einmütige STOünje". 1 

SDBiß man bic Reform unter 3Ra?imilian feit 1495 Der* 
flehen, fo ifl e3 um>ermeibli<$ , bie SBemegung ber 3Reinungen 
toon einem ettuaS früheren geitpunft ab ju »erfolgen. ©S f$eint 
ratsam, bie Stellung be3 Äönig* ju bem Steformbegefcren feit 
1486 tyier im 3ufammen£ang ju beleuchten, alfo normal«, aber 
freiließ nur mit eilenbem gufc, biefclbe Sßeriobe unferer innem 
©rittoieflung ju burd^ftreifen, beren äu&ere @ef<$td&te in ben 
toor^ergefcenben Slbfc^nitten bargeflellt ift 3$ ttrieber^ole e$, 
ni$t um eine erfd&öpfenbe ^Betrachtung fyanbelt e8 fi<$ hierbei: 
e8 gilt nur gleid^fam bie 83ett)egung$nert>en innerhalb be$ natio* 
nalen Organismus bloßlegen, tyren StuSgangSpunlt, tyre 33er* 
äftungen, .tyre ©ntoirfung auf ba$, toa$ fi<$ auf ber Oberfläche 
be3 ßebenS öofljiefct, ju erfajjen. 

@& gehört ein gennffer ©rab Politiker garbenblinb^eit 
baju, um ju toerfennen, ba& baS beutfd&e Soll in jener Seit 
eine Kräftigung unb SSerbefferung feiner SSerfaffung fo noty* 
toenbig beburfte wie bie Sßflan jen ju tyrem 2Ba$$t$um bie Sonne. 
@3 ifl nid&t anberS: nid^t nur ba8 33er$ältmß jtmfd&en $aupt 
unb ©liebern toar fiaat3re<$tli<$ t»ößig unllar, au<$ bie ©lieber 
entbehrten jum nid^t geringen $$eil unter einanber ber leben« 
bigen 39ejie$ung. SHan pflegt immer nur ^er&orju^eben , ba& 
ba$ Steid&Sober&aupt über bie militanten flräfte be* 9tei$* 
felbflänbig ni<$t Verfügen lonnte unb burdjj ^unbert ^inberniffe 
fi$ gehemmt fa£, toenu e£ &erfu<$te, bie berfaffungämäfcige 3u* 
jlimmung ber ©tdnbe ju gewinnen« 2Bte oft ifl aber ba$ 
„#interji<$bringen" ber jiäbtifd^en 3tat$8freunbe — eS trifft 

i Bm 22. gebruar 1486 bei SKinuioli 191. «18 Gonfequena babon 
madjt ber einmütige Eefd&tufc ber Äurfürften 6. 198 in ber £t>at bie 
tor^erige 9lufrt<$tung be8 Äetd&§gert<$t8 , beS Beftfinbtgen griebenS unb ber 
SRÜnje jur conditio sine qua non tyrer prindpiefl ausgeflogenen SBerottli- 
gung be§ WnfölagS. 



301 



aber bie ffirjili^en SSotfd&aften faji in bemfelben äRaß — 
geHagt »orbeu, ofe über eine geffel für baS SBaterlanb, bur$ 
toel$e eine re<$tjeitige Stbme&r übermütiger geinbe unmöglich 
gemalt fei. SRan überfielt babei böBig, bafe bie fo eng^erjig 
unb untoerfiänbig erf^einenbe Abneigung ber ©täube, fu$ für 
allgemeine gtoede ju eyponiren, jum S^eil i$ren guten ©runb 
$at Stiemanb fcatte au<$ nur bie geringfie ©arantie, 
ba& er bunbe3genßffif<$ unterfiüfct merben mürbe, 
fall«, na$ Ablauf beö 9tei$8lrieg3, ber gemeinfame 
(Segner i$n allein &eimfu$eu mürbe. S)eutfd?lanb8 
öertounbbare ©renjen, bie SBicI^cit präfumpttoer geinbe ersten 
biefe bamal* fe$r ernjili# genommene ©efa^r, ju beren 211); 
roenbung bie allgemeine 6$ufe)>fU$t beS 5ftei<$aober&aupta, ba3 
felber fletö &iilf*bebflrfttg mar, ni$t ausreiste. 3Rit einem 
Sorte, bie Erinnerung an bie pfli$tmäßige Unterfiüfcung ber 
6tänbe für ba$ 9tei$ lebte immerhin lebenbiger in ben @e« 
mütyern, als baS Jöettmf tfein ber gegenseitigen 99eifianb$pflü$t 
ber 9tei$3ftänbe. Unb babei fcanbelt e$ )\ä) nid^t etma um 
bie ft$ toielfaty argmö&nifä betra<$tenben Kategorien berfelben, 
ni$t fcarum, ba& etma bie ©täbte falt jugefe^en fyätlen, mie 
ein gfirji ftaare laffen mufete. Äein gürji fonnte auf feinen 
9ta$bar rennen, ober toielmetyr er muf te, falls ni<$t etma engere 
Bereinigungen jmif^en tynen fiat Ratten, jiemlic$ genau, bafe 
tym #ülfe in ber SRotb niäft merben mürbe. SMefeS Moment 
iji eine« ber mirffamften gemefen für bie traurige ßurüdf&aU 
tung beS 9tet<$3 gegenüber ber Ueberflutyung Defterreic$3 
bur$ bie Ungarn. #ter mu&te bie bejfernbe #anb juerfl 
angelegt merben, unb ei ift ein ni$t geringe« SSerbienft ber 
fog. Steformpartei, ben ginger auf biefe äBunbe gelegt ju ^aben. 
6eit 1481 toar barauf ^ingemirft morben, Sllbred^t SXc^iU tyatte 
1485 bringenb einen gegenfeitigen 8$uj}t>ertrag jmif<$en Äaifer 
unb ©tfinben befürmortet, auf bem SBBatyltag ju granlfurt toarb 
ein (Sntmurf gemad&t, in Nürnberg 1487 erlangte ber bo<$ mofyl 
ton Sert^olb auäge^enbe 2$orf$lag einer folgen „Eonflitutiou", 



302 



fogar bie gußimnumg beö ÄaiferS; 1 aber no<$ toat bei lefctetem 
bie Ätaft bet Sträg^eit mäßiger als irgenb eine einfielt. 5Die 
6a$e blieb liegen. 1491 tau$t fie bann in anbetet ©eflalt 
triebet auf, unb ic^ jtoeifle gar ni$t, bafc bie neuerbingä al$ 
tfceotetijttenb gegoltene £enbeng SSettyolb* auf <8tti<$tung eines 
3fcei<$$tegiment8 mit ausgegangen ijt bon bet SKotytoenbigleit, 
ttgenbttrie biefen bei anbeten SSölfern lautn etfcötten SRangel 
bet poütifd&en Dtganifation gu beffetn. 

SBufcte jum Stäben be$ Sufttetend na(^ au&eu lein 9tei$& 
flanb, tote fein 9ta$bat )U @$u| unb Stuft ft$ galten ttmtbe, 
fo toat bet SDlangel feftet ©epflogen^eiten ni$t minbet empfind 
li<$ in bet 3teptäfentation be8 9teid&3, im 9tei$£tage. $ene 
®ett>o$n$ett gtiebti<$3 III V einjelne gfitfieu, auf bie man, bet 
33etn>anbtf($aft fcalbet obet toeil fte auf ben ßaifet angemiefen 
toaten, glaubte te#nen ju bfitfen, §u laben, anbete, Don benen 
man Oppofttion befürchtete, au$julaffen, fonnte nut baju bei* 
ttagen bie Ätaft bet Sefäliiffe abjuf<$toä$en. 5Ri<$tgelabene 
fügten fi<$ natütlt^ bem aufgelegten ju entjie&en. Slbet au<$, 
toet au£ ©genmac&t Wegblieb, etlannte ni$t an, baß bie Set- 
fammelten Sefd&lüffe gefaßt hätten, bie au$ fät tyn gültig maten. 
SRut tuet bem äbföieb jugeftimmt, toat t>et)>fli$tet: {eine SRa* 
jorität banb bie S)iffentitenben. 2Bie toäte fonji bad 35et$alten 
bet ptoteftitenben ©tänbe no<$ im 3a£t 1529 benlbat? Qebem 
9tet<$$abf<$ieb folgten fo unauSbleibli$ lange 33et$anblungen übet 
ben S^tritt bet getngebliebenen obet 2Bibetfpte$enben, tegel* 



4 SRinutoli 85 u. 193 f. 200. 210. San Ren, ttri($§cotr. 482. 486. 
487. 492 als „etjnung 'gegen frembben gegungen", f. 496. Etefe 
©efirebungen $aben tooffl $>roüfen , $reufc. $oIiiit II, 1 , 361 ju beut 3rr- 
tyum beranlafct, bafe föon 1487 über einen „töetd&Sbunb" ber^anbelt »orben 
fei. tiefer gebaute tritt, jebodfc o$ne rcaltflrt )u toerben, erft 1491 !)eröor. 
1492 tft ber üftangel jener @inung gegen frembe 3ungen toieber in ftoblen* 
bet 0runb ber Slble^nung be& $ülf§bege$ren§ ßanflen 660). 3tn 3a$r 1495 
bringt no$ £an8 toon gertnanSgrttn auf eine foI$e 3nfHtotion (gorfd&ungen 
jur beulten ©efd&. XX , 89). 3u ben (Segnern gehörte Won 1487 $fal) 
(3<m||en 490). 



303 



mäfcig böllig bergebli$. ®ic grage bon bcr 33erbtnbli<$fett ber 
9ef$Iüffe bcr änmefenben für bie 9W<$terf<$ieneneu war eben con* 
trober*. Äaifer $riebri<$ ertlärte einmal biefe ©filtigleit at« 
8teid&S&er<ommen. 1 S)o<$ lonnte ber ©afc titelt bnrd^gefü^rt 
werben, gefie formen ber ©eratyung fingen erft an ft<$ ju bilben. 
3lod) fyrtte man ft$ an @e$eim$altung ber Verätzungen nid^t ge* 
toö$nt, fe$r gum Stäben ber ©ad&e, ba bie 9tei<$8t>orf<$läge 2c. 
regelmäßig jur Äenntntfe ber fteinbe gelangten, e$e fte nur be* 
fd&toffen waren. ®e$$alb $at Sertyolb bon 3Jtain§ e* burdfcje* 
fe|t, baß ben 39otf$aftern ber ©tänbe 8$erf$Wtegen&eit bis jum 
Sdjlufe einer ©a$e auferlegt würbe. Sfod& ba $errf$ten freiließ 
Unterfd&iebe. ®en Oefaubten ©igmunb* bon £iroI war eS 1487 
gemattet, i&ren #errn, aber nur btefen, bom ©ang ber S3er* 
^anblungen in Äenntntfi ju fefcen. 3htf bemfelbeu Steid^dtag 
blieb ba3 ben ©efanbten ber 9tei$8ftäbte bt$ jum »efd&lufj 
unterfagt. 2 $0$ ba£ ftnb 9lebenfragen. 2Bi$tiger ifl e8, bafe 
bamafö bie Verätzung in brei Kurien {le^enb mürbe. 3 @I)e 
es baju lam, muffte bie grage ber ©tanbfd^aft ber greU unb 
3leid^^fiäbte geregelt fein. Ofrte S^ ei fel War beren Haltung 
ni<$t immer ber ©a<$e förberlidj gewefen. Sei allen Stnforbe* 
rungen Weigerten fte fi<$ e<$t iaufmännif<$ felbjl ju fagen, 
toie triel fte geben wollten: fte verlangten einen 83orf<$lag unter« 
breitet gu erhalten, an bem fte bann i$re Äritil übten, um 
f$tiep$ ju erHären, i$r »efe^l berpfli<$te fte, borer jt bie @nt* 

1 3n Nürnberg 1487, Bei Sanften II, 480. $aft biefe Meinung aud> 
Ipfiter nia)t ganj unterbreitet aar, betoeift bie {Relation beS SBenetianerS 
Cutrini öon 1507 (AIWri, Relaz. 63). <Sr ift übrigens über flaatS- 
re<$Uitr)e fragen triel fäle<$ter unterrichtet, als gemeinhin angenommen ttrirb. 

2 darüber fä)reiben ©igmunbS SRfitye 1487 ©amStag bor $fmgffen. 
3nnSbr. Hrd&ito. Ueber bie ffieid&Sjtöbte bei 3anffen II, 464 ff. Huä) ben 
an ben Sßer^anblungen beteiligten fatferlia)en fflfityen 6ä)toeigen auferlegt 
485. Siele anbere Stellen bemeifen bie töid&tigfeit ber «ujfaffung, an ber 
aud) j. ». 1489 unb 1495 fefigeialten mürbe, @ot$ein a. a. D. 48 mife-- 
»erfiel>t bie 6ad>e aufs grfinblidtjfie. 

3 3n ber bor^ergeljenben grit Ratten n>ot)l »eltlid&e unb geiftli^e 
gürten bei ber Stoatyung fiä) getrennt. 



304 



f<$eibung tyrer Sftat&Sfreunbe einholen, ©ine gettnffe Sor* 
ftc^t toar tarnen nid^t ju fcerbenfen. @8 lam toieber^olt fcor, 
a\\ä) no$ in unferer geitfpanne, baß man ben ©täbten in 
93auf<$ unb Sogen eine unter einanbet auSjufd&lagenbe Summe 
als i^re Quote abterlangte, o&ne i^nen Sinblidf in ben 2tnf<$lag 
als ®artie& ju getoä&ren. 5Die ©täbte Ratten unatoeifetyaft 
SRed&t, toenu ite ft<$ bagegen fträubten: jebe ©leid&mäfjigfeit ber 
Saften jtinfd&en ben fcöfceren ©täuben unb i&nen toar babur<$ 
in grage gejleHt. S)ie gürjien blieben babei, ben ©täbten leine 
3Serglei<$ung ju erlauben. ftiev $at ber SWainjer, bie ©egenfäfce 
bermittelnb, eingegriffen. 63 toar ba$ nid&t auf einen SBurf 
möglich, ba ba$ communale SWifetrauen, überbürbet ju toerben, 
na<$ fo mancherlei Erfahrungen fo leidet nid&t ju befd&toid&tigen 
toar. ®ie ©a$e ifi temeätoegS fo einfa<$ »erlaufen, toie man 
neuerbingS angenommen tyat. 1 S)ie grage ber rei$$fiäbtif$en 
Vertretung toar brennenb, feit auf bem franf furter 2Ba$ltag 
i486, ju toel<$em gar feine ©täbte erforbert toaren, eine Parte 
#ülfe benfelben aufgelegt unb bur<$ faifetli$e 83efe$le unter 
ftrenger Shro^ung ton Jeber einjelnen eingeforbert tt>ar. S)a 
lam eine lebhafte SBetoegung in biefe Sürger, bie fonji glaubten 
am beften ju fahren, je unbemerfter i$r treiben blieb, ©täbte* 
tag folgte raf$ auf ©täbtetag. 911$ ber Äaifer auf Anfang 
1487 eine neue Steid^&erfammlung Vorbereitete unb ben ©täbten 
jumut&ete, ben SBefd&lfiffen einfach golge ju leiffrn, fotberten 
bie ©täbte gerabeju als i$r 3te<$t mitberufen ju toerben unb 
mit^anbeln ju bfirfen. ©er Äaifer f<$lug ba« anfänglid^ ab, 
au& Dpportunitätegrünben, t)orne$mlt<$ roeil ba8 £interfidfc 
bringen ber ©täbteboten SSerjug beranlafete. S5a$ fcatte toenig* 
ftenä ba« ©ute, ben ©täbten bie ©efa^r tfcreS feparatipifd^en 
SBefenS öor Slugen ju ftellen unb fie jum ßufammen^alten unb 
gemeinfamen Vorgehen ju befiimmen. ©o weit fear man unter 

i Kante, $eutfäe ©ej<$i<$te I, 60. Uebcr bie anfange einer ftäbttföen 
9tei<$Sftanb|d)aft bis 1400 $at julefct SBrütde ge^anbelt: Gnttoidtimg ber 
9ieid)Sftcmb|d&aft ber ©täbte (©ötting. ©iflert, 1881). 



305 



Dielen ©d&toanhmgen enbli<$ gekommen, ate ber Äaifer, Der fi<$ 
anberS befonnen, ju bem na# Nürnberg bejttmmten 5Reid&3tag 
a<$t 6täbte mit bem ©efetyl einlub, bei SSermeibung fd&toerer 
Ungnabe 39ebollmäc$tigte ju fenben, toel<$e o$ne ^interftd^bringeit 
ben 3M)f<$ieb annähmen. 3>a faßte ber in £eilbronn berfammeltc 
%a$ ben etnftimmigen 8ef<£lu&, baß be^uf^ Sfafred&tyaltung 
be8 #ertommen8 nid&t blo$ bie gelabenen, fonbem alle greu 
unb Stetes jläbte ben 3iet$Stag beeiden feilten, um bafelbft 
einmütig unb o^ne £interfu$bringen ju ^anbeln. 1 Sttbet biefer 
energifd&e Sluffd&toung fann nid&t borgefcalten fyaben. S)ie im* 
gelabenen ©täbte fyaben bo$ ben 9tet<$3tag nid&t befd^idf t, fonbem 
nur gleid&jeitig na$ SKürnberg eine Beratung über bie ge* 
toünfd^te #ülfe gemeinfam mit ben erforberten ©täbten angefefct. 
8fo$ fo blieb biefer ©täbtetag nur mäßig befugt 3)er Äaifer 
aber &at bon ben Vertretern ber nid&tgelabenen ©täbte gar 
feine Sttotij genommen, ©iefelben ^aben mit bem 9tei<$8tag 
md&ts ju t&un, unb toenn bie Boten ber erforberten 2l<$tftäbte 
mit i&ren toeniger begünfligten ©enoffen im SSerfe^r blieben, 
benfelben fogar mit ©eue^migung beä ßrjtanjlerä SKitt^eilungen 
über SSerfcanblungeu beS 3tei<$3tag$ matten, 2 bie fonft geheim 
bleiben mußten, fo gef$a$ ba$ eben nur ju bem Stoeä, eine 
einmütige Beteiligung ber ©täbte an ber £ülfe auf biefem, 
fo ju fagen, inbirecten 2Beg ju erreid^en. (§3 ift nidjt baran 
ju benlen, baß bie 3 u ä ie ^ un 8 ^ er Boten einiger ber 2ld>tfiäbte 
ju ben 8ht8f$fiffen für ^älfe unb Äammergerid&t im ©inn einer 
Slepr&fentation aller greis unb 9teu$$ftäbte erfolgt märe, ©ie 
traten nur für fi<$ unb ityre glei<$gefteHteu ©enoffen ein, unb 
nü$t einmal ba$ bur$au8. Sterin au<$ ben $&lf&anf$lag nahmen 
nur fe<$3 ber ©täbteboten , jeber für ft<$ unb jeber für eine 
fpecieü für bie einjelne ©tabt ausgeworfene unb toomögti<$ 

« $iefe Sorafinge f>at auf Qrunb be* Heten bei ©türm oon ©türmet! 
fcfiberltn, 9teid>§ efdf>i<$te VII, S46 ff., 854 ff. üBcrfld&tli* bargefteüt. 
2 Sanffen II, 482. 
U I m a n n , ftatfer WajimiUan. 1 . 20 



306 



herabgeminderte ©umme an. ( S)emna<$ fd&etnt eS mir unmög= 
lid>, ben 3tei<$3tag bon 1487 atö ben Seginn einer georbneten 
3lei<$8ftanbf<$aft ber ©täbte ju betrauten. Sicher ifi ba$ 9Rit* 
arbeiten einjelner 6täbie in ben 3tu3f$üffen bon 2Bi$tigIeit 
für bie gortbilbung ber ^nflitutionen getoefen. Stöer bie SSor* 
gänge fpredjen Har, ba§, ate man ftc^ 1487 trennte, man ebenfo* 
tr>eit oon ttarer 8tnf$auung ber Siebte unb SßfUcbten ber Som- 
munen entfernt toar, afö bor^er. 3$ glaube gar nid&t, *a$ 
man bie 6adf)e auf einen befiimmten Stet jurüdffü^ren barf. 
^ebenfalls lägt fid^ au$ ni$t bu<$jiäbli<$ betoeifen, bafe ber 
6rjbif<$of bon 3Ratnj bie grage fortan im günfligen glufe er- 
bauen l)abt, toenn au<$ feine fd^on 1487 ben ©täbten entgegen* 
fommenbe ©etoogenbett 2 unb fafl no<$ unabweisbarer fein aU* 
gemehupolitifcfyeS ^ntereffe eine fold&e Haltung als faft getmfe 
aufnötigt. (Sine SBermutbung brängt fi$ uo$ auf. hätten 
toobl sa$Irei$e 3*ei$3jläbte fid& 1488 fo bereit jum eintritt 
in ben mancherlei Dpfer beifd^nben fd&toäbif<$en ©unb fmben 
lajfen, märe ibre Stellung jum ©anjen fd^on im Safcr jubor 
jtüeifelloa fefigefieBt getoefen? SBo^l erft bie (Srfa^rungen, toelc^e 
1488 ber Äaifer mit bem obne 9tei$Sbefd}luJ3 gegen bie flan- 
brifd^en SftebeHen aufgehellten 9tei($3aufgebot maebte, baben bei 



1 3n allen biefen fünften rnufe i$ bon SRanfeS Sluffaffung abtoeidjen. 
2>er SbeweiS liegt in ben 93eri<$ten bei franffurtcrföeid&StagSgefanbten bei Sanften 
464 ff., bergt. befonberB 499 unb 508 bie Gorrefoonbenj jttriföen Sübed unb 
3ranffurt. 33ergl. ba§ 6d)reiben ber berfammelten ©täbteboten ebenbaj. 458. 
2>a§ töid&tige über bie na$ Ütante unb XroQfen feit 1487 feftfleljenbe ffiei($§. 
ftanbjdfraft ber ©täbte $at fdjon ©otfjein eruirt: $>er gemeine Pfennig auf 
bem 9tei($8tag au SBormS (SBreSl. Ziffer*. 1877), »eilage. 

2 3anffen II, 470, bergl. 507 9fr. 641. 3lud& 1495 werben bie $oten 
ber ©täbte be§ fd&h>äbijd()en SBunbeS an ©ertyolb als föatljgeber genriejen. 
Älityfel I, 168. 9118 ein toid&tigeS Seiten unbefangener SBeurtycilung ber 
Stellung Der ©tfibte weife i$ $ier auf bie im Xejt mitgeteilte 3^atfad)e 
I)in, bog SBertfjolb ben ©oten ber ^Ic^tftäbte bie 2Rittyeilung ber $ei<$&* 
öertyanblungen an bie SBoten ber ni^tgelabenen ©täbte juliefj. (£8 geigt bie* 
SBcrfyalten, bafj er bie 3ujie$ung be§ ftäbtiföen Clements wünf<$te, natür» 
lid) ni$t aus ®rünben ber $$eoriey fonbern ber *Rot$wenbigfeit. 



307 



tym, ber immer no<$ in ben grinnerungeu an SReufe lebte, bct$ 
gi£ gebrodelt. 2)ie SRieberlanbe formten, tote bie 2>inge im 
©pätyerbft 1488 lagen, für verloren gelten, toenn ni<$t ba3 
3teic£ eintritt. Slber nufcloS erfd^ien — bei ber Dppofttion, 
bie auä) aufeerbem fi<§ regte — jeber 33erfuc$, folatige man 
ttid&t fidler mar, bafc ein 2lnfc$lag an ©elb au<$ Don allen, 
inSbefonbere ben ©täbten, entrichtet »erben toürbe. 6d>on el;er 
liefje fi<$ tyier bie ©enefte ber geregelten ftäbtif<$en Stanbf^aft 
erfennen. 3 U *> eTn 1489 * m Wamzn beS ÄaiferS unb be$ ÄönigS 
nad^ granffurt berufenen 3tei$3tag tourben „alle unb jeglid^e" 
%xeu unb $Rei$3ftäbte bef ^rieben, um o&ne ^interfid^bringen 
enblidfc ju bef<$Iief$en. x Slber ju lefcterem tuaren fie aufy ba* 
mal« no<$ ui<$t ju bringen, gtoar toar eine ©ruppe toou ©täbten, 
Doran SRürnberg unb granffurt, baju bereit, aber bie aße^rja^l 
ttriberfe|te fi<$. Dbtootyl fie $ier in granlfurt juerft als ein 
in fi<$ gef<$loffene$ Sottegium ben beiben $ö$em ßottegien jur 
Seite traten, gaben fie bo$ gerabe in biefer grage eine brei* 
fa$ geseilte SluttDOrt, 2 gum £&eil lag tüo^l bie fortgefefcte 
Steigerung ber ©täbte an ber toenig jutoorfornmenben 33e^anb* 
lung, ber fie fic^ auSgefefct fa&en. ©erabe tyier in grauffurt, 
mo fie in i&rer ©inljeit fi<$ füllten, toertoeigerte man i^nen bie 
Äenntni&na^me beä 2luf<§lag$ für bie ^ötyeren Stänbe unb tooHte 
tynen nur bie fte treffenbe Quote befannt geben. $)a£ ift benn 
ba$ £au£t$inbernif3 einer gebei^Iid^en Srlebigung ber ©efd^äfte 
getoefen. — SefanntUd& ift e3 biefer 5Rei<$3tag tion 1489, ber 
babur<$ bebeutungSfcoll ift, bafe auf i$m juerft SRajimilian in 
ben aRittetyunft ber SMnge tritt. S)o<$ toir lönnen babei nod) 
ni$t fielen bleiben. ®8 gilt ber Steige naä), t)or unb rüäroärts 
fd&auenb, ben (Sinfiufj ju t>er gegenwärtigen, ben er an bring; 
lidjjften fragen, tt)ie ber be3 griebenä unb feiner ©jecution, be§ 
©erid&tä, ber SReid()3orbnung im allgemeinen, enbli<$ ber ginan jen, 

* Sanffen II, 522. 2>ie Berufung toar (jucrft na<$ Speier) im 
Cctobex 1488 erfolgt. 

* 3anffen II, 523. 526. 532. 



308 



berührt tyeifö toon ben Senbenjen ber 9teformpartei, tyeite biefen 
fi<$ toiberfefcenb, genommen £at. ©3 fott bie« fax junä<$ft für 
bie 3?ü ^or feinem ^Regierungsantritt betrautet toerben. 

@$ iji belannt, bafe auf bem Sag ju granlfurt (1486) auf 
je^n Sa^re ein allgemeiner Sanbfriebe unter Sluftebung aller 
getybe t)er!änbet toorben fear, beffen 3lu3fü$rung gegen jeglid&e 
Uebertreter ben $la$batn in ber äßeife überlaff en blieb, bafc fte, 
iraft erhaltener Slufforberung ober eigener Söa&we^mung, ju 
frif<$er tyat ben grefclern nad&eilen 1 foHten. S)a baä DöHig un- 
ttrirlfam geblieben fear, bejlimmte, loie ebenfo belannt ift, eine in 
Nürnberg am 19. ÜJtat 1487 erlaffene laiferlid&e ©eclaration no<$ 
ausbrüd Ud^ , bafi ieglid&er 3teid&3flanb unb Untertan auf @r< 
forbern, jebo<$ in Slbflufung na<$ ber Entfernung feines SBo^nortä, 
#ülfe leifteu miiffe, unb regelte bie grage ber Äofien unb be$ 
6$aben$. 2 SQBeniger ifl e$ beamtet toorben, bafe f$on in ^ranfc 
fürt in nötiger 8Sorauäfi<$t ber SRufclofigfett fold^er papierner 
SSefe^Ie ber 33erfud& ju einer SjecutionSorbnung beS £anbfrieben$ 
gemalt tporben ift. 2)iefelbe barf als baS eigentliche S)ebüt beS 
jungen Äönigä 3Kaj 3 betrautet »erben: benn $infi$tlt<$ be$ 
griebenä felber fear be3 ÄaiferS Untyättgfeit too^l ni<$t f$n?er $u 

1 3m 3a$r 1386 tmrb e§ ju ben $fK$ten eines SSogtS geregnet, fafl§ 
ein SBogteiinfaffe gefangen fortgeführt nrirb, fofort, nötigenfalls, um feine geh 
ju oerfäumen, barfufj ober mit einem Sd&ul), fid> aufs $ferb }u werfen unb 
nadfaueilen. @r barf au$ öon feinem 99efreiung§üerfu$ nid&t abfielen, e§ 
fei benn bafj er oljne §ttlfe fiel äffen wirb. Schöpflin, Alsatia diplom. II, 
9hr. 966, 6. 156. SBie feiten mag felbft in «einen Ser^ältniffen biefe§ 
3beal ber 2BirfIia)f eit entfproa^en Ijaben ! Unb nun gar innerhalb be§ Äeia> 
auf feine Steile angetoanbt, bie fia) nur attjufremb gegenttberftanben! 

2 ffleid&Sabfajiebe (1747) I, 276 unb 281. $ie Angabe ttanteS L 60, 
bafj ba§ Aufgebot bie 9taa)barn im UmfreiS Don fe$S bis jeljn SReilen an- 
gegangen fei, ift nid&t begrünbet. 

3 2)a§ ergiebt ber 93erict)t ber branbenburgif^en (Sefanbten an SÄart- 
graf 3o$ann üom ^atmtag (19. 3Härj) 1486. »erl. ttr<$iü. 2>a Reifet e«, 
ba& baS abfa)riftli$ eingefanbte SJeraeidmifj über bie „tailung" beS ßanb« I 
fricbenS „burdj> ben fonig" überreizt fei, unb nadfter, als ber Entwurf TOfc* 
fallen erregte, entfa^ulbigte ®raf §aug öon SBerbenberg gerabeju bie ttn* 
fenntnife beS ÄönigS, ber benfelben „furgenomen". 



J 



309 



fiberttrinben getoefen. 3>m tarnen be8 ÄaiferS feilte bemna<$ bet 

griebe fcon beflimmten §auptleuten in ben irrten jugettriefenen 

3itleln gefyxnb&abt toerben, toeld^en ju biefem SBc^uf baS Siedet jus 

geforod&en.ttrirb, 83if<§öfe, Sßrälaten, ©rafen, freie Ferren, 9Utter, 

Anette unb ©täbte, bie unmittelbar unterm 9tei<$ fielen, bei 

ben im grieben fcorgefe^enen ©trafen ju erforbem gür ©<$tt>abeu 

foHten £auptleute fein ®r$erjog ©igmunb unb ©bewarb toon 

SBürtemberg ; in Suyemburg ein SSertreter be8 römtf <$eu ÄöuigS ; 

t>on Sujremburg big grieälanb ber römif<$e Äönig; toon Sufem* 

bürg big Sßolen Äurfürft 6rnft t)on ©a$fen unb Sofymu &on 

Sranbenburg; ber Äönig. Don Söhnen in feinem 2anb; am 

Styeinftrom fcerab ber Sßfaljgraf, unb in tyren Sanben bie Äur> 

ffirfien fcon SRaing, £rter, Äöln, ber Sanbgraf Don Reffen, bie 

33if<$öfe fcon Bamberg unb SBürjburg, bie $o$enjoEeruf<$en 

SKarfgrafen in granlen; femer im £aub ju granlen ©raf Otto 

bon £enneberg; in i^ren Sanben bie baiertfd&en ^erjöge, unb 

enblid^ ju 3Beifeenburg ein laiferlid&er Hauptmann. x SEBie man 

fte^i, ber ©nteurf einer ÄreiSeint^eilung mit fd^onenbfter 33e* 

riidtftd^tigung ber größeren Territorien, ju Ungunfien ber $alb 

unb $alb mebiatifirten untern ©tänbe. SMefer tSefi<$t3punlt 

fährte ju fcöEig ungletd&eu Sejirlen, beren Sefä^igung für bie 

jugebad&ten Aufgaben gegenüber toiberuriHig fi<$ fügenben ©es 

noffen jum %\)t\l aHerbingS jmcifcl^aft erfd^einen fonnte. Unb 

fo Riefe benn ber ©ntumrf, ber für 3Ray, ftetä einen greunb ber 

ÄreiSeint&eilung, $arafterijiif$ iji, auf entfd^iebenen SBtberfprudfj 

bei ben Äurfürfteri unb gürflenbotfd&aften. S)ie furbranben* 

burgiföen ©efanbten, toeld&e berieten, bafe ntd&t toiel Seute @e= 

fallen* baran gehabt, erflärten für fi<$, toenn eine ©int&eilung 



i Berliner *T«$it>. „*Ttitel ber $uiff fatif. 2Rt. ju t$un" u. f. ». 
%ur tljeiltoeife unb jerfttirft bei TOüHer, IReid&StagStfceater unier 8friebri<$ 
VL 23. Sergl. bie ©etnerrunö ÄrofjmannS in: gorföungen jur beutfdjen 
Qkfö. XI, 122. 3u ä$nli<$en Befultaten toie id) \% tote i$ na^ttäglid) t»in- 
giifüge, ©agner getommen (gorfäungen XXII, 264), ber baS citirfe Acten- 
flüc* 9lti$faߧ benu^t f>at. 



310 



ber Scmbe be^ufa ber $anb$abung be3 griebenS beliebt toürbe, 
fo müßte fie gemalt »erben bur<$ bie gürfien Mn ^ Rauptet 
jebeS SanbeS, benn fonfl ttnirbe me£r Unfriebe als griebe barauä 
ertoad&fen. 3Jtay fa£ benn au$ raf<$ feinen Qrrtyum ein nitb 
liefe bur$ ben ©rafen #aug toon SBerbenberg bie 3Kitt§eilung 
abgeben, bafe ba$ anftöfeige 3Serjei<$mfe Don itym ^errityre, unb. 
liefe bie SRängel beffelben mit feiner Unfenntnife ber Sanbe enfc 
f^ulbigen. 1 ©c$on in ben Reiten ber #uffitennot$ ^atte ftdj 
ber SBibertmUe ber ©tänbe gegen bie Äreteeintbeilung, meldte 
bie ©elbftljerrli<§feiten in getoiffen SBejte^ungen ju nmfaffenberen 
Einheiten jufammeubinben foHte, unfibertoinbli<§ gezeigt.' 2 $)iefe 
Abneigung toax bei ben gürflen untierfennbar no<$ gemäßen. 
©o mufete biefer ©ebanfe fallen, ber, toenn iä) re<$t berftetye, 
be&^alb no<$ in ftärferem SDtafee mit mifegünjiigen 2tugeu an* 
gefetyen toarb, toetl man bem Äaifer babei befonbere 8tbR<$ten 
jutraute. üßan brang im ©egenfafc jn einer allgemeinen Stege* 
Iung anf particulare ©inigung. 3$ müfete mi<§ fe^r irren, 
toenn ni$t nnter anberen ber ffiurfürft üon ber Sßfalj ' 3Wit* 
ur^eber biefer auffälligen (Snt&altfamfeit ber grßfeeren 9teid>S* 
ftänbe gegen bie Heineren fein foHte. ^ilipp tonnte fi$ mit 
bem $aifer bamatö ni<$t über bie Sanbbogtei vertragen, unb 
e$ fönnte fein, bafe tym ber laif erlitte Hauptmann ju SSeifeen* 
bürg unerträglich getoefen toäre. Ueber^aupt ge$t bamalä bie 
ftärffte particulariftif<$e Dppofition Dom #au3 2Bitteläba<$ au$. 
®ie SSer&ältniffe, in roel^e 8Hbrec$t unb ©eorg bon SSaiern 
$um Äaifer getreten toaren unb bie ttrir in ber Einleitung 
lennen gelernt ^aben, bilbeten ein leibigeS ^inbemife jeber Der* 

i „2Ba§ au grantfurt am $ almlag LXXXVI 3a$r unb furber ge» 
(anbclt ift be8 SRom. 9tei<$8 falber", unterjd&rieben öom ©rafen oon Soflero, 
Subtoig oon 6öb unb Dr. Sßfotel, bie obigeS „93ergeiä)nifj" mit überfenben. 
£>o<$ finbet fia) biefer 2Beri$t im berl. $rä)ib fäljd&Iia) in ben bieten (intet 
1489 eingeheftet. 

1 b. SScjoIb : ßönig @igmunb unb bie 9ieiä)Sfriege gegen bieftufftten, 
2. Wbtyeil. ®. 125. Ueber ben Ärei§eintf)cilung8|)lan 9Ubre$i§ IL öom 
3af)r 1438 j. Datt de pace publica 180. 



311 



ftänbtgen Neuerung. 9Bir mcrben baä no<$ ttrieber^olt feben. 
6d&toer liefe fi<£ eben für ben Fortgang ber ©efc^&fte ber $ob 
be$ Äurfürjten 2llbre<$t Stritt bertmnben. 2Bie bie Stimmung 
fettbem übler getoorben toar, betoeiji am beften ber 93eric^t 
be$ baierif<$en ®efanbten: „tt>er ber Äönig nit gett)elt ober 
margrabe bor geflorben: e3 gef<$e$ fo J>alb bbein toal mer." 1 
5)ie Saiern fciberfefcten ft<$ fortan fpflemattfdj jeber feftem 
3ufammenfaffung beS 3teid&$förper3 ; jte befürd&teteu toon einer 
folgen eine Seeinträdfrtigung ber b$nafttf<$en SSereiuung, toeld&e 
fte forgfältig unter einanber aufredet gelten. 6ie füllten ft$ 
too^I in biefer Sfolirung, toetd&e tynen bei jeber ®elegenbett 
jablreid&e 2lu3flü<$te an bie £anb gab, um angefonnenen 
Sriftungen für ba$ ®anje fi$ ju entjieben. 

üRit ber grage ber ©yecution be$ griebenS ijl bie anbere 
ber SJerbefferung be$ ©eri<$f3 unlö$li<$ berfnüpft. Seit länger 
al£ einem 9Renf$enalter faben mit feltener @inmütbigleit alle 
unter ben 3tei<$3flänben betretenen Äategorien in bem SRangel 
befriebigenber Orbnung beä oberften 9tei$8geri$t£ bie SBurjet 
be$ Uebete. Unter griebrid) III. toar au$ bem alten fönig« 
liefen #ofgeri<$t ein ftammergeri$t getoorben, o$ne bafe toir 
tofi&ten n>ie unb toarum, unb ofcne bafe in ber Spaltung biefeS 
oberfien ©ert$t3 ein SBanbel eingetreten toäre, einen einzigen, 
aber ^erborragenb mistigen, ^ßunft aufgenommen. SBäbrenb 
ba3 ®eri$t na<$ toie bor bie Sßerfon be3 Äönige bei bereu 
SBanberleben , au$ aufter^alb be« 9tei<$8, begleitete unb ber 
jeweilig ernannte Äammerrid^ter nid^t ettoa in bauember SSet* 
tretung be* !ßnigli$en 9te<£tS, fonbem fraft commiffarifd&en 
Auftrag« feine* 2fatte3 »artete, toar ba8 begebrlid^e @ef$Ie<$t 
ber cibiliftif$ unb canonifttfd^ gebilbeten Surifien unter bie 
Seinfeer ober Urteilet be& ®eri$ts eingebrungen. @8 erllärt 
ft<$ biefe ©rfd^einung äuf$erli<$ bur<$ bie nidfrt obne ®runb 



i Dr. StfTtycimer unb Dr. $aulftorffer an §ttm WfadM, grantfurt 
148t) Vtontag na$ Jndica (fliftra 13). SBaier. 6taat§-flr<$to. 



312 



fcermutyete @ntfte$ung be3 Äammergeridf)tS aus bem Ißniglidfren 
Sflatb. l ®3 ift ferner jtoeifelloS, bafe am Äammergerid&t ma* 
terieH ba$ römifd&e SRed&t angetoenbet tourbe. 2 3Ran na^m ba& 
als ettoaS ttn&ermeibli<$e8 tyin, obtt)o^I e3 im Smjelneu nid&t 
an klagen über ba$ babur<$ im SSolf &erurfa$te ©$toanfen 
ber 9?e$t$anf<$auungen fe^It; lebhafter ift befanntlidfr ber SQBiber« 
jianb bei ber 2)ur<$fü$rung be$ fremben Stents im fürfHi<$en 
Sanbgerid^t getoefen. 3Rod)te ber Uebergang nod& fo fe^r Un- 
bequemli<$feit, ja felbfi materielle ttngered&tigfett mit ftdjj führen, 
ber ©<$ritt toar ni<$t8bejlotoentger unfcermeibltdf). ©d&eute man 
biefen allein möglichen 2Beg ju einem allgemein gültigen Stoik 
re$t ju gefangen, fo toar ein t$atfä$U<$ toirlf amt&, ni<$t blo£ 
bem tarnen nad^ befle^enbeä, Dberrei$3geri<$t toon bem äugen* 
blid an nid^t metyr möglt<$, al3 bie Äaifer e£ aufgegeben galten, 
raftloä im 9tet<$ um^erjujie^en. S5enn nnr unter ber ^err^ 
fd^aft btefe« ©tyftemS mar e3 benfbar fletS Seifiger ju ftnben, 
bie fi<$ in ber gülle ber lanbeäüblidfjen Statuten, ©etoofyt^eiten, 
Söillfüreu jured&t ju finben im ©taube toaren. 68 Uefee fi<$ 
bafcer bie grage too^l aufroerfen, ob ni<$t bur<$ ba$ forttoäfcrenbe 
©rängen ber ©täube auf @rri<$tung eines fiänbig befe$ten 
9tei<$$geri<$t3 bem toon ©eiten ber ftubirten Qurifien au$ge$enben 
Slntrieb auf (Sinfü^rung beä römifd&en SRe$t3 ein mäd&tiger 
SSorfd&ub geleifiet toorben ifl? 9Ro<$ toeitere ©d^Iüffe ließen fi<$ 
jie^en, bo<$ muß e8 $ter bei biefer 3fabeutung fein SBetoenben 
tyaben. 33iel f<$toerer aU bie abtoei<$enben Sprocefeformen unb 
Sfted&tänormen emtfanb man bamafe bie Äörperloftgleit be£ 
oberften Sfted&tS^ofS, toenn ber Sfaäbrucf erlaubt ifl. 3 toc ir toar 
ber Äöntg na<$ germanifd&er Sttnfd&auung ber geborene Ober* 
rid&ter, jtoar &atte au<$ f$friebri$ III. jeittoeife feine Vertretung 
in biefer S^ätigfeit befiimmten Sßerfoneu übertragen; bennodfr 



i O. Sranflin: $a§ töei*§ljof0eri<$t im SMtteialter I, 341 ff. 
* gratrflin: £a8 Äönißl. ftatntnergeric$t bor b*m 3a$r 1495. Serim 
1871. S. 9 ff. 



313 



toarb baS ©ertd^t fietS nur fcon gall ju gaH conftüuirt. @S 
tagte ba, mo ber Äaifer ft<$ gerabe auffielt, maS bei griebri<$$ 
bauernber Slbmefen^eit oft ja$rje$ntelang t$atfä$li$em 9ted)t^- 
fiilljlanb glei<$!am. S)en Parteien ermud&fen bur<$ bieg %laty 
reiten unerf<$mingli$e Äofien, befonberS bur<$ ben eingeriffenen 
aRi&brau<$ fortmctyrenber griften&erlegung. ©er Äaifer liefe 
fi$ ju ben ungered&tfertigfien Singriffen in ben Sßrocefjgang, 
feie Slbänberung eines bur$ SftiföOTurtyeil fefigejleHten (SibeS, 
berleiten. $a$ @eri$t felbfl, meifl mit Stäben beS ÄaiferS 
befe|t, mar befte$li$. @S gilt au<$ t>om ®eri<$t, ma£ bie 
nürnberger ©efanbten einmal Don ber Äanjlei fagen: „SBiel 
©elb: furje 3«t; menig ©elb: lange geit." 1 griebrid^ III. fcielt 
baran feft, bie 3l$t nur felber au8juft>re$en. 3$ müßte ein 
$u$ im 33u<§ f$reiben, mollte i<$ baS ©efagte im gufammen* 
£ang erläutern, ober bur$ anbere ebenfo bead&tensmertye güge 
toertooflfiänbigen. galten mir und an unfere Sßeriobe. S)ie 
Sßieber^erfieSung eines in SBirffamfeit tretenben 3tei$Sgeri$t3 
erfaßten allgemein als eine fo einfädle ©a<$e, bafe ni^t mit 
Unrecht t>on allen ©etten ber jä^en Unnad&giebigfeit beS ÄaiferS 
felbfi bie @$ulb baran beigemeffen toarb, trenn trofc aller 
Sßrojecte unb 3ufagen *>°$ ni$tä }u ©tanbe fommen mollte. 
Stuf bem Sag ju granffurt 1486 brangen bie anmefenbeu 
gürjlen auf einen feften 6t| be$ fiänbig ju befefcenben @eri<$t3 
im 9tei$ ; baS Siedet beS Stifters unb feiner Seijtfcer, f elbftänbig 
Verbote unb @f ecutionSmanbate ausgeben $u laffen ; ßnt&altung 
be£ ÄaiferS &on allen orbnungsmibrigen Singriffen in ben 
9te$t3gang. Die Äurfürfien maren eS, bie SBajfer in biefen 
SBein goffen, um ben ferner ju be^anbelnben ^errfd^er ntd&t ganj 
ab juflo§en. 2 S)em bafelbfl bereinbarten ©ntmurf mollte griebrid^ 
in ben entfd^eibenben fragen nid^t jufitmmeu, auty 1487 jn 
SRürnberg mürbe &ergebli<$ barüber untertyanbelt. 9ftod& mar 

1 Sanffen, 8W«$5corr. II, 101. Sergl. granflin a. a. O. 
* $re§fa. Htctfto. Sergl. bie Sarftellung Srantlinft, ReUWof geriet 
376 ff. 



314 



ber rabicalere SBorfd&lag gar ni$t gemalt, bie ©rnennung ber 
SBcififecr bem Äaifer ju entjiefcen, ein ©ebanle, toeld&er, ba bic 
(giften) beS ®eri$t$ auf ©portein berufcenb gebaut toar, eine 
ßanb^abe jur @eltenbma<$ung ftänbifd&en (SinfluffeS Raffen 
tooHte. SCiefcr fraß ft<$ ttrieber brei Sa^re tonfl W* Unjufriebeiu 
$eit in bic ©cmüt&er ein. ©o toenig »ie bie grage ber 9tei<$$* 
ftanbf$aft ber ©täbte, Don ber bie ftnanjieffe Äräftigung be3 
SfteidbS ertoartet tourbe, tpollte bie Slngelegenbett beä 9tei<$$ge* 
ri$t$, beffenSReuorganifation unumgänglich für ben innerogriebeu 
unb babur$ felbftoerjiänbli<£ für bie äußere 3Ra<$teutttri<flung 
war, öon ber ©teile rüden. Saßt ft$ im erfteu gaff fcermut&en, 
baß Äönig 3Ray es fear, ber, um bie unumgängli<$e 9tet<$3&ülfe 
flüfftg ju machen, ben 2Inflo§ gegeben $at jur Berufung fämmt* 
lieber greis unb 3lei($$fiäbte auf ben 9teid)8tag na<$ granffurt 
im 3a^r 1489, fo fte&t e* ur!unbli<$ fefi, baß ft$ 3Ray bamal* 
#nfi$tli<$ be3 @eri$t$ ben ©tänben gegenüber fefl engagirt 
$at. ©er 9tei$3abf$ieb enthielt bie SBerpfH^tung be« ÄönigS, 
unt)erjügli(^ beim Äaifer treuen gleiß anjule^ren, bamit ber* 
felbe no<$ t>or 3a&re3f$luß 1>a& Äammergerid&t laut ber in 
granffurt unb Nürnberg gemalten 9Sorf$läge in ©ang bringe, 
©affelbe foHte t)on ber nürnberger S5eclaration be$ 2anbfrieben3 
unb ber Sinfefcung paffenber ©jeeutoren jur ^anb^abung be3* 
felben gelten. 1 SRit $Re<§t tyat man $ertoorge$oben, baß bamit 
SRaj einen SBe<#fet auf bie S u ' un ft auSftettte, ber bereinfl bon 
i$m eingelöft »erben mußte. 2 ©aß jur 3*ü ü °n gnebri^ 
ba« ©ettrimfäte ni$t gu erlangen toat, fcerjtanb ft$ beinahe 
tum felbft. 63 mußte bei feiner ©emüt&Sart fafi att eine 
er&ebltd&e Sonceffion gelten, baß er im folgenben 3a$r über« 
$aupt ttrieber einen Äammerrid^ter ernannte, erjl ben 33tf$of 

i ttbföiebe (1747) I, 288. 3anflen II, 639. 5)a6 bie Surften 9Kaj 
toegen beS ©erid&t§ bearbeiten toürben, ftonb föon bor bem ^Beginn beS $ei<$8* 
tag§ feft. 3anffen II, 514. 

* Hanfe I, 66, ber aber aus SBerfe$en ben ftei^Stag Don 1489 na$ 
Nürnberg legt, fjür ba§ Öolgenbc öergl. Sronflin o. a. C. 



315 



ffiü&elm Don ©id^ftäbt bann 1492 ben ©rafen @üelfri& toon 
ßollern. SJon SHenfien, bic ba« Qnftitut in biefer alten $orm 
unter griebridl}« ^Regierung bem ©ememwefen geleifiet $ätte, tfl 
ni$t« befannt. 

©rfi ber ©etoinn Ungarn« bur<$ 38labi«law toon Söhnten 
unb bie gleidfoeitige ©efäfcrbung ber ©ema&lin SDtayimilian« in 
ber Bretagne gaben ben reformluftigen giirften ©elegen^ett, auf 
bem 9tei$3tag ju Nürnberg im 3a£r 1491 tyren SSortyeil 
wa^rjune&men. 6$ ifi in ber ©nleitung gefd&ilbert worben, 
wie unerbittli<$ bie ©tänbe ft<$ ben SBüufd&en be$ römifd&en 
ÄöntgS fcerfagten, bis berfelbe fi<$ bereit finben liefe, auf i^re 
@efi<$t$punfte toon neuem einjuge^en. (Srfi als er merfte, bafe 
er fonfl überall taube D^ren unb jugelnöpfte Saften fänbe, 
&at fi<$ ber römif$e Äönig, ber als faiferlid^er 6ommiffariu§ 
ben Sag abhielt, entfd&Ioffen, einen ernfili<$en 33erfu<$ jur #itt 5 
legung ber ©päne }Wtf$en ben baterifdfjen gärfien unb tyren 
©egnem ju machen unb überhaupt auf beftänbigen ^rieben \)in- 
juarbeiten. 1 2tber mit biefem 3 u 9 c Pänbni6 tarn er um fo 
weniger jutn £iel, als er, wie wir fatyen, gegen bie Qntentionen 
feines SSaterS, bie ©tänbe auö) um £üifeleifhing 8 c 9 cn grau!* 
ret<$ )u erfud&en genötigt war. 3Bie $art gerungen würbe, 
erbeut au« bem llmflanb, bafe man toon HRitte 3Rär§ bis SBitte 
3uni no<$ leinen @<$ritt weiter gelommen war. $Ro<$ ba er? 
Härte (am 14. Suni) ber rßmifd&e Äönig ben dürften, bafe er 
ft$ ni$t getraue, t$r SSorne^men beim Äaifer ju erlangen. 2 
ßrjlere aber Kefjen fidj> baburd^ nidjt me^r abf$re<fen. SBertyolb 
Don SBlainj fd^tug jefct eine allgemeine 9tei$Seiuung bor unb 
jog fofort einen (Sntwurf tyerbor. @r warb babet auf« leb* 
Ijaftejie Don ©bewarb Don SBürtemberg, ber Sag unb 9ta$t 
mit tym jufammen war, fowie Don 3Rar!graf Uriebrtd^ Don 



i fflütfet I, 104 Dom 24. (nt<$t üom 21.) tyril, öergl. 103. 
2 ^aulftorffer on Wlbredjt tum SBatern, Würnbera, 1491 Sonntag naä) 
5öctt§toö (3uni 19). SBatcr. 3taat§^r^to. 



316 



SBranbenburg unb 2Hbre$t &on 6a<$fen unterftü|jt. l 9lafy 
viertägigen Verätzungen bcr Äurfürflen unb gürfteu toarb 
am 19. Suni ben SBotfd&aftern bcr abroefeuben gürften, 
behufs (Sin^olung t)on Snflructioneu, folgenbeS sproject t>or* 
gehalten : 

1) (Sinung aller Äurfürften unb gürfieu jur gegenfeitigen 
tlnterflüfcung gegen frembe 3 un 9 en / faß* biefelben ba$ ^eilige 
8tei$ ober einen fcon i^nen angriffen. 

2) StuStragäöerfa^ren über alle Steifte jtinfd&en Äurfürjien 
unb gürften. 

3) 33orf<$läge toegen gütlid^er ober red&tlid&er JBefriebung ber 
baierif<$en gürflen mit bem f$tt)äbif$en S3unb. 

@$ fd&eint nid^t, bafs ber ©nltourf fcon fcorn^erein auf 
aHfeitig günftige aufnähme geflogen ift. 2 2)o<$ f)at er meitere 
ttnterfymblungen jur golge gehabt, auf bereu ©runb im Sauf 
ber näd&fien 2Bo$en ein überrafd&enbeä ©intoerftänbnifj ber 
Sieformer mit bem römifd^en Äönig erjielt toorben ift. 2)iefe£ 
©ntgegenlommen SKaytmilianS toar too^I ber SßreiS, ben er für 
bie Vermittlung beS 9tei$8 bei ben Äönigen toon granfret$ 
unb Vö^men, toeld&e itym gleidfjjeitig jugefagt tourbe, ju jaulen 
fcatte. golgenbeS enthält baS benftoürbige Stctcnflücf : 3 

Äraft einju^olenber faiferlid&er Vollmad&t foH 3Ray grieben 
gebieten jttrif<$en Vaiern unb bem Vunb unb fobann auf einem 
HJtartini na<$ granffurt ju berufenben unb Don Äur> unD 
gürften perfönli<£ ju befudjenbeu SRei$8tag Vaiern, ben Vunb, 
bie Sötoler gütlid^ ober re$tlt<$ vertragen. Sludf) foH ber je^n* 
jährige griebe auf enrige $eit erftredft unb ju bejfen §anbs 



i 3ofc. Söffei^ols an 3HBre<$t bon SBatern, ^Beilage ju einem €$rciBfn 
1491 ©amßtag na$ Viti (3uni 18). 93ater. Staai§.Hr($iü. 

'* $a§ ®anje naä) bem oBen citirten SBrief 5ßauIftorffer3. 

: * Unbatirte Sopie im Berliner unb Bater. StaatS-9lrd&to , in legteretn 
al§ Beilage ju einem »rief üom 5. 3uli. 6. 318 9fom. 3. «m 20. 3uli 
fcfcetBt SRarfgraf Snebria^ toon bem ewigen ^rieben unb ber $Ret<$§etni» 
gung tc. Nr*to f. öfterr. ©e^ct). VII, 116 f. 



317 



tyabung am faif erliefen $of ein ehrbares Äammergeri<$t 
aufgerichtet toerbeu. 

fortan foH jur §anb$abung toon Stedjt, griebe unb ©img* 
!eit alle %cti)r eitte SSerfammlung bcr Äurfürflen unb gürfien 
ober i^rer SBetooÜmäd&tigten ftattftnben, ju ber in ben erften 
brei Sauren ßaifer unb Äömg perfßnli<$, f^äter, toenu Der* 
tyinbert, bur<$ ©ommijfarien ju erfd^einen $aben. 9Ba3 bafelbji 
einhellig ober burdfc SRe^r^eit junt Seilen be8 beutfd^en 5Rei<$8 
befd^loffen ttrirb, $aben beibe SRaieftäten §u tooüjie^eu. S)amit 
btefe ©iniguug bejiänbtg fei, foU auf ber erften SBerfammlung 
ju granffurt eine toon aßen Steilen toerfiegelte Urfunbe auf* 
genommen unb bei bem @rjbif<$of üon SRainj hinterlegt toerben. 
3ur £anb$abung ifi aufeerbem ba3 9tei<$ in fe<$3 Steile unter 
je jtoei #äuptleuten ju organiftren. Qe 49 Untertanen foHen 
ben 50. 3Wann auSrüften, 1 h)el$e$ Soll jebo<$ bur<$ bie ^aupt* 
leute nur mit SBiffen be3 ÄaiferS unb flönigS unb jur aufregt* 
Haltung beä grteben* unb ber @ere<$tigJeit gebraust loerben barf. 

SKbgefe^en toon ben jctyrltdfjen 9teic$3toerfammlungen, beren 
Unt$unli$feit man erft fpäter erprobte, ein Sßlan, ber feinem 
Urheber alle Gfyxt machte! 2lu<$ toaren erftere, folange ein 
ftänbtf<$e3 9frei<$3regiment ni$t }U erlangen toar, ein not$* 
toenbigeg ©lieb, toenn mau nid&t auf organif<$e8 Sufammen* 
toirfen toon Oberhaupt unb ©täuben toerji<$ten tooHte. S)em 
argti)ö$niföen ßaifer toar man tyalbtoegS entgegengelommen. 
3Ran concebirte bie bleibenbe SSerbinbung beS Äammergeri<§t3 
mit bem Jpof unb ma<$te bie @?ecution ber Urteile bur<$ bie 
$auptleute toon ber ©ettriHigung be3 9tei$$ober^aupt$ abhängig. 
3)er ©ebanle ber SKonar^ie blieb fo unangetaftet. Stuffällig 



i Ober e§ feien burdfc bie titatty ber Äurfürfien unb Surften anbere 
SBcge jur Unterhaltung be§ 33olf§ üorjuneljmen. <£igentij)umlid& mutzet eS 
in bem jonft gonj toerftänbigen ßntttmrf an, bafj in btefem 9tofd>Iag, tüte eS 
fdjtiefelid) rjeifet, au$ SBurgunb unb SBreiagne, bie an tfaifer unb 9teid& ge* 
fommen, beSgleia)en bie fronen Don Gnglanb unb Spanien, beren ber flönig 
ju jolc$er Bereinigung ntfiä^tig fei, begriffen fein foßen. 



318 



ift ba3 ©d&weigen über bie 9tei$3fiäbte. 2Ran barf faum ben 
Oebanfen abmcif eti , bafj naä) bem wenig ermutbigenbeu SJer^ 
fu<$, bcr 1489 mit ber Berufung bcr ©täbte gemalt worben 
fear, bie oberen ©tänbe 1491 bereit gewefen fein würben, ben 
Stritt juriictjune^men unb fi$ feparat mit bem Äaifer ju 
fcerfiänbigen. S)afe lefctereS au$ bieSmal nic^t gelang, bat 
toiettei$t, Wenn man bie ältere Analogie (Snglanbs ju £ülfe 
rufen barf, ba^in gefübrt, ben Häuptern ber SReformpartei bie 
SSerbinbung mit ben ©täbten als eine Sflotywenbtgfett wieber 
näber ju legen. 33i3 babin fönnte bemna<$ eine unjweifelbaft 
gefiederte Sfteicbäftanbföaft ber leiteten ni$t bejlanben ^aben. 
2Ba3 nun weiter erfolgte, ifi fo überaus <$arafteriftifc$ für bie 
beutf<$en ßufiänbe, bafe e8, tro$ ber SRefultatlofigfeit be$ 
ganjen SßrojectS, ni$t übergangen werben barf. 3Ray bat Der- 
fprod&enermafcen ben 5Rei<$stag fofort na<§ granffurt auSge* 
f ^rieben: 1 ber Äaifer verweigerte otyne weiteres bie nötigen 
33oHma$ien, [a er verbot bem 9tat$ ju granffurt, bie SlbbaU 
tung beS £ag8 jujulaffen. 2 Stber e^e ba8 faiferlid&e SBeto be* 
fannt würbe, ^atte ber Entwurf ni<$t minber intereffxrte 2Biber= 
fa$er an ben baierifd&en gürfien gefunben. 3 3uerfl erklärte 
ber ^erjog Otto von Sfteumarlt feinem Setter in HRünd&en, bafc 
er ba3 ©ommiffariat be$ ÄönigS jwifd&en SBaiern unb bem 
33unb nur mit SDlifetrauen feben fönne. 3Sor allem aber genirte 
ibn bie Unterorbnung unter bie Ärei$bauptleute ober gar bie 
Befürchtung, bafe man bie baterifd&en gürften in jWei ober brei 
4}auptmamtf$aften tmterfteden fönnte, um ibte Sinung ju 



» «DtttÜer, töeie$8tag§t$eater unier griebric$ VI, 199. $a§ ergiebt fty 
ou* au« «r<$iö f. öfterr. ®efä. VII, 116. 

* ttt($itott>8h) VIII, »eil. 12; üergl. oben bie Ginleitung. 3anffen II. 
9tr. 694, 6. 551. 

3 9Rag ^otte mbxtty t>on 93aiern, Mwberg 1491 STttag nad& ülrici 
(5. 3uli), ben Gntttmrf mit ber SBitte um fein ©utBebttnfen mitgeteilt, mit 
ber fälfefj ließen SJerftdfjerung , bafe er if)n auf SBefeljl feines $ater§ üot» 
gelegt. $aier. StaatS-Mret/ib. 



319 



fprengen. [ $)a au<$ bie anbern ©Heber be8 ©efammt^aufeS 
gleitet Meinung toaren, tx>ie benn Sßfaljgraf ^ß^ilipp bie SCrtifel 
afe „fafl tt>ettf<$tt>eifig (b. i. toeitge^enb) unb forgli<$" be* 
{eignete, 2 bereinigte man fidjj über einen Sag ju Slmberg, ju 
bem man audj befreunbeie gürjien aufforbern toottte. 3n 
ber Snftruction £erjog 3llbrec$t3 für benfelben finbet man 
genau bie ©ebenlen DttoS nrieber. ©aju meinte er, ber 
Sßaragra^ &inft$ttt<$ be$ 50. SRanneS ma$e bie Ferren 
toon öaiern ju ©ölbnern beS ftyoäbifdjen 39unbe$. fieserer 
fönnte aßejeit leicht „mit SBiffen" be3 befreunbeten ÄönigS 
£ülf e erlangen ; fämen fie bagegen in 9tot&, f o ttriirbe bief e @r* 
laubnife too$l ferner ju erlangen fein. 2IIbred)t fd^Iug, um beu 
Äönig ni$t ju toerlefcen, eine auSioeid&enbe Slnttoort berart &or, 
bafj man als SJorbebtngung be$ 9teid|>3bunbe$ bie 2luf&ebung 
atter anbern S3ünbe forbern folle. 3luf bem £ag in Slmberg 
traten am 19. September in ber $tyat Stätte fcon Äurpfalj, 
ber brei baiertfd&en ^erjoge, Reffen«, ber 85if$öfe fcon 2Bürg* 
Burg unb Strafeburg unb ber Stabt SWirnberg jufammen. @3 
toarb beliebt einen neuen aOfeitig befugten §Rei$$tag ju forbern. 3 
3Ran fcätte tynen antworten fönnen, gerabe ein fol<$er jliinbe \a 
in granlfurt bebor. S)o$ machte o^nebie* be3 ÄatferS 38iber* 
fpru<£ allen SBerfud&en ein @nbe. Sei griebri$3 fiebjeiten ift 
man, toenn au<$ ber Sßlan einer @inung gegen frembe 3 un 9 en 
jefct nrieber toentilirt tmtrbe, auf ben ©ebanlen organif^er 
Reform nun ni<$t me^r jurüdfgefommen. Unfere Äaifer tyaben 
bie unentbe^rlidjje Sßerbefferung im @eri$t unb Sfted^tStooUftrecfung 
ni<$t ju fo toort&eityaften SBebingungen laufen bürfen, ttne fie 
1491 §riebri<$ III. angeboten toaren. 3)er jlänbifd&e ©ebanle 
maä)t ftd&, naetybem bie fo einjig gitnftige ©elegen^eit toerpa&t 



i 9ieumar!t 1491 Wontag na<$ 9Hargarct$e ßuli 18). 5?aier. Staats« 

2 qfyüiw an 2Ubre<$t Don 2Rün$en auf aRariä SRagbalenä. 93aier. 
6taat§-^ra^iD. 

3 flfleS nad& Briefen unb bieten be§ baier. ©taatS-^ta)iö§. 



320 



ttar, ungeteilt geltenb. ©a« ift bie eine ©eite ber ©a$e, 
bie nationale. S)ie anbere, bie btynafiifdfc$ab«burgif<$e, ift, bag 
biefer SDlangel an Sntgegenfommen feiten« be« Äaifer« auty 
beffen ©o&n ben 2Beg jur llnterftüfcung be« 3ftei$« berfd&lofj. 
3Rögli<§, bafe bie grßfete ©<§ma<$ feine« Seben« bem iefcteren. 
erfpart geblieben toäre, glätte man ftc$ jttrif<$en Sinj unb SWfirn» 
berg toerftänbigt. — ©o tt>arb au<$ Die grage über bie $fli<$t ber 
9tei<$«fiänbe jur Ärieg«£ülfe unb über bie SKobalitäten tyrer 
Seijiung ungelöft au« einer 9iegierung«pertobe in bie anbere 
tynübergefd&lewt. SSerfud^en ttrir an ber ©renje beiber un« ein 
39ilb be« bejle^enben 3ujtenbe« unb ber ju feiner SSefferung 
gemad&ten Sorfd^Iäge ju toerf^affen. Qn breifaetyer gorm $atte 
man innerhalb be« laufenben Sa^r^unbert« tterfu<$t bie militari* 
f$en Äräfte be« 9tei<$« Pfiffig ju mad&en. S)a« &erfömmli<$jle 
urtb am leid^tejten erreichbare toar ber 3tnf<$Iag ber Stei$«* 
fiänbe, \t na§ tyrer ©ebeutung, auf SDlannf^aft, Sfteiftge unb 
gufefned&te geroefen. 3)iefe Seifiung, gleid^fam in natura, jogen 
dürften tt)ie ©tobte jeber anbem $orm toor, natürli<$ au« re<$t 
egoiftifd&en ©rünben. ®ie ©täbte, toeld&e fi$ o^nebie« . ni$t 
gern in i£re SSermögen«biIanj bliefen ließen, fugten bei biefer 
©elegen&eit tyre« lofen SSolf« ft<$ gu entlebigen; aber au<$ bie 
gürften hofften bur$ biefen SDtobu« bie ßafl Don tyrer Äammer* 
fajfe möglid&fl abjutoäljen: fte fleHten i$re Quote gern an 
Seifigen, al« ti>el<$e bie i&nen fcermanbten ©rafen unb Ferren, 
Sftitter unb Anette Iebigli<$ für a3erprot)iantirung unb ©<$aben* 
erfa| ben ©ienft leiteten, ©ie mititärifd&en SDtöngel biefer 
3Ret$obe ftnb ben 3^9^»>ffen ni$t verborgen geblieben. * Un- 
einigfeit jnrif<$en ben Derf<$iebenen, oft re<$t Heinen (Sontiu* 
genten, bie jum S^eil au« gang unerfahrenen (Elementen jiu 
fammengefefet finb, Ungefcorfam gegen bie #auptleute, bereu 
Autorität ftet« erft in jtoeiter Sinie na$ ber tyrer 93eflallunfl** 

i ©o bem grattjofen SBaftn, ber in %x\tx Iebenb, 1474 ba8 $et$&- 
fjeer, ba§ jur ©efriegung ÄarlS beS tfitynen auSjog, ju fe$en ®elegen$eit 
fjaite (ed. Qaicherat II, 840). 



321 



Ferren für fte in 2)etra$t fam, bie Derfd&iebene ©ienftjeit ber 
Kontingente, toon benen bie einen trofc. aller ÜMa&nungen ab* 
jogen, xoenn eben bur$ Slnjug ber verspäteten baS #eer 
complet }u toerben fd&ien! 5Da$ maren bie $auptfä$li$ften 
äRigftänbe / bie ft$ fietä nrieberfcolten, 1 neben benen anbere 
jebo$ auä) n>o$l hervortreten. S)te genannten fielen toeg, tuenn 
man ben 3lnf<$lag in ©elb entrichtete, U)obur<$ bem Äaifer bie 
3Jtögli<$Eeit gegeben mürbe , bie IriegSgeübten Elemente au* 
bem gan}en 3teid& unter beffen Sanner ju toerfamtneln, Drgani* 
fation unb Oberbefehl einseitiger ju gepalten nnb bie Ärteg** 
fu&rung rationeller ju machen. SDie entgegenfte^enben SBebenfen 
toaren, Don ben f$on berührten abgelesen, tyeite perfönli<$e, 
tyeite, toenn i<$ o$ne mifetoerftanben ju toerben ben SluSbrucf 
wagen barf, conjiitutionetter Sfrt. ©iumal traute man bem 
Äaifer griebri<$ III. meifl nid&t re<$t unb liefe fi<$ fd^toer über* 
jeugen, bafe toertoittigte Summen auty ttrirlfi$ junt Stürfen- 
(rieg ober ju anbem patriotif<$en 3^ e ^en unb nid^t ettoa 
)um $afcäburgif$en ©onberfcort^etl toerfrenbet toerben toürben. 2 
3Ran $at tuo^I &erfu<$t, bur<$ (Sinfefcung flreng controlirter 
flänbifd&er ©djjafcmeifter, o&ne bereu SSertmEigung fein Pfennig 
an bie Sentr algetoalt gejault toerben fottte, folgern SRifetrauen 
bie ©d&ärfe ju benehmen, ©d&ttrieriger liefe ji<$ ba$ streite 
Sebenfen tyben; 3 m ®*unbe lonnten auf einem 9tet$8tag — 
üon ben ©tobten, bereu Soten ftetö nur auf „hinter fi<$ 
bringen" beifiimmten, gar nic^t ju reben — audj> Äurfürften 
unb f$ftrfien in ber übemriegenben SJie^rja^l einen Slnfc&lag 
auf ©elb nur bebingungStoetfe annehmen. SRur bie toemgften 
toaren in ber Sage, bie auf tyr gflrftent&um entfaüenbe üuote 
auf tyre ffirjilid&en ©inf&nfte ju übernehmen. 3Ran tonnte 



v«. 



i föatyfölag auf bem nürnberger $et$§tag t>on 1480. Söürjb. SCr^tii. 
<f§ beflätigf fty ba§ burdfc bie Erfahrungen, roelc^e 1474, 1488, 1499 ge- 
malt mürben. SJergl. SBiebcmann : 3)ie SReid&Bpolittf beS trafen §aug öon 
EBerbenberg öon 1466—1486. (SreifStt. 2>iff. 1883 ©. 68 u. 70 f. 

* ©o |. 93. bie ©täbte 1489. 3<mffen, ffieid&Scorr. II, ©. 523. 
tu m a n n , Hälfet SRagtmlttan. 1. 21 



322 



m#t umbin, bie Sanbftänbe um ifftt Sei^filfe anjuge^eu. 
Dicfe fpielten befanntli<$ in ben Territorien biefclbe SRoEe gegen 
i^re Ferren, nrie biefe im 9tei<$ gegen bie ßaifer. äbgefe^en 
Don ben fog. Äe&enSfätten mar jebe Sanbbebe an bie Suftim* 
mung ber ßanbf djaf ten , beren e$ in jebem größeren £errt* 
tortum, je nad) ber $iftorif<$en SSilbung berfelben, eine Stnjafyt 
gab, gebunben. 2Bel$e Äämpfe ftnb u\6)t anf biefen <&d)\a<i)U 
felbern jttrifdjen Ferren unb €tänbeu ettra um ©nffibrung 
eines neuen QoüZ aufgefegten toorben! Sei ben geiftltctyen 
gürfien lamen no<$ bie S)omcapttel ^inju ^ o$ne beren 33er* 
Billigung au<$ ntd&t einmal ba£ 2Mf$ofggut ju ©unften ge* 
meutfamer 9tei<$3angelegen£eiten gef<$mälert »erben burfte. 
äBeldjje SBibertoärtigfeiten mußten feitenä au<$ ber mäd&ttgften 
Steid&Sfürften aufgefallen werben: alle alten 39ef$toerben, 
Denne^rt bur$ neue gorberungen, tauften auf, fobalb man 
ben ©täuben eine aufeerorbentlu^e Seijlung anfann. SBarum 
fi<$ biefer ©efa^r auSfefcen für ©inge, toeld&e mand^em fo 
fern lagen, tt>ie baS 9tei<$! Unb menn nur ber ßrfolg 
einigermaßen gefiebert getoefen märe! Slber berfelbe toaterlants* 
lofe ggotömuS, bur<£ melden auf ben 3tet$$tagen bie grofeen 
sperren bie Saft einanber jujufd(}ieben unb toomögIi<$ ganj ju 
vereiteln firebten, tritt uns in ben Sanbtagen entgegen. Qeber 
»artete au<$ &ier auf ben anbern. SBenn in WinfiK<$ ju* 
fammengeiDad&fenen Territorien bie ©tänbe eine« SanbeätbeilS 
nicfyt efjer ft<$ erMären toottten, bis fie fieser toareu, bafe nid&t 
etwa an einer anbern (£<fe beS ©ebiets bem $erm ein ein- 
fad^e^ „Stein" entgegengerufen ttmrbe, fo weigerten fi<£ too^l 
in Territorien, bie bur<$ ©rbgang jerfplittert toaren, bie ©njefc 
lanbfdjjaften überhaupt mit ber &errfdbaftlt<$en Stnforberung ft$ 
ju befaffen, bis ein ©enerallanbtag aller bem „Jp&ufe" gehörigen 
Sanbe §ufammenberufen märe. S)afe auf biefem äBeg, unter 
fo unjäbligen Weiterungen au<$ gänfiigfien $attS flct« ber 
redete fteityuntt jur Lotion üerpajst loerben mufete, oerftebt ftd^ 
&on felbft. 



323 



ÜKan §at ba too&t eine 3lu$bütfe gefugt in ber Slfternattoe, 
enttoeber ®etb ober 3Rannf<$aft ju fietten; bo$ $aben fi<§ bie 
Stäbte, benen hierbei bie Stolle be8 gatylenS gnfxel ^ ftetS 
energtf<§ gegen eine fold&e @inri<$tung gefiräubt, &on ber jte 
eine ungerechte 2JtebrbeIaflung forsteten ober färbten ju muffen 
vorgaben. Unter biefen ümfiänben ift man fd&on früb&eitig im 
15. 3a$r$unbert — älterer ©puren ju gef feigen — auf eiu 
britteS ©jperiment, fo mufc man e8 gegenüber alt eingetourjelter 
3faf<£auung too&l nennen, verfallen, eine allgemeine ©teuer auf 
alle 3iei<$8ange$ßrigeu. ©d&on in ber £ufjttenjeit ifl ba3 t>er= 
fu<£t toorben, bann aber, trofc me$rfa<$er Anregung, ni<$t ttrieber, 
bi$ auf bem 3tei<$Stag ju SRegenSburg 1471 ber ©ebanfe ber 
Sefleuerung jeglid&er ©inna^me burd&brang unb jur StuSarbeU 
tung eine« auf biefem Sßrincty berubenben 3tnf$lag3 führte, 
ber bettrifligt, aber bann ni$t ausgeführt tourbe. S)a3 sprincip 
biefcr ©teuer bedtt ft<$ mit feinem ber uns geläufigen ©tyfteme; 
am toenigflen &at e3 mit einer SBermögenSjieuer ju t^un. l 
Slber ba3 aus ben berfd&iebenften Quellen fftefeenbe @in!ommeu 
ttrirb befteuert: baneben getyt eine Sßerfonenjieuer für bie Strten 
be3 6in!ommen3, bie man atö bloße grud^t ber Slrbeit (otyne 
UtnlaufScapital) betrauten Wnnte. 2luf$ neue trat ber ©ebanfe 
ber allgemeinen SReid&Sjieuer auf bem 3teic$3tag ju Nürnberg 
1480 $ert>or. ©irnge ber erflen Häupter ber Kation jeigten 
fidj bieSmal ber Qbee getoogen, aber als H)x Oegner trat ber 
Äutfürft toon ©ranbenburg $erbor. 2 2)ie ©egner toufeten bie 
ängfi t>or einem ehrigen Tribut, ber bie Station eigen unb 
gittöbar ma$e, gefd^idft genug §u bemerken. 3Äan toiefe auf 
bie ©$eu be3 gemeinen 3Ranne3 tyin, fi$ f<$ä$en ju laffen. 
SDaS 93eift>iet anberer Sauber, inSbefonbere granfrei<$8, toeld&eS 

i Sammlung ber 9teie$Sabfdjiebe (£o<$ 1747) I, 254 : SQßcr ober $ar- 
föafft $ette, borait er b^ein (Setoerb m><$ §anttrung tribe, biefelbe 23ar* 
föaft fofl in folgern anflog nidjt begriffen fein (§ 6). 

2 34 folge lu'er ben mir befannt geworbenen SRefultQten einer nod) 
ungebrochen v #rei8arbeit ber 9tobenoto*Stiftung ju ©reifSmalb, beren SBerfaffer 
ber ju frülj berftorbene 20. ©öf)m in SBerlin mar. SSergl. auä) SBiebemann a. o. O. 



324 



bte ^Befürworter anriefen, fd&reäte e$er ab. $ie 33e$auptung, 
eine gemeine Stuflage bef<$toere niemanb, mac^e bie Saft am 
ßrträgKd&flen, toetd&e bamals befonberS öon furfä$jtf$er ©ette 
aufgeteilt mürbe, fcatte bei bem SDlanget aller @rfa$rung ber 
unbefiimmten 2tengftlt$feit unb $ergebra$ten Stbnetgung gegen* 
über fein ©etirid&t. ©o brang bie SReform a\x$ bieämal nid^t 
bur<$. ©benfo ging e3 unmittelbar naä) ber SBatyt SDtayimitianS 
in granffurt 1486. ©$lie6lid& lehnten fturfürfien unb gürften 
ben faiferlid&en SJorfd^Iag, toon jebermann auf 1000 ©ulben 
einen ©ulben ju ergeben, ab. 3)ie ©rünbe waren fcier bie* 
felben, rote überhaupt bei jebem 2lnfd)lag auf ©elb. ©egenüber 
ber projeetirten Sfteid&Sfieuer fam too&l bie färftlid^e ©efürd&tung 
in Setrad&t, felbft an @inna&men (Sinbufee ju erleiben, faQ3 
Slnge^örige unb SSermaubte bom 9tei$ in 3lnfpru<$ genommen 
mürben. S)aju " fam ber energif $e Sßiberftanb ber Heineren 
ret$3unmittelbaren ©ewalten. 1 S)iefe, ©rafen, Ferren u. f. »., 
waren bisher nid&t befonberS angefd&lagen, fonbern bienten ben 
gürften, benen fic gemo^n^eitSmäfjig „toerwaubt" waren, im 
9tei$*bienft ofcne ©otb, nur für Sieferung unb ©<$abenerfafc. 
(SS ift oben angebeutet, wie fe^r bie« SBer&ättnife ben gürften 
}u gute fam bei Äeiflung tyrer 3tet<$Spflid(}t in 3Rannf<$aft: 
au<$ biefe Ferren gelten bafür, mit Setb unb ©tut bem Äaifer 
tyre fielen abjuöerbienen fei tyre Sßfli<$t unb i$r Siedet, aber 
fie freuten als freie S)eutf<$e ben Vorwurf fned^tifd^er 2lb* 
^ängigfeit; fie wollten ft$ feiner ©d&a|ung unterwerfen, in ber 
fie eine SDlinberung tyrer greityeit erblidten. 9tur ©etoatt, 
meinte bie erwähnte ©rflärung Don furfürftlityer unb fürfllid^er 
©eite, fönnte fie baju belegen, untere jfant ift no<$, bafj ber 
junge Äönig nichts gegen eine gemeine ©ulbenfteuer einjuwenben 
fyitte: er tyat im ©egent^eil an biefetbe fofort einen jener fUid&tig 

i 3)af$ bie amoefenben @belleute jo übel nriber ben ©elbanjdjlag gerebet, 
war felbft für bie faijerlid&en Ütätlje Seranlafiung, benjelben fallen ju Iaffen. 
^aulftorfter an #erjog SHbredjt üon latent 1486 Donnerstag na<$ Laetare 
(9. TOärj). «Bater. @taat§.«r<$tö. 



325 



concipirten glätte geheftet, ttrie ftc bei tym, in fhtanjieüeu 
Singen befonberS, ftefcenb ftnb unb faft untoeränbert toieber* 
lehren. 3)o ©efa&r im 33er§ug fei, toünföte er auf ben ßrtrag 
ber ©ulbenfleuer fofott jur f^leunigen #ülfe eine SCnlei^e ton 
500,000 ©ulben ju antieipiren, too&on er, Äurfürflen, gürßeu 
tinb 6tabte toier fünftel aufbringen foflten, toäbrenb ba$ Ie$te 
fünftel, e$t mayimilianif<$ , t>on „anbern flenben im 3te9<$" 
bargelieben toerben foQte. l Au<$ bamalä lam e£ ju gar {einer 
Unterftiifcung beS ÄatferS au$ ben f$on befannten ©rfinben. 
aber mufete man benn einen biefer brei SBege befreiten? 
3Bar ber Äaifer atr bie Genehmigung ber 9Jei$8flänbe gebunben, 
um enttoeber auf bem 2Beg be8 Anf$Iag3 (fei e8 auf SRann* 
fcjjaft, fei e$ auf ©elb) ober auf bem SBeg ber gemeinen SReid^s 
fleuer in irgenb einer gorm ba3 9tei$ in friegerifd&e Setoegung 
ju feinen ©unften ju bringen? SBenn eine ganj neuerbtngS 
mit anfe^einenb untoiberfpre$Ii$en Argumenten vorgetragene 
Anfidjt ©lauben fänbe, müfete e3 no$ einen toeitem, vierten 
SBeg gegeben fyaben, ber bei confequenter Befolgung bie ganje 
Sage ber S)inge $ätte änbem muffen, „©emäfe 2 bem ©runb* 
fa$, ba& in einer ©efabr be3 9tet<$8 alle, bie ifym o$ne SDlittel 
unterbau waren, jum Sc$u$ beffelben toerpfli^tet feien, tourte 
jebet SBetreffenbe Dom Äaifer bei feinen freuen unb ßiben . . . 
aufgeforbert ,auf baä jiärfji unb meift fo er toermö$te l im gelbe 
}u etf (beinen." S)a$ ifi ber , gemeine ßug 1 ober ba$ , gemeine 
Aufgebot ', beffen „3ujtanbe!ommeu aDein beruhte auf ber 
monar<$ifc£en Autorität, barauf, bafe im entfd&etbenben Augen- 
btief ber Äaifer au<# ofcne Sufiimmung ber gärften bie Streit- 
fräfie be« 9tei$8 berief", @3 toirb behauptet, bafj biefer SHobuS 

i 9ta$ ber mefycertofflfmien , ben gangen Verlauf bet 33er$anblunö re- 
cajritulirenben Hnitoort ber ßurfürften unb Surften Dom 1. 9)lära. SQMmitoIt 
B. 198. Statt „tatferl. nmrbt" ifl bajelbfi 8. 10 t>. u. na$ einer 9fof- 
)ri<$nung beS bre&b. fcrcfci&B ju lefen „foniaL umrbt". S)a§ eniforiä)t aud> 
allem bem Qertommen. (S§ Reifet ftctö „fagferlid&e majeftäi". 

2 (Rotwein: ^ßolit. u. religiöse StolfSbetoegungen bor ber Deformation 
©. 58 ff. 



326 



bei bem Ärieg toor Sleufc 1474 unb bei bem jur Befreiung 
2Ra?imilian3 1488 eingetreten, unb bafe in §a$lrei$en fetteren 
gälten t&eifö griebrid^ tyetts ÜRajimilian mit wed&felnbem dte 
folg baffelbe Sßrincip jur Slnwenbung gebraut Ratten. Sin« 
faßt ba bei ruhiger tyiftorif<$er 93etra<$tung §itnä<^ft in bie 
Singen: wenn Wirfli<$ eine foI<^e 3KadjtfüUe ben Prägern ber 
Äaiferlrone im 15, Safcbunbert innewohnte, wober bann in 
aller 2Belt bie ©lenbigfeit be8 9teid&$lrieg8wefenS, wober ber 
blutige, ungerade ©d&impf, ben bie $uffiten, ben 2Ratt$ia3 toon 
Ungarn, um anberer ;u gefd&weigen, bem beutfd&en tarnen an* 
tbun burften? 9loä) unbegreifti^er wäre e£, wie man gcrabe 
in biefer 3 e ^ *>et #erau$bilbung eine« fo überaus widrigen 
©runbfa$e$ bie factifd^e @rbli<$teit ber Äaiferfrone im £au3 
#ab3burg unb bann felbft auf beffen fpanif<$e S)efcenbenj 
fürfili<$erfeit$ ^ätte jugeben follen. fftoä) nt<$t wenige attbere 
Untoerträglid&fetten jwifd&en einem fo auöftofftrten Äönigt^um 
unb ber $ifiorif<$en gorm ftänbifd&en SBefenS müßten in ber 
Ueberlieferung hervortreten. 63 wiberfpräd&e ein fol<$e3 ftnm* 
re<ä)t f$le<$terbing3 aud& ber ganjen beutfd^en ©efc&id&töentttrid* 
lung : feit ein nationales Äönigtbum überhaupt bejianb, giebt e3 
{ein ÜRoment, ju wel&em bie Ärone fo f)o6) geftanben $ätte. 
2Jlan muß baS ftd&er auf* tieffte beflagen, angeft$ts ber 3 Us 
ftänbe, weld&e ft<$ gerabe im 15. Qa^rbunbert entwidfelt Ratten: 
aber e3 ^itft ntd&tS, Weber 1474 nod& 1488 &at bie monar$if<$e 
Autorität fo fi$ geltenb mad^en bürfen, unb viel weniger uo$ 
ift e3 in anberen gälten, in benen nid^t eine unmittelbare 3te 
bro^ung ber nationalen Gfyxe ftattfanb, möglich gewefen, mit 
Erfolg fi<$ über bie einmal ^erfömmli^ geworbenen gönnen 
tynwegjufefcen. S)ie ftoljen ©tänbe, weld&e ft# hntjter bagegen 
fträubten, einer otyne ben anbern bie gegenfeitige Saft ju be* 
ftimmen, Ratten eine fold&e Sßrätenfton be$ ßaiferS auf 3nai> 
fpru<$na$me aller nod& Weniger gebulbet; fte ^aben ftetä 
energifö Wtberfpro<$en, wenn bie SRotb griebrid&3 III. einmal 
jwang, ben 33erfu<$ ju wagen. S)er lefctcre bat beim au$ mit 



327 



folgen, man<$mot aüerbingS toofltönenben, 2)rofamgen nie me$r 
)u erteilen getrautet, aU ben ofcnebieä mit ben einzelnen ©täuben 
ber £fllfe falber gepflogenen SSer^anblungen ein getmffeS Impelle 
ju beriefen. 1 S3ei einjelnen Stänben, toel$e ju gettrinnen ober 
ju verlieren Ratten, £at eine foI$e Aufbietung ba^er toofcl einmal 
gefristet Aber baS führte eben nur ju ber toon allen (Sin* 
fi$tigen getabelten #eran§ie$ung (Sinjelner, bie für gr öftere 
Aufgaben toeber ausreiste, no<# tüirt^fd^aftöpolitifd^ obne 85e* 
benfen n>ar. Auf lefctereS ift bereits früher fchtgetoriefen toorben, 
erftereS fcaben bie 1492 in Äoblenj berfammelten 3teü$3fiänbe 
gerabeju ausgeflogen. S)amal« fcatte man bie gflrfien glei<$ 
gerüftet jum 3teu$8tag entboten/ um fofort naä) 2RaytmiKan8 
brennenbem SQBunfd^ gegen Äarl toon §ranfrei<$ jie^en ju lönnen. 
€rftere aber lehnten berftänbigertoeife ein foI<$e8 äBagnift ab, 
ba$ bem 9lei<$ nur toorau$it$tli$e8 SRiftlingen, ©(^tatyf unb 
©<$aben einbringen muftte, einem ©egner gegenüber, ttrie ber 
Äönig toon granfreify 6$ ttriirbe eine folc&e eilenbe Jpülfe nur 
jur totalen SUeberlage ber 89erettttrifligen unb SBertoüftung ber 
©renjlanbe fuhren. 

3)o$ genug fcierbon. (Sin gemeines Aufgebot als ftaatS* 
red&tlicbe Qnjiitution epifiirte ni<$t: polttif<$ ift bie 6a<$e nie 
in einer bem Sebflrfnift nur annäfcernb entft>re$enben SSBeife 
burd&gefityrt n>orben. Wtan blieb alfo bef$räntt auf bie ange* 
gebenen äBege. Unb 1491 nrie 1492 ifl 3Ra?imiUan toieber 
auf ben @eban!en einer £eranjiefcung aller jurüdEgefommen. 
®erabe in Äoblenj fcat er fi$ erneut ju ben gettriiufd&ten 9te* 
formen bereit erflärt, fall* eine ftattli^e, beftänbige Steuer auf 
alle SReu$Suntert&anen jugefianben toiirbe. 2 

Unb toar benn eine fol$e unter ben bamaügen SSer^ält- 

1 ©ie SBiberlegung ©ot$ein§ ift an biejer ©teile im ßinjelnen un* 
m5gliä). £>ie fibernriegenbe TOefirga^I ber t>on ifyn t>orgebra<$ten Argumente 
iß babutd) hinfällig, betft an ben citirten Stellen baS 93e^aut>tete gar m$t 
fte^t. $a§ Sanje beruht auf einem grünbli$en SWifetoerftänbmfj. 

2 Sanften, 9teid>Scorr. II, 6. 663 unten. Statt $eflig!id&en ift natür- 
Ity au Iefen: ^eftigli^en. 



328 



Kiffen ©eutfd&lanbä fo ganj unburd&fityrbar? ®ie 9Jei<$3rttter* 
f$aft, bie längft nid)t me&r bie Stellung be8 alleinigen Sffie^r- 
fianbeä einnahm, roar, tute toir fa&en, heftig gegen eine 6$a$ung, 
t&eilS au* SBorurtyeil, t^eife au« Sntereffe. ©(^toierigleit bot 
auti) bie republifanifd&e Selbjlänbigfeit ber beutf<$en SReidfr** 
unb greiftäbte. 2tber ber äfof<$lag in ©elb auf jebe 6tabt 
als ©emeintoefen, mar benfelben faunt toeniger läjltg, unb fte 
baben ft<$ benfelben benno$ gefallen laffen muffen. ®a 
ftänbtf$e 6r$ebung unb SSertoaltung au<$ jugeftanbeuennafcen 
für bie Sfteid&Sfteuer gelten follte, toar (eine ®efa$r, bafc mittelft 
berfelben Unberufenen ju tiefer ©inblid in bie fiäbtifd&en 
ginanjen ermögli^t fein toiirbe. Slber au<$ gürften unb Äur* 
färften Ratten ft$ ber 3bee eine« gemeinen Pfennigs meiflenS 
toenig geneigt erliefen. $ier lata ber $o$poKtifd&e ©runbfafc 
in 33etra$t, bem Steidj toom6gttd& {eine Sefugnijfe jugugeftetyen 
innerhalb ber lanbeSfürftlidjjen Sibertät. äRau nmfcte in biefen 
Areifen fefcr gut, bafc ba$ gemeine SSolf t>on Saften aller 3lrt 
fo bebrängt mar, bafe eine 3uanft>ru$na$me beffelben feiten« 
be$ 9leic$3 untbunli<$ fd^ien o&ne eine enttyred&enbe ©rlei^te- 
rung na<$ ber anbern ©ette tyin, alfo natürlich ju Ungunfien 
ber Ferren, 2)a3 bot f<$ier unüberttnnblidjje 6<$ti>ierigfeiten, 
fei e$ bafe ber Sanbe^bcrr felbfl ©runb&err toar, fei e$ ba§ 
bie ©<$äbtgung bie Prälaten, Ferren, Sftilter unb ©täbte traf, 
toeld&e in ben Sanbfiänben oertreten toaren, S)ie 33er$ältniffe 
»aren fo toertoidtelt, bafe eine Sttenberung an einer Stelle ben 
3ufammenbrud& beS ganjen Softem* befürd&ten lieg. Stffo 
toäre in ber S#at ber gemeine Pfennig nur ein d&tmärifd&er 
£raum, eine ibeaüftifd&e SSerirrung getoefeu? 3$ meine, gan§ 
fo fd(>limm fletyt bie @a$e benn bo<J> ni<#t. ©3 fei gemattet, 
bie Analogie eines fremben 33olfö, beffen Stellung freiließ bem 
bamaligen beutfd&en als feine benetbenätoert&e erfd&ten, anju* 
jie^en, um beutlid^ ju ma$en, auf toeld&em SBeg bie $inber* 
niffe ber ginanjreform Ratten befeitigt toerben fönnen. Um 
biefelbe 3^ ba $eutf<$lanb toegen Aufbringung toer&ältnifc 



329 



mäftfg re$t geringfügiger Summen für SReid&Sjtoecfe in fort« 
toäfcrenber Verlegenheit fi<$ befanb, fcatte in granfreidj längfi 
eine fefie ©teuertoerfaffunö eingerichtet toerben fßnnen. Sä^rlid^ 
im Qanuar fieBtcn bie 6<$afcmeijter be3 ÄönigS, in SBerbinbung 
mit ben ginanjbefcßrben ber 5ßrobinjen granaen, Surgunb, 
Stoutf&mä, Sangueboc unb Bretagne, bie $ß$e be$ 89ebürfniffe$ 
für ba$ folgenbe ftafcr fefi. 3e na$ bem ©rgebnife i&rer 83c* 
ratyung toarb bann im ganjen Staat eine allgemeine Staitle 
ausgetrieben, n>el$e belanntli<$ mä)t ÄleruS unb Slbel, fon= 
bern nur bie 3Raffe beS SSolte traf. 3)a3 ifi befannt, aber 
toeniger beamtet $at man bisher, tote toä^renb ber 9lot& ber 
engltföen Äriege bie franjöftf^e Ärone ju biefer unbebingten 
SSerffigung au$ über baS Vermögen tyrer mittelbaren Unter* 
tränen gelangt toar. grünere Könige bitten aufcer^alb tyreä 
domanium nur mit 3ujiimmung to? Prälaten, Sarone unb 
©täbte Jtaitten jur ©eäung au§erorbentli<$er öebfirfniffe, toenn 
bie regelmäßigen einnahmen ni<$t langten, auflegen tonnen. 
Äarl VII. traf nun mit ben ©rofjen feines 9tei$$ ba« 3lb* 
fommen, ba& ber Ertrag ber aUmd^li^ ju orbentli<$en ©in* 
nahmen geworbenen %a%m auf ©alj, SBein u. f. id., fotoeit 
berfelbe in ben ©ebieteu ber ©rofjen fällig tourbe, jttrif<$en ber 
Ärone unb ben ©runbfcerrn ftinftig geteilt toerben foDte. 
©etoonnen bur<$ biefe 3Sergünjtigung, toeld&e fte tyren £inter* 
faffen gegenüber mit ber Autorität ber Ärone bedte, geftanben 
bie ©rofjen bem Äßnig gu, im gatt eines über ben 3#eilertrag 
jener SJerbraud&Stajen fcinauSge&enben SBebürfniffeS ofcne 85e* 
fragung ber brei Stäube XaiOen in erforberli$er #6tye überall 
au*}uf$reiben. S)er gebotene SBort&eil unb bie irrige 8Retnunp, 
biefe XaiBen mürben — na<$ SKafegabe ber bisher erhobenen -*- 
nic^t fe$r $0$ fein, foQen bie ©täube baju gebraut fcaben, 
einer folgen Sita>ent$eilung ju ©unften be$ ÄömgtbumS jnju* 
fUmmen. l 6$ bebarf ni$t erfl be« ßintoeifeS, tote feitbem baS 

1 «fleS na<$ bem $eri$t bei öenettanerS Gontarini to. 1492 (Alberi, 
Relaz. IV, 1 ; toetßl. töanfe, gronjöftl^e ®efö. V, 32). 



330 



le|tere mitteilt biefeS ßebelä Don ©rimb au$ bie Stellung 
bcr bisher in §ran!ret<$ mafegebenben gactoren umgestaltet 
$atte. ©erabe ber lefctere llmftanb mufjte nun, es läfet ft$ 
ba$ nid&t leugnen, bie Einführung einer au<$ nur im ent* 
fernten ä&nlid&en SRafcregel in £)eutf$lanb erf<$n>eren. Aber 
mufcte e$ beim burd&auS eine „©ertritut" fein? Der ganje 
SSerlauf ber SBetoegung in unferm SSaterlanb betoetfl aufs 
bünbigfte, bafj unfere Äatfer fe$r aufrieben getoefen mären, 
toenn jie — nid^t ettoa auf ettrig — auf eine Reine Steige 
bon Seiten ba$ Selb, befielt fie beburften, erhalten Ratten, 
ofcne ft<$ barüber ju befümmern, menn bie jebeSmalige 
©rtyebuug gebunben toar an bie 3 u f^tnung ber 9iet$& 
tage. 

2Bie bie SMnge bei uns lagen, tonnte e8 ft$ nid&t um 
33ef$ränfung be$ geubattömus ju ©unfien be3 äbfoIurtSmuä, 
fonbern nur um eine billige SGbfinbung gtt>if$en beiben, behufs 
3lufre<$t$altung be£ 9leid&3 ate eines nationalen ÄßrperS, f)an* 
beln. ®ie Stnalogie, toeld&e angerufen mürbe, ifi ni$t ju fu$en 
in bem giel, fonbern in bem SBeg. SQBenn baS ftaifertyum bie 
3Sort^eife , meldte t>on einem gemeinen Pfennig ju ertoarten 
waren, tbeilte mit ben oberen Stäuben, märe bann ber 9Biber* 
ftanb nid^t ju ^eben gemefen? ©ic grage ifi um fo me$r ju 
bejaben, ate einer ber vertraute jien ftenner ber gürftenpolttif 
im 15. Qa&rfcunbert, biefe* Sßroject fd^on im ga$r 1464 an bie 
#anb gegeben fcatte. fleht fdfjled&terer afö ber unermüblid&e 
SRartm 3Rater fcat bamafö ben Sorfd^lag gefragt, eine gemeine 
9tei$8fieuer einzuführen, mo&on ben baterifdfjen gfirflen, bem 
2Rarfgrafen älbre$t Schilt unb ben f&$ftf$en gürfien eht 
£&eil beS in tyren ©ebieten entfaDenben (Ertragt toon toont* 
herein jugefid^ert merben foEte. S)er Steft, ber in be* flattert 
Sanben unb in ben übrigen fürftli<$en unb inSbefonbere ftäbti* 
f$en ©ebieten eütfäme, fiele ungeteilt bem Äaifer ju. äBürben 
bie anfetynttd^ften 3tei<$3ffirflen fo bur<$ ©igennufc an ben Äaifer 
unb beffen Sntereffe gebunben, fo mürben bie minber mistigen 



331 



Stäube ni$t fragen ju mtbetfpredjen, 1 @$ liegt fe$r na^e ju 
fcermufl&en, ba§ SRaier« SSorbilb bie ©ntttridftung in grantreii 
getoefen fei; bie öon i$m $etrityrenbe gormulirung be« ©e* 
banfen« entftmd&t feinem intriguanten SBefen unb feiner Singen« 
bli<föpoKttf. ©leid&gülttg ifi e«, ob fi<$ bie 6a<$e genau fo 
&ätte mad&en laffen. aber ber ©ebanle, ba§ burd& eine Streuung 
be« ßrtrag^ jtorifd&en Äaifertbum unb gfirflent&um, ober no<$ 
angemeiner bur$ @ntf^ät>igung be$ gürflent&umS für ba$ ge* 
brad&te Opfer , bie ftnanjieüe Segrünbung be« 9iei$£ ju er« 
möglichen gemefen ttäre, ifi ate ein prafttfd&er unb gefunber 
tänftig fo leidet ni$t metyr abjUioetfen. SBenn man ben ©täuben 
in$gefammt ober jum 2#eil eine Quote be« Ertrag« be« ge= 
meinen Pfennigs ober ©rofd&en« ni$t gemähten »ollte, fo 
blieb ber 2Beg ein bereite ausgiebig geübte« m Äaiferred&t tyfte* 
matifdj ju toertoert^en. 

SBie t)iel neue unb gettnnnbriugenbe göffe fmb in jenen 
Qa&rjefcnten feiten« beä ÄatferS ben dürften jugefianben toorben ! 
2Bel$e ©djjnriertgleit tyat bie 5Dur$fübrung berfelben bent ein- 
zelnen gürfieu berurfa<$t bei bem SBiberfireben feiner ©tänbe! 
Xrat $ier bie faiferlid&e Autorität mit ifcrem 3 toan 9 e * n / f° 
ertmefe fie ben dürften einen ftaat3re<$tltd& toie ftnanjpolttifd^ 
gar ni$t $oä) genug angufd&lagenben 5)ienfi, in beffen golge 
baS gfirjtentfcum ba&eim unabhängiger geflettt, au$ efyer in ber 
Sage mar bem ©anjen ftd^ nid^t bloS mit ©orten, fonbern mit 
2#aten, mtUfäfyrig }u bejeigen. 2Ran rechte ni<$t mit biefem 
<SmfaQ, er fott nur einen SluStoeg ftgnaliftren : e$ fann 
gtpeifel^aft erfd&einen, ob um folgen SßreiS allein bie Reifer ju 
gewinnen toaren. 311$ unjtoeifel&aft betraute iä) nur bie 3R6g= 
li<$!eit au« bem Ertrag einer rationell beranfd&lagten 9teid^^ 
fleuer ben ginanjen be« 3tei$3 unb ber Territorien über alle 
©d&imertgfeiten fctntoeg ju Reifen» SKbftettung gegenfcitigen 



i ®efatu4t Bei §dfler: Uebet bie j>olittj$e fteformBetoegunp in Seutfö* 
lant> im 15. 3a$r|unbert 8. 40. 



332 



SRifetrauenS, eine gerotffe billige 9tü<fft$tna$me bei SBeran* 
fd&lagung ber Saften, enbli<$ fefie Drbuung unb ßontrole bei 
ber SluSfübrung toaren freiließ SBorbebingungen, bon benen eine 
ben bamaligen 2)eutf<$en fo ferner fiel toie bie anbere. SDie 
gefiederte $Rei$$ftanbf$aft ber ©täbte nnb bie £eranjie$ung 
ber ©rafen, Ferren unb SRttter jur S^eilna^me an ben 33e* 
rat^ungen beS SReid^d toäre unt)ermetbli<^ getoefen, um biefen 
^otenjen gegenüber burd&jubringen. Um eine ÜRitnrirfung ber 
mä<$tigflen SRei<$3ftänbe bei Veranlagung, @r$ebung unb SBei* 
toaltung ber 9tei<$3fteuer mar — be3 einmal befie&enben 3Rifc 
trauend falber — nid&t &erumjufommen. Sei festerem Rubelte 
eS fi<$ nt$t nur um bie mifjbräu$li($e aSerföleuberung ber 
bewilligten ©eiber. 2Ran tyatte jtd^ in bie tteberjeugung hinein* 
gelebt, bafe Äaifer griebrü^ o$ne ©$mer$ e$ fe^en toürbe, 
toenn au<$ bie gürjien einmal fofien müfeten, toa$ e$ ^eifce 
fein Sanb verloren ju tyaben. * SRur $$eilna$me ber ©tänbe 
an ©etoinu tote ÜRa$t ber neuen ©<§öpfung befeitigte fo böfen 
Slrgmo^n. #ier liegt, toie fd&on oben angebeutet, meines 6t* 
a$ten$ au<$ ber Äeim be£ planes für ein ftänbif$ beeht* 
flu&tes 9tei<$Sregtment, ber in 33ert$olb &on SMainj tooHenbä 
gereift ifl im erften SRegierungäja&r 3Rayimilian$ unb ber ein 
Sa&Tje&nt lang bie politifd^e Situation be$errf$t $at. 

2113 gacit unferer ^Betrachtung ergäbe fi$ fomit, bafe bie 
reformeifrigen gürfien über fafi alle fünfte bereits bei früheren 
©elegen&eiten mit ^tm Äönig in ÜReinung$au$tauf$ gefianben 
Ratten unb über triele einem @int?erjiäTtbmf? principieD na^e ge* 
fommen toaren. %iir ben etoigen Sanbfrieben unb ba$ flänbige 
5Reid&£geri<$t toar äRajimilian engagirt feit 1489. S)em Sßrincip 
einer allgemeinen Sieid&Sfteuer $atte er toieber&olt beigejlimmt; 
felbft auf ba£ 2ta«funft3mittel, auf bereu (Shrtrag im borauS 
jur SBefriebigung bringlid^er Sebürfnijfe ein Sanieren §u machen, 



i 2)a§ i)al SBertyolb Don SWainj 1492 auf bem 9tet<$gtaa. ju Noblen) 
mit bttrren äöorten aw§geft>ro<$en (Sanffen, SReid&Scomtyonbena II, 563). 



333 



toax er einmal, im Qabr i486, verfallen. 8lu<$ auf ben 
©ebanlen einer beurfunbeten 9teid&8con|Htution, toel$e bur<$ 
periobifd&e Sufammenfthtfte beS ÄaiferS unb ber gfirften ober 
i&rer Setoollmäd&tigten eine organifttye SE^ättgleü ermöglichen 
unb in inneren fragen eine na$ SDlajorität entf<$eibenbe 3n* 
jian§ bilben follte, mar er eingegangen im gabr 1491. greilid) 
toaren alle 3"9cfiÄnbniffc bon i&m in bebrängter Sage unb — 
ber SluSbrudf fei einmal erlaubt — als Äronprtnj gemalt 
toorbeu« Slber immerhin fonnte bo<$ eine politifd&e grage, bereu 
Sntereffenten ftd& bon beiben Seiten f<$on fo na$e gefommen 
toaren, als eine leibli<$ ausftd&ts&otle gelten. 2Bo$er ftammten 
nun bte plö|li<$ ft<$ er&ebeuben ®<$toierigfetten, tüo^er bie @e* 
fa$r eines völligen ©c^iff brud^g ? Unjtoeifel&aft Ratten fi$ auf 
Seiten ber Reformer, feit 3Ray bie gägel ergriffen unb — *>or 
beS üRainjerS äugen — eine ju wenig fefte §axti> in ber 
Leitung uerrat&en, bie 8lnfpru<$e geweigert. Stuf ein fiänbifd&eS 
^Regiment bitten ftd& bisher bie Seftrebungen ni$t erftredft ge= 
babt, wenn auä) baS ÄurfürfiencoHegium mit feinen aus ber 
golbenen SBuDe abgeleiteten Sefugniffen unb feiner furfürfilid^en 
©nung ju 3*ton SlnalogeS beanfprud^t ^atte. 1 Qene tmtrben 
grofe angeftd^ts beS attju unterae^mungSlufitgen S^atenbrangS 
beS jungen ÄönigS, angefid&ts feiner trofc toeitgefledtter $itU 
bettefyaften §manjtt>irtyfc£aft, angeftd&tS beS unberanttoortlid&en 
SctyreiberregimentS an feinem $of. 2 

SWicfct jebem Sterblidjen ifl es vergönnt, über baS an» 
fd^einenb Unmöglid&e mit ber gleiten ruhigen ©i$er$eit $intt>eg* 
}utommen, mit melier in Sudans „toafyrer ©efd&i$te" bie 
Äorffitfeler über bie SBeDen babingleiten. 9tor bie SBanbelbar* 



i SJergl. ifitynerfen: $>ie SRegimentSorbnung bon 1521 (gorfdjungen 3. 
beutfä. ©efö. VUI, 578). 

2 Sin SBilb ber $ertmrrung, ber 9)toinj bergebli$ 31t fteuern fudfite, 
enttoirft ber fäon citirte Brief 3to$rba($S an %\bxtä)t toon Katern öotn 
20. Sfeiruar 1495. S)a toar e§ no<$ ungettrifi, ob 9Ras öon ben SBtrtljen 
fty toürbe IoSma$en fdnnen. 



334 



feit, in ber ftdj SJtay au<$ auf bem toormfer 9tetc$$tag gefiel, 
lägt manche ©c$ti>terigfeiten toerfte&en, bie ben gebet^Itd^en SSer* 
lauf hemmten. ®er Äöntg fear in feiner SBeife ber 3Rann 
für parlamentarif^e Verätzungen. Dbenbreht brannte tym in 
2Borm3 ber ©oben unter ben güfeen ; nur fcier jetyn Sage l>atte 
er urfpriingli<$ ju bertoeilen borge^abt, e&e er „jur ungeheuren 
©emSjagb" in bie Serge jiefcen toottte. ! SMe aSertmcflungen, in 
bie er ft$ geftürjt, führten i&n ju immer neuen 3Biberfyrü$en 
mit [xä) felbft 5Rt#t$ fann baS beutli<$er iHujirtren, als bie 
©<$toanfungen, tt)el<^e fein SBeflreben, eine „eilenbe §ülfe" toou 
ben ©täuben öerttriDtgt ju erhalten, burd; med^felnbe 3fafprii$e 
unb Verlegensten binnen einer furgen Seit erlitt. SRadjbem 
er juerfl jur Rettung be* Zapfte« 3—4000 SKann geforbert, 
fd&lug er felbft eine Slnletye üon 150,000 fl. auf bie ju be* 
fd>lie§enbe 9tei$3fteuer toor, Don toelcfcer er 50,000 fL berfen 
tooDte. ätebalb verlangte er 50,000 fl. me&r unb jtoar m$t 
aU anlegen, fonbern als befonbere 3flei($8fieuer, neben ober 
nieHeic^t aU Slnttctpation ber grofeeu. SDann foOten auf ein« 
mal bie Äurfürfien in ©emeinföaft mit bem f$tt)äbif<$en »unb 
#als über Äopf fi$ aufmalen jur Rettung SKailanbS. Unb 
als eben ba£ Sanieren für äRailanb bemiHigt mar, fottten plöfc* 
li$ bie Stäube 4000 SRann gegen einen bon ber Champagne 
&er angeblich bro^enben Singriff in bie üRieberlanbe toerfen. SBie 
man bann im Slugufi, bon nebeufä$li<$en Differenjen abgefe&en, 
in allen Singen fid^ bem Slbfc^Iufe na&te, ba trat er mit einer 
fyartnädig festgehaltenen neuen gorberung tyertoor, tym alSbalb 
20,000 SWann jum angriff auf baS franjöftidje ©ebiet jur 
Verfügung ju jietten. @3 gehörten längere Seine baju, als bie 
e^rfamen gürften befafjen, um folgen ©prangen nadfoufommen. 
SWotfyoenbig mußte ber Sinbrud ber Äopflofigfeit ober ber 

i War, an ©igmunb bei JtrauS, $rüfd)ent 102; im gleiten Sinn 
balbtgen 9lufbrud)§ förieb er jd&on au§ Slawen am 5. SRärj an fttbre^t 
bon $aiern. 9Baicr. Staat§4fTdjto. 95er gl. ba§ WuBföreiben &om 24. 9to« 
öcmber 1494 be$uf§ ^Berufung be§ JMeidjStagS na$ 2öorm§. 



335 



äMfür hervorgerufen toerben. Unb e3 finb nid&t lebiglid^ bie 
ßonfequenjen be$ einmal Unternommenen, meldte ben Äöntg 
fo unruhig, fo unftät ju $anbeln jttringen« (£3 lag in feinem 
SSefen, bie ©a<$e forttoä^renb bon tonte anzufangen. 3lHe 
äugenblidfe mobtftcirte er feine SBorfdjjläge, burdjlreujte er felbft 
feine eben erft funb gegebenen 2lbft<$ten. [ Seiber &at er au$ 
ba$ Mittel ber Untoafcr^eit nid^t t>erfd?mäf?t, um feine allgemeine 
Sage gänftiger er f feinen ju laffen, al£ fie mar. 3113 er ba3 
mit $ran!rei$ ^inft^tlic^ 3talien3 getroffene 2lbfommen in 
äbrebe fieHte, al3 er behauptete, bie ßiga bon SSenebig öer* 
pflichte tyn nic^t jur §ülfe na<$ Stalten, 2 Rubelte er ba ni$t 
toie ein berfd&ulbeter #au3fo$n, ber burdj feine ©laubiger ge* 
nötigt, bem Sater feine üble Sage ju beizten, bo<$ immer 
uo$ §u oerfd&toeigen, gu bemänteln beftrebt ift? Sollten bie 
Äurfürften mit billigerem Vertrauen erfüllt toerben babur$, 
bafe er tynen &infi$tli$ ber öele&nung £obobico3 .mit äJtailanb 
ein ©<£niw$en f$lug? 3 S)arf man fi<$ ba nmnbern, bafe 
äRifetrauen jjebem feiner ©dritte, jeher feiner ©rflärungen ent* 
gegenfam? 5Der S)eutf$e ift einmal fo unpolttifd) angelegt, 
bafe i$m ni$t nur ba3 Qxel, fonbern au$ ber 2Beg ba^in ge* 
fällig fein mufe, toenn er fi$ für elftere« erwärmen foO. ©3 
fcängt ba« jufammen mit ben e&ren&aftefteu ©eiten be8 33ott3# 
$aratter$ ; ift aber allerbingS, nrie nid^t geleugnet merben fott, 
ein f$tt>ere£ ßinbernif* jeber fiaat3männif$en Seifhing. 

®enug, abgefefcen bon ber innemo^nenben ®$tt>ierigfeit, 



1 SBergl. ßlityfel I, 867, n>onad> auä) toär)renb be§ £d)n>eijertrieg§ 
SÄaj «ofl* Stunben mit anbeten 3umutyungen" an bie Befehlshaber t)eroor= 
trat. äöte er in SüormS in biefer Begebung »erfuhr jeigt 3. 58. £att 871a, 
öergl. 870 16. 

* Statt 826. $te jtoeite ßrftärung gab 5Waj ben flurfürflen unb 
bem SRarfgrafen griebri(r) bon SBranbenburg fottie ©raf (Sberbarb bon SBür- 
temberg. 5Bericr)t ber rüttrjburg. 9teiä)Stag8gejanbten über bie ©tyung Dom 
26. ypxil (ttürjb. 3lr<$fo). 6. bagegen Satt 829. 

3 8. voriges Gajritel. $>a6 bieS J8er$alten unter ben Surften Wi* 
ßimimmg erregte, berietet Sanuto, Esped. 348. 



336 



bie jeber Gompetengberfd&iebung rtoaltfirenber ©etoalten anhaftet, 
gab e3 $inlängli$ äufeere ©rünbe, um m$t otyne SBebenfen 
auf beu SluÄgang be$ 9tei$$tag£ ju blidfen, ber enbli<$ feit 
bem Ie|ten Stritte! be$ SDlärj 1495 in SßormS fic^ ju toer* 
fammeln begann. S)aS SRifjgefd&idt, beut 3Ray bafelbfi fcittjtd&t* 
li$ feiner 2Biinfd&e auägefefct mar, £atte fid) glei<$fam im 
toorauS bur$ einen Keinen Unfall beim #inab§ug angefiinbigt 
ftaum in 3Borm3 eingetroffen toar ber Äönig genötigt, eine 
Sabe mit Briefen öffentlich ausrufen ju laffen, bie tym jtoifd&en 
aJiainj unb Oppenheim verloren gegangen toar. 1 S>a& er bur$ 
fein Verhalten in ben legten Sauren f<$toere ©mbufcen erlitten 
fyatte in feinem föniglid^en Sftuf, geigte junt Ueberflufe bie um 
biefelbe geit »erfaßte ©jpectoration be$ erjbif<$öfli<$ magbe* 
burgtfd^en Vertreter« #erman8grün, bem freiließ toor feinem 
©intreffen in äBormS bie unmännlichen geffeln, meiere ft<$ SRaj 
Ijätte Don feiner jungen ©ema&ltn anlegen laffen, als $aupt» 
tytnbernife einer tätigen unb erleuchteten Sßolitif erf^ienen 
maren, 2 S)er SBadtere fönnte in feinen weniger treffenben 
Qrrt^um verfallen fein. SRay &ätte ft<$ längft toon ber ©eüe 
SJtaria SBlancaS losgemacht, fyätte e$ i$m nid&t an ©elb jur 
©ejatylung ber SOBirt^c gefehlt. 68 toerbient }ur Gtyarafterifttf 
jenes benftmirbigen Sa&reä aufberoa&rt §u bleiben, baß ber mit 
planen meitumfaffenber Sßotttif na<$ SßormS gekommene 2Ronar<$ 
feine ©ema&lin unb beren $ofgefinbe in Verlegenheit unb ge* 
rabeju in ©firftigfeit in ben SWieberlanben $atte jurädlaffen 
ntüffen. Su einem fo ttnnbigen Unternehmen, toie ber Unter* 
ftüfcimg beS angeblichen #erjog$ t>on Dorf, toaren auf feinen 
SBefe^l bie o^nebieS nid&t bebeutenben Mittel Dertoenbet toorben, 
toeldjje eigentlich jur SBejatyhmg ber toon feiner ©ema^Im ge* 
fd&ulbeten Summen beftimmt toaren. SHbred&t t>on ©ad^fen 

i 9ttas an ben SBtfctyum au Sttains, äöormS 1496 Sreitag na$ Re- 
miniscere (20. attärj). 2Bürjb. Er($ito. 

2 gforj^ungen gur beulen ®eföi<$ie XX, 85 u. 91. lieber bie 3«' 
ftänbe an SRaj' §of im öligem, f. audj ben me^rcitirten »tief 9totyrba$S- 



337 



fyitte am 7. Styril Sluftrag erhalten, bie Äönigin in Jper* 
jogenbtif<fy auSjuIöfen uttb bann im ©e&eimen nad^ ©ratoe 
}u geleiten, bon too er fie na<$ furjem Slufent&alt bei 3la6)t 
unb Sftebel na<$ Äletoe bringen foDte. 2)iefe S3orfi$t f$eint 
toeniger ber Sßerfon ber Äönigin als tyren Äleinobien gegolten 
)u {toben, bie man toofct bor Sßfänbung betoa&ren tooDte: 
toenigftenS toerben ju beren 6#u| ganj abfonberli^e SKafe* 
regeln anempfohlen. 1 ©iefer ©efe^l, beffen SfaSfitynmg ber 
Äönig o&ne 3tä<Ift<$t anf bie ^eilige $tit geforbert, toar au^ bem 
ermähnten @runb unausführbar geblieben. @rfl am 22. 2Rat 
lam Slanca 3Jtaria, au<$ je|t nur mit einem Keinen Styeil 
tyrer Jungfrauen unb tyreS ©eftnbeä, in 8BormS an. 2 3$r 
©ema^l fanb feine 3 eit fte i u empfangen. 

Unter folgen Sluftucien begann ber große 3 toormfer 9ftei$& 
tag, mie 3eitgenoffen i&n bejei<$neten, jt$ ju berfammeln. SlHe 
jlurf flrflen , außer bem toon SJranbenburg , toaren toenigftenS 
jeittoeilig amoefenb, baju eine gütte t>on 83if$öfen, dürften, 
Grafen, gürfienbotf^aftern unb ftäbtifd&en Slbgefanbten; ba* 
)töif$en betoegten ft$ beoba^tenb unb tyre eigenen 3ntereffen 
toa$rne$menb bie ©efanbtf<$aften frember 3JW<$te. Seit langem 
fcatte $)eutf$lanb feinen fo glänjenben 9let<$Stag gefe^en. 316er 
ni#t alljutriele toon ben @rf$ienenen, ber üorfi^tig 2)a$eimge* 
bliebenen ;u gef<$tt>eigen, lamen §ut gßrberung bed 9tei$S: 
fafl alle Ratten fie i&re ©onberanliegen, faft fämmtli$ Ratten 
fie ifcren na$barlicben $aber / i&ren unbefriebigten ©iinlel mit* 
gebracht in bie SBerfammlung. ßein glüdtoer$ei6enbe3 Singe« 
btnbe bei ben ofynefyn tor^aubenen 2)ifferenfl>unlten $infi<$tli<£ 

i 9Waj an 9Ubrc<$t öon Sadjjen, SBortnS ßritag nadj Judica unb 
SinStag in ben ©fterfeiettagen. 5)te8b. Hrd&iö. 

^ griebrtdj ton Sachen an 3o$ann toon Saufen, SBortnS JJreitag nadj 
Cantate. ßrnefL @ef.*lrd&to. lieber bie Sage beS fcofgefinbeS öergl. Don 
ftrau§, »las unb $ruj*en! 103. 107; <£$mel Urfunben 68. 73. 78 ic. 

3 magoa diaeta Worm. Linturius a. 1495. SBergl. älMtn^elingS 
üon mit mitgeteilte fleufjerung in SBtiegerfi 8eitfärift für Äir<$enge(<I)i{$te 
III, 206: in glorioso quondam conventu principum. 

Ulmann, flatjer «DtoshnUian. J. 22 



338 



beS SBer^ältniffeS jum Äönig! 2BaS für Sttftbe $at e* no$ 
gefoftet, bis enbli$ im Stogufl bie ©efabt einer ftetybe }tmf<$en 
$falj unb 2Rainj beseitigt trat! Ilnb toentt baS am grünen 
öolj gefd&ab, toaS follte man ba Don anberen emarten, bie 
rnmber friebtt$ unb minber fcom SReid&Sgebanfen benimmt toaren 
als »ertbolb Don SRainj? SBie fott man fidj bie 5)enhmgS* 
art ber 9Re^rja^l t>orfleffen, toenn ber £reuefte ber freuen, 
toenn 2übre<$t t>on €>a$fen, ttrie ttrir $8ren Kerben, mit ber 316« 
ft$t getoaltfamer ©elbftbülfe fi$ trug, für ben ftatt, ba§ SRayi* 
milian ni$t enbli<$ feinen geregten gorberungen genug tyuu 
foHte! ©a gab es aRifftelligfeiten jtoifdfren $falj unb SBirtem* 
berg, jttrif<$en Äurfad&fen unb ©eorg t>on SSaiern, ba intriguirten 
bie branbenburgif<$en Statte, um bie bereits ausgefertigte Sa* 
bung an ben #erjog tum fßommern, als 9tei$*ffirft ju erf$einen, 
getieft ju hintertreiben, ba fytüt ©eorg t>on Skiern Anliegen 
toegen einer tym t>on (Erwarb t)on ÄönigSedP jugefd&riebenen $ebbe 
unb behufs SBieberaufnabme einer anbern 3lffaire, bie bereits 
breimal ;u feinen ttngunflen entfd&ieben fear. 1 Sei aÜ biefen 
Spänen ^Ort man nie, ba§ ber Äönig biefelben beigelegt 3)er 
$atte, fobalb er bie Sorgen, toeldje bie grofee $oIiti! unb ber 
alsbalb neu ertoad&enbe gelbrifd^e ©anbei erregten, abgeftreift 
^atte, an anbete 3>inge ju beulen. (Sine JEafelrunbe ber Srtu£* 
rittet toar ju errieten, bor allem aber fear jener Sroetfamtf 
mit bem £o<$burgunber Slaube be SBaulbrty ju befielen, ben 
bie 5Ra$toelt feiemb als DottgültigeS 3 eu 9 ni fe baffir anju* 
leben fid? getoö^nt bat, bafe SWojimtliau überall roo es 9tot& 
tf)at, mit ©rangebung feiner Sßerfon für bie ®&re beS beutföen 
SRamenS eindrang. 2 

1 flfleS naä) tnün$ner, breSbner unb berliner Metern 

2 S5ergL ©ef<$iä)ten unb Saaten SBtItooltS t>. €>$aumburg. DHmer 
be la Vtardje 469; Efolinet V, 17 ff. 9u8 ber auSfityrli^en ©arlefliing 
be* lederen ge$t unnriberleglt$ f)erbor, bafc ton einer 3üc$tigung franjöft» 
föen UebermutyS bei ber ganzen Slffaire gar nidjt bie Äebe fein fann. $auN 
breij toat als 9urgunber 9flarjntiltan§ Uniertyan, naä) bem imferrtdjteten 
Clibier: bie gporberung mar niö)t§ als ein 9ct ritterltöjer Gourtoifte unb 



339 



91m 26. ajtörj 1495 ttmrbe ber »eid&Ätag, beffen SRitglieber 
trof ber me$r als fiebentoö<$entli$en SSerfd&iebung beS SSegmnS 
no<$ fe$r foärli<$ vertreten toaren, bur# bic erfte $roj>ofttiou 
eröffnet, toel<$e ber Äönig in feinem -Kanten vortragen liefe. 
SBiberflanb gegen bie Surfen unb baS franjöfif<$e SSorge&en 
nriber $apft unb rei<$$unmittelbare (Sommunen Statten* toaren 
vorangefiettt, toobei ber Äönig no$ mit befonberer SSefüjfen^ett 
ft$ von bem, nid^t unbegrünbeten, 33erba<$t ju reinigen fu$te, 
al§ ob er mit granfrei<$ in ber gebauten Stiftung im @in- 
vernehmen gejlanben fcätte. 3n bem SRei$3tag3au3f<$reiben vom 
24. Sftobember 1494 toar bad SSer&ältnifc ju granfretd) uner* 
toa^nt geblieben unb bafür ber SRei<$Stag als Vorbereitung für 
ben jur (grtoerbung ber Äaiferfrone unmittelbar anjutretenben 
Sfiftmerjug fottrie ben baran ft$ anfd&liefcenben Ärieg gegen bie 
Surfen gebaut« ©iefe SKenberung ber @eft$t£punfte entft>ra<$, 
nrie ttrtr toiffen, fo fe&r ben 33er&ältniffen, bafc SDiayitmlian 
fogar ihrethalben von einer SSerrfidung beS Sag« nac^ Äöln 
geträumt fyatte. <Da baS ji<$ als unausführbar ertoiefen fcatte, 
voat er ttrieber auf feinen erfreu @ebanfen jurüdfgefommen, ben 
9lei$£tag möglid^fi balb ju f$Hef?en unb mit bem bewilligten 
Sietd^eer f$leunigft nadj Italien aufjubrec&en. 3tu$ bie 
©tänbe fnütfteu in i&rer Sfottoort, inbem i$re geringe Sfaja&l 
i^nen bie £anbt>abe bot juuädjfi eine 9ntftort auf bie fßro- 
pofition ju vertagen, an ba$ 8lu$f<$reiben an. Sie fegten bie 
barin angebeutete üRotfyoenbigfeit getoiffer Sieformen in innere 
©ejie^ung ju ber im ungemeinen Verlangten ßfilfe unb er* 
boten jt$, jur SBermeibung ber Seitvergeubung, bis jum ®in* 
treffen ber aibtoefenben mit bem Äönig über bie SWobalitfiten 
jener SJerbefferungen in SBeratyung ju treten, Damit tt>ar ber 
©egenfafc ber 2faf$auungen von vornherein angebeutet. 3Rayi* 
milian fam alsbalb in einer vetteren 5ßroi>ojition vom 27. 8Rärj 



jeüenS SauIbretyS Bereits am 1. 9lobetnber 1494 gu ^nitoer^en in jlerliä)fter 
3form ausgeflogen. 



340 



auf fein Segelten jurüd, inbem er jebe SBerjögerung als Urfa^e 
unimeberbringli<$en Stäben« barjußeHen ji<$ Umtyte. (Sr 
verlangte augenblicfli<$ eine eilenbe #filfe für bie bebro&ten 
9tei$3intereffen in Stalten/ ju beten @$u$ iebo<$ fte&enb b. b. 
minbeftenS auf bie 3 e ü b°K 10 — *2 %abven bauembe SBe^r« 
einri<$tungen getroffen toerben füllten. $u einer SBer^anblung 
über bie ©ebredjen im 3tei$, bejüglic^ griebe, 3te<$t u. f. tt>. 
gab er auSbrüd tt$ feine Stimmung. Snbem bie ©tänbe biefe 
SJufage banlbarli$ acceptirten, jeigten fte principteHe ©eneigt- 
fceit, eine bauembe ©illfe tyrerfeitä ju getoä&reu. SRic^tS lann 
berebter fein als tyr ©<$meigen über ba$ Serlangen eilenber 
£ülfe. Heber leinen Sßunft bieffei^t Ratten ft$ innerhalb be& 
$errf<$enben ©tanbS in £eutf$lanb einmütigere 3faf#auungen 
$erau$gebiloet, als über bie politifd&e unb toirtyf$aftli$e 33er* 
toerflic&Ieit fold^er unvorbereiteter unb erfafcrungSmäfeig unjttjecfr 
mäßiger Äraftanfpanmmgen. ©er feit 1493 eingetretene 3$ron» 
tte$fel fcatte an biefer Abneigung um fo weniger ettoa* ge* 
änbert, als bie Organe, beren ft$ 2Ray §u feinen ftnanjieflen 
Operationen ju bebienen pflegte unb benen er attjubiel bur$ 
bie ginger fa$, grünbli^ bon allen «Seiten beargtoofcnt ümrben. 
Sänge frxtte ber nene Äöuig harten laffcn, bis er fid^ bequemte, 
bie ©timme feiner Äurfürflen unb ©tänbe ju boren: je$t fear 
man in biefen Areifen am toenigflen geneigt ft$ mit ein paar 
frönen $Berfi<$erungen abfpeifen unb bie einzige Gelegenheit 
entgegen gu laffen. S>a$ burfte um fo Weniger juläffig fd&einen, 
aU man bon SKajimüian toenig 93ereittoiHigteit erwarten tonnte, 
felber bie beffernbe £anb anzulegen. $)afe er no<$ auf 3a$re 
fctnauS ganj anbere 3)inge im Äopfe $atte, ging bo<$ flärli$ 
barauä tyertoor, ba& er, flatt bie f$on ttrieberfcolt befpro^eue 
Sieform be$ etoigen griebenS anjufireben, no# 1494 ben erft 
14U6 abfaufenben {einjährigen Sanbfrieben, toie mir gelegen, 
auf brei toeitere 3a$re erftrecft fyatte! Unb nun glaube man 
\a nityt, bafj nur toenige Äöpfe bon SSebeutung au8 ©&rgei> 
na<$ einer metyr ariftofratif<$en Umbilbung ber 9tei<$3toerfaffung 



341 



gefirebt fcfittett. 6$ toirb fid& geigen, ba§, abgefetyen bon einem 
unb bem anbem Äurfürften, bie eine @inf<$ränfung ityrer Ste* 
ferbatre<$te au$ bur$ eine no<# fo fr&ftige @r$ö$ung i^red 
<8efammteinfluffe8 für ju treuer erfauft betrachteten, unb afc 
gefe&en bon brei ober bier n>elt(ic^en gürjten, bie nteift ein 
<jemeinfame$ #au3intereffe ju berle|en fürchteten, ber gefammte 
9tei<$*fflrjienflaub für bie Steform xoav. %üx bie Reform 
ni$t nur be3 3te<$tS unb grieben8, fonbern ebenfo — unb 
jtoar mit gang befonberem @ifer bie geiftlid&en gurften — für 
einen flänbifd^en SReid^ßrat^ mit fe$r ioeitgetyenben SSoBmacbten. 
3Ran barf ft<$ eben ni<$t barüber täuben, bafj e3 eine meitber* 
breitete unb mäd&tige SReformpartei im 9tei<$ gab. @* ift früb*t 
ua<$gett>iefen toorben, toie gerabe bie SKrt ber Auflegung unb 
Sertoenbung Jener fog. eileuben hülfen ben Häuptern ber Unteren 
immer jum Slnftofe gereift b^tte. 2Ba$rfd&einli<# erfd^ien ben 
©täuben bie 6a$e — felbfi toom ©tanbjmnft be« 9tei<$& 
nttereffeS aud — ni<$t fo bringlt$ nrie bem burd& Serträge 
mit auswärtigen 3Rä<$ten gebunbenen ßfinig. Unb fotttc nid&t 
eine gettriffe SBatyr^eit in ber S3etra<$tung liegen, bafc jur SBe* 
fretung be§ italieuifd^en 33obenS in erfier ßinie bodfj bie ein- 
£eunif<$en 3Rä$te berufen toaren, unb femer, foBte ni$t eine 
nötige ©<$ä$ung ber ringenben Äräfte babur<$ erttnefen fein, 
bafi (in ber Styat faft ganj ofyte beutfd^e ^fltfe) bie SSort^eile 
Statte VIII. in Stauen beinahe nodfj raf<$er berloren gingen 
als fie errungen toaren? SBenn man fo backte, fo regnete, 
warum foule man ft<$ ba bie Areife ber eigenen SßoKtif mutfc 
torillig felbfi ftören bur<$ UnterfMl|ung ber Iriegerifd^en Sßolitit 
beS ÄßnigS, folange lein 3tei$*intereffe gefäbrbet f$ien ? @ol<$e 
©rwägungen lonnten ft<$ unter ben Stäuben um fo leidster 
greunbe gewinnen, als fte toeber ber 83equemlid&!ett no$ bem 
Seutel unliebfame Opfer jumutfceten. 3Ran $ut ben ©täuben 
ni#t tlnred&t, toenn man bei i&rer 3We$rja$l felbftfüd&tige ®e* 
ft$t£punfte ali mittmrleube ober auä) au3f$laggebenbe ber* 
mutzet. 3n bem SRi&trauen gegen bie guberläffigfeit unb 



342 



»eettität be« ÄönigS fanben fi$ otytebie* nur attjutoiele }U* 
fammeu. 

gür bie geijitgen Seiter ber Sieform lag bie QawpU 
f^toierigteit, junä^ft einmal abgefefcen toon ber äBiberftanbd* 
traft be$ ÄönigtyumS, barin, bie auSeinanberftrebeuben 3nter* 
effen gufammengutyalten; mifctrauif<$en unb egoifiifd^en Seelen 
flar ju machen, bafe man fixerer fityre, toenn man gufammen* 
hielte unb baS Sfteu$ gtei<$fam ju einem Organ ber Stäube 
umf<$üfe, als toenn man einfach ju allen änforberungen be£ 
ÄönigS Stein fagte unb auSeinanberging. ©injeln t>ermo$te 
man t>iel fc^toerer bem erneuten anbringen ber Ärone ft$ ju 
oerfagen, um fo h>eniger als eS nie an folgen fehlen tonnte, bie 
oerlocft bunfc ©unftertoeifung ober 3fa*ft$t auf ©etoinn ber je* 
heiligen Sßoiitit bed ÄönigS ficfc bienftbar matten. SDaju 
lebte offenbar in einem großen 2$eil ber ©täube, mag man 
tyren ©emeinjtnu no<$ ,fo niebrig anfragen, bie tlare Heber- 
jeugung oon ber not&toenbtgen Sefferung ber inneren 9tei$$« 
toer&ältniffe. Silber au<$ ber für ben ©lanj be$ beutföen Slamen* 
p Opfern bereite Patriot mufete jugefle^en, bafj bie flraft ber 
Station ft# in ft$ felbft berjefcren muffe, loenn ni$t enbli# 
Orbnung unb griebe, 3te$t unb @eri<$t ©runblagen beS ge* 
meinen 2Befen8 mürben, ©oI$e ^nfiitutionen galten gerabeju 
als SBorbebingung 1 eines träftigen unb nachhaltigen Auftretens 
nad? äugen« 63 trat ber ßurfürfl t>on 3Mnj, ber als bie 
Seele biefer Seftrebungen gelten mufe. @S ftyeiut mir bie 
fid^erfie Sßrobe für feine ftaatSmännifdje Begabung, bafj er 
Sleformborftyläge, bie fo toef entließ jur SSerme&rung ber tur* 
fürfilid^en 3Ra$t beitragen mu&ten, auc& ben übrigen gürften 
unb ben Slbgefanbten ber ©täbte fc^macfyaft ju machen nw&te. 
äbgefe^en oom Verlangen naä) einzelnen „SRäfeiguagen" toaren 
bie antoefenben dürften unb bie 8otf$aften ber Stbtoefenben 



i 60 melben unter anbeten au$ bie (Sefanbten ®eoTg§ tum 9<rient 
in bem in nä$fter Knmertung citirten SBeri^t. 



343 



fo gut tone einbettig im bringenden Verlangen na$ Aufrüstung 
be$ oorgef^Iagenen 3tei$3regiment$, griebenä unb Äammer* 
geriet«. SRur bie brei 3BitteI$ba<$er öon 3Jtiiu$en, 2anb3£ut 
unb ÜReumarlt, baju ber junge Sanbgraf tum Reffen, nahmen 
eine refertnrtere Gattung ein. 1 Stuf bie Haltung beä ^aufed 
$aiern, benn au$ Äurpfalj Derzeit fi$ abtefcnenb, urirb juräd* 
jutommen fein. £u ben aufri^tigfien SBere&rern ber Sßolitil 
Sertyolb* aon 3Raina gehörten au$ bie ®ef$i<ften ber greis 
unb SReufy&fiäbte, beren 3tei<$Sjianbf($aft mit nieten, tpie mir 
und itberjeugt fcaben, feit bem 9teic&$tag aon 1487 anerlanut 
toat. SBie bie i&nen feitbem tiriberfabrene SBe&anblung, fo mar 
au$ t&re Haltung eine f$ti>antetibe getoefen. $)ie fi^tbaren 
©puren tyrer ängfllicfcen ©orge, erft ausgepreßt unb bann bei 
Seite geworfen ;u roerben, finb fona$ au$ toä&renb ber toormfer 
SWonate unberfennbar. aber gerabe fcier t>ottjie^t fid^ ber Um« 
j$umng unb §toar, n>ie ruhige ©rtoägung ergiebt, um>erlennbar 
unter bem förbernben @tnflu& be3 2Jtaüi}er8. Sluf feinen $latf), 
feine ttnterftüfeung toar ein 2#eil ber Stäbteboten tpie 1487, 
fo au$ jefct t>on £aufe aus fcingetoiefen toorben. 2 Site ein 
3eu^en gune^menben Vertrauend ift e$ auä) ju oerftefcen, bafj 
unter ben ©tobten beä f$mäbif$en 33unbe* eine fiegrei^e 
Strömung oon oom&erein ba^in brängte, baä au$ ben ©täbten 
nachteilige $interfi$bringen roemgftenä einjufd&ränfen, unb bafe 
bann bei no$ »a&renben SSer&anblungen ben beiben ®e\ammU 



i &lbre$t tum $atern>3Rün4en unb (Beorg öon 3toietn»8anb8fmt waren 
trog afle* anbringend nic$t in $erfon erföienen unb nur bura) Äbgefanbte 
»ertreten. $enen <Skorg8 oerbanfe ia) bie eingeljenbfte ftunbe öom »ormftr 
Sag. $aä im Xejt Hngefü&rte beridjten fie am ^futjtag na$ Cantate 
(SRat 21). (»aier. Äeid&StagSacten beS <8e$- etaatS4lrä)it>S in Ölungen.) 
Sergl. bie »erid&te öom 9. SRai. 

* gur 1487 f. Sanffen, IRei^Scon. II, 470, öergl. 507. 3u 1495 
j. Älütfel I, 168. (Sana fäief unb unhaltbar ift, ttaS ®oi$ein: $er ge- 
meine Pfennig auf bem ffleig&tag *u SBormS ©. 56 unb $oIit. u. relig. 
SBoliSbenwgungen ©. 48 übet SBettyolbS ©ieflung )u ben ©täbten unb feine 
S$eu bor ber Cejjentliä)feit öotbringt. 



344 



Vertretern SSoümad&t jut ©intotttigung in ben Sfteforntplan er- 
t&eüt nmrbe. * Unb es Hang bo<$ au<$ anberS tt>ie f onft, toenn 
bie antoefenben ©täbteboten nur fünf £age nac^ ber @rftffnung 
ber SJerfcanblungen nidljtS 3fifl$li<$ere3 unb SeffereS ausbeuten 
ju fönnen erKärten, als eben jene, borjugötoeife bur<$ SWainj 
betriebene, Stefora be3 gefammten SBefen*. 2 Stertrauen re$t* 
fertigt SSertrauen: unb fo lonnten benn ben ©täbten in bem 
allem 2lnfd?ein na<$ bur$ 89ert$olb 3 coneipirten (Snttourf eine* 
9iei$3regiment8 jtoei ©ifce jugeba<$t toetben. 8Bar baß beut 
bar ober burdjrffi&rbar o^ne bie fortan toenigfienS geftd^erte 
3#etlna£me ber Kommunen an ben SReid&Stagen? 4 SBem aber 
Derbanften bie ©täbte btef& görberimg, toenn nid&t ber Haren 
(Srfenntnife be$ aRainjerS, bafe bie ümbilbung be« jerbrßdelnben 
9tei$$ na<$ feinen Sbeen nur möglid^ fei, toenn alle brauch 
baren Elemente jur Mitarbeit herangezogen ttriirben! 

SD od? e£ n?irb 3eit §um 3(u$gang$punft }uriid}ute£ren. 
3$ gefiele, ba& i$ e3 für ben toieffei$t fd^ioierigfien 2$eil 
meiner Aufgabe $alte, in treffenber 3lu$tt>a$l bie Ser&aublungen 
unb $ef$lüffe biefeS 9tetc$8tag3 anf$auli<$ ;u machen. 5Dte 
Betrachtung barf ni$t jur SRonogra^ie ausarten, unb bo$ 



i £ag 3U (Sei&lingen im 3anuar 1495 (ftlityfel I, 169). 3<$ bemerfe, 
bafj ber SBeridjt ber bttnbtföen ©tabieboten Dom 2. 3uli, beffen djcerjrt 
Ältttfel 6. 171 mitteilt, längft bon $ati 6. 520 ff. in extenso jmbli- 
cirt ift. 

* ®ott 828. $)ie stelle fte$t in bem bon $att aufs neue beröffent* 
lidjten ftftbtif<$en ^rotofofl, auf »eld&eS man bisher für ftenntntjj ber »ormfer 
SJer^anblungen faft au8fa)ltef$K<$ angetoiefen mar. 5)ie nadlet ettoä&nte 
Suftimmung ber ©täbte $u allen Steilen ber Reform cbenbaf. 842. 

3 $afs bie „Drbnung" bon SRainj unb einer, fpäter ju ertoä^nenbeit, 
Deputation fo entworfen fei, tote fie am 29. Vpril beriefen nmrbe, fagt bei 
biefer (Gelegenheit ber »ttrjburg. töeid&StagSgefanbte. SBürjb. 3tr<$ib. <£g ift 
nur tyeiltoeiS richtig, toenn bie Orbnung f)ie unb ba als au§ ber $orbe« 
ratyung ber Äurfürften $erborgegangen bejeid&net wirb. 

4 %uö) an ber 9te$nungSabtegung beS ^Regiments fottten bie ©täbte 
ja regelmäßig tljeilnefjmen. 3n 2BoTm§ fafjen tyre Vertreter au$ in bm 
«uSfd&üffen. 



845 



futb bie Hergänge tyeitroei* nur berftänblity burdj ©rlenntnifj 
i^rer ®enefi$. 3a, bätte i<$ mit m$t gemattet, einige nrid&tigere 
Sßunfte emleitenb )u erläutern, müfcte i$, bei betn Mangel 
au$ nur be$ 8Serfu<$8 einer StarfteHung, auf bie i$ meine 
Sefer Dertoeifen fönnte, bei ber im Stammen biefeä äöerte notfc 
roenbigen 83ef$rän!img, an ber 2Rögli<$!eit einer treuen ©fijje 
gerabeju toerjtoeifeln. 

SJier SBod^en toaren fcerfloffen feit jenem (Eröffnungstag 
unb man fear nod) auf bemfelben gledf. £rofc aller 83e* 
mityungen, 1 bie ge^lenben gerbet juf Raffen, n>ar ber Sftei<fy&tag 
110$ immer in tyofcem Orabe lücfenbaft. gür bie Steformpartei 
toar bad infofem fein SRa^tbeil, alö fie baburcfc 3 eit gewann, 
tyren ßnttoärfen in aller ©tiHe immer me^r greunbe ju ge* 
toinnen. SSergebenS toar ber &önig, bem, feit er t>om 2Jbf<$lufe 
ber Stga t>on SBenebig toufjte, ber ©oben unter ben gü&en 
brannte, befliffen getoefen, in immer neuer ©eftalt, mit immer 
neuen SRottoen fein Verlangen na<$ foforttger Ärieg8$ülfe ben 
©täuben and £erj ju legen. £ro| ber äfotoefenbeit ber 83ot* 
f^aften Heiner italiemf$er 9tei$3ftänbe, tro| be3 auftreten« 
einer @efanbtf$aft beS vertriebenen ßönigfc Don Neapel, tro| 
ber biplomatifc^en ttnterftttyung feiner neuen SBunbeSgenoffen 
blieben bie ©täube bei i^rem erften 2Bort. SKur toenn ein be* 
Ränbiger griebe, ©eric&t unb Orbnung aufgeri^tet toerbe, fei 
ba$ 9tei<$ jur Seiftung einer bauernben ÄriegS^ülfe im ©taube, 
3a jener ©ejie^ung toar man injtoifäen nid^t müftfg geblieben. 
9to$bem SDtayimilian in feiner (Srttriberung auf bie erfte Gr« 
flärung ber ©täube im allgemeinen fi<$ bereit erflärt, jur 216= 

t SÜbtedjt bon SBaiern, ber am 5. SÖtärj tont Äöntg noäjmalS 
geloben »ar, Ratten am 4. Styril bie toter r^einiföen ßurfttrfien bringettb 
jum SBefuä} beS XagS aufgeforbert 6t fdjlug c§ auf ftaty feines «trjtcö, 
Steiftet #an& t>on ©Bringen, ab. SBaier. ©taatS-Hrd&ito. Otto bon SBaiern 
traf erft am 15. 9Jtoi ein. (Sdjjr. ber töäi&e Öeorg« t>om 16. 9Rai.) 9toä) 
am 9. 2Rai bringt ber fturfurft öon ber $fal) in Äeorg perfönliä) git er- 
föeineiu SBaier. 6taat§»fcrdjto. 9tuä) bie Äötlje betonen imeber$olt bie 
% : ottyoenbigfeit biefeS (£nt|ä)luffe§. 



346 



ftettung ber @ebre$en beä 9tei$$ bie £anb ju bieten, tonten 
bie Äurfurften junä^fl unter einanbet übet bie nötigen 8te* 
formen ins SSeme&men getreten unb Ratten bann jur SBeratyung 
über einen bon ifcnen aufgehellten 6nttt>urf al* Vertreter be3 
gürftenftanbS SRarfgraf §riebri<$ t>on öranbenburg, ben SJifäof 
bon 6&ur,. ®raf (Sberfcarb ton SBirtenberg unb bon gemeiner 
©rafen roegen ben ©rafen £aug bon Sßerbenberg jugejogen. 1 
SRad&bem abermals am 25. Sfyril bie ©täube e£ boBtommen 
prücfgeuriefen Ratten/ 2 }ur ^älfe be* angeblich bebrofyen Sßapfte* 
einige taufenb SRanri fofort bem Äönig als ©firmer ber ftir$e 
ju bewilligen, unb i&re ftebingung aufs neue formulirt Ratten, 
tarn eS an einem ;ber folgenben SEage ju einer erßen 8bu 
uä&erung ber beiben ©tantymnfte. äRajtimttian begreifenb, 
ba& er auf bem biäberigen 8Bege nid&t jum 3* e * gelangen 
toürbe, latn ben ©täuben entgegen. Sil* bie Äurfürften bie 
injirifd^en bon bem 3lu£f$u& gutgeheißenen %t>etn ber Reform 
bem Äöntg am 27. äprü bördelten, er Härte ber ledere feine 
öereittmttigfeit, bo$ borbe$aÜti<$ feiner eigenen obrigfeitli$en 
©etoalt. 3 

S)abur$ toax bie 83a$n frei. ©$on am 28. SfyrU trat 
nun ber Äurfürfi bon üRaing in ber 9tei$$berfammlung mit 



i Xie SRitglieber biefeS HuSfdjuffeS nad) ber Don $)att abtoeid&enben 
gifte be£ 3Beri<$t3 ber Wfitye ©eorg§ Dom SO. Bpril. SBaier. 6taat&*Vr$i*. 
S)ie ©teile bei Statt 6. 830, XXV .oerfteie ia), toa* bie (Hnjefcung btS 
*u8fä)uffe8 betrifft, nid>t Don ben jüngft toerftoffenen Sagen, jonbern Don 
einet ettoa* »euer gutüdliegenben SBergangen^eit. SQBenigftenS ift ber SfaS* 
fcj&ufe fäon am 13. fljml in Sunction getoefen, ba $ert$olb an biefem Sag 
ben neu angefomtnenen ttürjburgifdjen Äätyen ertlärte, e8 fei ein StuSfdjuf; 
gut Vorarbeit bcS $eid)§tagg bejmtitt, um abjufteflen, nrie bisher im ttei$ 
aufgelegt fei olme Stuften ju fäaffen, aua) gu beraten übet beftfinbigen 
Stieben, Geriet u. f. m. äBntjb. Ht*to. 

2 £abet tritt im nürgb. ®eri($t neben $eri$olb von SWaini au* ber 
tiurfürft oon Saaten (etoot. 

3 Sie Qefanbten Qeotg* am $finjtag nad) Qaaaimodo (Ipril 90). 
»aier. 6taatS**to)iü. £att 831. $>er baier. $mä)t $ebt ben Borbefrolt 
nia)t au&brücflidf) $en>or. 



347 



feinem $I<m, ber bis jur ©tunbe ben ftäbtif^en äbgeorbneten 
verborgen geblieben mar, fcerbor. S)o<$ e$e er fein Sintere* 
erf$lofj, mußten alle antoefenben ©täube fotoie bie Sotföaften 
nnb ©efc^itften ber ferngebliebenen bur<$ ^anbfd^lag jur 88er* 
f$»iegen$eit über bie SSer&anbfangen $injt$tli<& biefe* @egen> 
ßanbeS fi<$ berpfli<$ten, 9tor tyren Auftraggebern fottten bie 
$oten ^reiben Mirfen, toobei elfteren toieber ®e&etm$altung 
anempfohlen mürbe. £)a3 mar leine Steuerung. @$an 1487 
unb 1489 mar ba$ Sfotttge^eimniB für bie SSerfymbluugen 
oor bem 83ef$Iufe proclamirt toorben. 1 ©runbfalfc^ ift bie 
Annahme, al$ ob fvftematif^ ben ungenügenb inf ormirten untern 
©täuben ber ©ad fcätte übern Äopf geworfen »erben foilen. 
Sfod> in unferm gaH, mo man ©e^eim&aftuug proclamirte unb 
barum leine föriftlu^en (Kopien be£ ßntnmrfs ausgab, warb 
au$torüctti<$ erllärt, bafe bie ©otftyaften ji<$ in ber tnainjer 
Äanjlei benfelben normal* oorlefen Iaffen tonnten. %üx bie 
SGadjmelt freiließ ift au« biefem Vorgeben infofern ein ©djaben 
ermadrfen, afe bie Meinung fid^ gebübet ^at, bie au« ber ©r* 
innerung gemalte 3tufjei$nung ber ©ef^uften enthalte ein 
anberes ober meniger oottfiänbige* Sßroject, al* ber ausgeführte 
(Bnttmirf aufmeift. $)em ift ni$t fo. »ert&olb* Sßlan lag f$on 
am 28. fertig bor/* menn au<$ bie in ft$ gefd^loffene 9Bu$t 



1 3m lefctem §atte ^anbelle cS fia) um bie $5§e beS *nf<$lag§, 
»eldje gatt) ria)tig ben Seinöen verborgen gehalten »erben fofltc. Sanften, 
ftei^Scon. H, 536, f. 464 ff. 486. 491. 6. oben 6. 843 «um. 2. 

^ S)a* toaS bie Siftbteboten juerft naä) §aufe fanbten (5)att 830) ift 
nur ber ftieberfölag beS eben Bngefcörten, »orauf fä)on bie inbirecte Siebe 
bfttte Jinfttyren foflen, in »eM&er biefer angebli$ erfte Gntmurf (»ante 1, 78 
tUtm. 1) abgefaßt ifL $arau& erHären ft$ auä) etwaige %bu>ei$ungen öon 
bem in extenso »orüegenben dntttwrf (Statt 636 ff.) a!8 blofee 9Rifst>erftänb- 
nifje. 2)eim au$ bie (Sefanbten QeorgB berieten juerfl am 80. Styril barüber 
na$ einmaligem Bnftftren man$eS 9Kifcberf!anblia}e. S3ieUeict)t ift au^ am 
88. burali ©ertyolb nur bie Ouinteffeng betannt gegeben n»rben. Denn bie 
Qefanbten fileoigS gelten ben am 29. üerlefenen ßnttourf für biet ausfuhr« 
lufcer, «taf aHe gÄüe fatwi id& ntyt glauben, baft ba§ toaS bei Satt 830 
fteljt eine anbere (Sntohflungd^afe beS $roicet§ barfteflt. 9hir belegen 



348 



feiner ©ebanfen t>iettei<$t erft am folgenben £ag marinem ber 
Sfomefenben jum SBerftänbnifc !am. 9ta$bem nämlt$ f$on am 
erften Sag fjfürften unb gfirftenboten ben Äurfürften i$r @in* 
üerftänbnifc mit bem (Sntmurf auSgebrüdt Ratten, mit Ausnahme 
ber ©efanbten 3llbre$t$ unb @eorg$ bort SJaiern, mäfcrenb iie 
©täbte junä^fi no<$ tyre Stntmort ^mtenau^ielten (begreiflich, 
ba e$ für fte bie attererjte (Eröffnung mar), war toon Äurfürften 
unb dürften, mit benfelben ausnahmen, bie ßufage gef^etyen, 
bem Äönig ba3 (Selb für 3000 3Rann auf brei SWonate §ur 
Rettung be3 SßapfteS ju bemilligen. $>er ©olb foHte geleitet 
merben bon bem Slnf^lag be3 ©efoeS, ber biet no<$ gef<$e$en 
mürbe. SSorfic^tig Ratten bie Äurfürften in tyrer SPropofition 
^injugefügt, ba& bie £ülfeöermittigung nur §anb in £anb 
getyen folle mit ber ©emä^rung griebenfc unb Stents bur<$ 
ben Äönig. 1 äRan fefcte fomit bem SSorbe^alt bejfelben einen 
anbem eigenen entgegen: ba$ Spiel ma$t ben @inbrucf, al* 
ob eine Belagerung öon beiben feilen na<$ allen Siegeln ber 
Äunft ausgeführt mürbe. 9io<$ fonnte man ni<$t miffen, mer 
©ieger bleiben mürbe in biefem Slingen. 9ta$bem alfo ba* 
brennenbfie SSebürfnife ber äußeren ?ßolitif befriebigt mar, tonnte 
man am 29. Slpril jur erften bottfiänbigen SSerlefung ber „Drb* 
nung" übergeben, bie bie 3Mobalitäten eine* fiänbiföen 8tet#3* 
ratys enthielt, mä^renb e3 gleicfoeitig befannt mürbe, 2 bafc 
feiten* ber Äurfürften au$ f<$on ©ntmürfe für triebe unb 
@eri<$t aufgehellt feien. ©ieSmal maren einige 3lbf<$riften bor« 



fte^t im ftäbti^en $rototofl ber außfü$rli($e Entwurf an relatto jo foter 
©teile, toeil aud) na$ bem 29. Styril bie ©ejanbten niü^t fofort ftd^ eine 
9l6förift jur §eimfenbung flu öerföaffen ttmfcien. $)en (Befanbten QeorgS 
ging eß gerabe fo. Slber fte fore<$en in tyren {Berieten bom SO. Stylit imb 
öom 9. SRat fteiS nur bon einem für fttrfttidfren fftatl>|d)lag, beflen oon tynen 
in beiben (am 4. 9Rai mar ber ßntourf wieber in pleno t>er$anbelt toorbra) 
SBeriityien jerglieberte ©ubfianj ein genauer $u8gug be§ gebrudten auß» 
füf>rli$en GntourfS {<£>att 886) ift. 

i £ie ©efanbten @eorg§ am 30. 2tyrü unb bie »ürjb. ®ert$te. 

* 9hi$ bieg na$ obigem 9eria)t öom 30. Kpril 



349 



bereitet/ um ben (gSiitjelberatyuttgen ber ©tänbe be$uf$ ber 
SBerbefferung be* (SnttourfS eine fid&erere Orunblage ju geben. 
6* i[t unerläfjU<$, nunmehr uns mit ben ßauptgebanlen 
biefer „Orbnung" belannt §u mad&en. 2luf eine $eriobe, beren 
Sänge unbeftimmt gelaffen, aber offenbar gletcfc gebaut toar 
mit ber be* als betpiDigt t>orau$gefe|ten 8tei$8anfd(>Iag*, foUte 
ein 9iei$£ratb mit ber gefammten Sfteid&Sregierung betraut 
merben. (Sine bauernbe, toenn glei# nid&t untt)iberrufltd&e, 
Snftitution foUte gefd&affen toerben, beftimmt bie Functionen 
be$ bur$ ßrieg an^altenb entfernten Äitaig* Iraft feiner S3e* 
ttrilligung ju übernehmen. ©er 8teidS[Sraty fcatte au«f$Ue&ttdfr 
baS 3te^t, innerhalb feiner ßompetetij unter be8 flönigS tarnen 
unb Siegel SBefe^Ie suerlajfen, fo baft in anberer §orm im 
Stauten be$ Äönig* ausgegangene Sefeble öon toornfcerein ungültig 
fein foDten* Sie Sefugnife erftrecfte fid& auf SBabrung bon 
griebe unb örbmmg, 33oHjie$ung ber Urteile be* flammet- 
gerid&tS, SSertoaltung unb Verausgabung ber gefammten 3tei$$* 
einnahmen, Sorge für 2Bieber$eranjte$ung abgetrennter 3teid&& 
gebiete, Unterflfifcung ber ge&orfamen 3tetd&Sange$örigen gegen 
leben auswärtigen Angriff, ftürforge für bie SBaffenfäfcigleit 
be$ 9tei$3, Aufteilung ber Unterbauptleute, annähme unb 93e= 
jatylung ber ©ßlbner. Äurj, bem Äönig berblieb, ba obenbrein 
ba* 3fo8fpredj>en ber 2l$t bem an bem gleiten Ort mit bem 
Äeid&$rat& poftirten ßantmergericfct jugenriefen merben foUte, 
nur baS ffi&renborred&t ber Stanbe£er$ö$ung, bie formelle ©r* 
Teilung ber großen gafcnenletyen unb bie oberfxe ßriegSfüfcruug. 
©o<$ foüte toeber ber Äfintg no<$ ein anberer 9tei$&ftanb o$ne 
SBBtffen unb SSiKen be« 9tei$8ratfy& ßrieg anfangen, no<$ audb 
©üubniffe ober ßtnungen mit fremben Stationen fd&liefeen, bie 

i 6e$£ für bie Äurfürften, eine für bie geißltdjen, eine für bie welt- 
lichen Surften. SBer. t>. 30. Styril. (Sine Sepatatabj^rift jum einliefen an 
i&ren §errn Ionnten bie ©ejanbten ÄeorgS au<$ ietft niä)t erhalten. 6rft 
am 22. 9Rai waren ftc fo glüdlidj. Die mtty 9Ubrea)tS t>on 3Rüm$en erft 
am 23. 



350 



bem Sfteid) nad&tbeilig fein fßnnten. liebet gfirftentbfimer ober 
größere (Sraffd&aften, bie bem 9tei<$ ^etmflelen, burfte ber Äönig, 
na<$ bem erneut eingeschärften alten S3raud&, nur mit ©ettritfc 
gung ber Äurfürften verfügen. Sfaffattenbertoeife refertrirten 
)\6) leitete au<$ ba« 9led?t, gemeinf am mit bem Äönig über 
neue 9teu$«abgaben ju befd(>tteßen, fohrie Aber (Srtyöbung, Ver- 
legung ober älenberung ber 3öffe. <8nbli<$ fottten bie Äur* 
fürften au$ jäbrlidfc einmal $u benimmt er geit in corpore am 
@ifc be« 9teicty«ratb« jufammentreten, um nad? bem Siebten ju 
feben unb „tapfere Dinge" mit entfd&eiben p Reifen, lieber* 
baupt tt>ar ber 9teid(j«raty angetoiefen, beim SSorfomnten „merk 
lu$er ®a$en" fi$ na$ bem einjubolenben Sftatb ber fe<$« Äur* 
ffirfien ju rieten: nur in befonber« fd&toierigeu gragen toar 
außerbem bie Berufung an ben Äönig unb gefammte <Rei$«* 
ftänbe fcorgefeben. <S« roav llar, baß Ie|tere bie 3fo«nabme 
bleiben feilte, ebenfo tüte e« 3tu«nabme toar, baß bem Äönig, 
fall« er ettoa brei £agereifen toon granlfurt * im 9tetd& ft$ 
aufhielte, bie Sefugniß juftanb, ben 5fteid&«ratb an feinen £of 
ju berufen unb tner gemäß ber Orbnung fungiren ju laffen. 

Unb nun fear bie gufammenfefcung unb ber ©ef$äft£gang 
biefe« 9teid(j«ratb« anä) außerbem ber Strt, baß ben Äurffirflen 
ein bebeutenbe« 1lebergett>i<§t eingeräumt mar. @r bejtanb au« 
fiebgebn äftitgliebern. ©er Äönig ernannte ben Sßräfibenten, 
jcber ber fe<$« Äurfürften einen SSertreter, trier follten fcer&or* 
geben au* bem »ereieb ber er jbif<$öfli<$en ©iöcefen SWagbeburg, 
©aljburg unb 2tquüeja, 53efan§on unb 89remett4BejlfaIen, t>ier 
aus ben Äreifen SRieberlanbe, granfett, Saiem, ©d&toaben, einer 
au« ben %xeu unb einer au« ben 9ftei$3ftöbten. 9lur ber 
?ßräfibent unb bie furfürftltd&en Vertreter foHten im gall be« 
Abgang« fcon tyren SKanbataren erfegt »erben : beim 3lu«f<$eiben 
eine« ber übrigen gel)n SBitglieber erfolgte bie ©rgänjung bur# 
©elbficooptation be« 5Rei$Sratb«, ber bei ber Äu«n)a^l an bie 

i gier foflte ber Sty be« 9iei$3raty3 fein. 



351 



gerobe Dermaiften Sßrototnjen gebunben fear. Sei ber erften 
Einrichtung foEten bie jefcn Vertreter ber legten Äategorie 
ntd^t cttoa toon ben ©täuben ber gebilbeten Äreife geteilt, 
fonbern Dorn Sfleid^Mag mäfcrenb feine« jefcigen gufaminenfeinä 
beftimmt merben. S)ie geiftlic&en $rotrin)en, fo ^iefe e£, feien 
eingerichtet, nnt bie Simulation ber SanbeSgrenjen ju öer* 
meiben: e$ brause in benfelben ni$t etma ein ©eifilid^er ge* 
toäblt ju werben; 1 in ben Areifen ffinne man bie 3Ba$l ni$t 
ben totel ju jablret<$en ßaube^erten iiberlaff en, mel$e ft<$ Aber 
bie ?ßerfon nid^t mürben Dergleichen tonnen. 2 3>ie in biefen 
9iei$3ra$ aufgenotnntenen äHänner foHten, öon jeber anbem 
$fii$t entbunbeu, nur bem König unb 3teid& eiblicfc fi$ öer* 
pflügten, o&ne ©unft unb ®äbt tyreS 9Imte£ ju märten. Sieben 
ben fiebje&n foHte no<$ bauemb in toierteIjä$rU<$em 2Be<$fel 
ein Äurfürft in $erfon beim SRei$*raty fi<$ aufhalten. £>a$ 
©eifpiel fcon 1521 jeigt, ba& biefer ben fßmglidjen tßräfibenten 
ber minbeßenä ein gfreiberr fein foüte, leidet in ben ©djatten 
gebellt fraben mürbe. 

Ob biefe Regierung ben ifyx geseilten Aufgaben $ätte genügen 
tonnen, märe auf bie Sßrobe angekommen: beflimmenber unb 
träfttger als ber »unbefttag ber $eriobe 1814—1866 märe fie 
ftdjer gemefen. Slber man barf fi$ feinen Sugenblid t>er$efclen, 
bafc ber (Sntmurf eine faum toer&fittte Slbbantung be$ fi&nig; 
tyum* ju ©unfien ber baffelbe langfam übermu^ernben ftän* 
bif^en Oemalten intoofoirte. Unb im Areife ber festeren Ratten 
unjmeifefyaft bie Urheber beS $Ian3, bie Äurfürften, jt<$, mie 
e3 aHerbingS bie gef<$i$tlt$e (Sntmtdlung als unbermeibtt<$ 
t>orjujei<$nen faxten, ben Sömenanttyeil öormeggenommen. 9li$t 

1 ®a8 füllte ben Stfibten jur SBeru^igung bienen, bie gegen ben (Sin* 
tritt $eiftttc$er in ben Beitrat* waten. £>att 842. 

2 So tmrcb ber Qebanfe be§ Entwurfs am 4. 9Rai befonberS gegen 
(ftmoenbungen tum baieriföet unb $efftf$er Bdtt bettyeibigt, refo. erläutert. 
9tari$t ber gefanbten $eorg§ dorn ©am§tog öor Jubilate (9. SKai). ©aier. 
@iaat3-tfo$fo. 



352 



mit Unre$t ^rieben qleify am 30. Wpxü bie ©efanbteu ©eorg« 
t>on SJaiern * SanbS&ut an ifcren £errn, bog tyreS Sebflnten* 
ji<$ bie ßurfürfien in bem ^roject „biel Öbrigteit unb 8ta$t 
}ugeeignet" Ratten, unb erflärten $inft$tli($ ber beliebten SM 
ber ©rgänjung beS 3teu$*rat£S, baS bünfe tynen ber ©abläge 
ua<$ „gar ungleid^". 2Jtan trßjiete fi$ bamit, bafi ja nur ein 
(Entwurf vorliege, ber mand&er SBerbefferung fä$tg fei aber 
eS ift $arafteriflif<$ für ben Swang ber SBer^&ltmffe unb ben 
3ug ber Oeifier, ba& biefeI6en ©efanbten, obwohl tynen bie, 
wie wir fe^en werben, entgegenftefcenbe Slnft<$t ifcre« £erro 
nid^t unbefannt mar, wiebertyott freimütig unb bringenb tyrem 
©ebieter gegenüber bie ßeilfamfeit unb Sftotfcwenbigfeit einer 
derartigen Wirffamen SRetc&Sorbnung $erbor§u$eben jt$ nid^t 
entfölagen tonnten« l 2>a3 ©efflfcl mar eben bamal* allgemein, 
bafe eine weife ©efdjränfung territorialer ®elbfi$errli<$!eit un* 
umgängli<$ märe, falls naä) innen wie na<$ äugen ba$ 
aSaterlanb gebetyen fottte. S)a$er fanben auäf im fftrfUi$en 
ßoHegium bie ©ebanfen beS Steid&SerjfanjlerÄ raf$e guftimmung. 
Wlan münzte jwar aUerfymb „SWäfeigungen", Don benen bie 
mi$tigfte bie SKejtitution ber Stellung be* gemeinen 8tet$$tag3 
als auflagenbewiHigenben ÄötyerS getoefen ju fein f^eint; |ebo$ 
fcaben bereits am 4. 2Rai geiftlid&e wie WeltlW&e gürfien fafi 
einmütig ben 33orf$lag ft$ gefallen laffeti. 2 Snbeffen war 
bamit no$ ni$t8 enifäieben. @8 tarnen fortwffl&renb no<$ 

i Wnatag na* C an täte (21. 3Jtai) (^rieben fie, bafc ftattli^et SiMber. 
ftanb gegen beS tReic^S geinbe nia)t möglidj fei, „e3 »erbe bann ein georbtenS 
mejen, au* am anberS unb pefferS regiment bann bifter getoefen ift beS 
romifajen rei<$§ furgenommen". 9foa) ftriebe unb 9te<$tS*ott|ug feien aflein 
möglid) „bura) gut regtment eines georbneien toefenS". 6$on €>am8tag 
oor Cantate (16. <Dki) finbet ft* in iljrem SBrief bie (grflärung, ba& fte 
eine gute 9ieiä)§orbnung angeftä)t& bei ferneren Saufe für nötfctg gelten. 
SBaier. ©taatS.«r<&ib. 

* $ie (Befanbten ©eorgS am 9. SRai. (Sbenba ba§ im %t%l fterw- 
ge^obene Vmenbeinent ertoäljnt. 3m ungemeinen Reifet eß, bafc fta} bie 
Surften „mit etlicher toenigen enberung unb fleinen jufetjen" bie €oä)e 
t)ütUn n)o$(gefatten laffen. 



353 



3>ta#jügler an, bereu 3nformirung bie ©eföäfte toerjögerte* 
äu<& im Äreife ber Äurfürften felber fehlte e* ^inftc^tlid^ ber 
&bdnberung$borf<$läge ni$t an SReinungSberf #ieben&eiten ; um 
ma$ es ft<$ babei frmbelte, ifi nnbefannt. * 2)afe bie ©täbte 
fid^ fügen mürben, mar t>on born^erein aufeer $rage: eine be* 
flimmte ßrflärung tyrer Söoten ifi aUerbingS erft t>om 29. 3Jtai 
fiberliefert. 2 Unter . ben ©täuben maren es fomit bor jüg» 
Iva) einige, nur bur<$ tyre Qefanbten vertretene Angehörige 
be$ gürftenftonbS, bie au£ particulariftif<$en ©rünben Dppo- 
fttion matten. 8Kä $auptgegner erföeint ber #erjog ©eorg 
oon 83aienu2anb*$ut, ber f$on am 8. SRai feinem Setter 
SUbred&t bon 3Rün$en erltörte, er fei ni$t für bie borge» 
f$iagene „Orbmmg", bur<$ toel$e bie Saiern fcon einanber 
gebrängt merben mürben unb bie Äurfürften als sperren fcabeu 
müfeten. 3 ©o toeit, mie ©eorg münföte, ging nun Sllbredjt 
nu$t: feine ©efanbten Ratten Auftrag, in ba$, mad t>on ber 
Serfammlung einhellig ober mit Stfiefyrtjeit befölojfen mürbe, 
nur bann ju miliigen, menn aud> ber ÄGntg jugeftimmt fcätte. 4 
86er bamatö mar bereitö borauäjufefcen, bafe ba* nimmer ge* 
f$e£en mürbe. ©er britte SBitteI$ba<$er $erjog Otto bon 5Reu- 
marlt, ber erft -Kitte SRai eintraf, ftiefe in ein £orn mit feinen 
Settern, beren 3ntereffen au<$ ber Äurfürjl Sß&tfipp Don ber 
$fal} )u bertreten berfpro<$en fcatte. 5 3Ba$rf$emli$ gehörte 

i ©ejanbte ©eorg« am 9. u. 16* 9Wai. 

* $>att 6. 842. 

9 Georg an ?Ubreä)t Sreitag naä) Misericordia 1495. @r Ijatie feinen 
Stfityen befohlen, nur (tnter fiä) au bringen, unb er nrnnföte gemeinsames ®or» 
aeljm ber brei Skiern unb beS $falagrafen, in bem Sinn, fi$ ju nia)ts gu 
»crpflia^ten, bis fie n a 4 bem 9iei$3tag perfönliä) sufammenlommen lönnten. 
fJaiet. 6taat8-ttrc$ifc. 

4 Kuä) t>on Ueberna(me beS %mt* beS #ammerriä)terS wollte tUbregt 
ni^tS toiffen. 2>af$ man an tyn badete, {abrieb i&m ßttjenfcofen, SttormS 
grrtitag t»or $fing{len. gtaier. 6iaatS*ara)to. 

5 Sie ttfttfte ©eorgS am 16. 9Bai. $afc etlid&e ffurfürften ni($t ju 
öiei (Befallen! an ber 6aä)e (litten, berieten aufier ben fttityen QeorgS anä> 

U l m a n n , ftaifev HRajlmUian. I. 23 






354 



biefer einflufcreid?e gürji überhaupt ni$t ju ben mannen 8fo* 
fycingem ber Sßläne SertfcolbS. SRufcte bo# ber permanente 
MeitySxati) feinen althergebrachten 8Sicariat3re<$ten int §aß ber 
königlichen Slbtoefentyeit 8Sföbru$ t£un! SBteUetc^t fpri$t eine 
bittere ©rfa&rung aus ben oben (©. 398) citirten Starten 
©ert^olbS, mona^ bur<$ ba3 SBiberftreben ober audj> fd&on 
burd) ba3 blofee 9(tt<$tmitt$un be$ Sßfaljgrafeu jeglicher $erfu$ 
eine« gortf<$ritt8 jum ©Reitern berurtfceilt fei. 6tma$ ©e* 
ftimmteS über feine Stellung ju bem Sßroject ber „Drbnung" 
iji freiließ nid^t befannt. 5Rur im gürftencoHeg tyßrt man ba$er 
t>on offener Dppofttion ber brei baierifd&en £ergoge, b^en ft$ 
no$ ber jüngere Sanbgraf fcon Reffen anfd&lofj. * S)iefe er* 
Harten jum SSerbrufe ber eifrigen görberer ber Angelegenheit, 
fie öermö$ten ni<$t fid) einjutaffen, ba fte be3 ÄönigS unb ber 
Äurfürften ©ntfd&lufc nid^t fennten. — ^auptgegner toar unb blieb 
naturgemäß ber Äönig, melier, nad^bem er 3Ritt$eilung t>on bem 
©ntttmrf unb ben SlbänberungSborfd^Iägen erhalten, ft<$, toenig* 
jienS officicO, in unberbrü$li$e$ ©d&toeigen füllte. 6r $atte beim 
(gingang ber Verätzungen feine Dbrigleit vorbehalten toiffen 
wollen: tt>o aber fanb biefe eine ©tefle in bem furfürfllidfren 
©ntnmrf ? 3ftm fear e$ gleichgültig, baß lefcterer ober ein ana- 
loger SSorfd^lag allein im ©tanbe geroefen toäre, au$ eigener 
Äraft §erau3 bie auSeinanberfaDenben SBeflanbtyeile be8 9tei$& 
§ur @in$eit jufammen jubinben : toenn man jt<$, toie e8 Wtagu 
milian unjtoeifel&aft fd^on t$at, S)eutf<$lanb als ein blofje* 
2ln$ängfel beS jur 2Mtma<$t ftrebenben ^aufe^ ^abdburg- 

bie 9Kbredjt& in bem in folg. $fom. angeführten 93ertdj>te. <ßfalj f)at be* 
fanntlid) nad^er ben Hbfäieb, obtoo$l o§ne SReio^Sraty, nid&t angenommen. 
$afe er gegen jebe 93eeinträo}tigung feines SSicoriotS protcfHrt fcatte, melben 
be§ ^erjogS töfttlje SöormS ©t. SßeierStag (e§ tatin nur S. P. ad vincnl^ 
^CttQuft 1, gemeint fein). Staier« <Staat8»9lrd&iü. 

i 20. b. Styeim unb @. t>. (Sijfenfjofen an Wbrec^t öon 3KUn$en Samd- 
tog bor vocem jocimd. (3ftai 23). $a§ ftnb bie wenigen, meiere nac& 
59ert^oIbS SUufcerung bem ßrieben, bem tRe$t unb ber Orbnung „nriber* 
ttörtig" feien, tofi&renb bie <öief)rja$l geneigt fei. ®aü 848. 



355 



Oejlerrei<$ aorfieHte, mußte ba8 lofc Sftebeneinanber Meiner 
Sßarticularftaaten toortyeityafter erfreuten als eine jlänbif<$e 
©efammtregierung. ©in britteS aber gab e$ für unfer 33ater= 
lanb bamate ntd&t. ©8 blieb nur bie SBatyl }tt>if<$en ber 
arifiofratife^en 3Wonar<$ie 8ert$olb3 unb ber . . . gretnb* 
$errf$aft fei es eine» granj I. ober eine« Äarl V. 8ft e3 
bo<$ notorifd), bafc nad) 3RayimilianS £ob {ein beutfd&er fjflrft 
jt$ ftarf genug füllte, ununterjififct bur<$ bie jefct ganj 
territorialen @eft<$t8punften Verfallenen ©enoffen, bie 33ürbe 
biefer Ärone auf ft<$ ju nehmen! S)a$ barf man ni<$t 
aufeer 9Ufyt [äffen, toenn man ni$t au* nationalem @ifer 
gegen jene ftänbifd&en Sieformer fcon 1495 ungere<$t roeu 
ben n>ia. 

9Rayimilian alfo gab. über bie brennenbe £age3frage jtoei 
SRonate lang leine Sleufjerung ai unb ermutigte babur<$ au<$ 
bie ftänbif<$en 2Biberfa$er, jt<§ bafcinter ju üerftedfen, bafj man 
be$ ÄönigS SDtemung no<$ nic^t fenne. dagegen beflürmte er 
ben 9tet$3tag forttoctyrenb mit feinem Verlangen eilenber #ülfe. 
Shn 14. 9Rai erfd&ien er perfönlidfj toor ber SBerfammlung mit 
ber (Srflärung, bafe bie @efa$r Stauen« feinen ©erjug me^r 
bulbe. Äarl VIII. fei auf bem Sftüdtoeg &on SÄeapel fc^on 
äRontag toor aä)t £agen nad) dtom gelommen, aUe$ in Italien 
aufcer bem „toälfdjjen ©unb" fei i$m jugefaEen, ber ^eilige 
S5ater fd&toebe in ©efatyr. 9ii<$t minber babe ber #erjog üon 
Orleans, toon granfrei<$ aus unauf$örli<$ fcerftärft, ben £erjog 
von SRailanb überwogen. S3on jtoei Seiten bebro^t, müjfe, roenn 
o^ne ^ülfe gelaffen, f<$liefelidf> biefer Se^enSmann beS 9tei<$3 
ft<$ in §ranfrei$* Slrme toerfen, beffen ©influfe baburd) un* 
mittelbar bis an bie ©übgrenje beS SJaterlanbS gerüclt mürbe. 
2>iefe Sodtöne maren ben ©tänben ni<$t me$r neu; obenbrein 
traten beibe behaupteten 3$atfa<$en falf<$: Äarl VIII. tfi erft 
faft eine 2Bo<$e na<$ obiger Sftebe fcon Neapel abgezogen unb 
erft am 1. Quni na<$ SRom gelangt; eine ©efa&r für äRailanb 
befianb auty erft, nad^bem am 10. 3uni Orleans 3ftot>ara über- 



356 



rumpelt fyatte. { Xrofcbem ftaren bie 8Ra$nungeu bieftnal Don 
(Sinbnui 3)ie ©täube bequemten ft<$ ju ber (grfombigung, 
tute aJtoy ft$ bie eilenbe ßulfe beule. ©er Äönig Derlangte 
binnen 6 9Bo$en 150,000 ©ulben, bie leiftoeife in ber »rt 
aufgebraßt toürben, bafj er 50,000, bie ©Mnbe 100,000 bar* 
flretften. ©er betrag fottte ben S)arlei$ern miebererftattet »erben 
Don betn 9faf<$lag, ber in 3Borm8 für baS ganje 8tei<$ pro* 
jectirt aber nod) laum beraten mar. fßov einer fo gefragten 
änticipatton freuten bie ©täube bod> juerft um fo mebr 
gurücf, al$ fie forsteten, toenn 3Jtaj ®elb befäme mürbe ber 
Steicfy&tag o$ne gru#t gertrennt toerben. ©ie meinten ba^er 
Dor 2fafri$tung Don „Drbnung, griebe unb Stedfrt" fönne 
folße £ülfe ni<$t fügliß gef$e$en, 3Way folle bamit Dergie^en, 
btä er ber SSerfammlung feinen 2Men über bie proponirte 
Drbnung ju erlernten gegeben fcätte. SRit foldjer Slnüoort liefe 
fxd> SRay bteSmal nid&t fälligen, aber er tyat einen Schritt 
entgegen, tnbem er er Härte, bie $ülfe bürfe ni$t Derjögert 
toerben, aber eS fönne juglei<$ Don ber Aufrüstung ber Drb* 
nung, Don ^rieben unb 9te<$t ge^anbelt merben „fo bafj eine« 
mit bem anberen juginge". Qefct gingen bie ©täube, $rer SCaftif 
getreu, nur ßug um 3"8 8 U berfa&ren, unter jenem, Dom ftßnig 
nunmehr acceptirten SBorbefyxlt, am 18. äRai auf bie Sfaletye 
ber 150,000 (Bulben eilenber $ülfe ein. 2 aber jte nahmen fu$ 
noö) anbete Oarantien. (Sin fiänbif$er 2Iu£fd>ufe feilte bie 
SBertoaltung ber ©umme in bie £anb nehmen, bamit biefelbe 
nur jmedgemäfe angetoanbt mürbe unb falls, ma3 man bei SRaj 
nur ju gern DorauSf e|te , ber $ug "ißt fiattfcätte, jur Ver- 
fügung ber ©tänbe referDirt bliebe, ©ie Inüpften i$re Settril» 

i ^erriet II, 179 u. 189. SJetgl. Sanuto, Espedizione 383. 

* Die @ef anbten ©eorgö ^fmjtag na$ Cantate (22. 9Hai) ; baS $or- 
Ijerge^enbe über bie Sage fcom 14. MS 16. 9Rai na$ beten 93eric^t oom 
16. 9Rai. S)iefetben wohnten im SrürflencoUeg ben Vorgängen bei, »5(renb 
bie ©täbteboten, beren Delation Bei $atl 832 ff. Vorliegt, erfl na<$ttägK4 
burdj 93ert$olb informtri würben: erflere faffen, bei aller UebereinjHmmung 
im (Skoften, ba$et meWaa) bie fünfte, auf bie e& anfommt, prfieifer. 



357 



Ugung no$ an bie au*brii<fft$e Sebingung, bafc bet Äßnig 
ni$t &om Sage abreibe, biß bie oft genannten Reformen be* 
föloffen feien. 6nbli<$ benufcten fte bie (Gelegenheit, no<$ anbete« 
ju fagen, toa$ fte auf bem ^etjen Ratten, unb in rec^t ft>i|er 
SBeife intern §errn alle feine politif$en ©ünben toorjutyalten. 
SDaS fear, toenn man ftd& ernfUi<$ toerftänbtgen tooKte, nidjt 
fing getyan. 3)enn toenn 3Ray au# in ber greube aber baS 
@ett> anfangt jene Ausfälle f<$toeigenb überfafc, fonnte et ftdfj 
bo$ ni$t enthalten, eine 3Bo<$e fyäter bie SSortoürfe mit 3 in Ten 
jurficfjugeben. SBenn bie SSerfammlung i$re SBeforgnifc ni<$t 
öerf<$tt>iegen $atte, bafe bie eilenbe #ülfe, bie f$on früher oft 
unb olme 9tu|en gegeben fei/ eS &er$mbern möchte, bafe enb* 
gültige 9ef$Ififfe über ben großen 2tnf$lag auf biefem Sag 
gefaxt toerben lönnten, fo toerbat fi$ ber Äönig auf baS 
emfilid^fte fo untoerbiente* SRifetrauen gegen feine Sßerfon, 
fol$e öeleibigungen mit toerbedten SBorten. @r fei ni$t 
fo gefinnt, foI$e3 au<$ nur bem SDUnbejien 1 in ber SSer* 
fammlung jujumeffen o$ne ftt$$attigere ©rünbe als fte 
gegen tyn Ratten. 3um @$Iuß oerfic^erte er inbeffen no<$ 
au&brii<fli$, bafc er jum ausarten bis jur Srlebigung ber 
Reform geneigt fei, auä) nie eS anberS im 6inne gehabt 
fcätte. 

3uglei$ öerfu<$te er no$, entgegen bem eben erft Don tfjm 
fclbft ausgegangenen SBorfi^lag, ben SRobuS ber eilenben £ülfe 
}U anbern. S)af$ er gern no<$ 50,000 ©ulben me$r auflegen 
toollte, um toenigfienS 100,000 fidler ju erhalten, begreift ft<$. 
©a§ er aber jefet bie 3bee ber äfolei&e, mit ber fi<$ bie ©tänbe 



i SRüfler, Beid)8tag8fl&eater unter 3ÜRa£ 323, fat bie ©orte böttig 
miftberßanben. 2Raj $ot ni$t gejagt, bafj er nur bie SBenigften (TOinbefien) 
in ber Serfammlung für föulbig #elt an ben i$m gemalten Vorwürfen, 
$<rt alfo $ier nt$t inbirerf fein SDtüi$d&en an SBertfjolb gefüllt. $ie «den» 
fHWe bei fcatt 834 unb 841. 3m mün^ner StaatS-Hrdjib unb im toürjb. 
2Cr$ta bilben anflöge unb ttnimort ein ®aniti. SBeibe Kopien ergeben 
eingeht* für ben Sinn ni($t unwichtige JBerbefferungen. 



358 



eben einberjlanben erflärt, triebet fallen laffen unb an ifcre 
©teile bie birecte Umtegung ber 150,000 ©ulben auf alle 
9tei<$8unter#anen fegen trollte, geigt, toie ferner mit biefem 
Wann gu toer^anbeln War, beweift aber audj, toie wenig SBor* 
ftettung er $atte Don ber ©d&wterigfeit eines gemeinen Pfennigs, 
beffen Srfcebung man ja eben beriet^ 1 UebrigenS wiefc man 
feitenS ber ©tänbe ben ©ebanfen o$ne weiteres gurüdE, fc^idEte 
fi(§ aber nun in ber ££at an, bie @r$ebung ber ben>iQigten 
#ülfe gu organifiren. $ier geigte fidj noö) ein <$arafteriftifd&er 
Unterfd&teb. 2In fi<$ waren alle ©tänbe einig, ben ffrangofen 
Sßiberjtanb gu leifien. 2Bä£renb aber bie oberen fid? gur als* 
balbigen 3 a ^ u ^8 rüjieten unb bamit in ben uäd&fien 98o<$en 
wenigjlenS einen Anfang matten, fo bafc biß gum 26. 3uni 
6000 Oulben eingegangen traten, rührten ft<$ bie ©täbte in 

m 

leinet SBeife. Sie beftanben auf tyrem ©<$ein, b. $• fte ber* 
langten, bafj baS bewilligte ©elb ni<$t aus ber $anb gegeben 
werben foQte, bis Sftedjt, griebe unb Orbnung befd&loffen mären. 
3^rem red^nenben ©inn wiberflrebte wo$I ber ÜRobuS einer 
Slnlei^e auf eine noö) gar ni$t bewilligte ©teuer. 2 Umfonfl 
^atte f$on am 1. 3unt ber 6rgbif<$of toon SDtaing auf bie 
ä$erantwortli$leit einer SSergögerung bei fo ferneren Saufen 
tyingewiefen, umfonft nad^brfidlid^ batoor gewarnt bei bem JWnig 
nid)t ben ©tauben gu erregen, als ob man tyn mit ber &ülfe 
pfänben wolle: 3 bie ©täbteboten gelten fieif an ifcrer 91nftd?t 

t SJergl. (Sot^em: 2) er gemeine Pfennig auf bem 8teiä)§tag in 2Borin3 
<S. 13 f. 

2 Stiegen bod) au<$ bie ftätye 9tlbreä)t3 toon SBaiern intern §errn ab, 
für bie auf i$n entfallenbe Ouoie bon 1200 ©ulben bem Äönig auf beffen 
Verlangen fofort 200 Seifige auf btei SRonate ju fteflen. 2Ran toifje ja I 
nidjt, toaS bei Einbringung bet lleinen #ülfe no$ ^alpren fönne. %fo<$ fei 
bet grofce $nfä)lag, bon bem jene imeberentridjtet »erben fofle, ja tu>dj gar 
niä)t benrifligt SBormS Etontag in ^ftngflfetern (3uni 8). »aier. ©taats* 

3 $att 844 f. %m 2)ien8tag naä) Exaadi (3uni 2) melben bem 
Äurfürflen bon SBranbenburg feine fRät^e in SBormS, bafe bie Weine fcttlfe 
t)euie bewilligt fei unb fofort bejaht toerben fofle. SBerlin. ©taat9**r$tb. j 



359 



feft JBier bon ben fe$ö 3Bo<$en ttmren fo toerftrtd&en, obmofyl 
bte SMeinung geU>efen mar (fo behauptete man toenigfienS je$t), 
bog bie 9ta$egefeffenen atebalb baä (Selb hätten aufbringen 
fotten. 5Ro$ am 25. Quni gelten bie ©täbteboten fireng an 
bem 3Kei<$*f<$Iufj fefl, bafi eine* mit bem anbern jugefcen fotte, 
afe gute ®ef <$äft$leute &eif$ten fte Seijhing unb Oegenleifiung ; 
aber bie Strömung mar im StugenbUä toiber fte. 9to$ hoffte 
bie Steformpartei, fi<$ mit bem Äönig, ber jt$ brei Sage &or$er 
über ben SReufy&ratfc, freiließ mit fe^r abn>etd>enber Xenbenj, 
fcatte »ernennen laffen, ju berftänbigen. S)a$er $iefc e3 jefct, 
Selb muffe ba fein. »uf* aDerernftü^fte fefcte ©ert&olb fei ber, 
unterftfi|t &on 2ll&rec^t toon Soffen, ben ©täbteboten ju, meld&e, 
obtoofcl fte jt<$ babur# gemiffermagen t>erna#läfftgt füllten, 
ba{? ber ßntf<$lufc ber dürften ju f of ortiger 3 a # un fl ^ nen *w 
©e^eitnniB geblieben toar, f<$liefeli<$ ba$ it<$erere X^eil be3 
9lad^gebenS erfragten. 3$rerfeit3 ergingen nun bringenbe ÜRafc 
nungen na<$ ^aufe, fofort bie Quoten einjufenben. 1 

©iefer t&eiltoeife Umf$tonng toar bie $o!ge batoon, bafe 
in ber Zfyat je|t bie 9fto#ri$ten au« Stauen bebro$H<$ lauteten. 
3Bo$l barf man ben perfönli$en ©influfe in 3lnf<$Iag bringen, 
ben bie Sfotoefen^ett friegerif<$ geftnnter dürften, nrie 3Ubredj>t3 
Don 6a$fen, na# unb naä) auf tyre ©tanbeSgenoffen übte. 
68 tt>ar eine jettlang ernftti($ bie Siebe babon, ben tapfem ©egen 
ali Steitysfelbfcerrn na<$ Statten gu entfenben. Briefe aus 
äRailanb, einer immer bringenber als ber anbete, toirften auf 
baffelbe 3^ e L 2 3 tod franjöftf<$e 33otf$aften tonnten bagegen 

1 ®aü 6. 522 tu 861. 

3 2>er Sorfölag be§ ©eneratats für ^Clbrec^t fällt in bie erften Sage 
3uni. 95eri<$t ber 9tät$e ©eorgS drid&tag nad& Exaudi (Sunt 2). <£§ fann 
ba$er auf benfelben ein eitoaS eigentümlicher ©ebanfe be§ £erjog§ toon 
2RaiIanb nia)t toon Hinflug getoefen fein. 9taa)bem legerer bereits am 
18. 9Rat fe$r atarmirenb gefc$rieben (33ertc^t ber föät$e Dom 2. Sunt), über« 
gab er am 1. Sunt ben fönigtid&en ©efanbten ein SKemoriat, toorin er nact) 
ttufjitylung feiner unb ber fcenetiamjdjen Streitfräfte, fotote ber foanifd&en 
Sanbung in Sirilien, trotjbem ein beutfdjeS guffteer bon 8—10,000 Wann 



360 



triebet bur$ bie Sßerfonen tyrer tleberbrtnger, no<$ bur$ ifae 
ben 2#atfa$en tn3 @efi$t f^lagenbe 58erbre$ung*funfi ben 
8tei<$$jiänben baS beflemmenbe ©effityl nehmen, bafj in bet 
%1fat mit bem @inf#reiten nic^t me£r gefäumt »erben bfirfte. 
©arauf mied mit allem 9ta<$bru<f bie in 3Borm$ ie$t einge* 
troffene toenetianiföe 93otf$aft bin, toel$e freiließ, unter §er* 
Dorfcebung ber eigenen SIttSgaben, eine bon SWajimilian Verlangte 
anleite ablehnen muffte. 1 3Rit umgerubeltem Sitat, aber tref* 
f enb genug riefen fie bem Äßnig ba$ SRömertoort in$ ® ebä<$tmfe : 
Dum Romani de rebus dubiis Consultant, Hannibal Saguntium 
oppugnat. Äautn toar baS nötyig, ba 3RajtmiUan feinerfeitd 
genug (Stfer beleih 3m vorigen Sapttel (6. 290) ift gejeigt 
tDorben, bafe #atfä$li<$ um biefe 3eü nityt nnbebeutenbe Strumen* 
fenbungen über bie SUpen btrigirt tuurben. aber roaS er t&un 
f onnte, reifte ttid^t aus bie gekannten ©Wartungen ber SunbeS* 
genoffen }u befriebtgen. SlnbererfeitS fcatte er, roie gettö^nlt$, 
leiber mehrere Seinen an feinen Sogen gefpannt. SBenn ber 
2Bieberau8bruc$ ber gelbrifd^en Unruhen am toemgften i&m jur 

verlangte. $tefe8 bürfe Heiner fein, tüenn 2Rag e§ borjte^e, burd) eine 2>i- 
greffton feinen SBerbünbeten ju §ülfe ju Tommen : et licet cum ipso prae- 
sidio videremus libenter Regiam majestatem interesse huic expeditioni 
ItaJicae : tarnen quia forte ei difficillimum esset in Italiam descendere, 
oeenrrit nobis . . . quod ipsa Majestas arma juste in Burgundia et 
Flandria movere posset et ea loca reeipere, que Status sui et filii se- 
curitatem et sacri imperii amplitudinem concernnnt, et deinde etiam 
se convertere ad recuperationem Delphinatus etc. . (Sotein. Drig. im 
miener 8taatß«lr<$tb.) $er fölaue Sforza Heibet fo ben SBunfä, 3Rar; 
Sßerfon fernju^alten üon 3talien, in bie gorm Ijingebenber ßiebe für Äaifer 
unb fteid). UebrigenS verlangte im Sfaguft audj bet ^ßopfl eine foldje $i» 
grefflon. <£tlid>e toerfiänben, färeiben ©eorgS 9*att>e am 31. Vugufl, biefe 
©griffen (in SBerbinbung bamit, bafc bie toelfd&en Shmbelgenoffen leinen 
beutföen Su^ug me§r nad) Statten toünföten, ja nad& einiger ©webe gar 
ni<$t etnlaffen würben) in bem @inn, bafj mnn 3Kaj gern aus Italien 
„in onber notion locnben" möchte. 99aier. ©taatS-Hrd&ib. 

1 Romanin, Storia doc. di Venezia V, 72 f. 75. Stafc HRaj fi* 
SBenebig gegenüber barauf berufen Tonnte, bafc SRaüanb tfmt ein Sterleten 
geiottbtt r)atte (töomanin 73), wirb beftötigt bur<§ $att 860, too Ü6rigen5 
irrttjümli$ auä) JBenebig genannt ift. 



361 



Haft fiel, fo jerfplitterte et bo<$ bie toemgen äRittel, über toel<$e 
et terfügte, bur<$ bie ttnterjtfifcung be$ vermeinten #erjog* toon 
2)orf, ber gerabe toäfcrenb be$ 8tet<$*tag8 einen £anbung$t>erfu$ 
an ber englif<$en Äfljte ausführte. 2>eS Äönig* »lief toat 
tofi&renb ber SRonate 3uni unb ^uli unauÄgefefct auf biefe* 
Abenteuer gerietet: bie 2fotoefen$eit einet f<£ottif#en ®efanbt- 
f<$aft trieb ifcn in ben f$mei$elnben 3Ba$n, fcier einen 99unbe& 
genoffen gegen ben Xubot §u genrinnen. 1 2Ran barf toermutfcen, 
bafj biefe unjeitgemäfcen 6$adfofige bed ÄfinigS, über roel$e er 
ftd^ ben toenetianifäen Oefanbten gegenüber §. SB. ganj offen 
aufwerte, ben Stei^flänben (ein ©ebeimnifj blieben unb tyrem 
äRi&trauen gegen feine 9[ufri$tig(eit unb feinen guten SBiflen, 
bie Dermiüigten Summen toirfli$ bem angegebenen 3tei<$** 
intereffe ju Qbute anjutoenben, neue Sftabrung jufüfjtten. 5Die 
£eftigfeit, mit melier 3Rap ben 33orttmrf früheren f<$le#ten 
@ebrau$£ toerttnttigter hülfen jurüclgefd&leubert fyrtie, tonnte 
e&er anbeuten, mie empfinbli^ ber Stapel getroffen $atte, als 
toie rein fi<$ ber fyoty 8ef$ulbigte füllte. 2)a§ man auäge- 
forcd&enermafjen im 9tet<$ bem ^erjog Don SDtailanb als Urheber 
ber öertiridflung nifyt traute unb nur ungern an eine $ülfe 
ging, bie in erfter Sinie ibm ju @ute tommeu fottte, ift re$t 
menf$li$. Sffl biefe Umflänbe ttrirften barauf ftn, ba& eä 
tro$ ber $Ra<$gtebigfeit ber ©tänbe ju einem regten Vertrauen 
unb gufammenarbeiten jtt)if<$en tynen unb bem Äitoig ni$t 
lommen tooUte. $>er 9Bunf$ be3 lederen, bafc ber f$toäbif$e 
$unb eine ftraftanfhrengung ju ©unjien befc SRailänber* ma$en 
unb bafj bie Äurfürften unb gürfien je mit ein paar fcunbert 
Steifigen bajuftofeen foHteu, ftörte nur auf* neue bie (aum 
gezogenen Äreife. (Sine SJerfammlung bon ber ©röfee unb gu* 
fammenfefcung be* beulten 9teid^^tagd tonnte f<$toerlt<$ alle 
bie ft$ etutg freujenben 9lnf$läge auä) nur emftltd) bi*cutiren, 
bie be* Äönig* toanbelbare fltyantafte itym fcorgaufelte. SRan 

i Rawdon Brown, Calendar I, «Rr. 644 ff.; bergt. ÜKotnaitiit 73. 



362 



toarb ni$t billiger bur<$ bie $erfi<$erung be$ Iefcteren, er $abe 
bic Snttoflrfe Drbnung, 9te$t tmb ^rieben betreff cnb borge* 
nommen 1 unb $abe uuau$gefe|t jtoei Sage, allein bie 3Jta^l= 
jeiten ausgenommen, barüber gefeffeu, ja in toenig Sagen toolle 
er mit bem Stefultat feiner Sßrflfung ^erbortreten, mit bem er 
jebermann jufriebenjufietten ^offe. 3Jton brang auf f$ttefeft<&e 
Slntioort Aber bie ©nttoürfe, um ju toiffen, tooran man toäre ; 
bann toolle man, n?o §ülfe nötyig toäre, an ben angezeigten 
Orten ober anberStoo na<$ allem Vermögen tfcun, ma« bem 
Äönig, bem 9tei$ nnb beutf$er Nation ju Sfatfc unb @$re biene. 2 
ÜÄay &at nun offenbar gemeint e8 nid>t länger berf$ieben 
ju bürfen, ft$ über bie grage auSjuIaffen, toel$e einmal ber 
Stthgetyunft ber 33er$anblung getoorbeu toar. am 22. Sunt 
trat er mit feinen Slmeubement« 3 jum 3tei$$ratfy&proiect $er* 
bor, meldte beffen ©runbgebanfen freili<$ völlig befeitigten. gu* 
glet<$ äußerte er fi<$ über ben Sanbfrieben, baS Äatnmer geriet 
unb ben gemeinen Pfennig. SRit bem leiteten n>ar er bon 
bornfcerein einberftanben getoefen, feine 3Sorf#läge beredten 
nur, bie ©teuerlraft fiärfer ^eranjujie^en unb baS @etoiffen 
ber ^Pflichtigen bur<$ Setonung be8 religiöfen ©lement* naty 
faltiger ju paden. gum Sanbfrieben tyatte er im Äugenbliä 
toenig Säuberungen borguf$lagen. Sntereffanter ftnb f<$on 
feine Slmenbementö }um ©nttourf be3 Äammergerid&t* , bon 
meinem inbeffen ju bemerlen ifl, bafe er o$ne DoUfl&nbig t>er* 
einbart ju fein bon ben gürflen bem Äßnig überreizt toorben 
toar. 4 Sinmal fpra<$ fid) ber Äönig gegen bie Aufnahme be* 

i $)er SanbfriebenS' unb ber jranvmergeriä)t&entttmrf warm am 10. 3uni 
Bereits in ben #änben beS flönigS. Schreiben ber föätye @eorgS Dom Witt* 
toodfc frü$ in $fingftfeiern. SBaier. ©taatS-Wrd&iö. 

2 3>att 849 f. 

s Statt 854 ff. <5r %aU bie Singe „ermefllget" (ba^er ber «uSbrutf 
2Röfcigung) „unb ettotö enbrung borin getyan" lieg er {eine ftfit^e fagen. 
2)a6 er {einen ©egenenttourf für eine „$erbefferung" ausgegeben $abe 
(«ante I, 74) !ann i<$ ni$t finben. 

4 €o bie töätlje Georgs am 10. 3uni. 



363 



alten $erfominen3 unb ber ©etoo$n$eiten unter bie für bie 
Sinter oerbinbli$en 3te$tSnormen, alfo ju ©unften be$ rö* 
miftyen 9te<$t3, aus, fobann weigerte er ft$, obtoo&l überjeugt 
Don ber fRot^toenbigfeit eines feften ©ifceS für ba$ ©eridfrt, 1 
auf bie Sefugnife ftatutarif^ ju &erji<$ten, baffelbe jeittoeife 
an feinen #of ju berufen, faüö er int 3tei<$ toeüe. 3$ 
&abe gerabe biefen $untt $ier angeführt, toeil er jeigt, bafe eS 
ft$ febr ftarl um bie Sßrincipienfrage Rubelte, um ba£, toaS 
ber Äönig feine „öbrigfeit" nannte, toeft&e er ni<$t aufgeben 
tooflte. SBenn er an biefer Sßrärogattoe feft&alten n>oOte in 
einer fo eminent praltifd^en grage, toie ber ber ©efftaftigleit 
be* oberften 9iei$$geri$t3, tote $ätte er batoon laffen bürfen bei 
bem Sßlan ber ©rritytung eines jtänbifc^eu Regiments? Xrofe 
ber 3fole$nung an ben SBortlaut beS (Sntamrfä fcatte SRaji-- 
mtlian bem SReid&Sraty jebe bebro&Ii^e ©elbftänbigfeit entjogen. 
3ene£ furfürftli<$e Uebergetoityt mar bis auf bie legte ©pur 
ausgemerzt. 9tur in feinem tarnen unb Auftrag foüte ber 
9tei$dratl> unb, toaS bie £auptfa<$e tft, nur toffl&renb feiner 
Slbmefen&ett fungiren. Äam ber Äßnig ins 9tei$, fo behielt er 
ft$ toor, bie SWitglteber an feinen $of ju forbern unb feine 
freie Sertoaltung naty toie t>or auSjuüben. 5Da bie Stätte (na<$ 
feinem SBorfd^Iag) oon beS 3tei<$8 ©efäHen feften ©olb erhalten 
foUten, getoann er fo 3tät$e, bie i$m ni^ts fofteten, unb er 
jtoang, toaä bisher no<$ nie gelungen toar, gerabe bur$ ben 
StetdfrSraty bie toiberftrebenben Xerritorial^erren in beftänbigen 
ßontact mit bem 9tei$3ober$aupt hinein. S)ur<$ bie £erab* 
brüdung beS Status }U einer 3RitteIbe$örbe toar bemfelben aufy 
bie felbftänbige Serfügung über bie $Rei$3gefä0e unb SKuf* 
lagen entzogen: babur<$ erfd^eint es faft als überfTüffig, ba§ 
tym no$, im geraben ©egenfafc jum urfprüngli<$en ®nttourf, 
jebe eigene Sßotttif, o$ne Sßiffen unb Tillen beS ÄöntgS, aus* 
brfi<fli$ unterfagt toarb. 

i $att 856 „ttnetool bie Äo. Wl be§ ba§ el ort einem enb Bleiben 
ftlt, !ain befroerung tyt". 



364 



ßeiber nriffen wir gar nichts Aber ben erfien Cinbrud, ben 
biefer ©egenentnmrf auf bie SReformpartei machte. @d)tt>erli<$ 
mar man opferwillig genug, um bie SSerftärfung ber Äönigä* 
ma$t, bie in ber bauernbeu Slttad&trung fiänbifd&er Vertreter 
an bie ©tufen be3 Styron* erblidt werben mu&te, mit günftigen 
älugen anjufe^en. Dbenbretn mufete gerabe ber §of biefeS 
ÄönigS, feine ^inanjuertoattung abfd&reden, mit i^m einen 
folgen 33erfu<$ ju Wagen, Smmer^in bot aber ber föniglic^e 
§Borfdj)lag bo$ etwa*. 2Bie, Wenn man einging unb e$ ber 
Seit überliefe, ba$ ftänbtf^e Clement, met$e3 bo$ audf> 3Jta|i* 
miliaris 33orfc^Iag in ft$ barg, na# ber genehmem Seite ifin 
Iräftiger ju enttoideln? 3n ber %^at fyat man nid&t t>on üont* 
herein geglaubt, be£ ÄönigS ©egenentnmrf al$ fein le|te$ SBort 
betrauten )u muffen, ©erabe naefy bem 22. Sunt bemühte fi$ 
Sertbolb t>on SMainj, wie wir fa^en, emftli<$, bie Stäbte nadj 
3Ma?imittanS 3Bunfd& §ur 6ntri<$tung be8 Keinen 2faf$Iag3 ju 
bejlimmen. Stuf SJorfd&lag ber Äurfürfteu befd&Ioffen fobann 
bie gürflen, ju jenen i^rerfeitö bie ©ifdjjöfe t>on <£i<$ftäbt unb 
(S&ur, ben ©ompropfl; wn Bamberg, £erjog Sllbred^t »on 
Saufen, SB. t>. Steint (©efanbter »Ibred&ta toon 2Rün$en) unb 
©raf £aug üon SBerbenberg ju berorbnen, um beibe SRebacttonen 
ber fcier fragen ju dergleichen unb bie €a$e mit bem ÄJnig 
jum ©<$Iu& ju bringen. 1 günf Sage lang $aben biefe SRänner 
unter einanber unb mit bem Äönig toerfymbelt, bis fte am 
6. 3uli Nachmittags ber SBerfammlung tyren Seriell erftatteten. 
3)emnad) waren Sanbfrieben unb Äammergeri$t beim Äönig 
mit SBeränberung etlicher Strtitel unb mit einigen £uffifeen ju 
erlangen. Sie „Drbnung" wollte bagegen 2Jta£imitian nur 
bann bewilligen, totnn bie 9iei<$*rät$e bei feiner Sßerfon mären 

i Sdjon am 27. Sunt mufe biefer Auslaufe gebilbet getoefen fein. 
Satt 861 rechts oben, ©eine 3ufammenfe$ung, feinen Kuftrag, feine Äet* 
(anbiungen unb beren SRefultat naä) bem 93eridjt ber 9tät$e QeorgS Hon 
SBaiern toom ßriiag naa) Udalrici (7. SuliJ. 9Hjeim na$m übrigen§, ba er 
na$ 5pcicr oerriiien toar, an ben 93 erat jungen niö)t 5^eil. 



1 



365 



unb Kenn alle beS Steid&S Obrigfeü i&m vorbehalten bliebe, ©o 
fc^lug beim an jenem 9ta#mittag bet Sfosfd&ufe, ba eine Drb* 
nung „mit obgemeltem gebraut unberfenllicfy" b. b. untoirffam 
toäre, bot, Don berfelben abjufteben, aber benno$ eine „£anb> 
babung" grieben* unb Stents borjunefcmen. HU foI$e pro* 
ponirte er eine j&fyrK$e, t>iertoö<$entli<$e Sufammenfunft Der 
Äurfftrften, gürfien unb ©tänbe ju Ofiem mit bem Äönig ober 
beffen 8e&oHmä<$tigtem. @$lief?U$ beantragte er, bafe man 
bei ber „grofjen $ülfe", tt)ie fte bur<$ bie SJerfammlung ber 
£ßntgtt<$en 3Kaj[eftät angejeigt märe, toegen ber ferneren Saufe, 
bie bur<$ Surfen unb grangofen veranlaßt n>ären, verharren fottte. 
aifo flatt ber „Drbnung" eine „#anb$abung" b. b* bie 
©tänbe felber in periobifd^en 3ufammenffinften fönten ftd& an 
©teile be£ 9tei<$3rat$* mit ber aufgäbe belaben, bie Stuftest* 
Haltung beS Sanbfriebenä, bie Ausführung ber lammergerid&t* 
liefen Urteile, bie £anbtung3toeife ber mit SSereinna&mung 
unb Verausgabung beS gemeinen Sßfenmgä betrauten Sßerfonen 
ju übertt>a$en. 3m 2luSf<$uf$ roaren bie Äurfürflen in ber 
SRajorität. SBo^er alf o bief er plö|ti<$e Sprung ? SßaS mißfiel 
ben Seitern ber ftänbif^en Partei fo fe$r in SRayimilianS (Snt* 
nmrf, baß fte lieber ganj auf eine eyecutitoe 83ebörbe verjtd&teten 
unb auf ben fe$r f<$toer ausführbaren ©ebanfen ber ifyx* 
Iid^en SBerfammlungen verfielen? 83ert$olb $at einige SBod&en 
fpäter einmal geäußert, SRaj fyabt an ber „Drbnung" S3efd^n>e^ 
rung unb SRißf allen gehabt, 1 toeS^alb bie ©tänbe bavon abge* 
fianben toären. S)a an biefer ©teile bem SBortlaut na<$ ber 
fttrfürjUid&e @nttourf gemeint ifi, ift jtoar bie ©emitt^Sflimmung 
be£ ßöntgS unjtoeifetyaft rid&tig ttriebergegeben, aber ber ©a$ 
beutet au<$ ni<$t im entfernteren ben ®mnb an, beffentyalben 
ber fönigtid&e ©ntttmrf bei ©eite gehoben ift. ®3 ift, na<$ 
bem toaS oben ausgeführt toorben ift, ni$t baran ;u beulen, 
baß bem Äßnig ettoa an feinem eigenen (Snttourf ttenig gelegen 

i Statt 871 9ir. 11. 



366 



$ätte : berfelbe fyätte eine ertt>ünf($te Äräftigung ber Sßrärogattoe 
gebraut. SMan §at {ebenfalls toerfud&t, bie beiben ©tanbpunfte 
ju berfötynen, aber bergebenS, n>eil ber Äönig ni<$t8 bon feiner 
Dbrigfeit aufgeben, bie Äurfürfien aber feinem ^Regiment bie 
Verfügung aber ben Steid^ö=6äcfel anvertrauen motten, toel$e8 
ni<$t ftarf genug mar, ber fönigli^en gtnanätt>irt$f<$aft 2Biber; 
fianb ju leifien. 3)arin f onnte ber jä$rli<$e SReid&8tag, 1 tt>enn e8 
gelang i^n jufammenjubringen, entfliehen me&r leiften. S)a$er 
ifi tt>o$l bie SSerntut^ung ni$t ju fü&n, bafc bie fortbauernbe 
Ueberjeugung bon ber Unentbe^rli^fett ber allgemeinen 3tei<$& 
aufläge unb bie bur$ alles, toa$ man erlebte, ni<$t f<$toä$er 
geworbene Slbneigung, einem £errf<$er n)ie SRayimUian bie 
SBertoenbung ber 9tei($3einua&men birect ober inbirect in bie 
jpänbe ju legen, ben 2lu$f<$lag baju gegeben tyat, ba8 9tei$& 
rat^Sproject vorläufig otyne @ang unb Älang ju begraben, 
©affelbe berfd^tmnbet fortan bon ber Xageäorbnung in 2Borm«. 2 
Slber e8 märe irrig ju glauben, bafc bur<$ biefe ©elbflbefd^eibung 
ber £erritorial&erren nun alle 2Bege jum giel geebnet getoefen 
toären. 33ielme$r Ruften ft<$ erfl je|t bie ©<$tt)ierigfeiten in 
einem äRa&e, bafc too^Imeinenben ÜJHtarbeitern alle* Vertrauen 
ab^anben fam auf einen au<$ nur notdürftig befriebtgenben 
Sluägang beS 3tei<$3tag3, ber nun f$on über ein SSiertelja^r 
gebauert $atte. ©d&on am 4. Quli $atte ber Hebif<$e ©efanbte 
Dr. $. Sennin! geflagt, 3 bafc ft<$ über jene bier ©arbinal- 

i Sttit einer folgen Snftitution ^atte ft$ ja au$ ber Äönig 1491 be* | 
freunbet! 

* 9ta<§ bem citirten 93eri<§t ber föätye ©eorgS foütc baS gürfteneofleg | 
nod) am 7. 3uii über bie Huöfäufjanträge befölieücn. Cb baS geföej« 1 i 
ift $infidS>tIi($ ber „Crbnimg" toetfe id& nie$t. 3ebo<$ tonnte ber «u§WuS 
bereits am 14. 3uli einen Entwurf ber „§anb$abung" jur SBeratfjung i 
bringen laflen. Siejelbe beruhte auf bem gemeinen Pfennig, unb e§ war | 
gleidfc t)icr bie SBefHmmung, baj$ bie fRetd&Scommifiaxien bie oon ben eingehen 
6ammelfleflen tynen juge^enben SBeträge nur naa) v Hntt>eijung ber jöljrlufyn 
SBerfammlung berausgaben bürften. Satt 863, f. 861. 

3 tropft Dr. Sennin! an ben #erjjog Don .Riebe, 1495 SöormS SaterS* 
la$ nad> Frauentag visit. Xtiffetb. Wrrfjio. 



367 



fragen bisher toeber bie ©täube unter einanber no<$ mit bem 
Könige fyitten einigen fönnen. SBaS bem einen leiblich fei, fei 
bem erobern . ui#t gefällig. 68 tft ba$ ba8 unvermeibli<$e 
8ufeinanberpla$en ber ©eifter, fobalb man von ben allgemeinen 
3been, in benen viele ft$ begegnen, §u ben praftif^en (Smjefe 
fragen tömmt. 2)a8 ©<$aufpiel tnarb für ©eijler, bie über 
bem £ärm im kleinen baS Sauge ni#t aus ben äugen Ver- 
loren, um fo trüber, als all bie üblen, unpotitiföen ©igen; 
föaften, tt>el$e bie Serfplttterung be$ beutfdjen ©taatStoefenä 
auägebilbet fyitte, bei jebem (Sinjelnen um fo f<$ärfer fcervor* 
traten, je länger ber Stoeifel bauerte, ob überhaupt ettvaS ju 
©taube lommen toürbe. ©elbji bie ©onnertoorte eines Ste 
moffyene*, meinte rücf f$auenb ein patriotif<$er S^eilne^mer beS 
JteidjjStagS, mürben ungegart verbaut fein vor bem Särm ge* 
genfeitiger $ef$ulbigungen unb Spannungen, vor bem lauten 
$aft ber Parteien. 1 Ungef$eut machte bie ©u$t naä) privat* 
vort&eil fic£ geltenb, in fonberbarem 8unb vereint geigten ft<$ 
$o$muty unb Oeij. Sin Seifpiel mag ftatt breiter Darlegungen 
vor Slugen ließen, tote bie @ntf$eibuug ber l?öd?fien gefefc 
gebenden fragen abhängig mar von ben aflerperfönli^ften 
@efi$t&punften. 2)er „£anb$abung" foKte eine ©eclaration 
beS fd^on befc&Ioffeneu ßanbfriebenS eingefügt toerben in bem 
©inn, tute fte bann in §§ 9 unb 10 aufnähme gefunben fyat 
S)er Stpecf toar ju Vermeiben, bafc alte, längjl abgetane, ge- 
richtete ober vertragene ©a$en aufs neue vor @eri$t gef<$leppt 
würben. Äönig unb SDle^eit tvaren ba einverfianben. aber 
bur$ eine Steige von Verätzungen hnberfefcten fi$ bie ©efanbten 
©eorgS von Sßatern biefer „SJtäfcigung" beS SanbfriebenS unb 

i ©er ergfiiftifä) magbeburgiföe 9ieia)&tagSgefanbte §ermanSgrün in 
einem SBrief an »emfjlin bom September 1496 ((Seiger, töeut$Iin§ (Sortefo. 
S. 47) nrimfäit, bafe ftcudjiin bie tton tym überjefcten $^ilippiten be§ 2>e- 
mofifteneS am Infang be3 fteigStagd jebem Surften geföidt fjätte, sed forte 
fecisses verba ad ventrem carentem anribus. 9tuo) bie tfafgätyhmg ber 
Politiken Sünben ber Surften ift biefem Schreiben entnommen. Claror. 
▼worum epist. SBt. 22. 



368 



berfud&ten ben Äönig j>erfönli<$ ioteber umjufiimmen. 1 Solan 
ttriirbe ft<$ bergebli<$ fragen toarum, n>enn man ft$ nufct er* 
innerte, bafe bie Scripte ber ©efanbten bott finb bon ©eorg* 
3Bunf$, bic bereits breimal ju feinen Ungunfien entföiebene 
®a<$e gegen SBolfftein tirieber aufgenommen ju fe&en ober bie 
2l$t unb 9tei$$$ülfe ju erurirten tiriber feinen getnb @r$arb 
bon ÄönigSed. 2 Sßan f önnte ein gange* 93u$ füllen mit folgen 
3ämmerli<$feiten, toel<$e geit unb Stimmung berbarben unb 
ebenfobiel als bie in ben ©ingen felbfi Kegenben 6<$toierigfeiten 
baju bettrugen, bie ®ef$äfte bertoid elt ju ma$en unb ben Qu* 
triguanten in bie #änbe ju arbeiten, ©fei ergriff ein fo $o$* 
geftnnteä ÜRitglieb ber Serfammlung, hrie ben me&rgenanuten 
magbeburgiföen Drator germatttgriln, bei ber Erinnerung, 
bur<$ toeld&en ©umpf oon SUebrigfeit man ffatte toaten mäffen. 
Sftur bur$ ©otted #iilfe unb ba$ unau$gefe$te 83emii&en etiler 
erlaubten 2Jlänner fei mau I?art an ben Älippen borbei bo$ 
no<$ toieber in ben nötigen ©uro gelangt. 68 lann ni$t 
jroeifetyaft fein, baft in biefen 2Borten bor allem bem ©rjbtfäof 
33ert£olb ba$ berbiente Sob gefoenbet toerben feO. 

2Jtan brauet fi$ ben Äöntg ni$t als berftodt ju benfen 
gegen ben SBortyeil ber Sfteform, um 311 finben, bafe bon feiner 
&tiU alles gef$a&, maS möglich toar, um bur$ feine, bur$ 
bie i^rt umbrängenben Verlegenheiten begreifliche, übrigen* tyn* 
länglich d^aralterifirte Haltung bie ©efa^r beS refultatlofen 
SluSeinanberge^enS biefeS £ag8 ju bergröfcern. 9tur ungern 
mibmete er einen St^eil feiner 3eit, bie, abgefe^en bon ber 
ttaltenif$*franjö|if$en Sßolitif, bur<$ ben na$ 2BormS gezogenen 

* 33eri$t üom 9Äontag nag ftuguftin (Stoguft 31). Sie ertDfifyien 
als (Betüdjt, bafe aud) ber Äurfttrft ton Saufen gegen biefe „Hififcigung" 
fei; Som Sßfaljgrafen bagegen ift überliefert, ba& biefer f$on früher bagegen 
fatit protcftiren laffen, bafe bie geplanten 3nftttutionen i$m leinen dintrog 
t$un bürften an feinem Sicariat unb unfd&äbli<$ fein müßten gegen« 
über »ertragenen 6aa)en nnb »ergangenen Kriegen. (£iettfit$r 
©eorgS bom 1. Vuguft.) 

% Schreiben ber fflätlje dorn 16. 3uli u. a. m. im baier. @taat»-Hw$fo. 



{5 



J 



369 



gelbrifd&en £anbel, bie @r$ebung äBirtenberg« jum ^erjogtyum, 1 
Selefrmngen unb gelte ftarf in 2foforud& genommen toar, bem 
@egenftanb ber Stei<$*berat$ung. 2Jtan barf ni<$t jtoeifeln: 
S)eutf$lanb $ätte no<$ länger beS ettrigen SanbfriebenS unb 
be$ Äammergerid^tS entrat&en mfiffen, toäre 2Ray unabhängig 
getoefen Don ber ©elbbettnttignng ber Stänbe. Sftur nriber* 
ffrebenb fügte er ft$ auö) ben formen ber ftänbifd&en SBeratyung, 
bei beren §errf$aft e£ toofcl borfommen mo$te/ bog bem Äönig 
bie Xffüx beS 3Serfammlnng$jimmer8 einmal toerf<$Iof[en blieb. 2 
©r füllte fiä) emiebrigt bur<$ ben SRanget an ©fcrerbietung, 
ber barin lag: e* berleibete tym biefe (Srf abrang ben 8efu$ 
ber Steid&ätage auf längere Seit. @S ift fe$r mögltd^, ba§ bie 
©tänbe rfidffid&tetooller gegen ben #errf<$er Ratten toerfatyren 
foOen ; ettoa« ©efiimmte* läßt ft<$ aber bei bem 8Rangel fonfliger 
!Radj>ric&ten aber einen berartigen Vorgang nid^t fagen. 60 
fear tro| aller SerftänbignngSoerfud&e bie 3Rifcftimmnng bauemb 
im Steigen big jnm Snbe beS £ag3 $in. 9tu$ anbere aU 
ber Äönig füllten ft$ berieft fo #erjog 9Ubre$t toon Saufen, 
ber ben ©pott Aber feine boreilig in ben 2Runb ber fieute ge* 
braute 9tei$8$am>tmannf$aft ju tragen fyitte. 3 SBir toerben 



1 Söobura} (8raf (Sberfjarb fia} um ben Äönig fo toerbient gemalt, ift 
nodfr unbetannt. 6|>olaim ergäbt gntn 3. 1495 (»adfrlafj ©. 128, inbeffen 
oft 1540 aufgejeiä)net 6. 129!), bafe @. $ätte £erjog bon ©d&toaben 
feigen tootten, ba8 aber t>om #5nig ni$t ^ätie erretten fbnnen. 9taä) einem 
®rwtb für biefe Steigerung würbe man, falls bie S$atfaä)e richtig to&re, 
niä)t fe$r gu fudjen $aben. 3ur Sa$e bergl., n>a§ Stalin Ift, 638 ff. ju« 
farnmengeftettt $at 

2 Hur fo öermag ia) ben in einer 3nftruetion a. b. 3. 1497 gegen 
ben Xag öon 2Botm8 gef$leuberten Sortourf 3U »elfteren „nad)bem nur fo 
be* Steigs fagen getjanbelt »erben bor ber Zur fteen muffen" ($öffer, lieber 
bie jwlttiföe JReformbeioegung in $>eutfü)Ianb im 15. 3afcrlmnbert, SBetl. 
S. 46). SBcnigftenS ift 9Äaj gerabe in SBormS oft genug inmitten ber 
Serfammlung erf$ienen. 

* ttlbre$t an 9Rar,, Silborbt 1495 SRontag Andreae (80. ftottember). 
3tm§br. Hrgto. Ueber bie ©&re, bie bem §erjog tofl&renb beS tteiajgtagd 
buro) bie £ftnigin wiberfu^r, f. (Sefdjtdjten unb Saaten ©Naumburg« 158 f. 
tttuann, ftatfer 9Rafimftfan. I. 24 



370 



nadjfyex fefcen, toet<$e anberen ©rünbe be$ SRtfcbe^ageuS ber 
©a$fe aufjerbem $atte. @S mar ^öd^fte 3eit, bafe man fity 
fcerftänbigte, foflte nt<$t ber mit fo warnten Hoffnungen be* 
grüfjte 5Rei<$Stag bur$ ein Kägli<$eä gia$co ba$ unheilbare 
©ie<$t$um be3 5Rei$8 befiegeln. 3 toö *f & a fl e $ a & cn M* ©tänbe 
gebraust, um ft# Aber bie, nac£ bem gallenlajfen beS SReid&fr 
ratyäprojects, am 14. Swli üorgefd&lagenen ©nttoürfe beS ge* 
meinen Pfennig« unb ber Jpanb^abung, be3 SanbfriebenS unb 
Äammergeri$t3 ju einigen. äfa bemfelben $ag no<§, e$ war 
ber 26. Suli, mürben fie fämmtli<§ bem Äßnig überantwortet. 
2Raj &at fi$ bie&mal feinerfeits beeilt: bie in 3lu3ft$t ge* 
{teilte ftnanjieEe 33egrünbung ber SRei$$we$rfraft mufete au# 
i^m ertoünf^t fein, ©<$on am SRa^mittag beS folgenben Xag* 
erfd&ien er inmitten ber tterfammelten ©tänbe unb liefe bur$ 
ben SRunb SSeitS toon SBolfenftein bie SrMärung abgeben, bafc 
er an allen Sirtiteln ein gute« ©efaffen fydbe unb fte ju 5Danf 
annähme. 1 SRur jwei fünfte principietter SRatur wollte er 
nodj geänbert wiffen. 5Der Entwurf beS Slnf^lag« beflimmte, 
bafe ber gemeine Pfennig insgemein fcor SReuja^r erhoben »erben 
foflte: nur in be£ ÄönigS unb feines ©otynä @r$erjog p&tltypa 
grblanben fottte er f<$on t>or$er, oor äfabreä, eingeliefert werben, 
bamit bie anbern ©tänbe um fo wittiger würben. 2 9Ran fann 
bie gorberung, bafe ber Äönig bei biefer ungewohnten Steuerung 
mit feinem SBeifpiel fcorange^en fotte, ntdfjt unbillig ober gar 
^interlifiig finben. 3 2lu<$ in bem SRat$f$Iag über bie Äfe 
fteHung b«S 3utrinfenS j. 33. ifi toorgefe&en, bafc ber Äönig 
mit bem Verbot beffelben an feinem #of toorange^en foHe. 4 
3Ran War feiten« ber ©tänbe um fo me$r befugt ju biefer 



i ©efanbte ©eorg§ am 1. fcugujt. SSergl. Qatt 869, toejentlidfr üfceretn« 
ftimmenb über bie föniglid&en Anträge unb bie tfänbifd&e Antwort »om £ag 
barauf. 

* 2>att 867. 

3 äöie ©otljem, £er gem. Pfennig 83 ju meinen föetnt. 

4 flbföiebe II, 26 (§ 88). 



371 



Sto&regel, n>el<§e genrijf ermaßen bag $alb unb $alb braußen 
jie&enbe Dejlerrei<$ toieber bereinjttnngen follte, ate no$ nid&t 
einmal unter 2Rap bie fielen in £>ejlerrei<$, ttrie ftd& gebäht, 
ate oom 9tei<$ rübrenb empfangen toaren. 1 2foßerbem galt es 
bo$ gerabe bei ber neuen SBe^rtoerfaffung ben @#ufe Defter- 
rei$$ gegen bie fürten unb ber burgunbifd^en 3tei$3lanbe gegen 
bie granjofen. 3113 türftfd&er Pfennig toirb ber gemeine Pfennig 
fe£r oft bejeid&net. aber au<$ batoon abgelesen, in ber Sßolitif 
muß wagen »er gewinnen toiE. SRur inbem ber preußifd&e 
Staat lange Seit fchtburcij bie fd&toere 2Baffenrüjlung für ba'S 
bur$ 3erfplitterung fraftlofe S)eutf$lanb getragen bat, $at er 
ftc^ ba£ Stecht toerbient, an beS SSaterlanbä 6pifce ju flehen! 
Sollen (Srtoägungen ftnb freili<§ bie ^ab^burger feiten ju= 
gängli<$ getoefen. 

5>er streite Sßunft toar au<$ prattif<$ t>on ^eroorragenber 
3Bt$tigfeit. J)er Äönig fcatte offenbar ben @nttt>ürfen fo raf$ 
jugeftimmt in ber ©rtoartung, bur$ ben ©rtrag ber großen #ülfe 
feine friegerifd^eu 3tt?edte fofort mächtig geförbert ju fe^en. 6r 
Raffte naä) fo fielen Sßorten enbli<$ (Selb ju flauen. 2)aß bie 
SSertoenbung ber eingebrachten ©teuerfummen in bem toon fym 
gleichzeitig gutgeheißenen @nttourf ber jä^rlid^en SBerfammlung 
jugettriefen toar, fc^eint ibn ni$t geflimmert ju ^aben. SBiö 
■fteuja^t aber tooHte er, angeftdjjt* ber franjöfifd^en Haftungen 
unb in SBorauSjic&t eines um 9Ri$aeli£ ju ertoartenben £urfen= 
einfallt ntd^t barren : er »erlangte Stblur jung be3 Termins, für 
bie angrenjenben Sanbe toottte er benfelben fogar auf ben erften 
September toorgefdfjoben toiffen. 2Bie nato unb untiriffenb 2Ray 
biefen te$nif$en gragen ber Steuerpolitik gegenüberftanb / ift 
neuerbingS gerabe aus feinem ©erlangen mit 3te$t gefolgert 
toorben. 2 Unb bo<$ tyanbelte e$ ft<$ babei nid^t um einen 
Einfall, ber über 5Ra$t entfianben toäre, fonbern um einen 



i 9Homrt bon SBctt&oib am 27. 3uli. $att 369 Hr. 7. 
* ©otyein 34. 8«r Sa$e 2>att 871 9ir. 6. 



372 



2Robu$, über ben nadfoubeufeu er feit Sauren alle 8$eranlaffuug 
gehabt fcätte. 

S)ie ©täube liefeen e8 bieSmal an einer ge$arntf$ten Änt* 
wort nid&t fehlen, ©ie Ratten bagu um fo me$r llrfadje, ati 
bie lönigli^e (grllärung in ber i^nen nad&träglidj} jugelommenen 
f$riftli$en Raffung no<$ f<$ärfer lautete. 9lo$ einmal $atte 
ba 3Ray verfugt, audfj ben ©ifc be3 Äammergeri<$t3 feiner SBttt* 
für ju unterwerfen. 1 @$ fei, fo warb bem Äönig bur<$ etliche 
SSerorbuete vorgehalten, eine bisher im 9tei<$ unerhörte #filfe 
verwilligt worben, aber fte fei unjertrennli$ mit ben anbem 
Stüdfen ber Steform verlnfipft, um bereu förberlid&e Slufrid&tung 
bie SSerfammlung bitte. 2)abur$ würbe baÄ Sott ju biefer 
£filfe bewogen werben. 2)enn bie dürften unb anbere Ratten 
biefelbe nur für ft$ unb bie, bereu fie mächtig wären, jugefagt 
unb babei verfprod&en, in berfelben #faft$t bei tyrer 9fttterf$aft 
gleifc anjufe&ren. 2)ie SBorauäfefcung fei iebo$, bafc ber JtSnig 
unb fein ©o&n für tyre Sanbe vorder tyre Quote ablieferten« 
S)enn bie SWieberlanbe feien faß ber vierte 3$etf be« Steid^; 
wenn biefelben bie £ülfe nidjt jaulen würben, wollten bie anbem 
au<$ ni#t Verpflichtet fein. (Sine SBerlürjung be3 Termins für ©im 
bringung ber Steuer fei unmfigU<$, ba jeber #err erft no$ mit ben 
Seinen fanbeln foQe. 6nbli<$ fei es bie Meinung ber Serfamm* 
lung, ba§ bie SJerwenbung be$ 5ßf enuigS nur mit 8tat$ unb aBitten 
ber jl$rli$en SBerfammlung }u gefd^e^en fcabe, unb ni$t anberd. 

3)lan fann e* begreifen, bafe 2Rayimilian, als Sertyolb 
Von äRaiuj i&m biefe Antwort überbrachte, fi<$ „etwas ent* 
pellet" $at unb fein SDlifefaHen ^>at merlen laffen. SBemger, 
bafe er nod&mals forberte, ben Pfennig beS erfien %afyct& fofort 
)ur ©eftettung von ©ölbnern barjulegen. ' 2 2)enn na$ aber* 

i Satt 871. Sie folgmbe Antwort ber ©tfinbe $aben bie 6tÄte 
wieber erft au$ bem Äeferat 99ert$olb8. 3$ folge ba(er beut bater. Bericht 
Dom 1. tfoßirft, ber au$ allein über bie Sage oom 27. 3uli bis 1. «uguft 
etwa» entölt. 

^ ©efanbte Georgs am 1. «uguft. 



373 



maliger SSerfcanblung tmebertyolte ben lönigltd&en (Sommiffaren ber 
SRainjer biefelbe Snttoort, aber bte&mal toor ber „ganzen 83er« 
fammlung" b. ff. bo<$ too^l nur toor Aurfürften* uttb gürjlen* 
raty. Gittere Älagen fd&loffen fi<$ baran, bafe ber Aönig ba8 
gebraute Opfer nid^t )u toärbigen fd&iene; bo<$ fpra<$ man 
bie £offmmg aus, baß er fiä) bebenlen unb bie tuer ©tfidfe 
ber SReform billigen unb aufritzten mürbe. Um iffm ba£ 
ju erleid&tetn, gab man toeuigjlenS nunmehr, bie gorberung 
auf, bafj bie Habsburger mit ber Einbringung beS Pfennigs 
üorange^en fottten. Der Aönig fonnte niäft um^in, eS babei 
bleiben ju laffen. SDie ©tänbe Ratten für ben SKugenblidt ge- 
fiegt. Stber noc$ einmal gelang es bem Aönig, ber @a$e eine 
neue ©eite abzugewinnen. Xm 31. Suli 4 traten feine Stätte 
mit bem Verlangen toor bie SBerfammlung, bei ben ßibgenoffen 
£ülfe gegen %xanfxeiäf ju f orbern, ein „gemeines Aufgebot" 
im 9Rei$ ju tffun, aufy bem Aönig 20,000 9Rann roiber granfc 
rei(# unb 5000 toiber bie fürten jtoei SRonate lang §u be* 
folben. Offenbar toar es nur auf einen ber beiben £filfStoor* 
fdjläge abgelesen. 2)ie 33erfdmmlung tooEte jebo<$ anfänglich 
t>on ni^ts $ören, 3Ra? folle mit Slufrid&tung ber Reform ben 
Slnfang ma<§en, bann aber in einer neu ju berufenben SSer* 
fammlung über fein Segelten Derfcanbeln laffen. 3ebot^ $at 
ficfc ba raf<£ eine UmjÜmmung toofljogen. 3Som 2. Sluguft be* 
rügten bie hirfürfUi<$ branbenburgifd&en (Sefanbten: 2 @S fei 
fd&toer bie »erlangte #filfe jujufagen, benn man toijfe ni$t, toie 
man fie ju leiflen im ©tanbe fei. SBerfpred^e man bie £ülfe unb 
ber Aönig toerbe bann nid&t unterfingt, fo fyabe ba$ 9tei<$ ben 
©<£aben ju leiben. Se^ne man fie aber ah unb fd^eibe fo xauff 
wn biefem £ag, fo toflrben bie in fo langer Slrbeit geförberten 
Dinge nid^t ju @nbe unb ba« 3tei<$ ju gatt gebraut »erben. 
Darum fei e$ beffer, bafi man fid? gegen ben Aönig einer ent* 
fpred&enben £filfe toom gemeinen Pfennig berne^men lajfe, 

i (jefterit, nad& bem SBcrtc^t ber 9täl$e fteorflS com 1. StogiifL 
2 Actum ©onntafi Stefairi. $erl. ©taal§*$lrd)it>. 



374 



SBann biefe erleu<$tete 3bee ^errfdfoenb geworben ift unter 
ben ©täuben, lä&t fid^ auf ben £ag ni$t angeben, 9lity 
üor ben 4. Stugufi, too 3Jia? in Sßerfon, mit neuen 3ugeftänb* 
niffen unb mit ©intocis auf bte toor 9tot>ara liegenben 2)eut- 
f$en, no<$mal$ bie ©täube bejiürmte, unb m<$t na<$ bem 
9. Sluguft, too bie £$atfa<$e toorliegt, 1 fann bie SBenbung ge* 
fe$t tnerben. 2Ba£rf<$einti<$ wirb bie SSereinbarung am 7. Slugujl 
wx fiefy gegangen fein, fo bafc äRayimilian, erfi na$bem er 
feiner ©a$e fi<$er toar, feinen Flamen unter bie oft citirten 
©ntnriirfe be3 SanbfrtebenS, ber Äammergerid&teorbnung , ber 
,§aub£abung unb be$ gemeinen Pfennig« gefefet fyal ^öd^fl 
eigent^ümli^ ift bie 3lrt ber Bewilligung. 3Ran gemattete bem 
Äönig, 150,000 ©ulbeu al3 änlei&e unter »ürgfd&aft ber 
©tänbeauf ben fünf tigen Betrag beS gemeinen SßfennigS auf* 
june^men. SDer 3lnft>ru<$ ber ©laubiger an ben gemeinen 
Pfennig toarb fcor bie erfie anleite öon ebenfalls 150,000 
©ulben gefteüt, bie bem ßönig öorbem ate Meine §ülfe be* 
nntttgt unb t^eiltoeiS entrichtet toorben mar. 2 ©er Äönig 
mo$te jufetyen, too er auf biefe Berfd^reibung tyin ©elb auf* 
braute. 3n granlfurt ifi man ju fcorfid&tig getoefen ju fold&er 
Operation, 

Slm 7. Sluguft alfo ift ber ©eburtstag jener für bie fpätere 
3ftet$8entttridttung jum 2#eil fo ttrid&tigen SnfHtutionen. SJer* 
fu<$en ttrir in ber Äürje uns tyr SEBefen ju fcergegenroärtigeiu 

i ®ait 873 u. 882, 1 u. 2 b. I). ein «efälufe ber flurfürften unb 
gürjten; bte Stäbte tjatte man, nad&bcm fte anfangs, wie äße, entfd&ieben für 
Slbtoeifung gewefen, gar nidfji toieber befragt. @ie blieben be§f>alb autfj 
Ijalöftarrig. 9lu§ ifjrer 9H($tbefragung erWärt ft$ aud) ba§ geilen be§ 
XatumS jenes 3ugepänbnijfeS im ftäbttfäen Sßrotofott. 

2 Xatt 883. ®ut beurteilt bon ©otyein 35, in beffen ©djrift über» 
Ijaupt bie tec§nijdj*finanjieflen Darlegungen baS SBefte unb {ebenfalls feinen 
ftaatSred&tlidjen flnnafmten weit öorjujie^en ftnb. ©oft Sötor, übrigens f^on 
am 4. Wugufl burdj Unterjeidiinung ber Entwürfe „ben ¥rei8 im ttorauS 
bejaht" $ätte (©oüjein a. a. C.) finbe id& nid)t. Gr befeuert ba (Xatt 
873) nod&malS feine SBereitroifligfeit , berfpridjt bie ^uSffttigung ber 
35 erf <$reibung unb concebirt bie ©ej$aftigfett bcS ßammergeridjtS. 



375 



äuetfi richtete man ben Sanbfrieben ttrieber auf unb jtoar, toaS 

biefen Sag fo berühmt gemalt £at, o^ne jeitlid&e 83egrenjimg. 

5Die §e$be toarb ein* für allemal bei ©träfe ber Stö&t unterfagt. 

©iefelbe 2lnbro$ung fd&redfte t»on jeber Ttnterftüfcung toon Sanb* 

frieben$bre<$ern jurütf. ©elbft blo$ 33erbä$ttge fonnten, faflS 

fie ben SReinigungSeib toetgerten, glei<$ ©d&ulbigen be&anbelt 

werben, gur £ülfe gegen Sanbfrieben3brud& toaren na$ alter 

ärt bie 5Rä<$ftgefeffenen, unb jtoar na$ einer im 3teid&$abf$ieb 1 

bem Sanbfrieben angehängten ©eclaration im TtmfreiS fcon 

jtoanjig 2Jteilen, ttue in eigener ©adfje &erpfli<$tet unb jtoar auf 

tyre Äoften. Steinte ba8 gegenüber ber 3Ra$t be$ Hebet 

tyäterä ni#t auä, fo fyatte bie jctyrlt$e 9tet<$Sfcerfammlung , im 

%aU ©efa^r im SSerjug lag eine toom Äammerri<$ter ad hoc 

toeranlafete ©tänbefcerfammlung, für bie Stettung be$ 93ef<$äbigten 

§u forgen. ©o toarb baS gauflred&t für immer aufgehoben; 

felbjl bie gefefcli^e ©elbjtyülfe ber Sßfänbung in geregter gor« 

berung, toel<$e unter ©autelen no<$ ber Sanbfriebe toon i486 

jugelaffen unb für toeld^e fi<§ in SßormS no<$ SDlafimilian er* 

toärmt £atte, toar unb blieb na<$ bem SBiflen aller ©tänbe 

abgetan. 2 

Säht bie ©teile ber Oetoalt fottte nun ba8 Sfted^t treten, 

i $)erfelbe ijt befannilic^ in fanäleimöjjig öofljogener ©eftalt nocr) 
ni$t befannt. Sebodj unterliegt e8, wie Statt ®. 786 ebibent gemalt 1)at 
naa) Urfunben ber folgenben 3<*$re, feinem 8toeifel, bajj ber 9lb|ä)ieb jene 
5)eclaration in berfelben fSform enthalten $at, tote bie jefct nur als (gntnmrf 
toorliegenben: Sbjdjieb unb IBefe^le auS bem töeid&Stag in SöormS. Mütter 
(9tei<$§tag§tyeater 664 unter biejem Stiel auS bem ©rneft. ©ej.-Wrdjib, roaV 
renb ber fonft tjon i$m geplimberte $>att biefelben fünfte mit SluSnaljme 
ber fedj§ legten, bie Bei tym an onberer ©teile 888 fielen, 6. 884 unter 
ber ftubril: „3ft gerate jd&lagi" gicbt) jtoeifelt, ob bicfer Entwurf in 9tb- 
föiebSform gebraut fei. 

2 $att fat boS Material jur ßöfung biefer Srage 6. 786 öoflftönbig 
jujaimnengejteflt unb gegeigt, toeld&e irrelevante SBenbung an bie Stelle beS 
bejeitigten Paragraphen getreten ifL 2öie töanle I, 76 ju ber irrigen Hn- 
ftyt tommt, bafc ber fianbfriebe baS $fänbung§red)t ftatuire, ift mir unbc 
greifli*. 9Bei ©ot^ein @. 33 foH 9Kaj bie ©erfteHung biefer »efugnife 
burcjge^t |)aben. ^öd&ftenS, bafe er ft$ bafür intereffirt, ift ftidftaltig. 



376 



in $ö$fter Snjlanj bertoaltet bur$ baS flöniglufce Äammergerid&t, 
beffen Stifter ber Äönig ernannte, toctyrenb bie ©tänbe bie 
16 99eififcer, jur £älfte 9te$t3geie$rte, jur ßälfte rittermäfeige 
Seute, erteilten ober bielme^r präfentirten. S)er ftammer* 
rietet fag fortan im dttid) an be$ Äönig* ©tatt ju ©eri$t; 
ÜRay fcatte ft<$ betoegen laffen, bemfelben au<$ bie Don feinem 
33ater fo }ä$ fejlge^altene ©rflärung in bie Stö&t ju übertragen. 
3U$t mefcr bem $of folgend fonbern an fejier ©tätte fefftaft, 
nur bur$ 8tei<$$f$lnf$ &*tlegbar, getoann ba$ @eri$t ©elbfiäu* 
bigfeit, 3lu$ ben ©portein, unb fotoeit ba$ nid^t teilte, au$ 
be* 3tei<$8 ©efäKen, fottten Steter unb Urtyeiler eine fefie 
Sefoftmng erhalten« 8U3 ©erietyt erfter Snfianj fungirte ba£ 
Äammergeri<$t für 9tei<$8unmittelbare, jebo^ junä^fi nur in 
©a$en ber Prälaten, ©rafen, Ferren unb SÄittet unb ©tdbte 
unter einanber. Älagen biefer untern 3tei$8ftänbe gegen Äur* 
ffirflen, gürften unb fjürftenntäfcige unterlagen jubfirberft einem 
2tu$trag8berfa$ren bor ben Stätten be3 beflagteu dürften: nur 
im gatt ber 9te$«berf$Ieppung ober sbertoeigerung gelangte 
bie ©a$e bor ba$ Äammergeri<$t. ©benfo na^m baffelbe Vbppeh 
Iationen bon ben Sanbgeri^ten entgegen, SWaterieD entfd&teb 
eS na<$ be8 Steiges 9te$t, fotoie audj na<$ Ianbf<$aftli$en 
Statuten unb ©etootyn^eiten. 

äbgefetyen bon ber ©ontroberfe über bie Suamobibüität mit 
bem Äönig ^atte bie grage über ben @eri$t$jknb ber Äur* 
fürflen, gürften u. f. tt>. bie ernfiefien ©<$tMerigfeiten toerur* 
fa<$t. SBä^renb ber 93er$anblungen toar bie 2lnft<$t bertreten 
toorben , eine befonbere Seftimtnung barüber gehöre gar nid^t 
in bied ©cfc|. SBer eine gorberung $ätte gegen einen Jenes 
Stange«, Tollte benfelben am Äammergert<$t fcornefynen. geige 
e$ fi# ba, bafe ber beflagte gürfi Privilegien beftfce, bie re<$t* 
U6) begrünbet toären, beren muffe er genießen, fonfl muffe er, 
nrie ein anberer, am Äammergeri<$t Slnttoorter fein. 1 3Kan 

i SBerid&t ber töätfje ®eorgS oon SBoicrn Dom 10. 3um. ftattr. 
etaat^-7lrrf)it). 



377 



tum fi$ nid^t munbem / baf? ba3 bo<$ nid&t für au$ret<$enb 
erachtet toorben mar, ba fogar nityt benimmt mar, voie man 
beim nun einen anerfanntermafeen toom Äammergerid&t ge* 
freiten gflrften ju 9ie<$t bringen lönnte. 60 mar man ju 
jenem fonberbaren 2lu8tt>eg gefommen, bie bejahten Wiener be£ 
Sefiagten, feine Suppeneffer, mte eine ein 3Renfd&enalter fpäter 
au$ ritterfd&aftiid&en Äreifen toeranlafete §lugf$rift fi$ auä* 
brfidft, ju feinen (f<$toerlt$ unparteüf$en) Stiftern ju machen. 
Sie biefer $aragratf> bur<$ bie unbillige llnterbrflcfung ber 
tytoäfyexen 9tei<$Sftänbe bur<$ bie ©röfeeren, ju melier er SRaum 
liefe, in mancher öejte^ung bie too$lt$ättgen folgen, meldte Dom 
Sanbfrieben ju ermarten toaren, parafyfirte, mirb toteber^olt im 
Sauf unferer StorfteDung ^eitoortretem — 

2)enno$ firäubte ft$ inSbefonbere baS hirfürfllic^e €elbjl* 
gefityl t^eiltoetö gegen bie gleid&fam eine Dberinflanj bilbenbe 
Stellung beS Äammergert<$tS, SSom Äurffirjlen 3o$ann t>on 
öranbenburg ijl befannt, ba§ er bei fd&mebenber Ser^anblung 
f$on benimmt erklärte, fi$ bem Äammergert<$t nid^t unterwerfen 
ju fömten, 1 felbjl menn e« t>on ben übrigen Äurfürjten ange- 
nommen mürbe, 

68 mar bei aUebem ein unfd&äfcbarer ©etoinn, bafe au$ 
bem ©trett ber Meinungen ba$ oberfte Sftetd&ggeridjjt $ertoorgmg. 
$ro$ mannigfad^er ©d^manlungen , benen fein SBefte^en im 
Anfang burd& feine ungenügenbe finanzielle gunbirung auäge* 
feftt mar, fo bafc e3 jeümeilig gerabeju einfd&lief, $at e3, banl 
ber lebhaft empfunbcnen SRot&toenbigfeit feiner ©yifienj, fi$ 
bw$ behauptet. 

©Iei$ am 1 5. SKugufi nabm man bie (Binrid&tung in Sin* 



* Sodann an (eine fflfitlje in SöormS, Dienstag nct($ corp. Christi 
(23. 3uni). »eil. ©taat8»31r($ib. $>a& bie ffurfurjien unter ß$ unb mit 
ben StirPm in biefer grage geseilter Meinung waren, jagen au$ bie 9ftätt)e 
feotfiS Don Satern am 10. 3uni. SBertyolb bertrat bie Hnfi<$t, baft t>or 
bem äammergeridjt Äurfttrften *c. ben niebern ©tänben ju IRegt flehen 
müfeten. Xatt 6. 843. 



378 



griff. 3um ©i$ fcatte man granffurt am SRain augerfefcen. 
©8 f^eint, ba§ bie granffurter ni$t attju emtfängü^ getoefen 
finb für bie &o$e ©&re, bic i&nen babur$ ttriberfufcr ; fte f&xty 
tctcn ^Beeinträchtigung tyrer faufmännif^en ^ntereffen bur<$ 
bie SBofytungSbebürfniffe beS neu }U}ie(enben $erfonaÖ. * 5Bo$ 
!am man überein, fo bafe ba$ $au$ ©rofrSBraunfelS für ba$ 
@eri<$t gemietet ttmrbe. 3mmer$tu toerf<$ob fi$ bie auf ben 
1. October in Stu^fid^t genommene Eröffnung biö jum Ie|ten 
£ag biefe* SWonatS, an toeldfjem ber Äönig perfönti<$ bem 
Äammerri^ter, na<$bem er nebft ben fteben eingefefeten ttr« 
tyeilern ben ®ib geleiftet, ben ©tab als S c ^ en & ntx SBürbe 
überreizte. 2 ©<$on am 3. Stotoember fanb bie erfte ©ifcung fiatt. 
Sunt Äammerrt^ter $atte äJtayimilian, t>ieHei$t mit 9töji$t 
gegen ben äöunfö ber ©tänbe, toeld^e fi<$ für ben gürjien 
2JtagnuS toon äta^alt, SBontyropfi ju] SRagbeburg, auSgefprod&en 
Ratten, einen feiner ©etreueften, ben ©raf en Sitelfrtfc t>on Söllern, 
ernannt. 9to<$ unter griebri<$ ^atte er als Äammerrt$ter 
fungirt ; feit SRay regierte, erfd^eint er öfter« in biefer ©teEung. 
SBo^l be^alb tft er für geeignet erachtet toorben, ben lieber« 
gang be$ alten 33rau<$$ in ben neuen ju vermitteln. Sänge 
mochte i$n freiließ ber Äönig ni$t entbehren, ju beffen t^ätigjlen 
Stätten er gehörte. @r toarb abberufen, unb für feinen mm* 
me$r jum ßammerrid&ter beflimmten ©ruber SBif<$of griebri$ 
von 3(ug$burg trat als SBermefer bo$ ber fromme unb gelehrte 
Sln^alter 3 in bie i$m anfangt jugeba$te Stellung, ©iefer ju 
raf<$e 2Be<$fel fonnte unmöglich bem neuen Snfiitut förberliifc 
fein. 9ti<$t minber mar e$ ein SRtfefianb, ba& bie periobif$e 
9tet<$8öerfammlung, tt>el<$e junä^ft am 1. gebruar 1496 in 
granffurt jufammentreten unb engfte gfitylung mit bem Äammer* 

i 3atiffen, SranlfurtS SReid&Scorrefo. II, 586. Statt 888. 

* §arty>re($t, @taat8ar($it> toeß ßammergerigtS II, 213 ff., bergL 48. 

3 »edfoiann, ^iftoric beS SürftmtyumS Anwalt IV, 534. (SRaj an 
SRagtwS, Stiften 1496 teritag tia$ $almtag.) Ueber Sollern f. übrigens 
$a»ttel 6. 



379 



geriet nehmen foDte, toie mir balb fe^en »erben, ni<$t }U 

ötanbe gefommen ifc Sic ijl als ber eigentliche 3flert> ber 

fogenannten £aub$abung ju betrauten, toel$e an ©teile be« 

aufgegebenen 9tei$3ra$£ für 9lufre$t$altung be$ SanbfriebenS 

unb SoQflredung ber Urteile beS Äammergeri<$t3 mit #ülfe 

be3 gemeinen Pfennig« forgen foKte. Stber me$r als ba$: ber 

jä&rltd&en SBerfammlung be$ ÄönigS mit ben ©täuben toax e$ 

anvertraut, atteä borjune^men, toaS bie ß&riflen^eit, ba$ 8tei$ 

unb gemeinen SRufcen betreffe, Äein Steic&Sange&öriger, aud) 

niä)t ber Äönig ober fein ©o&n, burften o^ne SBiffen unb 

SBiHen jener SSerfammlung Ärieg anfangen ober SBünbniffe mit 

gremben f <$Uefeen , bie ba« gteic^ benachteiligten. ®er ©rtrag 

be3 gemeinen Pfennig« burfte nur m<fy i&rem Srmeffen »er* 

menbet Kerben, i&r toaren au<$ bie @<$afcmeifler &eranttoortlid&. 

2Ran fann fagen, bie je jäl)rlid)e SSerfammlung b. $. bie orga- 

nif$e „SSereinung" — ber SfoSbrud ttrirb gebraust — be3 

Äönig* mit ben Stäuben repräfentirte ba« 9tei<$ in allen §Be* 

jungen, toar getiriffermafeen ber Snfcaber ^ er ©ouberänetät. 

traten biefe Sefugntffe in Äraft, fo regierte in 2)eutf$lanb 

ni$t me&r ein bur<$ ©täube bef darauf ter Äönig, fonbern eine 

claffiftcirte ärifiofratie mit einem primus omnium. 1 

Ob fo toeit ge^enbe Säuberungen t£atfäc£li<$ im Seben 
$la| greifen tofirben, $ing nun in erfter fiinie ab bon ber 
Erfüllung ber finanjtetten öetoilligungen. Der jä^rlid^e 3ietd^ö= 
tag o^ne bie 9iei$$auflage märe bei ber güUe feiner Obliegen* 
Reiten nur jum ©pott gut getoefeu. 

$ur $anb$abung toon ^rieben unb Stecht unb jum 2Biber* 
flanb gegen bie Surfen unb anbere 3tei$8feinbe foflen bier 



1 2(nfänglid&, gleiä) na$ bem ^bfie^en toom föeid&§rat$, $aitt man 
baran gebaut, einen ftänbigen WuSföufe be§ petiobi^cn töei<$Stag§ al§ 
$rrcuriü»<£omit6 neben ba& ßantmergeridjt ju fteflen. £o($ $aitt man barem 
ni$t feflge^alten. eine jotc$e Einrichtung, falls fic bei ber gegenseitigen 
§iferfud)t ber Stänbe burd&fityrbar fear, tonnte bocfj erft bie reife 3rud&t 
weiterer Üntmidlung fein. 



380 



3a$re lang alle über 15 Qafyre alten ©etjllid&en unb SBelfc 
lid&en, SRänner unb grauen, 1 fieuern einen falben r^eittifc^ett 
©ulben, fofem fie 500 ©ulben 83ejt$ ober 25 ©ulben an diente 
fyäben, einen r^einifdfjen ©ulben bei 1000 ©ulben 83efi| ober 
50 ©ulben Rente. 98er me&r als 1000 ©ulben beftfet, foH 
über einen ©ulben jaulen „fotoiel fein SÜnba^t ift". ©agegen 
jaulen 24 Sßerfonen, bie Weniger als je 500 ©ulben befifcen, 
jufammen einen ©ulben, toobei e$ fi<$ toou felbft Derfte^t, bafc 
i$re SeitragSquoten je na$ i&rer 3Bo$fljaben$eit fcerfd&ieben 
toaren. 

SDie 3uben Ratten für ben Äopf je einen ©ulben unter 
ji# aufjubringen, §ür gürflen unb anbere ©täube toar ber 
©nmbfafc aufgehellt , bafj fte je na<$ intern SRang ft<$ felbji 
na$ einem ettoaS ^^ern Sßrocentfafc anklagen foQten. 2 lieber* 
^aupt aber feilte üon ber Äanjel $erab ba$ SBolf ermahnt 
werben, ©ott ju Sob unb jur SWefcrung be3 d&rijilid&en ©laubenä 
unb be3 9tei<$8 ettoaS me$r ju geben. 2tud& barauf toar — 
unb fonberbarertoeife in biefem ©teuergefefc — Stütf jt<$t ge« 
nommen, bafe ftdjj jemanb in Ttnterjiüfcung ber 3tet#$feinbe ein« 
ließe, S)er foHte Vertrieben unb fein $au« unb ®ut, offenbar 
bo$ ju gemeinem 33ejlen, conftärirt toerben. 3 

£)ie Steuer, meiere ben für tyre fd^liefelid^e ©eflaltung 
roenig paffenben tarnen beö gemeinen, ober auä) beö türftfd&en, 
^Pfennigs trug, erfdjeint bemnad^ als ein $ö<$ft eigentümliches 
@emif$ von aSermßgenS», ßinlommenS* unb Äopffteuer. Qa mit 
Siedet ifi längft barauf aufmerlfam gemalt toorben, ba§ no$, 
gleid&fam toie ©erfd^alen i&rer ^erfunft, ber Segriff beS Sit 
mofenS tyr auflebt 3lu<$ ber 6r$ebungSmobuS jeigt einen 

i G^efrauen »erben ni<$t befonbetS jur 3a!)lun0 biefer Steuerquote 
angehalten. S* $>att 865. 

* $)ie auf bie „Heine §tilfe" ttroa gemalte Qaftlung foflte angeredet 
»erben. 

3 tReidr)3abf4iebe II, 16 § IS. (Hne fol$e Beftimmung t>atie Won 
t>ot bem fteiä)8tag §erman§grtin in feinem Somnium gefotbett (gorfäungen 
XX, 83). 



381 



gompromife gtmf^en centralifttf^en unb regionaliflif^en ®e* 
jt<$töpunften. 

Stte betrage foflen i<tyrli<$ toor 9teuia$r eingesogen unb 
bis Sid&tmefi an bie {leben toon Äönig unb ©tfinben erfragten 
9tei<$$f$afcmetfter in gfranffurt abgeliefert toerben. Severe, 
befolbet Dom 9lei<$ unb biefem etbli<$ t>erpfli<$tet, ftnb mit 
ber Seitung bet gefantntten Operation betraut unb bor allem 
bafür toerantiDortlicfc gemalt, bafe bie ßrträge nur mit ©e- 
toffligung be$ jä$rlt$en 3tei<$Stag8 ausgegeben toerben. ©ie 
fenben befolbete Commiffarien in alle Territorien (unb no<$ 
befonbere in bie Stöcefen, um bafeibjl neben btf$Sfli<$en SBer* 
orbneten aud^ bie @etfUi$en ju befleuero), treibe t>on ben 
überall in ben Pfarren eiugefefcten lanbe5£errli$en @r^ebern 
bie Seträge nebft ben ®erjei<$mffen ju empfangen $aben. 1 

S)a$ ©efefc befagt, bafc bie Steuer toicr 3a&re unb ni<$t 
langer enteiltet werben fotte, unb ein befonberer Sfte&erS Wlajcu 
mtlianS ft^ert nodj au$brü<Hi$ ju, ba& er fte na<$ 3lblauf 
biefer fjrift ni$t me$r forbem toerbe. ©enno$ ijl ber ®ebanfe 
ganj offenbar, mit biefer Steuerform einen ni$t ju langen ®erfu<$ 
§u machen, na$ beffen ÄuSfatt man fi$ bann über tyre gort* 
ejriflenj fölüfftg matten toottte. S)ie ©täbte, fonft immer am 
jä£)efien bie ©itynfire be$ ©elbbeutete anjie^enb, $aben ba£ bei ben 
Verätzungen audbriidli^ betont. SWan tootte fe^en, oballent* 
falben glet^mäfeig im 9tei<$ mit jenem Sfof^lag toerbe borge« 
gangen »erben unb ob er ;u ben borgefe^enen $me<fen auty 
toertoenbet toerbe, um bann erfi über ©rflredung ber Auflage 
}u t>er$anbeht. * 3n ber tyat, »ie Ratten bie neuen 3tei$3* 
infütute befielen lönnen o^ne bauemben aufruft ber ©täube! 

* Sintge TO»eid)ungen für bie Stetig- unb greiftöbte ftatutrt Bei 
Statt 868. 

2 S)et Debets be§ JtftmgS öom 7. ttuguft (naä) einer €ojrie int baier. 
6taatS-fcr<$it> unb nid)t Dom 13. toie ber $rucf in ben «blieben II, 17). 
$)er@4Iuftber fMbtifäen (Srflfirnng mmt 24. 3uli lautet: „ba§ man bann 
mit ber getyt fol<$ auffatjung lenger nad) gelegen^aii ber ftatbe, lanb unb lauf 
erftreden mödjt" (2)ott 866). 



382 



Stafe bie ©portein m<$t ausreißen totirben, $at man öorau& 
gefe^en , unb bte (Srfa^ruug $at e$ aläbalb beftätigt. Qencc 
Steuer« be8 ÄönigS ift ba^er ni<$t3 als eine fo ju fagen con* 
ftitutionede Slaufel. ©er gemeine Pfennig ifi gebaut, toemt 
auä) bieHei$t in ben SBetatlS beranberli<$, als bauembe, aber 
periobif<$ ju betiriHigenbe ©teuer, ©er Äönig unb feine SWadfc 
folger follen, toie e$ einmal Reifet, leine über bie toier 3a$re 
hinaus ft<$ erftredfenbe „®ere$ttgleit" unb bie ©tänbe feine 
bejüglid&e 33erpfli<$tung $aben. 1 

©i$er ifi biefe @inrt<$tung, toie mit Sfted&t $ert>orge$oben 
ift, $öd$ unboHf ommen , aber ebenfo fidler ifi fie ernflli<# ge* 
meint getoefen. 2 S)ie ©<$ttnerigfeiten , benen fie auf ityrem 
3Beg bon ber 2$eorie ins Seben ju begegnen $abe toürbe, ftnb 
f<$on in bem einleitenben 2lbf<$mtt biefeS SapitelS angebeutet 
toorben. <S#e voiv ba$u übergeben , uns mit bem an ®nttäu* 
f^ungen reiben Verlauf ju bef<$äftigen, muf* in ber Äürje no<$ 
aHeS baS borgefü^rt derben, toaä gu einer boflfiänbigen ©Rjje 
beS 8tei<$3tag8 erforberli$ ift. 

Stadlern ber Äönig bie bier ®efe$e DoUjogen $atte, voax 
bie grage, toer fonfi an ber Seurhinbung fo nri<$ttger 89ef<$lüffe, 
bie julefct fo gut toie einmütig angenommen toaren, tyeilneftnen 
foule. <£$ toarb beliebt, bafe fie nur bon ben in Sßerfou an* 
toefenben dürften unterfd&rieben unb befiegelt toerben foDten, 
womit alle antoefenben 83ot}$aften einberftanben maren. 3 da- 
gegen foHten alle abtoefenben gürfien, gleid&Diel ob vertreten 
ober untertreten, bur<$ befonbere Seibriefe t&re 3uftimmung 



l $att 864, 11. 

« 3ianfe I, 77. 

3 %\t ©ejanbten ÖeorgS öon Katern ertlärten, toaS bem $etc$ ju 9ht% 
unb ®ut bon ber 33erfammlung angenommen fei, bnrin »erbe fio) tyr §err 
uixjroeifeKjaft ge&orfam polten. (93eri$t toom 31. Sluguft. SBaier. ©taat§«8r0)fo.) 
UebrigenS Ratten fie traft früherer 2&oÜma$t au$ i^rerfettd emgraiflifit 
(Sluguft 1). Safe au$ 9übrec$t§ bon Katern SBote traft feiner S3oflmac$t )«* 
geftimmt, ger)t au§ einem Schreiben bom 9. Süiguft 1496 bei flrermer, 
SBaier. 2anbtag§l)anblungen IX. 359 ebibent &erbor. 



383 



unb i&ren ©e^orfam erflären. 3ur 33er$anblung mit ben un* 
vertreten gebliebenen dürften nnb ber ber ©tanbfc&aft ganj 
etiirat&enben 9titterf<$aft * mürben befonbere SBertrauenäm&nner 
fürjili<$en 6tanb£ bet>ottmä<$tigt. SBieS mar eine ©a$e Don ber 
grögten aBt<$ttg!eit, benn bei bem -TOangel eine« binbenben 
6taat$re<$t3 lonnte nur biefer auf biplomatifäem 2Beg nad^ 
träglt$ ermirlte Seitritt eS toer&ilten, bafe ein großer S^eil 
SDeutf$lanbS aufeer^alb ber nmm formen blieb. Qatte e8 bod) 
im 9leic$3tag felber jutn 6<$luf$ no<$ nid)t ganj an 2Biberft}ru<$ 
gefehlt. SSor bem Sttbf^lufc $at ber J>fäljif<$e ©efanbte, ©<$mi(fer 
bon ©idingen, ®eba<$t an feinen -#erm genommen unb am 
81. Slugufl* bie »ntmort gebraut, bafc Sßfalj ben äbföieb 
avß 1lrfa$en, bie e8 feiner 3*it tooty entbeden merbe, nid^t 
bemiQigen lönne. 

S)afe bei ber Seb^aftigfeit ber Äämpfe, bie fi# um bie 
gro&e Reform breiten, anbere fragen ni<$t bie gehörige äRufee 
fanbeu, ifi begreifli<$. SRur ein paar SBerorbnungen über @otte& 
läjlerung unb bie meftfälifd&en ©eru^te finb fonft no# ju ©taube 
gekommen, aber im ÄreiS ber Stäube toer^anbelt maren nod> 
eine ganje Steige mistiger fragen, mie über bie geiftli^en @e- 
ri<$le unb bie ßoncorbate beutf<$er gürfien mit Stom, über bie 
gartenben Anette unb ba8 3 u t r tofen, über ben Äleiberluyuä 
unb bie golbene SDMtnje. SefonberS $infi<$tlit$ ber ajlünje mar 
man f$on }ur SluffteHung Don @eft$t$punften gebieten, mel^e 
bte ju bem im Februar 1496 betoorfie^enben neuen 9tei<$$tag 
Don ben ©tänben ermogen merben fottten, 

63 tyanbelte fi$ babei um ni$t3 ©eringereS als bie bem« 
Hälftige (Sinfftyrung einer gemeinfamen ©olbmfl&rung, ;u ber 

1 9tur bie au§ bem §egau unb ber SDtoTtenau machte eine WuSna^me. 
Satt e. 543, 14. 

* SWontag nadj> SBartyol. SQßütjb. Hrd&iü. £er $fatagraf würbe fidj 
aber willig einteilen, toenn et toom Äönig ju onbem Sagen Belieben toürbe. 
$falj $at au<$ bann in ben gemeinen Pfennig getoifligt, tote ber SBrief bei 
ßfjmel, Uttimben 112 ergiebt. daraus erljeflt au$, bafe baS SBtcartat to- 
tale be§ $totefte§ mar. 



'384 



bie r$einif$en (Sulben ben SJiafeftab abgeben faßten. 5Da$ alte 
©epräge foUte fürber nur auf einer Seite juläfjig fein, bie 
anbere ©eite foUte, fo marb borgef<$lagen, bie ftaiferfrone mit 
ber ttmfdjpift : Adjutorium nostrum in nomine domini tragen. 1 
©djöne £räume, bie aber ebenfo&iel patrioüf<$en @inn ate toer> 
fiänbige Sbmägung beS an fi$ 2Bünf$en$mert&en mit bem 
SSortyanbenen geigen ! ©ie erretten ben SBeg, auf bem man ben 
beutföen SRei<$3tag in ber nä^fien Spotte gefunben fcaben 
mürbe, menn tym eine fo gefunbe orgamföe S^ätiglett be= 
fd^ieben gemefen wate. 3n SBormS ift man, mie gefagt, über 
jene fragen ju (einerlei ätöf<$luf$ gefommen. 2Ran fyrtte offen« 
bar no<$ ben größten St^eil be$ Stugufl nötyig, um nur bie 
großen ©efefce enbgüitig ju rebigiren unb abjuftyliefeen. Stande 
maren f<$on längft abgereift anberen brannte ber Voben unter 
ben gü&en nad) fo langem Sermeilen. 2)enno<$ ift e£ gerabe 
in biefem SWonat no<$ faft ju einem ßonfttet gefommen, ber 
ni$t übergangen werben barf, meil feine folgen ben fonber* 
barften Eontraft ju bem eben be!annt gemalten emigen £anb- 
trieben gebilbet fydbm mürben, ber fic^ beulen lägt. 

@£ ift im öor&erge&enben ßapttel (©. 246) crjä&It morbeu, 
baf$ Snbe Sftoioember 1494 jmif$en bem Äönig unb feinem So$n 
einerfeitö unb bem ^erjog älbre<$t toon Saufen anbererfeit* 
unter Vermittlung fcerborragenber 8teü$3fürjien unb ber Itäm* 
merer beiber 3ungen ein Vertrag gef$loffen mar, mitteilt beffen 
bem $crjog bie Veja&lung ber auf me$r als 300,000 r^einif^e 
©ulben angef$moHenen ©djulbfumme in beflimmten Terminen 
$ugeft$ert unb verbürgt morben mar. 2>er Vertrag mar glei<$ 

i Statt 889. @a>n 1494 am 13. October (Montag na<$ 61 ©creon) 
$atte ber fölniföe Äanjler Sodann Wenden bem Äönig bie @rri$tung einer 
cm$eitii<$en fReid&Sfilbermunae empfohlen. @8 würben fteit) gBege 
finben Iaficn, bieg ©ilbergelb bur<$ ben Äönig an <8e$alt unb lufföniit fo 
ju raa<$en, bafc bie 3Re$r$eit fi^r) gern barein finben würbe. Orig. im twen. 
Staat8-?lr^tt). WltnQm wohnte batnalö Gonferenaen mit Staten ber r^eim* 
föen iturfurften über bie golbene SRünae bei Was (oüe feinen ©orftUg 
geheim galten, bis bie ©olbmünje geregelt fei. 



385 



beim erflen Verfalltag unerfüllt geblieben, £erjog Sllbredbt voax 
e$ um fo me$r mflbe, ft<$ nun feit 3a$ren bur<$ immer neue 8te$* 
nungSlegungen unb Sufagen in Setreff feine« jum 2^eil ber* 
Dienten, §um großem Styeil borgeftredten Selbe« narren ju lajfen, 
als, nrie mir gefe&en tyaben, ber bon feinen burgunbif<$en 
SBürbenträgern abhängige Gr$erjog Sß&üiW me$r ate unfreunb* 
U<$ toerfu^r gegen ben mit 9te#t felbfibetoufeten @eneral unb 
»eid&Sffirften. ®a& ba8 SKiffoergnügen in SBorma, tt>o älbred&t 
er f d&ienen toar, ni<$t abgef<$toä<$t toerben tonnte burd) ben 
)iemli$ unjeitigen unb raf$ befeitigten Einfall, tyn ate SReid&S* 
felb&errn anjufieBen, ifi (6. 369) ertoä&nt toorben. Sllbred&t liefe 
fi$ burd& gute äBorte unb @$renbe$eigungen nid&t länger ©anb 
in bie äugen flreuen. Stuf fein gutes 9te$t pod&enb fd^eint er 
mit bem ga$Iung$unfä&igen Äönig nid^t gerabe glimpflich um* 
gegangen ju fein. SSCId ba8 ni$t8 fcalf/ braute er öffentlich t»or 
Äurfürjlen, gürften unb beren Stätten gegen 3Ra; unb Sß&iltW 
ftlage an, bafc fte ii)m ba8 Serfpro^ene ni^t gehalten Ratten, 
unb forberte Unterftü|ung feiner ©tanbeägenoffen, um )u bem 
©einigen ju fommen. ©er 6rjbif<$of üon 3Rainj unb ber für* 
branbenburgifd^e 9tat& ©igmunb Don Rotenburg nmrben mit 
ber Ausgleichung ber tyeillen ©a<$e betraut. 63 gelang aber 
nid^t, ben erjärnten ©ad&fen ju beliebigen. 5Da er leine ge* 
nitgenbe ©id^er^eit — unb toeld&e ^ätte man tym na<$ jenem 
ntd&t gehaltenen Vertrag no$ üerfd&affen lönnen — erhielt, 
er^ob er, o&ne jt<$ um ben ©canbal ju befümmern, Sßroteft 
t>or bem 9lei<$Stag. SJtit 3Rü$e !onnte er bermod^t werben, 
bie 9Midf!e$r beS Äönig8 abjutoarten, ber bamalä gerabe SSorntS 
toerlaffen fcatte. x Site 3Raf am 1. September jurüdff am, moKte 
au<$ er juerjl ni<$t3 bon einer perfönlid&en S^fammenfunft mit 

i ©ert<$i ber (abgefefjen öon (Sitetoolf öon Stein) nodj anmefenben 
branbenburgiföen Qefanbten t>om SRitttoocfc na<$ Bartholomaei (26. Huguft). 
Saliner 6taat8-3lr$ta. — 9lo<$ am 22. Buguft aar SJtoj in 2öotm§ an« 
toefenb (Rawdon Brown, Calendars I, 9lr. 653). $>afe er am ©ienStag 
Egidii (Sept. 1) jurüdtteljrte, faßt ein weiterer branbenb. SBertd^t. 
Ulmann, Staifer SRaghmlian. I. 25 



386 



bem £erjog toiffcn. ®eun berfelbc §ätte tyn fcormals mit Ijöfc 
nifdjen l 3Borten angcfod^tett. Sreigne fi<$ ba3 toieber, fo lönne 
er felber fyijjig werben unb e$ mö$te ttnraty geben. 3Ran 
ermifct leidet, toeld&e Äluft fi$ jti)if<$en ben beiben üor furjem 
no$ natye vertrauten SDlännern aufgetyan $aben mußte, menn 
fte üor perfönli<$er Begegnung jefct @$eu trugen! S)a& älbre^t 
}u äufeerften 6ntf<$lüffen geneigt fear, barf man ben SRoba* 
litäten entnehmen, unter benen er fi<$ bann, tote nrir gleich 
fe^en »erben, bo<$ bef$tt>i<$tigen liefe. SWan fann ni<$t jtoeifeln, 
bafe er fi<$ mit bem ©ebanfen trug, bur<$ getoaltfame Sejifc 
natyme eines $abäburgif<$eu ©ebiets fi<$ ein Sßfanb für feine 
2lnfprii<$e ju fi$ern. 9Rit ©orge glaubten patriotiföe 3^eil* 
neunter beä 3tei<ptag8 ben Sürgerlrieg toor ber Satire ju fe^en, 2 
ben 53ürgerlrieg jtoif<$en bem 9tei<$3ober$aupt unb bem be* 
tüä^rten Segen be3 SaterlanbS, ber me^r rote einmal gejeigt 
^atte, bafc er Opfer bringen fonnte. 

©lücflid&erroeife tourbe ba3 ©$limmfte fcermteben, aber 
allerbingS bur<$ ein Slbfommen, baö in jeber geile ein t>oH« 
gültige« Seugnifc ber Verlegenheit ijl, in ber man ji<$ befanb, 
unb juglei<$ bie fonberbarfte 3ttuftration jene« SBefen«, ba$ 
ft<$ beutf<$e8 3tei<$ nannte. 

Anfang September 3 toarb alfo bertragSmäfctg feftgefefct, 
ba& bie verfallene State ber ®<$ulb jufammen mit ber folgenben 
auf SReujafyr ju bejahen märe unb bafe bann Leiter bie Termine 
ber SSerfd^reibung in Äraft bleiben foüten. SBfirben bie £er* 
mine ni$t eingehalten, fo follten ber eben bef<$loffene Sanbfriebe 

1 „$enli<5en" jagt ber ^Berief) t im berliner ®taatö«2lr$it>. 

2 2Benigften§ glaube i<$ ba§ Sd&reiben §etman8grttn§ an föeu<$lm oom 
September auf biejen acuten (Sonflict, unb ni<$t eitoa bloS auf bie ©efa$r 
be§ Sd&eiternS beS SanbfriebenSgefefceS begießen su muffen. $ie ©orte in- 
cendio vero domeatico restineto taffen faum eine anbete Huilegung }u. 

3 3-nfertrt im gebrueften Slußfdjretben 9llbre<$r8 an $>ietria) öon 
Sdjteinit}, SRainj 1495 Dienstag na<$ cracis exalt. (September 15) mit 
ttufforberung jur Stellung einiger gufcfned&te, tote bereit jaljlreid&c vorliegen 
im breSb. ©taat&«Hrc$ib. 



887 



unb anbete $Rei$$fa&ungen 2U6re<$t imb fernen (Srben an Gin* 
bringung bet SJorberung feinen Slbbrudij ober SSer^inberung ti&un. 
öielme^r foflte er 3ted;t nnb 3Ra<$t £aben, biefelbe mit £ülfe 
ber Äurfürflen, dürften unb Stäube „ober auberer" na<$ feiner 
SRot^burft unb ©efatlen, ttrie baS au<§ gef<$e$e, einzubringen 
unb fo ju l;anbeln, baß er otyne SSerfürjung ju bem ©einen 
ffime. SffleS, tote nodfjmalS hervorgehoben toirb, ofyte 3$erle$ung 
ber J?önigli$en SRajeflät, beS SReid^S, beä SanbfriebenS unb an- 
berer Drbnungen. 

35aß für beftimmte gäHe vom Sanbfrieben biSpenfüt tmtrbe, 
mar bisher ni<$t unerhört getoefen. 1 aber ba tyatte eS and) 
uo<$ feinen etuigen Sanbfrieben gegeben. Unb Sllbred^t fear eS 
üöDig ©ruft mit ber errungenen SSoflmac^t. <5r erliefe nocfy 
oon SRainj aus ein für ben (Empfänger beftimmteS SluSfd&reiben, 
bereu bann in näd&fter Qeit eine größere ätajatyl verfenbet 
toorben ift. ©affelbe, jum größten £&eil bur$ bie tyiftorif<$e 
SarfleBung feines SBertyältniffeS ju 3Jtajimilian bis 311 jenem 
Vertrag vom September 1495 aufgefüllt, geigt f$lteßli$ 9llbred&t3 
©ebanfengang gauj unjmeibeutig: 6r verfeme fi$, baß ber Äönig 
ben Vertrag erfüllen toerbe. Sollte baS aber nic^t gef<J>e$en, 
fo fei eS i^m in feiner 2Beife erträglich, eine fo große Summe 
ju verlieren, fonbem er muffe biefelbe mit ©otteS unb feiner 
greuube £ülfe einbringen. @r Verlangt, ni$t aus $fli$t 
fonbem gütiger SBeife, bie Stellung einiger gußfue<$te auf ein 
3a$r, eventuell nur auf \ Qa^r, falls ber Vertrag gehalten 
»erbe. 2tlfo ni$t ba3 £eranfommen beS erjien Termins foH 
abgewartet toerben, fonbem ber $erjog tbiH fi<$ fofort in Sßofitur 
fefcen, um jebeu ©ebanfen an weitere SRad&giebigfeit feinerfeits 
auSjufd&ließen. @3 galt in ben -ftieberlanben fi<§ ein $fanb 
ju fidlem. 2te&nli$e 2lu3f<$reiben ergingen nid^t nur an fämmt- 
lid>e Se^enSmannen 2 unb bie Prälaten unb Stäbte be« SanbeS, 

i €o ^atie 8fricbti<$ 111. i486 flöht bispenflrt. Sacomblet, Urfunben» 
6u$ IV, 637. 

2 M% Gnriofum erwähne t<$, bafj foflar TOre<$tS fcaufetmann SGBtl- 



388 



fonbem auä) an eine große 2luja&l dürften, ©otoeit erfid&tti<$, 
f)at loeitauS bie SWe&rjatyl bem SKnfinnen auf £ruppenftellung 
ober ©elbjufd&ufj entfpro<$en. * Slber bamit §at ft$ ber $erjog 
ni<$t begnügt, ©er Vertrag gemattete tyrn bur<§ jtoei SBBörtc^cu 
audjj SRid^treid^^ange^örigc ju fetner Unterfiüfcung aufjubringen. 
35er tapfere SDegen, ber in ben nieberlänbif<$en Äämpfen mit 
graujofeu unb granjofenfreunbeu fo toentg geberiefen« gemalt, 
fa$ fi<$ jefet in beren Slrme gebrängt. @3 toäre ni$t ju ent* 
fdjulbigen, toenn nid&t eben bie bamalige 3eü *% fü* te^t tnU 
f<#ult>bar gehalten Ijätte, baß ber toegen feine« ^Patriotismus 
f$on bamals ^od&gepriefene gür(l fi<§ gegen SP^ilipp toon 99ur* 
gunb ju fcerbinben firebte mit bem Äönig fcon granfreiety. @r 
fanbte, e3 mag jtoifd^en gebruar bis SBtprit 1496 getoefen fein, 
feinen Hauptmann SEBiltüoIt toon 6$aumburg an ben franjöfifd^en 
#of, um £filfe gegen bie SRieberlanbe unb